Vortrag: Antisemitismus im Internet 2.0 Ruperto Carola Ringvorlesung erinnert im Sommersemester an den Biochemiker Otto Meyerhof
Über „Antisemitismus im Internet 2.0 als kultureller Gefühlswert: Das
digitale Echo der Vergangenheit“ spricht Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel,
Wissenschaftlerin am Institut für Sprache und Kommunikation der
Technischen Universität Berlin. Ihr Vortrag ist Teil der Ruperto Carola
Ringvorlesung „Otto Meyerhof – Ein Wissenschaftlerleben zwischen Ruhm und
Vertreibung“, mit der die Universität Heidelberg im Sommersemester an
einen der bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts erinnert. Von
1929 an als Forscher in Heidelberg tätig, entzogen die Nationalsozialisten
Otto Meyerhof 1935 die Lehrbefugnis und zwangen ihn zu Emigration und
Flucht. Die Videoaufzeichnung des Vortrags ist von Montag, 5. Juli 2021,
an abrufbar über heiONLINE – das zentrale Portal der Universität mit
Vorträgen, Diskussionsrunden und Veranstaltungen in digitalen Formaten.
Die Artikulation und Verbreitung von Antisemitismen nimmt weltweit zu –
insbesondere über den wichtigsten Kommunikationsraum im 21. Jahrhundert,
das Internet, wie die Referentin betont. In ihrem Vortrag wird sie die
Ergebnisse eines umfangreichen Projekts zum Thema „Antisemitismus 2.0“
vorstellen. Sie geben datenbasiert Auskunft darüber, wie judenfeindliches
Gedanken- und Gefühlsgut tagtäglich und zur Gewohnheit werdend in den
sozialen Medien verbreitet wird. Prof. Schwarz-Friesel wird dabei auch der
Frage nachgehen, welche Relevanz dabei der klassische Anti-Judaismus hat.
So zeigt sich das digitale Echo der Vergangenheit im Web als Manifestation
der kulturellen Konstante Judenfeindschaft. An der Technischen Universität
Berlin leitet Monika Schwarz-Friesel das Fachgebiet Allgemeine Linguistik.
Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören kognitive und emotionale
Strukturen von Judenhass, Sprache und Antisemitismus sowie digitale
Kommunikation und massenmediale Beeinflussung.
Der Biochemiker Otto Meyerhof, 1922 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet,
hatte an der Heidelberger Universität studiert und wurde hier auch
promoviert. 1929 übernahm er in Heidelberg die Leitung des Instituts für
Physiologie am neugegründeten Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische
Forschung und wurde zum ordentlichen Honorarprofessor der Medizinischen
Fakultät ernannt. Als sich die Arbeitsbedingungen für den jüdischen
Wissenschaftler zunehmend verschlechterten, beschloss er 1938, Deutschland
zu verlassen. Er forschte in Paris, musste jedoch 1940 über Spanien und
Portugal in die USA fliehen, wo er an der Pennsylvania University einen
Lehrstuhl für Physiologische Chemie erhielt. Otto Meyerhof starb 1951 in
Philadelphia.
Die Ruperto Carola Ringvorlesung ist Teil eines Konzepts von Fokusthemen.
Damit wird die Universität Heidelberg zweimal jährlich gesellschaftlich
relevante Forschungsfragen in unterschiedlichen Formaten an die breite
Öffentlichkeit herantragen. Die Ringvorlesung zu Otto Meyerhof wurde
gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Schmitt von der Medizinischen Fakultät
Heidelberg konzipiert. Sie ist Teil des Fokusthemas „Freund und Feind“.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen
setzen sich aus der Sicht ihrer Disziplin mit drängenden Fragen von
Antisemitismus und Diskriminierung auseinander. Die Vorträge, zu denen
aktuell keine Zuhörer in Präsenz zugelassen sind, werden aufgezeichnet und
sind als Video jeweils montags über das Portal heiONLINE abrufbar.
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