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Neues Projekt am ifaa gestartet: „humAIn work lab“ entwickelt Handlungshilfen für eine menschenzentrierte Nutzung von KI

Welche Auswirkungen hat die Einführung und Anwendung von KI in den
Unternehmen und wie können Unternehmen den Veränderungsprozess
menschenzentriert gestalten, um Produktivitätspotenziale umfänglich zu
nutzen? Diese und weitere zentrale Fragen zur Einführung und Anwendung von
KI untersucht und beantwortet das ifaa – Institut für angewandte
Arbeitswissenschaft e.V. als Forschungspartner im Rahmen des dreijährigen
vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderten
Forschungsprojektes „humAIn work lab: Künstliche Intelligenz und der
Wandel von Arbeit“.
https://www.arbeitswissenschaft.net/humain-work-lab/

Ziel des Projektes
Die Gestaltung und Implementierung von KI in Unternehmen ist mit
umfangreichen Möglichkeiten verbunden und kann dazu beitragen,
Produktivitätspotenziale zu heben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein
passendes Handeln von Management und Führung erforderlich. Aus diesem
Handeln heraus ergeben sich neue und weitreichende Herausforderungen sowie
Anforderungen an Management und Führung. Im Zentrum des Projektes stehen
die Handlungsfelder: Erfolgsfaktoren des strategischen
Veränderungsprozesses, Qualifizierung und Kompetenzentwicklung,
Unternehmenskultur sowie die Interaktion zwischen KI und Mensch. Im Rahmen
des Projektes humAIn work lab erforscht das ifaa die damit verbundenen
Herausforderungen und Anforderungen aus den jeweiligen Handlungsfeldern.
Der Fokus liegt hierbei sowohl auf der Beteiligung als auch dem Austausch
von und mit Unternehmen unterschiedlichster Größe. Der Dialog sowie der
Austausch von Erfahrungen zu KI erfolgen im Rahmen verschiedenster
Veranstaltungen, welche gleichzeitig themenindividuell gestaltet werden.
Das Ziel des Projektes humAIn work lab ist es, übertragbare
Handlungsempfehlungen für die betriebliche Praxis zu entwickeln,
aufzubereiten und bereitzustellen.
Das Projekt

Das Projekt humAIn work lab (Laufzeit: 07.09.2020 bis 06.09.2023) wird im
Rahmen der INQA Förderrichtlinie „Zukunftsfähige Unternehmen und
Verwaltungen im digitalen Wandel (EXPKI)“ durch das Bundesministerium für
Arbeit und Soziales (BMAS) unter dem Dach der Initiative Neue Qualität der
Arbeit (INQA) gefördert. Unter Federführung des Instituts für
Sozialwissenschaftliche Forschung e. V. (ISF) München beteiligen sich die
INPUT Consulting GmbH, das ifaa – Institut für angewandte
Arbeitswissenschaft e. V., die IBM Deutschland GmbH, die Deutsche Telekom
Service GmbH und MICARAA GmbH sowie ver.di – Vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft und die Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände an dem Projekt.
Weitere Informationen zum Projekt unter www.humain-worklab.de

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit

Zukunft sichern, Arbeit gestalten. Attraktive Arbeitsbedingungen sind
heute mehr denn je ein Schlüssel für Innovationskraft und
Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland und bilden die Grundlage für
eine erfolgreiche Fachkräftesicherung in Unternehmen und Verwaltungen. Das
Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt daher mit der
Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) eine Plattform, auf der sich
Verbände und Institutionen der Wirtschaft, Unternehmen, Gewerkschaften,
die Bundesagentur für Arbeit, Sozialversicherungsträger, Kammern und
Stiftungen gemeinsam mit der Politik für eine neue, nachhaltige
Arbeitskultur einsetzen – entlang der Themenfelder Personalführung,
Gesundheit, Wissen & Kompetenz sowie Chancengleichheit & Diversity. Als
unabhängiges Netzwerk bietet die Initiative konkrete Beratungs- und
Informationsangebote für Betriebe und Verwaltungen sowie vielfältige
Austauschmöglichkeiten in zahlreichen – auch regionalen – Unternehmens-
und Branchennetzwerken.
Weitere Informationen zur Initiative Neue Qualität der Arbeit unter
www.inqa.de

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Handreichung zum Kita-Beirat veröffentlicht

An der Hochschule Koblenz hat das Institut für Bildung, Erziehung
und Betreuung in der Kindheit | Rheinland-Pfalz (IBEB) jetzt rechtzeitig
zum Start des neuen Kita-Gesetzes eine Handreichung für den neuen Kita-
Beirat, der in allen 2.600 rheinland-pfälzischen Kitas eingerichtet wird,
vorgestellt.

Nachdem am 1. Juli 2021 das rheinland-pfälzische Landesgesetz über die
Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen und in
Kindertagespflege (KiTaG) vollständig in Kraft getreten ist, steht auch
der Kita-Beirat kurz vor seiner Einführung. Im neuen Gremium werden sich
alle Gruppen, die Verantwortung für das Wohl der Kinder tragen, gemeinsam
über grundlegende Angelegenheiten hinsichtlich der Erziehungs-, Bildungs-
und Betreuungsarbeit in der Tageseinrichtung austauschen. Dazu gehören der
jeweilige Träger, die Kita-Leitung, die pädagogischen Fachkräfte, die
Eltern sowie eine Fachkraft für Kinderperspektiven (FaKiP). Mit der
Einführung des Kita-Beirats erhält der demokratische Gedanke des Diskurses
ein Forum, in dem alle Beteiligten gemeinsam eine Vision für die
Tageseinrichtung entwickeln und damit die Qualität der Einrichtung
voranbringen können. „Neben gemeinsamen Zielen braucht es einen
gemeinsamen Ort der Beratung und des Diskurses, wenn es um
Weichenstellungen für die Praxis der einzelnen Kita geht. Ein solcher Ort,
an dem alle, die für die Kita Verantwortung tragen, zusammenkommen und
Empfehlungen in grundsätzlichen Angelegenheiten beschließen, ist der Kita-
Beirat“, so Ministerin Dr. Stefanie Hubig im Vorwort der Handreichung.

Ebenfalls im Rahmen eines Diskurses wurde die jetzt veröffentlichte
Handreichung in Zusammenarbeit mit dem IBEB entwickelt. Verschiedene
relevante Akteure aus dem Bereich der Kindertageseinrichtung in Rheinland-
Pfalz wie Kirchen, Verbände, der Landeselternausschuss, das
Landesjugendamt und Gewerkschaften haben sich seit Anfang des Jahres mit
den Aufgaben, den Kooperationsregeln, den gesetzlichen Grundlagen sowie
der Umsetzung des Kita-Beirats in die Praxis beschäftigt. Über eine
lebendige, zum Teil kontroverse und im Ergebnis zielführende
Auseinandersetzung profitierte die Handreichung von der Einbeziehung der
unterschiedlichen Perspektiven von Vertreterinnen und Vertretern aus dem
Kreis der Träger, der Kita-Leitungen, der pädagogischen Fachkräfte und der
Eltern. Im Ergebnis ist nun eine informative und anschauliche Handreichung
entstanden, die möglichst viele Träger, Kitas und Eltern bei der
Wahrnehmung ihrer neuen Aufgabe begleiten soll. „Ich bin der festen
Überzeugung, dass die Kita-Beiräte wichtige Weichen für die Qualität in
den Kindertageseinrichtungen in Rheinland-Pfalz stellen können“ so Prof.
Dr. Armin Schneider, Direktor des IBEB.

Die Handreichung zum Kita-Beirat steht allen Verantwortlichen, Beteiligten
und Interessierten ab sofort zum kostenlosen Download auf den Webseiten
des kitaservers sowie des IBEB zur Verfügung (www.ibeb-rlp.de).

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Analyse von Big Data in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften - VHB am Aufbau einer nationalen Plattform beteiligt

Bund und Länder investieren zweistelligen Millionenbetrag in BERD@NFDI

Schon heute erzeugen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der
ganzen Welt Datenmengen von bisher ungeahntem Ausmaß. Aus diesem Grund
haben sich Bund und Länder im Jahr 2018 darauf geeinigt, eine Nationale
Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) aufzubauen, die auch strukturierte und
unstrukturierte wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschungsdaten
vernetzen und besser nutzbar machen soll.

BERD@NFDI, ein Konsortium verschiedener wissenschaftlicher Institutionen
unter der Führung der Universität Mannheim, hat den Förderzuschlag
erhalten, um eine nationale cloudbasierte Plattform für die simultane und
maschinelle Analyse verschiedenster Datentypen aufzubauen. Der VHB –
Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. ist am Aufbau
dieser Plattform beteiligt.

Die zunehmende Menge und Komplexität wissenschaftlicher Daten erfordert
neue Wege der Verarbeitung. Der Einsatz künstlicher Intelligenz,
maschinellen Lernens und komplexer Analyse-Verfahren im Bereich der
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist u.a. Inhalt der Plattform, die
das Konsortium BERD@NFDI in den nächsten 5 Jahren erstellen soll.

Ziel ist ein cloudbasiertes System aus Diensten und Ressourcen, über das
Daten und Algorithmen gesammelt, verfügbar gemacht, zusammengeführt,
analysiert und geteilt werden können. Die Authentizität und Sicherheit
sowie die Souveränität über die Daten soll dabei in sämtlichen Schritten
des Data-Lifecycles gewährleistet sein. Durch die Einbindung der zentralen
wissenschaftlichen Fachgesellschaften in den Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften und durch eine Erhebung unter Nachwuchsforschenden
soll die Fachcommunity mit eingebunden und Nutzerbedürfnisse identifiziert
und berücksichtigt werden.

Eine solche cloudbasierte Datenplattform als Forschungsinfrastruktur für
innovative Big-Data-Vorhaben soll es ermöglichen, neue Erkenntnisse aus
großen unstrukturierten Datensätzen zu gewinnen.

Das Konsortium BERD@NFDI, bestehend aus der Universität Mannheim,
Universität Hamburg, Universität zu Köln, Ludwig-Maximilians-Universität
München, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, ZBW – Leibniz-
Informationszentrum Wirtschaft und GESIS – Leibniz-Institut für
Sozialwissenschaften, hat von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK)
des Bundes und der Länder den Förderzuschlag von einem zweistelligen
Millionenbetrag für die nächsten fünf Jahre zur Erstellung der Plattform
erhalten. Zusätzlich zum Konsortium sind zahlreiche weitere Institutionen
beteiligt, so auch der VHB.

„Wir freuen uns sehr, dass die GWK die Notwendigkeit einer
zukunftsweisenden und leistungsfähigen Data-Analytics-Plattform mit dieser
Förderung würdigt. Der VHB ist stolz darauf, einen Beitrag zu einer ganz
neuen Dimension der Nutzung und Auswertung von wissenschaftlichen Daten
leisten zu dürfen. Das ist ein großer Schritt für Wissenschaft und
Forschung!“ so Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl, Vorstandsvorsitzender des VHB.

Über den Projektfortschritt informiert die Webseite http://www.berd-
nfdi.de. Aktuelle Information finden Sie auch auf Twitter unter
https://twitter.com/BERD_NFDI und auf LinkedIN unter
https://www.linkedin.com/school/berd-nfdi/.

Für inhaltliche Fragen zu BERD@NFDI steht Ihnen Prof. Dr. Florian Stahl,
Sprecher des Konsortiums zur Verfügung. Die Liste aller beteiligten
Institute ist erhältlich unter: https://www.berd-
nfdi.de/index.php?id=consortium.

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Empfehlungen des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien zur Weiterentwicklung der Nationalen Wasserstoffstrategie

Die Europäische Kommission hat im Herbst 2019 festgelegt, dass Europa bis
spätestens 2050 klimaneutral werden soll, für Deutschland plant die
Bundesregierung das Erreichen der Klimaneutralität für das Jahr 2045.
Dabei spielt Wasserstoff eine wichtige Rolle. Denn grüner Wasserstoff auf
Basis von erneuerbaren Energien ist prädestiniert für die
„Defossilisierung“ des Energiesystems. Folgerichtig baut die Nationale
Wasserstoffstrategie der Bundesregierung auf grünen Wasserstoff für die
Klimaschutzziele.

Motivation

Der ForschungsVerbund Erneuerbare Energie (FVEE) möchte mit diesen
Empfehlungen Denkanstöße für eine zielgerichtete Weiterentwicklung der
Wasserstoffstrategie geben, damit Wasserstoff einen bestmöglichen Beitrag
für das nachhaltige Energiesystem leisten kann.

Nachdem die Europäische Kommission und die Bundesregierung die dringend
notwendigen ambitionierteren Klimaziele beschlossen haben, erhöht sich der
Handlungsdruck. Das betrifft besonders die Anwendungen und Sektoren, deren
CO2-Emissionen nicht ausreichend und sinnvoll direkt über erneuerbaren
Strom und/oder Energieeinsparung vermieden werden können; das sind
insbesondere die energieintensive Industrie und große Teile des schweren
Güterverkehrs sowie des Luft- und Schiffsverkehrs.
Hier eröffnet Wasserstoff als speicherbares Medium neue
Flexibilitätsoptionen und kann die Transformation des Energiesystems
beschleunigen.
Außerdem können grüner Wasserstoff und seine chemischen Folgeprodukte
(z.B. synthetische Kraftstoffe, Ammoniak oder Methanol) wertvolle Beiträge
leisten für die „Defossilisierung“ des Energiesystems. Denn er kann heute
schon auf Basis von erneuerbaren Energien (EE) nahezu CO2-frei hergestellt
werden – insbesondere durch die Nutzung von erneuerbarem Strom für die
Wasserelektrolyse. Daher zielt die erste nationale Wasserstoffstrategie
der Bundesregierung aus dem Juni 2020 zu Recht darauf ab, langfristig nur
grünen Wasserstoff für das Erreichen der Klimaschutzziele zuzulassen.

Wasserstoff ist systemrelevant

Wirksamer Klimaschutz erfordert eine grundlegende Transformation der
Energiesysteme und Produktionsverfahren. Grüner Wasserstoff und seine
Folgeprodukte sind Schlüsselelemente dieser Transformation: Ihr Einsatz in
Prozessen, die nicht durch den direkten Einsatz von erneuerbarem Strom
effektiv defossilisiert werden können, machen sie für das zukünftige
Energiesystem unverzichtbar. Die zahlreichen Möglichkeiten ihrer
Speicherung, ihres Transports und auch der Rückverstromung zum Ausgleich
von Schwankungen im Stromsektor können neue Lösungen für die
Flexibilisierung des Energiesystems bieten.

Wasserstoff zur Sektorenkopplung

Grüner Wasserstoff und seine Folgeprodukte werden zentrale Optionen zur
Sektorenkopplung und sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Power-
to-X-Pfade. Die Stärken des Wasserstoffs liegen dabei in seiner Rolle als
flexibles Bindeglied in einem EE-Strom-basierten Energiesystem, in der
Möglichkeit der saisonalen Speicherung von EE-Strom und in der Möglichkeit
zur Defossilisierung von nicht oder nicht einfach elektrifizierbaren
Prozessen. So gibt es für die stoffliche Nutzung von Wasserstoff in der
chemischen Industrie und der Stahlherstellung keine Alternativen, ebenso
sind Wasserstoff und Wasserstoff-basierte synthetische Kraftstoffe im
Luft- und Schiffsverkehr sowie im Lkw- Langstreckenverkehr voraussichtlich
unverzichtbar.
In vielen Anwendungsbereichen gibt es zwar effizientere, aber weniger
universelle Lösungen zur Defossilisierung als den Weg über Wasserstoff, so
z.B. die direkte Elektrifizierung von Prozesswärme oder die
batterieelektrische Mobilität. Grundsätzlich sind effizientere Wege in der
(Nutz-)energiebereitstellung vorzuziehen. Doch die
Flexibilisierungsmöglichkeiten der direkten Stromnutzung sind begrenzt und
erneuerbarer Strom steht nicht zu jeder Zeit für die Nutzung zur
Verfügung. Deshalb sollte Wasserstoff an diesen Stellen im Energiesystem,
an denen er seine Stärken ausspielen kann, gezielt eingesetzt werden.

Jetzt die Weichen richtig stellen

Als Energieträger muss grüner Wasserstoff seinen Anteil im Energiesystem
langsam aber stetig steigern, weil die Erzeugungskapazitäten ebenso wie
die Technologien auf der Anwendungsseite eine enorme Skalierung
durchlaufen müssen, bevor die breite Marktdiffusion beginnen kann. Dies
dürfte ab 2030 der Fall sein.
Ähnlich verhält es sich in der energieintensiven Industrie: Hier ist die
Entscheidung, den Weg in Richtung Klimaneutralität und damit in Richtung
einer Wasserstoffwirtschaft einzuschlagen, heute zu treffen. Wegen der
langen Investitionszyklen und der notwendigen Lernphasen bei der
technischen Umsetzung muss jetzt mit der Umstellung auf Wasserstoff-
kompatible Technologien begonnen werden. Nur so können ab 2030 ohne harte
Strukturbrüche schnell große Mengen Wasserstoff eingesetzt werden.
Auch in der Energiewirtschaft sind die notwendigen infrastrukturellen
Änderungen für einen massiven Ausbau der erneuerbaren
Elektrizitätserzeugung unmittelbar auf den Weg zu bringen, damit ab 2030
große Mengen Wasserstoff produziert werden können. Ebenso sind im Verkehr
heute Maßnahmen zu ergreifen, die die Voraussetzungen für einen breiteren
Einsatz von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen beispielsweise im
Flugverkehr schaffen.

Fossile Energieträger nur als Übergangslösungen nutzen

Der erforderliche zeitnahe Einstieg in den Markthochlauf von
Wasserstoffanwendungen kann aufgrund der Parallelität der Ausbaupfade für
Bereitstellung und Verbrauch dazu führen, dass Wasserstoffbedarfe
entstehen, die nicht unmittelbar aus erneuerbaren Energien gedeckt werden
können. In einer derartigen Übergangsphase könnte aus fossilen Quellen
gewonnener Wasserstoff helfen, ein ausreichendes Angebot sicherzustellen,
da ohne ein gesichertes Wasserstoffangebot die Marktdiffusion der
Einsatztechnologien ausbleiben wird. Um das Risiko von Fehlinvestitionen
und damit verbundener sinkender Akzeptanz für Wasserstoff zu minimieren,
sollte die Verwendung von fossilen Primärenergieträgern zur
Wasserstoffproduktion zeitlich begrenzt werden. Aus Klimaschutzgründen ist
schnellstmöglich eine ausschließlich grüne Wasserstoffversorgung
anzustreben. Vorzugsweise sollten deshalb Technologien gefördert werden,
welche künftig die Bereitstellung von erneuerbarem Wasserstoff
gewährleisten.

Wasserstoff und erneuerbare Energien zusammen denken

Den größten Beitrag zum Klimaschutz leistet Wasserstoff aus erneuerbaren
Quellen. Dies umfasst in erster Linie den aus erneuerbarem Strom über
Wasser-Elektrolyse erzeugten Wasserstoff.
In kleineren Mengen kann Wasserstoff auch aus (Abfall-)Biomasse gewonnen
werden. Perspektivisch kommen weitere Erzeugungsverfahren hinzu: durch
Sonnenlicht angetriebene Wasserspaltung, d.h. thermochemische und photo-
elektrochemische Verfahren sowie die Nutzung der natürlichen
Photosynthese. Zudem ergeben sich eine Reihe von Synergien der
erneuerbaren Energieträger untereinander (z.B. synthetische chemische
Grundstoffe aus strombasiertem Wasserstoff in Verbindung mit Biomasse als
erneuerbarem Kohlenstoffträger).
Für die Akteure aus der Industrie, die sich heute auf den Weg in Richtung
Defossilisierung über Wasserstoff machen, ist es unerlässlich, dass in
Zukunft ausreichend grüner Strom und grüner Wasserstoff zur Verfügung
stehen. Doch bereits für das Erreichen der nationalen
Treibhausgasminderungsziele für das Jahr 2030 ist ein verstärkter Ausbau
der erneuerbaren Stromerzeugung eine zwingende Voraussetzung. Wenn nun für
die Bereitstellung des grünen Wasserstoffs noch zusätzlicher Bedarf an
grünem Strom entsteht, muss die Politik in Deutschland ihre Ambitionen für
den Ausbau an erneuerbarer Stromerzeugung deutlich steigern. Neben dem
Ambitionsniveau für den EE-Ausbau müssen auch Infrastrukturanforderungen
für ein regeneratives Strom- und Wasserstoffsystem dringend verstärkt in
den Blick genommen und entsprechende Aktivitäten zum Auf- und Ausbau
aufgenommen werden.

Wasserstoff-Importe komplementär zur inländischen Produktion denken

In Deutschland und den europäischen Nachbarländern gibt es umfangreiche
erneuerbare Potenziale für die Produktion von grünem Wasserstoff.
Angesichts der erwarteten großen Nachfragemengen ist parallel zur
Produktion in Europa der Aufbau von verlässlichen Partnerschaften für den
Import von grünem Wasserstoff aus außereuropäischen Ländern mit sehr
großen und günstigen erneuerbaren Strom- und Solarstrahlungspotenzialen
eine wichtige Option, um für grünen Wasserstoff die Kosten zu senken und
die Verfügbarkeit zu erhöhen. Es muss dabei sichergestellt werden, dass
solche Partnerschaften die Energiesystemtransformationen in den
Partnerländern nicht verlangsamen, sondern voranbringen und auch dort zu
positiven ökologischen, volkswirtschaftlichen und sozio- ökonomischen
Effekten führen.

Energieforschung als Schlüssel zu einer nachhaltigen Wasserstoffnutzung

Nur mit einer starken und konzertierten Energieforschung wird es den
Akteuren in Deutschland und Europa gelingen, in einer nachhaltigen
Wasserstoffwirtschaft eine führende Rolle im internationalen Wettbewerb
einzunehmen und Wertschöpfung hierzulande zu generieren. Die
Bereitstellung effizienter, sicherer, großtechnisch skalierbarer und
kostengünstiger Anlagentechnik für die Erzeugung von erneuerbarem Strom,
Wasserstoff und synthetischen Folgeprodukten bilden dabei wesentliche
Schwerpunkte. Ebenso wichtig sind Untersuchungen, die aufzeigen wie eine
nachhaltige Systemtransformation mit grünem Wasserstoff im Zeitverlauf am
besten gelingen und wie sie durch die Politik entsprechend angereizt und
reguliert werden kann.
Als Exporteur von Wasserstofftechnologien kann die deutsche Industrie
perspektivisch von den sich auch in anderen Ländern entwickelnden Märkten
profitieren und zugleich einen wesentlichen Beitrag für die globale
Energiewende leisten. Voraussetzung ist ein schneller Roll-Out der
Technologien entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette für
Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung in einem starken
Heimatmarkt. Der starke internationale Wettbewerb erhöht die Dringlichkeit
für eine rasche Umsetzung entsprechender Strategien.

Wasserstoff-Forschung im FVEE

Die Mitglieder des FVEE erforschen und entwickeln Technologien für
erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Energiespeicherung und das
Zusammenwirken aller Komponenten im System, unter Berücksichtigung
gesellschaftlicher und ökologischer Wechselwirkungen. Dabei nimmt
Wasserstoff als zentrales Element der Sektorenkopplung eine wichtige Rolle
im Forschungsspektrum vieler FVEE-Einrichtungen ein. Der FVEE möchte mit
diesem Papier Denkanstöße für eine zielgerichtete Weiterentwicklung der
Wasserstoffstrategie aus Sicht der Forschung geben.

Die Erforschung von Wasserstofftechnologien und sozio-ökonomischer Themen
von Wasserstoff im Energiesystem sind zentrale Bereiche im Portfolio
vieler FVEE-Einrichtungen.
Unten finden Sie einen Link zur Sammlung aktueller Studien und
Forschungsprojekte zum Thema Wasserstoff von den im FVEE
zusammengeschlossenen Forschungsinstituten.

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