Zum Hauptinhalt springen

Digitalkompetenzen in Hessens Wirtschaft stärken

Die Pandemie hat nochmal verdeutlicht, wie wichtig Digitalkompetenzen für
Beschäftigte und Betriebe sind. Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und
Kultur (IWAK) der Goethe-Universität beforscht die Entwicklung solcher
Kompetenzen in Kooperation mit Branchenverbänden, Unternehmen und
Wirtschaftsförderungen in Hessen.

„Die Digitalisierung der hessischen Wirtschaft kann nur dann nachhaltig
erfolgreich sein, wenn es gelingt, Beschäftigte in diesem Prozess
mitzunehmen. Erst Beschäftigte mit Digitalkompetenzen können
sicherstellen, dass die Potenziale von digitalen Informations- und
Kommunikationstechnologien in den Betrieben voll erschlossen werden“, sagt
Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit
und Kultur der Goethe-Universität. Deshalb haben sich viele hessische
Unternehmen bereits vor der Pandemie die Frage gestellt, wie es gelingen
könnte, Beschäftigte beim Aufbau solcher Kompetenzen zu unterstützen.
Dabei hat sich eine Kooperation zwischen Forschung und Praxis als
zielführend erwiesen, um Entwicklungsimpulse für den Aufbau von
Digitalkompetenzen zu setzen. Die bewährte Kooperation zwischen hessischer
Wirtschaft und IWAK soll nun verstärkt fortgesetzt werden.  „Ein solches
Ineinandergreifen von Wissenschaft und Wirtschaft ist für beide Seiten
eine Win-Win-Situation. Ich würde mir mehr solcher Kooperationen
wünschen“, sagt Prof. Dr. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-
Universität.

Virtueller Lunch-Talk des IWAK
Unter dem Titel „Digitalkompetenzen aufbauen. Impulse für die
Weiterentwicklung setzen. Perspektiven aus Forschung und Praxis“ findet

am 9. Juli 2021 (11.30 bis 12.30 Uhr)
auf der Konferenz-Plattform Zoom
https://uni-
frankfurt.zoom.us/j/99189471378?pwd=K2c4eUZySkpveTZkV0RBN1dONE0wQT09 -
Meeting-ID: 991 8947 1378 - Kenncode: 101064

ein Lunchtalk statt, bei dem Befunde zum Erwerb von Digitalkompetenzen vor
und während der Pandemie aus der angewandten Forschung und der
betrieblichen Praxis vorgestellt werden. Das Programm finden Sie unter:
http://www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2021/06/Einladung-Lunch-
Talk-9-Juli-11_30-bis-12_30-Uhr-Thema_Digitalkompetenzen.pdf
. Eine
Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vorreiterprojekt in der hessischen Chemie- und Pharmabranche
Mit Hilfe von Fördermitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und
Forschung sowie des Europäischen Sozialfonds wurde seit 2018 das „Netzwerk
für digitale Qualifizierung in der Chemie (DQC_Net)“ etabliert. Dieses
Netzwerk, das vom Bildungsdienstleister Provadis (Höchst) initiiert und
koordiniert wurde, dient als Basis, um digitale Kompetenzen stärker in
Aus- und Weiterbildung zu verankern. Betriebe und Sozialpartner sollen
sich hier auf Augenhöhe begegnen können Dabei geht es vor allem um
konzeptionelle Impulse für die Praxis – und um digitale Lerntools.
(www.provadis.de/provadis-gruppe/bildungsprojekte/bildungsinnovationen/).

„Die Kooperation schafft Synergien und bringt damit mehr Tempo in die
Entwicklung von Digitalkompetenzen in der Branche“, stellt Dr. Karsten
Rudolf, Bereichsleiter Bildungs- und Forschungsprojekte bei Provadis fest.
Das IWAK begleitet die Aktivitäten im Netzwerk wissenschaftlich, evaluiert
deren Nutzen für die Praxis und unterstützt so nicht nur die Betriebe im
Netzwerk, sondern bietet auch Impulse für weitere Betriebe, die die
Digitalkompetenzen ihrer Beschäftigten über Aus- und Weiterbildung fördern
möchten. „Die Evaluierung hilft zu verstehen, wie der Erwerb von
Digitalkompetenzen besonders in der Ausbildung gut stattfinden kann“, sagt
Dr. Christa Larsen. Klar sei: Die Grundlage fürs Lernen bleibe das
Vertrauensverhältnis zwischen Ausbildern und Auszubildenden. Digitales
Lernen bedeute, gezielt digitale Tools einzusetzen, die einen klaren
Nutzen haben und damit Motivation und Lernbereitschaft fördern. „Die
gezielte Evaluierung hat uns auch deutlich gemacht, dass das Herzstück der
dualen Ausbildung, die Kooperation der Lernorte Betrieb und Berufsschule,
bisher noch sehr wenig digitalisiert ist. Das wollten wir schnell ändern“,
so Jürgen Funk, Geschäftsführer Verbandskommunikation und Politische
Öffentlichkeitsarbeit bei der Hessenchemie.

Deshalb wird auf Initiative der Hessenchemie seit März 2020 gemeinsam mit
der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Provadis und dem VCI Hessen das
Projekt „#HESSEN.Bildung.digital“ durchgeführt
(https://www.bildung.digital/Hessen). An zehn Standorten arbeiten
Vertreter von Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen in
Entwicklungsprojekten eng zusammen, um Kommunikation, Kooperation, aber
auch das Lehren und Lernen mit digitalen Instrumenten zu fördern. Es gibt
Online-Schulungen und fachliche Begleitung, man lernt im kollegialen
Austausch voneinander. Die begleitende Evaluierung durch das IWAK zeigt
einen großen Bedarf an Digitalisierung, die Bedingungen für die Umsetzung
indes können herausfordernd sein. „Wir erkennen über die wissenschaftliche
Begleitung, wo die Herausforderungen liegen, jedoch auch die Chancen einer
digital unterstützten Lernort-Kooperation in der Praxis“, sagt Jürgen
Funk, Geschäftsführer der Hessenchemie. Dieses Wissen könne sicherstellen,
dass Berufsschulen und Betriebe effektiver und kontinuierlicher
zusammenarbeiten, so dass die jungen Menschen profitieren.

Die Entwicklung von Digitalkompetenzen während der Pandemie wird durch die
Wirtschaftsförderer in den 26 hessischen Kreisen und kreisfreien Städten
begleitet. Das Hessische Wirtschaftsministerium fördert im Projekt
„regiopro“ ein Expertenpanel der hessischen Wirtschaftsförderer, das vom
IWAK aufgebaut wurde. Seit April 2020 monitort das IWAK darüber die
Entwicklung der Wirtschaft in den Regionen, ein Fokus liegt auf dem Stand
der Digitalkompetenzen. Dabei hat sich gezeigt, dass sich die
Digitalkompetenzen, die in einzelnen Arbeitsbereichen erforderlich sind,
stark voneinander unterscheiden. Für einige Beschäftigtengruppen ist
bereits der Umgang mit Videokonferenztools der Kern der notwendigen
Digitalkompetenzen, Beschäftigte in Spezialfunktionen benötigen oft
weitere digitale Fachkenntnisse. „Das ist wenig überraschend, Beschäftigte
benötigen spezifische Kompetenzen je nach Zuschnitt ihrer Arbeit. Bei den
Digitalkompetenzen ist dies auch nicht anders“, stellt Larsen fest. „Die
Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, hat in der Pandemie
allerdings deutlich zugenommen – eine gute Ausgangslage angesichts der
anstehenden Veränderungen in der Arbeitswelt“, urteilt sie.

  • Aufrufe: 22

Mit Biointelligenz zu einem smarten Wandel

Vorträge zur Biologischen Transformation in der Württembergischen
Landesbibliothek

Die Württembergische Landesbibliothek (WLB), die Fraunhofer-Institute IPA,
IGB und UMSICHT sowie das Kompetenzzentrum Biointelligenz Stuttgart
starten die gemeinsame Vortragsreihe zum Themenfeld Biointelligenz am 13.
Juli 2021. Über ein Jahr lang können Interessierte an 17 Veranstaltungen
zu Aspekten der Biologischen Transformation in der WLB teilnehmen. Die
Vorträge beginnen an verschiedenen Wochentagen jeweils um 18 Uhr.

Kaum klingt hierzulande Corona ab, leben wir wieder auf Kosten der Umwelt
und zukünftiger Generationen. Seit dem Erdüberlastungstag in Deutschland
am 5. Mai verbrauchen wir wieder mehr Ressourcen als unsere Erde
regenerieren kann. Weiter gehen Klimawandel und Artensterben. Wir
zerstören unsere Lebensgrundlagen und reagieren mit Konzepten wie der
Energiewende nicht entschieden genug.

Ressourcenverbrauch und Wohlstand in Einklang zu bringen, bleibt die
entscheidende Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Mit heutigen
Produktionsweisen können die materiellen Bedürfnisse zukünftiger
Generationen nicht gerecht befriedigt werden. »Die Digitale Transformation
der Produktion, die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bereits weit
fortgeschritten ist, reicht nicht aus, um die essenziellen
Herausforderungen der Gesellschaft zu meistern. Simultan zur Digitalen
Transformation bahnt sich mit der Biologischen Transformation eine neue
Revolution an. Sie ist mindestens von ebenso hoher, wenn nicht höherer
Bedeutung als Industrie 4.0«, erklärt der Leiter des Fraunhofer-Instituts
für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Professor Thomas
Bauernhansl.

Soft-, Hard- und Bioware – die Bausteine für eine Neuorientierung der
industriellen Wertschöpfung

Eine nachhaltige Wertschöpfung ohne Wohlstandsverluste erfordert
Produktionsweisen nach dem Vorbild der Natur mit den Technologien von
morgen: etwa Roboter, deren Steuerungsmodule ihre Energie über
Photosynthese selbst erzeugen, oder biointelligent entwickelte Viren, die
bei der personalisierten Tumortherapie eingesetzt werden, oder Mikroalgen,
die mit einer selbstlernenden biointelligenten Steuerung individualisierte
antioxidative Lebensmittelzutaten herstellen – die Biologische
Transformation soll es möglich machen.

Zu dieser Neuorientierung der industriellen Wertschöpfung gehört
wesentlich, dass wir zunehmend Materialien, Strukturen, Prozesse und
Organismen der belebten Natur in der Technik nutzen. Eine solche
systematische Anwendung von Wissen über biologische Prozesse führt dazu,
dass Produktions-, Informations- und Biotechnologie immer mehr
verschmelzen. »Dies wird künftige Produkte, Herstellungsprozesse und
unsere Lebensweise tiefgreifend verändern. Die Biologische Transformation
gipfelt in sogenannten biointelligenten Systemen und den dafür notwendigen
Technologien. Ihr Potenzial reicht von disruptiven Innovationen über die
Modernisierung der deutschen Unternehmens- und Bildungskultur bis hin zu
einer nachhaltigen Wirtschaftsweise«, ergänzt der Leiter des Fraunhofer-
Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Dr. Markus
Wolperdinger.

Gesellschaftlicher Diskurs in der Württembergischen Landesbibliothek

Nahezu alle industriellen und gesellschaftlichen Bereiche werden von der
Etablierung einer biointelligenten Wertschöpfung massiv beeinflusst
werden. Voraussetzung für das Gelingen der Biologischen Transformation ist
der Diskurs in Politik und Gesellschaft. Um diesen notwendigen Diskurs zu
führen, öffnet Dr. Rupert Schaab, Direktor der Württembergischen
Landesbibliothek, den Neubau der Württembergischen Landesbibliothek in der
Kulturmeile Stuttgarts und lädt dazu ein, »die Landesbibliothek als Podium
und Schauraum für die Wissenschaften zu nutzen, um die Stadtgesellschaft
besser auf den Beitrag der Wissenschaften zur Bewältigung menschlicher und
gesellschaftlicher Herausforderungen aufmerksam zu machen«.

Von der Bionik über die Bioökonomie bis zur Biointelligenz: die Vorträge
decken viele Aspekte der Biologischen Transformation ab

Diese Einladung nehmen Referentinnen und Referenten vom Fraunhofer IPA,
vom Fraunhofer IGB sowie vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits-
und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen gerne an. Hinzu kommen
Vortragende von der Universität Stuttgart, der Universität für Bodenkultur
Wien, vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) in
Reutlingen sowie von der Firma Trumpf.

Zu Beginn der Vortragsreihe führen drei grundlegende Vorträge in
wesentliche Aspekte der Biologischen Transformation ein. Den Auftakt macht
am 13. Juli Professor Bauernhansl, Fraunhofer IPA, der in seinem Vortrag
Biointelligenz als eine neue Perspektive für nachhaltige Wertschöpfung
aufzeigt. Die Biologie findet Einzug in die Wertschöpfung. Biointelligente
Produktionssysteme bieten die Chance zur Steigerung der Innovationsund
Wettbewerbsfähigkeit sowie der Nachhaltigkeit. Die Technologien
existieren, entscheidend ist die transdisziplinäre Forschung und
Entwicklung!

Ein Forschungsschwerpunkt des Fraunhofer IGB sind biointelligente
Lösungsansätze für die Herstellung nachhaltiger Produkte aus
nachwachsenden Rohstoffen, Reststoffen und CO2. Über die Möglichkeiten der
Bioökonomie für einen Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise
referiert Institutsleiter Wolperdinger am 20. Juli auch als Sprecher des
Strategischen Forschungsfelds Bioökonomie der Fraunhofer-Gesellschaft und
stellvertretender Vorsitzender im nationalen Bioökonomierat der
Bundesregierung sowie Co-Vorsitzender des Beirats »Nachhaltige
Bioökonomie« des Landes Baden-Württemberg.

In seinem einführenden Vortrag »Was wir aus der Natur lernen können« am
29. Juli beleuchtet Professor Oliver Schwarz die Rolle und Relevanz der
Bionik (Akronym aus Biologie und Technik) für die Biologische
Transformation. Der Wissenschaftler zeigt, wie das Wissen aus der Natur,
das die Biologie als beschreibende Wissenschaft gewinnt, etwas bewirken
kann: Die drei »B« Bionik, Biotechnologie und Bioökonomie transferieren
das Wissen aus der Biologie und bringen es in einen wirtschaftlich
anwendbaren Kontext.

Die meisten nachfolgenden Referentinnen und Referenten decken dann
verschiedene Aspekte und Handlungsfelder der Biointelligenz ab. So stellt
NMI-Direktorin Professorin Katja Schenke-Layland neue Ansätze für die
Personalisierte Medizin vor (13. September 2021) und Ivica Kolaric, Leiter
der Abteilung Funktionale Materialien am Fraunhofer IPA, spricht über den
künstlichen Muskel (23. September 2021). Über intelligente Wege zur
Wassernutzung referieren Lukas Kriem und Bryan Lotz vom Fraunhofer IGB (9.
November 2021). Johannes Full von der Abteilung Nachhaltige Produktion und
Qualität am Fraunhofer IPA stellt Bio-Wasserstoff aus Rest- und
Abfallstoffen vor (7. Dezember 2021). Mit intelligentem biobasiertem
Wohnen beschäftigt sich Junior-Professorin Hanaa Dahy von der Universität
Stuttgart am 26. April 2022.

Die Vortragsreihe Biointelligenz findet je nach Pandemielage im Präsenz-,
Hybrid- oder Online-Format statt. Der Eintritt ist frei. Alle Termine und
Informationen zur Anmeldung unter: www.wlb-stuttgart.de

Auf einen Blick

Was? – Biointelligenz – Vortragsreihe 2021/2022

Wann? – 13. Juli 2021 bis 22. Juni 2022, jeweils ab 18 Uhr

Wo? – Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Termine und Anmeldung: www.wlb-stuttgart.de

Link zum digitalen Saal: https://wlbstuttgart.my.webex.com/meet/wlb-
stuttgart

Weitere Infos und Programm: https://www.wlb-stuttgart.de/die-
wlb/kulturprogramm/veranstaltungen/biointelligenz/

  • Aufrufe: 12

KIT: Klimafester Baum

Baumwurzeln werden von feuchten Bodenbereichen angelockt, ein Phänomen,
das als Hydrotropismus bekannt ist. Oberflächliches Bewässern führt
deshalb dazu, dass Wurzeln nahe der Oberfläche bleiben, statt in die Tiefe
zu wachsen. Biomechaniker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
haben mit der Methode der Splittzylinder ein leicht anzuwendendes
Verfahren entwickelt, mit dem die Baumwurzeln in tiefere, feuchtere
Bodenschichten gelockt werden. Damit sollen die Bäume widerstandsfähiger
gegen Folgen des Klimawandels werden.

Baumwurzeln werden von feuchten Bodenbereichen angelockt, ein Phänomen,
das als Hydrotropismus bekannt ist. Oberflächliches Bewässern führt
deshalb dazu, dass Wurzeln nahe der Oberfläche bleiben, statt in die Tiefe
zu wachsen. Biomechaniker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
haben mit der Methode der Splittzylinder ein leicht anzuwendendes
Verfahren entwickelt, mit dem die Baumwurzeln in tiefere, feuchtere
Bodenschichten gelockt werden. Damit sollen die Bäume widerstandsfähiger
gegen Folgen des Klimawandels werden.

Diese Presseinformation finden Sie mit Foto zum Download unter:
https://www.kit.edu/kit/pi_2021_063_klimafester-baum.php

Stadt- und Parkbäume, aber auch Bäume auf den Grundstücken privater
Hausbesitzer leiden durch den Klimawandel und die damit bei uns
einhergehenden geringeren Niederschläge immer stärker unter Trockenstress.
Pflanzenwurzeln wachsen durch sogenannten Hydrotropismus normalerweise in
Richtung höherer Bodenfeuchte. „Regelmäßiges oberflächliches Bewässern
führt dazu, dass die Wurzeln Richtung Oberfläche gezogen werden, statt in
die Tiefe, wo sie mehr Feuchtigkeit finden“, erläutert Professor Claus
Mattheck von der Abteilung Biomechanik am Institut für Angewandte
Materialwissenschaften des KIT. „Wir müssen den Wurzeln also einen Anreiz
bieten, nach unten zu wachsen.“ Modernere Bewässerungsmethoden bringen
bereits mit vertikal eingesetzten Rohren Wasser in tiefere Bodenschichten,
locken Wurzeln somit nach unten, wo die Erde nicht so schnell austrocknet.

Mit Splitt gegen Trockenheit

Mit der nun am KIT entwickelten Methode der Splittzylinder könnten sich
Straßenbäume in der Stadt, Bestandsbäume in Parks oder im heimischen
Garten mit einem einfachen Verfahren besser gegen Trockenheit wappnen.
Grundlage dafür ist eine Mischung aus grobem Splitt und Terra preta, einem
ursprünglich aus dem Amazonasgebiet kommenden fruchtbaren schwarzen Boden.
Diese Mischung soll möglichst tief in die Erde eingebracht werden, etwa
durch Bohren eines 20 bis 30 Zentimeter breiten Lochs.

„Wir gehen davon aus, dass die Wurzeln der Bäume von der gut
durchlüfteten, durch Verkehrsschwingungen kaum verdichtbaren und mit Terra
preta angereicherten Splittsäule angelockt werden und diese zunehmend
durchwurzeln“, beschreibt Mattheck das Ziel des Verfahrens. Experimente
mit Maispflanzen bestätigen diese Hypothese. Untersuchungen an Bäumen
laufen an mehreren Standorten.

Die Idee, hier Terra preta als Dünger zu verwenden, stammt von Siegfried
Fink, Professor für Forstbotanik an der Universität Freiburg, der am
Amazonas forschte.

Nun sind tiefere Bodenschichten zumeist etwas feuchter und ziehen die
Wurzeln somit an. „Wenn im unteren Ende des Splittzylinders die
Wurzeldichte zu hoch wird, ist zu erwarten, dass die Wurzeln sich in
dieser tiefen und feuchteren Bodenschicht auch außerhalb des vorgegebenen
Zylinders breitmachen. Eine dauerhafte Bewässerung ist dann nicht mehr
notwendig“, so Mattheck. In der größeren Tiefe finden die Wurzeln auch bei
Dürre mehr Wasser.

„Der Splittzylinder ist für die Bäume sozusagen Futterstelle und
Wurzeltauchstation in einem und damit Hilfe zur Selbsthilfe“, zeigt sich
der Wissenschaftler mit dem neuen Verfahren zufrieden. „Die Durchwurzelung
der Splittzylinder braucht aber etwas Zeit und damit der Baumfreund
Geduld.“ Lehmböden seien jedoch ungeeignet für diese Methode, weil sie bei
Starkregen voll Wasser laufen und die Wurzeln ersticken würden. (jh)

Die Methode wurde soeben in einem eBook veröffentlicht, eine
wissenschaftliche Publikation mit den wesentlichen Ergebnissen wurde von
der Fachzeitschrift Arboricultural Journal akzeptiert.

Originalpublikationen:

Claus Mattheck, Klaus Bethge, Karlheinz Weber, Iwiza Tesari: „Klimafester
Baum? Biomechanische Anpassung der Baumwurzel an den Trockenstress“. Auf
Anfrage.

C. Mattheck, S. Fink, K. Bethge, K. Weber, I. Tesari: A Strategy to Help
Trees Suffering from a Drought, Arboricultural Journal, in Druck.

Kontakt für diese Presseinformation:

Dr. Joachim Hoffmann, Pressereferent, Tel.: +49 721 608-41151, E-Mail:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und
vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den
globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie,
Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 600
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in
Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften
zusammen. Seine 23 300 Studierenden bereitet das KIT durch ein
forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle
Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die
Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und
Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und
Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der
deutschen Exzellenzuniversitäten.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter:
https://www.kit.edu/kit/presseinformationen.php

  • Aufrufe: 24

Ethik und Nachhaltigkeit in der Digitalisierung - Paradoxon oder Selbstverständlichkeit?

Viele Führungskräfte stellen sich zurzeit zwei zentrale Fragen:
Einerseits, wie Unternehmen ökologische und soziale Verantwortung
integrieren sollen; anderseits, wie sie mit digitalen Veränderungen
umgehen sollen. Meist wird die erste Frage als eine moralische und die
zweite als eine strategische Frage gesehen – dabei sind sie miteinander
verzahnt, so Dr. Ali Aslan Gümüsay, Leiter der Forschungsgruppe
Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft am Humboldt Institut für
Internet & Gesellschaft.

Mit steigender Komplexität nachhaltig umgehen lernen
In der sogenannten VUCAP-Welt (ein Akronym für volatile, uncertain,
complex, ambiguous und paradoxical) können Unternehmen auf zwei Arten mit
steigender Komplexität umgehen. Sie können einerseits versuchen, sie zu
reduzieren oder andererseits Mitarbeitende befähigen, mit ihr umzugehen.
Nur letzteres ist eine nachhaltige Strategie, da sie ermöglicht, mit nicht
zu vermeidenden Zielkonflikten zwischen „People, Planet und Profit“
umzugehen.

Weniger Digitalitäts- und mehr Digitalisierungsstrategie
Statt passivem digitalen Wandel braucht es eine aktiv gesteuerte digitale
Wende. Viele Unternehmen wagen zwar mehr Digitalität, aber nicht mehr
Digitalisierung. Die Nutzung von digitalen Werkzeugen allein reicht nicht
aus. Vielmehr müssen Geschäftsmodelle, Organisationspraktiken und Arbeit
neu gedacht werden. Basistechnologien wie Künstliche Intelligenz sind kein
Add-on – sie transformieren Unternehmensstrategien und -prozesse. Diese
potentielle Disruption ist dabei auch eine Chance, Arbeit sozialer und
Wirtschaften nachhaltiger zu gestalten.

Führung via und von Technologie
Führung via Technologie bedeutet, dass Technologien verstärkt als
Zwischenmedium wirken. Führungskräfte müssen also lernen, mit und durch
sie zu kommunizieren. Das zeigt insbesondere die Corona-Krise, in der sich
mit dem Homeoffice auch das Umfeld, in dem Führung erlebt wird, geändert
hat. Das Homeoffice ist primär Home und sekundär Office. Das Private wird
notgedrungen ins Berufliche eindringen. Führungskräfte müssen das
respektieren. Sie müssen Verantwortung übernehmen, damit das Berufliche
das Private nicht verdrängt. Führung von Technologie wiederum bedeutet,
dass Technologien zentralere, aktivere Rollen einnehmen werden. Eine
Künstliche Intelligenz muss also geführt werden können. Im Übrigen sind
Führungskräfte nicht von der Transformation ausgeschlossen, wie bspw. die
Koordination von Uber-Fahrer*innen durch KI zeigt. Man kann hier von
programmierter Führung sprechen. Diejenigen, welche Programme schreiben
und absegnen, praktizieren damit eine Führung zweiten Grades. Auch das
wird zunehmen – und muss sozial und ökologisch gedacht und programmiert
werden.

Dr. Gümüsay ist einer von über 170 VHB experts des Verbands der
Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). Mit rund 2.800
Mitgliedern ist der Verband eine wachsende, lebendige Plattform für
wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und Nachwuchsförderung in allen
Bereichen der BWL und darüber hinaus.

  • Aufrufe: 17