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Unterschätzter Risikofaktor: Ein gestörter Schlaf kann Bluthochdruck verursachen

Ein erholsamer Schlaf ist für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit
unerlässlich, denn dauerhafte Schlafstörungen begünstigen organische und
psychische Erkrankungen. Das ist vielen bekannt. Dass Schlafstörungen aber
auch ein deutlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer
Bluthochdruckerkrankung sind, sollte noch stärker im Bewusstsein der
Menschen verankert sein. Wie immer gilt auch hier: Genau hinsehen und
Blutdruck messen!

Bluthochdruck-Risikofaktor Schlafstörungen
Schlafstörungen sind nicht nur belastend und senken das Wohlbefinden und
die Leistungsfähigkeit. Sie sind auch bekanntermaßen ein relevanter
Risikofaktor für die Entwicklung einer Bluthochdruckerkrankung. Daher
wurden Schlafstörungen nun als neuer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen in die Hypertonie-Leitlinie der europäischen Gesellschaft für
Bluthochdruck aufgenommen [1]. Menschen mit einem gestörten Schlaf haben
Studien zufolge ein 1,5 bis 3-fach höheres Risiko für eine
Bluthochdruckerkrankung [2,3]. „10% der Bevölkerung in Deutschland leidet
unter Ein- und Durchschlafstörungen“, erklärt der Internist, Pneumologe,
Kardiologe, Somnologe und Intensivmediziner Prof. Dr. med. Bernd Sanner,
Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik des Agaplesion
Bethesda Krankenhauses Wuppertal und Sprecher der Sektion
Hochdruckdiagnostik der Hochdruckliga. „Daher trifft das Risiko, einen
Bluthochdruck zu entwickeln, auf eine nicht unerhebliche Anzahl von
Menschen zu.“ Sichere Auskunft darüber, ob die Schlafstörungen eine
organische Ursache haben, oder ob der Blutdruck bereits krankhaft erhöht
ist, geben die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung und die
Schlafdiagnostik. „Deshalb ist die regelmäßige Blutdruckmessung, auch zu
Hause, für alle ratsam, die mit Schlafstörungen zu kämpfen haben. Ist der
Blutdruck erhöht, kann anschließend eine gesicherte Diagnose durch
Ärztinnen und Ärzte erfolgen“, betont Prof. Sanner.

Blutdruckregulation im Schlaf
Schlaf ist lebensnotwendig. Der Körper regeneriert sich im Schlaf,
Wachstumshormone werden dazu ausgeschüttet, die Energiespeicher werden
aufgefüllt, das Immunsystem bildet Abwehrstoffe und das Gehirn verarbeitet
und speichert Informationen. Im Zuge dieser Aktivitäten sinken der
Herzschlag und der Blutdruck in der Nacht. „Ein gestörter Schlaf
verhindert diese wichtige Absenkung, das sogenannte Dipping. Liegt ein
sogenanntes Non-Dipping vor, ist die Rate von zukünftigen Herz- und
Kreislaufproblemen bereits erhöht. Auf Dauer kann auch ein Bluthochdruck
am Tage entstehen“, erklärt Prof. Sanner den Zusammenhang.

Schlechte Schlafqualität ist durch viele Faktoren bedingt
Faktoren, die den Schlaf negativ beeinflussen können, sind z. B.
•       psychischer und emotionaler Stress
•       Schnarchen
•       Schlafapnoe (meist obstruktive Schlafapnoe OSA, Atemaussetzer)
•       nächtliche periodische Beinbewegungen
•       sogenannte „exogene“ Faktoren wie Lärm und zu hohe
Umgebungstemperaturen oder Helligkeit während des Schlafes
•       soziale Faktoren, wie z. B. selbst gewählter Schlafmangel.

Schnarchen und Schlafapnoe lassen den Blutdruck steigen und umgekehrt
Bluthochdruck und schlafbezogene Atemstörungen bedingen sich gegenseitig.
Die Hälfte aller Betroffenen mit einer Schlafapnoe leidet auch unter
Bluthochdruck und umgekehrt sind 30 bis 40 Prozent aller
Bluthochdruckerkrankten von einer Schlafapnoe betroffen [4,5]. Liegt eine
therapieresistente Hypertonie vor, d. h. lässt sich der Bluthochdruck auch
mit Medikamenten nicht einstellen, ist besonders häufig parallel eine
Schlafapnoe vorhanden. Bei der häufigsten Form, der obstruktiven
Schlafapnoe (OSA), erschlaffen die Halsmuskeln im Schlaf, Zunge und
Gaumensegel entspannen sich, fallen nach hinten und blockieren die oberen
Atemwege und damit die Sauerstoffversorgung. Die Atmung setzt dann wieder
mit einem Schnarchen und einer damit verbundenen unbewussten Weckreaktion
ein. „Bei der Schlafapnoe kommt es durch die ständigen Kollapse des
weichen Gaumens beim Einatmen zu Atemaussetzern und dadurch zu einem
Dauerstress während der Nacht. Aus Sicht des Kreislaufs ist das ein rein
passiver Stress, genau in der Zeit, in der unser Kreislauf eigentlich die
nächtliche Erholung benötigt. Dies führt anfangs nachts, aber im Verlauf
auch tagsüber zu einer dauerhaften Erhöhung des Blutdrucks“, erläutert
Hochdruckliga-Sektionsmitglied PD Dr. Jan Börgel, Internist, Kardiologe,
Intensivmediziner und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I des
akademischen Lehrkrankenhauses St. Barbara-Klinik in Hamm [6].

Auch Insomnie und zu wenig Schlaf fördern Bluthochdruck
Schlaflosigkeit (Insomnie) betrifft ungefähr sechs Prozent der
Bevölkerung, Frauen stärker als Männer. Betroffene liegen dauerhaft
mindestens dreimal pro Woche wach und finden keinen Schlaf. Der daraus
resultierende Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden und
führt zu Gereiztheit, Unkonzentriertheit und Gedächtnisproblemen, sondern
erhöht das Risiko für einen Bluthochdruck deutlich. Wie eine Studie
zeigte, hat eine Schlafdauer von unter fünf Stunden ein um 50 Prozent
erhöhtes Hypertonierisiko zur Folge [7]. „Weniger als sieben Stunden
Schlaf sollten es in der Regel für einen gesunden Blutdruck nicht sein,
unabhängig davon, ob die kurze Schlafdauer durch Schlafstörungen bedingt
ist, oder durch den Lebensstil selbst gewählt ist. Nur die wenigsten sind
echte „Kurzschläfer“, die mit weniger Schlaf auskommen, ohne Schaden zu
nehmen oder in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt zu sein“, rät Prof.
Sanner.

Wie lässt sich der Schlaf verbessern?
Besser Schlafen zu können, lässt sich in den allermeisten Fällen lernen,
manchmal sind jedoch Hilfsmittel erforderlich [8].

Gegen Stress und andere emotionale Faktoren hilft eine konsequente
Schlafhygiene mit zeitigem Zubettgehen, Entspannungsmaßnahmen (Atem-,
Meditationsübungen, progressive Muskelentspannung, Yoga), der Vermeidung
von Bildschirmaktivität und dem Unterlassen von Alkoholkonsum vor dem
Einschlafen. Gute Effekte zeigen auch entsprechende Apps und professionell
entwickelte Achtsamkeitsprogramme wie das Mindfulness-Based Stress
Reduction Programm (MBSR).

Körperliche Ursachen müssen zunächst über Screening-Untersuchungen zu
Hause oder im Schlaflabor ärztlich abgeklärt werden. Oft ist auch
Übergewicht ein begünstigender Faktor für die Schlafapnoe. Aufgrund ihrer
stammbetonten Fettverteilung im Körper neigen Männer stärker als Frauen
dazu, eine Schlafapnoe zu entwickeln. Besonders in Rückenlage kommt es zu
den gefährlichen Atemaussetzern. Eine Gewichtsabnahme und der Wechsel der
Schlafposition schaffen häufig Abhilfe.

In schweren Fällen wird zur Behandlung eine CPAP (Continuous Positive
Airway Pressure)-Maske eingesetzt. Die Nasenmaske wird während des Schlafs
getragen und verhindert durch eine kontinuierliche Überdruck-Atmung den
Kollaps des weichen Gaumens und damit die Atemaussetzer. Dadurch kommt der
Kreislauf kommt zur Ruhe und die Blutdruckabsenkung wird
wiederhergestellt.

Von Schlafmitteln raten die Experten übereinstimmend ab: „Schlafmittel
sollten wegen Ihres Suchtpotenzials bei einer diagnostizieren Insomnie nur
die allerletzte Wahl sein.“ „Wurden bei Patientinnen und Patienten alle
körperlichen und seelischen Ursachen ausgeschlossen und sind z. B.
schlafhygienische Maßnahmen oder auch verhaltenstherapeutische Therapien
erfolglos, kann in seltenen Fällen ein medikamentöser Therapieversuch über
eine kurze Zeit von maximal 3−4 Wochen erfolgen, um die Nebenwirkung einer
Abhängigkeit zu vermeiden“, stellt Dr. Börgel klar.

Schlafmythen – was ist dran?
Gesunder Schlaf vor Mitternacht: Der Schlaf vor Mitternacht ist nicht
notwendigerweise gesünder, allerdings liegen bei vielen Menschen die als
erholsamer empfundenen Tiefschlafphasen vor Mitternacht.

Abends kein Sport: Sport und körperliche Bewegung sind zur Senkung des
Blutdrucks und für einen gesunden Schlaf sehr empfehlenswert, aber
tatsächlich nicht unmittelbar vor dem Einschlafen. Dann ist der Körper
noch zu angespannt und findet nicht in den notwendigen Ruhezustand.

Kein Alkohol: Selbst moderater Alkoholgenuss stört den Schlaf. Er
erleichtert zwar oft das Einschlafen selbst, aber fördert
zwischenzeitliches nächtliches Aufwachen.

Nicht nach 18 Uhr essen: Wer reichlich am Abend isst und das auch noch
kohlenhydratreich, schläft tatsächlich schlechter. Empfehlenswert ist
daher eiweißreiche und kohlenhydratarme Kost vor 20 Uhr.

Quellen:
[1] Mancia G, Kreutz R, Brunström M et al. 2023 ESH Guidelines for the
management of arterial hypertension The Task Force for the management of
arterial hypertension of the European Society of Hypertension: Endorsed by
the International Society of Hypertension (ISH) and the European Renal
Association (ERA). J Hypertens. 2023 Dec 1;41(12):1874-2071. (Table 2 auf
S. 1888)
[2] Budhiraja R, Roth T, Hudgel D W, Budhiraja P, Drake C L. Prevalence
and polysomnographic correlates of insomnia comorbid with medical
disorders. Sleep. 2011;34(7):859–867.
[3] Taylor D J, Mallory L J, Lichstein K L, Durrence H H, Riedel B W, Bush
A J. Comorbidity of chronic insomnia with medical problems. Sleep.
2007;30(2):213–218.
[4] Fletcher ED, DeBehnke RD, Lovoi MS et al. Undiagnosed sleep apnea in
patients with essential hypertension. Ann Intern Med. 1985;103(2):190-195.
[5] Durán-Cantolla J, Aizpuru F, Martínez-Null C, Barbé-Illa F.
Obstructive sleep apnea/hypopnea and systemic hypertension. Sleep Med Rev.
2009;13(5):323-331.
[6,8] Deutsche Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®│Deutsche Gesellschaft für
Hypertonie und Prävention. DRUCKPUNKT 1-2024;14-22.
[7] Vgontzas AN, Liao D, Bixler EO, Chrousos GP, Vela-Bueno A. Insomnia
with objective short sleep duration is associated with a high risk for
hypertension. Sleep. 2009;32(4):491-497.

Informationsmaterial:
Die Hochdruckliga als Kompetenzstelle für Bluthochdruck in Deutschland
hält auf ihrer Website unter https://www.hochdruckliga.de/ eine Vielzahl
von Informationsmaterialien für Betroffene und Fachleute rund um das Thema
Bluthochdruck bereit: von der Prävention über die Diagnose bis zur
Therapie. Das zweimal jährlich erscheinende Magazin DRUCKPUNKT richtet
sich an von Bluthochdruck Betroffene und Interessierte. Ein Probe-Exemplar
kann kostenfrei per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder über
https://www.hochdruckliga.de/betroffene/magazin-druckpunkt angefordert
werden.

Zusatzmaterial:
Tipps für einen besseren Schlaf

1. Auf ausreichend Schlaf achten
•       Egal, ob Sie tagsüber oder nachts arbeiten: Zwischen dem
Zubettgehen und dem Aufstehen genügend Schlaf einplanen. 7 bis 9 Stunden
sollten es sein!

2. Auf regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten achten
•       Schlaf- und Aufstehzeiten dürfen individuell sein, aber sie sollen
regelmäßig sein: Frühaufsteher also früh zu Bett, Langschläfer später.
•       Auch für den Mittagsschlaf gilt: entweder regelmäßig zur gleichen
Zeit oder besser gar nicht, um den Schlafrhythmus nicht durcheinander zu
bringen.

3. Schlaffreundliche Umgebung schaffen
•       Ruhige Umgebung und angenehme, eher kühle Raumtemperatur
•       Schlafplatz/Zimmer abdunkeln. Licht stört den Schlaf als
Stressfaktor und verringert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.
•       Lärm wirkt sich auch dann negativ auf den Schlaf aus, wenn er
nicht bewusst wahrgenommen wird, also gerade auch während des Schlafens.

4. Vor dem Zubettgehen erst einmal zur Ruhe kommen
•       Nach emotionaler Aufregung nicht gleich ins Bett gehen, sondern
Zeit zum „Runterkommen“ nehmen
•       Entspannungstechniken nutzen: Atem-, Meditationsübungen,
progressive Muskelentspannung, Yoga oder spezielle Programme wie das MBSR
•       Buch statt Bildschirm (Fernsehen, Smartphone, Tablet, E-Reader)
•       Entspannungsbad oder -dusche
•       Musikhören
•       Abendspaziergang

5. Nicht unter Druck setzen
•       Der ständige Gedanke daran, einschlafen zu müssen, stresst
zusätzlich.

6. Kein Alkohol
•       Auch mäßiger Alkoholkonsum verschlechtert die Schlafqualität und
führt zu unruhigem Schlaf und Schlafunterbrechungen.
•       Der „Schlummertrunk“ hilft vielleicht beim Einschlafen, aber
schadet.

7. Auf üppige, schwere Mahlzeiten vor dem Zubettgehen verzichten
•       Kohlenhydratreiche Kost liegt nicht nur schwer im Magen, sondern
erschwert auch einen erholsamen Schlaf, denn der Stoffwechsel arbeitet
dann auf Hochtouren.
•       Auf eiweißreiche und kohlenhydratarme Kost vor dem Schlafengehen
umstellen

8. Gewichtsabnahme bei Übergewicht
•       Schon eine moderate Gewichtsabnahme hilft oft. Generell begünstigt
Übergewicht Bluthochdruck.

9. Schlafposition wechseln
•       Die Rückenlage begünstigt Schnarchen und Schlafapnoe.

10. Schlaftabletten vermeiden
•       Schlaftabletten sollten nur nach ärztlicher Rücksprache über einen
kurzen Zeitraum eingenommen werden. Ein längerer Gebrauch kann schnell zur
Abhängigkeit führen.

Über uns:
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® │ Deutsche Gesellschaft für
Hypertonie und Prävention ist eine gemeinnützige, unabhängige medizinisch-
wissenschaftliche Fachgesellschaft. Seit 1974 setzen wir uns für eine
wissenschaftlich fundierte Aufklärung auf dem Gebiet der Hypertonie ein.
Die gesamtgesellschaftliche gesundheitliche Herausforderung Bluthochdruck
verlangt nach einer interdisziplinären Antwort. Wir bündeln die Expertise
aus allen relevanten Fachgruppen und stellen diese allen beteiligten
Gruppen zur Verfügung.

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Hamburg: Der befreite Blick. Die Stadt und ihre Menschen mit dem Smartphone fotografiert

Die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr
Hamburg (HSU/UniBw H) präsentiert die Ausstellung des renommierten
Fotografen Reinhard Scheiblich "Hamburg: Der befreite Blick".
Zur Eröffnung der Ausstellung lädt die Bibliothek herzlich ein. Der
Eintritt ist frei.
Dienstag, 16. April 2024, 18 Uhr
Teilbibliothek Mil

Programm des Abends:

Begrüßung
Professor Dr. Klaus Beckmann, Präsident der Helmut-Schmidt-Universität

Thematische Einführung
Reinhard Scheiblich, Fotograf und Kurator der Ausstellung, Hamburg

Eröffnung der Ausstelllung
Dr. Jan-Jasper Fast, Direktor der Bibliothek der Helmut-Schmidt-
Universität

Besichtigung der Ausstellung

Für den Fotografen Reinhard Scheiblich war seine Arbeit immer mit einem
hohen technischen und zeitlichen Aufwand verbunden. Nachdem er das
Smartphone als Kamera für sich entdeckt hatte, faszinierte ihn „der von
Technik befreite Blick“ auf Hamburg und die Menschen in dieser Stadt.

Das Unvorhersehbare, der flüchtige Augenblick, die Atmosphäre eines Ortes,
das wechselnde Lichtspiel in der städtischen Landschaft, kurzum, die
Poesie im Alltäglichen zu fotografieren, ohne als Fotograf wahrgenommen zu
werden, ist Thema dieser Ausstellung.

Besonders die zufälligen Begegnungen mit Menschen in Hamburg, die seine
Aufmerksamkeit weckten und die er bat, sie an dem Ort der Begegnung
porträtieren zu dürfen, ergaben Fotos von ungezwungener Natürlichkeit und
Nähe.

Dieser Fotograf „der alten Schule“ hätte sich vor einiger Zeit nicht
vorstellen können, mit dem Smartphone künstlerisch und dokumentarisch zu
fotografieren. Umso mehr überraschen seine Fotos, die nicht nur „Perlen“
der Hansestadt zeigen, sondern auch Motive abseits bekannter Wege.

Reinhard Scheiblich arbeitete zunächst als Werbe- und Industriefotograf
und dann bis 2014 als Wissenschaftsfotograf an der Helmut-Schmidt-
Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Er gilt als Spezialist für
maritime Sujets. Für seine Unterwasserfotos aus der Ostsee, dem Roten Meer
und dem Indischen Ozean erhielt er nationale und internationale
Auszeichnungen. Zudem schrieb und illustrierte er zahlreiche Bücher über
Leuchttürme. Zusammen mit dem Grafikdesigner Professor Johannes Graf
gestaltete Scheiblich 27 Briefmarken für die Serie „Deutsche Leuchttürme“
der Deutschen Post AG. Diese Briefmarkenserie zählt zu den erfolgreichsten
Postwertzeichen-Ausgaben der Deutschen Post.

Laufzeit der Ausstellung: 16. April bis 30. Oktober 2024
Öffnungszeiten: Mo-Do 9-16 Uhr, Fr 9-14 Uhr, 8. Juni 10-17 Uhr („Tag der
Bundeswehr“)
An Feiertagen geschlossen
Eintritt frei

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Welt-Parkinson-Tag am 11. April: Warum Schlaf vor Parkinson schützt – und welche neuen Therapien Betroffenen helfen

Die Parkinson-Forschung ist hochdynamisch und hat in den letzten Monaten
zu neuen Erkenntnissen geführt: Schlaf ist ein wichtiger Faktor für die
Parkinson-Prävention. Warum das so ist, zeigte eine Arbeit in der
renommierten Fachzeitschrift „Nature“. Auch zur Therapie gibt es Neues:
Eine Pumpentherapie wird die Versorgung von Parkinson-Kranken deutlich
verbessern. Zwar kann auch sie die Erkrankung nicht heilen, stellt aber
dennoch einen Durchbruch dar, weil sie Betroffenen mehr qualitative
Lebenszeit schenkt. Versagt die medikamentöse Therapie, kommt häufig die
sog. Tiefe Hirnstimulation zum Einsatz, auch mit guten Langzeiteffekten,
wie eine aktuelle Studie zeigt.

Schlaf ist aktive Parkinson-Prävention: Bei der Entstehung
neurodegenerativer Erkrankungen spielt die Ablagerung molekular
fehlgefalteter  Proteine eine Rolle (z. B. α-Synuclein bei M. Parkinson).
Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das erst vor ca. 10 Jahren
nachgewiesene gliale lymphatische System, ein  „Entsorgungssystem“ für
zelluläre Abfallprodukte. Über das glymphatische System werden
Metaboliten/Zellabfälle (meist lösliche Proteine) aus dem Gehirn
„gespült“. Bei verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen wird ein
Nachlassen dieser Reinigungsfunktion, die praktisch nur nachts während des
Non-REM-Schlafs aktiv ist, diskutiert. Wie genau diese Selbstreinigung
funktioniert, ist noch Gegenstand der Forschung; eine nun in „Nature“
publizierte Arbeit [1] konnte aber wichtige Fragen klären. Es wurde
gezeigt, dass neuronale Netze einzelne Aktionspotentiale (das sind
elektrische Signale) synchronisieren und bündeln, wodurch rhythmische,
sich selbst verstärkende hochenergetische Ionenwellen entstehen, die den
„reinigenden“ glymphatischen Fluss in Gang bringen. Die experimentelle
Störung dieser Wellen verhinderte im Experiment weitgehend die Reinigung
des Gehirnparenchyms. Umgekehrt konnte durch transkranielle Stimulation
(mit Optogenetik) die Wellenbewegung und der Fluss interstitieller
Flüssigkeit verstärkt werden. Aus den Ergebnissen könnten sich künftig
neue prophylaktische und therapeutische Ansatzpunkte ergeben. „Schlaf ist
ein wichtiger, aber oftmals unterschätzter Faktor, um Gehirn und Nerven
gesund zu halten. Durchschnittlich werden 7–8 Stunden Schlaf empfohlen –
und dieses Präventionspotenzial sollten wir nutzen“, erklärt Prof. Dr.
Peter Berlit.

Auch zur Therapie gibt es Neuigkeiten: Bei der medikamentösen Behandlung
des M. Parkinson mit Levodopa kommt es (nach ca. 5–8 Jahren) häufig zu
starken motorischen Fluktuationen, d. h. zu starken tageszeitlichen
Schwankungen zwischen Phasen guter Mobilität und Steifheit („On-
Off“-Phasen). Erklärt wird dies durch ein zunehmendes „end of
dose“-Phänomen: Die Wirkung des Medikaments lässt nach, Dopamin kann nicht
mehr ausreichend „gespeichert“ werden und irgendwann kann die Dosierung
nicht weiter erhöht werden, ohne dass es zu überschießenden Dopamin-
Konzentrationen kommt. Denn genauso schlimm wie die Steifheit in Folge von
zu wenig L-Dopa sind die unangenehmen Nebenwirkungen (z. B. störende
Dyskinesien) bei zu hohen Dosen. In dieser Situation kann eine
Pumpentherapie helfen. Sie führt zu konstanten Wirkspiegeln über den Tag
und damit verbesserter Lebensqualität durch weniger „Off“-Zeit.

Das wirksamste Parkinson-Medikament L-Dopa konnte für eine kontinuierliche
Gabe bislang nur über eine Sonde durch die Bauchdecke in den Magen gegeben
werden. Jetzt gibt es in Deutschland eine neue Option: Eine
multizentrische internationale Phase-3-Studie [2] untersuchte
randomisiert, doppelblind und kontrolliert die Wirksamkeit der
kontinuierlichen subkutanen Gabe (n=128) von Levodopa-Carbidopa (ND0612)
im Vergleich zur oralen Gabe (n=131) bei Parkinson-Betroffenen mit
motorischen Fluktuationen (mittlere „On“-Zeit 9,4 h/Tag und Off-Phasen
≥2,5 h/Tag). Die Therapieeinstellung wurde durch die Pumpe mit subkutanem
L-Dopa signifikant verbessert; es konnte gegenüber der oralen Behandlung
eine zusätzliche tägliche „On“-Zeit von 1,72 Stunden (p<0,0001) gewonnen
werden. Die Off-Phasen wurden vermindert (-1,40 h/Tag) und auch weitere
sekundäre Endpunkte (klinische Scores, z. B. MDS-UPDRS-II) verbesserten
sich – bei insgesamt günstigem Nebenwirkungsprofil. Eine nun folgende
Open-Label-Verlängerungsphase soll Daten zur langfristigen Wirksamkeit und
Sicherheit der subkutanen Gabe liefern.

Bei Versagen der medikamentösen Therapie ist die Tiefe Hirnstimulation ein
etabliertes invasives Behandlungsverfahren. Dafür erfolgt die Implantation
von Elektroden in bestimmte Gehirnareale. Von einem individuell
programmierten Impulsgenerator werden wie bei einem Herzschrittmacher
elektrische Stimuli abgegeben, was in Kombination mit Medikamenten die
Parkinson-Symptomatik sowie Lebensqualität deutlich verbessert. Eine
aktuelle, prospektive Studie an drei europäischen Zentren [3] zeigt
erstmals Langzeitergebnisse über mehr als drei Jahre. Sie verglich die
Tiefe Hirnstimulation plus Standardmedikation mit der alleinigen
Standardtherapie. Nach fünf Jahren hatte sich die Lebensqualität gemessen
am Parkinson-Fragebogen (PDQ-8) und die Aktivitäten des täglichen Lebens
(ADL) in der Vergleichsgruppe signifikant verschlechtert (PDQ-8: -10,9;
p=0,01 und ADL: -2,0; p=0,002), während sie in der Gruppe, die die Tiefe
Hirnstimulation erhalten hatte, stabil blieben (PDQ-8: -4,3; p=0,34 und
ADL: -0,8; p=0,38). Diese Unterschiede ergaben sich hauptsächlich durch
die bessere Wirkung der Tiefen Hirnstimulation auf die Mobilität. Die mit
der Tiefen Hirnstimulation Behandelten hatten außerdem weniger motorische
Komplikationen und einen geringeren täglichen Levodopa-Äquivalenzdosis-
Bedarf.

„Noch können wir die Parkinson-Erkrankung nicht heilen, aber die Forschung
trägt zusehends dazu bei, dass die Symptome der Erkrankung über eine lange
Zeit zurückgedrängt werden können“, so Prof. Dr. med. Lars Timmermann,
Mitautor der aktuellen Studie zur Tiefen Hirnstimulation [3] und Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Am Welt-Parkinson-Tag liegt
uns aber vor allem die Prävention am Herzen. Die Deutsche Hirnstiftung ist
hier ein wichtiger Partner der DGN. Hier finden Betroffene und
Interessierte umfassende Informationen zu einem gesundheitsbewussten
Lebensstil, mit dem sich neurodegenerative Krankheiten wie M. Parkinson
vorbeugen lässt.“


[1] Jiang-Xie LF, Drieu A, Bhasiin K, Quintero D, Smirnov I, Kipnis J.
Neuronal dynamics direct cerebrospinal fluid perfusion and brain
clearance. Nature. 2024 Mar;627(8002):157-164. doi:
10.1038/s41586-024-07108-6. Epub 2024 Feb 28. PMID: 38418877.
[2] Espay AJ, Stocchi F, Pahwa R et al. Safety and efficacy of continuous
subcutaneous levodopa–carbidopa infusion (ND0612) for Parkinson's disease
with motor fluctuations (BouNDless): a phase 3, randomised, double-blind,
double-dummy, multicentre trial. The Lancet Neurology, Published: March
15, 2024
[3] Jost ST, Aloui S, Evans J, Ashkan K, Sauerbier A, Rizos A, Petry-
Schmelzer JN, Gronostay A, Fink GR, Visser-Vandewalle V, Antonini A,
Silverdale M, Timmermann L, Martinez-Martin P, Chaudhuri KR, Dafsari HS;
International Parkinson and Movement Disorders Society Non-Motor
Parkinson’s Disease Study Group and EUROPAR. Neurostimulation for Advanced
Parkinson Disease and Quality of Life at 5 Years: A Nonrandomized
Controlled Trial. JAMA Netw Open. 2024 Jan 2;7(1):e2352177. doi:
10.1001/jamanetworkopen.2023.52177. PMID: 38236600; PMCID: PMC10797423.

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Jahresfeier des KIT zum Thema „Freiheit“

Die grundgesetzlich garantierte Freiheit von Wissenschaft, Forschung und
Lehre ist konstitutiv auch für das Geschehen am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT). In Anknüpfung an das diesjährige Wissenschaftsjahr des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung widmet das KIT seine
Jahresfeier 2024 am Dienstag, 9. April, ab 18:00 Uhr dem Thema „Freiheit“.
In unterschiedlichen Formaten nehmen die Akteurinnen und Akteure des
Bühnenprogramms dabei die politischen, gesellschaftlichen und
technologischen Herausforderungen des Freiheitsbegriffs in den Blick. Die
Medien sind zu der Veranstaltung eingeladen. Wir bitten um Anmeldung bis
8. April 2024 per E-Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>.

Auf https://www.kit.edu/jahresfeier2024 wird darüber hinaus ein Livestream
angeboten werden. (jha)

„Freiheit“ – Jahresfeier 2024 des KIT

Termin: Dienstag, 9. April 2024, 18:00 Uhr (Einlass ab 17:00 Uhr)

Ort: InformatiKOM, Gebäude 50.19, Campus Süd des KIT, Adenauerring 12,
76131 Karlsruhe

Programm:

18:10 Uhr
Begrüßung und Ansprache
Professor Oliver Kraft, in Vertretung des Präsidenten des KIT

18:30 Uhr
Grußworte und Videobotschaften
Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister Stadt Karlsruhe
Susanne Kunschert, stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats des KIT
Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-
Württemberg

18:55 Uhr
Talk zum Thema „Freiheit im Denken – wie schützen wir die Wissenschaft in
Krisenzeiten?"
Professorin Kathrin Gerling, Institut für Anthropomatik und Robotik des
KIT
Professor Armin Grunwald, Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse des KIT
Professor Holger Puchta, Joseph Gottlieb Kölreuter Institut für
Pflanzenwissenschaften des KIT

19:25 Uhr
Verleihung der KIT-Fakultätslehrpreise
Professor Alexander Wanner, Vizepräsident Lehre und akademische
Angelegenheiten des KIT

ca. 19:40 Uhr
Eröffnung des Empfangs

Moderation: Nicole Krieger

Weitere Informationen: https://www.kit.edu/jahresfeier2024

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