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Wie Vulkane Klima und Menschheitsgeschichte beeinflussen

Internationale Forschungsgruppe präsentiert die Ergebnisse ihrer Arbeit

Vulkanausbrüche können das Klima beeinflussen und das Klima wiederum
beeinflusst den Lauf der Geschichte. Die Erforschung dieser komplexen
Zusammenhänge ist herausfordernd, denn Forscher*innen unterschiedlicher
Disziplinen müssen zusammenarbeiten. Wie dies gelingen kann und wie sich
interdisziplinäre Kooperationen verbessern lassen, hat die internationale
Forschungsgruppe „Volcanoes, Climate and History“ (Vulkane, Klima und
Geschichte) seit 2021 am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der
Universität Bielefeld untersucht.

Auf ihrer Abschlusstagung vom 8. bis zum 12. Januar diskutiert die Gruppe
nicht nur ihre Ergebnisse, sondern kuratiert auch eine Kunstausstellung am
ZiF.

Der Sommer des Jahres 536 dürfte der kälteste der letzten 2000 Jahre
gewesen sein. Die Ursache war ein Vulkanausbruch, dessen Asche den Himmel
verdunkelte. Die Menschen wunderten sich über das fahle Licht, es kam zu
Missernten, die Pest brach aus und das Oströmische Reich geriet ins
Wanken. Auch das Jahr 1816 ist als „Jahr ohne Sommer“ in die
Geschichtsbücher eingegangen, dieses Mal war ein Vulkan in Indonesien
schuld.

Um besser zu verstehen, wie Gesellschaften auf die Folgen von
Vulkanausbrüchen auf unterschiedlichen Raum- und Zeitskalen reagieren,
haben in der Forschungsgruppe Wissenschaftler*innen aus verschiedenen
Disziplinen zusammengearbeitet: aus Archäologie, Geschichtswissenschaft,
Geo-, Klima- und Paläowissenschaften. Die Gruppe hat sich im Laufe ihrer
Arbeit immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt: So haben die Forscher*innen
archäologische Spuren untersucht, sie haben die Leistungsfähigkeit von
Computersimulationen getestet und sich historische Quellen angeschaut.

Geladene Expert*innen brachten neue Impulse „Außerdem haben wir immer
wieder Expert*innen eingeladen, die uns bei speziellen Fragen weiterhelfen
konnten“, sagt der Leiter der Forschungsgruppe, Professor Dr. Ulf Büntgen,
der an der Universität Cambridge Umwelt-Systemanalyse lehrt. Diese
Kooperationen haben der Gruppe nicht nur zu wichtigen Erkenntnissen über
direkte und indirekte Auswirkungen von Vulkanausbrüchen verholfen, sondern
sie auch mit den Herausforderungen interdisziplinärer Zusammenarbeit
konfrontiert. „Die Kolleg*innen arbeiten etwa mit unterschiedlichen
Maßeinheiten oder definieren Begriffe anders“, berichtet Büntgen.

Die Forschungsgruppe hat diese Erfahrungen unter anderem dazu genutzt, ein
interdisziplinäres Analyse-Instrument zu entwickeln, das „Dahliagramm“.
Außerdem hat sich die Gruppe von einem Film-Team begleiten lassen, welches
unter der Regie des Vulkanologen und Filmemachers Dr. Clive Oppenheimer,
ebenfalls Professor an der Universität Cambridge und Fellow der Gruppe,
die Arbeit am ZiF begleitet hat.

Ausstellung verbindet künstlerische und wissenschaftliche Aspekte

Teil der Abschlusstagung ist die gemeinsame Ausstellung „Curiosity Unbound
– Volcanoes, Climate and History“ (Entfesselte Neugier – Vulkane, Klima
und Geschichte) der Forschungsgruppe und der isländischen Künstlerin Anna
Guðjónsdóttir. Auch sie ist Fellow der Gruppe und hat während der
Workshops mit den Wissenschaftler*innen wiederholt künstlerische
Experimente durchgeführt. Sie hat sich besonders dafür interessiert, mit
welcher Neugierde und Offenheit die Forscher*innen auf das Thema und die
unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen aller Beteiligten
zugegangen sind. Dies visualisiert sie unter anderem mit Gegenständen, die
für die Arbeit der Forscher*innen wichtig sind. So treffen in der
Ausstellung das Eigenständige und Persönliche auf die wissenschaftlichen
und künstlerischen Gedanken. „Die Perspektive der Kunst hat uns noch
einmal eine neue Dimension des Fragens und Interagierens, aber auch
Möglichkeiten der Präsentation von Forschungsergebnissen aufgezeigt“, so
Ulf Büntgen. „Wir haben viel darüber gelernt, wie Vulkanausbrüche
gesellschaftliche Entwicklungen und zum Beispiel Pandemien beeinflussen
können. Genauso wichtig war es uns aber auch, die Grenzen zwischen den
akademischen Disziplinen zu überwinden, und eine unserer Erkenntnisse ist,
dass die Kunst definitiv dazu beitragen kann.“

Die Vernissage der Ausstellung findet am Donnerstag, 11. Januar, um 19.30
Uhr am ZiF statt. Gesprochen wird hierbei Englisch und Deutsch. Die
Anmeldung ist auf der Website zur Ausstellung möglich.

Die Abschlusstagung findet auf Englisch statt. Journalist*innen sind
herzlich eingeladen, über die Tagung zu berichten. Professor Büntgen steht
für Anfragen gerne zur Verfügung.

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Grosso Concerto im Gewandhaus Leipzig, 20. Oktober 2023, besucht von Léonard Wüst

Das Gewandhaus und der Mendessohnbrunnen in Leipzig bei Nacht

Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber

Besetzung und Programm:
Gewandhausorchester
Omer Meir Wellber Leitung
Geir Drangsvoll Akkordeon, Michael Schönheit Orgel
Werke von Joseph Haydn , Aziza Sadikova , Anton Bruckner

Grundsätzliches zum Gewandhausorchester Leipzig

Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber
Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber

Das Gewandhausorchester Leipzig gehört zu den führenden Klangkörpern der Welt und gilt mit derzeit etwa 185 Musikern als international größtes Berufsorchester. Zugleich ist es das älteste bürgerliche Konzertorchester im deutschsprachigen Raum und zeichnet maßgeblich verantwortlich für Leipzigs Ruf als Musikstadt. Das Orchester, dessen Chefdirigenten traditionell den Titel „Gewandhauskapellmeister“ tragen, tritt mit seinen drei musikalischen Standbeinen an unterschiedlichen Spielorten auf: im Gewandhaus am Augustusplatz bedient es das sinfonische Repertoire, in der Oper Leipzig begleitet es Musiktheater-Produktionen, und Konzerte mit Sakralmusik gibt das Orchester in den Leipziger Stadtkirchen, insbesondere der Thomaskirche.

Haydns Meisterstück: Sinfonie d-Moll “Lamentatione”

Dirigent Omer Meir Wellber  Fotto Jens Gerber
Dirigent Omer Meir Wellber Fotto Jens Gerber

Mit fulminantem Auftakt trat das Gewandhausorchester in die Welt von Joseph Haydn ein, mit seiner Sinfonie d-Moll “Lamentatione”. Dirigent Omer Meir Wellber führte das Orchester mit Eleganz und Präzision durch die nuancierten Emotionen dieser meisterhaft komponierten Sinfonie. Die tiefen, melancholischen Klänge werden von lebhaften, aufbrausenden Momenten durchzogen, was Haydns Meisterschaft in der Komposition unterstrich. Der ideale Start in das Konzert für das Leipziger Renommierorchester.

Magische Premiere im Gewandhaus Leipzig: Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers”

Komponistin Aziza Sadikova
Komponistin Aziza Sadikova

Das Gewandhaus Leipzig bot eine atemberaubende Premiere mit dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Omer Meir Wellber. Das Konzert vereinte mit  Michael Schönheit an der Orgel und Geir Drangsvoll am Akkordeon zwei herausragende Solisten. Das Werk der in Berlin lebenden, gebürtigen Usbekin Aziza Sadikova versprach eine eindrucksvolle musikalische Reise.

Faszination in Tönen: Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers”

Gewandhausorganist Michael Schoenheit
Gewandhausorganist Michael Schoenheit

Dann gespannte Erwartung für eine Uraufführung, die im Raum zu knistern schien. Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers” entfaltete sich mit einem Zauber, der das Publikum von Anfang an in seinen Bann zog. Die Kombination aus Orgel, Akkordeon und Orchester schuf eine Klanglandschaft, die gleichzeitig kraftvoll und zart war.

Geir Drangsvoll Akkkordeon
Geir Drangsvoll Akkkordeon

Die Uraufführung dieses beeindruckenden Werks faszinierte durch ihre Vielschichtigkeit und die meisterhafte Verwendung der Instrumente. Die Orgel und das Akkordeon verschmolzen auf magische Weise, während das Orchester eine lebendige Kulisse schuf. Aziza Sadikova hat mit “Strahlen des Feuers” zweifellos ein Werk geschaffen, das die Grenzen der traditionellen Orchesterkomposition sprengt und neue Horizonte eröffnet. So ernteten denn de ausführenden auch einen langen Schlussapplaus zu dem auch die Komponistin auf die Bühne kam.

Bruckners Nullte: Ein Monument der Symphonie

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Der Höhepunkt des Abends war zweifellos Anton Bruckners Sinfonie d-Moll WAB100, besser bekannt als die “Nullte”. Das Gewandhausorchester präsentierte dieses monumentale Werk mit einer beeindruckenden Intensität und Hingabe. Omer Meir Wellber schien die Essenz von Bruckners musikalischem Genie einzufangen und sie durch jedes Instrument des Orchesters zu kanalisieren.

Die Sinfonie nahm das Publikum mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, von düsteren, majestätischen Passagen bis hin zu triumphalen Höhepunkten. Die subtile Balance zwischen den verschiedenen Instrumentengruppen wusste der Dirigent perfekt herauszuarbeiten, wodurch eine klangliche Tiefe erreicht wurde, die das Publikum verzückte und das dieses auch mit einem langanhaltenden stürmischen Schlussapplaus animierte.

Fazit: Ein unvergesslicher Abend der musikalischen Vielfalt

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Insgesamt präsentierte das Gewandhaus Leipzig mit diesem Konzert eine beeindruckende Bandbreite musikalischer Meisterwerke. Von der atemberaubenden Uraufführung von Aziza Sadikova’s “Strahlen des Feuers” über Haydns raffinierte “Lamentatione” bis hin zu Bruckners monumentaler “Nullten” bot der Abend einen unvergesslichen Einblick in die Vielfalt der klassischen Musik.

Die Solisten, allen voran Michael Schönheit an der Orgel und Geir Drangsvoll am Akkordeon, erwiesen sich als brillante Ergänzung zum Gewandhausorchester unter der fesselnden Leitung von Omer Meir Wellber. Ihre virtuosen Beiträge trugen dazu bei, die Werke auf eine neue Ebene zu heben und die Zuhörer tief in die musikalischen Welten zu entführen.

Insgesamt war dieses Konzert im Gewandhaus Leipzig nicht nur ein musikalisches Highlight, sondern auch eine künstlerische Reise, die die Sinne verzauberte und das Publikum mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Bewunderung zurückließ.

Text: www.leonardwuest.ch

Footos: https://www.gewandhausorchester.de/

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Szenenfoto des Konzertes

Dirigent Omer Meir Wellber Fotto Jens Gerber

Szenenfoto des Konzertes

Szenenfoto des Konzertes

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Grosso Concerto Gewandhausorchester,26. Okt 2023, besucht von Léonard Wüst

Das Gewandhaus und der Mendessohnbrunnen in Leipzig beiNacht

Andris Nelsons und das Gewandhausorchester intonieren erhaben

Besetzung und Programm:
Gewandhausorchester
Andris Nelsons Dirigent
Richard Wagner — Vorspiel und Isoldes Liebestod aus der Oper “Tristan und Isolde” WWV 90
Anton Bruckner — 9. Sinfonie d-Moll WAB 109

 

Es ist immer etwas ganz besonderes, ein Orchester in seinem Stammhaus zu erleben, erst recht dann, wenn es auch noch von seinem Chefdirigenten geleitet wird. Nachdem ich das Vergnügen schon vier Tage vorher hatte, allerdings unter Leitung des Gastdirigenten Omer Meir Wellber, war es jetzt soweit, dass Andris Nelsons, im Amt seit 208,  «sein» Orchester selbst dirigierte.

Ekstase im Gewandhaus Leipzig: Wagner und Bruckner unter Andris Nelsons

Andris Nelsons geballte Dirigentenpower
Andris Nelsons geballte Dirigentenpower

Das Gewandhaus Leipzig öffnete am 26. Oktober 2023 seine Türen für ein Konzert, das die Grenzen der musikalischen Wahrnehmung verschob. Unter der Leitung des charismatischen Chefdirigenten Andris Nelsons, in Leipzig  traditionell als Gewandhauskapellmeister bezeichnet,  präsentierte das Gewandhausorchester zwei monumentale Werke: Richard Wagners Vorspiel zu “Tristan und Isolde” und Anton Bruckners 9. Sinfonie in d-Moll.

Wagner’s Tristans Erwachen: Das Vorspiel, das die Seele berührt

Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber
Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber

Der Abend begann mit einem Aufschrei der Streicher, der sich in der Stille des Saals zu verlieren schien. Das Vorspiel zu “Tristan und Isolde” entfaltete sich mit einer Intensität, die die Zuhörer von der ersten Note an gefangen nahm. Andris Nelsons dirigierte mit einer Passion, die den Raum erfüllte und eine Atmosphäre schuf, die von Emotionen durchzogen war.

Die Mystik des sagenumwobenen Tristan Akkordes

Dirigent Andris Nelsons jeder Ton muss sitzen
Dirigent Andris Nelsons jeder Ton muss sitzen

Richard Wagners Vorspiel zu seiner bahnbrechenden Oper “Tristan und Isolde” ist ein episches Meisterwerk, das die Grenzen der klassischen Musik sprengt, den Hörer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt und einen  unauslöschlichen Eindruck hinterlässt., was schon mit dem mysteriösen weltberühmten «Tristan Akkord» beginnt.

Das Vorspiel zu “Tristan und Isolde” ist ein musikalisches Manifest der Leidenschaft. Schon die ersten Takte, gespielt von den Streichern, ziehen den Hörer unweigerlich in eine Welt intensiver Gefühle. Andris Nelsons versteht es meisterhaft, die Spannung aufzubauen und die emotionalen Nuancen dieses Stücks zu betonen. Die dynamische Bandbreite reicht von zarten, sehnsuchtsvollen Passagen bis hin zu kraftvollen, stürmischen Momenten.

Die Streicher des Gewandhausorchesters zauberten ein Klanggewebe, das den Zuhörer auf eine Reise durch die Tiefen von Tristans Leidenschaft und Sehnsucht mitnahm. Die dynamischen Kontraste wurden meisterhaft ausgearbeitet, von flüsternden Pianissimo-Passagen bis zu donnernden Fortissimo-Höhepunkten. Jeder Ton schien eine eigene Geschichte zu erzählen, und das Publikum lauschte gebannt.

Die Interpretation durch Andris Nelsons

Dirigent Andris Nelsons zeigt wos langgeht Foto Marco Borggreve
Dirigent Andris Nelsons zeigt wos langgeht Foto Marco Borggreve

Der gebürtige Lette Nelsons ist zweifellos ein Dirigent von Weltklasse. Seine Interpretation des Vorspiels zu “Tristan und Isolde” ist geprägt von einem tiefen Verständnis für Wagners musikalische Sprache. Er führt das Orchester mit einer Mischung aus Präzision und emotionaler Intensität, die die Essenz dieses Werks einfängt. Die Langsamkeit und Geduld, mit der er die melodischen Linien entwickelt, erzeugen eine fast hypnotische Wirkung, die den Hörer in den Bann zieht.

Die emotionale Reise

Dirigent Andris Nelsons beschwört seine  Mitmusiker
Dirigent Andris Nelsons beschwört seine Mitmusiker

Wagners Werk ist eine musikalische Reise in die dunkelsten und tiefsten Emotionen der menschlichen Seele. Es ist eine Reise durch die Leidenschaft, die Sehnsucht, die Verzweiflung und die Ekstase. Nelsons und das Gewandhausorchester navigieren durch diese emotionalen Abgründe mit bemerkenswerter Sensibilität und Intensität. In den Momenten der Ekstase fühlt man sich, als ob die Musik den Hörer in die Höhe hebt, während die Verzweiflung einen tiefen Abgrund öffnet.

Die Spannung bis zum Schluss

Konzert Szenenfoto
Konzert Szenenfoto

Das Vorspiel zu “Tristan und Isolde” ist keine leichte Kost. Es ist ein Stück, das den Hörer herausfordert und emotional erschöpft. Die Aufführung unter Andris Nelsons hält die Spannung bis zum letzten Ton aufrecht. Der dramatische Höhepunkt, der sich langsam aufbaut und schließlich in einem kraftvollen Crescendo gipfelt, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

Die Aufführung des Vorspiels zu “Tristan und Isolde” durch das Gewandhausorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten war ein triumphales Ereignis und hat gezeigt, dass Wagners Musik auch heute noch die Kraft hat, die tiefsten Emotionen in den Menschen hervorzurufen. Unter der einfühlsamen Leitung des 1978 geborenen Dirigenten und mit der Brillanz des Leipziger Klangkörpers wurde diese Aufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis, das noch lange in den Herzen der Zuhörer nachhallt. Es ist eine Erinnerung an die universelle Kraft der Musik, die in der Lage ist, die Grenzen des Verstandes zu überschreiten und direkt in die Seele zu sprechen. Das Auditorium würdigte diese Interpretation mit einem langenhaltenden stürmischen Applaus bevor man sich in die Foyers für die Konzertpause begab.

2. Programmteil: Zitat ab Programm des Gewandhausorchesers:

Andris Nelsons und das Gewandhausorchester intonieren erhaben
Andris Nelsons und das Gewandhausorchester intonieren erhaben

Kreise ziehen Kreise. Bruckner mit dem Gewandhausorchester ist zum Maßstab, zur Marke, zum Erfolgsgaranten und Exportschlager geworden. Tournee-Orte verlangen ein ums andere Mal danach. Für das singuläre Live-Erlebnis ist das irrelevant. Es zählt einzig der erfüllte Moment. Was mit Nikisch begann, wurde von den Gewandhauskapellmeistern Bruno Walter und Wilhelm Furtwängler, Hermann Abendroth und Herbert Albert, Franz Konwitschny, Kurt Masur und Herbert Blomstedt weitergereicht und ist nun bei Andris Nelsons angelangt. Tradition heißt: weitermachen. Immer wieder von vorn anfangen. Nie zu einem Ende gelangen. Fortschreiten. Auf Vergangenem aufbauen und Neues wagen. In der Wiederholung das Einmalige suchen. Vergegenwärtigen. Zitatende.

Bruckners Unvollendete: Die 9. Sinfonie in d-Moll

Konzert Szenenfoto
Konzert Szenenfoto

Nach einer 20 minütigen Konzertpause betrat das Orchester erneut die Bühne, um sich Anton Bruckners monumentaler 9. Sinfonie zu widmen. Diese Sinfonie, die Bruckner bis zu seinem Tod nicht vollenden konnte, wurde zu einem Vermächtnis, das die Unvollkommenheit des Lebens selbst einzufangen schien.

Andris Nelsons führte das Orchester durch die komplexen Strukturen und die reichen harmonischen Schichten der Sinfonie. Die langsamen, sich entfaltenden Passagen wurden mit einer zarten Sensibilität interpretiert, während die kraftvollen Tutti-Momente das Gewicht und die Größe von Bruckners musikalischem Denken betonten.

Das Werk offenbarte Bruckners Fähigkeit, eine klangliche Architektur zu schaffen, die die Zuhörer in eine Welt der Reflexion und Kontemplation entführte. Die Schönheit der Melodien wurde von den Bläsern des Gewandhausorchesters meisterhaft herausgearbeitet, während die Streicher eine texturierte Kulisse schufen, die den Hörer in einen Sog aus Klang und Emotion zog.

Nelsons’ Interpretation: Eine Symbiose aus Leidenschaft und Präzision

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Andris Nelsons erwies sich einmal mehr als ein Dirigent von außergewöhnlichem Talent. Seine Interpretationen von Wagner und Bruckner waren geprägt von einer tiefen Verbindung zu den Werken und einer klaren visionären Ausrichtung. Seine expressive Gestik und das feine Gespür für Dynamik verliehen der Aufführung eine Intensität, die das Publikum in den Bann zog.

Die Kommunikation zwischen Nelsons und dem Orchester war faszinierend zu beobachten. Jede Nuance der Partitur schien zwischen Dirigent und Musikern zu schweben, was zu einer Aufführung führte, die sowohl von Leidenschaft als auch von technischer Präzision geprägt war. Es war ein wahrhaft symbiotischer Moment zwischen Dirigent und Orchester.

Die Magie des Gewandhauses: Akustik und Atmosphäre

Gewandhausorchester Dirigent Andris Nelsons Foto Christian_ Modla
Gewandhausorchester Dirigent Andris Nelsons Foto Christian Modla

Die Akustik des Gewandhauses trug maßgeblich zum Erfolg dieses Konzerts bei. Jeder Klang, sei es das leiseste Flüstern der Streicher oder der donnernde Applaus des Publikums, wurde in einem harmonischen Gleichgewicht präsentiert. Die räumliche Tiefe und Klarheit der Akustik ermöglichten es den Zuhörern, in die Feinheiten der Musik einzutauchen.

Die Atmosphäre im Saal war eine Mischung aus andächtiger Stille und begeistertem Applaus. Die Zuschauer schienen den Atem anzuhalten, um keinen Moment der musikalischen Pracht zu verpassen. Nach jeder Darbietung brach ein Sturm der Anerkennung aus, der die Dankbarkeit des Publikums für die künstlerische Leistung widerspiegelte.

Fazit: Ein Abend der musikalischen Erleuchtung

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Insgesamt war dieses Konzert im Gewandhaus Leipzig nicht nur ein Höhepunkt der Saison, sondern ein Ereignis, das in die Geschichte des Orchesters eingehen wird. Die kraftvolle Interpretation von Wagner und die einfühlsame Darbietung von Bruckners 9. Sinfonie zeigten die Vielseitigkeit und das Können des Gewandhausorchesters unter der einfühlsamen Leitung von Andris Nelsons.

Dieser Abend war nicht nur ein Konzert; es war eine Reise durch die Tiefen der menschlichen Seele, eingefangen in den Noten von Wagner und Bruckner. Das Gewandhaus Leipzig bewies einmal mehr, warum es zu den führenden Konzerthäusern der Welt zählt. Und Andris Nelsons setzte seine Position als einer der herausragenden Dirigenten unserer Zeit eindrucksvoll fort. Ein Abend der musikalischen Erleuchtung, der noch lange in den Herzen der Zuhörer nachklingen wird und das dieses auch mit dem entsprechenden Applaus belohnte.

Text: www.leonardwuest.ch

Footos: https://www.gewandhausorchester.de/

Homepages der andern Kolumnisten:  www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch  www.maxthuerig.ch  www.marinellapolli.ch

Dirigent Andris Nelsons zeigt wos lang geht Foto Marco Borggreve

 

Szenenfoto des Konzertes

Gewandhauskapellmeiser Andris Nelsons

Gewandhausorchester Dirigent Andris Nelsons Foto Christian Modla

Gewandhausorchester Leipzig Foto Jens-Gerber

Dirigent Andris Nelsons beschwört seine Mitmusiker

 

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„Klarer Kompass für Klimaschutz“

Der Deutsche Umweltpreis der DBU geht dieses Jahr an Holzbaupionierin Dagmar Fritz-Kramer (2. v. l.) und Klimaforscherin Friederike Otto (3. v. l.) hier zusammen mit DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und dem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert.  Peter Himsel | DBU
Der Deutsche Umweltpreis der DBU geht dieses Jahr an Holzbaupionierin Dagmar Fritz-Kramer (2. v. l.) und Klimaforscherin Friederike Otto (3. v. l.) hier zusammen mit DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und dem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert. Peter Himsel | DBU

Deutscher Umweltpreis der DBU wird heute in Lübeck verliehen
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in
Osnabrück verleiht heute (Sonntag) in Lübeck den diesjährigen Deutschen
Umweltpreis von insgesamt 500.000 Euro, eine der höchstdotierten
Umweltauszeichnungen Europas. Überreicht wird der Preis von
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Klimawissenschaftlerin Prof.
Dr. Friederike Otto und Holzbau-Pionierin Dipl.-Ing. Dagmar Fritz-Kramer.
Trotz verheerender Kriege wie in der Ukraine und Nahost „machen die beiden
Preisträgerinnen Mut, nicht zu verzagen und Arten- sowie Umweltschutz
anzupacken“, sagten DBU-Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Kai Niebert und
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Ein „klarer Kompass für Klimaschutz“
sei mehr denn je notwendig. Die von Tatjana Geßler moderierte
Veranstaltung wird live übertragen: www.dbu.de/live.

Gefahr fürs Schelfeis und drohende Klima-Kipppunkte

Jüngste Studien bestätigen Nieberts und Bondes Aufruf: So kommt eine
Untersuchung des Polarforschungsprogramms Großbritanniens zum Schluss,
dass das Schelfeis in der westantarktischen Amundsensee komplett
abschmelzen könnte – selbst bei Erreichen des sogenannten 1,5-Grad-Ziels.
Auf der Pariser Weltklimakonferenz hatten sich die beteiligten 200 Staaten
2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5
Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Zudem warnt
ein Bericht der Vereinten Nationen vor irreversiblen Klima-Kipppunkten.
Als Schlüsselrisiken werden – neben der Gletscherschmelze – unter anderem
Artensterben, Dürren, Wassermangel und Weltraumschrott genannt.

Niebert: Nicht nachlassen bei Nachhaltigkeit und Transformation

Bonde verband damit seinen Appell, Klima- und Biodiversitätskrise „als
gemeinsames Aufgaben-Paket zu begreifen. Beides ist untrennbar miteinander
verbunden.“ Der DBU-Generalsekretär erneuerte seine Forderung vom Vortag
auf einem DBU-Symposium zum Thema: „Eine naturverträgliche Ökonomie muss
Standard werden.“ Bonde: „Was Wirtschaft leisten kann, stellt Baufritz-
Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer Tag für Tag unter Beweis.“ DBU-
Kuratoriumsvorsitzender Niebert mahnte angesichts der weltweit wütenden
Kriege, „dass wir nicht in Panik und Angst verfallen. Der Weg zur
Nachhaltigkeit und Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist
keine Schönwetterpolitik. Wir dürfen hier nicht nachlassen und müssen auch
in größten Krisen handlungsfähig bleiben.“ Ottos Arbeit sei dafür „enorm
wichtig“.

Bonde: Preisträgerinnen sind echte Inspiration und Motivation

Nach Bondes Worten sind Friederike Otto und Dagmar Fritz-Kramer „echte
Inspiration und Motivation, aus den bereits unübersehbaren Folgen der
Erderwärmung zu lernen und noch mehr Umwelt- und Ressourcenschutz
umzusetzen“. Friederike Otto vom Imperial College London habe sich als
„exzellente Klimawissenschaftlerin um die sogenannte
Zuordnungswissenschaft verdient gemacht“. Die auch Attributionsforschung
genannte Disziplin spürt der Frage nach, welche Rolle der Klimawandel beim
Wetter spielt – ob es also Zusammenhänge zwischen Klimaveränderungen und
Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren, Überflutungen und Starkregen gibt.
2015 hat die 41-jährige Klimawissenschaftlerin zusammen mit ihrem
mittlerweile verstorbenen niederländischen Kollegen Prof. Dr. Geert Jan
van Oldenborgh die Initiative World-Weather-Attribution (WWA) gegründet
und das Verfahren der Attribution von extremen Wetterereignissen zum
menschengemachten Klimawandel maßgeblich mitentwickelt. Drei Faktoren
zeichnen Ottos Arbeit aus: die schnelle Veröffentlichung wissenschaftlich
fundierter Erkenntnisse über mögliche Zusammenhänge zwischen globalem
Klimawandel und regionalem Extremwetter, neben Ursachenforschung auch die
Darstellung lokaler Folgen der globalen Klimakrise sowie schließlich
drittens Vorschläge für wirksame Anpassungsmaßnahmen.

Gebäudesektor Schlüsselfaktor für Klimaneutralität

Dagmar Fritz-Kramer ist als Geschäftsführerin des Allgäuer
Familienbetriebs Bau-Fritz GmbH & Co. KG, kurz Baufritz, Bonde zufolge
„Ideengeberin für neue Wege im Bausektor“. Das Unternehmen leiste
„vorzügliche Pionierarbeit“ und mache seit Jahrzehnten vor, wie Klima- und
Umweltschutz durch Fertigholzbau bei Häusern, Wohnungen und Sanierungen
gelinge. Baufritz sei Motor für Branche und Bauwende und der Baustoff Holz
„ein exzellenter Klimaschützer, der große Mengen an Kohlenstoff speichert
und auf diese Weise die Bildung von klimaschädlichem Kohlendioxid
verhindert“. Der Gebäudesektor ist ein Schlüsselfaktor, wenn Deutschland
wie geplant bis 2045 klimaneutral werden will: Er verursacht hierzulande
etwa 40 Prozent der bundesweit jährlich ungefähr 746 Millionen Tonnen
Emissionen an klimaschädlichen Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2).
Baufritz verarbeitet nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit Säge- und
Hobelwerken im 120-Kilometer-Radius pro Jahr vor allem „heimisches
Fichtenholz vor der Haustür“. Aus nahezu 11.900 Kubikmetern entstehen etwa
143.000 Quadratmeter Fläche – von Wänden über Dächer bis hin zu Decken.
Jedes Baufritz-Gebäude bedeute eine CO2-Ersparnis von rund 50 Tonnen, pro
Jahr also etwa 12.000 Tonnen Kohlendioxid. Und allein die Sanierung der
Gebäudehülle eines Hauses aus den 1950er-Jahren kann demnach den Verbrauch
an Heizenergie auf rund ein Viertel des ursprünglichen Zustands senken.

Traditionsreicher Handwerksbetrieb und international renommierte
Klimaforscherin

Diplom-Ingenieurin Dagmar Fritz-Kramer ist seit 2004 geschäftsführende
Gesellschafterin im Familienbetrieb, der 1896 seinen Anfang nahm und
mittlerweile in vierter Generation existiert. Klimawissenschaftlerin
Friederike Otto ist eine Leitautorin des sechsten Sachstandsberichts des
Weltklimarats (IPCC).

Daten, Zahlen, Fakten im DBU-Umweltpreis-Blog: https://www.dbu.de
/umweltpreis-blog/

Hintergrund:
Mit dem 2023 zum 31. Mal verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU werden
Leistungen von Menschen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und
Erhalt der Umwelt beitragen. Kandidatinnen und Kandidaten werden der DBU
vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind etwa Arbeitgeberverbände und
Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände,
wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgemeinschaften, Medien, das
Handwerk und Wirtschaftsverbände. Selbstvorschläge sind nicht möglich.
Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Expertinnen und
Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen
Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für
das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung.
Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten:
https://www.dbu.de/umweltpreis sowie https://www.dbu.de/umweltpreis-blog/

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