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Normengerechter halogenfreier Flammschutz für Post-Consumer-Rezyklate in spezifischen Anwendungen

Aufgrund von EU-Vorschriften und Zielen zur Abfallreduzierung hat idie
Verwendung von Rezyklaten stark zugenommen. Eine große Herausforderung
besteht darin, sicherzustellen, dass Post-Consumer-Rezyklate die
Sicherheitsstandards erfüllen, insbesondere hinsichtlich des
Flammschutzes. Die Aufrüstung mit wirksamen Flammschutzmitteln ist
unerlässlich. Expertenteams im Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit
und Systemzuverlässigkeit LBF befassen sich intensiv mit den EU-
Vorschriften und der Notwendigkeit des Flammschutzes in spezifischen
Anwendungen. Dabei stehen technische und strategische Überlegungen im
Fokus, von deren Antworten viele Branchen profitieren können.

In zahlreichen Anwendungen, wie dem Automobilbau, der Elektronik und
Elektrotechnik, Kabeln und Folien, müssen Kunststoffe flammhemmend sein.
Zu diesem Zweck untersuchen die Forschenden eine breite Palette von
Kunststoffen aus verschiedenen Quellen (PCR und PIR). Dazu gehören
Polypropylen (PP) und Polycarbonat/Acrylnitril-Butadien-Styrol (PCABS) aus
WEEE sowie PP und lineares Polyethylen niedriger Dichte (LLDPE) aus dem
Verpackungsbereich; Polyamid 6 aus maritimen Anwendungen, Polyamid 66 aus
Produktionsabfällen und PET aus bedruckten Verpackungsfolien. Je nach
individueller Anwendung werden die Rezyklate mit halogenfreien
Flammschutzmitteln, Glasfasern, Verarbeitungshilfen und Stabilisatoren
compoundiert.

Beständigkeit gegen Flammen nachgewiesen

Mit angepassten Additivrezepturen wurden für alle Kunststoffarten aus
unterschiedlichen Abfallströmen zufriedenstellende
Flammschutzeigenschaften erreicht. Für Folien aus Polypropylen (PP) und
Polyethylen (LLDPE) konnte eine Klassifizierung nach DIN 4102 - B2 für
Baustoffe erzielt werden. Glasfaserverstärktes Polyamid 6 (PA 6), Polyamid
66 (PA 66) und Polyethylenterephthalat (PET) sowie ungefülltes PA 66 und
PCABS erreichten die Klassifizierung UL 94 V-0.

Die aktuellen Ergebnisse hinsichtlich des Flammschutzes von
Kunststoffrezyklaten sind vielversprechend. Die Forschungen zeigen, dass
Rezyklate unterschiedlicher Art und Herkunft wirksam flammhemmend
behandelt werden können. Diese Ergebnisse ebnen den Weg für weitere
Untersuchungen und Entwicklungen zur Verbesserung der
Brandschutzeigenschaften von recycelten Kunststoffen. Hersteller und
Anwender von Rezyklaten können auf diese Weise zu einer nachhaltigeren und
sichereren Zukunft für Kunststoffrecyclinginitiativen beitragen.

Methoden zur Charakterisierung von Rezyklaten

Die zusammengesetzten Werkstoffe werden durch Spritzguss und Foliengießen
zu Probekörpern weiterverarbeitet und anschließend umfassend auf ihren
Flammschutz und ihre mechanischen Eigenschaften hin untersucht. Darüber
hinaus werden die Materialien einer thermischen Alterung unterzogen, um
die Veränderung der Eigenschaften über die Zeit zu analysieren.

Für die Charakterisierung der Rezyklate und der Compounds kommen
verschiedene Verfahren zum Einsatz, darunter Thermogravimetrische Analyse
(TGA), Differenzkalorimetrie (DSC) und Oxidationsinduktionstemperatur
(OIT).

Flammwidrigkeitsprüfungen erfolgen nach UL 94 für Probekörper und DIN
4102-B2 für Folien sowie Untersuchungen des Brandverhaltens im
Kegelkalorimeter (ISO 5660). Zur Beurteilung des elektrischen
Brandverhaltens werden Comparative Tracking Index (CTI) nach DIN EN 60112
und Glow-Wire Ignition Temperature (GWIT) nach IEC 60695-2-13 getestet.
Die Bestimmung der Festigkeitseigenschaften erfolgt nach DIN EN ISO 527,
und die thermische Alterung wird in einem Umluftofen bei unterschiedlichen
Temperaturen gemäß ISO 4577 durchgeführt.

Das Fraunhofer LBF präsentiert aktuelle Ergebnisse auf der Plastics
Recycling Show Europe, Amsterdam, 19. bis 20. Juni 2024, Stand A22.

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Hildesheimer Forscherinnen beraten tagesschau-Redaktion zu Einfacher Sprache

Die LEO-Studie des Jahres 2018 hat ergeben, dass 16,8 Millionen Erwachsene
in Deutschland im Alter von 18 bis 64 Jahren nicht hinreichend lesen und
schreiben können. Für diese Personen sind Informationsangebote oft
schwierig zu verstehen. Eine Beratung der tagesschau-Redaktion durch die
Wissenschaftlerin Dr. phil. Isabel Rink von der Universität Hildesheim
soll nun einen Beitrag zur „Teilhabe an der Informationsgesellschaft“
leisten.

In §26 des Medienstaatsvertrags vom 1. Januar 2024 steht: „Die öffentlich-
rechtlichen Rundfunkanstalten haben die Aufgabe, ein Gesamtangebot für
alle zu unterbreiten. Bei der Angebotsgestaltung sollen sie dabei die
Möglichkeiten nutzen, die ihnen aus der Beitragsfinanzierung erwachsen,
und durch eigene Impulse und Perspektiven zur medialen Angebotsvielfalt
beitragen. Allen Bevölkerungsgruppen soll die Teilhabe an der
Informationsgesellschaft ermöglicht werden. Dabei erfolgt eine angemessene
Berücksichtigung aller Altersgruppen, insbesondere von Kindern,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der Belange von Menschen mit
Behinderungen und der Anliegen von Familien.“

Demgegenüber steht, dass 16,8 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 64
Jahren in unserer Gesellschaft nicht hinreichend lesen und schreiben
können. Dies hat die LEO-Studie des Jahres 2018, in der Forschende die
Literarisierung der erwachsenen deutschen Bevölkerung untersuchten,
ergeben. Sie fallen in die Kategorien Alpha 1-4, wobei Alpha 1 die
Literarisierung auf Buchstabenebene beschreibt und Alpha 4 das nicht-
Beherrschen grundsätzlicher Rechtschreibung, wie sie gemäß dem Standard
bis Ende der Grundschulzeit vorhanden sein sollte. Im Vergleich zu den
Ergebnissen der ersten LEO-Studie aus dem Jahr 2010 haben sich die Zahlen
etwas verbessert, damals waren es 20,8 Millionen Erwachsene; häufige
Gründe für die eingeschränkte Alphabetisierung können ein geringer
sozioökonomischer Status, Flucht und Migration oder Behinderung sein.

Die genannte Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen ist bislang nicht
vollumfänglich gegeben. Um diese künftig bei ihren Nachrichtenformaten zu
erweitern, berät Isabel Rink gemeinsam mit ihrer Kollegin Rebecca Schulz –
beide forschen zu Einfacher und Leichter Sprache – die Redaktion der
tagesschau. Den generierten Mehrwert erläutert Isabel Rink wie folgt:
„Gesellschaftliche Vielfalt zeigt sich nun auch in einem medialen Angebot:
Die tagesschau in Einfacher Sprache ist ein zusätzliches und freiwilliges
Angebot für alle, die die komplexen Nachrichten, die uns täglich umgeben,
schlicht niedrigschwellig brauchen. Sprache ist Teilhabe und hier erfolgt
eine Öffnung in die breite Gesellschaft hinein. Das Angebot ist ein
wichtiger Beitrag, der Menschen dazu befähigt, an der
Informationsgesellschaft teilhaben zu können.“ Es gilt, zu prüfen,
inwiefern die theoretischen Annahmen in der Praxis anwendbar sind.

Konkret bedeutet dies, dass die Redaktion der tagesschau ab dem 12. Juni
2024 erst einmal für eine Ausgabe pro Tag eine zweite Version der Sendung
erstellt: Diese wird täglich um 19 Uhr über tagesschau24 ausgestrahlt und
ist auch auf tagesschau.de verfügbar. Deren Kennzeichen ist einfachere
Sprache bei gleichbleibender Qualität: Zentrale Fakten werden mehrfach
wiederholt, Zusammenhänge mehr betont. Die Wissenschaftlerin Dr. phil.
Isabel Rink hofft auf positive Stimmen zum neuen – zugänglicheren –
Angebot: „In Zeiten der Informationsflut wird das auf Grundlage der
Forschungsergebnisse angepasste Material für die Breite der Bevölkerung
konsumierbarer und somit zielgruppenspezifischer. Das Angebot in Einfacher
Sprache lebt von Freiwilligkeit: Es bietet jeder Privatperson die Chance,
genau die Formate zu konsumieren, die für sie selbst die richtigen sind,
sodass die individuelle Bildungssituation nicht mehr vertuscht werden
muss. Auch wenn anfangs Potential für Kritik besteht, ist die Prognose,
dass die neuen Formate mit der Zeit zugänglicher, akzeptierbarer und
konsumierbarer werden.“

Von Seiten der Forscherinnen ist dieses Projekt unabhängig vom
Evaluationsergebnis ein Gewinn: Selbst dann, wenn die Umsetzung wenig
angenommen werden sollte, bleibt das Projekt eine Möglichkeit,
hinzuzulernen. Im Grundsatz hat sich jetzt bereits ein großes Interesse an
Einfacher Sprache ergeben. Isabel Rink und Rebecca Schulz profitieren
davon, dass wissenschaftliche Ergebnisse greifbarer werden.

Joachim Knuth, Intendant des NDR, kommentiert das Vorhaben letztendlich
wie folgt: „Wir haben den Auftrag, mit unseren Sendungen und Programmen
allen Menschen in Deutschland ein Informationsangebot zu machen. Dazu
gehören auch diejenigen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz, die
komplizierten Texten nicht immer folgen können oder die Deutsch nicht auf
muttersprachlichem Niveau beherrschen. Mit der tagesschau in Einfacher
Sprache vergrößern wir unser barrierefreies Angebot um tägliche
Fernsehnachrichten. Es ist gut und wichtig, dass sich nun noch mehr
Menschen bei der tagesschau fundiert über die Geschehnisse in Deutschland
und der Welt informieren und somit auch am öffentlichen Diskurs teilhaben
können.“

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Podiumsdiskussion: Klimakrisenschreiben

Dienstag, 02. Juli 2024, 18.00 Uhr
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal
Goethestraße 31, 45128 Essen

Der Klimawandel hat viele Orte. Einer davon ist die Literatur. So
facettenreich wie die Ängste und Hoffnungen, die in Krisenzeiten Kontur
gewinnen, ist auch die textliche Verhandlung des Phänomens.

Das Podium mit den Literatur-/Kulturwissenschaftler*innen Solvejg Nitzke
(Bochum) und Simon Probst (Vechta) sowie den Autorinnen Kathrin Röggla und
Mirjam Wittig wirft einen Blick auf verschiedene Formen des literarischen
Klimakrisenschreibens. In welchen Genres und Jargons wird über die
Klimakrise geschrieben? Wie verhalten sich Prosa- zu Theatertexten? Wie
laut oder leise kann/soll/darf das Klimakrisenschreiben sein, damit es
gehört und gelesen wird?

Zur Diskussion stehen v.a. die folgenden literarischen Texte:

•       Kathrin Röggla: Das Wasser (Reclam)
•       Mirjam Wittig: An der Grasnarbe (Suhrkamp)
•       Franziska Gänsler: Ewig Sommer (Kein & Aber)
•       Gianna Molinari: Hinter der Hecke die Welt (Aufbau)
•       Jenny Offill: Wetter (Piper)
•       Charles F. Ramuz: Sturz in die Sonne (Limmat)

REFERENT*INNEN
Solvejg Nitzke, Ruhr-Universität Bochum
Simon Probst, Universität Vechta
Kathrin Röggla, Autorin
Mirjam Wittig, Autorin

KONZEPT & MODERATION
Laura Reiling, KWI
Kris Decker, Universität Luzern

TEILNAHME
Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

VERANSTALTER
Eine Veranstaltung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI)

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ICP Forests: Waldmonitoring als Grundlage für die Wälder der Zukunft

Waldexpertinnen und -experten aus Europa diskutieren derzeit während der
internationalen Waldmonitoring-Konferenz FORECOMON in Prag über Chancen
und Bedürfnisse zukunftsfähiger Wälder.

Prag, Eberswalde (12. Juni 2024). Wie gelingt ein effizientes Monitoring
für die europäischen Wälder der Zukunft? Dieser Frage widmen sich
Fachleute aus Wissenschaft, Praxis und Politik derzeit während der 11.
FORECOMON (FORest ECOcological MONitoring-Konferenz) in Prag. Die
internationale Waldmonitoring-Konferenz wird jedes Jahr von einem der 30
aktiven europäischen Mitgliedsstaaten des transnationalen Waldmonitoring-
und Forschungsnetzwerks ICP Forests organisiert. In diesem Jahr steht sie
unter dem Motto „Monitoring für die Wälder der Zukunft“.

Zum gestrigen Auftakt der Veranstaltung stellten 50 der mehr als 80
Teilnehmerinnen und Teilnehmer Forschungsergebnisse zum Einfluss von
Luftverschmutzung und extremen Witterungsereignissen auf die langfristigen
Prozesse in Waldökosystemen vor. Zudem stand der Wissensaustausch rund um
neue Monitoring-Ansätze und deren Potential für widerstandsfähige Wälder
auf der Agenda. Die Grundlage dafür bilden die seit fast 40 Jahren im
Rahmen von ICP Forests international erhobenen forstlichen Umweltdaten.
Aktuell und auch in naher Zukunft werden europäische Wälder demnach vor
allem belastet durch:
• häufigere klimawandel-bedingte Hitze- und Dürreperioden, die die Wälder
schwächen,
• hohe Schwefel- und Stickstoffeinträge, die Versauerung und Eutrophierung
forcieren,
• den Befall von Schädlingen wie dem Borkenkäfer.

Eine Exkursion führt die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer heute
auf die Böhmisch-Mährische Höhe: Dort mussten nach Borkenkäferbefall große
Flächen gerodet werden. Vor Ort stellt das tschechische Forschungsinstitut
für Forst- und Wildwirtschaft seine Methoden zur effizienten
Wiederaufforstung vor, die es in Zusammenarbeit mit örtlichen Förstern
anwendet. Das Ziel: Wälder zu generieren, die gegen den Klimawandel
resistent sind, ausreichend Holz liefern und komplexe Ökosystemfunktionen
wie den Schutz der biologischen Vielfalt und die Kohlenstoffbindung
erfüllen.

Fast 40 Jahre europäisches Waldmonitoring
Mit der FORECOMON baut ICP Forests auf das seit der Gründung des Programms
im Jahr 1985 gemeinschaftlich erworbene europäische Expertenwissen zum
Waldmonitoring auf. Zugleich festigen die Mitgliedsstaaten die
Vorreiterfunktion des Programms für eine transnationale Zusammenarbeit,
die für die Entwicklung der europäischen Wälder mitsamt den gegenwärtigen
und zukünftigen Herausforderungen elementar sind. Kai Schwärzel, Leiter
des Programmkoordinierungszentrums von ICP Forests am Thünen-Institut für
Waldökosysteme in Eberswalde, sagt: „Die Forecomon ist für den
Wissensaustausch eine wichtige Plattform. Die Diskussionen in diesem Jahr
haben unter anderem gezeigt, wie wir durch die Verknüpfung klassischer und
moderner Methoden den Zustand unserer Wälder künftig noch besser erfassen
und bewerten können - eine wertvolle Grundlage für den künftigen Weg von
ICP Forests.“

Über ICP Forests:
Das 1985 gegründete International Co-operative Programme on Assessment and
Monitoring of Air Pollution Effects on Forests (ICP Forests) hat das Ziel,
umfassende Informationen über den Zustand der Wälder für Wissenschaft,
Politik und die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Insgesamt
überwachen die 42 Mitgliedsstaaten auf mehr als 6.000 Versuchsflächen den
Einfluss von Luftschadstoffen sowie des Klimawandels auf den Zustand und
die Veränderung der Waldökosysteme. ICP Forests ist Teil des Genfer
Luftreinhalteabkommens https://unece.org/environmental-policy-1/air
Deutschland hat den Vorsitz von ICP Forests inne. Das Thünen-Institut für
Waldökosysteme koordiniert das Programm für das Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft.
Die diesjährige FORECOMON wurde organisiert vom tschechischen
Forschungsinstitut für Forst- und Wildwirtschaft und steht unter der
Schirmherrschaft des tschechischen Landwirtschaftsministers Marek Výborný
und des tschechischen Umweltministers Petr Hladík.

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