Zum Hauptinhalt springen

Forscher der Universität Koblenz entdecken als ausgestorben deklarierte kleinste Seerose der Welt in Ruanda wieder

Die kleinste Seerose der Welt ist doch nicht ausgestorben und wird nun besonders geschützt.  Siegmar Seidel  Universität Koblenz
Die kleinste Seerose der Welt ist doch nicht ausgestorben und wird nun besonders geschützt. Siegmar Seidel Universität Koblenz

Diese kleine Seerose, die Prof. Dr. Eberhard Fischer von der Universität
Koblenz ursprünglich im Jahre 1987 in den Gewässern einer heißen Quelle
von  Mashyuza im Südwesten Ruandas entdeckt, wissenschaftlich beschrieben
und benannt hat, hat es sogar als kleinste Seerose der Welt in das
Guinness Buch der Rekorde geschafft.

Nymphaea thermarum, wie die Seerose mit wissenschaftlichen Namen heißt und
deren Blüte nicht größer als ein Ein-Cent-Stück groß wird, ist ein Lokal-
Endemit, also eine Art, die weltweit in der Natur lediglich in solchen
Quellbächen wächst - in einem Gebiet, das kleiner als ein Fußballfeld ist.
Somit galt diese Pflanze seit ihrer Entdeckung als extrem gefährdet, da
nahegelegene Landwirtschaft und Bergbau ihren Lebensraum stark einengten.
Aus diesem Grund waren Anfang der 1990er Jahre einige Exemplare der
Pflanze weltweit in botanischen Gärten in Kultur genommen worden, um zur
Arterhaltung außerhalb des natürlichen Lebensraumes beizutragen.

Durch intensiver werdende Landwirtschaft und durch Ausweitung des
Bergbaugebiets kam es zum Verschwinden der Seerosen-Art in der Natur.
Zuletzt wurde sie noch im Jahr 2008 in ihrem natürlichen Lebensraum
gesehen, sie wurde aber im Jahr 2010 durch die International Union for
Conservation of Nature (IUCN) als ausgestorben-in-der-Natur deklariert.
Wieder hatten unsachgemäße Landnutzungen, gepaart mit Unkenntnis über
seltene Arten, zum Aussterben einer Spezies in der Natur geführt.

Fortan überlebte die Art in Wasserbecken und Aquarien in mindestens einem
Dutzend botanischer Gärten auf der ganzen Welt. Ideen und Studien zur
Wiederansiedlung in der Natur wurden entwickelt. Mit der Absicht, das
ursprüngliche Areal für ein solches Vorhaben zu begutachten, reisten im
Juli / August 2023 Sarah Marie Müller und Siegmar Seidel vom Ruanda-
Zentrum und Büro für Afrika-Kooperationen der Universität Koblenz zusammen
mit Prof. Dr. Thomas Abeli von der italienischen Universität Roma3 nach
Ruanda und entdeckten unweit des ursprünglichen Standorts eine neue oder
überlebende Population der kleinsten Seerose der Welt. Die Frage, wie dies
möglich war, wird nun in einem Forschungsprojekt zu klären versucht.

Die Freude über ihre Wiederentdeckung ist auch bei ihrem Erstentdecker
Prof. Dr. Eberhard Fischer groß: „Ich freue mich sehr über die
Wiederentdeckung von Nymphaea thermarum, dies kann sicherlich als
Sensation bewertet werden. Es handelt sich zudem um meine erste
Neuentdeckung in Ruanda, die ich 1987 machte und 1988 publizierte.
Nymphaea thermarum ist eine der seltensten Pflanzen weltweit“.

Begeisterung herrscht auch in Ruanda, wo Siegmar Seidel die freudige
Nachricht den zuständigen Ministern persönlich vortrug. Das
Umweltministerium, das Innenministerium und ihre nachgeordneten Behörden
wollen den Lebensraum der kleinsten Seerose der Welt nun als Schutzgebiet
ausweisen. „Für unser Koblenz-Römisches Team fängt die Arbeit nun an, denn
es gilt noch viel über die Pflanze zu erforschen. Wir wollen auch die
bisherigen Forschungsarbeiten weiterer Kolleginnen und Kollegen von
anderen Universitäten und botanischen Gärten weltweit mit einbeziehen,“
erklärt Siegmar Seidel, der bereits in dieser Woche wieder nach Ruanda
reisen wird.

Die Wiederentdeckung der Nymphaea thermarum wurde jetzt im Oryx-Journal
veröffentlicht: Abeli, T., Müller, S. M. and Seidel, S. (2024)
‘Rediscovery of the waterlily Nymphaea thermarum Eb. Fisch. in Rwanda’,
Oryx, pp. 1–3. doi: 10.1017/S0030605323001837.

  • Aufrufe: 19

H Dortmund baut Forschungsbrücke nach Pakistan

Prof. Dr. Casten Wolff  Matthias Kleinen  FH Dortmund
Prof. Dr. Casten Wolff Matthias Kleinen FH Dortmund

Die Fachhochschule Dortmund baut ihre Internationalisierungsaktivitäten
aus. Mit dem SusProLab – Kurzform für „Sustainable Project Management Lab“
– wird eine internationale Forscher*innengruppe zu nachhaltigem
Projektmanagement unter Beteiligung der COMSATS Universität in Islamabad
(Pakistan) und der FH Dortmund initiiert.

Das Ziel des SusProLab: Entwicklungsprojekte in Pakistan zu nachhaltigem
Erfolg führen. Denn bislang bleiben viele Projekte in dem Land hinter den
Erwartungen zurück. „Eine höhere Erfolgsquote und verbesserte
Nachhaltigkeit und Langzeitwirkung der Projekte ist substanziell für die
Entwicklung des Landes“, betont Prof. Dr. Carsten Wolff, Informatik-
Professor am Institut für die Digitalisierung von Arbeits- und
Lebenswelten (IDiAL) der FH Dortmund. Dabei gehe es nicht nur um
ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch um wirtschaftlich und
gesellschaftlich nachhaltige Aspekte. Der Deutsche Akademische
Austauschdienst (DAAD) unterstützt das Projekt mit fast 80.000 Euro für
zwei Jahre.

Professor Carsten Wolff ist zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit trotz
der 5.529 Kilometer Luftlinien-Distanz schnell und reibungslos
funktionieren wird, denn die Projektpartner kennen sich bereits. Prof. Dr.
Rao Aamir Ali Khan, Assistenzprofessor für Management Studies an der
COMSATS in Islamabad, hat an der FH Dortmund seinen Abschluss im „European
Master in Project Management“ (EuroMPM) gemacht. An der Universität Kassel
promovierte er danach zusammen mit Prof. Dr. Jan Christoph Albrecht, der
2021 als Professor für Projektmanagement an die FH Dortmund berufen wurde.
Und eine Studentin, die Prof. Khan in Pakistan erfolgreich zum
Masterabschluss geführt hat, promoviert inzwischen an der FH Dortmund in
Kooperation mit der Universität des Baskenlandes in Bilbao. „Forschungs-
und Lehrkooperation zwischen der COMSATS und der FH Dortmund bestehen
bereits“, sagt Carsten Wolff. „Diese wollen wir deutlich ausbauen.“

Konkret will sich die Forscher*innengruppe Projekte zur Installation
sogenannter Mini Hydro Power Plants (MHPP) anschauen. Diese Mini-
Wasserkraftwerke eignen sich für die dezentrale Stromversorgung im
ländlichen Raum. Jedoch werden viele der von internationalen Geldgebern
geförderten MHPPs nicht fertiggestellt oder sind nach kurzer Zeit nicht
mehr funktionsfähig. Hier setzt die Arbeit des SusProLab ein. Die
Forscher*innen wollen Lösungen entwickeln, die ein Fortbestehen der
Projekte sicherstellen. Wo gibt es rechtliche Hürden? Wie kann die
Gemeinschaft im Ort nachhaltig eingebunden werden? Dazu werden Forschende
und Studierende aus Pakistan und Deutschland zusammenarbeiten. Carsten
Wolff geht davon aus, dass in dem Projekt zudem mehrere Master- und
Doktorarbeiten zwischen Studierenden aus Pakistan, der FH Dortmund und den
EuroPIM-Universitäten entstehen können und so die Basis für ein
langfristiges Lehr- und Forschungsengagement gelegt wird.

  • Aufrufe: 36

Stephan Eicher, Finale der «Ode»-Tour 2024, Casino Theater Bern, 5.3. 2024, besucht von Vanessa Bösch

Stephan Eicher, Finale der «Ode»-Tour 2024

Konzertfoto Stephan Eicher im Casino Bern

Besetzung:
Stephan Eicher, Vocals/Guitar – Reyn Ouwehand, Piano –
Noémi von Felten, Harp – Simon Gerber, Bass/Drums

Ein magischer Abend mit Stephan Eicher im Casino Bern

Stephan Eicher Konzertimpression
Stephan Eicher Konzertimpression

Schon länger waren die zwei Abschlusskonzerte der ODE-Tour von Stephan Eicher am 5. und 6. März 2024 im ausverkauften Casino Bern das Gesprächsthema in der Stadt. Die Fans des bei Bern geborenen, international gefeierten Sängers können es kaum noch erwarten, dass das Konzert beginnt. Das Licht im grossen Saal des Casinos ist für diesen besonderen Abend abgelöscht und der helle Bühnenbereich mit dunklen Vorhängen ausgekleidet. Auf der Bühne stehen drei riesige, braune Reisekoffer. Davor stehen die Instrumente und ein Tisch mit Kerzen, die vor dem Konzertbeginn angezündet werden, was dem Setting sofort einen intimen Rahmen verleiht.

Fulminanter Start mit Unterbruch

Stephan Eicher und seine Band starten fulminant mit dem Hit “Sans Contact” aus dem Tour-Album ODE (2022), was die Spannung im Publikum bereits erheblich löst. Als er das zweite Stück, “Pas d’ami (comme toi)” aus dem Album ENGELBERG (1991), unterbricht, um das mitsingende Publikum auf die unzureichende Intonation des in Frankreich so wichtige N im Refrain «Non, non, non» hinzuweisen, hat er das Publikum vollends auf seiner Seite. Das Gelächter ist gross, das Mitsingen danach umso lauter

Vielseitige Begleitband mit Harve

Stephan Eicher Konzertimpression
Stephan Eicher Konzertimpression

Stephan Eicher an der Gitarre wird gesanglich und musikalisch begleitet von Reyn Ouwehand am Piano, Noémi von Felten an der Harve und Simon Gerber am Bass. Ouwehand und Gerber wechseln für besonders dynamische Momente an die Trommel oder das Schlagzeug. Die Musiker harmonieren perfekt und integrieren sich scheinbar mühelos in Eichers musikalische Reise. Besonders Noémi von Felten beeindruckt mit einem ungewohnt vielseitigen Harvenspiel, das auch harte und jazzige Töne mit einschliesst.

Souveräner Auftritt mit witzigen Kommentaren

Der Auftritt des in Münchenbuchsee bei Bern geborenen Chansonniers ist wie gewohnt souverän und charmant. Mit seiner gehaltvollen, charakteristischen Stimme zieht er das Publikum in seinen Bann und begleitet seine Kompositionen immer wieder mit witzigen Kommentaren. Eicher zeigt sich als wahrer Entertainer und schafft es, die Stimmung im Saal immer wieder aufs Neue anzuheizen. Er spricht darüber, dass seine schon über 30 Jahren dauernde Musikerkarriere ihm selbst wie «nichts» erscheint und verweist augenzwinkernd darauf, dass andere Bandmitglieder vor 30 Jahren noch nicht einmal geboren waren (gemeint ist die Harvenistin von Felten). Hingegen erscheint ihm das Warten «als vergeudete Zeit» und er dankt deshalb dem Publikum, dass alle pünktlich zum zeitig angefangenen Konzert gekommen sind. Nicht unerwartet erwähnt er auch seine bekannte Abneigung gegen Zugaben, die ihn an den unnötigen Limoncello nach einem feinen italienischen Essen erinnern. Auch sein diesbezüglicher Vergleich mit William Shakespeare, den nach dem Tod des Königs auch keiner um ein weiteres Kapitel gebeten habe, kommt gut an.

Magische Atmosphäre dank leuchtender Koffer und Kerzen

Stephan Eicher Konzertimpression
Stephan Eicher Konzertimpression

Während die Band “Combien de temps” von Eicher und Traktorkestar aus dem Album HÜH (2019) spielt, öffnen sich die riesigen braunen Reisekoffer im Hintergrund der Bühne und enthüllen endlich ihren leuchtenden Inhalt: automatisch spielende Trommeln und Schlaginstrumente, eine glitzernde Diskokugel mit spielenden Lyras und ein Koffer mit kristallförmig angeordneten glühenden Kerzen, die man auch als Schreibstifte lesen könnte. Diese magische Atmosphäre zieht sich danach durch den ganzen restlichen Abend und begleitet die Zuschauer durch die musikalische Zeitreise.

Abwechslungsreiches Programm mit Highlights aus vier Jahrzehnten

Das Konzert ist gekennzeichnet durch ein abwechslungsreiches Programm, das sowohl treibende Songs mit vielstimmigen Soundteppich als auch zurückhaltende Balladen beinhaltet. Die stets passende Beleuchtung sorgt für zusätzliche Atmosphäre im Saal. Gespielt werden unter anderem “Le plus léger au monde” und “Ne me dites pas non” aus ODE, “Prisonnière” aus HOMELESS SONGS (2019) mit einem Text von Philippe Djian, “Weiss nid was es isch” aus ELDORADO (2007) mit einem Text von Martin Suter, “Des hauts, des bas” aus CARCASSONNE (1993) und sogar “Two people in a room” aus I TELL THIS NIGHT aus dem Jahr 1986. Auch das Medley aus den Songs “Rivière”, “Hope” und “Ni remords, ni regrets”, alle aus CARCASSONNE, zeigt die Vielseitigkeit und musikalische Experimentierfreude von Stephan Eicher.

Emotionale Balladen und telepathisch empfangene Wünsche

Stephan Eicher Konzertimpression
Stephan Eicher Konzertimpression

Besonders Gänsehautmomente gibt es bei den Balladen “Zrügg zu mir” mit einem Text von Martin Suter aus ELDORADO und dem Duett «Lieblingsleben» aus ODE mit Simon Gerber. Die ruhigen Stücke lassen Eichers Stimme noch stärker zur Geltung kommen. Als Vorwegnahme zu Zugaben wird auf scheinbar telepathisch empfangenen Wunsch des Publikums auch der Klassiker “Eisbär” der vormaligen Band GRAUZONE (1980, mit Martin Eicher) gespielt und sein international äusserst erfolgreicher Langzeithit “Déjeuener en Paix” (ENGELBERG, 1991), was bei jung und alt für Begeisterung sorgt.

Zugabe mit Mani Matters “Hemmige”

Nach einem letzten Ausflug auf das Tour-Album mit « Autor de ton cou» kommt es dann doch noch zu einer Zugabe, obwohl Eicher sich ein paar Stücke zuvor gegen “Supplements” ausgesprochen hatte. Nach einem witzig improvisierten italienischen Liedchen rund um Limoncello, das für viel Gelächter im Saal sorgt, gibt er sinnigerweise “Hemmige” von Mani Matter zum Besten und setzt damit einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter ein vollends gelungenes Konzert.

Fazit: Stephan Eicher begeistert mit seinem ausverkauften Extrakonzert im Casino Bern auf ganzer Linie. Mit einer abwechslungsreichen Songauswahl und einer prickelnden Bühnenatmosphäre sorgt der charismatische Sänger für einen magischen Abend, der unvergessen bleiben wird.

Text:  Vanessa Bösch   Fotos  Vanessa Bösch und www.allblues.ch

Homepages der andern Kolumnisten:  www.marinellapolli.ch                        www.gabrielabucher.ch www.leonardwuest.ch
 
 

Konzertfoto Stephan Eicher im Casino Bern

Stephan Eicher

Stephan Echer Konzertimpression

Stephan Eicher

Konzertfoto Stephan Eicher im Casino Bern

  • Aufrufe: 25

Das DMKG-Kopfschmerzregister: differenzierte Einblicke in die Versorgungsrealität bei Migräne

ktuelle Real-World-Daten des Kopfschmerzregisters der
Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) liefern wertvolle
Erkenntnisse zur Behandlung akuter Migräneattacken. Unzureichende
Wirksamkeit und/oder Unverträglichkeit der Akutmedikation zählen zu den
Herausforderungen der Migränebehandlung. Die DMKG-Auswertungen zeigen,
dass dies öfter Menschen mit häufigeren Migräneattacken betrifft als jene
mit geringerer Krankheitslast.

Zudem gilt: „Wer keine ausreichend wirksame Akuttherapie hat, ist durch
Migräne wesentlich stärker beeinträchtigt als notwendig. Die Auswertungen
deuten nämlich auch darauf hin, dass für viele Patienten eine gut wirksame
Medikation gefunden werden kann, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft
werden“, kommentierte Dr. med. Ruth Ruscheweyh, zertifizierte DMKG-
Kopfschmerzexpertin und Privatdozentin an der Neurologischen Klinik und
Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. [1]

Triptane zählen derzeit zu den effektivsten Therapieoptionen bei akuten
Migräneattacken. Es gibt sieben verschiedene Präparate und neben Tabletten
auch Nasenspray und Spritzen. Dennoch erfahren einige Patientinnen und
Patienten keine ausreichende Wirksamkeit und/oder Verträglichkeit. Um
besser abschätzen zu können, wie relevant das Thema „Triptan-Resistenz“ im
Versorgungsalltag ist, wurden Daten aus dem Kopfschmerzregister der DMKG
von 2.284 Behandelten (85,4 % weiblich, Alter: 39,4 ± 12,8 Jahre,
Kopfschmerztage pro Monat: 12,3 ± 8,2) aus spezialisierten Zentren und
Praxen in Deutschland ausgewertet.
42,5 % der Befragten gaben an, mindestens ein Triptan aufgrund mangelnder
Wirksamkeit oder Verträglichkeit abgesetzt zu haben. Darunter erfüllten
13,1 % die Kriterien einer „Triptan-Resistenz“, die laut Definition der
European Headache Federation (EHF) [2] mindestens zwei gescheiterte
Triptan-Versuche (Wirksamkeit oder Verträglichkeit weniger als gut)
erfordert. Bei einem kleinen Anteil von 3,9 % versagten sogar drei oder
mehr Triptane zur Akutmedikation von Migräneattacken. [1] Vor diesem
Hintergrund wird deutlich, dass in der Praxis nur sehr wenige Patienten
ein sogenanntes Triptan-Versagen zeigen und dass ein Behandlungsversuch
auch mit einem 3. Triptan durchaus nützlich ist, so PD Dr. Tim Jürgens für
die DMKG.

Triptan-Non-Responder zu mehreren Therapieversuchen motivieren

Auffällig war, dass Triptan-Non-Responder im Vergleich zu Respondern
signifikant häufiger eine schwerere Migräne mit mehr Kopfschmerztagen pro
Monat und deutlich stärkerer Beeinträchtigung aufwiesen. Dies wurde mit
der Anzahl der Triptan-Versagen immer wahrscheinlicher. „Die
Beeinträchtigung durch eine nicht wirksam behandelte Migräneattacke ist
hoch, daher ist es besonders wichtig, als Behandler nicht zu schnell
aufzugeben und wenigstens zwei verschiedene Triptane anzubieten, die mit
hohen Ansprechraten assoziiert sind“, so der Rat von Ruscheweyh. In der
aktuellen Auswertung waren die Responder-Raten für nasales und orales
Zolmitriptan, orales Eletriptan und Sumatriptan subkutan am höchsten. [1]
Laut Ruscheweyh sind nasale und subkutane Applikationsformen besonders
nützlich, wenn die Migräneattacken mit starker Übelkeit und ggf. Erbrechen
einhergehen.

Immer wieder an basale Anwenderegeln erinnern

Darüber hinaus betonte die Expertin, es sei wichtig, Betroffene regelmäßig
an die basalen Anwenderegeln zu erinnern. „Eine frühzeitige Einnahme der
Akutmedikation in ausreichender Dosierung ist die Grundvoraussetzung für
eine gute Wirksamkeit“, appellierte Ruscheweyh. „Ein neues Medikament
sollte in mindestens zwei Attacken versucht werden. Darüber hinaus darf
die Einnahme nicht zu häufig erfolgen (Grenze: < zehn Tage pro Monat), da
sonst ein Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch entstehen kann.“ Wenn
die Möglichkeiten einer Akutmedikation mit Triptanen ausgeschöpft sind,
wären Analgetika-Kombinationen, zum Beispiel mit Acetylsalicylsäure,
Paracetamol und Koffein oder neuere Präparate, wie die Ditane (z. B.
Lasmiditan) und Gepante, mögliche Alternativen. „Auf europäischer Ebene
wurden Gepante zwar bereits zugelassen. Der Hersteller hat sie in
Deutschland aber noch nicht auf den Markt gebracht“, berichtete
Ruscheweyh. Ihrer Ansicht nach wären Gepante sowohl zur Akutbehandlung als
auch zur Migräneprophylaxe eine sinnvolle Ergänzung des
Behandlungsspektrums.

Optimierte Therapiestrategien für Betroffene mit hoher Krankheitslast
erforderlich

Neben den Einblicken zum Thema Triptan-Resistenz analysierte die DMKG
zudem die Patientensicht zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der
Akutmedikation im Allgemeinen. In dieser Arbeit wurden die Angaben von
1.756 erwachsenen Personen (85 % weibl., Alter: 39,5 ± 12,8 Jahre,
Kopfschmerztage pro Monat: 13,5 ± 8,1) berücksichtigt. Eine gute oder sehr
gute Wirksamkeit schrieben Behandelte signifikant häufiger Triptanen (75,4
%) als Nicht-Opioid-Analgetika zu (43,6 %, p < 0,001). Unter den Nicht-
Opioid-Analgetika wurden Naproxen und Metamizol im Vergleich zu Ibuprofen,
Acetylsalicylsäure und Paracetamol als wirksamer eingestuft, die beiden
Letzteren wurden allerdings auch häufig unterdosiert. „Nicht-Opioid-
Analgetika sind auch in der klinischen Erfahrung weniger stark wirksam als
Triptane“, kommentierte Ruscheweyh.
Auch hier korrelierte die Wirksamkeit der Akutmedikation mit der
Kopfschmerzaktivität. Bei Patientinnen und Patienten mit mehr
Kopfschmerztagen war die Akutmedikation signifikant schlechter wirksam (p
< 0,001). „Betroffene mit hoher Krankheitslast brauchen unsere besondere
Aufmerksamkeit, einschließlich optimierter Strategien zur Akuttherapie und
zu nicht medikamentöser sowie medikamentöser Migräneprophylaxe“,
schilderte Ruscheweyh. [3]

Real-World-Daten zur Migräneprophylaxe werden folgen

Die nächsten Auswertungen aus dem DMKG-Register werden sich der
medikamentösen Migräneprophylaxe widmen. Dies sind vorbeugende
Medikamente, die bei regelmäßiger Anwendung zu selteneren und weniger
schweren Attacken führen, sodass auch weniger Schmerzmittel notwendig
sind. Hierzu gehören sowohl klassische Medikamente wie Betablocker als
auch neue, spezifische Medikamente, z. B. die Antikörper gegen CGRP
(Calcitonin gene-related peptide). Die beiden vorgestellten Publikationen
des Kopfschmerzregisters der DMKG zur Akuttherapie [1, 3] werden im
nächsten Schritt durch Daten aus dem Versorgungsalltag zum Nutzen-Risiko-
Profil der Migräneprophylaxe ergänzt, stellte Ruscheweyh in Aussicht.

Die DMKG-App und die DMKG-Cluster-App werden rege genutzt

Für die Kopfschmerzforschung werden anonymisierte Daten des
Kopfschmerzregisters und aus den beiden Kopfschmerz-Apps der DMKG genutzt.
„Die DMKG-App und die DMKG-Cluster-App sind aber in erster Linie ein
Service für Betroffene zur Dokumentation ihrer Kopfschmerzen, der
kostenlos und ohne Werbung genutzt werden kann“, erläuterte Ruscheweyh.
Aktuell nutzen bereits 19.000 Patientinnen und Patienten die DMKG-App. Die
Clusterkopfschmerz-spezifische DMKG-Cluster-App ist erst seit Kurzem
verfügbar und hat bereits 750 Nutzer. „Wir stoßen mit den beiden Apps bei
Menschen mit Migräne und Kopfschmerzen auf eine breite Akzeptanz, auch bei
seltenen Erkrankungen wie Cluster-Kopfschmerz“, betonte Ruscheweyh.

Literatur
1 Ruscheweyh R, Gossrau G, Dresler T et al. Triptan non-response in
specialized headache care: cross-sectional data from the DMKG Headache
Registry. J Headache Pain 24, 135 (2023).
https://doi.org/10.1186/s10194-023-01676-0

2 Sacco S, Amin FM, Ashina M et al. European Headache Federation guideline
on the use of monoclonal antibodies targeting the calcitonin gene related
peptide pathway for migraine prevention – 2022 update. J Headache Pain.
2022;23(1):67. Published 2022 Jun 11. doi:10.1186/s10194-022-01431-x

3 Ruscheweyh R, Dresler T, Förderreuther S et al. What do patients’
efficacy and tolerability ratings of acute migraine medication tell us?
Cross-sectional data from the DMKG Headache Registry. Cephalalgia.
2023;43(5). doi:10.1177/03331024231174855

Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
Initiativenbüro »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen«
c/o albertZWEI media GmbH, Oettingenstr. 25, 80538 München, Tel.: 089 4614
86-29
E-Mail: presse@attacke-kopfschmerzen.de
www.attacke-kopfschmerzen.de
Pressesprecherin der DMKG: Prof. Dr. med. Gudrun Goßrau

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG, www.dmkg.de)
ist seit 1979 die interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für
Kopf- und Gesichtsschmerzen, in der Ärzt:innen, Psycholog:innen,
Physiotherapeut:innen, Pharmakolog:innen und Apotheker:innen organisiert
sind. Die DMKG setzt sich für die Verbesserung der Therapie der vielen
Millionen Patient:innen in Deutschland mit akuten und chronischen
Kopfschmerzen ein. Die Fachgesellschaft fördert die Forschung und
organisiert Fortbildungen für medizinische Fachberufe sowie einmal
jährlich gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft den Deutschen
Schmerzkongress.

Mit der Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« will die DMKG
die Kopfschmerzversorgung verbessern. Im Fokus stehen Migräne, Kopfschmerz
durch Medikamentenübergebrauch, Kopfschmerz vom Spannungstyp und
Clusterkopfschmerz. Das Angebot richtet sich an alle, die in der
Versorgung von Kopfschmerzpatient:innen tätig sind: www.attacke-
kopfschmerzen.de. Die Initiative wird finanziell unterstützt von den
Unternehmen AbbVie, Lilly, Lundbeck, Novartis und Teva. Alle fachlichen
Inhalte sind von Expertinnen und Experten aus den Reihen der unabhängigen
DMKG ehrenamtlich verfasst und nicht von Werbebotschaften beeinflusst.

  • Aufrufe: 49