Zum Hauptinhalt springen

BAM eröffnet neues Batterietestzentrum: Sicherheit und Nachhaltigkeit im Fokus

Elektrische Energiespeicher, die heute vor allem auf
der Lithium-Ionen-Technologie beruhen, sind eine Schlüsseltechnologie für
die E-Mobilität und die Energiewende. Die Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung (BAM) eröffnet jetzt an ihrem Stammsitz in
Berlin ein neues Batterietestzentrum, um Innovationen in dem Bereich
voranzutreiben. Im Fokus stehen Untersuchungen zur Sicherheit sowie
nachhaltige Batterie-Materialien.

Elektrische Energiespeicher sind bereits heute aus dem Alltag nicht mehr
wegzudenken: Sie versorgen E-Autos, Elektroräder und Smartphones mit
Strom. Bei der Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft, die
Deutschland und die EU anstreben, kommt ihnen ebenfalls eine zentrale
Bedeutung zu: Große stationäre Batteriespeicher sollen künftig die
überschüssige Energie aus Solar- und Windenergieanlagen zwischenspeichern
und jederzeit verfügbar machen.

An der BAM bilden die Forschungen zu elektrischen Energiespeichern einen
Schwerpunkt. Dabei steht der Aspekt der Sicherheit im Fokus, vor allem der
so genannte Thermal Runaway, eine Kettenreaktion, die zu extrem hohen
Temperaturen und Bränden führen kann. Die Untersuchungen der BAM dazu
fließen auf nationaler und internationaler Ebene in Regelwerke und die
Normung ein.

Jetzt eröffnet die BAM an ihrem Sitz in Berlin ein neues
Batterietestzentrum, um Innovationen in dem Bereich voranzutreiben und
ihre Kompetenzen bei den elektrischen Energiespeichern weiter auszubauen.
Es bietet der BAM und kooperierenden Einrichtungen aus Wissenschaft und
Industrie erweiterte Testeinrichtungen auf neuestem Stand.

„Im neuen Batterietestzentrum werden wir vor allem zum State of Safety,
dem Sicherheitszustand von Batterien und Zellen, forschen“, so die
Leiterin Dr. Anita Schmidt. „Wir setzen einzelne Zellen, ganze Batterien
oder batteriebetriebene Geräte gezielt mechanischen, thermischen oder
elektrischen Belastungen aus. Aus den multisensorisch und mit bildgebenden
Verfahren erfassten Daten leiten wir Schlussfolgerungen für die
Sicherheitsbewertung und den State of Safety ab.“

Die Testeinrichtungen erlauben es etwa, Akkus mit hohen Laderaten zyklisch
zu laden und damit ihre beschleunigte Alterung zu simulieren. Die
Erkenntnisse aus den Versuchen sind wichtig für Second-Life-Anwendungen:
In Zukunft sollen vermehrt ausgediente Batterien aus E-Autos
zweitverwendet werden, zum Beispiel als Speicher für Photovoltaikanlagen
in Privathaushalten oder als stationäre Großspeicher, die die Stromnetze
stabilisieren können. Solche Zweitanwendungen können einen wichtigen
Beitrag zur Ökobilanz der Batterietechnologie leisten.

Der Aspekt der Nachhaltigkeit steht auch im Fokus eines neuen
Speziallabors für Energiematerialien: „Hier forschen wir an innovativen
und ressourcenschonenden Materialien für einzelne Batteriekomponenten. So
könnten Natrium-Ionen-Batterien eines Tages den Rohstoff Lithium und
Bestandteile wie Kupfer oder Kobalt ersetzen“, erklärt Dr. Tim Fellinger.
Ergänzt werden die Einrichtungen durch einen Batterie-Großprüfstand auf
dem Testgelände Technische Sicherheit der BAM in Brandenburg. Hier prüft
die BAM in einem vom Bundesforschungsministerium getragenen Projekt
Großspeicheranlagen im Realmaßstab auf ihre Sicherheit.

„Insgesamt deckt die BAM damit ein in Deutschland einzigartiges Spektrum
im Bereich Batterien ab, das von der Erforschung des State of Safety von
elektrischen Energiespeichern von der Material- über die Zellebene bis zur
Großbatterie reicht, und dazu die Erfüllung hoheitlicher Aufgaben sowie
die Mitwirkung an Gesetzen und Regelwerken umfasst. Damit wollen wir einen
Beitrag leisten zur gesellschaftlichen und politischen Akzeptanz der für
die Energiewende so zentralen Batterietechnologie und zugleich die
Forschung an zukünftigen Generationen elektrischer Speicher vorantreiben“,
so BAM-Präsident Prof. Dr. Ulrich Panne.

  • Aufrufe: 27

Mobile Raumluftfilter für Schulen – sinnvoll oder zu teuer?

Seit dem Sommer 2020 sind sie im Gespräch: mobile Raumluftfilter, die
einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Infektionsrisikos mit dem
SARS-CoV-2-Virus leisten. Trotzdem sind die Geräte bisher nicht
flächendeckend angeschafft worden. Als Grund werden vornehmlich zu hohe
Kosten angegeben. Anna Rohlfing-Bastian, Professorin für Rechnungswesen an
der Goethe-Universität Frankfurt, hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Gunther
Glenk von der Universität Mannheim berechnet, wie hoch die Kosten für die
Anschaffung und den Betrieb der Geräte sind und ein Online-Tool
entwickelt, mit dem Schulen die kosteneffiziente Ausstattung von Räumen
berechnen können (www.airfiltercalculator.com).

Optimierung der Lebenszykluskosten und Verringerung der Aerosolbelastung
Aerosole gelten als einer der Hauptübertragungswege für das SASR-
CoV-2-Virus. Mobile Raumluftfilter sollen diese virenbeladenen Partikel
aus der Luft filtern und damit das Infektionsrisiko deutlich verringern.
Neben den Kosten für die Anschaffung der Geräte entstehen laufende Kosten
für Wartung, Filterwechsel und Strom. Mit einem Lebenszykluskostenkonzept
werden sämtliche Kosten erfasst, die über die Nutzungsdauer eines
Raumluftfilters anfallen, und ins Verhältnis zur notwendigen
Filterleistung gesetzt, um unterschiedliche Geräte miteinander vergleichen
zu können.

In der Grundschule: Kosten von unter 50,-€ pro Person pro Jahr
In einer Grundschule mit einem Klassenraum von 66,66m2 Grundfläche und 3m
Raumhöhe, 21 Schüler*innen und 1 Lehrer*in sowie 5 Schulstunden täglich
über 4 Schuljahre hinweg liegen die Kosten für die notwendige
Filterausstattung bei knapp 50,-€ pro Person und Jahr. Dabei wird eine
empfohlene Lärmbelastung von 40db für ruhiges Arbeiten durch die mobilen
Raumluftfilter nicht überschritten.

Raumluftfilter senken auch langfristig Gesundheitsrisiken
Es stellt sich die Frage, ob in Anbetracht der sinkenden Inzidenzzahlen
und der voranschreitenden Impfungen die Anschaffung mobiler Raumluftfilter
überhaupt noch sinnvoll ist. Zwar sind erste Impfstoffe für Kinder ab 12
Jahren zugelassen, eine flächendeckende Impfung ist jedoch angesichts der
Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht zu erwarten. Für
Kinder unter 12 Jahren gibt es aktuell keinen zugelassenen Impfstoff.
Mobile Raumluftfilter sind zudem nicht nur bei SARS-CoV-2 effektiv,
sondern auch bei Grippeviren, Schadstoffen und Pollen. Die Anschaffung
mobiler Raumluftfilter in Schulen kann daher wesentlich dazu beitragen,
die Corona-Inzidenzen in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen
nicht nur nach den Sommerferien niedrig zu halten, sondern auch
langfristig die durch Schadstoffe entstehenden Gesundheitsrisiken für
Schüler*innen und Lehrer*innen zu reduzieren.

Frau Professorin Rohlfing-Bastian ist eine von über 170 VHB experts des
Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). Mit rund
2.800 Mitgliedern ist der Verband eine wachsende, lebendige Plattform für
wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und Nachwuchsförderung in allen
Bereichen der BWL und darüber hinaus.

  • Aufrufe: 15

Wie sich die Gesellschaft verändert

Die neue Forschungsgruppe „Rekonfiguration und Internalisierung von
Sozialstruktur“ (RISS) unter Beteiligung von Soziologie und Politologie an
der Goethe-Universität untersucht den sozialen Wandel der Gegenwart.

Unsere Vorfahren würden staunen: Frauen und Arbeiterkinder im Arztkittel,
Menschen mit Migrationsgeschichte in der Richterrobe und in den großen
Firmen hochqualifizierte Beschäftigte aus der ganzen Welt. Dies sind
Beispiele für soziostrukturellen Wandel, der Auswirkungen auf die sozialen
und politischen Orientierungen der Menschen hat. Einerseits erleben wir
ein hohes Maß an sozialer Mobilität und Teilhabe, andererseits nehmen auch
Benachteiligungen und gesellschaftliche Konflikte zu. Was passiert da mit
der Gesellschaft, und wie wirkt sich das auf den Einzelnen und das
Kollektiv aus? Damit befasst sich eine neue Forschungsgruppe unter
Beteiligung von Soziologie und Politologie an der Goethe-Universität.

An der Goethe-Universität gibt es eine neue Forschungsgruppe: Wie die DFG
gestern bekanntgegeben hat, kann das Projekt mit dem Titel
„Rekonfiguration und Internalisierung von Sozialstruktur“
(„Reconfiguration and Internalization of Social Structure“, RISS) im
Herbst die Arbeit aufnehmen. Die Förderung für zunächst vier Jahre ist
befürwortet worden, insgesamt erhält die Forschungsgruppe rund 3 Millionen
Euro. Im Zentrum des Projekts steht der gesellschaftliche Wandel und
dessen Auswirkungen in ihrer ganzen Komplexität.

Es gibt verschiedene Hypothesen dazu, wie sich der gesellschaftliche
Wandel, der an so vielen Stellen zu beobachten ist, langfristig auswirken
könnte: Wird die sozialstrukturelle Durchmischung von Menschen mit
unterschiedlichen Gruppenzugehörigkeiten zu mehr Integration und Einigkeit
führen? Oder ist eher das Gegenteil der Fall, und die Identifikation mit
der Gesellschaft schwindet? Wer aufmerksam die Geschehnisse verfolgt, kann
nicht übersehen: Nach Jahren einer sozial durchlässigen Sozialstruktur und
erhöhter Mobilität gibt es weniger soziale und politische Stabilität als
früher, nicht mehr. Die Forschungsgruppe RISS will nun eine Theorie
entwickeln und empirisch testen, die die soziostrukturelle Prägung von
individuellen und kollektiven Orientierungen erklären hilft. Sprecherin
ist die Soziologin Prof. Dr. Daniela Grunow von der Goethe-Universität, wo
auch die meisten Mitglieder der Gruppe forschen und lehren. Ko-Sprecher
ist Prof. Dr. Richard Traunmüller von der Universität Mannheim.

„Die Entfremdung von demokratischen Prinzipien und die Polarisierung der
Gesellschaft wird zunehmend als Problem wahrgenommen. Ich freue mich, dass
an der Goethe-Universität nun mit Nachdruck daran gearbeitet wird, dieses
Phänomen wissenschaftlich besser fassen zu können“, sagt Prof. Dr.
Bernhard Brüne, als Vizepräsident zuständig für Forschung. „Wir gehen von
einem dezidiert multidimensionalen Ansatz zur Sozialstruktur aus und
wollen die Komplexität der Thematik in einer Kombination aus
Sozialstrukturanalyse und Politischer Soziologie untersuchen“, erklärt
Daniela Grunow, die Sprecherin der Gruppe.

Wie lassen sich eine „individualisierte“ Sozialstruktur oder das Ende der
„politisierten“ Sozialstruktur mit der menschlichen Neigung zur
Gruppenbildung und den gegenwärtigen soziopolitischen Konflikten
vereinbaren? Die Komplexität dieser Fragestellung, so Grunow, werde
bislang von der Forschung nicht ausreichend abgebildet. Die
Forschungsgruppe schlägt eine neue analytische Perspektive vor. „Obwohl
sich die Sozialstruktur dramatisch verändert hat, hat sie nichts von ihrer
prägenden Kraft eingebüßt. Statt einer Auflösung der Sozialstruktur
erleben wir ihre grundlegende Rekonfiguration sowie eine veränderte
Internalisierung von Sozialpositionen und Gruppenzugehörigkeiten“,
erläutert die Soziologin. Um diese Transformationen zu begreifen, sollen
die neuartigen Sozialstrukturen daraufhin untersucht werden, wie sie
Sichtweisen, Überzeugungen und Präferenzen prägen. Bislang konzentriere
sich die Forschung auf einzelne strukturelle Dimensionen wie
Bildungserfolg, sozioökonomischer Status, Geschlechterverhältnis oder
Migration und ethnische Vielfalt. Es sei jedoch notwendig zu verstehen,
wie sich Wandel in diesen Einzeldimensionen verschränkt und umfassende
Rekonfigurationen der Sozialstruktur bedingt.

Die Initiative des breit angelegten Projekts geht von InFER aus, dem
Institut für empirisch-analytische Forschung an der Goethe-Universität.
InFER ist 2016 von Prof. Dr. Grunow und ihren Kolleginnen und Kollegen
gegründet worden, insgesamt sind rund ein Dutzend Professorinnen und
Professoren der Goethe-Universität mit ihren Teams daran beteiligt. Ziel
des Instituts ist es, empirisch-analytische Forschung zu sozialem Wandel,
sozialer Ungleichheit sowie politischer Partizipation und Repräsentation
zu stärken. InFER wird die neue Forschergruppe vor allem infrastrukturell
unterstützen.

  • Aufrufe: 16

Kinder sollen Schwimmen können

Stiftung Kindergesundheit: Ertrinken ist der zweithäufigste tödliche
Unfall bei Kindern

Zunächst die gute Nachricht: Das Risiko für Kinder, durch einen Unfall ums
Leben zu kommen, ist in Deutschland in den letzten 10 Jahren um mehr als
ein Drittel gesunken. Nach Angaben der Stiftung Kindergesundheit gilt das
für die Verkehrsunfälle ebenso wie für Unfälle zu Hause und in der
Freizeit. Leider gibt es aber auch eine schlechte Nachricht: Die Zahl der
kindlichen Todesfälle durch Ertrinken stagniert auf hohem Niveau. Auch im
letzten Jahr 2020 kamen 18 Vorschulkinder (2019: 17) und fünf
Grundschulkinder (2019: 8) durch Ertrinken ums Leben. Ertrinken ist die
zweithäufigste Unfallursache mit Todesfolge bei Kindern bis 15 Jahren,
betont die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

„Einer der Gründe für diese alarmierende Tatsache ist die zunehmende Zahl
von Nichtschwimmern unter den Kindern und Erwachsenen. Schwimmen können
ist aber lebenswichtig!“, sagt Professor Dr. Berthold Koletzko,
Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Der Münchner Kinder- und
Jugendarzt verweist auf die Erhebungen der Deutschen Lebens-Rettungs-
Gesellschaft DLRG. Nach deren Erkenntnissen war das Pandemiejahr 2020
nicht nur für den Schulunterricht, sondern auch für die Schwimmausbildung
der Kinder ein nahezu verlorenes Jahr. Schon vor der Pandemie konnten fast
25 Prozent aller Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, weil
ihnen kein Schwimmbad zur Verfügung stand. Die ausbildenden Verbände, wie
die DLRG, haben mittlerweile lange Wartelisten von ein bis zwei Jahren (!)
für einen Schwimmkurs. Mehr als jeder zweite Grundschulabsolvent ist kein
sicherer Schwimmer mehr, beklagt die DLRG.

Bereits vor dem Lockdown war die Zahl der nicht schwimmenden Kinder durch
die wirtschaftlich bedingte Schließung von Schwimmbädern und den immer
häufigeren Ausfall des Schwimmunterrichts in den Schulen deutlich
angestiegen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Auf die Frage, warum
kein Schwimmunterricht erteilt wird, lauteten die Antworten: Es steht kein
Schwimmbad zu Verfügung, der Transport der Schüler dauert zu lange, es
fehlen Lehrer, die Schwimmen unterrichten dürfen, außerdem sei der
Transport der Schüler einfach zu teuer.

Durch die wegen der Pandemie längerfristig geschlossenen Bäder hat sich
die Lage weiter verschlechtert: Im Corona-Jahr 2020 nahmen die Ausbilder
lediglich 23.485 Schwimmprüfungen ab - 75 Prozent weniger im Vergleich zum
Vorjahr. Ähnlich bedenklich die Situation bei den Schwimmabzeichen: Wurden
2019 noch 48.243 Seepferdchen vergeben, waren es im vergangenen Jahr
gerade mal 14.566. Angesichts der bevorstehenden Badesaison könnte dieses
Defizit ernste Folgen haben, befürchtet die Stiftung Kindergesundheit.

Gefahr im eigenen Garten
Das Risiko zu ertrinken, ist für Jungen deutlich größer als für Mädchen.
Weltweit ist Ertrinken bei den Jungen zwischen fünf und 15 Jahren die
häufigste unfallbedingte Todesursache. Auf einen tödlichen Unfall kommen
weitere vier Unglücksfälle mit stationärer Behandlung und dem Risiko einer
bleibenden schweren geistigen Behinderung.

Naturgemäß ereignen sich die meisten Wasserunfälle in der warmen
Jahreszeit an den Stränden der Urlaubsorte und an den Ufern der Flüsse,
Binnengewässer, Kanäle und Baggerseen. Doch sind das Ertrinken und die
nicht tödlich verlaufenden Ertrinkungsunfälle (das so genannte Beinahe-
Ertrinken), die in noch weit höherer Zahl auftreten, keineswegs auf den
Sommer beschränkt, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

Mit der Zunahme von Swimmingpools und Gartenteichen im eigenen Zuhause ist
die Gefahr für kleine Kinder auch während des ganzen Jahres größer
geworden. Sie können nämlich in jeder Art von Wasser, selbst im
Seichtesten ertrinken: In einer Regentonne genauso wie in einem flachen
Zierteich, in der Toilette oder in der Badewanne genauso wie im
Swimmingpool oder sogar in einer Regenpfütze.

„Die Hauptursache für dieses erhöhte Risiko kleiner Kinder liegt
paradoxerweise in einem Schutzmechanismus, der bei diesen Kindern
besonders stark ausgeprägt ist,“ erklärt Professor Berthold Koletzko:
„Beim plötzlichen Eintauchen ins Wasser setzt bei ihnen ein schockartiger
Atemreflex ein, der Kehlkopf und die Lunge schließt. Durch den sogenannten
Stimmritzenkrampf wird die Atmung blockiert. Nicht selten erstickt das
Kind, ohne dass auch nur ein einziger Tropfen Wasser in seine Lungen
gelangt“.

Kinder bis zu zwei Jahren verunglücken am häufigsten in der Badewanne,
gefolgt von Gartenteichen bei den Ein- bis Dreijährigen und offenen
Gewässern bei den Zwei- bis Sechsjährigen. Unfälle in Swimmingpools
ereignen sich vermehrt in den ersten sechs Monaten nach Anschaffung des
Pools und sind bei frei zugänglichen Schwimmbecken dreimal häufiger als
bei Eingezäunten. Bei Kindern über sechs Jahren passieren die meisten
Unfälle in Schwimmbädern, bei über Achtjährigen sind das Meer oder die
Seen die besonderen Gefahrenpunkte.

Bei der Wiederbelebung zählt jede Minute
Die früher empfohlene Maßnahme, bei den Ertrinkungsunfällen erst das
Wasser aus der Lunge des Verunglückten fließen zu lassen, bedeutet eine
nutzlose und gefährliche Zeitvergeudung, warnt die Stiftung
Kindergesundheit. Stattdessen sollte man sofort, ohne jede Verzögerung mit
der Wiederbelebung beginnen. Dazu wird zuerst die Mundhöhle frei gemacht,
eventuelle Fremdkörper entfernt und der Kopf des Kindes im Nacken
vorsichtig nach hinten gebeugt. Säuglinge werden über Nase und Mund mit
vorsichtigen Atemstößen beatmet und bei älteren Kindern wird eine Mund-zu-
Mund-Beatmung durchgeführt. Findet man das verunglückte Kind im Wasser,
kann die Beatmung unter Umständen bereits im Wasser ausgeführt werden.

Besonders wichtig: Den Notruf wählen! Und Rettungsversuche nicht aufgeben!
Durch die Unterkühlung des Körpers im Wasser erhöht sich nämlich die
Chance des Kindes, dass die Wiederbelebungsmaßnahmen auch nach längerer
Zeit noch zum Erfolg führen. Außer der Beatmung sollte man das
verunglückte Kind vor weiterer Auskühlung schützen, indem man es von der
nassen Kleidung befreit, abtrocknet und in eine Decke wickelt.

Auch mit Schwimmflügeln nie alleinlassen!
Zur Vorbeugung gegen Ertrinkungsunfälle rät die Stiftung Kindergesundheit
folgende Verhaltensempfehlungen zu beachten:

•       Eltern können ihre Kinder schon von früh auf spielerisch beim
Baden in der Badewanne oder im Planschbecken mit dem Element Wasser
vertraut machen, um möglichen Ängsten der Kinder vorzubeugen. Bestimmte
Verhaltensweisen können so in einem vergleichsweise kleinen und sicheren
Setting eingeübt und später beim Badeausflug angewandt werden. (z.B. Üben
des Auspustens bei gleichzeitigem fließen von Wasser über Kopf und
Gesicht)

•       Babys sollten nur in speziellen Badewannen baden und dabei auf
keinen Fall alleingelassen werden. Erwachsene sollten sich niemals - auch
nicht für kurze Zeit z. B. wenn das Telefon klingelt! - vom Kind
wegbewegen.

•       Auch Kleinkinder sollten niemals allein, sondern nur unter
ständiger Aufsicht eines Erwachsenen baden. Die Verantwortung dafür sollte
nie auf ältere Geschwister übertragen werden.

•       Ist ein Kleinkind in der Familie, ist das Umgeben eines
Swimmingpools oder Gartenteichs mit einem soliden, nicht zu erkletternden,
mindestens einen Meter hohen Zaun unerlässlich.

•       Regentonnen brauchen einen festen Deckel, um einem Hineinklettern
und Hineinfallen von Kindern vorzubeugen.

•       Das Mitnehmen und Anlegen von Schwimmwesten bei Kindern auf einen
Boot muss unbedingt beachtet werden.

•       Auch bereits gute Schwimmer sollten nie aus den Augen gelassen
werden und sich teilweise immer noch in Reichweite von Erwachsenen im
Wasser aufhalten.

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt, dass Kinder mit etwa vier Jahren
das Schwimmen lernen. Vorher sollen sie nur mit Schwimmflügeln mit
doppelten Luftkammern ans Ufer oder an den Strand gehen. Auch Kinder, die
Schwimmärmel tragen, dürfen nie alleingelassen und sollten stets in
Armreichweite beaufsichtigt werden.

Es gilt: Aufblasbare Teile wie Schwimmreifen, Matratzen oder Gummitiere
sind lediglich Spielzeug, aber keine Schwimmhilfen! Sie können Kinder
nicht sicher vor dem Ertrinken bewahren und ersetzen nicht die
Aufsichtspflicht der Erwachsenen.

„Schwimmen ist nicht nur eine ideale Sportart für den ganzen Körper,
sondern eine lebensnotwendige Fähigkeit, die lebenslang Spaß an der
Bewegung im Wasser ermöglicht“, betont Professor Berthold Koletzko. „Durch
den frühzeitigen sicheren Umgang mit dem Element Wasser lernen Kinder
überlebenswichtige Bewegungsabläufe, Geschicklichkeit und Ausdauer. Wir
möchten, dass kein Kind mehr ertrinkt, erst recht nicht, weil es nicht
schwimmen kann“.

Hier gibt es mehr Rat und Hilfe:
Wichtige Informationen zur Unfallverhütung vermitteln im Internet
die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG unter
www.dlrg.de
die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder unter
www.kindersicherheit.de
die Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung unter
www.bzga.de
die Aktion Das sichere Haus unter
www.das-sichere-haus.de

  • Aufrufe: 35