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Honig – für Babys manchmal eine Gefahr

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die seltene, aber
lebensbedrohliche Erkrankung Säuglingsbotulismus

Zu den bei vielen Familien beliebten Hausmitteln zur Behandlung von
Halsschmerzen und
Husten bei Kindern gehört warme Milch mit Honig. Aus gutem Grund: Dem
süßen Getränk
wird nachgesagt, den Speichelfluss anzuregen, den kratzenden Hals zu
beruhigen und das
Einschlafen zu fördern. Doch was größeren Kindern manchmal zur schnelleren
Genesung
verhelfen kann, ist für ein Baby im ersten Lebensjahr gefährlich, warnt
die Stiftung
Kindergesundheit mit großem Nachdruck: Ein mit Botulismus-Erregern
verunreinigter Honig
kann zu Lähmungen der Atmung und schlimmstenfalls sogar zum Tode führen!

Beim Honigkonsum sind die Deutschen geradezu bienenfleißig, berichtet die
Stiftung
Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme: Sie kaufen über 78.000
Tonnen des
Naturprodukts pro Jahr, was pro Kopf fast einem Kilogramm Honig
entspricht.

Beim Genuss des süßen Aufstrichs Honig wiegen sich viele Verbraucher im
wohligen Gefühl,
ihrem Körper etwas besonders Gutes, Gesundes zu gönnen, auch wenn Honig
tatsächlich zu
etwa vier Fünftel aus verschiedenen Zuckern und zu etwa einem Fünftel aus
Wasser besteht.
Der Glaube an die heilende Kraft des Honigs ist weit verbreitet und uralt:
Bereits die Ärzte der
Ägypter, Griechen und Römer haben Honig als Heilnahrung angesehen. Der
süße Wintervorrat der Bienen wurde als Liebestrank gepriesen und galt auch
als probates Mittel gegen das Altern. Bis heute wird Honig nachgesagt,
Herz und Nerven zu stärken.

Zu viel Honig kann auch dick machen

Derartige Annahmen werden jedoch mittlerweile ausgesprochen zurückhaltend
beurteilt:
Experten verweisen auf die Tatsache, dass Honig vor allem sehr viele
Kalorien liefert und den
Zähnen genauso schaden kann wie das Industrieprodukt Zucker.

Professor Dr. Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselspezialist der
Universitätskinderklinik
München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, erläutert: „Der im
Honig
enthaltene Zucker besteht zum Großteil aus den Einfachzuckern Fruktose und
Glukose. Das sind für den Körper schnell verwertbare kalorienreiche
Energielieferanten. Ihr regelmäßiger,
hoher Verzehr begünstigt ebenso wie Rüben- oder Rohrzucker die Entstehung
von
Übergewicht und erhöht das Risiko für die Entstehung von Zahnkaries sowie
der
Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus“.

Noch beunruhigender ist die Wirkung, wenn man junge Säuglinge mit
verunreinigtem Honig
füttert. Professor Berthold Koletzko: „Im Magen-Darm-Trakt gesunder Kinder
und
Erwachsener leben rund 100 Billionen Bakterien. Diese so genannte
Darmflora bildet das
größte Immunsystem im Organismus, das als Zentralorgan der Gesundheit über
unser Wohl
wacht. Die Darmflora eines Babys und auch die Immunabwehr sind jedoch in
den ersten
Lebensmonaten noch nicht vollständig entwickelt. Säuglinge und Kinder im
ersten Lebensjahr
sollten ebenso wie auch erwachsene Personen mit einem geschwächtem
Immunsystem auf
den Verzehr von naturreinem Honig verzichten“.

Der Grund für die Warnung: Honig ist ein Naturprodukt, dessen
Zusammensetzung je nach
Herkunft und Sorte stark variieren kann. So kann Honig im ungünstigsten
Falle auch Sporen
des hochgefährlichen Bakteriums Clostridium botulinum enthalten.

Eine klassische Ursache von Vergiftungen

Clostridium botulinum ist ein klassischer Erreger von
Lebensmittelvergiftungen; er kann unter
sauerstofffreien Verhältnissen in Lebensmitteln ein sehr starkes
Nervengift bilden, das nach
dem Verzehr zu Lähmungserscheinungen beim Menschen („Lebensmittel-
Botulismus“ oder
„Wurstvergiftung“) führen kann. Die Erkrankung, die durch das Gift von
Clostridium botulinum
verursacht wird, heißt Botulismus, nach „botulus“, dem lateinischen Wort
für Wurst.

Die Sporen des bedrohlichen Bakteriums können durch die Bienen in den
Honig eingetragen
werden. Diese Sporen sind äußerst widerstandsfähig und werden erst bei
über 100 Grad
Celsius abgetötet.

Das stärkste aller bekannten Gifte

Das Bakterium bildet in verdorbenen Lebensmitteln die giftigste Substanz,
die überhaupt
bekannt ist: das Botulinumtoxin. Das ist ein hochgefährliches,
muskellähmendes Nervengift,
das auch unter dem Namen Botox geläufig ist. Botulinumtoxin ist das
stärkste aller bekannten
Gifte und ist eine Million Mal giftiger als Zyankali.

Bei Säuglingen und Kleinkindern besteht die Möglichkeit, dass sich das
Bakterium Clostridium im Darm des Kindes ansiedelt, dort auskeimt und das
gefährliche Botulinumtoxin bildet.

Das ist der Grund, weshalb Eltern ihren Kindern vor dem ersten Geburtstag
auf keinen Fall
Honig geben sollten, betont die Stiftung Kindergesundheit. Mehr noch:
Getränke für Babys
sollten nicht mit Honig gesüßt werden. Auch die Brustwarze einer
stillenden Mutter, der
Schnuller oder der Trinkflaschen-Sauger eines Babys sollten nicht mit
Honig bestrichen
werden, um so das Trinken zu fördern.

Von Flaschennahrung mit Honig geht keine Gefahr aus

Diese Warnung gilt jedoch nicht für mit Honig gesüßte
Säuglingsfertignahrung, Breie oder
Kekse, betont die Stiftung Kindergesundheit. Bei der Herstellung dieser
Produkte tragen die
Erzeuger Sorge dafür, dass Verfahren angewendet werden, die Clostridium
botulinum
zuverlässig abtöten.

Bei älteren Kindern und gesunden Erwachsenen besteht die Gefahr einer
Vergiftung nicht
mehr: Ihre Darmflora ist stabil genug, um die Vermehrung von Clostridien
und ihrer giftigen
Produkte zu verhindern. Dennoch sollten auch sie Honig als Brotaufstrich
oder als
Süßungsmittel wegen des hohen Zuckergehaltes nur gelegentlich und in
geringen Mengen
verzehren, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit.

Alarm bei Trinkschwäche und Atemstörungen

Die sogenannte Inkubationszeit eines Säuglingsbotulismus liegt bei
ungefähr zehn Tagen. Bei
Babys können Trinkschwäche, Schluck- und Sprachstörungen, Verstopfung oder
Muskelschwäche die ersten Anzeichen der Erkrankung sein, berichtet die
Stiftung
Kindergesundheit. Die betroffenen Babys können den Kopf kaum halten und
haben
Schwierigkeiten beim Atmen, was sich durch Röcheln und Schnarchgeräusche
äußern kann.

Da die Gefahr einer Atemlähmung droht, müssen Kinder und Erwachsene mit
einer
Botulinumvergiftung rasch intensiv-medizinisch behandelt und überwacht
werden. In
schweren Fällen ist eine künstliche Beatmung notwendig.

Fälle von Säuglingsbotulismus kommen in Deutschland allerdings zum Glück
ausgesprochen
selten vor, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit. Wichtig zu
wissen: Schon der Verdacht auf Botulismus muss dem Gesundheitsamt gemeldet
werden.

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Ringvorlesung über die Schätze des Vorderasiatischen Museums in Berlin

Das weltberühmte Ischtar-Tor aus Babylon, aber auch auf den ersten Blick
unscheinbare Objekte wie eine zerbrochene Tontafel oder Elfenbeinfragmente
stehen im Mittelpunkt der öffentlichen Vorlesungsreihe „Hinter dem
Bauzaun: Schätze des Vorderasiatischen Museums neu entdeckt“ im
Sommersemester 2024 an der Freien Universität Berlin. Im Rahmen des
Programms „Offener Hörsaal“ macht die Ringvorlesung ausgewählte, teils
mehrere Jahrtausende alte Funde aus dem heutigen Irak und Syrien sichtbar.
Diese wären der Öffentlichkeit aktuell ansonsten verborgen, da das
Museumsgebäude bis 2037 generalsaniert wird.

Ab dem 23. April öffnen Forschende jede Woche dienstags um 18 Uhr den
Blick hinter die Bauzäune des Museums und präsentieren jeweils ein Objekt
oder eine Objektgruppe aus der vorderasiatischen Sammlung aus
unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln. Konzipiert haben die
Vortragsreihe der Altorientalist PD Dr. Gösta Gabriel und die Archäologin
Prof. Dr. Elisa Roßberger. Interessierte können die Vorträge vor Ort und
teils auch online im Livestream verfolgen. Der Eintritt ist frei, eine
Anmeldung nicht erforderlich.

„Die Sammlungsobjekte des Vorderasiatischen Museums im Pergamonmuseum
eröffnen Einblicke in die Breite und Buntheit vergangener Lebenswelten:
Sie erzählen von den ersten Metropolen, von religiösen Praktiken im Großen
wie im Kleinen, vom Alltagsleben und von Herrscherideologien, von uralten
Mythen und astronomischen Berechnungen, von Schönheit und Verfall“,
umreißt PD Dr. Gösta Gabriel die Gegenstände der Ringvorlesung. Zusätzlich
gibt die Vorlesungsreihe Einblick in die Vielfalt an Zugängen und Methoden
bei der Erforschung der antiken Hinterlassenschaften wie etwa
archäologische und naturwissenschaftliche Analytik, restauratorische
Arbeit, historische und stilistische Einordung, Forschung zu Sprachen und
Schriften, bis hin zu digitalen Methoden und KI-gestützten Verfahren.

Damit hält die Ringvorlesung „Hinter dem Bauzaun: Schätze des
Vorderasiatischen Museums neu entdeckt“ die Bedeutung der geschlossenen
Sammlung im Gedächtnis und zeigt neue Perspektiven in der
Auseinandersetzung mit den dort verwahrten Objekten auf. Denn die
Forschung zur Sammlung geht trotz Schließung fürs Publikum weiter: Ein
großes Forschungsnetzwerk in Berlin beschäftigt sich intensiv mit den
Zeugnissen aus dem antiken Westasien. Zu diesem Netzwerk gehören unter
anderem die Freie Universität Berlin, das Deutsche Archäologische Institut
und natürlich das Vorderasiatische Museum selbst.

Zeit, Ort und Themen der Vorlesungsreihe „Hinter dem Bauzaun: Schätze des
Vorderasiatischen Museums neu entdeckt“

Alle Vorlesungen finden dienstags von 18.15 bis 19.45 Uhr statt – im
Hörsaal 1b, Gebäudekomplex Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin.
(Ausnahme am 18.06.2024: Veranstaltung in Hörsaal 1a)
U3 Dahlem-Dorf oder Freie Universität Berlin (Thielplatz), Bus 110, M 11,
X 83

23.04.2024
Ischtar-Tor & Co.: Die antiken Schätze des Vorderasiatischen Museums und
ihre moderne Erforschung
PD Dr. Gösta Gabriel (Freie Universität Berlin)
Prof Dr. Elisa Roßberger (Freie Universität Berlin)

30.04.2024
Die „Uruk-Vase“ (Ende 4. Jt. v. Chr.): Eine Beziehungsgeschichte zwischen
Göttin und Herrscher
Prof. Dr. Dr. h.c. Margarete van Ess (Deutsches Archäologisches Institut)
Prof. Dr. Annette Zgoll (Georg-August-Universität Göttingen)

07.05.2024
Babylon: Vom Ziegel zur Weltstadt
Prof. Dr. Barbara Helwing (Vorderasiatisches Museum, Staatliche Museen zu
Berlin)
Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum (Freie Universität Berlin)

14.05.2024
Kleine Kostbarkeiten: Elfenbeinschnitzereien aus Assur
Prof. Dr. Dirk Wicke (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Dipl.-Restauratorin Iris Hertel (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung,
Staatliche Museen zu Berlin)

21.05.2024
Die Hadad-Statue aus dem Königreich von Sam'al: Geschichte und aktuelle
Forschung zu einem kolossalen Monument
Prof. Dr. Régine Hunziker-Rodewald (Université de Strasbourg / Freie
Universität Berlin)
Prof. Dr. Dominik Bonatz (Freie Universität Berlin)

28.05.2024
Assyrische Keramik: Interdisziplinäre Forschungen im Museum und im Labor
PD Dr. Arnulf Hausleiter (Deutsches Archäologisches Institut)
Dr. Małgorzata Daszkiewicz (Freie Universität Berlin / ARCHEA Warschau)

04.06.2024
Tafel, Hülle, Siegel: Private Verträge aus dem alten Babylonien
Prof. Dr. Wiebke Meinhold (Eberhard Karls Universität Tübingen)
Prof. Dr. Elisa Roßberger (Freie Universität Berlin)

11.06.2024
Keilschrifttafeln im digitalen Zeitalter: Die Electronic Babylonian
Library Plattform
Prof. Dr. Enrique Jiménez (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Dr. Zsombor Földi (Ludwig-Maximilians-Universität München)

18.06.2024
Vom Euphrat an die Spree: Biografische Fragmente eines beschrifteten
Steines aus Kelekli
Dr. Sanna Aro (Universität Helsinki)
Prof. Dr. Jörg Klinger (Freie Universität Berlin)

25.06.2024
Magie von Zeit und Raum: Apotropäische Figuren im Vorderasiatischen Museum
und ihre rituelle Verwendung nach mesopotamischen Keilschrifttexten des 1.
Jt. v. Chr.
Dr. Helen Gries (Vorderasiatisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin)
Prof. Dr. Daniel Schwemer (Julius-Maximilians-Universität Würzburg)

02.07.2024
Berlin, Susa, Persepolis: Die achämenidische Leibgarde in Wort und Bild
PD Dr. Kai Kaniuth (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Prof. Dr. Wouter Henkelman (École Pratique des Hautes Études (Paris),
Freie Universität Berlin)

09.07.2024
Tell Halaf 2038 im Zukunftsraum Museum
Dr. Nadja Cholidis (Vorderasiatisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin)
Dr. Lutz Martin (Vorderasiatisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin)

16.07.2024
Artefakte der babylonischen astralen Wissenschaften im Vorderasiatischen
Museum
Prof. Dr. Dr. Mathieu Ossendrijver (Freie Universität Berlin)
Dr. Marvin Schreiber (Freie Universität Berlin)

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Für mehr Effizienz und Klimaschutz: Projekt zu automatisiertem Fahren in Autohäfen gestartet

Neues Forschungsprojekt AutoLog mit Partnern Volkswagen Konzernlogistik,
BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik an der Universität
Bremen, Deutsche Telekom und Unikie | Gesamtvolumen: 5,8 Millionen Euro |
Testfeld im Hafen Emden

Jährlich verschifft die Volkswagen Konzernlogistik rund 2,4 Millionen
Fahrzeuge von mehr als 40 Häfen aus. Der größte Hafen in diesem Netzwerk
ist der Hafen Emden. Bis Ende 2026 forschen die Volkswagen
Konzernlogistik, das BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik an
der Universität Bremen sowie die Deutsche Telekom und der
Softwarespezialist Unikie dort in dem neuen F&E-Vorhaben AutoLog. Die
Technologie des automatisierten Fahrens berge ein hohes Potenzial, den
Distributionsprozess ganzheitlich und über die verschiedenen
Logistikpartner hinweg effizienter, sicherer und klimaschonender zu
gestalten, sind die Projektpartner überzeugt.

Im Projekt AutoLog (Entwicklung automatisierter Fahrprozesse und
dynamischer Lager- und Logistikkonzepte auf Automobilterminals) sollen die
Optimierungspotenziale durch den Einsatz automatisierter Fahrbewegungen
auf Autoterminals erforscht und realisiert werden. Dazu untersuchen die
Partner, welche Voraussetzungen für die Prozesse und die Infrastruktur auf
den Autoterminals geschaffen werden müssen, und wie die Gestaltung der
technischen Infrastruktur für eine robuste und sichere Fahrzeugsteuerung
erfolgen muss. Zudem haben sie die Mensch-Technik-Interaktionen im Fokus –
für ein intuitives, gefahrloses Miteinander auf dem Terminal bei
automatisierten und nicht-automatisierten Prozessen. Darüber hinaus
untersuchen sie, welche Optimierungspotenziale sich für die Lager- und
Logistikprozesse ergeben.

Von Konzept zu Praxistests und Nutzerakzeptanz

Das Vorhaben gliedert sich in zwei wesentliche Felder: einerseits die
Forschungen mit Simulationsstudien, um Konzeptionelles zu erproben und zu
schauen, welche Effekte zu erwarten sind, und andererseits die Erprobung
in realer Umgebung auf einem Testfeld mit Studien zur Umsetzung für ein
ganzes automatisiert betriebenes Terminal. Hinzu kommen Nutzerstudien mit
operativen Mitarbeitenden zur Benutzerfreundlichkeit, Nutzerakzeptanz und
der kognitiven Arbeitsbelastung. Im Kontext der Testauswertung wird auch
eine Beurteilung hinsichtlich der Arbeitssicherheit und Mensch-Technik-
Interaktionen stattfinden.

Insgesamt zeichnet sich dieses Projekt dadurch aus, dass es die Systeme
bestehend aus dem Fahrzeug, dem System für automatisiertes Fahren, der
Netzwerkversorgung über das öffentliche 5G-Netz und den notwendigen
Logistiksystemen erstmalig in einem Logistik- und Hafenumfeld realisieren
wird. So kann überprüft werden, inwiefern das Zusammenspiel auch in dem
hochkomplexen Umfeld eines Hafens beziehungsweise Logistikdienstleisters
umgesetzt und dabei die Betriebsfähigkeit des Hafens sichergestellt und
verbessert werden kann.

Testfeld im Hafen Emden

Um das Gesamtsystem prüfen und optimieren zu können, wird ein Testfeld auf
dem Terminalgelände des Hafen Emden aufgebaut. Das Volkswagen Werk Emden
hat eine direkte Anbindung zum Hafen. Dieser verfügt über neun
Pieranlagen, zwei Schiebebühnen und diverse Stranggleise sowie vier Lkw-
Tiefladerplätze und damit insgesamt über beste Testbedingungen für das
Projekt. Dort lassen sich ein- und ausgehende Fahrzeugströme über alle
Verkehrsträger abbilden. Das Testfeld mit Autostellplätzen schließt
mehrere Fahrwege und einen stark frequentierten Kreisverkehr mit ein. Eine
der großen Herausforderungen besteht neben der Technik- und
Systemgestaltung selbst unter anderem darin, zeitgleich automatisiert
fahrende und manuell gesteuerte Fahrzeuge sowie Fußgänger-Bewegungen
sicher zu managen.

LiDAR-Sensoren, Marshalling System und Public 5G-Netz

Für das Testfeld wird ein digitaler Zwilling mit LiDAR-Sensoren erstellt,
die im Hafen Emden installiert werden. Sie erfassen selbst kleinste
Details in Echtzeit mit höchster Genauigkeit und schließen dabei alle
beweglichen und unbeweglichen Objekte wie Personen, Fahrzeuge und
Gegenstände mit ein. Die Erfassung über die Sensoren funktioniert bei Tag
und Nacht sowie auch unter schlechten Wetterbedingungen problemlos. Der
digitale Zwilling ist ein wesentlicher Bestandteil des von Unikie
bereitgestellten Vehicle Marshalling System. Über das Marshalling System
können Fahrzeuge angesteuert werden, die für den Automatisierungsstandard
ISO23374 nach Protokollstandard ETSI TS 103 882 freigegeben sind.

Die Kommunikation zu den Fahrzeugen erfolgt über das öffentliche 5G Netz.
Die Telekom stellt über eine dedizierte Netzschnittstelle eine
gleichbleibende Servicequalität für diese Anwendung sicher. Das Vehicle
Marshalling System wird in einem Edge Data Center der Telekom betrieben,
um niedrige und gesicherte Latenzen für die Kommunikation zwischen
Marshalling System und Fahrzeug zu gewährleisten. Der echtzeitfähige
digitale Zwilling und die derart optimierte Kommunikation ermöglichen
dabei ein hohes Maß an Sicherheit im Testfeld. Um eine aufwändige
Netzwerkverkabelung zu vermeiden, wird die Anbindung der Sensoren an den
Marshalling Server über Mobilfunk getestet.

Sicherer, klimafreundlicher, wirtschaftlicher

Nach projektvorbereitenden Studien der AutoLog-Partner lassen sich über
automatisiertes Fahren auf Terminals die Umschlagprozesse effizienter
gestalten sowie die Arbeitssicherheit erhöhen. Auch der Bedarf an
versiegelten Flächen könnte unter anderem durch Lagerverdichtung um zirka
20 Prozent reduziert und die Anzahl der auf dem Terminal von
Shuttleverkehren gefahrenen Kilometer teils um bis zu rund 25 Prozent
verringert werden. Damit hat die Etablierung dieser neuen Technologie
nicht nur positive Arbeitssicherheitsaspekte und eine hohe wirtschaftliche
Relevanz in den Häfen, sondern sie trägt auch zum Klimaschutz bei. Ein den
Terminalbetreibern ebenfalls zunehmend wichtiger Aspekt ist der schon
heute herrschende Personalmangel. Die Integration automatisierten Fahrens
kann dieses sich absehbar weiter verschärfende Problem abfedern.

Herstellerunabhängig und übertragbar

Für Autoterminals bietet die Integration automatisierter Fahrbewegungen in
den Terminalbetrieb Möglichkeiten für deutliche Ressourcen- und
Kosteneinsparungen sowie für Qualitätsverbesserungen. Die Forschungen und
Entwicklungen erfolgen hersteller- und markenübergreifend. Die
wissenschaftlichen Ergebnisse sollen auch für künftige Forschungen genutzt
werden. Die Entwicklungen aus dem Projekt sollen auf eine Vielzahl von
Terminals übertragen werden können. Auch eine Übertragung auf die gesamte
Distributionskette, also von den Flächen des Automobilbauers bis zum Hof
des Händlers, ist denkbar.

Eckdaten zum Projekt AutoLog:
Das Verbundprojekt AutoLog (Entwicklung automatisierter Fahrprozesse und
dynamischer Lager- und Logistikkonzepte auf Automobilterminals) dauert 3
Jahre und hat ein Gesamtvolumen von 5,8 Millionen Euro. Es wird im
Programm für Innovative Hafentechnologien (IHATEC II) des
Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) mit 3,2 Millionen Euro
gefördert sowie vom Projektträger TÜV Rheinland begleitet. Mit der
Förderung will der Bund innovative Technologien in deutschen See- und
Binnenhäfen voranbringen und so deren Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Partner in dem Projekt sind die Volkswagen Konzernlogistik
(Verbundkoordinator, Wolfsburg), das BIBA – Bremer Institut für Produktion
und Logistik an der Universität Bremen sowie als assoziierte Partner die
Telekom Deutschland (Bonn) und Unikie (München). Die IHATEC-Fördermittel
gehen zu zwei Dritteln an die Volkswagen-Konzernlogistik (Förderquote 46
Prozent) und zu einem Drittel an das BIBA (Förderquote 100 Prozent).

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Neues Lehrbuch Geriatrie jetzt erhältlich: 200 Experten präsentieren Schlüsselkonzepte der Diagnostik und Behandlung

Das umfangreiche Wissen zur Geriatrie und Altersmedizin liegt nun
erstmalig auch in Form deutschsprachiger Literatur vor: Das neue Lehrbuch
„Geriatrie“ beleuchtet die gesamte Palette der Erkrankungen im höheren
Lebensalter und der geriatrischen Syndrome. Mehr als 200 anerkannte
Expertinnen und Experten haben dabei gemeinsam das Ziel verfolgt, das neue
Standardwerk der deutschsprachigen Geriatrie zu präsentieren. Das Lehrbuch
wurde von Professor Jürgen M. Bauer, Professor Clemens Becker, Professor
Michael Denkinger und Professor Rainer Wirth herausgegeben und ist jetzt
im Kohlhammer Verlag erschienen.

„Mit mehr als 130 Kapiteln bietet das neue Buch einen umfassenden
Überblick über die vielen Facetten der Geriatrie und stellt damit einen
Meilenstein für unser Fach dar“, freut sich Professor Markus Gosch,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).
Schlüsselkonzepte der Diagnostik und Behandlung sowie alle relevanten
Fragen und Herausforderungen der Altersmedizin werden praxisnah und
spannend dargestellt. Die Themen reichen von den Geriatrischen Syndromen
bis zu Ernährungs- und Stoffwechselstörungen, Mobilitätsstörungen,
Infektionskrankheiten, Tumorerkrankungen, Herz-Kreislauf- und
Gefäßerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, verschiedenen Formen des
kognitiven Abbaus sowie Sarkopenie und Frailty. Zu weiteren wesentlichen
Themen gehören das funktionelle Assessment, die Polypharmazie sowie die
Palliativmedizin des älteren Patienten. Abschließend werden biologische,
epidemiologische und politische Aspekte des Alterns reflektiert. Das Buch
vermittelt dabei ein Verständnis von Geriatrie als interdisziplinäre und
interprofessionelle Komplexitätsmedizin mit dem Anspruch, ältere
Patientinnen und Patienten bestmöglich zu behandeln und auf diese Weise
ihre Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern.

„Mit dem Buch steht uns ein neues Referenzlehrbuch zur Verfügung, das
sowohl für Einsteiger, aber durch seine Vielschichtigkeit auch für
erfahrene Geriaterinnen und Geriater ein unverzichtbares Nachschlagewerk
darstellt“, sagt Gosch.

Ideal für den Einsatz in Klinik und Praxis: Zahlreiche didaktische
Elemente und anschauliche Abbildungen

Dieses neue Standardwerk richtet sich an eine umfangreiche Leserschaft:
Fachärztinnen und -ärzte im Bereich Geriatrie, die eine verlässliche
Referenz suchen, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung bis hin zu allen
ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die mit der Versorgung älterer
Patientinnen und Patienten befasst sind. Der moderne, systematische
Aufbau, zahlreiche didaktische Elemente und anschauliche Abbildungen
qualifizieren das Werk auf ideale Weise für den Einsatz in Klinik und
Praxis.

Dieses Buch wird nicht nur Freude und Neugier an der Behandlung älterer
Patientinnen und Patienten wecken, sondern auch als wertvolles und
inspirierendes Nachschlagewerk die tägliche Arbeit bereichern.

Hier das neue Lehrbuch Geriatrie direkt beim Kohlhammer Verlag bestellen:
https://shop.kohlhammer.de/geriatrie-41794.html#147=11

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