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Deutschland trägt Bademantel: Kampagne setzt Zeichen für mehr Solidarität und Demenzforschung

In Deutschland leben aktuell rund 1,8 Millionen Menschen mit Alzheimer
oder einer anderen Form der Demenz. Tendenz steigend. Mit dem Bademantel
als Symbol macht die „Deutsche Demenzhilfe“ auf diese dramatische
Situation aufmerksam und wirbt für mehr Solidarität mit den Erkrankten –
und für eine bessere Unterstützung der Forschung. Die Aktion mit dem Namen
#bademantelchallenge startet am 1. September im Vorfeld des „Welt-
Alzheimertags“. Mit einem Foto im Bademantel können via Social Media alle
mitmachen. Unternehmerin Judith Williams und Hundeprofi Martin Rütter
zählen zu den vielen prominenten Unterstützern der Kampagne.

Bei der #bademantelchallenge geht es darum, sich im Bademantel öffentlich
und an dafür ungewöhnlichen Orten zu fotografieren, dieses Bild per Social
Media unter dem Hashtag #bademantelchallenge zu teilen und andere zu
nominieren, an der Aktion mitzumachen. Der Stiftungsfonds „Deutsche
Demenzhilfe“ möchte mit dieser Initiative dem Thema Demenz eine
öffentliche Bühne geben und um Spenden für die Demenzforschung werben.
Entwickelt und gestaltet wurde die Pro-Bono-Kampagne von der Healthcare-
Kommunikationsagentur WEFRA LIFE und läuft ab September. Höhepunkt ist die
Woche rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September.

„Menschen mit Demenz haben immer noch viel zu oft das Gefühl, dass sie
sich und ihre Erkrankung verstecken müssen. Dem wollen wir mit unserer
Kampagne entgegenwirken. Dabei dient der Bademantel als Symbol der
Solidarität mit Menschen mit Demenz. Wir wollen Aufmerksamkeit schaffen
und dazu beitragen, der Demenz das Stigma zu nehmen“, sagt Dr. Sabine
Helling-Moegen, stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der DZNE-
Stiftung. Die Stiftung steht mit ihrem Förderfonds „Deutsche Demenzhilfe“
hinter der #bademantelchallenge.  „Gleichzeitig ist der Bademantel ein
Sinnbild für die enorme Last einer Demenz, für die Überforderung der
Erkrankten selbst, wie auch die der Angehörigen, die einen ehemals
selbstständigen Menschen nicht mehr allein lassen können.“

Helling-Moegen betont: „Wir sollten uns als Gesellschaft noch viel stärker
als bisher bewusst machen, dass Demenzerkrankungen große Herausforderungen
mit sich bringen. Der Bedarf an Pflege und Versorgung ist angesichts
steigender Patientenzahlen enorm und für zahlreiche Familien psychisch und
finanziell ein Kraftakt. Viele Menschen mit Demenz werden von Verwandten
tagtäglich umsorgt. Oft am Rande der Belastungsgrenze.“

Plädoyer für die Forschung

„Außerdem wollen wir dafür sensibilisieren, dass es bislang keine
Therapien gibt, um Alzheimer und andere, ähnlich schwerwiegende
Demenzerkrankungen wirksam zu behandeln. Hier besteht großer
Forschungsbedarf“, so Helling-Moegen. „Deshalb werben wir dafür, die
Wissenschaft finanziell zu unterstützen – für bessere Vorsorge, bessere
Früherkennung und bessere Therapien. Alle Spenden kommen der
Demenzforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen
zugute.“

„Jede Investition in Demenzforschung ist eine Investition in die Zukunft
des Mitgefühls und der Möglichkeiten für uns alle. Denn Demenz kennt keine
Grenzen – sie kann uns alle betreffen“, sagt Lieselotte Klotz, Mitglied im
Patientenbeirat des DZNE. Bei der ehemaligen IT-Managerin wurde eine
Demenzerkrankung festgestellt. „Gemeinsam können wir Brücken bauen – für
eine Welt voller Verständnis, Unterstützung und neuer Möglichkeiten trotz
Demenz. Aber gemeinsam können wir uns zusammenschließen, um Solidarität
und Forschung voranzubringen und so Demenz eine starke Antwort
entgegenzusetzen. Es ist wie es ist, aber es wird, was wir gemeinsam
daraus machen!“

Prominente Unterstützung

An der #bademantelchallenge beteiligen sich zahlreiche Prominente:
darunter Choreograph Jorge Gonzalez, Moderatorin Sabine Heinrich,
Schauspielerin Katy Karrenbauer, Kickbox-Weltmeisterin Marie Lang,
Hundeprofi Martin Rütter, TV-Star Detlev Steves, Schauspielerin Sabine
Vitua und Unternehmerin Judith Williams. Die Kampagne wird von der
Healthcare-Kommunikationsagentur WEFRA LIFE betreut, von der auch das
Kreativkonzept und die Idee für die Challenge stammte. Außerdem wird die
Aktion vom IT-Dienstleister COCUS AG, dem Werbevermarkter STRÖER, der
Produktionsfirma Bayerl & Partner Film GmbH sowie dem TV-Sender RTL
unterstützt. Alle diese Akteure engagieren sich unentgeltlich.

--

Über die DZNE-Stiftung: Die Stiftung setzt sich für ein Leben ohne
neurodegenerative Erkrankungen ein und fördert das gesamte
Forschungsspektrum des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative
Erkrankungen (DZNE), das neben der Erforschung von Demenz auch die
Erforschung von Nervenerkrankungen wie Parkinson und ALS umfasst. Die
#bademantelchallenge richtet den Fokus jedoch explizit auf Demenz und
Demenzforschung. Die Abwicklung eingeworbener Spenden geschieht über den
Forschungsförderfonds „Deutsche Demenzhilfe“ der DZNE-Stiftung. Dieser
Fonds ist Träger der #bademantelchallenge. Die DZNE-Stiftung ist in der
Verwaltung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. https://www
.dzne-stiftung.de

Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das
DZNE ist ein von Bund und Ländern gefördertes Forschungsinstitut, das
bundesweit zehn Standorte umfasst. Es widmet sich Erkrankungen des Gehirns
und Nervensystems wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz,
Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der
Gesundheit einhergehen. Bis heute gibt es keine Heilung für diese
Erkrankungen, die eine enorme Belastung für unzählige Betroffene, ihre
Familien und das Gesundheitssystem bedeuten. Ziel des DZNE ist es,
neuartige Strategien der Vorsorge, Diagnose, Versorgung und Behandlung zu
entwickeln und in die Praxis zu überführen. Dafür kooperiert das DZNE mit
Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und
Ausland. Das Institut ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und zählt zu
den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. https://www.dzne.de

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Management in der Weinwirtschaft

Anmeldung zum MBA-Fernstudium Management noch bis 15. September möglich

Die Komplexität in der Weinbrache nimmt stetig zu, so dass qualifizierte
Fach- und Führungskräfte gesucht sind. Wer sich für eine Karriere im
Weinmanagement auf akademischem Niveau weiterbilden möchten, ist an der
Hochschule Geisenheim richtig. Denn hier wird das – in dieser Form
deutschlandweit einzigartige – MBA-Fernstudium in deutscher Sprache
angeboten. Es stehen aber auch weitere berufsbegleitende
Weiterbildungsmöglichkeiten zur Wahl.

Management in der Weinwirtschaft MBA
Dieser berufsbegleitende Studiengang vermittelt Studierenden, praxisnah
und anwendungsorientiert, betriebswirtschaftliches Wissen. Neben Führungs-
und Managementkompetenzen erwerben die Studierenden weinbauliches und
oenologisches Fachwissen. Das Studium überzeugt durch seine hohe
Flexibilität: studieren, wann und wo man möchte. Möglich machen das
Studienbriefe, E-Learning-Anwendungen und eine virtuelle Lernbegleitung.
Eine erhebliche Erleichterung für Berufstätige, die sich weiterführend
qualifizieren möchten.

Certificate of Advanced Studies (CAS)
Fachkräfte, die sich gezielt in einzelnen Bereichen qualifizieren wollen,
können einen der flexiblen Zertifikatskurse mit anerkanntem CAS-Abschluss
belegen. Die Kurse umfassen jeweils zwei Module und sind speziell auf die
berufliche Praxis zugeschnitten. Dabei kann der zeitliche Ablauf von den
Teilnehmenden individuell geplant werden. In der Regel umfassen sie ein
bis zwei Semester. Entscheidet man sich anschließend für einen MBA-
Abschluss, werden bereits erbrachte Leistungen angerechnet. Für ein
unverbindliches Schnupperstudium können sich Interessierte ganzjährig
anmelden.

Das zfh – Zentrum für Fernstudien im Hochschulverbund unterstützt die
Hochschule Geisenheim bei der Durchführung berufsbegleitender
Fernstudienangebote. Hier können sich Interessierte für alle
Studienvarianten bis zum 15. September 2023 für das Wintersemester 2023/24
bewerben unter: <https://www.zfh.de/anmeldung>

Weiterführende Links zu allen Studienvarianten:
<www.hs-geisenheim.de/management-in-der-weinwirtschaft-mba>
<www.hs-geisenheim.de/cas-kurse-weinwirtschaft>
und beim zfh unter
<www.zfh.de/mba/weinwirtschaft>

Über das zfh
Das zfh – Zentrum für Fernstudien im Hochschulverbund bildet gemeinsam mit
21 staatlichen Hochschulen den zfh-Hochschulverbund. Das zfh ist eine
wissenschaftliche Institution des Landes Rheinland-Pfalz mit Sitz in
Koblenz und basiert auf einem 1998 ratifizierten Staatsvertrag der
Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland. Neben den 15
Hochschulen dieser drei Bundesländer haben sich weitere Hochschulen aus
Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein
dem Verbund angeschlossen. Das erfahrene Team des zfh fördert und
unterstützt die Hochschulen bei der Entwicklung und Durchführung ihrer
Fernstudienangebote. Mit einem Repertoire von über 100 berufsbegleitenden
Fernstudienangeboten in wirtschaftswissenschaftlichen,
technischen/naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen
Fachrichtungen ist der zfh-Verbund bundesweit größter Anbieter von
Fernstudiengängen an Hochschulen mit akkreditiertem Abschluss. Alle zfh-
Fernstudiengänge mit dem akademischen Ziel des Bachelor- oder
Masterabschlusses sind von den Akkreditierungsagenturen ACQUIN, AHPGS,
ASIIN, AQAS, FIBAA bzw. ZEvA zertifiziert und somit international
anerkannt. Neben den Bachelor- und Masterstudiengängen besteht auch ein
umfangreiches Angebot an Weiterbildungsmodulen mit Hochschulzertifikat.
Derzeit sind über 6.000 Fernstudierende an den Hochschulen des zfh-
Verbunds eingeschrieben.

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Schwangerschaft: Was passiert in welchem Trimester?

Schwangerschaft Symbolbild von Suhyeon auf unsplash
Schwangerschaft Symbolbild von Suhyeon auf unsplash

Zwischen dem Beginn der letzten Regelblutung bis zur Geburt eines Kindes vergehen rund 40 Wochen. Mit jeder Woche geht eine Entwicklung des Kindes einher, aber auch der Körper der Mutter befindet sich in einem ständigen Wandel. Die Schwangerschaft wird in drei Trimester unterteilt, von denen das dritte Trimester am längsten ist. Dieser Artikel gibt einen Überblick, was sich in diesen Phasen für Mutter und Baby verändert – von der befruchteten Eizelle bis zur Entbindung.

 

Erstes Trimester: Die anfänglichen 3 Monate

 

Das erste Trimester umfasst die 1. bis 12. Woche der Schwangerschaft. Um die Entwicklung mitzuverfolgen, können Frauen ihre Schwangerschaftswoche auf Aptaclub berechnen.

 

Die befruchtete Eizelle teilt sich fortlaufend auf ihrem Weg zur Gebärmutter. Nach etwa 3 bis 4 Tagen erreicht sie ihr Ziel und besteht zu diesem Zeitpunkt aus 32 bis 64 Zellen.

 

Etwa zwei Tage nach der Ankunft beginnt die Eizelle, sich in die Gebärmutterwand einzunisten. Zu diesem Zeitpunkt besteht sie aus ungefähr 100 Zellen. Ab der 5. Woche (gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Menstruation) ist oft eine kleine Ansammlung am Ultraschall erkennbar.

 

1 bis 2 Wochen später sind die ersten Herzaktivitäten mittels Ultraschall sichtbar, und es ist möglich, Mehrlingsschwangerschaften auszuschließen oder zu bestätigen. Ab der neunten Woche sind bereits winzige Arme und Beine erkennbar. Zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche findet die Nackenfaltenmessung statt.

 

Die ersten Wochen bedeuten für die werdende Mutter oft erste Veränderungen am Körper:

 

  • Spannungsgefühle in den Brüsten
  • Erhöhte Empfindlichkeit der Brustwarzen
  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Generelles Unwohlsein

 

Zweites Trimester: 4. bis 6. Monat

 

Das zweite Trimester umfasst die13. bis 24. Schwangerschaftswoche. Ab der 13. Schwangerschaftswoche verringert sich das Risiko einer Fehlgeburt um bis zu 20 Prozent.

 

Zu Beginn misst das Baby etwa 6 Zentimeter. Es ergreift die Nabelschnur, bewegt sich und dreht sich. Im Verlauf der kommenden Wochen beginnen immer mehr Organe ihre Funktion.

 

Mit der 16. Schwangerschaftswoche erreicht das Baby eine Länge von ungefähr 11 Zentimetern, wobei der Kopf etwa ein Drittel dieser Größe ausmacht. Gegen Ende dieses Trimesters ist das Baby fast 30 Zentimeter lang und hat ein Gewicht von etwa einem halben Kilo erreicht.

 

Das anfängliche Unwohlsein nimmt bei den meisten Schwangeren ab. Einige Frauen haben 1 bis 3 Kilo zugenommen, während andere aufgrund von Übelkeit sogar Gewicht verloren haben.

 

Ab der 16. Schwangerschaftswoche lässt oft das ständige Harndranggefühl nach. Einige Mütter spüren die ersten Kindsbewegungen, während dies bei vielen erst um die 20. Schwangerschaftswoche der Fall ist. Mit der 20. Woche wird der Bauchumfang merklich größer.

 

Drittes Trimester: 7. bis 9. Monat

 

Dieses Trimester erstreckt sich von der 25. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt. In etwa 15 Wochen ist der Geburtstermin, die meisten Kinder kommen jedoch in den 2 Wochen vor oder nach diesem Termin zur Welt.

 

Entwicklung des Kindes:

 

  • Größe: In der 30. Schwangerschaftswoche wird die Bewegungsfreiheit des Babys begrenzter und es nimmt die Embryonalstellung ein.
  • Sinne: Das Kind hört und reagiert auf Lärm mit Bewegungen. Ab der 28. Woche öffnet und schließt es seine Augen.
  • Organe: Die Entwicklung der Lunge nähert sich dem Abschluss.
  • Gewicht: In der 36. Woche wiegt es etwa 2.700 Gramm und legt etwa 200 Gramm pro Woche zu.
  • Entwicklung: Ab der 38. Woche ist das Baby vollständig entwickelt und die Geburt wäre keine Frühgeburt mehr.

 

Die Bewegungsfreiheit der Mutter ist eingeschränkt und es wird schwieriger, eine bequeme Schlafposition zu finden. Sie nimmt zwischen 300 und 500 Gramm pro Woche zu und es können Übungswehen auftreten. Es ist Zeit für Geburtsvorbereitung, um Frauen die Angst vor der Geburt zu nehmen.

 

Das kleine Wunder mitverfolgen

 

Schwangerschaften folgen zwar einem groben Muster, können aber sehr individuell sein. Dennoch ist es wertvoll, sich als Eltern über die Babyentwicklung während der Schwangerschaft zu informieren. Das schafft eine enge Verbindung zum wachsenden Leben und bringt Vorfreude. Für werdende Mütter kann es helfen, ein Verständnis für die eigenen körperlichen Veränderungen zu entwickeln. Nach durchschnittlich 13 Stunden vom Zeitpunkt der ersten Wehe an können Eltern ihr Baby endlich in die Arme schließen

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Nord- und Ostsee im Spannungsfeld von Meeresnutzung und Meeresschutz

Jahrestagung der DAM-Forschungsmission sustainMare an der Uni Kiel stellt
Handlungswissen für Politik und Gesellschaft in den Mittelpunkt

•       280 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 28 Institutionen
und 40 Arbeitsgruppen forschen erstmals gemeinsam in sieben Projekten zu
Zukunftsthemen der Nord- und Ostsee
•       Transdisziplinäre Forschungsagenda mit Akteurinnen und Akteuren
aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft
•       Mehr als 170 Forschende zu Gast an der Christian-Albrechts-
Universität zu Kiel (CAU) thematisieren multiple ökologische, ökonomische
und gesellschaftliche Auswirkungen der Nutzung von Nord- und Ostsee

Die Nordsee und die Ostsee und ihre Küsten beherbergen eine einzigartige
Vielfalt an Lebewesen. Der Druck auf diese Lebensräume steigt allerdings.
Der Klimawandel und der für die kommenden Jahre geplante Ausbau der
Offshore-Energiegewinnung werden die Nord- und Ostsee stark verändern. In
dieser Situation benötigen wir neue Maßnahmen zum Schutz der Natur und den
Erhalt der biologischen Vielfalt. Ansprüche, beispielsweise aus der
Industrie, der Fischerei, dem Tourismus oder der Landwirtschaft müssen mit
europäischen Naturschutzabkommen wie der Biodiversitätsstrategie 2030 oder
politischen Vorgaben zum Ausbau der Offshore-Windenergie in Einklang
gebracht werden. In diesem komplexen Spannungsfeld gilt es,
Handlungswissen für Politik und Gesellschaft bereitzustellen, das zu einem
nachhaltigen Umgang mit dem Meeresraum und seinen Ökosystemleistungen bei
gleichzeitiger Mehrfachnutzung beitragen kann. Erstmals forschen dazu
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 28 Partnerinstitutionen
interdisziplinär und transdisziplinär mit Expertinnen und Experten aus der
Praxis in der Forschungsmission „Schutz und nachhaltige Nutzung mariner
Räume - sustainMare" der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM). Heute
(Mittwoch, 30. August) beginnt an der Christian-Albrechts-Universität zu
Kiel (CAU) die zweite Jahrestagung der Mission, an der mehr als 170
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und
Vertreter verschiedener Interessengruppen teilnehmen.

Karin Prien, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, begrüßte
die Teilnehmenden zu Beginn der Konferenz: „Der Schutz der Meere und der
Küstenregionen ist nicht nur für Norddeutschland, sondern für die gesamte
Welt von hoher Relevanz und der Arbeit der Forscherinnen und Forscher auf
diesem Gebiet kann nicht genug Bedeutung beigemessen werden. Ich bin stolz
darauf, dass sich das Land Schleswig-Holstein durch die Förderung der DAM
inklusive der Forschungsmissionen aktiv beteiligen kann.“

Der Vorsitzende der DAM, Dr. Jochen Harms, betont zusätzlich: „Unsere
größte Herausforderung ist, die unterschiedlichen Nutzungsinteressen mit
dem Schutz unserer beiden Meere in Einklang zu bringen – um sie auch für
künftige Generationen als Lebensgrundlage zu bewahren. Wissenschaftliche
Erkenntnisse dafür zu erarbeiten, steht im Fokus der Mission sustainMare.“

Erhöhter Forschungsbedarf durch massive Veränderungen im System Nord- und
Ostsee

„Die Nord- und Ostsee werden sich in den nächsten 25 Jahren gravierend
verändern. Nicht nur die Folgen des Klimawandels werden die die Regionen
weiter belasten. Auch die verstärkte Nutzung durch Industrie, Schifffahrt,
Militär und für die Energieerzeugung wird sich massiv auf die Ökosysteme
auswirken. Das ist eine Herausforderung für die Fischerei und den
Meeresschutz, aber auch für die Forschung. Unser Verständnis der Systeme
Nordsee und Ostsee wie wir sie kennen wird durch diese Veränderungen an
Bedeutung verlieren und neue Forschungsfragen werden aufgeworfen, die nur
im breiten Verbund der wissenschaftlichen Institutionen bearbeitet werden
können“, sagt Professorin Corinna Schrum vom Helmholtz-Zentrum Hereon und
Sprecherin der DAM-Forschungsmission sustainMare.

Forschende ziehen Bilanz aus den Ergebnissen von insgesamt sieben
Projekten

Im Rahmen der dreitägigen Konferenz werden nun die ersten Ergebnisse nach
eineinhalb Jahren Forschung von insgesamt fünf Verbundprojekten und zwei
Pilotmissionen zusammengetragen und die Weichen für die zukünftige
wissenschaftliche Agenda gestellt. Dabei konzentrieren sich die
Forscherinnen und Forscher auf drei thematische Schwerpunkte:
Biodiversität und die Auswirkungen anthropogener Belastungen und Nutzungen
auf marine Ökosysteme, Schadstoffbelastungen mit dem Schwerpunkt auf
Munitionsaltlasten aus den Weltkriegen sowie die Entwicklung von
Modellierungsinstrumenten zur Erstellung von Zukunftsszenarien,
insbesondere unter Berücksichtigung der Klimaveränderungen und des
Nutzungsdrucks durch Offshore-Windenergie, Fischerei oder
Sedimentmanagement.

Gerade im Hinblick auf die zunehmende Mehrfachnutzung von Nord- und Ostsee
ist es wichtig, solche Modelle zu entwickeln, in denen klassische
Auswertungsmethoden durch neue molekulare und semi-autonome Methoden
ergänzt werden. Ziel ist es, Lücken in der Datenerhebung zu schließen, um
wissensbasierte Managementoptionen abzuleiten.

Transdisziplinärer Forschungsansatz mit Akteuren außerhalb der
Wissenschaft

Dafür wählt sustainMare einen besonderen Ansatz: Akteure aus Politik und
Behörden, aus Fischerei, Tourismus, Umweltverbänden und Wirtschaft werden
aktiv in die Forschung eingebunden. Dabei setzen die Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler auf etablierte transdisziplinäre Methoden wie
Reallabore und Dialogformate, um Fragestellungen und Ergebnisse mit
betroffenen Stakeholdern hin zu tragfähigen Konzepten weiterzuentwickeln.
So wurden beispielsweise für die Zukunft der Küstenfischerei in der
westlichen Ostsee Reallabore in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-
Vorpommern aufgebaut. „Die Küstenfischerei ist ein Nahrungslieferant und
ein wichtiges Kulturgut in Norddeutschland. Sie soll möglichst erhalten
bleiben. Mit dem Instrument der Reallabore wächst der Austausch zwischen
den Akteuren und das gemeinsame Verständnis über die Funktionsweise des
Ökosystems, aber auch über die Rolle der Küstenfischerei für die lokalen
Gemeinschaften. Gemeinsam können wir hier lokale Lösungsansätze für eine
nachhaltige Fischerei entwickeln und ausprobieren“, erklärt CAU-
Professorin Marie-Catherine Riekhof, Mitorganisatorin der sustainMare-
Tagung.

Auch in der Nordsee werden die Mehrfachnutzungen und die Biodiversität in
Meeresschutzgebieten mit einem Reallabor-Ansatz und mit neuartigen
Methoden erforscht, die nicht mehr in die Ökosysteme eingreifen.
Indikatoren zur Bewertung des ökologischen Zustands von Küstenökosystemen
und deren Anwendung in der Naturschutzpraxis werden darüber hinaus in den
Nationalparks Schleswig-Holsteins und Niedersachsens entwickelt.

Akutes Umweltproblem: Bergung von Nachkriegsmunition

Ein akutes Umweltproblem, auf das die Mission ihr Augenmerk richtet, sind
die erheblichen Munitionsaltlasten, die in der deutschen Nordsee und
Ostsee nach dem Zweiten Weltkrieg verklappt wurden. Auch hier wurde im
Rahmen der Forschungsmission sustainMare ein transdisziplinärer Ansatz
gewählt. „Der Handlungsdruck ist groß. Die Munition liegt dort teilweise
seit mehr als 100 Jahren im Salzwasser, so dass sich die Metallhüllen
zersetzen. Wir konnten Schadstoffe wie TNT in marinen Lebewesen
nachweisen. Es gibt bereits weit fortgeschrittene Konzepte für die
Beseitigung der Nachkriegsmunition, die nun in den kommenden Jahren
umgesetzt werden sollen. Glücklicherweise existiert ein breiter
gesellschaftlicher und politischer Konsens darüber, endlich mit der
Problemlösung zu beginnen“, sagt Professor Jens Greinert vom GEOMAR
Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Mitorganisator der
Jahrestagung.

Erstmalig ganzheitlicher Zustand von Schutzgebieten in Nord- und Ostsee
erfasst

Wertvolle Erkenntnisse für die gesamte Mission sustainMare wurden zudem in
den beiden Pilotmissionen „Ausschluss mobiler, grundberührender Fischerei
in Schutzgebieten der Deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von
Nord- und Ostsee“ gewonnen. Hierbei ist die zentrale Frage, wie sich ein
Ausschluss der Schleppnetzfischerei auf die Lebensgemeinschaften, die
Beschaffenheit des Meeresbodens, die Biogeochemie der Sedimente und auf
die Austauschprozesse zwischen Sediment und Wassersäule auswirken wird.
Erstmalig wurde dafür ein ganzheitlicher Basiszustand der Schutzgebiete
erfasst, um verfolgen zu können, wie sich Ökosysteme ohne
Schleppnetzstörung entwickeln. Auf der Grundlage dieser Datenerhebung wird
nun mit neuen und traditionellen Methoden ein Monitoring entwickelt, das
dazu beiträgt, Zustandsveränderungen rechtzeitig zu erkennen und
Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Folgen mehrfacher Nutzung der Küstengewässer im Fokus zukünftiger
Forschung

Die Energiewende und besonders die Notwendigkeit der Sicherung der
Energieerzeugung hat im vergangenen Jahr zu einer erheblichen
Beschleunigung des Ausbautempos der Offshore-Energiegewinnung geführt. Das
ist eine Entwicklung, der sich die Forschungsmission sustainMare nicht
verschließen kann. Schon heute sind Auswirkungen auf die
Strömungsverhältnisse und den Meeresboden sowie Veränderungen der
Lebensräume für Fische, Meeressäuger oder Seevögel zu beobachten. Die
Folgen der intensiven Nutzung unserer Küstengewässer, die Untersuchung von
wirksamen Schutzkonzepten und Konzepten zur besseren Ausnutzung des
Meeresraumes werden deshalb im weiteren Verlauf der Forschungsmission noch
zentraler für die Forschung werden.

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