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Ergotherapie-Tagung an der HS Gesundheit

Unter dem Motto „Betätigung leben im Miteinander von Praxis und
Hochschule“ kommen Ergotherapeut*innen, Alumni, Studierende,
Wissenschaftler*innen und weitere Interessierte zusammen

Das Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Hochschule für
Gesundheit (HS Gesundheit) lädt praktizierende Ergotherapeut*innen,
Alumni, Studierende, Wissenschaftler*innen, Studieninteressierte und alle
weiteren Interessierten am 20. Januar 2024 unter dem Motto „Betätigung
leben im Miteinander von Praxis und Hochschule“ nach Bochum zur ersten
Ergotherapie-Tagung ein. Der Fokus der Veranstaltung liegt auf einer noch
besseren Verzahnung von Lehre, Praxis und Wissenschaft nach der
betätigungsorientierten Ergotherapie, bei der der interprofessionelle
Dialog einen wichtigen Programmpunkt darstellt.

Zentral wird es darum gehen, wie die Betätigungsorientierung im
praktischen Alltag gelebt werden kann und wie (auch inhaltliche)
Verbindungswege zwischen der Hochschulwelt und der Praxis weiter
ausgestaltet werden können. Das Motto der Tagung 2024 fasst diese beiden,
aneinander angrenzenden Fragestellungen zusammen und lädt dazu ein, einen
inhaltlichen interaktiven Austausch mitzugestalten, in dem Erfahrungswerte
aus der gelebten Praxis sowie dem Studium geteilt und diskutiert werden.

Ferner möchte der Studiengang Ergotherapie mit dieser Tagung eine
Plattform für eine noch engere Verzahnung zwischen der Lehre im
Hochschulumfeld und der gelebten Praxis bieten. Sowohl bestehende
Partner*innen als auch an zukünftigen Kooperationen interessierte
Ergotherapiepraxen und Einrichtungen sind herzlich eingeladen.

„Die Tagung soll von persönlichen und interprofessionellen Gesprächen
geprägt sein“, sagt Prof. Dr. Verena Baumgart, Professorin der
Ergotherapie. „Im Mittelpunkt steht der Austausch mit Studierenden,
Wissenschaftler*innen, Interessierten und anderen Praktiker*innen, für den
es verschiedene Formate geben wird.“ Zudem stehen innovative Vorträge aus
der Forschung und der Praxis auf dem Programm, ebenso Workshops und
verschiedene Angebote in den Skills-Labs sowie Poster- und Foto-
Ausstellungen zu Bachelorarbeiten, Forschungsprojekten und aus der
interprofessionellen Lehre. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit,
potenzielle neue Praktikant*innen und Mitarbeiter*innen kennenzulernen und
die eigene Praxis, Einrichtung oder Institution vorzustellen.

Die Veranstaltung findet am 20. Januar 2024 von 9:30 bis 16:45 Uhr auf dem
Gesundheitscampus in Bochum statt. Die Teilnahme ist für alle
Teilnehmenden kostenlos. Jedoch sind die Plätze begrenzt, so dass eine
Anmeldung vorab über die Tagungswebseite für den Einlass erforderlich ist.

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Zellfreie Suche nach neuen Antibiotika durch Kopplung von Synthetischer Biologie mit KI

Illustration zur Kopplung von Deep Learning und Synthetischer Biologie zur Wirkstoffsuche  Elizaveta Bobkova  Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie/Bobkova
Illustration zur Kopplung von Deep Learning und Synthetischer Biologie zur Wirkstoffsuche Elizaveta Bobkova Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie/Bobkova

Die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika stellt eine
wachsende globale Gesundheitsbedrohung dar. Forschende des Max-Planck-
Instituts für terrestrische Mikrobiologie in Marburg entwickelten nun mit
Hilfe der Synthetischen Biologie und Künstlicher Intelligenz (KI) einen
effizienteren Ansatz zur Entdeckung und Herstellung neuer antimikrobieller
Peptide, die gegen ein breites Spektrum von Bakterien wirken können.

Bioaktive Peptide spielen eine Schlüsselrolle in Gesundheit und Medizin.
Derzeit sind mehr als 80 peptidbasierte Medikamente im Einsatz, die alle
aus natürlichen Quellen isoliert wurden. Es wird jedoch geschätzt, dass
Antibiotikaresistenzen jedes Jahr weltweit mehr als eine Million
Todesfälle verursachen. Es wird erwartet, dass diese Zahl bis 2050 auf 10
Millionen ansteigen wird, so dass dringend neue Methoden benötigt werden,
um die Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe zu beschleunigen. Ein
ungenutztes Potenzial liegt im nicht-natürlichen Bereich, wo
schätzungsweise eine Anzahl von 20 hoch 10 bis zu 20 hoch 30 verschiedene
Peptide noch unerschlossen sind.

In Zusammenarbeit mit mehreren Labors am MPI für terrestrische
Mikrobiologie, der Universität Marburg, dem MPI für Biophysik, dem
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, dem iLung Institut und INRAe
Frankreich hat ein Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts
unter der Leitung von Prof. Tobias Erb eine neue Pipeline für die
Entwicklung bioaktiver Peptide entwickelt.

"Beim Deep Learning lernt ein neuronales Netzwerk mit Algorithmen, die
durch das menschliche Gehirn inspiriert sind, aus großen Datenmengen.
Diese Art des maschinellen Lernens ist für die Entdeckung von Peptiden und
für das De-novo-Design sehr vielversprechend. In der Regel folgt darauf
jedoch die chemische Herstellung von Peptiden für experimentelle Tests,
was recht schwierig und zeitaufwändig ist. Die Zahl der Peptide, die
chemisch hergestellt werden können, ist daher sehr begrenzt", erklärt Amir
Pandi, Doctoral Student in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Tobias Erb und
Erstautor der Studie.

Um diese Einschränkungen zu überwinden, entwickelte das Forscherteam eine
zellfreie Proteinsynthese (CFPS) für die schnelle und kostengünstige
Herstellung von antimikrobiellen Peptiden (AMPs) direkt aus DNA-Templates.
Das neue Protokoll bietet eine effiziente und kostengünstige
Hochdurchsatzmethode für das AMP-Screening.

Das Team verwendete zunächst sogenanntes generatives Deep Learning, um
Tausende von AMPs de novo zu entwerfen, und anschließend prädiktives Deep
Learning, um diese auf 500 Kandidaten einzugrenzen. Von diesen Kandidaten
wurden durch das Screening mit der zellfreien Pipeline 30 funktionelle
AMPs identifiziert, die die Forscher durch Molekulardynamiksimulationen
und die Bestimmung ihrer antimikrobiellen Aktivität und Toxizität weiter
charakterisierten.

Bemerkenswerterweise zeigten sechs der AMPs ein breites Wirkungsspektrum
gegen multiresistente Erreger und es kam zu keiner bakteriellen
Resistenzentwicklung.

"Wir haben von der Kombination aus zellfreier synthetischer Biologie,
künstlicher Intelligenz und Hochdurchsatzverfahren sehr profitiert. Indem
wir die Anzahl der Kandidaten erhöhen, die in weniger als 24 Stunden
experimentell getestet werden können, steigt die Chance, aktive AMPs zu
finden", sagt Amir Pandi. "Unsere CFPS-Pipeline ergänzt nicht nur die
jüngsten Fortschritte im computergestützten Wirkstoffdesign. Sie hat auch
das Potenzial, die Beziehung zwischen Design und Funktion bioaktiver
Peptide schneller und kostengünstiger zu erforschen".  Tobias Erb fügt
hinzu: "Diese neue Methode an der Schnittstelle von synthetischer Biologie
und maschinellem Lernen wird für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
interessant sein, die in den Bereichen Biomedizin und bioaktiven
Peptidengineering arbeiten."

Zu den nächsten Schritten gehören die weitere Verbesserung der Ausbeute
bei der Peptidproduktion sowie der Einsatz von KI und Ansätzen der
synthetischen Biologie, um neue AMPs zu entwickeln, die stabiler und
weniger toxisch sind oder eine spezifische Wirkungsweise haben. Die
Forscher planen auch den Einsatz erweiterter generativer KI-Modelle. Dabei
lernt die Maschine molekulare Repräsentationen für gewünschte
Eigenschaften, was die Erfolgsquote bei der Identifizierung von
Wirkstoffkandidaten erhöhen würde.

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Industrie 4.0: Weder positiver noch negativer Einfluss auf Energieverbrauch

Inwieweit stimmt es, dass die Digitalisierung in der "Industrie 4.0" die
Energieeffizienz verbessert und damit die Energieintensität in der
Industrie verringert? Ein Team des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit
(RIFS) hat zehn Sektoren der industriellen Fertigung Chinas zwischen 2006
und 2019 daraufhin analysiert. Das Fazit der Studie: Anders als von
Politik und Wirtschaft postuliert, scheint die Digitalisierung in China
nicht automatisch Energiesparpotenziale in der fertigenden Industrie zu
entfalten.

An der globalen Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes hat China einen
Anteil von 30 Prozent und ist damit das Land mit dem größten Anteil an der
globalen Industrie-Produktion. Industrie 4.0 – die umfassende
Digitalisierung der industriellen Produktion - soll nun dabei helfen, das
Wirtschaftswachstum anzukurbeln und gleichzeitig Energiesparziele zu
erreichen. Dabei herrscht jedoch Uneinigkeit in der Wissenschaft, ob
Industrie 4.0 diese beiden Ziele vereinen kann. Eine Studie des
Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RIFS) hat zehn chinesische
Sektoren des verarbeitenden Gewerbes zwischen 2006 und 2019 auf
Zusammenhänge zwischen Industrie 4.0 und Energieindikatoren analysiert.
Zwar haben bereits einige Studien die Auswirkungen digitaler Technologien
auf den Energieverbrauch analysiert, wenige davon jedoch im chinesischen
Kontext.

„Darüber hinaus wird das Konzept von Industrie 4.0 in bisherigen Studien
kaum anerkannt“, sagt Erstautorin Stefanie Kunkel. „So wurde etwa in
einigen Studien das Konzept der Industrie 4.0 stark vereinfacht -
beispielsweise sind Roboter mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz
gleichgesetzt worden. Dabei ist die Wissens- und Innovationsdimension
dieser Technologie unbeachtet geblieben.“ Auch hätten frühere Studien
seltener den Gesamt-Energieverbrauch ausgewertet und sich zumeist auf
relative Energieverbräuche oder Energieeffizienz konzentriert. Dies könne
dazu führen, dass das Ziel einer absoluten Reduktion von
Energieverbräuchen aus dem Blick gerate, die jedoch für eine
Dekarbonisierung des industriellen Sektors wichtig seien.

Gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Industrie 4.0 und
Energieverbrauch?
Das Hauptziel der Studie sei es zu verstehen, inwieweit der Grad des
Einsatzes von Industrie 4.0 mit dem Gesamtenergieverbrauch und der
Energieintensität des verarbeitenden Gewerbes in China zusammenhänge - und
ob die These, dass Industrie 4.0 zu Effizienz und damit
Energieeinsparungen beitrage, durch statistische Auswertungen gestützt
werden könne.

Der Begriff Energieintensität oder auch relativer Energieverbrauch
beschreibt, wie viel Energie ein Sektor pro Euro an gefertigtem Gut
verbraucht. Das Team um Kunkel hat zur Beantwortung der Forschungsfrage
eine Paneldatenanalyse durchgeführt, in die Daten aus zehn
Industriesektoren in einem Zeitraum von 14 Jahren (2006 bis 2019)
einflossen. Diese Sektoren umfassten unter anderem etwa die
Textilindustrie, Kunststoffherstellung oder auch Lebensmittelindustrie.

Ein Fazit der RIFS-Studie: Das oft postulierte Mantra „Energie-Effizienz erhöhen durch Digitalisierung“ stellt sich für Nachhaltigkeits-Ziele und die Dekarbonisierung der Industrie meistens als unwirksam heraus.  Kathleen Friedrich  RIFS
Ein Fazit der RIFS-Studie: Das oft postulierte Mantra „Energie-Effizienz erhöhen durch Digitalisierung“ stellt sich für Nachhaltigkeits-Ziele und die Dekarbonisierung der Industrie meistens als unwirksam heraus. Kathleen Friedrich RIFS

Digitale Rebound- und Wachstums- versus Effizienz-Effekte
Was den Gesamtenergieverbrauch im verarbeitenden Gewerbe in China
betreffe, so zeigten die Ergebnisse, dass es keinen signifikanten
Zusammenhang zwischen dem Grad von Industrie 4.0 und dem Energieverbrauch
gebe. „Die Beziehung ist zwar positiv, aber nicht signifikant“, erläutert
Kunkel ihre Studie. So könne beispielsweise der Einsatz von Robotern
anstelle von Handarbeit in der derzeit weniger digitalisierten
Textilherstellung den Energieverbrauch der Textilherstellung erhöhen.
Häufig träten sogenannte „digitale Rebound-Effekte“ auf, wenn die durch
Digitalisierung erzielten Effizienzgewinne zu Kosteneinsparungen führten.
Die eingesparten Ressourcen könnten ganz oder teilweise reinvestiert
werden, und einen Teil oder die Gesamtheit der Effizienzgewinne
kompensieren. Außerdem habe Digitalisierung generell einen
wachstumsfördernden Effekt, der in der Regel ebenso den Energieverbrauch
erhöhe.

Es gibt jedoch andere Studien, die den Ergebnissen von Kunkel et al.
widersprächen, weil sie eine die Energieintensität der Industrie senkende
Wirkung von Robotern und industrieller Digitalisierung festgestellt hätten
– also einen effizienzsteigernden Effekt. Kunkel konnte eine negative
Korrelation zwischen Industrie 4.0 und Energieintensität jedoch lediglich
für bereits stark digitalisierte Sektoren belegen. Eine Erklärung hierfür
könnte sein, dass in einem bereits stark vom Einsatz digitaler
Technologien geprägten Sektor wie etwa dem Transportsektor Innovationen
der Industrie 4.0 besser im Fertigungssystem integriert werden können und
Effizienzpotenziale stärker zum Vorschein treten.

Die Autorinnen und Autoren geben als Limitation zu Bedenken, dass in
bisherigen Studien digitalisierungsbedingtes Offshoring nicht
berücksichtigt und Verringerungen der Energieintensität möglicherweise
fälschlich der Digitalisierung selbst zugeschrieben worden seien. Um
solche Effekte teilweise zu erfassen, haben Kunkel et al. den Indikator
„CO2-Importe“ stellvertretend für die Energieintensität der importierten
Güter einbezogen. Es zeigten sich signifikante positive Zusammenhänge
zwischen CO2-Importen und der Ausprägung von Industrie 4.0, was darauf
hindeuten könnte, dass mit steigendem Grad an Industrie 4.0 auch steigende
CO2-Importe in die Fertigung assoziiert sind. Jedoch sei weitere Forschung
erforderlich, um die zugrunde liegenden Dynamiken zu verstehen.

Schlussfolgerung

Eine Schlussfolgerungen der RIFS-Studie besteht darin, dass ein Fokus auf
das Mantra „Energie-Effizienz erhöhen durch Digitalisierung“ für
Nachhaltigkeits-Ziele und die Dekarbonisierung der Industrie unwirksam
sein kann, wenn dies aufgrund von Wachstums- und Offshoring-Dynamiken zu
einem insgesamt steigenden Gesamtenergieverbrauch führe. Es sollten
weitere Faktoren berücksichtigt werden, wie etwa Auswirkungen auf
Industrieverlagerungen, sektorspezifische Auswirkungen verschiedener
digitaler Technologien, menschliche Fähigkeiten, Innovationen zu
implementieren und sie in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken, als auch die
gleichzeitige Integration erneuerbarer Energien in der industriellen
Fertigung. Das RIFS-Team empfiehlt ebenso neben Energievariablen künftig
weitere Nachhaltigkeitsindikatoren wie Ressourcenverbrauch und
Elektroschrott durch digitale Technologien in die Nachhaltigkeitsbewertung
der Industrie 4.0 einzubeziehen.

Studienergebnisse auch für andere Staaten relevant

Am weltweiten Energieverbrauch hat die industrielle Fertigung im Jahr 2022
einen Anteil von 37 Prozent. China leistet den größten Beitrag am Anstieg
dieses Verbrauchs. Eine Senkung des Energie-Bedarfs und die
umweltfreundliche Gestaltung der Industrie-Produktion in China ist somit
weltweit für den Klimaschutz von großer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund
hat die Analyse des Zusammenhangs zwischen Energie und Industrie 4.0 für
Industrievertreterinnen und -vertreter sowie politische
Entscheidungstragende über China hinaus große Relevanz. Denn auch die
Europäische Union und Länder in anderen Weltregionen hegen die Hoffnung,
die Ziele der nachhaltigen Entwicklung mittels Digitalisierung adressieren
zu können. Doch dies wird nicht automatisch gelingen, sondern muss
gesteuert werden.

Fazit und Empfehlungen

•       Erstens sollten durch internationale Zusammenarbeit und
Vereinbarungen wie Lieferkettenabkommen Innovationen im Bereich der
Industrie 4.0 in der fertigenden Industrie auf die Reduktion des Energie-
und Ressourcenbedarfs entlang der gesamten Wertschöpfungskette
ausgerichtet werden. So kann verhindert werden, dass Industrie 4.0 zu
einer verstärkten Verlagerung energieintensiver Herstellungsprozesse in
Länder mit niedrigeren Umweltstandards führt.
•       Zweitens sollten die Mechanismen, mittels derer bestimmte
Technologien den Energieverbrauch der Industrie beeinflussen, durch
verstärkte Forschung unter Einbindung von Praxisakteuren besser verstanden
werden. Welche Innovationen im Bereich der Industrie 4.0 dazu beitragen,
die absolute globale Umweltbelastung zu reduzieren und wie diese durch
Politik als auch Industrie gefördert werden kann, wird so entscheidbar.
•       Drittens kann eine konsequente Orientierung der Industrie 4.0 an
Nachhaltigkeitszielen dazu beitragen, die wachstumsfördernde Wirkung von
Industrie 4.0 auf Ziele wie die Dekarbonisierung und Förderung der
Kreislaufwirtschaft zu richten.

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Geoenergieallianz Berlin-Brandenburg gegründet

Die Mitglieder der Geoenergieallianz Berlin-Brandenburg trafen sich zur Gründungsveranstaltung in Berlin.  Uta Deffke / GFZ
Die Mitglieder der Geoenergieallianz Berlin-Brandenburg trafen sich zur Gründungsveranstaltung in Berlin. Uta Deffke / GFZ

Acht Partnereinrichtungen, darunter das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ
und das Fraunhofer IEG, schließen einen Kooperationsvertrag, um CO2-arme
und importunabhängige Energieversorgung voranzubringen. Die Allianz
veröffentlicht außerdem ein Positionspapier zur Wärmeversorgung durch
Geoenergie in Berlin und Brandenburg.

Gemeinsame Forschungsvorhaben, Demonstrationsprojekte und die Förderung
des wissenschaftlichen Nachwuchses stehen im Mittelpunkt der neu
gegründeten Geoenergieallianz Berlin-Brandenburg (GEB2). Acht
Partnereinrichtungen aus Wissenschaft und Forschung haben dazu einen
Kooperationsvertrag in Berlin unterzeichnet. Die Geoenergieallianz macht
in einem Positionspapier deutlich, dass Geoenergie sowohl für das Land
Berlin als auch das Land Brandenburg ein zentraler Baustein für die
Energiewende ist und sie schlägt Umsetzungsschritte zur Nutzung des
geoenergetischen Potentials vor.

Die Nutzung des Untergrunds, um Energie zu gewinnen oder zu speichern, ist
ein essenzieller Baustein für eine künftige CO2-arme und möglichst
importunabhängige Energieversorgung. Dabei ist Geoenergie mehr als
Geothermie, denn dazu gehört unter anderem auch die Speicherung von Wärme
und Energieträgern wie Wasserstoff im Untergrund. Der Forschungsbedarf ist
groß. Ziel der Allianz ist es, Wissenslücken zu schließen und Projekte
voranzubringen. Der Zusammenschluss vereinfacht die Kooperation und den
Zugang zu neuestem Fachwissen in relevanten Fragen rund um die Entwicklung
und Nutzung von Geo-Energieanwendungen.

Partner der Geoenergieallianz Berlin-Brandenburg sind:

Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, Fraunhofer IEG, Technische Universität
Berlin, Berliner Hochschule für Technik, Institut für ökologische
Wirtschaftsforschung (IÖW), Brandenburgische Technische Universität
Cottbus-Senftenberg, Freie Universität Berlin und Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung (BAM). Weitere Einrichtungen, wie die
Universität Potsdam planen dazuzukommen.

Industrie und Politik unterstützen

Susanne Buiter, Wissenschaftliche Vorständin des GFZ, sagte anlässlich der
Vertragsunterzeichnung:

„Die Welt muss so schnell wie möglich klimaneutral werden – und das geht
nur mit einer deutlich intensiveren Nutzung des geologischen Untergrunds
für erneuerbare Energien. Wir haben in Potsdam gesehen, wie schnell es mit
Geothermiebohrungen gehen kann, und ich nehme ein großes
gesellschaftliches und politisches Interesse an Geoenergie wahr. Umso
wichtiger ist es, dass sich jetzt Forschungseinrichtungen und
Universitäten in der Region zusammenschließen.“

Mario Ragwitz, Leiter des Fraunhofer IEG, unterstrich bei der
Gründungsveranstaltung:

„In der Allianz bündeln wir das sich ergänzende Know-how der beteiligten
Partner in der Energieforschung. Damit ist diese Allianz optimaler
Ansprechpartner für Industrie und Politik bezüglich Geoenergie und dem
Beitrag von Geoenergie zur klimaneutralen Energieversorgung. Dies
vereinfacht den Zugang von politischen Entscheidungsträgern und
Industrievertretern zu neuesten Erkenntnissen aus der Forschung. So werden
wir durch die Integration interdisziplinärer Kompetenzen die direkte
Umsetzung ermöglichen.“
Effektive Geoenergieprojekte umsetzen

Julika Weiß vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) betont
in ihrem Beitrag auf der Gründungsveranstaltung die Rolle sozio-
ökonomischer Fragestellungen in der Geoenergieforschung:

„Es ist wichtig, die nachhaltige Nutzung von Geoenergie zu erforschen und
ihr Potenzial zu einer raschen und konsequenten Energiewende aufzuzeigen.
Für eine schnelle Nutzung von Geoenergie ist dabei nicht nur die
Erschließung des Untergrunds notwendig, sondern es müssen auch nachhaltige
und tragfähige Nutzungskonzepte und Geschäftsmodelle entwickelt und
erprobt werden, beispielsweise in inter- und transdisziplinären
Forschungsprojekten und Reallaboren.“

David Bruhn, Leiter des Competence Center „Globale Georessourcen“ und Co-
Initiator der GEB²:

„Die enge Zusammenarbeit der Forschungseinrichtungen in Berlin und
Brandenburg wird die Umsetzung von Projekten im Bereich der Geoenergie
deutlich beschleunigen. Denn die Allianz deckt eine Breite an technischen
und sozioökonomischen Fragestellungen ab, wie dies an einem einzelnen
Institut nur selten möglich ist. Der Zuspruch aus der Industrie zeigt,
dass der Wunsch nach einem direkten Austausch mit der Forschung besteht.
Damit wird auch der Transfer aktueller Forschungsergebnisse in die
Wirtschaft erleichtert.“

Simona Regenspurg, Arbeitsgruppenleiterin am GFZ sowie Privatdozentin an
der Freien Universität Berlin und Co-Initiatorin der GEB²:

„Wir wollen Industrie und Politik unterstützen, viele zuverlässige und
effektive Geoenergieprojekte umzusetzen, indem wir Unsicherheiten und
Risiken durch gemeinsame Forschung minimieren.“

Positionspapier veröffentlicht

Ein erstes Produkt der Allianz ist das Positionspapier „Regionale
Wärmeversorgung durch Geoenergie in Berlin und Brandenburg – Empfehlungen
zum Forschungsbedarf“ entstanden. In dem Positionspapier wird aufgezeigt,
dass in der Region erhebliche Potenziale vorhanden sind. Um diese zu
erschließen, braucht es insbesondere mehr Wissen zum Untergrund, die
Ausweisung von Vorzugsgebieten und Pilotstandorten, die Anpassung
rechtlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen, den Ausbau von
Fernwärmenetzen sowie einen Aufbau von Fachkräften. Das Positionspapier
zeigt zudem den bestehenden Forschungsbedarf auf und stellt dar, wie die
Allianz dazu beitragen möchte, den Ausbau der Geoenergie in Berlin und
Brandenburg voranzubringen.

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