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Klein, aber anders als die Großen: Risiken erkennen, Kinder schützen

Auf der Grünen Woche in Berlin nimmt das BfR gesundheitliche Risiken für
Kinder in den Blick

Ob verschluckte Knopfzellen-Batterien oder Koffein in Energydrinks –
welchen gesundheitlichen Risiken sind Kinder und Jugendliche im Alltag
ausgesetzt? Sie gelten zum einen als empfindlicher gegenüber potenziell
gesundheitsschädlichen Stoffen, zum anderen können Substanzen auf Kinder
anders als auf Erwachsene wirken. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
und besonders zu schützen“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel,
Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Bei der
Bewertung gesundheitlicher Risiken müssen wir dies berücksichtigen, damit
der Alltag für Kinder noch sicherer wird.“

Vom 19. bis zum 28. Januar 2024 können Besucherinnen und Besucher der
Grünen Woche in Berlin am BfR-Stand in Halle 3.2 spielerisch erfahren,
welche Besonderheiten und Risikofaktoren es bei Kindern gibt und wie diese
verringert werden können. Zahlreiche Spiele, wie zum Beispiel ein XXL-
Wackelturm oder die Jahrmarktattraktion „Hau den Lukas“ sowie interaktive
Infotürme laden zum Mitmachen ein. Kulinarisches Highlight ist die Live-
Kochshow mit TV-Koch Tino Schmidt, der gemeinsam mit Expertinnen und
Experten vom BfR über das Thema „Ernährung von Kindern und Jugendlichen“
informiert.

Kinder verhalten sich anders als Erwachsene. Das gilt insbesondere für
Kleinkinder, die oft Dinge in den Mund nehmen. Auf diese Weise können sie
vermehrt Stoffe aufnehmen, sich mit Reinigern oder Pflanzen vergiften oder
Münzen und Batterien verschlucken. Bei älteren Kindern und Jugendlichen
hingegen können Energydrinks, Tattoos oder E-Zigaretten gesundheitliche
Risiken bergen. Dies muss bei der Risikobewertung sowie bei der Festlegung
von Richtwerten bedacht werden, denn Substanzen können auf Kinder anders
als auf Erwachsene wirken.

Auf der Grünen Woche macht das BfR die besonderen Risikofaktoren für
Kinder erlebbar, die neben einem anderen Verhalten eine höhere Exposition
und eine höhere Empfindlichkeit im Vergleich zu Erwachsenen umfasst. Möbel
und Exponate am Stand sind dank riesiger Bauklotzformen nicht zu übersehen
und lassen durch die verdrehten Größenverhältnisse auch die Erwachsenen in
eine kleinere Rolle schlüpfen, so dass sie sich wie Kinder fühlen. Das
Geschicklichkeitsspiel „Der heiße Draht“ veranschaulicht beispielsweise
die höhere Empfindlichkeit von Kindern im Vergleich zu Erwachsenen, denn
die Wirkung von Stoffen auf den Körper oder ein bestimmtes Organ kann bei
Kindern stärker oder anders sein. Das sich entwickelnde Gewebe reagiert
häufig empfindlicher gegenüber Stoffen. Zudem gibt es bei der Entwicklung
mancher Körperfunktionen Zeiträume, in denen Störungen zu bleibenden
Veränderungen führen können.

Bei der Jahrmarktattraktion „Hau den Lukas“ geht es nicht um die Größe
oder Stärke der Person, sondern um den Impuls. Sie verdeutlicht den
Risikofaktor Exposition: Kinder können stärker mit bestimmten Stoffen
belastet sein. Je jünger Kinder sind, desto höher ist ihr Energiebedarf,
vor allem wegen des größeren Bewegungsdrangs und des Wachstums. Um diesen
Energiebedarf zu decken, müssen Kinder im Verhältnis zu ihrem
Körpergewicht eine größere Nahrungsmenge zu sich nehmen.

Darüber hinaus vermitteln Touchscreens, Videos und Comics am BfR-Stand
wertvolles Wissen rund um die Themen Vergiftungen sowie Haushaltsmittel
und Chemikalien und zeigen, wie sich gesundheitliche Risiken von Kindern
im Alltag verringern lassen.



Weitere Informationen zum BfR auf der Grünen Woche:

Der BfR-Stand befindet sich in Halle 3.2 „ErlebnisBauernhof“, Nr. 303.

Die Grüne Woche findet vom 19.01. bis zum 28.01.2024 in Berlin statt.

https://www.bfr-akademie.de/deutsch/veranstaltungen/igw2024.html

https://www.gruenewoche.de/de/



Weitere Informationen auf der BfR-Website:

Risiken erkennen, Kinder schützen
https://www.bfr.bund.de/de/risiken_erkennen__kinder_schuetzen-313659.html

Küchenhygiene Informationsmaterial
https://www.bfr.bund.de/de/kuechenhygiene-193719.html

Gesundheitliche Bewertung von Spielzeug
https://www.bfr.bund.de/de/gesundheitliche_bewertung_von_spielzeug-7527.html

Broschüre Vergiftungsunfälle bei Kindern
https://www.bfr.bund.de/cm/350/risiko-vergiftungsunfaelle-bei-kindern.pdf

BfR-App: Vergiftungsunfälle bei Kindern
https://www.bfr.bund.de/de/apps_vergiftungsunfaelle.html

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Grüne Woche 2024 – DFKI zeigt Erdbeerpflückroboter erstmals der Öffentlichkeit

In drei Hallen stellt das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche
Intelligenz auf der Internationalen Grünen Woche, die vom 19. bis zum 28.
Januar 2024 in Berlin stattfindet, neue Technologien für die
Landwirtschaft vor. Aus dem Bereich Robotik kommt dabei ein
Erdbeerpflückroboter, den das DFKI erstmals der Öffentlichkeit zeigt. In
Halle 23a am Gemeinschaftsstand des Kuratoriums für Technik und Bauwesen
in der Landwirtschaft e.V. ist für den smarten Roboter extra eine Reihe
von Erdbeerpflanzen ausgebracht. Entwickelt wird das System im Projekt
RoLand, koordiniert vom Robotics Innovation Center des DFKI Bremen.

Im Robotics Innovation Center Bremen (RIC) wird derzeit im Projekt RoLand
(Robotische Systeme in der Landwirtschaft) ein kostengünstiges, kleines
und mobiles System entwickelt, das selbstständig Obst ernten soll. Das
konkrete Anwendungsszenario ist die Erdbeerernte im freien Feld, die die
Obstbauern vor zunehmende Herausforderung stellt. Landwirtschaftliche
Betriebe, wie der im Projekt assoziierte Erdbeerhof Glantz, beklagten
einen Rückgang von Saisonarbeitskräften auf der einen sowie gestiegene
Löhne auf der anderen Seite, sagt DFKI-Projektleiter Dipl.-Ing. Heiner
Peters: „Hier setzt unser Roboter an. Er soll die Helfenden bei der Ernte
unterstützen und sie entlasten. Er kann bei Bedarf parallel arbeiten oder
auch nachts eingesetzt werden.“

KI erkennt reife Früchte

Das System ermöglicht eine kostengünstige Automatisierung in der
Landwirtschaft. Auf größeren Feldern ist der Einsatz mehrerer Roboter
denkbar. Die technischen Komponenten des Erdbeerpflückroboters sind eine
mobile Plattform, ein Fruchterkennungssystem und ein Erntegreifer.
Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erkennt der Roboter, welche Früchte
reif genug sind, gepflückt zu werden. Potenziell lässt sich diese KI-
Methodik auch auf andere Obstsorten übertragen.

Auf der Grünen Woche wird das System zunächst mit nur einem Greifarm zu
sehen sein, langfristig sind auf beiden Seiten Greifer geplant. Eine der
Herausforderungen für die Forschenden liegt darin, die Roboterarme in die
Lage zu versetzen, einerseits reife Erdbeeren sauber vom Stil zu trennen,
sie andererseits dabei aber nicht zu zerdrücken. Diese Probleme werden im
Projekt derzeit adressiert. Peters: „Unser Ziel ist es, zum Projektende
mit jedem Greifer in sechs Sekunden eine Erdbeere zu pflücken, also
insgesamt alle drei Sekunden eine. Das entspricht in etwa der menschlichen
Pflückleistung.“

RoLand wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über
eine Laufzeit von drei Jahren mit einer Summe von 1,7 Millionen Euro
gefördert. (1.10.21 – 30.9.24). Das Robotics Innovation Center des DFKI
koordiniert das Projekt. Projektbeteiligte sind das Forschungs- und
Transferzentrum (FTZ) der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW)
Hamburg, die Othmerding Maschinenbau GmbH & Co.KG sowie der Glantz
Erdbeerhof.

Weitere Informationen:
https://robotik.dfki-bremen.de/de/forschung/projekte/roland /

Ort: Halle 23a, Sonderschauhalle des BMEL – Roboter in der Landwirtschaft
Stand: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V.
(KTBL)
Kontakt DFKI: Dipl.-Ing. Heiner Peters
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Die weiteren DFKI-Beteiligungen auf der Grünen Woche:

In Halle 3.2, Innovationsforum Landtechnik, präsentieren Forschende aus
Niedersachsen und Kaiserslautern ein gemeinsames offenes KI-Ökosystem für
die Agrar- und Ernährungswirtschaft, das in dem Leuchtturm-Projekt Agri-
Gaia und seinem Schwesterprojekt NaLamKI entsteht.

Während bei der von Agri-Gaia entwickelten Daten-Plattform der Fokus auf
Business-to-Business (B2B)-Anwendungen für Landtechnikhersteller und KI-
Entwickler liegt, adressiert NaLamKI vorrangig die Anwendung von KI-
Diensten für Landwirtinnen und Landwirte. Auf diese Weise entsteht ein
offener KI-Standard für die Agrar- und Ernährungswirtschaft, der von den
unterschiedlichen Ausrichtungen profitiert.

Leuchtturmprojekt Agri-Gaia

Das Leuchtturm-Verbundprojekt Agri-Gaia arbeitet gemeinsam mit Partnern
sowie einer wachsenden Zahl von Unterstützenden aus Verbänden, Forschung,
Politik und Industrie daran, eine offene, dezentrale Infrastruktur für die
Entwicklung und den Austausch von KI-Algorithmen in der Landwirtschaft zu
entwickeln. Die Leitung hat das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche
Intelligenz (DFKI) inne.

Anhand von katalogisierten, interoperablen Entwicklungsplattformen
ermöglicht es Agri-Gaia, dass branchenspezifische Datensätze und KI-
Bausteine als leicht verwendbare Module für agrarwirtschaftliche Prozesse
ausgetauscht werden können. Agri-Gaia schließt damit den Kreis von der
Sensordatenaufnahme im Feld über das Trainieren der Algorithmen auf
entsprechenden Servern bis zu deren kontinuierlicher Aktualisierung und
Optimierung.

Das Ökosystem wird auf Basis der Gaia-X Infrastruktur aufgebaut, die die
Anforderungen der Branche - und damit des Agri-Gaia Ökosystems –
hinsichtlich Datenhoheit, Dezentralität und Multi-Cloud, Edge-Support
sowie Service-Bereitstellung ideal erfüllt. Agri-Gaia demonstriert über
Use-Cases, wie die Branche durch das Ökosystem in die Lage versetzt wird,
die zentralen Fragen effizienter anzugehen und gleichzeitig nachhaltiger
in der Landwirtschaft arbeiten zu können.

Agri-Gaia wird mit 11,75 Millionen Euro vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz gefördert und läuft von Januar 2021 bis
Dezember 2024. Zu den Partnern zählen: AgBrain GmbH, Agrotech Valley Forum
e.V., Amazonen-Werke H.Dreyer GmbH & Co.KG, Robert Bosch GmbH, CLAAS
E-Systems KGaA mbH & Co KG, Hochschule Osnabrück, Josef Kotte Landtechnik
GmbH & Co. KG, Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH & Co. KG, LMIS AG,
Universität Osnabrück und Wernsing Feinkost GmbH.

NaLamKI: KI-Dienste für Endkunden

Das zentrale Ziel des Verbundprojektes NaLamKI (Nachhaltige Landwirtschaft
mittels KI) ist es, eine Datenplattform zu schaffen, über die KI-Dienste
den Endkunden - Landwirtinnen und Landwirten - angeboten werden können. So
soll die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe gesteigert
werden, aber auch die Nachhaltigkeit.

In die KI-Dienste fließen ausgewertete Daten aus konventionellen wie
autonomen Landmaschinen, Satelliten und Drohnen ein, die in einer
Software-Service Plattform zusammengeführt und deren Ergebnisse über
offene Schnittstellen zugänglich gemacht werden. NaLamKI bietet eine
sichere Plattform für Landwirtinnen und Landwirte sowie KI-
Serviceanbieter. Ihnen werden KI-Anwendungen bereitgestellt, die die
großflächige Analyse ihrer Pflanzen- und Bodenbestände ermöglichen. So
können Prozesse, wie etwa Bewässerung, Düngung und Schädlingsbekämpfung,
nachhaltiger gestaltet sowie Wachstum und Ernteertrag gesteigert werden.

NaLamKI wird mit knapp 10 Millionen Euro vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz gefördert und läuft von Januar 2021 bis
Dezember 2024. Das Verbundprojekt wird geleitet vom Fraunhofer-Institut
für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, Berlin zusammen mit der
John Deere GmbH & Co KG, Intelligent Solutions Group, Kaiserslautern.

Zu den Partnern zählen: DFKI, Julius-Kühn-Institut (JKI),
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen; Universität Hohenheim,
Rheinland-Pfälzische Technische Universität, Fraunhofer Gesellschaft zur
Förderung der Angewandten Forschung E.V., Optoprecision GmbH, NT Neue
Technologien AG, Robot Markers GmbH, Planet Labs Germany GmbH.

Ort: Halle 3.2 (Erlebnis Bauernhof)
Stand: Innovationsforum Landtechnik

Weitere Informationen:

https://www.agri-gaia.de/

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Wie lässt sich die industrielle Produktion rasch auf Treibhausgasneutralität umstellen?

Im vom Fraunhofer ISI geleiteten Projekt »DekarbInd« wurde gemeinsam mit
dem Wuppertal Institut nicht nur ein ganzheitliches Bewertungsschema für
Technologien zur klimaneutralen Umstellung industrieller
Produktionsprozesse entwickelt, sondern auch Eckpunkte für eine
Dekarbonisierung der Stahl- und Zementindustrie ausgearbeitet. Die
Erkenntnisse hierzu flossen in mehrere Roadmaps ein, die über einen
Zeitraum von zwei Jahren hinweg entstanden. Basis hierfür waren mehrere
Stakeholder-Workshops, die Vertreter:innen aus Industrie, Gesellschaft,
Politik und Wissenschaft zusammenbrachten.

Deutschland soll bis 2045 treibhausgasneutral werden – doch allein 2021
emittierte die deutsche Industrie etwa 181 Millionen Tonnen
CO2-Äquivalente. Auf sie entfällt damit gut ein Viertel beziehungsweise 24
Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen. Etwa zwei Drittel der
industriellen Emissionen stammen aus der energieintensiven Industrie,
wovon wiederum die Hälfte von der Stahl- und Zementindustrie verursacht
wird.

Aufgrund ihrer prozessbedingten Emissionen sowie hoher Prozesstemperaturen
gestaltet sich die Dekarbonisierung hier besonders herausfordernd. Für ihr
Gelingen sind innovative technologische Konzepte und langfristig angelegte
politische Rahmenbedingungen essentiell, um der Industrie
Planungssicherheit für notwendige Investitionen zu geben.

Genau hier setzte das Projekt »DekarbInd« an: Darin entwickelten
Forschende des Fraunhofer ISI und des Wuppertal Instituts unter anderem
Eckpunkte für Roadmaps zur Dekarbonisierung der Stahl- und
Zementindustrie. In mehreren Workshops tauschten sich Stakeholder:innen
aus Wirtschaft, Industrie, Verbänden, gesellschaftlichen
Interessengruppen, Politik, Behörden und Wissenschaft über zwei Jahre
hinweg partizipativ aus. Ausgangspunkte beider Roadmaps waren die
Erarbeitung gemeinsamer Visionen, möglicher Transformationspfade,
Identifikation von Treibern und Hemmnissen sowie die Ausarbeitung
konkreter Maßnahmen und Handlungsfelder.

Vision für 2050: Derkarbonisierung bis spätestens 2050

Der für die Stahlindustrie erarbeiteten Roadmap liegt die Vision einer
Dekarbonisierung bis 2050 zugrunde – und dass der Industriezweig sowohl
global wettbewerbsfähig bleibt als auch weiterhin ein hohes
gesellschaftliches Ansehen genießt. Bei der Transformation erscheint vor
allem der Bau neuer, mit grünem Wasserstoff betriebener
Direktreduktionsanlagen als vielversprechend, wenngleich diese teuer sind.
Außerdem sollen der Schrotteinsatz in der Stahlproduktion erhöht sowie die
Dekarbonisierung der Elektrostahlproduktion vorangetrieben werden.

Haupthindernisse für den Wandel sind derzeit ein noch offener
regulatorischer Rahmen und das Fehlen einer handelsüblichen Definition für
»grünen Stahl«. Maßnahmen sollten hier direkt ansetzen: Zum Beispiel
sollte das »Fit für 55«-Paket, welches verbindliche Rechtsvorschriften zum
EU-Ziel der Reduzierung der Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um
mindestens 55 Prozent schafft, stellenweise konkretisiert werden. Auch
könnten einheitliche Standards für die Bilanzierung der CO2-Intensität von
Stahlprodukten helfen, auch um die Entstehung von Leitmärkten für grünen
Stahl zu begünstigen.

Knappe Ressourcen wie etwa von Wasserstoff sind ein weiteres Hemmnis, dem
mittels einer zusätzlichen Versorgung über internationale Märkte begegnet
werden sollte. Um dem Mangel an hochwertigem Schrott entgegenzuwirken, der
vor allem auf fehlende Recycling-Geschäftsmodelle und eine schlechte
Recycelbarkeit von Endprodukten zurückzuführen ist, könnten eine bessere
Produktregulierung sowie eine verbesserte FuE-Förderung Abhilfe schaffen.

Bezüglich der Zementindustrie benennt die Roadmap ebenfalls die Vision
einer Dekarbonisierung bis spätestens 2050, die mittels einer deutlichen
Reduzierung der brennstoffbedingten CO2-Emissionen erreicht werden soll.
Die Bereitstellung von Energie soll mittel- bis langfristig vollständig
durch CO2-neutralen Strom, Wasserstoff oder Biomasse erfolgen. Diese
Energieträger sind jedoch schon heute knapp und werden dies auch in
Zukunft bleiben, was ein Haupthemmnis darstellt. Für die Zementindustrie
sind sie daher noch nicht wirtschaftlich einsetzbar und gehen mit
entsprechend hohen Kosten einher.

Die Verwendung neuer Zemente und Betonbautechniken könnten die
Dekarbonisierung ebenfalls vorantreiben und sollte weiter erforscht
werden, damit sie künftig in ausreichenden Mengen verfügbar sind. Für
verbleibende, nicht anderweitig vermeidbare CO2-Mengen ist der Aufbau von
CO2-Abscheideanlagen an Klinkeröfen erforderlich, die spätestens ab ca.
2030 sukzessive im industriellen Maßstab aufgebaut werden sollten.

Weitere Treiber wie zum Beispiel die Digitalisierung und der Einsatz von
KI könnten Herstellungsprozesse insgesamt effizienter machen. Als
wichtigste Handlungsfelder werden mittel- und langfristig eine
kontinuierliche Weiterentwicklung von gesetzlichen Regelwerken und
Rahmenbedingungen gesehen.

Ganzheitliches Bewertungsschema für Technologien

Neben den auf die Zukunft ausgerichteten Roadmaps wurde im Projekt
»DekarbInd« auch ein stärker auf die gegenwärtige Anwendung von
klimaneutralen Technologien abzielendes ganzheitliches Bewertungsschema
entwickelt. Dr. Ali Aydemir, der am Fraunhofer ISI das Projekt »DekarbInd«
leitete, erklärt dazu: »Neben rein techno-ökonomischen Kriterien spielen
ökologische, soziale und systemische Aspekte bei industriellen
Technologien eine zunehmend wichtigere Rolle. Unser im Projekt
entwickeltes Entscheidungsinstrument auf Excel-Basis ist weniger ein
Bewertungsschema im klassischen Sinne, sondern soll vielmehr helfen,
langfristige Entwicklungen zu berücksichtigen und mögliche Einschränkungen
und Konflikte frühzeitig zu erkennen.«

Die Anwendung funktioniert dabei in drei Schritten: Zunächst werden
einzelne Technologien oder technische Maßnahmen erfasst, die dann in einem
zweiten Schritt untereinander verglichen werden – zum Beispiel »CO2-arme
Technologien zur Dampferzeugung«. Im dritten und letzten Schritt erfolgt
die Einordnung, Visualisierung und Interpretation der Ergebnisse, um
positive und problematische Aspekte einer betrachteten Technologie zu
identifizieren.

Die vergleichende Bewertung der Technologien erfolgt anhand von Kriterien
wie ihres Einsatzhorizonts und der technischen Verfügbarkeit oder ihrer
Effizienz. Das dabei entstehende Wissen richtet sich explizit an
Expert:innen, welche die Ergebnisse abschließend bewerten.

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Sportmedizin am HDZ NRW erhält Lizenz des Landessportbundes

Für weitere drei Jahre hat der Fachbereich für Sportkardiologie am Herz-
und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) die offizielle Anerkennung als
sportmedizinische Untersuchungsstelle des Landessportbundes Nordrhein-
Westfalen erhalten. Gemeinsam mit 23 weiteren lizensierten
Untersuchungsstellen des Landes wird das HDZ NRW damit auch zukünftig
Aufgaben der sportmedizinischen Betreuung von Landeskaderathleten und
Nachwuchssportlern des Verbundsystems Schule und Leistungssport
übernehmen.

Die Abteilung für Sportkardiologie innerhalb der Klinik für Allgemeine und
Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr.
Volker Rudolph wurde 1999 am HDZ NRW eingerichtet. Schwerpunktmäßig
beurteilen hier die Oberärzte Dr. Klaus-Peter Mellwig, Dr. Hendrik Bante
und Dr. Karl-Otto Dubowy als Kinder Kardiologe mit ihrem Team die
körperliche Fitness von Menschen mit angeborenen und erworbenen
Herzerkrankungen sowie nach chirurgischen oder kardiologischen Eingriffen.
Um bei sportlichen Aktivitäten gesundheitliche Schäden zu vermeiden, sind
eine präzise Diagnostik sowie eine erfahrene Beurteilung der individuellen
körperlichen Belastbarkeit und der Herz-Kreislaufverhältnisse
erforderlich, insbesondere auch bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder
bei auffälligen Herzrhythmusstörungen.

Bei der Betreuung von Leistungssportlern spielt die Leistungsdiagnostik
mit dem Fahrrad-, Laufband- oder Ruder-Ergometer eine wichtige Rolle.
Messungen der Sauerstoffaufnahme, der Kohlendioxidabgabe sowie die
gleichzeitige Erfassung der Herzfrequenz und die Laktatbestimmung geben
Aufschluss über die vorhandene Ausdauerkapazität. Entsprechende
sportmedizinische Daten der über den Landessportbund betreuten
Sportlerinnen und Sportler fließen unter Berücksichtigung der
datenschutzrechtlichen Vorgaben in eine spezielle Datenbank für
Leistungssport in Deutschland ein.

Besondere Expertise hat sich das HDZ NRW in der sportkardiologischen
Untersuchung und Betreuung von gesunden wie chronisch kranken Kindern und
Jugendlichen sowie mit dem regionalen Präventionsprojekt „Sport mit Herz“
erworben. Zudem bildet das Herzzentrum im Fachbereich „Sportkardiologie“
fachärztlich aus zur Erlangung der Zusatzqualifikation „Sportkardiologie
Level 1 bis 3“. Das HDZ NRW ist regelmäßiger Kongress- und
Veranstaltungsort für wissenschaftliche Symposien zu den Themen „Herz und
Leistungssport“.

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 36.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.800 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa. Unter einem Dach arbeiten fünf
Universitätskliniken und drei Universitäts-Institute seit mehr als 30
Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist seit 1989
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum. Die Professorenschaft des
HDZ NRW ist zusätzlich seit 2023 Mitglied der Medizinischen Fakultät OWL
der Universität Bielefeld. Die Einrichtung ist bekannt als größtes
Herztransplantationszentrum in Deutschland.

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