Internationale Forschungsgruppe präsentiert die Ergebnisse ihrer Arbeit
Vulkanausbrüche können das Klima beeinflussen und das Klima wiederum beeinflusst den Lauf der Geschichte. Die Erforschung dieser komplexen Zusammenhänge ist herausfordernd, denn Forscher*innen unterschiedlicher Disziplinen müssen zusammenarbeiten. Wie dies gelingen kann und wie sich interdisziplinäre Kooperationen verbessern lassen, hat die internationale Forschungsgruppe „Volcanoes, Climate and History“ (Vulkane, Klima und Geschichte) seit 2021 am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld untersucht.
Auf ihrer Abschlusstagung vom 8. bis zum 12. Januar diskutiert die Gruppe nicht nur ihre Ergebnisse, sondern kuratiert auch eine Kunstausstellung am ZiF.
Der Sommer des Jahres 536 dürfte der kälteste der letzten 2000 Jahre gewesen sein. Die Ursache war ein Vulkanausbruch, dessen Asche den Himmel verdunkelte. Die Menschen wunderten sich über das fahle Licht, es kam zu Missernten, die Pest brach aus und das Oströmische Reich geriet ins Wanken. Auch das Jahr 1816 ist als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichtsbücher eingegangen, dieses Mal war ein Vulkan in Indonesien schuld.
Um besser zu verstehen, wie Gesellschaften auf die Folgen von Vulkanausbrüchen auf unterschiedlichen Raum- und Zeitskalen reagieren, haben in der Forschungsgruppe Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen zusammengearbeitet: aus Archäologie, Geschichtswissenschaft, Geo-, Klima- und Paläowissenschaften. Die Gruppe hat sich im Laufe ihrer Arbeit immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt: So haben die Forscher*innen archäologische Spuren untersucht, sie haben die Leistungsfähigkeit von Computersimulationen getestet und sich historische Quellen angeschaut.
Geladene Expert*innen brachten neue Impulse „Außerdem haben wir immer wieder Expert*innen eingeladen, die uns bei speziellen Fragen weiterhelfen konnten“, sagt der Leiter der Forschungsgruppe, Professor Dr. Ulf Büntgen, der an der Universität Cambridge Umwelt-Systemanalyse lehrt. Diese Kooperationen haben der Gruppe nicht nur zu wichtigen Erkenntnissen über direkte und indirekte Auswirkungen von Vulkanausbrüchen verholfen, sondern sie auch mit den Herausforderungen interdisziplinärer Zusammenarbeit konfrontiert. „Die Kolleg*innen arbeiten etwa mit unterschiedlichen Maßeinheiten oder definieren Begriffe anders“, berichtet Büntgen.
Die Forschungsgruppe hat diese Erfahrungen unter anderem dazu genutzt, ein interdisziplinäres Analyse-Instrument zu entwickeln, das „Dahliagramm“. Außerdem hat sich die Gruppe von einem Film-Team begleiten lassen, welches unter der Regie des Vulkanologen und Filmemachers Dr. Clive Oppenheimer, ebenfalls Professor an der Universität Cambridge und Fellow der Gruppe, die Arbeit am ZiF begleitet hat.
Ausstellung verbindet künstlerische und wissenschaftliche Aspekte
Teil der Abschlusstagung ist die gemeinsame Ausstellung „Curiosity Unbound – Volcanoes, Climate and History“ (Entfesselte Neugier – Vulkane, Klima und Geschichte) der Forschungsgruppe und der isländischen Künstlerin Anna Guðjónsdóttir. Auch sie ist Fellow der Gruppe und hat während der Workshops mit den Wissenschaftler*innen wiederholt künstlerische Experimente durchgeführt. Sie hat sich besonders dafür interessiert, mit welcher Neugierde und Offenheit die Forscher*innen auf das Thema und die unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen aller Beteiligten zugegangen sind. Dies visualisiert sie unter anderem mit Gegenständen, die für die Arbeit der Forscher*innen wichtig sind. So treffen in der Ausstellung das Eigenständige und Persönliche auf die wissenschaftlichen und künstlerischen Gedanken. „Die Perspektive der Kunst hat uns noch einmal eine neue Dimension des Fragens und Interagierens, aber auch Möglichkeiten der Präsentation von Forschungsergebnissen aufgezeigt“, so Ulf Büntgen. „Wir haben viel darüber gelernt, wie Vulkanausbrüche gesellschaftliche Entwicklungen und zum Beispiel Pandemien beeinflussen können. Genauso wichtig war es uns aber auch, die Grenzen zwischen den akademischen Disziplinen zu überwinden, und eine unserer Erkenntnisse ist, dass die Kunst definitiv dazu beitragen kann.“
Die Vernissage der Ausstellung findet am Donnerstag, 11. Januar, um 19.30 Uhr am ZiF statt. Gesprochen wird hierbei Englisch und Deutsch. Die Anmeldung ist auf der Website zur Ausstellung möglich.
Die Abschlusstagung findet auf Englisch statt. Journalist*innen sind herzlich eingeladen, über die Tagung zu berichten. Professor Büntgen steht für Anfragen gerne zur Verfügung.
Das Gewandhaus und der Mendessohnbrunnen in Leipzig bei Nacht
Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber
Besetzung und Programm: Gewandhausorchester Omer Meir Wellber Leitung Geir Drangsvoll Akkordeon, Michael Schönheit Orgel Werke von Joseph Haydn , Aziza Sadikova , Anton Bruckner
Grundsätzliches zum Gewandhausorchester Leipzig
Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber
Das Gewandhausorchester Leipzig gehört zu den führenden Klangkörpern der Welt und gilt mit derzeit etwa 185 Musikern als international größtes Berufsorchester. Zugleich ist es das älteste bürgerliche Konzertorchester im deutschsprachigen Raum und zeichnet maßgeblich verantwortlich für Leipzigs Ruf als Musikstadt. Das Orchester, dessen Chefdirigenten traditionell den Titel „Gewandhauskapellmeister“ tragen, tritt mit seinen drei musikalischen Standbeinen an unterschiedlichen Spielorten auf: im Gewandhaus am Augustusplatz bedient es das sinfonische Repertoire, in der Oper Leipzig begleitet es Musiktheater-Produktionen, und Konzerte mit Sakralmusik gibt das Orchester in den Leipziger Stadtkirchen, insbesondere der Thomaskirche.
Mit fulminantem Auftakt trat das Gewandhausorchester in die Welt von Joseph Haydn ein, mit seiner Sinfonie d-Moll “Lamentatione”. Dirigent Omer Meir Wellber führte das Orchester mit Eleganz und Präzision durch die nuancierten Emotionen dieser meisterhaft komponierten Sinfonie. Die tiefen, melancholischen Klänge werden von lebhaften, aufbrausenden Momenten durchzogen, was Haydns Meisterschaft in der Komposition unterstrich. Der ideale Start in das Konzert für das Leipziger Renommierorchester.
Magische Premiere im Gewandhaus Leipzig: Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers”
Komponistin Aziza Sadikova
Das Gewandhaus Leipzig bot eine atemberaubende Premiere mit dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Omer Meir Wellber. Das Konzert vereinte mit Michael Schönheit an der Orgel und Geir Drangsvoll am Akkordeon zwei herausragende Solisten. Das Werk der in Berlin lebenden, gebürtigen Usbekin Aziza Sadikova versprach eine eindrucksvolle musikalische Reise.
Faszination in Tönen: Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers”
Gewandhausorganist Michael Schoenheit
Dann gespannte Erwartung für eine Uraufführung, die im Raum zu knistern schien. Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers” entfaltete sich mit einem Zauber, der das Publikum von Anfang an in seinen Bann zog. Die Kombination aus Orgel, Akkordeon und Orchester schuf eine Klanglandschaft, die gleichzeitig kraftvoll und zart war.
Geir Drangsvoll Akkkordeon
Die Uraufführung dieses beeindruckenden Werks faszinierte durch ihre Vielschichtigkeit und die meisterhafte Verwendung der Instrumente. Die Orgel und das Akkordeon verschmolzen auf magische Weise, während das Orchester eine lebendige Kulisse schuf. Aziza Sadikova hat mit “Strahlen des Feuers” zweifellos ein Werk geschaffen, das die Grenzen der traditionellen Orchesterkomposition sprengt und neue Horizonte eröffnet. So ernteten denn de ausführenden auch einen langen Schlussapplaus zu dem auch die Komponistin auf die Bühne kam.
Bruckners Nullte: Ein Monument der Symphonie
Szenenfoto des Konzertes
Der Höhepunkt des Abends war zweifellos Anton Bruckners Sinfonie d-Moll WAB100, besser bekannt als die “Nullte”. Das Gewandhausorchester präsentierte dieses monumentale Werk mit einer beeindruckenden Intensität und Hingabe. Omer Meir Wellber schien die Essenz von Bruckners musikalischem Genie einzufangen und sie durch jedes Instrument des Orchesters zu kanalisieren.
Die Sinfonie nahm das Publikum mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, von düsteren, majestätischen Passagen bis hin zu triumphalen Höhepunkten. Die subtile Balance zwischen den verschiedenen Instrumentengruppen wusste der Dirigent perfekt herauszuarbeiten, wodurch eine klangliche Tiefe erreicht wurde, die das Publikum verzückte und das dieses auch mit einem langanhaltenden stürmischen Schlussapplaus animierte.
Fazit: Ein unvergesslicher Abend der musikalischen Vielfalt
Szenenfoto des Konzertes
Insgesamt präsentierte das Gewandhaus Leipzig mit diesem Konzert eine beeindruckende Bandbreite musikalischer Meisterwerke. Von der atemberaubenden Uraufführung von Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers” über Haydns raffinierte “Lamentatione” bis hin zu Bruckners monumentaler “Nullten” bot der Abend einen unvergesslichen Einblick in die Vielfalt der klassischen Musik.
Die Solisten, allen voran Michael Schönheit an der Orgel und Geir Drangsvoll am Akkordeon, erwiesen sich als brillante Ergänzung zum Gewandhausorchester unter der fesselnden Leitung von Omer Meir Wellber. Ihre virtuosen Beiträge trugen dazu bei, die Werke auf eine neue Ebene zu heben und die Zuhörer tief in die musikalischen Welten zu entführen.
Insgesamt war dieses Konzert im Gewandhaus Leipzig nicht nur ein musikalisches Highlight, sondern auch eine künstlerische Reise, die die Sinne verzauberte und das Publikum mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Bewunderung zurückließ.
Das Gewandhaus und der Mendessohnbrunnen in Leipzig beiNacht
Andris Nelsons und das Gewandhausorchester intonieren erhaben
Besetzung und Programm: Gewandhausorchester Andris Nelsons Dirigent Richard Wagner — Vorspiel und Isoldes Liebestod aus der Oper “Tristan und Isolde” WWV 90 Anton Bruckner — 9. Sinfonie d-Moll WAB 109
Es ist immer etwas ganz besonderes, ein Orchester in seinem Stammhaus zu erleben, erst recht dann, wenn es auch noch von seinem Chefdirigenten geleitet wird. Nachdem ich das Vergnügen schon vier Tage vorher hatte, allerdings unter Leitung des Gastdirigenten Omer Meir Wellber, war es jetzt soweit, dass Andris Nelsons, im Amt seit 208, «sein» Orchester selbst dirigierte.
Ekstase im Gewandhaus Leipzig: Wagner und Bruckner unter Andris Nelsons
Andris Nelsons geballte Dirigentenpower
Das Gewandhaus Leipzig öffnete am 26. Oktober 2023 seine Türen für ein Konzert, das die Grenzen der musikalischen Wahrnehmung verschob. Unter der Leitung des charismatischen Chefdirigenten Andris Nelsons, in Leipzig traditionell als Gewandhauskapellmeister bezeichnet, präsentierte das Gewandhausorchester zwei monumentale Werke: Richard Wagners Vorspiel zu “Tristan und Isolde” und Anton Bruckners 9. Sinfonie in d-Moll.
Wagner’s Tristans Erwachen: Das Vorspiel, das die Seele berührt
Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber
Der Abend begann mit einem Aufschrei der Streicher, der sich in der Stille des Saals zu verlieren schien. Das Vorspiel zu “Tristan und Isolde” entfaltete sich mit einer Intensität, die die Zuhörer von der ersten Note an gefangen nahm. Andris Nelsons dirigierte mit einer Passion, die den Raum erfüllte und eine Atmosphäre schuf, die von Emotionen durchzogen war.
Die Mystik des sagenumwobenen Tristan Akkordes
Dirigent Andris Nelsons jeder Ton muss sitzen
Richard Wagners Vorspiel zu seiner bahnbrechenden Oper “Tristan und Isolde” ist ein episches Meisterwerk, das die Grenzen der klassischen Musik sprengt, den Hörer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt und einen unauslöschlichen Eindruck hinterlässt., was schon mit dem mysteriösen weltberühmten «Tristan Akkord» beginnt.
Das Vorspiel zu “Tristan und Isolde” ist ein musikalisches Manifest der Leidenschaft. Schon die ersten Takte, gespielt von den Streichern, ziehen den Hörer unweigerlich in eine Welt intensiver Gefühle. Andris Nelsons versteht es meisterhaft, die Spannung aufzubauen und die emotionalen Nuancen dieses Stücks zu betonen. Die dynamische Bandbreite reicht von zarten, sehnsuchtsvollen Passagen bis hin zu kraftvollen, stürmischen Momenten.
Die Streicher des Gewandhausorchesters zauberten ein Klanggewebe, das den Zuhörer auf eine Reise durch die Tiefen von Tristans Leidenschaft und Sehnsucht mitnahm. Die dynamischen Kontraste wurden meisterhaft ausgearbeitet, von flüsternden Pianissimo-Passagen bis zu donnernden Fortissimo-Höhepunkten. Jeder Ton schien eine eigene Geschichte zu erzählen, und das Publikum lauschte gebannt.
Die Interpretation durch Andris Nelsons
Dirigent Andris Nelsons zeigt wos langgeht Foto Marco Borggreve
Der gebürtige Lette Nelsons ist zweifellos ein Dirigent von Weltklasse. Seine Interpretation des Vorspiels zu “Tristan und Isolde” ist geprägt von einem tiefen Verständnis für Wagners musikalische Sprache. Er führt das Orchester mit einer Mischung aus Präzision und emotionaler Intensität, die die Essenz dieses Werks einfängt. Die Langsamkeit und Geduld, mit der er die melodischen Linien entwickelt, erzeugen eine fast hypnotische Wirkung, die den Hörer in den Bann zieht.
Die emotionale Reise
Dirigent Andris Nelsons beschwört seine Mitmusiker
Wagners Werk ist eine musikalische Reise in die dunkelsten und tiefsten Emotionen der menschlichen Seele. Es ist eine Reise durch die Leidenschaft, die Sehnsucht, die Verzweiflung und die Ekstase. Nelsons und das Gewandhausorchester navigieren durch diese emotionalen Abgründe mit bemerkenswerter Sensibilität und Intensität. In den Momenten der Ekstase fühlt man sich, als ob die Musik den Hörer in die Höhe hebt, während die Verzweiflung einen tiefen Abgrund öffnet.
Die Spannung bis zum Schluss
Konzert Szenenfoto
Das Vorspiel zu “Tristan und Isolde” ist keine leichte Kost. Es ist ein Stück, das den Hörer herausfordert und emotional erschöpft. Die Aufführung unter Andris Nelsons hält die Spannung bis zum letzten Ton aufrecht. Der dramatische Höhepunkt, der sich langsam aufbaut und schließlich in einem kraftvollen Crescendo gipfelt, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.
Die Aufführung des Vorspiels zu “Tristan und Isolde” durch das Gewandhausorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten war ein triumphales Ereignis und hat gezeigt, dass Wagners Musik auch heute noch die Kraft hat, die tiefsten Emotionen in den Menschen hervorzurufen. Unter der einfühlsamen Leitung des 1978 geborenen Dirigenten und mit der Brillanz des Leipziger Klangkörpers wurde diese Aufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis, das noch lange in den Herzen der Zuhörer nachhallt. Es ist eine Erinnerung an die universelle Kraft der Musik, die in der Lage ist, die Grenzen des Verstandes zu überschreiten und direkt in die Seele zu sprechen. Das Auditorium würdigte diese Interpretation mit einem langenhaltenden stürmischen Applaus bevor man sich in die Foyers für die Konzertpause begab.
2. Programmteil: Zitat ab Programm des Gewandhausorchesers:
Andris Nelsons und das Gewandhausorchester intonieren erhaben
Kreise ziehen Kreise. Bruckner mit dem Gewandhausorchester ist zum Maßstab, zur Marke, zum Erfolgsgaranten und Exportschlager geworden. Tournee-Orte verlangen ein ums andere Mal danach. Für das singuläre Live-Erlebnis ist das irrelevant. Es zählt einzig der erfüllte Moment. Was mit Nikisch begann, wurde von den Gewandhauskapellmeistern Bruno Walter und Wilhelm Furtwängler, Hermann Abendroth und Herbert Albert, Franz Konwitschny, Kurt Masur und Herbert Blomstedt weitergereicht und ist nun bei Andris Nelsons angelangt. Tradition heißt: weitermachen. Immer wieder von vorn anfangen. Nie zu einem Ende gelangen. Fortschreiten. Auf Vergangenem aufbauen und Neues wagen. In der Wiederholung das Einmalige suchen. Vergegenwärtigen. Zitatende.
Bruckners Unvollendete: Die 9. Sinfonie in d-Moll
Konzert Szenenfoto
Nach einer 20 minütigen Konzertpause betrat das Orchester erneut die Bühne, um sich Anton Bruckners monumentaler 9. Sinfonie zu widmen. Diese Sinfonie, die Bruckner bis zu seinem Tod nicht vollenden konnte, wurde zu einem Vermächtnis, das die Unvollkommenheit des Lebens selbst einzufangen schien.
Andris Nelsons führte das Orchester durch die komplexen Strukturen und die reichen harmonischen Schichten der Sinfonie. Die langsamen, sich entfaltenden Passagen wurden mit einer zarten Sensibilität interpretiert, während die kraftvollen Tutti-Momente das Gewicht und die Größe von Bruckners musikalischem Denken betonten.
Das Werk offenbarte Bruckners Fähigkeit, eine klangliche Architektur zu schaffen, die die Zuhörer in eine Welt der Reflexion und Kontemplation entführte. Die Schönheit der Melodien wurde von den Bläsern des Gewandhausorchesters meisterhaft herausgearbeitet, während die Streicher eine texturierte Kulisse schufen, die den Hörer in einen Sog aus Klang und Emotion zog.
Nelsons’ Interpretation: Eine Symbiose aus Leidenschaft und Präzision
Szenenfoto des Konzertes
Andris Nelsons erwies sich einmal mehr als ein Dirigent von außergewöhnlichem Talent. Seine Interpretationen von Wagner und Bruckner waren geprägt von einer tiefen Verbindung zu den Werken und einer klaren visionären Ausrichtung. Seine expressive Gestik und das feine Gespür für Dynamik verliehen der Aufführung eine Intensität, die das Publikum in den Bann zog.
Die Kommunikation zwischen Nelsons und dem Orchester war faszinierend zu beobachten. Jede Nuance der Partitur schien zwischen Dirigent und Musikern zu schweben, was zu einer Aufführung führte, die sowohl von Leidenschaft als auch von technischer Präzision geprägt war. Es war ein wahrhaft symbiotischer Moment zwischen Dirigent und Orchester.
Die Magie des Gewandhauses: Akustik und Atmosphäre
Gewandhausorchester Dirigent Andris Nelsons Foto Christian Modla
Die Akustik des Gewandhauses trug maßgeblich zum Erfolg dieses Konzerts bei. Jeder Klang, sei es das leiseste Flüstern der Streicher oder der donnernde Applaus des Publikums, wurde in einem harmonischen Gleichgewicht präsentiert. Die räumliche Tiefe und Klarheit der Akustik ermöglichten es den Zuhörern, in die Feinheiten der Musik einzutauchen.
Die Atmosphäre im Saal war eine Mischung aus andächtiger Stille und begeistertem Applaus. Die Zuschauer schienen den Atem anzuhalten, um keinen Moment der musikalischen Pracht zu verpassen. Nach jeder Darbietung brach ein Sturm der Anerkennung aus, der die Dankbarkeit des Publikums für die künstlerische Leistung widerspiegelte.
Fazit: Ein Abend der musikalischen Erleuchtung
Szenenfoto des Konzertes
Insgesamt war dieses Konzert im Gewandhaus Leipzig nicht nur ein Höhepunkt der Saison, sondern ein Ereignis, das in die Geschichte des Orchesters eingehen wird. Die kraftvolle Interpretation von Wagner und die einfühlsame Darbietung von Bruckners 9. Sinfonie zeigten die Vielseitigkeit und das Können des Gewandhausorchesters unter der einfühlsamen Leitung von Andris Nelsons.
Dieser Abend war nicht nur ein Konzert; es war eine Reise durch die Tiefen der menschlichen Seele, eingefangen in den Noten von Wagner und Bruckner. Das Gewandhaus Leipzig bewies einmal mehr, warum es zu den führenden Konzerthäusern der Welt zählt. Und Andris Nelsons setzte seine Position als einer der herausragenden Dirigenten unserer Zeit eindrucksvoll fort. Ein Abend der musikalischen Erleuchtung, der noch lange in den Herzen der Zuhörer nachklingen wird und das dieses auch mit dem entsprechenden Applaus belohnte.
Der Deutsche Umweltpreis der DBU geht dieses Jahr an Holzbaupionierin Dagmar Fritz-Kramer (2. v. l.) und Klimaforscherin Friederike Otto (3. v. l.) hier zusammen mit DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und dem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert. Peter Himsel | DBU
Deutscher Umweltpreis der DBU wird heute in Lübeck verliehen Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück verleiht heute (Sonntag) in Lübeck den diesjährigen Deutschen Umweltpreis von insgesamt 500.000 Euro, eine der höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Überreicht wird der Preis von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Klimawissenschaftlerin Prof. Dr. Friederike Otto und Holzbau-Pionierin Dipl.-Ing. Dagmar Fritz-Kramer. Trotz verheerender Kriege wie in der Ukraine und Nahost „machen die beiden Preisträgerinnen Mut, nicht zu verzagen und Arten- sowie Umweltschutz anzupacken“, sagten DBU-Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Kai Niebert und DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Ein „klarer Kompass für Klimaschutz“ sei mehr denn je notwendig. Die von Tatjana Geßler moderierte Veranstaltung wird live übertragen: www.dbu.de/live.
Gefahr fürs Schelfeis und drohende Klima-Kipppunkte
Jüngste Studien bestätigen Nieberts und Bondes Aufruf: So kommt eine Untersuchung des Polarforschungsprogramms Großbritanniens zum Schluss, dass das Schelfeis in der westantarktischen Amundsensee komplett abschmelzen könnte – selbst bei Erreichen des sogenannten 1,5-Grad-Ziels. Auf der Pariser Weltklimakonferenz hatten sich die beteiligten 200 Staaten 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Zudem warnt ein Bericht der Vereinten Nationen vor irreversiblen Klima-Kipppunkten. Als Schlüsselrisiken werden – neben der Gletscherschmelze – unter anderem Artensterben, Dürren, Wassermangel und Weltraumschrott genannt.
Niebert: Nicht nachlassen bei Nachhaltigkeit und Transformation
Bonde verband damit seinen Appell, Klima- und Biodiversitätskrise „als gemeinsames Aufgaben-Paket zu begreifen. Beides ist untrennbar miteinander verbunden.“ Der DBU-Generalsekretär erneuerte seine Forderung vom Vortag auf einem DBU-Symposium zum Thema: „Eine naturverträgliche Ökonomie muss Standard werden.“ Bonde: „Was Wirtschaft leisten kann, stellt Baufritz- Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer Tag für Tag unter Beweis.“ DBU- Kuratoriumsvorsitzender Niebert mahnte angesichts der weltweit wütenden Kriege, „dass wir nicht in Panik und Angst verfallen. Der Weg zur Nachhaltigkeit und Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist keine Schönwetterpolitik. Wir dürfen hier nicht nachlassen und müssen auch in größten Krisen handlungsfähig bleiben.“ Ottos Arbeit sei dafür „enorm wichtig“.
Bonde: Preisträgerinnen sind echte Inspiration und Motivation
Nach Bondes Worten sind Friederike Otto und Dagmar Fritz-Kramer „echte Inspiration und Motivation, aus den bereits unübersehbaren Folgen der Erderwärmung zu lernen und noch mehr Umwelt- und Ressourcenschutz umzusetzen“. Friederike Otto vom Imperial College London habe sich als „exzellente Klimawissenschaftlerin um die sogenannte Zuordnungswissenschaft verdient gemacht“. Die auch Attributionsforschung genannte Disziplin spürt der Frage nach, welche Rolle der Klimawandel beim Wetter spielt – ob es also Zusammenhänge zwischen Klimaveränderungen und Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren, Überflutungen und Starkregen gibt. 2015 hat die 41-jährige Klimawissenschaftlerin zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen niederländischen Kollegen Prof. Dr. Geert Jan van Oldenborgh die Initiative World-Weather-Attribution (WWA) gegründet und das Verfahren der Attribution von extremen Wetterereignissen zum menschengemachten Klimawandel maßgeblich mitentwickelt. Drei Faktoren zeichnen Ottos Arbeit aus: die schnelle Veröffentlichung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse über mögliche Zusammenhänge zwischen globalem Klimawandel und regionalem Extremwetter, neben Ursachenforschung auch die Darstellung lokaler Folgen der globalen Klimakrise sowie schließlich drittens Vorschläge für wirksame Anpassungsmaßnahmen.
Gebäudesektor Schlüsselfaktor für Klimaneutralität
Dagmar Fritz-Kramer ist als Geschäftsführerin des Allgäuer Familienbetriebs Bau-Fritz GmbH & Co. KG, kurz Baufritz, Bonde zufolge „Ideengeberin für neue Wege im Bausektor“. Das Unternehmen leiste „vorzügliche Pionierarbeit“ und mache seit Jahrzehnten vor, wie Klima- und Umweltschutz durch Fertigholzbau bei Häusern, Wohnungen und Sanierungen gelinge. Baufritz sei Motor für Branche und Bauwende und der Baustoff Holz „ein exzellenter Klimaschützer, der große Mengen an Kohlenstoff speichert und auf diese Weise die Bildung von klimaschädlichem Kohlendioxid verhindert“. Der Gebäudesektor ist ein Schlüsselfaktor, wenn Deutschland wie geplant bis 2045 klimaneutral werden will: Er verursacht hierzulande etwa 40 Prozent der bundesweit jährlich ungefähr 746 Millionen Tonnen Emissionen an klimaschädlichen Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2). Baufritz verarbeitet nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit Säge- und Hobelwerken im 120-Kilometer-Radius pro Jahr vor allem „heimisches Fichtenholz vor der Haustür“. Aus nahezu 11.900 Kubikmetern entstehen etwa 143.000 Quadratmeter Fläche – von Wänden über Dächer bis hin zu Decken. Jedes Baufritz-Gebäude bedeute eine CO2-Ersparnis von rund 50 Tonnen, pro Jahr also etwa 12.000 Tonnen Kohlendioxid. Und allein die Sanierung der Gebäudehülle eines Hauses aus den 1950er-Jahren kann demnach den Verbrauch an Heizenergie auf rund ein Viertel des ursprünglichen Zustands senken.
Traditionsreicher Handwerksbetrieb und international renommierte Klimaforscherin
Diplom-Ingenieurin Dagmar Fritz-Kramer ist seit 2004 geschäftsführende Gesellschafterin im Familienbetrieb, der 1896 seinen Anfang nahm und mittlerweile in vierter Generation existiert. Klimawissenschaftlerin Friederike Otto ist eine Leitautorin des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC).
Daten, Zahlen, Fakten im DBU-Umweltpreis-Blog: https://www.dbu.de /umweltpreis-blog/
Hintergrund: Mit dem 2023 zum 31. Mal verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU werden Leistungen von Menschen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beitragen. Kandidatinnen und Kandidaten werden der DBU vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind etwa Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgemeinschaften, Medien, das Handwerk und Wirtschaftsverbände. Selbstvorschläge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung. Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten: https://www.dbu.de/umweltpreis sowie https://www.dbu.de/umweltpreis-blog/