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Bochum,„Ein Juwel!“ – Komplett renovierte Basketballtrainingshalle eröffnet

 Trainingszentrum
Trainingszentrum

Hell, modern, auf dem neuesten Stand der Technik und für Profis geeignet – so zeigt sich die rundum erneuerte Basketballtrainingshalle an der Harpener Heide. „Wir wollen den Basketballsport in Bochum unterstützen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch bei der offiziellen Eröffnung und Übergabe der rundum erneuerten Halle an den VfL AstroStars Bochum 1848 e.V., die VfL SparkassenStars Bochum und die VfL Viactiv-Astroladies Bochum. „Nun haben die Profis hier beste Voraussetzungen.“ Die 1.600 Quadratmeter große Sportfläche an der Harpener Heide steht für eine neue Qualität im Bochumer Basketball. „Das ist ein Juwel“, freute sich Hans Peter Diehr, Gesellschafter der SparkassenStars Bochum. „Diese Trainingshalle gehört zu den Top-5-Hallen in Deutschland.“

 

Noch vor knapp einem Jahr lagerten in der Harpener Heide viele tausend Autoreifen. Dann begann der Umbau: Der Eigentümer, die Gebrüder Horstenkamp GbR, hatte sich verpflichtet, das Dach, Wände und das Licht herzurichten. Eine hochmoderne LED-Anlage sorgt nun nicht nur für professionelles Licht, sondern auch für sehr niedrige Stromverbräuche. Die Einbauten der Umkleiden und weitere Nutzungsräume entstanden ebenso wie ein Mannschafts-, ein Trainerraum, zwei Büros für die Verwaltung und ein Physio-Raum. Die Stadt übernahm den Einbau des professionellen Sport-Parkett-Bodens. Es ist der gleiche Boden wie in der Rundsporthalle, so dass sich die Spielenden nicht an einen anderen Belag gewöhnen müssen. Er erfüllt damit höchste Ligaansprüche. Der Verein brachte die vier Standkörbe (ein Korb allein wiegt 1,8 Tonnen) ein; auch das ein nicht unerhebliches Invest. Und er stattete die Besprechungs-, Büro- und Physioräume aus.

 

Der abgeschlossene Mietvertrag wurde in der Laufzeit an den Mietvertrag für das sonstige Sportzentrum angeglichen, so dass es eine Planungssicherheit von elf Jahren mit einer Option von weiteren zehn Jahren gibt. Die Halle ist von dem restlichen Gebäudeensemble komplett abgeschottet. Nur so und mit einem speziellen Schließsystem ist es möglich, dem Profisport letztlich Trainingszeiten rund um die Uhr und an jedem Tag im Jahr einzuräumen.

 

Letztlich profitieren alle Basketball-Vereine von diesem Projekt: In den Nachmittags- und Abendstunden stehen hier nunmehr Trainingszeiten für weitere Herrenmannschaften, die Damen und die Jugend des VfL bereit. Diese machen dafür entsprechende Hallenzeiten in anderen städtischen Hallen frei, die wiederum von der Sportverwaltung an andere Vereine vergeben werden. Auf diese Art profitiert nicht nur der professionelle Basketballsport, sondern die gesamte Breite der in Bochum boomenden Sportart.

 

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Wiederbelebung bei Herzstillstand: Mit dem „Brainsaver“ Hirnschäden vermeiden

Neue Technik soll Lücke in der Reanimation schließen. Mediziner am
Uniklinikum Leipzig entwickeln in einem interdisziplinären
Kooperationsprojekt für Ersthelfer ein Messgerät, das anzeigt, ob die
Herzdruckmassage für ausreichend Hirndurchblutung sorgt. Herzstiftung
fördert mit 95.000 Euro

Bei einem Herzstillstand müssen Ersthelfer sofort mit der Herzdruckmassage
beginnen, um das Überleben der betroffenen Person zu sichern, bis
Rettungskräfte das stillstehende Herz wieder zum Schlagen bringen können.
Mit der Herzdruckmassage überbrücken Ersthelfer die ausgesetzte
Pumpfunktion des Herzens, indem sie mit gestreckten Armen das Brustbein
tief (5 bis 6 cm) und schnell (100- bis 120-mal pro Minute) in Richtung
Wirbelsäule drücken: so wird das Blut und damit Sauerstoff in den
Körperkreislauf und zum Gehirn gepumpt, sodass Gehirnzellen vor dem
Absterben bewahrt werden (Infos: https://herzstiftung.de/wiederbelebung).
„Die Herzdruckmassage ist für das Überleben des Notfallpatienten und für
die Vermeidung schwerer Langzeitschäden an Gehirn und anderen Organen bis
zum Eintreffen der Rettungskräfte entscheidend“, betont der Kardiologe
Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. Jährlich sterben in Deutschland mehr als 65.000 Menschen am
plötzlichen Herztod.
In dem Forschungsprojekt „BRAINSAVER“ (engl. für „Hirnretter“) nehmen
Leipziger Forscher um den Kardiologen PD Dr. med. Karsten Lenk,
geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Kardiologie
(Direktor: Prof. Dr. Ulrich Laufs) am Universitätsklinikum Leipzig und
weitere Wissenschaftler des Innovation Centers for Computer Assisted
Surgery (ICCAS) der Universität Leipzig und der Gesellschaft für
Angewandte Medizinische Physik und Technik (GAMPT) in Merseburg die
Qualität der Herzdruckmassage als entscheidende Komponente in den Fokus
ihrer Arbeit. Unterstützt wird die Forschungsarbeit mit Fördermitteln der
Herzstiftung in Höhe von 95.000 Euro im Rahmen der
Sonderforschungsförderinitiative „Plötzlicher Herztod“. Infos zu den elf
Projekten der Sonderförderinitiative „Plötzlicher Herztod“ (Volumen: eine
Mio. Euro) unter https://herzstiftung.de/forschung-herztod
Dr. Lenk und Kollegen haben mit dem Kooperationsprojekt „Brainsaver“ den
Prototyp eines ultraschallgestützten Messgerätes in einer Halskrause
entwickelt, mit deren Hilfe sich schon beim Ausüben der Herzdruckmassage
erkennen lässt, ob durch das Drücken die ausreichende Menge Blut durch den
Körperkreislauf und so auch in das Gehirn des Notfallpatienten gepumpt
wird.

Brainsaver misst wie „Wearable“ den Blutfluss durch die Halsschlagader
Studien haben bereits darauf hingewiesen, dass der Blutfluss durch die
Halsschlagader ein Zeichen dafür ist, wie gut die Herzdruckmassage
ausgeführt wird. „Ziel ist es ja, mit der Herzdruckmassage das Gehirn
weiter mit dem noch im Körper vorhandenen sauerstoffreichen Blut zu
versorgen, bis das Herz wieder in Gang kommt“, erklärt Lenk. Zeit ist
Leben beim Herzstillstand: Mit jeder Minute, die ohne Herzdruckmassage
vergeht, sinken die Überlebenschancen um zehn Prozent. Zudem verlassen von
den jährlich mindestens 50.000 reanimationspflichtigen Menschen in
Deutschland nur ca. zehn Prozent der Patienten die Klinik mit einem
akzeptablen neurologischen Ergebnis ohne schwere Langzeitschäden, schätzen
Experten (1,2). „Die Herzdruckmassage ist dabei von so existenzieller
Bedeutung, so dass sie unverzüglich, effektiv und korrekt durchzuführen
ist“, betont Dr. Lenk.

Der Brainsaver lässt sich leicht anwenden
Die Leipziger Forscher haben deshalb die Halskrause mit einer integrierten
Doppler-Sonographie-Sonde so entwickelt, dass sie sich von Rettungsteams
auch ohne vorherige umfassende Sonographie-Ausbildung anwenden lässt. Die
Halskrause besteht aus einem Immobilisationskragen, der in der Intensiv-
und Notfallmedizin zum Schutz des Hals-Nackenbereichs zum Einsatz kommt.
Dank einer Auswertungssoftware zeichnet das Gerät automatisiert
Blutflussgeschwindigkeiten auf und zeigt sie auf einem mobilen Monitor,
der mit dem Brainsaver verbunden ist, an. Ein Signalton soll die
Ersthelfer während der Herzdruckmassage warnen, sobald die
Ultraschallsonde eine Unterversorgung des Körperkreislaufs anzeigt. „Als
Anhaltspunkt dient der Sonde der Blutfluss in der Halsschlagader, der
Arteria Carotis Communis, die das Gehirn mit Blut versorgt“, erklärt Dr.
Lenk. Den Forschern ist die Aussagekraft des Blutflusses in der
Halsschlagader in vielerlei Hinsicht wichtig:
- für die Bestimmung der Wirksamkeit der Herzdruckmassage,
- für die Prognoseabschätzung und
- sie ermöglicht Feedback für die Durchführenden der Herzdruckmassage.

Der Brainsaver-Prototyp, den Dr. Lenk und sein Kollege Dr. Georg Stachel,
Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und der Zentralen
Notaufnahme am Universitätsklinikum Leipzig, in Zusammenarbeit mit dem
ICCAS und GAMPT entwickelt haben, enthält einen Algorithmus, der die Tiefe
des Zielgefäßes unter der Haut bestimmt und den Messbereich des
Ultraschallgeräts angibt. „Dabei sind eine schnelle und mühelose
Platzierung der Ultraschallsonde und eine zuverlässige automatische
Erfassung des Flussspektrums eine der wichtigsten technischen
Voraussetzungen für einen klinischen Einsatz der Halskrause“, erklärt Dr.
Lenk.
Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung und Realisierung des
Brainsaver-Prototyps war Dr. Lenk zufolge die interdisziplinäre
Zusammenarbeit zwischen den Ärzten der Klinik und Poliklinik für
Kardiologie sowie der Zentralen Notfallaufnahme am Universitätsklinikum
Leipzig, den Ingenieuren Reinhard Fuchs und Prof. Dr. Thomas Neumuth vom
ICCAS sowie dem Physiker Dr. Michael Schultz von GAMPT.

Erste Methodentests an Probanden waren vielversprechend
Erste Tests an Probanden aus der Forschungsgruppe sind vielversprechend.
Der Brainsaver muss allerdings stufenweise im klinischen Bereich erprobt
werden. In einer ersten Testphase zur technischen Machbarkeit muss sich
der „Hirnretter“ am Leipziger Universitätsklinikum an 100 Patienten ohne
Kreislaufstillstand und anschließend bei Patienten auf den Intensiv- und
Überwachungsstationen der Uniklinik bewähren: bei 96 Patienten im
Schockgeschehen und bei 80 Patienten unter Reanimation. „Wir prüfen nun
den Nutzen des Geräts, damit vielleicht künftig alle Rettungseinheiten –
zunächst in Leipzig – damit ausgestattet werden.“
(Wi)

Literatur

(1) Striebel HW. Anästhesie Intensivmedizin Notfallmedizin. Stuttgart:
Schattauer GmbH.
2017;9.
(2) Fischer, M., Wnent, J., Gräsner, J.-T., Seewald, S., Brenner, S.,
Bein, B., Ristau, P., Bohn, A. & die teilnehmenden Rettungsdienste im
Deutschen Reanimationsregister (2023). Öffentlicher Jahresbericht 2022 des
Deutschen Reanimationsregisters: Außerklinische Reanimation 2022.
https://www.reanimationsregister.de/themen/jahresberichte.html

1 Million Euro für Forschung zum plötzlichen Herztod (Früherkennung –
Diagnose – Therapie)
Die Deutsche Herzstiftung hat eine Fördersumme von einer Million Euro für
wegweisende Forschungsinitiativen in diesem Bereich bereitgestellt. Ein
sachkundiges Gutachtergremium hat die 46 eingehenden Bewerbungen einer
sorgfältigen Bewertung unterzogen und die Gesamtfördersumme auf 11
Projekte aufgeteilt. Nähere Infos unter:  https://herzstiftung.de
/forschung-herztod

Herz-Kreislauf-Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos zur Forschung unter
https://herzstiftung.de/forschung-und-foerderung

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Erfolg für den Naturschutz: Die Saiga-Antilope ist nicht mehr 'vom Aussterben bedroht'

Diese positive Statusänderung in der Roten Liste spiegelt die
bemerkenswerte Erholung der Art in Kasachstan wider. Zurückzuführen ist
das auf konsequente und koordinierte Bemühungen zur Erhaltung der Art.

(Frankfurt 11. Dezember 2023) Normalerweise kommen von der Roten Liste der
bedrohten Arten nur schlechte Nachrichten. Immer mehr Arten finden ihren
Platz darauf. Doch heute, am 11. Dezember 2023, gab es eine positive und
sehr bemerkenswerte Änderung: Der Status der Saiga-Antilope (Saiga
tatarica) auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN änderte sich
von "vom Aussterben bedroht" auf "potenziell gefährdet".

Solche positiven Änderungen auf der Roten Liste sind selten. Im Falle der
Saiga-Antilope spiegelt das "Downgrading" die bemerkenswerte Erholung der
Saiga-Populationen in Kasachstan wider. Von bedrohlich wenigen Tieren im
Jahr 2005 (geschätzt nur 39.000) hat sich der Bestand auf jetzt über 1,9
Millionen erholt.

Dieser Erfolg ist der Arbeit all derer zu verdanken, die sich über gut
zwei Jahrzehnte hinweg für den Schutz der Saiga eingesetzt haben: die
kasachische Regierung und die Regierungen anderer Staaten, in denen Saigas
leben, Forschungsorganisationen und nationale sowie internationale NGOs.
Zu diesen zählen die Saiga Conservation Alliance, der NABU, die Wildlife
Conservation Society und der WWF-Mongolei und besonders die Altyn Dala
Conservation Initiative. In dieser zusammengeschlossen sind wiederum die
kasachische Regierung, die Association for the Conservation of
Biodiversity of Kazakhstan [ACBK], Fauna & Flora International, die
Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die Royal Society for the
Protection of Birds, RSPB. Von entscheidender Bedeutung war auch die
zuverlässige und langfristige Unterstützung verschiedener Geber.

"Dies ist eine der erfolgreichsten Erholungen eines Landsäugetiers, die je
verzeichnet wurden. Es zeigt, wie effektiv der Naturschutz sein kann, wenn
alle Beteiligten mit einer starken Mission und ausreichenden Mitteln
zusammenarbeiten", sagt Vera Voronova, Geschäftsführerin von ACBK, einer
kasachischen Organisation und Hauptpartner der Altyn Dala Conservation
Initiative.

"Wir müssen sicherstellen, dass die Schutzmaßnahmen in Kasachstan und den
Nachbarländern ausgeweitet werden, um die langfristige Erholung der Saiga-
Antilope in allen Verbreitungsgebieten zu gewährleisten", so Voronova.

Populationsrückgang über Jahrzehnte

Saiga-Antilopen leben schon seit der letzten Eiszeit auf unserer Erde. Sie
haben das Wollmammut und den Säbelzahntiger überlebt. Als selektive
Grasfresser spielen sie eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie die
Vegetation beeinflussen, Nährstoffe verteilen und so die biologische
Vielfalt in ihrem Lebensraum befördern. In den frühen 1990er Jahren gab es
schätzungsweise eine Million Saigas in Russland und Zentralasien, aber bis
2003 war ihr Bestand stark zurückgegangen, so dass nur noch sechs Prozent
der Population übrig waren.

Die Gründe für diesen Rückgang sind komplex. Nach dem Zusammenbruch der
ehemaligen Sowjetunion gab es jahrzehntelang Wilderei zur Gewinnung von
Fleisch und Hörnern (für die asiatische Medizin). Aber auch
Infrastrukturausbau und Fragmentierung der Landschaft spielten eine Rolle.

Das einzigartige Comeback der Saigas

Die kasachische Regierung hat einen großen Anteil am Erfolg, da sie massiv
in eine Reihe wirkungsvoller Maßnahmen zum Saiga-Schutz investiert hat,
darunter Initiativen zur Bekämpfung der Wilderei, Strafverfolgungs- und
Grenzkontrollmaßnahmen und die Einrichtung einer Reihe neuer
Schutzgebiete. Es wurden mehrere staatliche Schutzgebiete mit einer Fläche
von über fünf Millionen Hektar eingerichtet, zuletzt das 657.450 Hektar
große Bokey Orda-Ashiozek-Schutzgebiet in Westkasachstan. Umfassende
Forschungs- und Überwachungsmaßnahmen zur Bewertung der Populationen, des
Vorkommens, der Ökologie und der Migrationsrouten der Art sowie Bemühungen
zur Bekämpfung der Wilderei sind im Gange.

Die Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals -
CMS hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, Regierungen und
zivilgesellschaftliche Organisationen aus dem gesamten Saiga-
Verbreitungsgebiet zusammenzubringen, um ein internationales
Arbeitsprogramm zur Erhaltung und zur nachhaltigen Nutzung der Saiga-
Antilope zu vereinbaren und anschließend umzusetzen.

"Wir freuen uns sehr, diesen großen Moment für den Schutz der Saigas
feiern zu können", sagt Michael Brombacher, Leiter der Europaabteilung der
Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. "Die ZGF ist stolz darauf, Teil der
engagierten Saiga-Schutzgemeinschaft zu sein, und wir werden auch in
Zukunft die wichtige Arbeit zur Wiederherstellung der Steppe fortsetzen."

Die Art wird nur dann langfristig stabil bleiben, wenn sie ihre Rolle im
Ökosystem in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet wiedererlangt. Anhaltende
Wilderei, illegaler Handel, Krankheiten, Klimawandel, Störungen und die
Entwicklung von Infrastruktur stellen noch immer eine Bedrohung für die
Saiga dar. Die neue Einstufung der Art in die Kategorie "potenziell
gefährdet" spiegelt auch das Risiko wider, dass sich ihr Status schnell
wieder verschlechtert, wenn nicht kontinuierlich Schutzmaßnahmen ergriffen
werden. Wir, die Gemeinschaft der Naturschützer, setzen uns weiterhin
unermüdlich für diese wunderbare Tierart ein.

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Superreiche besitzen mindestens 1,4 Billionen Euro, Steuersätze seit Mitte der 1990er drast

Neue Studie

Deutsche Milliardenvermögen: Superreiche besitzen mindestens 1,4 Billionen
Euro, Steuersätze seit Mitte der 1990er drastisch reduziert

Die Vermögen superreicher Haushalte in Deutschland dürften weitaus größer
sein als in Forschung, Medien und Öffentlichkeit angenommen.

Allein die mehr als 200 Milliardenvermögen im Land könnten
zusammengerechnet statt rund 900 Milliarden Euro mindestens 1400
Milliarden Euro umfassen, möglicherweise sogar noch deutlich mehr. Das
entspricht gut einem Drittel bis der Hälfte des jährlichen deutschen
Bruttoinlandsprodukts (BIP) und verteilt sich auf lediglich rund 4300 sehr
reiche Haushalte. Gründe für die deutliche Unterschätzung der
Milliardenvermögen sind, dass es mehr davon geben dürfte als bislang
angenommen. Zudem sind die bekannten Supervermögen in bisherigen Analysen
teilweise unterbewertet, etwa weil Gewinnausschüttungen nicht voll erfasst
sind oder Unternehmensanteile oder Immobilien in ihrem Wert unterschätzt
werden. Das ergibt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte
Studie.

Die Untersuchung zeigt auch: Wichtige Steuersätze zur Besteuerung der
Erträge aus Milliardenvermögen sind seit 1996 deutlich gesenkt worden.
Neben der Aussetzung der Vermögensteuer hat sich beispielsweise der
Steuersatz auf nicht ausgeschüttete Gewinne seit 1996 in etwa halbiert.
Ein weiteres Ergebnis: Die meisten der über 200 Milliardenvermögen in
Deutschland stehen zwar mit großen Unternehmen in Zusammenhang und
entfallen meist auf Mitglieder der (ehemaligen) Eigentümerfamilien. In
knapp jedem fünften Fall beruht das aktuelle Vermögen aber im Wesentlichen
schlicht auf dem Verkauf der Firma. Und auch, wenn Familien noch
wirtschaftlich mit einem Unternehmen verbunden sind, wird dieses nur in
gut der Hälfte dieser Fälle durch Familienmitglieder gemanaged. Bei der
anderen Hälfte beschränkt sich die Rolle der Familie auf eine
Mitgliedschaft in den Kontrollgremien oder eine stille Teilhaberschaft.
Bei der Mehrzahl der Milliardenvermögen kann daher nicht von
„Unternehmertum“ als direkter Quelle des Reichtums die Rede sein,
konstatieren die Studienautor*innen Julia Jirmann und Christoph
Trautvetter von der Nichtregierungsorganisation Netzwerk
Steuergerechtigkeit – anders als es Interessengruppen Vermögender oft
darstellten.

Wie viel besitzen die Superreichen in Deutschland? Einigermaßen genau weiß
es bislang niemand. Die Datenlage zu sehr großen Vermögen ist sehr
lückenhaft. Seit in den 1990er Jahren die Vermögensteuer ausgesetzt wurde,
haben die Steuerbehörden keinen systematischen Überblick. Auch
Datenquellen wie der Mikrozensus oder das sozio-oekonomische Panel (SOEP)
enthalten kaum verwertbare Zahlen zu Superreichen und ihrem Besitz. Denn
deren Zahl ist so klein, dass sie selbst von großen Stichproben kaum
erfasst werden. Zudem sind viele Befragungen freiwillig. Um sich der
Realität wenigstens anzunähern, nutzen verschiedene Forscher ergänzend so
genannte „Reichenlisten“, die von Wirtschaftsmedien recherchiert werden.
Auch der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beruft sich auf
diese Listen und verzichtet bisher auf eigene Analysen zu den
Milliardenvermögen.

Mehr transparente Informationen zu Supervermögen wichtig für politische
Entscheidungen

Dabei sei es politisch besonders relevant und wissenschaftlich machbar,
beim Thema Milliardenvermögen die Datenlücken zu verkleinern, betonen
Jirmann und Trautvetter. „Geeignete Maßnahmen gegen die zunehmende
Ungleichheit scheitern an politischem Widerstand und an weitverbreiteten
Mythen und Fehleinschätzungen der Öffentlichkeit zu Vermögensverteilung
und  -besteuerung.“ Wo Informationen fehlen, habe Lobbyismus leichtes
Spiel, mehr unabhängige Reichtumsforschung sei dringend nötig. Die
Böckler-geförderte Studie leistet dazu einen Beitrag, ihr Datensatz ist
öffentlich abrufbar – anders als bei anderen Untersuchungen zu
Hochvermögenden, wie sie beispielsweise die Stiftung Familienunternehmen
in Auftrag gibt, so die Forschenden (Link zum Datensatz unten).

Jirmann und Trautvetter haben die Datenrecherche und -analyse in ihrer
Studie deutlich verfeinert. Dabei gehen sie aus von den
„Milliardärslisten“, die die Wirtschaftzeitschriften „Forbes“ und
„Manager-Magazin“ jährlich veröffentlichen. Beide Listen werden
detailliert abgeglichen, zusätzlich integrieren die Expert*innen
Informationen aus zahlreichen weiteren öffentlich zugänglichen Quellen wie
Unternehmensdatenbanken. Damit lassen sich die Milliardenvermögen in
Deutschland, auf die sich die Studie konzentriert, besser als bisher
abschätzen. Das führt unter anderem dazu, dass die Forschenden zum
jetzigen Stand 11 zusätzliche Milliardenvermögen identifizieren, die
bislang nicht auf den Listen waren.

In der Systematik orientieren sich die Forschenden am Vorgehen des
„Manager-Magazins“ und nehmen als Ausgangspunkt für die Abgrenzung
nicht das individuelle Eigentum einzelner Personen, sondern Vermögen, die
in einem engen Bezug zueinander stehen und insgesamt mindestens eine
Milliarde Euro umfassen – häufig ein Mehrfaches davon. Diese Bezüge
ergeben sich meist durch familiäre Bande und/oder Verbindungen zu
Unternehmen, die nach Schätzung der Fachleute bei rund 90 Prozent der
Milliardenvermögen ursprüngliche Quelle des Reichtums waren oder sind.

Zentrale Ergebnisse:

- Für eine der in Deutschland meist verwendeten Quellen der
Reichtumsforschung, die „Reichenliste“ des „Manager Magazins“ zeigen die
Forschenden, dass diese sowohl die Anzahl als auch die Höhe der
Milliardenvermögen untererfasst. Mit den zusätzlich  identifizierten elf
weiteren Milliardenvermögen ergibt sich eine erweiterte Liste mit 237
Einträgen für 2023.

- Der Gesamtwert der deutschen Milliardenvermögen dürfte weitaus größer
sein als die in der gerade aktualisierten „Reichenliste“ des „Manager-
Magazins“ geschätzten etwa 900 Milliarden Euro. Das liegt zum einen an den
jetzt zusätzlich recherchierten elf Vermögen, die einen Wert von
mindestens rund 70 Milliarden bis 120 Milliarden Euro haben. Zum anderen
zeigen der Abgleich und die vertiefte Analyse einzelner Beispiele, dass
privates – vor allem aus am Kapitalmarkt reinvestierten
Gewinnausschüttungen gespeistes – Vermögen untererfasst ist und die
Unternehmen, deren Besitz einen wesentlichen Teil der Milliardenvermögen
ausmacht, zumindest teilweise unterbewertet sein dürften. Tatsächlich
dürfte der Wert der deutschen Milliardenvermögen laut der neuen Studie
mindestens etwa 1,4 Billionen Euro betragen. Aber auch 2 Billionen
erscheinen den Forschenden nicht unplausibel, wenn man unter anderem
volkswirtschaftliche Vermögensanalysen und Schätzungen zu Vermögen in
Offshore-Standorten mit einbezieht.

- Um wissenschaftliche Analysen zur Struktur der Milliardenvermögen zu
ermöglichen, bereitet die Studie die 237 Einträge der erweiterten Liste in
einem konsistenten Datensatz mit insgesamt 212 Milliardenvermögen auf. So
werden beispielsweise unterschiedlichen Personen zugeordnete Einträge, die
sich im Wesentlichen auf Teilvermögen eines Milliardenvermögens beziehen,
zusammengefasst.

- Hinter den 212 Milliardenvermögen stehen nach der Analyse rund 4300
Haushalte, wobei es eine erhebliche Streuung gibt: Etwa 2700 dieser
Haushalte halten Anteile an 11 Großvermögen, wohingegen sich 114 andere
Milliardenvermögen auf je drei bis maximal neun Haushalte verteilen und
weitere 33 jeweils sogar auf weniger als drei. Nur ein kleiner Teil aller
Haushalte, die an Milliardenvermögen partizipieren, hat ein individuelles
Eigentum von einer Milliarde Euro oder mehr, „aber fast alle gehören zu
den vermögendsten 0,1 Prozent“ in Deutschland, schreiben Jirmann und
Trautvetter. Menschen in diesem Segment der Verteilung können in der Regel
sehr gut von den Erträgen ihres Vermögens leben und müssen nicht arbeiten.
Vermögen in dieser Liga können zudem zur „generationenübergreifenden
Sicherung von Status und Macht“ dienen.

- Während „intensive Lobbyarbeit“ dafür gesorgt habe, „dass
Milliardenvermögen oft mit Unternehmertum gleichgesetzt wird“, ergibt die
datengestützte Strukturanalyse der Expert*innen, dass 38 der 212
Milliardenvermögen aktuell nicht oder nicht mehr auf einem mit der Familie
verbundenen Unternehmen beruhen. Das entspricht 18 Prozent. Grund dafür
ist vor allem der Verkauf des Unternehmens und die Reinvestition der
Erlöse am Finanzmarkt.

- Von den verbliebenen 174 „Familienunternehmen“ werden lediglich 95 noch
aktiv durch Familienmitglieder gemanaged (55 Prozent). Nur in neun dieser
Unternehmen übernimmt eine weibliche Person die wichtigste Rolle und/oder
hält den größten Anteil. Ein ostdeutsches Milliardärsunternehmen gibt es
auch über dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung zumindest laut den
Daten nicht.

- Die Forschenden zeigen zudem, dass die Besteuerung der Erträge aus den
Milliardenvermögen meist weitaus niedriger ist als noch vor knapp 30
Jahren. Neben der Aussetzung der Vermögensteuer hat sich beispielsweise
der Steuersatz auf nicht ausgeschüttete Gewinne seit 1996 fast halbiert –
von über 57 Prozent auf unter 30 Prozent. Zum Vergleich: Der Steuersatz
auf durchschnittliche Arbeitseinkommen hat sich im gleichen Zeitraum nur
geringfügig von 21 auf 18 Prozent reduziert. Zusätzlich leisten
Arbeitseinkommen über die Sozialabgaben einen wesentlichen Beitrag zur
Finanzierung der sozialen Sicherung – anders als Kapitaleinkommen aus
Milliardenvermögen.

Ausweichen ins Ausland zur Steuervermeidung erschwert

Schließlich unterziehen die Forschenden auch typische Vorbehalte gegen
eine höhere Besteuerung sehr hoher Vermögen einem Realitäts-Check, ebenso
Argumente für noch günstigere Steuerregeln. Dabei zeigt sich etwa: Während
die steuerliche Begünstigung von einbehaltenen Gewinnen vom Gesetzgeber
mit der Erwartung auf eine Reinvestition betrieblicher Gewinne und auf die
Schaffung von Arbeitsplätzen begründet wurde, besteht dieser direkte Bezug
nicht immer. „Einige Unternehmen verwenden die thesaurierten Gewinne zum
Kauf von kurzfristigem Finanzvermögen oder Barrücklagen oder für
Unternehmenszukäufe und Investitionen im Ausland", schreiben Jirmann und
Trautvetter.
Eine verstärkte legale Steuerflucht als Reaktion auf eine stärkere
Heranziehung von Milliardenvermögen erwarten die Fachleute mit Blick auf
ihren Datensatz nicht, u.a. weil die mittlerweile geltende sogenannte
Wegzugsbesteuerung einen Umzug zur Steuerminimierung unattraktiver macht.
Steuervermeidung und Steuerhinterziehung spielten laut öffentlichen
Quellen, die Jirmann und Trautvetter ausgewertet haben, auch bei einigen
deutschen Milliardenvermögen eine gewisse Rolle. Generell kämen zudem
Analysen aus Europa und den USA zu dem Ergebnis, dass Superreiche im
Vergleich zu anderen Einkommensgruppen auch prozentual die höchste
Steuerhinterziehung aufwiesen und dabei unterdurchschnittlich oft entdeckt
würden. Allerdings haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Reihe
von Reformen – von der Meldepflicht für Steuergestaltungsmodelle bis zum
automatischen Austausch von Informationen zu Finanzkonten –
Steuervermeidung und Steuerhinterziehung erschwert. Die Verschiebung
großer Vermögen ins Ausland sei insgesamt schwieriger geworden.

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