Digitale Transformation: Wie Technologie Versicherungs- und Zulassungsprozesse revolutioniert
In den vergangenen Jahrzehnten hat die Digitalisierung in vielen Branchen Einzug gehalten und für die Verschlankung und Transformation von Prozessen und Dienstleistungen gesorgt. Auch in der Versicherungsbranche bieten neue Technologien und digitale Geschäftsprozesse sowohl Unternehmen als auch Kunden interessante Vorteile. Den Abschluss von Versicherungsprodukten und die Kommunikation mit Kunden in die Online-Welt zu verlagern sowie neue Technologien zu nutzen verbessert das Kundenerlebnis und sorgt für Effizienzsteigerungen. Welche Möglichkeiten die digitale Transformation Versicherungsunternehmen bietet und wie sich die Versicherungswirtschaft bereits verändert hat, erfahren Sie hier.
Digitale Transformation – was bedeutet das?
Die digitale Transformation in Unternehmen bedeutet, dass analoge Geschäftsprozesse und Handlungsweisen zunehmend digitalisiert und durch digitale Lösungen ersetzt werden. Prozesse, die in der Vergangenheit manuell oder in Papierform erledigt werden mussten, können heute beispielsweise durch Computer, Maschinen oder Technologien wie Funk, Bluetooth oder Software-Programme abgewickelt werden.
Beispiele hierfür können folgende sein:
- Digitale Lösungen für HR-Prozesse (z. B. Krankmeldungen, Urlaubsanträge, Bewerbermanagement, Onboarding neuer Mitarbeiter)
- Interne Kommunikation und Arbeitsweisen (z. B. Kommunikation per E-Mail, Nachrichtendienst oder Videocall anstelle von persönlichen Meetings, Telefonaten oder Briefen)
- Automatisierung in der Produktion (z. B. Maschinen, die händisch bedient oder programmiert werden mussten, arbeiten nun eigenständig oder per digitaler Eingabe)
- Kommunikation mit Kunden (z. B. per E-Mail, Chat oder digitalem Postfach anstelle von Briefen, Telefonaten und persönlichen Besuchen)
- Künstliche Intelligenz (z. B. zur automatisierten Kommunikation, Vorhersage von Wartungen und Pannen bei Maschinen, Analyse von großen Datenmengen)
Die digitalen Möglichkeiten sind je nach Branche und Unternehmen quasi unendlich und erlauben es, maßgeschneiderte Lösungen für viele Prozesse zu entwerfen. Dennoch stellt die Umstellung auf digitale Prozesse viele Unternehmen und Branchen zunächst oft vor Herausforderungen. Denn die Transformation erfordert nicht nur viel Zeit und Geld, sondern auch den Willen und das Wissen, sich mit den neuen Technologien zu beschäftigen.
Auf der anderen Seite profitieren Unternehmen im Idealfall jedoch von modernen Lösungen, Effizienzsteigerungen und einer verbesserten Erfüllung der Kundenbedürfnisse. Wer nicht mit der Zeit geht und Kunden zum Beispiel die Möglichkeit zur Online-Bestellung, Online-Kommunikation und einen attraktiven Internetauftritt bietet, wird diese langfristig vermutlich an Wettbewerber verlieren, die die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen. Neben den Technologien haben sich somit auch die Kundenbedürfnisse und -erwartungen verändert.
Digitale Transformation in der Kfz-Versicherungsbranche
In der Versicherungsbranche ist die digitale Transformation in vollem Gange. Ein Paradebeispiel dafür ist die eVB-Nummer als Nachfolger der Doppelkarte für die Kfz-Versicherung. Damit ein Auto an- oder umgemeldet werden kann, ist bei der Zulassungsbehörde ein Nachweis über die Kfz-Haftpflichtversicherung vorzulegen. Ohne die Versicherungsbestätigung kann ein Fahrzeug nicht zugelassen werden. Lange Zeit gab es zu diesem Zweck die sogenannte Doppelkarte. Die jeweilige Kfz-Versicherung stellte diese in Papierform als vorläufige Versicherungszusage aus. Ein Exemplar der Doppelkarte verblieb dann bei der Zulassungsbehörde, während eine Durchschrift an den Versicherer ging. Im Jahr 2003 wurde die Doppelkarte zunächst durch eine einfache Versicherungsbestätigungskarte und ab 2008 schließlich durch die eVB-Nummer abgelöst.
Bei der eVB-Nummer handelt es sich um einen siebenstelligen Code aus Buchstaben und Zahlen, der als Nachweis über die Kfz-Haftpflichtversicherung eines Fahrzeugs dient. Das Kürzel eVB steht für elektronische Versicherungsbestätigung. Die ersten zwei Stellen der Nummer identifizieren den Versicherer, während die anderen fünf Zahlen und Buchstaben zufällig generiert werden. Bei der Zulassung eines Fahrzeugs müssen Besitzer nun lediglich die eVB-Nummer mitteilen. Die Zulassungsbehörde kann anhand der Nummer nachprüfen, dass eine Haftpflichtversicherung vorliegt, sodass das Hantieren mit Dokumenten in Papierform entfällt. Für alle Beteiligten ergibt sich eine Effizienzsteigerung. Die digitale eVB-Nummer bietet zudem besseren Schutz vor Missbrauch und Fälschung und erspart aufwendige Behördengänge. Die eVB-Nummer ist immer nur für ein Fahrzeug gültig und einmalig nutzbar. Steht nach der Zulassung des Fahrzeugs eine Ummeldung an, kann bei der Versicherung zu diesem Zweck eine neue eVB-Nummer beantragt werden.
Weitere digitale Lösungen der Versicherungswirtschaft
Neben der Digitalisierung von Zulassungsprozessen und dem elektronischen Nachweis eines Versicherungsverhältnisses, bietet die Digitalisierung Versicherungen weitere Vorteile und Möglichkeiten:
- Kommunikation mit Kunden: Sowohl die Antragstellung als auch die spätere Kommunikation mit Kunden läuft bei vielen Versicherungen mittlerweile digital ab. Über ein Online-Portal können Kunden Kontakt zur Versicherung aufnehmen, ihre Vertragsdokumente einsehen und im besten Fall sogar Änderungen am Tarif und den eingeschlossenen Leistungen unkompliziert umsetzen, anstatt mehrere Tage oder Wochen auf eine postalische Bestätigung zu warten oder persönlich in einer Filiale vorbeischauen zu müssen.
- Online-Rechner: Eine für das Kundenerlebnis besonders nützliche digitale Lösung stellen Online-Rechner dar. Diese ermöglichen Kunden, sich ein auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Versicherungsprodukt auszuwählen und mithilfe eines Online-Rechners die voraussichtlichen Beiträge zu berechnen. So fällt es leichter, verschiedene Tarife hinsichtlich Leistungsumfang und Preis zu vergleichen und sich eigenständig das passende Versicherungsprodukt zusammenzustellen. Für Kunden steht somit mehr Transparenz und Schnelligkeit auf der Vorteilsliste, während auf Unternehmensseite die Kundenberater entlastet werden.
- Schadenserfassung: Insbesondere bei der Kfz-Versicherung, aber auch bei anderen Versicherungen bietet die digitale Transformation auch Vorteile bei der Schadenserfassung. Im Leistungsfall ist es wichtig, den Schaden oder Ausfall schnell an die Versicherung zu melden und die nötigen Dokumente und Nachweise zu übermitteln. Digital ist dies vielerorts über Online-Portale bereits möglich. Bilder eines Unfallschadens können beispielsweise ganz einfach hochgeladen und der Kfz-Versicherung zur weiteren Abwicklung zugespielt werden. Nachfolgende Prozesse wie das Einbestellen eines Gutachters oder die Benachrichtigung der Kfz-Werkstatt können automatisch ausgelöst werden und so schneller vonstattengehen.
- Telematik-Tarife: Eine in den letzten Jahren aufgekommene digitale Neuerung der Versicherungsbranche stellen sogenannte Telematik-Tarife der Kfz-Versicherung Autobesitzer können dabei einen Sensor in ihrem Fahrzeug anbringen, der die Fahrdaten misst. Wer vorsichtig und vorausschauend fährt, hat so die Möglichkeit, niedrigere Beiträge zu zahlen. Auf der anderen Seite kann eine aggressive und unvorsichtige Fahrweise zu höheren Beiträgen führen. Versicherungsnehmer sollten sich daher genau überlegen, ob diese digitale Lösung ihnen eher einen Vor- oder Nachteil bietet.
Unternehmen der Versicherungsbranche sollten diese und weitere Lösungen nicht außer Acht lassen, um die Kundenbedürfnisse zu erfüllen und am Markt zu bestehen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass bisherige Kunden zur Konkurrenz abwandern. Gleichzeitig sollten bei jeder digitalen Neuerung die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen und darauf geachtet werden, dass alle Kunden mit den digitalen Prozessen umgehen können oder auch weiterhin analog beraten und unterstützt werden.
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