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Korallenriffe als ein Fenster in die Vergangenheit und Zukunft

nternationale Expedition vor der Küste von Hawai’i gestartet

Ein Blick zurück auf die Umweltveränderungen im Laufe der Erdgeschichte
kann uns viel über die Zukunft verraten – insbesondere, wenn es um global
und gesellschaftlich wichtige Themen wie den Meeresspiegel, den
Klimawandel und die Gesundheit des Korallenriff-Ökosystems geht. Eine
internationale wissenschaftliche Forschungsexpedition, die im Auftrag des
International Ocean Discovery Program (IODP) durchgeführt wird, zielt
darauf ab, die Klima- und Riffbedingungen der Vergangenheit vor der Küste
von Hawai’i (USA) aufzuzeichnen. Die zweimonatige Forschungsexpedition
wird Ende August den Hafen von Honolulu verlassen.

Korallenriffe reagieren sehr empfindlich auf den Meeresspiegel und andere
Veränderungen der Umweltbedingungen. Als Fossilien halten sie eine
Aufzeichnung vergangener Bedingungen über Hunderte, Tausende und Millionen
Jahre der Erdgeschichte bereit. In den weltweiten Aufzeichnungen der
letzten 500.000 Jahre gibt es jedoch Unterbrechungen, vor allem während
Zeiten, in denen das Klima plötzlich sehr instabil wurde. IODP-Expedition
389 „Hawai'ian Drowned Reefs“ ( „Versunkene hawaiianische Riffe“)
konzentriert sich auf dieses fehlende Glied.  Wissenschaftliche
Fahrtleitende sind Professor Christina Ravelo (Ocean Sciences Department
an der University of California, Santa Cruz, USA) und Professor Jody
Webster (School of Geosciences), der University of Sydney, Australien).

Prof. Christina Ravelo: „Die fossilen Riffe von Hawai’i sind
Geschichtenerzähler der vergangenen Klima- und Ozeanveränderungen und der
Reaktionen des Riffökosystems auf diese Veränderungen. Wir möchten diese
Geschichten durch sorgfältige Untersuchung der Fossilien, die wir zu
bergen hoffen, aufdecken und teilen.“

Prof. Jody Webster: „Wir hoffen, dass die in den fossilen Riffen
aufgezeichneten Informationen den Wissenschaftlern helfen werden, bessere
Vorhersagen über Geschwindigkeit und Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs zu
treffen, welche Auswirkungen die globale Erwärmung und Abkühlung auf
kurzfristige Klimaphänomene wie Dürren, Überschwemmungen und marine
Hitzewellen hat, und wie Korallenriff-Ökosysteme auf diese Veränderungen
reagieren.“

Dr. Thomas Felis, Leiter der Arbeitsgruppe Korallen-Paläoklimatologie am
MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen,
ist Mitglied des Expeditionsteams. „Nach früheren Korallenriff-
Bohrexpeditionen zum Great Barrier Reef und nach Tahiti, an denen ich
beteiligt war, bietet sich nun in Hawai'i die einmalige Gelegenheit, noch
viel weiter in die Vergangenheit zurückzugehen, hoffentlich bis zu einer
halben Million Jahre", sagt Thomas Felis. Er koordiniert auch das DFG-
Schwerpunktprogramm "Tropische Klimavariabilität & Korallenriffe" (SPP
2299), ein deutschlandweites Verbundprojekt, das ein besseres Verständnis
der Klimavariabilität in den tropischen Ozeanen und ihrer Auswirkungen auf
das Ökosystem der Korallenriffe in einer sich erwärmenden Welt zum Ziel
hat. „Ich freue mich sehr, dass vier Forschende aus unserem Programm
eingeladen wurden, zur IODP-Expedition 389 nach Hawai'i beizutragen“, so
Felis.

Ziel der Expedition ist es Bohrkerne aus Wassertiefen zwischen 134 und
1.155 Metern an zwanzig Stellen zu bergen. Auch wenn dies das erste Mal
ist, dass in diesem Gebiet ein Ozeanbodenbohrgerät eingesetzt wird, sind
die geplanten Lokationen gut voruntersucht. „Wir haben eine sehr gute
Vorstellung davon, wie der Meeresboden vor der Küste von Hawai’i aussieht,
Wissenschaftler:innen haben in den letzten vier Jahrzehnten mit
Tauchbooten und ferngesteuerten Tauchrobotern umfangreichen Kartierungen
mit Unterwassersonaren sowie Filmmaterial und Oberflächenproben
gesammelt“, sagt Jody Webster. „Diese Informationen haben uns geholfen,
die besten Lokationen für die sorgfältige Gewinnung der Kerne auszuwählen,
die unser Verständnis der Geschichte des Riffsystems erheblich vertiefen
werden“, fügt Christina Ravelo hinzu.

Die Universität von Hawai’i ist eine Partnerinstitution dieser Expedition
und verfügt über eine lange Tradition in der Wissenschaft in den Bereichen
Korallenriffe, Küstenphänomene und Küstengeologie. Hawai’ianische
Wissenschaftler haben den Anstieg des Meeresspiegels und seine
Auswirkungen untersucht und hervorgehoben, wie wichtig dieses Wissen für
das Formulieren einer Strategie zur Eindämmung des Klimawandels und zur
Stärkung der Resilienz in der Zukunft ist. Prof. Kenna Rubin, anorganische
Geochemikerin an der University of Hawai'i at Manoa, Department of Earth
Sciences, war von Anfang an an der Planung der Expedition beteiligt und
wird eine wichtige Teilnehmerin sein.

Prof. Kenna Rubin: „Die detaillierten, hochauflösenden zeitlichen und
zusammengesetzten Abfolgen, die wir von dieser Expedition erwarten, werden
unser Wissen über die Reaktionen auf den Klimawandel erheblich erweitern
und Forschenden helfen, die vulkanische Absenkungsgeschichte von ‚Big
Island‘ besser zu verstehen.“ Die Auswirkungen dieser Forschung in Hawai’i
werden zu bestehenden Studien über Meeresspiegelveränderungen beitragen,
wie sie hier von Korallenriffen aufgezeichnet werden.“

Die wissenschaftlichen Ziele der Expedition zielen darauf ab, Fragen zu
vier Hauptthemen zu beantworten:
• Das Ausmaß der Meeresspiegelveränderung in den letzten halben Million
Jahren zu messen
• Warum sich Meeresspiegel und Klima im Laufe der Zeit ändern zu
untersuchen
• Wie Korallenriffe auf abrupte Meeresspiegel- und Klimaveränderungen
reagieren zu erforschen, und
• Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Wachstum und Absenkung von
Hawai’i im Laufe der Zeit zu verbessern.

Die Planungsphase der Expedition umfasste intensive Umweltbeobachtungen
und eine umfassende Risikobewertung.

Um das Material, welches die Wissenschaftler:innen für ihre Analysen in
den kommenden Jahren nutzen werden, zu gewinnen, wird während der
Expedition auf dem Mehrzweckschiff MMA VALOUR ein Meeresbodenbohrgerät
eingesetzt. Das Meeresbodenbohrgerät wird von einem renommierten
Spezialisten der Geotechnikindustrie bereitgestellt und betrieben. Es wird
auf den Meeresboden abgesenkt, um bis zu 110 Meter lange Bohrkerne aus dem
Ozeanboden zu bergen.

Die MMA VALOUR ist ein vielseitiges Mehrzweck-Versorgungsschiff, das MMA
Offshore gehört und von MMA Offshore betrieben wird, einem weltweit
führenden Anbieter von See- und Unterwasserdienstleistungen. MMA mit
Hauptsitz in Perth, Australien, engagiert sich für den Schutz der
Meeresökosysteme der Welt und die Unterstützung wichtiger
wissenschaftlicher Forschung in diesem Bereich.

An der Expedition werden 29 Wissenschaftler:innen aus Australien,
Österreich, China, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Indien, Japan, den
Niederlanden, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika
teilnehmen. Zehn von ihnen werden an Bord der MMA VALOUR sein und am 31.
August den Hafen von Honolulu verlassen. Die Offshore-Phase der Expedition
endet am 31. Oktober. Alle Mitglieder der Wissenschaftsgruppe werden sich
zur Onshore-Phase im Bremer IODP Bohrkernlager (BCR) am MARUM – Zentrum
für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen (Deutschland)
treffen um die Kerne zu öffnen, zu analysieren, zu beproben und die im
Februar 2024 gesammelten Daten auszuwerten. „Das Treffen im Februar in
Bremen bietet die Möglichkeit, dass alle Wissenschaftler:innen der
internationalen und interdisziplinären Expedition erstmalig zusammen
kommen und Kollaborationen intensiviert oder sogar erst initiiert werden“,
sagt Dr. Ursula Röhl, Wissenschaftlerin am MARUM und Leiterin des Bremer
Bohrkernlagers. „Im Moment ist ein Teil des Bremer Kernlager-Teams mit an
Bord, um die Bohrkerne und Probenmaterial fachgerecht zu kuratieren und
erste Messungen zu begleiten“, fügt sie weiter hinzu.

Die Kerne werden archiviert und der wissenschaftlichen Gemeinschaft nach
einer einjährigen Moratoriums-Periode nach der Onshore-Phase der
Expedition für weitere wissenschaftliche Forschungen zugänglich gemacht.
Alle Expeditionsdaten werden öffentlich zugänglich sein und die daraus
resultierenden Ergebnisse werden veröffentlicht.
Die Expedition wird vom European Consortium for Ocean Research Drilling
(ECORD) im Rahmen des International Ocean Discovery Program (IODP)
durchgeführt. IODP ist ein öffentlich finanziertes internationales
Meeresforschungsprogramm, das von 21 Ländern unterstützt wird und die in
Sedimenten und Gesteinen des Meeresbodens aufgezeichnete Erdgeschichte und
-dynamik erforscht und die Umgebungen unter dem Meeresboden überwacht.
Über mehrere Plattformen – eine einzigartige Funktion von IODP –
untersuchen Wissenschaftler:innen die tiefe Biosphäre und den Ozean unter
dem Meeresboden, Umweltveränderungen, Prozesse und Auswirkungen sowie
Zyklen und Dynamik der festen Erde.

Der ECORD Science Operator verfügt über große Erfahrung in der Arbeit mit
sensiblen Ökosystemen wie Korallenriffen, nachdem See-Expeditionen bereits
zum Great Barrier Reef (Australien, 2010) und nach Tahiti (2005)
durchgeführt wurden.

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Noch 17 Tage: Fachtagung für digitale Gesundheitsforschung startet bald

Die Hochschule Heilbronn holt die Konferenz der Deutschen Gesellschaft
für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) von 17.
bis 21. September nach Heilbronn.

•  „Wissenschaft. Nah am Menschen“ ist der Leitgedanke der Tagung, bei der
rund 1.000 Teilnehmende aus der ganzen Welt erwartet werden.


• Der Studiengang Medizinische Informatik feiert im Rahmen der GMDS-Tagung
sein 50-jähriges Jubiläum.

Heilbronn, August 2023. Der Countdown läuft: Die Hochschule Heilbronn
(HHN) hat die renommierte Fachkonferenz für digitale Gesundheitsforschung
nach Heilbronn geholt: Von 17. bis 21. September 2023 findet die 68.
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik,
Biometrie und Epidemiologie e. V., kurz GMDS, am Bildungscampus Heilbronn
statt.

Das HHN-Organisationsteam, vertreten durch die beiden
Tagungspräsidentinnen Professorin Alexandra Reichenbach und Dr. Monika
Pobiruchin, möchte neben den teilnehmenden Wissenschaftler*innen und
Ärzt*innen auch eine breite Öffentlichkeit für Aspekte der digitalen
Gesundheitsforschung begeistern. „Wir wollen Wissenschaft und Forschung im
Gesundheitsbereich erfahrbar machen und dieses Wissen in die Gesellschaft
tragen“, erläutert Dr. Monika Pobiruchin.

Festakt: 50 Jahre Medizinische Informatik an der HHN
Im Rahmen der GMDS-Jahrestagung feiert die Medizinische Informatik ihr
50-jähriges Bestehen. Der Kooperationsstudiengang der Hochschule Heilbronn
und der Universität Heidelberg startete im Wintersemester 1972/73. „Für
Studierende der Medizinischen Informatik bietet die Jahrestagung tolle
Möglichkeiten, einen Einblick in die vielen Facetten der
Gesundheitsforschung zu erlangen“, sagt Professorin Alexandra Reichenbach.

Veranstaltungsort: Bildungscampus Heilbronn
Die GMDS-Tagung beginnt am 17. September 2023 auf dem gesamten
Bildungscampus sowie in den dort ansässigen Räumlichkeiten der Hochschule
Heilbronn. Eröffnet wird die Fachkonferenz durch den Rektor der Hochschule
Heilbronn Professor Oliver Lenzen sowie Heilbronns Oberbürgermeister Harry
Mergel.
Tickets sind ab sofort erhältlich – für den Erwerb ist eine einmalige
Registrierung erforderlich.

Alle Informationen dazu sowie das gesamte Programm unter:
<www.gmds2023.de>


Hinweis für die Presse

Journalist*innen erhalten für die GMDS-Tagung eine Akkreditierung und
selbstverständlich einen damit verbundenen kostenfreien Zutritt. Bitte
melden Sie hierzu Ihren Besuch per Mail unter <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> an.



--
Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik
Mit rund 8.000 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn (HHN) eine der
größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg.
Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt in den Bereichen Technik, Wirtschaft und
Informatik. An ihren vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim,
Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die HHN mehr als 60
zukunftsorientierte Bachelor- und Masterstudiengänge an, darunter auch
berufsbegleitende Angebote. Die HHN bietet daneben noch weitere
Studienmodelle an und pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der
Region. Sie ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr gut vernetzt.
Das hauseigene Gründungszentrum unterstützt Studierende sowie Forschende
zudem beim Lebensziel Unternehmertum.

  • Aufrufe: 12

Zum Start des neuen Schuljahres: Wieder fehlt der Wiederbelebungsunterricht flächendeckend im Lehrplan!

Der plötzliche Herz-Kreislaufstillstand gehört zu den häufigsten
Todesursachen weltweit. Hieran sterben jährlich allein in Deutschland rund
70.000 Menschen. Es kann jede Altersstufe treffen: Kinder, Mütter, Väter,
Großmütter und Großväter. Viele Patienten müssten aber nicht sterben, wenn
direkt mit einer Herzdruckmassage begonnen würde. Mindestens 10.000
könnten hierzulande in jedem Jahr so zurück ins Leben kehren. Kindern und
Jugendlichen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Deshalb fordert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-
und Notfallmedizin (DIVI) bereits seit vielen Jahren die flächendeckende
Einführung von Wiederbelebungsunterricht für jedes Kind spätestens ab der
siebten Klasse. Mit Blick in die Lehrpläne der Kultusministerien für das
neue Schuljahr wird klar: Auch in diesem Jahr wird diese Chance vertan!

Es geht um simple zwei Schulstunden einmal pro Halbjahr. In jeder Schule.
In jedem Bundesland. Für jedes Kind. In dieser Zeit könnten Kinder und
Jugendliche lernen, wie man einen Herz-Kreislaufstillstand erkennt, was
PRÜFEN – RUFEN – DRÜCKEN bedeutet, und dass man – um ein Leben zu retten –
nur kräftig mit seinen Händen auf den Brustkorb des Betroffenen drücken
muss bis der Rettungswagen eintrifft. Hierzu könnten zusätzlich auch
Konzepte mit ortsansässigen Rettungsdiensten, Krankenhäusern oder anderen
Freiwilligen erarbeitet werden.

Wiederbelebung erfordert nur ein wenig Wissen und ein wenig Mut

„Es braucht nicht viel!“, weiß Univ.-Prof. Bernd Böttiger,
Präsidiumsmitglied der DIVI, Vorsitzender des Deutschen Rates für
Wiederbelebung und Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes. „Kultusminister
aus Ost und West, Süd wie Nord finden unsere Forderungen immer
unterstützenswert. Sie stehen im Koalitionsvertrag. Und trotzdem ist
weiterhin kein Wiederbelebungsunterricht flächendeckend in Deutschland
eingeführt!“ Der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative
Intensivmedizin an der Uniklinik Köln weiß, dass seine Patienten bis zum
Eintreffen des Rettungswagens darauf angewiesen sind, dass die
Pumpleistung ihres Herzens direkt und ohne zu zögern von den Angehörigen,
Freunden oder fremden Menschen übernommen wird. Denn im Durchschnitt
dauert es neun Minuten, bis ein Rettungswagen bei einem solchen Ereignis
eintrifft. Nach fünf Minuten ohne Sauerstoff ist das Gehirn aber meist
tot. „Hier muss der fehlende Herzschlag von Laien durch eine
Herzdruckmassage ersetzt werden. Das erfordert nur ein wenig Wissen und
ein wenig Mut. Und Sauerstoff ist meist noch genug im Blut vorhanden.
Beatmen muss man bei Erwachsenen nicht unbedingt!“, erklärt Böttiger.

Selbst Kindergartenkinder können zu Lebensrettern werden

Erst Anfang des Sommers hatte das International Liaison Committee on
Resuscitation (ILCOR) durch eine weltweite Zusammenarbeit von 18
hochrangigen internationalen
Wissenschaftlern aus zehn Ländern einen neuen Leitfaden zum Thema
Laienreanimation veröffentlicht und kam zu dem Ergebnis, dass sogar Kinder
ab vier Jahren erfolgreich Wiederbelebung erlernen und so zu Lebensrettern
werden können. Das Paper ist wissenschaftlich äußerst hochranging
publiziert und wird seither in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit
intensiv wahrgenommen und diskutiert. „Dieser Leitfaden verdeutlicht,
welches Potenzial die Schulung in Reanimationstechniken in Schule und
selbst im Kindergarten auf die Überlebensrate von Betroffenen nach einem
Herz-Kreislaufstillstand hat“, weiß Prof. Bernd Böttiger, der als
Hauptautor koordinierte. Empfehlenswert sei ein kontinuierliches
jährliches zweistündiges Training mit einer Kombination aus Theorie und
Praxis.

Weltweit kommen somit Intensiv- und Notfallmediziner zu dem Ergebnis:

1. Schulkinder sind hoch motiviert, Wiederbelebungsmaßnahmen zu erlernen
und durchzuführen, ihr Wissen mit Familie und Freunden zu teilen und damit
als Multiplikatoren zu dienen.
2. Schon im Alter von vier Jahren sind Kinder in der Lage, die
grundlegenden Schritte der Wiederbelebung zu erlernen. Ab diesem Alter
können sie nach einem Training z.B. eine nicht normale Atmung und eine
Bewusstlosigkeit erkennen. Damit ist ein früher Beginn des
Wiederbelebungstrainings möglich. Mit spätestens sechs Jahren können
Kinder nach einem Unterricht erklären, wie man den Notruf wählt und teilen
korrekte Informationen zum Notfall mit.
3. Die nötige Kompressionstiefe bei einer Herzdruckmassage beträgt fünf
bis sechs Zentimeter bei Erwachsenen. Dazu wird pro Minute 100 bis 120 Mal
der Brustkorb in Höhe der Brustwarzen mit beiden Händen abwechselnd
eingedrückt und entlastet. Diese effektive Kompressionstiefe kann ab einem
Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren erreicht werden. Beeinflusst wird die
Tiefe vorwiegend von Körpergewicht und Body-Mass-Index des Kindes. Trotz
dessen sollte auch jüngeren Kindern die korrekte Kompressionstiefe und
-frequenz unterrichtet werden, auch wenn sie diese unter Umständen beim
Training nicht erreichen, um das Wissen langfristig zu fundieren und damit
in Notsituationen eventuell dabeistehende ältere Menschen anweisen zu
können.
4. Regelmäßiges Training der Wiederbelebungstechniken festigt die
Fähigkeiten langfristig. Wird das Training bei den jüngsten Kindern
begonnen, entwickeln und verankern sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse
dauerhaft. Damit wird ein vierjähriges Kind, das weiß, wie man den Notruf
wählt, zu einem zehnjährigen jungen Menschen, der eine effektive
Herzdruckmassage ausführen kann – und auch den Mut dazu hat.

Dänemark hat Reanimationsquote durch Schulunterricht verdreifacht

Seit in Dänemark 2005 der Wiederbelebungsunterricht für Schulkinder
gesetzlich festgeschrieben wurde, hat sich die Überlebensrate bei einem
Herz-Kreislaufstillstand bei unseren nördlichen Nachbarn verdreifacht.
„Das können wir auch in Deutschland schaffen“, ist Böttiger überzeugt.
Aber auch 85.000 Ja-Stimmen aus der Bevölkerung konnten bisher noch nichts
erwirken: Im September 2021 startete das Aktionsbündnis „Wir beleben
Deutschland wieder“, dem die DIVI angehört, eine viel beachtete Kampagne.
84.972 Bürger unterschrieben eine Petition für die Einführung von
Wiederbelebungsunterricht. Sie wurde im Mai 2022 vor dem Bundestag vor
laufender Fernsehkamera an den Petitionsausschuss des Bundestages
überreicht – und versandet leider bisher zwischen Verweisen an die
Kultusminister der Länder und zurück nach Berlin.

„Vielleicht nutzen wir unser Potenzial ja 2024“, überlegt Bernd Böttiger.
„Es muss doch möglich sein!“ Aber ja: Um Leben zu retten, braucht es etwas
Mut!

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Zum Start des neuen Schuljahres: Wieder fehlt der Wiederbelebungsunterricht flächendeckend im Lehrplan!

Der plötzliche Herz-Kreislaufstillstand gehört zu den häufigsten
Todesursachen weltweit. Hieran sterben jährlich allein in Deutschland rund
70.000 Menschen. Es kann jede Altersstufe treffen: Kinder, Mütter, Väter,
Großmütter und Großväter. Viele Patienten müssten aber nicht sterben, wenn
direkt mit einer Herzdruckmassage begonnen würde. Mindestens 10.000
könnten hierzulande in jedem Jahr so zurück ins Leben kehren. Kindern und
Jugendlichen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Deshalb fordert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-
und Notfallmedizin (DIVI) bereits seit vielen Jahren die flächendeckende
Einführung von Wiederbelebungsunterricht für jedes Kind spätestens ab der
siebten Klasse. Mit Blick in die Lehrpläne der Kultusministerien für das
neue Schuljahr wird klar: Auch in diesem Jahr wird diese Chance vertan!

Es geht um simple zwei Schulstunden einmal pro Halbjahr. In jeder Schule.
In jedem Bundesland. Für jedes Kind. In dieser Zeit könnten Kinder und
Jugendliche lernen, wie man einen Herz-Kreislaufstillstand erkennt, was
PRÜFEN – RUFEN – DRÜCKEN bedeutet, und dass man – um ein Leben zu retten –
nur kräftig mit seinen Händen auf den Brustkorb des Betroffenen drücken
muss bis der Rettungswagen eintrifft. Hierzu könnten zusätzlich auch
Konzepte mit ortsansässigen Rettungsdiensten, Krankenhäusern oder anderen
Freiwilligen erarbeitet werden.

Wiederbelebung erfordert nur ein wenig Wissen und ein wenig Mut

„Es braucht nicht viel!“, weiß Univ.-Prof. Bernd Böttiger,
Präsidiumsmitglied der DIVI, Vorsitzender des Deutschen Rates für
Wiederbelebung und Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes. „Kultusminister
aus Ost und West, Süd wie Nord finden unsere Forderungen immer
unterstützenswert. Sie stehen im Koalitionsvertrag. Und trotzdem ist
weiterhin kein Wiederbelebungsunterricht flächendeckend in Deutschland
eingeführt!“ Der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative
Intensivmedizin an der Uniklinik Köln weiß, dass seine Patienten bis zum
Eintreffen des Rettungswagens darauf angewiesen sind, dass die
Pumpleistung ihres Herzens direkt und ohne zu zögern von den Angehörigen,
Freunden oder fremden Menschen übernommen wird. Denn im Durchschnitt
dauert es neun Minuten, bis ein Rettungswagen bei einem solchen Ereignis
eintrifft. Nach fünf Minuten ohne Sauerstoff ist das Gehirn aber meist
tot. „Hier muss der fehlende Herzschlag von Laien durch eine
Herzdruckmassage ersetzt werden. Das erfordert nur ein wenig Wissen und
ein wenig Mut. Und Sauerstoff ist meist noch genug im Blut vorhanden.
Beatmen muss man bei Erwachsenen nicht unbedingt!“, erklärt Böttiger.

Selbst Kindergartenkinder können zu Lebensrettern werden

Erst Anfang des Sommers hatte das International Liaison Committee on
Resuscitation (ILCOR) durch eine weltweite Zusammenarbeit von 18
hochrangigen internationalen
Wissenschaftlern aus zehn Ländern einen neuen Leitfaden zum Thema
Laienreanimation veröffentlicht und kam zu dem Ergebnis, dass sogar Kinder
ab vier Jahren erfolgreich Wiederbelebung erlernen und so zu Lebensrettern
werden können. Das Paper ist wissenschaftlich äußerst hochranging
publiziert und wird seither in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit
intensiv wahrgenommen und diskutiert. „Dieser Leitfaden verdeutlicht,
welches Potenzial die Schulung in Reanimationstechniken in Schule und
selbst im Kindergarten auf die Überlebensrate von Betroffenen nach einem
Herz-Kreislaufstillstand hat“, weiß Prof. Bernd Böttiger, der als
Hauptautor koordinierte. Empfehlenswert sei ein kontinuierliches
jährliches zweistündiges Training mit einer Kombination aus Theorie und
Praxis.

Weltweit kommen somit Intensiv- und Notfallmediziner zu dem Ergebnis:

1. Schulkinder sind hoch motiviert, Wiederbelebungsmaßnahmen zu erlernen
und durchzuführen, ihr Wissen mit Familie und Freunden zu teilen und damit
als Multiplikatoren zu dienen.
2. Schon im Alter von vier Jahren sind Kinder in der Lage, die
grundlegenden Schritte der Wiederbelebung zu erlernen. Ab diesem Alter
können sie nach einem Training z.B. eine nicht normale Atmung und eine
Bewusstlosigkeit erkennen. Damit ist ein früher Beginn des
Wiederbelebungstrainings möglich. Mit spätestens sechs Jahren können
Kinder nach einem Unterricht erklären, wie man den Notruf wählt und teilen
korrekte Informationen zum Notfall mit.
3. Die nötige Kompressionstiefe bei einer Herzdruckmassage beträgt fünf
bis sechs Zentimeter bei Erwachsenen. Dazu wird pro Minute 100 bis 120 Mal
der Brustkorb in Höhe der Brustwarzen mit beiden Händen abwechselnd
eingedrückt und entlastet. Diese effektive Kompressionstiefe kann ab einem
Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren erreicht werden. Beeinflusst wird die
Tiefe vorwiegend von Körpergewicht und Body-Mass-Index des Kindes. Trotz
dessen sollte auch jüngeren Kindern die korrekte Kompressionstiefe und
-frequenz unterrichtet werden, auch wenn sie diese unter Umständen beim
Training nicht erreichen, um das Wissen langfristig zu fundieren und damit
in Notsituationen eventuell dabeistehende ältere Menschen anweisen zu
können.
4. Regelmäßiges Training der Wiederbelebungstechniken festigt die
Fähigkeiten langfristig. Wird das Training bei den jüngsten Kindern
begonnen, entwickeln und verankern sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse
dauerhaft. Damit wird ein vierjähriges Kind, das weiß, wie man den Notruf
wählt, zu einem zehnjährigen jungen Menschen, der eine effektive
Herzdruckmassage ausführen kann – und auch den Mut dazu hat.

Dänemark hat Reanimationsquote durch Schulunterricht verdreifacht

Seit in Dänemark 2005 der Wiederbelebungsunterricht für Schulkinder
gesetzlich festgeschrieben wurde, hat sich die Überlebensrate bei einem
Herz-Kreislaufstillstand bei unseren nördlichen Nachbarn verdreifacht.
„Das können wir auch in Deutschland schaffen“, ist Böttiger überzeugt.
Aber auch 85.000 Ja-Stimmen aus der Bevölkerung konnten bisher noch nichts
erwirken: Im September 2021 startete das Aktionsbündnis „Wir beleben
Deutschland wieder“, dem die DIVI angehört, eine viel beachtete Kampagne.
84.972 Bürger unterschrieben eine Petition für die Einführung von
Wiederbelebungsunterricht. Sie wurde im Mai 2022 vor dem Bundestag vor
laufender Fernsehkamera an den Petitionsausschuss des Bundestages
überreicht – und versandet leider bisher zwischen Verweisen an die
Kultusminister der Länder und zurück nach Berlin.

„Vielleicht nutzen wir unser Potenzial ja 2024“, überlegt Bernd Böttiger.
„Es muss doch möglich sein!“ Aber ja: Um Leben zu retten, braucht es etwas
Mut!

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