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Vollständig nachhaltige Gebäude und Kleidung herstellen und so das Klima schützen – SA Dynamics erhält Innovation-Award

Dr.-Ing. Sascha Schriever und Maximilian Mohr (zweiter und dritter von links) mit dem Innovation Award  ITA Institut für Textiltechnik of RWTH Aachen University
Dr.-Ing. Sascha Schriever und Maximilian Mohr (zweiter und dritter von links) mit dem Innovation Award ITA Institut für Textiltechnik of RWTH Aachen University

Zukünftig Gebäude und Bekleidung vollständig nachhaltig herstellen und so
das Klima schützen – SA-Dynamics macht genau das zur Realität. Dafür wurde
Dr. Sascha Schriever und Maximilian Mohr stellvertretend für das SA-
Dynamics‘ Team ein Techtextil-Innovation Award in der Kategorie „New
Technologies on Sustainability & Recycling“ am 23. April auf der
Techtextil in Frankfurt am Main verliehen.

SA-Dynamics‘ zum Patent angemeldete, aus nachwachsenden Rohstoffen
hergestellte Aerogel-Textilien bieten eine herausragende thermische
Isolation, sind extrem leicht und vollständig biologisch abbaubar. Mit
einem Team aus zwei Chemikern, einem Luft- und Raumfahrtingenieur und
einem Wirtschaftsingenieur hat SA-Dynamics einen Durchbruch erzielt, der
die wirtschaftliche Herstellung flexibler Aerogel-Txtilien ermöglicht.
Maximilian Mohr, Technischer Leiter (CTO) bei SA-Dynamics, ergänzt: „Unser
Ziel ist es, mit Unterstützung unserer Pilotkunden aus der Baubranche und
der Textilindustrie unser Material in den Anwendungen zu validieren und
auf den Markt zu bringen. Damit wollen wir einen signifikanten Beitrag zum
Klimaschutz und zur Ressourceneffizienz zu leisten.“
Das Aachener Start-up S-Dynamics besteht aus Forschern des Instituts für
Textiltechnik (ITA) und des Instituts für Industrieofenbau und
Wärmetechnik (IOB) der RWTH Aachen University.

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Campus.Design Open 2024 der Hochschule Coburg: von Japans Holzbaukunst bis zur Wärmepumpe

Die Fakultät Design der Hochschule Coburg öffnet an Himmelfahrt drei Tage

Architektur-Student Tarek Hansen vor einem Modell, das einen Teil des Mitwitzer Pavillons nachbildet – auch dieser ist Thema beim Campus.Design Open 2024.  Natalie Schalk  Hochschule Coburg
Architektur-Student Tarek Hansen vor einem Modell, das einen Teil des Mitwitzer Pavillons nachbildet – auch dieser ist Thema beim Campus.Design Open 2024. Natalie Schalk Hochschule Coburg


lang ihre Türen: Der Campus.Design Open 2024 erwartet die Besucherinnen
und Besucher mit über 50 Ausstellungen, zehn Workshops und mehr als einem
Dutzend Vorträgen zu verbrauchernahen und zukunftsweisenden Themen rund um
Bauen und Design.

Noch sind die Türen am Campus Design der Hochschule Coburg für die
Öffentlichkeit geschlossen. Dahinter steht bereits alles im Zeichen des
jährlichen Groß-Events. Die Studierenden freuen sich schon darauf, von
Donnerstag, 9., bis Samstag, 11. Mai, endlich wieder ihre Arbeiten zeigen
zu können und den Campus für alle erlebbar zu machen. Heute gibt es vorab
schon einen kleinen Blick hinter die Kulissen. „Wir erwarten hohen Besuch
aus Japan: Tomoaki Uno!“, erzählt zum Beispiel Architekturstudentin
Stefanie Lederer. Sie berichtet voller Begeisterung von der Arbeit des
japanischen Architekten, der bekannt ist für Holzbauten nach dem Vorbild
traditioneller Handwerkskunst. „Alte japanische Pavillons stehen seit
Jahrhunderten. Wenn ein Holzteil kaputt geht, kann es wieder ausgetauscht
werden: sehr, sehr nachhaltig.“ Und anregend für heutige Architektur-
Entwürfe. Bei einer Exkursion von Prof. Markus Schlempp mit Studierenden
nach Japan entstand vergangenes Jahr ein freundschaftlicher Kontakt zu
Uno. Er folgte der Einladung nach Coburg: „Das ist wirklich sehr
besonders, weil er zwar online zahlreiche Vorträge hält“, sagt Lederer,
„aber bisher hat er nur einmal in Präsenz in Europa gesprochen, in Oslo.“
Das zweite Mal ist jetzt beim Campus.Design Open.

Nachhaltige Holzbauten in Franken und der Welt

Den Werkbericht von Uno gibt’s am Freitag, 10. Mai, um 16 Uhr. Bereits um
15.15 Uhr wird Dr. Christoph Henrichsen, Kunstgeschichtler und Japanologe
in das Thema „Holzkultur Japan“ einführen. Passend dazu werden
Holzverbindungen gezeigt, die Studierende angefertigt haben – einige nach
japanischer Art, andere dem klassischen deutschen Zimmererhandwerk
entsprechend, wie Tarek Hansen erklärt. Er ist ebenfalls Architektur-
Student und gehört zu einem Team, das in Mitwitz (Kreis Kronach) einen
besonderen Pavillon geplant und umgesetzt hat. Nachdem ein altes Haus
mitten im Ortskern abgerissen werden musste, entstand die Idee, hier eine
neue Mitte zu schaffen. „Am Ende wurde aus Käferholz ein großer
überdachter Treffpunkt mit viel regionalem Bezug umgesetzt.“ Beim
Campus.Design Open werden aber nicht nur solche spannenden regionalen
Projekte vorgestellt, sondern auch bedeutende internationale wie das
„Women Empowerment Center“, das Prof. Dr. Rainer Hirth mit Studierenden in
Sri Lanka umgesetzt hat. Außerdem gibt es eine Ausstellung zu
vorbildlichen Stallbauten, die landschaftsgerechte Architektur,
artgerechte Tierhaltung und zimmermannsmäßige Bauweise ineinander
verschmelzen lassen.

Für Neulinge und Wiederkehrer

Insgesamt werden an den drei Tagen über 50 Ausstellungen zu sehen sein.
Der Campus Design vereint die Studiengänge Architektur, Innenarchitektur,
Bauingenieurwesen und Integriertes Produktdesign und aus allen
Studiengängen werden auch Bachelor- und Masterarbeiten gezeigt. „Wir
öffnen unsere Hochschule, präsentieren die sehenswerten Arbeiten unserer
Studierenden und zeigen Beispiele, wie das Thema Nachhaltigkeit im Alltag
umgesetzt werden kann“, sagt Prof. Dr. Egbert Keßler, der die
Veranstaltung als Nachfolger von Prof. Dr. Holger Falter zum ersten Mal
als Dekan der Fakultät vorstellt. „Es gibt immer ein erstes Mal“, erklärt
er – und das gilt nicht nur als Dekan. „Diejenigen, die den Campus Design
kennen, kommen sicher auch dieses Jahr gerne wieder und allen anderen
empfehle ich, ihr persönliches ,erstes Mal‘ am Campus Design. Sie werden
ihr Kommen nicht bereuen!“

Schwebende Tropfen und Ultraschallspionage im ISAT

Bei Workshops zu Themen wie Siebdruck, Portraitmalen und Foto-Entwicklung
können die Besucherinnen und Besucher auch selbst aktiv werden.
Nachmittags und abends spielen Bands im Außenbereich. Dort werden auch
Getränke, kaltes und warmes, veganes und fränkisches Essen angeboten.
Campus.Design Open ist ein Fest, macht Spaß, vermittelt aber auch viel
praxisnahes Wissen. In einer Ausstellung geht Prof. Dr. Alexandra Troi der
Frage auf den Grund: „Was läuft ab in der Wand. Wärme und Feuchte im
Visier“. Dazu passt auch das Programm des Instituts für Sensor- und
Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg. Im Rahmen des Campus.Design
Open öffnet das ISAT am Donnerstag 9. Mai, von 13.30 Uhr bis 17 Uhr seine
Türen und Labore unter dem Motto „Von schwebenden Tropfen,
Ultraschallspionage, Feuchtemessung im Mauerwerk und Sensorik für
Hüftprothesen: Forschung hautnah und interaktiv erleben“. Mehr dazu unter:
www.isat-coburg.de.
Laborführungen gibt’s aber auch bei den Bauingenieurinnen und
Bauingenieuren. Freitagvormittag ist ihnen mit dem „Tag der Bauingenieure“
gewidmet: Der Coburger Professor für Energieeffizientes Gebäudedesign
Prof. Dr. Michael Schaub spricht ab 10 Uhr über das Thema „Status quo –
Energiewende und Wärmpumpe“, gefolgt um 10.45 Uhr von Roland Koenigsdorff
von der Hochschule Biberach zu „Geothermie“, um 11.20 Uhr von Prof. Dr.
Bernd Hüttl und Prof. Dr. Michael Rossner aus der Fakultät Elektrotechnik
und Informatik der Hochschule Coburg zu „Photovoltaik und Stromspeicher“
und um kurz vor 12 Uhr von Stefan Grafe (Baurconsult) zu „Planungspraxis“.

Viel Praxis und gute Partnerschaften

Wie grundlegend der Bezug zur Praxis im Studium an der Hochschule für
angewandte Wissenschaften ist, zeigen auch die vielen Kooperationen: Unter
Leitung von Prof. Mark Phillips, Prof. Philipp Stingl und Gastdozentin
Maria Pfeiffer haben Studierende der Studiengänge Innenarchitektur und
Integriertes Produktdesign ein Konzept für die Ausstellung „Waffen und
so...“ für die Räume der Kunstsammlungen der Veste Coburg entwickelt.
Integriertes Produktdesign präsentiert außerdem beispielsweise auch die
Zusammenarbeit mit einem Outdoorhersteller. Dabei konzentrierten sich die
Studierenden unter Leitung von Prof. Natalie Weinmann auf innovative
Ansätze für nachhaltiges Produktdesign, den sinnvollen Einsatz von
Materialien, Recycling und Kreislaufwirtschaft. Im Projekt „Ctrl-Goethe“
geht es um den zweiten Teil einer Kooperation des Studiengangs mit der
Klassik Stiftung Weimar: Unter Leitung von Prof. Dr. Michael Markert
gestalten Studierende Interaktionen zur Kontrolle des virtuellen
Arbeitszimmers von Johann Wolfgang von Goethe. Darum, wie KI das
Berufsfeld von Designerinnen und Designern in Zukunft verändern wird,
dreht sich am Freitag um 11 Uhr der Vortrag „Fast Digital Prototyping -
Mockups With AI“ im Hofbrauhaus.
Mehr Informationen finden sich auf www.campus.design. Es lohnt sich, immer
mal wieder auf der Seite vorbeizuschauen, denn auch hier wird noch fleißig
gewerkelt. So wie hinter allen Türen des Campus Design. Fürs Erste gibt es
einen kleinen Einblick in das große Programm.

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Hochschulmedizin Dresden schafft erste Brückenprofessur für „Öffentliche Gesundheit“

Professorin Anna Kühne besetzt die neu geschaffene Professur „Öffentliche Gesundheit“ am Universitätsklinikum Dresden und der Medizinischen Fakultät der TU Dresden.  UKD/Michael Kretzschmar
Professorin Anna Kühne besetzt die neu geschaffene Professur „Öffentliche Gesundheit“ am Universitätsklinikum Dresden und der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. UKD/Michael Kretzschmar

Im April hat Sachsens erste Professur für Öffentliche Gesundheit ihre
Arbeit aufgenommen. Professorin Anna Kühne besetzt die neue Stelle am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und der Medizinischen
Fakultät der TU Dresden. Die Professur wird anteilig vom Sächsischen
Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und der
Landeshauptstadt Dresden getragen. Das Konzept sieht eine enge
Zusammenarbeit, den Austausch zwischen Forschung, Lehre und Weiterbildung
sowie die tägliche Arbeit im Gesundheitsamt vor.

Die Professur sowie wissenschaftlichen Mitarbeitenden sind sowohl an der
Hochschulmedizin als auch am Amt für Gesundheit und Prävention
angesiedelt, um die Brückenfunktion mit Leben zu füllen – diese Form der
Zusammenarbeit ist deutschlandweit einzigartig. Die enge Kooperation des
Amtes für Gesundheit und Prävention mit dem Lehrstuhl soll den
Öffentlichen Gesundheitsdienst nachhaltig stärken und langfristig dafür
sorgen, dass Studierende schon während des Studiums diesen kennenlernen
können.

„Deutschlandweit gibt es vier Professuren Öffentliche Gesundheit, zwei
davon in Sachsen, die als Brückenprofessuren in enger Zusammenarbeit mit
dem Gesundheitsamt konzipiert sind. Die Hochschulmedizin Dresden geht nun
voran und hat die erste dieser Professuren in Sachsen besetzt. Wir sind
stolz darauf, damit erneut als Vorreiter zu agieren und überzeugt, dass
die Partnerschaft zum Amt für Gesundheit und Prävention Dresden schnell
konkrete Erkenntnisse für den Öffentlichen Gesundheitsdienst hervorbringen
wird“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum.
„Der neue Lehrstuhl am Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung
(ZEGV) soll eine Brücke schlagen zwischen Wissenschaft und Praxis im
Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), sowohl in der Lehre als auch in der
Forschung. Wir freuen uns sehr, dass wir damit einen weiteren wichtigen
Aspekt in der Ausbildung junger Medizinerinnen und Mediziner anbieten
können. Das bereichert unser Portfolio enorm“, sagt Professorin Esther
Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät an der TU Dresden. Dr. Frank
Bauer, Leiter des Amtes für Gesundheit und Prävention, teilt diese
Ansicht: „Die Arbeit des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat in den
letzten Jahren deutlich an Präsenz gewonnen. Ihn in Forschung, Lehre und
Weiterbildung stark zu vertreten, ist aus unserer Sicht ein ebenso
richtiger wie wichtiger Schritt. Die gemeinsame Ausgestaltung einer
Brückenprofessur kann viele Vorteile bringen: Ausbau des
wissenschaftlichen Fundaments unserer Arbeit in den Gesundheitsämtern,
Nachwuchsgewinnung und fachliche Stärkung von Beschäftigen im Öffentlichen
Gesundheitsdienst. Wir freuen uns, nun als Lehr- und
Forschungsgesundheitsamt der Hochschulmedizin Dresden zu firmieren.“

Professorin Anna Kühne besetzt die neu geschaffene Professur „Öffentliche
Gesundheit“ am Universitätsklinikum Dresden und der Medizinischen Fakultät
der TU Dresden. Die Humanmedizinerin hat in London Public Health und in
Berlin Angewandte Epidemiologie studiert und kommt mit einer breiten
ärztlichen Expertise in Epidemiologie und Public Health nach Dresden. Sie
verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Lehre und Weiterbildung sowie
der Entwicklung und Durchführung von Studien im Bereich der öffentlichen
Gesundheit, sowohl in den Krisengebieten dieser Welt als auch im deutschen
Öffentlichen Gesundheitsdienst auf kommunaler und nationaler Ebene. Ihre
Expertise umfasst sowohl infektionsepidemiologische Forschung
einschließlich Modellierungen und Krisenmanagement als auch partizipative
Forschungsansätze im Bereich der Prävention im kommunalen Setting mit
besonderer Berücksichtigung von vulnerablen Gruppen, sowie
Begleitforschung und Entwicklung von Projekten, die kurative Medizin mit
Gesundheitsförderungsangebote und Verhältnisprävention verschränken.

„Der Lehr- und Forschungsbereich Öffentliche Gesundheit soll zu einem
Zentrum für Wissensaustausch, Innovation und Zusammenarbeit werden, das
mit dem ÖGD neue Konzepte hervorbringt und implementiert und so die
Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig verbessert“, sagt Prof. Anna Kühne.
Partnerschaftliche Forschungsprojekte im Bereich der Verhältnisprävention,
Infektionsschutz, der Umweltmedizin und Hygiene, aber auch der Kinder- und
Jugendgesundheit sowie Gesundheitsförderung und Prävention sind
vorgesehen. So werden evidenzbasierte Interventionen umsetz- und
evaluierbar. Zudem ist ein Kern- oder Wahlfach Öffentliche Gesundheit als
fester Teil des Medizinstudiums geplant.

Das ZEGV ist mit seinen Forschungsprojekten eine perfekte Heimat für die
neue Professur. So arbeiten die Mitarbeitenden zum Beispiel aktuell am
„Dresdner Gesundheitsindex – Ein detailliertes Monitoring des
Gesundheitsstatus, Gesundheitsverhaltens und des Zugangs zur
Gesundheitsversorgung (RESILIENT)“ und am Projekt „PRE-paredness and
PAndemic Response in Deutschland (PREPARED)“. Weiterhin liegen im ZEGV
Erfahrungen in der Verschränkung von Daten des Öffentlichen
Gesundheitsdienstes und der Gesetzlichen Krankenkassen vor. In den
Lehrveranstaltungen der Humanmedizin (QB3), zu Public Health und der
Hebammenkunde sind Inhalte der neuen Professur bereits Thema und werden
jetzt weiter ausgebaut.

„Die Professur erweitert das Forschungsspektrum des ZEGV um
infektionsepidemiologische, gesundheitsplanerische und
verhältnispräventive Ansätze, verstärkt die Zusammenarbeit mit dem
Öffentlichen Gesundheitsdienst, initiiert sächsische und bundesweite
Netzwerke und Verbundprojekte und investiert in die Ausbildung von
Studierenden und Mitarbeitenden, um den Öffentlichen Gesundheitsdienst in
Sachsen und bundesweit nachhaltig zu stärken“, sagt ZEGV-Direktor Prof.
Jochen Schmitt. Forschungsschwerpunkte liegen in der
Infektionsepidemiologie, der Gesundheitsberichterstattung,
Gesundheitsplanung und Interventionsgestaltung sowie den Health in All
Policies (HiAP) Ansätzen als Schwerpunkt der Gesamtstrategie des Amtes für
Gesundheit und Prävention Dresden als Mitglied im europäischen „Gesunde-
Städte-Netzwerk“ der WHO.

Hintergrund Professuren für den Öffentlichen Gesundheitsdienst
Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Coronavirus-Pandemie wurde dem ÖGD
seit 2020 eine immer größere gesellschaftliche Bedeutung beigemessen. Hier
arbeiten Expertinnen und Experten in den Gesundheitsämtern, den
Landesstellen und aus dem Robert-Koch-Institut zusammen. Die
Aufgabenbereiche sind vielfältig: Prävention und Gesundheitsförderung,
kinder- und jugendärztlicher Dienst, amtsärztlicher Dienst, Beratung zu
sexuell übertragbaren Krankheiten und zur Ausbreitung von
Infektionskrankheiten sowie die medizinische Versorgung von vulnerablen
Gruppen. Die nun etablierten Lehrstühle sollen die Belange des ÖGD während
der ärztlichen Ausbildung sowie in der Forschung stärken. Insgesamt gibt
es vier dieser neuen Professuren in Deutschland: in Köln, Frankfurt a.M.,
Dresden und Leipzig. In Leipzig und Frankfurt sind die Professuren bisher
unbesetzt – die Findungsphase läuft.

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Künstliche Intelligenz hilft dabei, das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen nach Corona-Infektionen abzuschätzen

Analyse von Blut-Hirn-Schranken-Modellen basierend auf pluripotenten Stammzellen nach einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Erreger.  Martin Kunze  Fraunhofer ITMP
Analyse von Blut-Hirn-Schranken-Modellen basierend auf pluripotenten Stammzellen nach einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Erreger. Martin Kunze Fraunhofer ITMP

Fraunhofer SCAI leitet das Konsortium des von der Europäischen Kommission
geförderten Projekts COMMUTE. Vier Jahre lang arbeiten führende Fachleute
aus verschiedenen Disziplinen daran, naheliegende Zusammenhänge zwischen
COVID-19 und neurodegenerativen Erkrankungen zu erforschen. Ein zu
entwickelndes KI-gestütztes Empfehlungssystem soll Erkrankten eine
individuelle Risikoabschätzung ermöglichen.

SANKT AUGUSTIN. Erhöht eine Infektion mit SARS-CoV-2 das Risiko, um an
Demenz zu erkranken? Dieser Frage widmen sich führende europäische
Fachleute in den Disziplinen Medizin, Zellbiologie, Datenwissenschaft und
Künstliche Intelligenz sowie Ethik, Recht und Patientenbeteiligung im EU-
Projekt COMMUTE. Die Abkürzung steht für »COMmorbidity Mechanisms UTilized
in HealthcarE« und gibt die Richtung der Forschungsarbeiten vor. Es geht
darum, Mechanismen zu ergründen, die ursächlich für neurodegenerative
Erkrankungen wie der Alzheimer- und Parkinson-Krankheit als Folge von
Corona-Infektionen sind.

»Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass eine SARS-CoV-2-Erkrankung bei
einigen Patienten eine Neuroinflammation auslöst. Parkinson-ähnliche
Symptome als direkte Auswirkung der Infektion wurden bereits früh in der
Pandemie gemeldet. Diese Beobachtungen veranlassen uns, den Zusammenhang
zwischen COVID-19 und Neurodegeneration systematisch zu untersuchen«, sagt
Prof. Dr. Martin Hofmann Apitius. Der Leiter des Geschäftsfelds
Bioinformatik am Fraunhofer-Institut für Algorithmen und
Wissenschaftliches Rechnen SCAI ist Koordinator des europäischen
Projektkonsortiums.

Seit dem Abklingen der COVID-Pandemie wächst die Zahl der Evidenzen, die
für einen kausalen Zusammenhang zwischen Virusinfektion in der Pandemie
und der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen sprechen. Die
Aufklärung von Mechanismen der möglichen Komorbidität von COVID und
Alzheimer bzw. Parkinson, so Hofmann-Apitius, sei daher von entscheidender
Bedeutung, um gefährdete Gruppen zu identifizieren und neue
Präventionsansätze zu entwickeln.

Um die Zusammenhänge von Corona-Infektion und neurodegenerativen
Erkrankungen zu untersuchen, verfolgen die Forscherinnen und Forscher zwei
sich ergänzende Ansätze:

1. einen hypothesenfreien, datengesteuerten Ansatz. Hierbei werden
vorhandene Patientendaten mit Methoden der Künstlichen Intelligenz
untersucht, um herauszufinden, ob Ansteckungen mit SARS-CoV-2 zu einem
erhöhten Risiko zur Ausbildung neurodegenerativer Erkrankungen,
insbesondere von Alzheimer und Parkinson, in der Bevölkerung führen.

2. einen hypothesengesteuerten, wissensbasierten Ansatz. Im Projekt wird
dazu das umfangreiche, publizierte Wissen aus der wissenschaftlichen
Literatur extrahiert und in eine für Algorithmen nutzbare Form (als so-
genannter „Knowledge Graph“) abgespeichert. Mit Hilfe moderner Verfahren
der Künstlichen Intelligenz (KI) lassen sich dann eine große Zahl von
Krankheits-Hypothesen systematisch durchtesten. Dies geschieht unter
anderem auch in zellulären Textsystemen, die aus Stammzellen
Gehirnorganoide ableiten, die wiederum für das Testen von Hypothesen
genutzt werden können.

Beide Ansätze sollen zu einem intensiven Austausch zwischen
computergestützten und experimentellen Methoden der Biologie anregen. Ein
Aspekt dabei ist auch, ob man Medikamente, die bei der Therapie anderer
Erkrankungen zum Einsatz kommen, zur Behandlung von durch SARS-
CoV-2-Infektionen ausgelöste neurodegenerative Erkrankungen einsetzen
kann. Dazu möchte man mit den Fachleuten aus dem EU-Projekt REMEDI4ALL
zusammenarbeiten, die die Umnutzung von Arzneimitteln untersuchen.

Die im Verlauf des Projekts gewonnenen Erkenntnisse dienen schließlich als
Grundlage dafür, personalisierte Gesundheitsanwendungen zu entwickeln. Ein
Beispiel dafür ist ein Empfehlungssystem für Patienten. Es soll mit
Methoden der Künstlichen Intelligenz eine individuelle Abschätzung des
Risikos ermöglichen, beispielsweise an Alzheimer oder Parkinson zu
erkranken.

Da die Prognose eines erhöhten Krankheitsrisikos für Patienten
weitreichende Konsequenzen haben kann, adressiert das Projekt auch
ethische und rechtliche Fragen. Zur Bearbeitung dieses Aspekts werden
daher Vertreter von Patientenorganisationen mit in das Forschungsvorhaben
einbezogen.

Die Europäische Kommission fördert das Projekt COMMUTE mit 7,3 Millionen
Euro von Dezember 2023 bis November 2027. Am 14. und 15. Dezember
veranstaltete Fraunhofer-Institut SCAI das erste Treffen des
Projektkonsortiums im Bonn-Aachen International Center for Information
Technology (b-it) in Bonn.

Projektkoordinator: Prof. Dr. Martin Hofmann-Apitius, Fraunhofer SCAI

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