Zum Hauptinhalt springen

nnovatives Schwammstadt-Projekt: Erstes Purple-Roof-Dach Deutschlands installiert

Maßnahmen für eine Steuerung und Nutzung von
Wasser in Zeiten des Klimawandels sind in aller Munde. Ein Lösungsansatz
dazu ist ab sofort an der Grundschule Schauenstein zu sehen: Hier wurde in
Zusammenarbeit der Firma Browatech GmbH & Co. KG mit der Hochschule Hof
das erste sogenannte „Purple Roof“ Deutschlands installiert. Dabei handelt
es sich um ein neuartiges Gründachkonzept, das die Wasserrückhaltung im
Vergleich zu gewöhnlichen Gründächern deutlich optimiert. Die Installation
des Daches ist Teil eines Schwammstadt-Projektes der Hochschule Hof und
dem Kompetenznetzwerk Wasser Energie. Es ist das erste derartige Projekt
an einer bayerischen Schule.

Welche Relevanz das Thema Wassermanagement bei Starkregen hat, mussten
einige Gemeinden im Hofer Land zuletzt im Sommer 2021 erfahren als der
Katastrophenfall ausgerufen werden musste. Wenig erstaunlich also, dass
sich Verantwortliche immer mehr mit innovativen Lösungen zur
Wasserspeicherung befassen. Eine solche ziert nun das Dach der Turnhalle
der Grundschule Schauenstein und ist somit wohl eine der ersten,
abgeschlossenen Schwammstadt-Baumaßnahmen an bayerischen Schulen
überhaupt.

Innovation aus dem Hofer Land

Umgesetzt wurde die Maßnahme mit Hilfe der Firma Browatech aus Langenbach
bei Geroldsgrün, welche ein Kernelement der Innovation beisteuert. Die von
Browatech patentierte und nur 5 Millimeter dicke sowie ultraleichte „Tech-
Drainage“ ist als leistungsfähiges Drainagetextil Teil des sogenannten
„Purple-Roof-Konzeptes“, das in Europa als „Detention-Roof“ bekannt ist.
Es besteht aus vier Schichten: Die „Tech-Drainage“ als unterste Schicht
ist der sogenannte Detentionsleger. Er hat die Funktion, eine möglichst
hohe Wassermenge zu puffern und erst zeitverzögert wieder abzugeben. „Ziel
des Konzeptes“ ist somit, das gespeicherte Wasser erst nach und nach
abfließen zu lassen, sodass Überschwemmungen vermieden und bislang
notwendige Rückhaltebecken oder ähnliches überflüssig oder kleiner werden.
Dass diese Technik nun in Schauenstein eingesetzt werden kann, ist dem
zukunftsweisenden Denken von Architekt Renee Lorenz, dem Beratendem
Ingenieur Rainer Lang sowie Schauensteins Bürgermeister Florian Schaller
zu verdanken“, so Geschäftsführer Mario Browa. Produziert wird die
Innovation aus dem Hofer Land durch die Firma Sempergreen aus den
Niederlanden.

Maßnahmen gegen Starkregen und Trockenperioden

Am Projekt beteiligt ist auch die Hochschule Hof: Hauptaufgabe der
Forschenden ist eine begleitende Analyse, um prototypische Merkmale des
Projektes mit den Zielen des derzeit an der Hochschule Hof in Kooperation
mit dem Kompetenznetzwerk Wasser Energie laufenden Forschungsprojektes
SPORE abzugleichen. Bei dem von der Wilo Foundation und mit eigenen
Hochschulmitteln gefördertem SPORE geht es um die Beantwortung der Frage,
wie Oberfranken mit dem Klimawandel und insbesondere mit den extremen
Wetterereignissen Starkregen und Trockenheit umgehen sollte und welche
Rolle digitale Lösungen dabei spielen. „Mögliche Aktionsfelder hierbei
können einzelne Gebäude sein, ganze Stadtviertel, eine Ortschaft oder
sogar eine ganze Region. Die Grundschule Schauenstein ist durch den
Einsatz des Gründachs ein ideales Beispiel für das kleinste Aktionsfeld.
Schauenstein wird daher als Best Practice Bestandteil des
Handlungsleitfadens, der am Ende unseres Projektes steht“ so Prof. Günter
Müller-Czygan, Leiter des Instituts für nachhaltige Wassersysteme der
Hochschule Hof (inwa).

Weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte

Ein weiterer zu untersuchender Aspekt ist der Einfluss des Gründachs auf
das Kanalsystem. „Wir möchten wissen, wie viel Regenwasser zurückgehalten
werden kann, was dann nicht in den Kanal abgelassen werden muss. Hier
bereitet die Hochschule einen weiteren Forschungsantrag vor, bei dem das
Beispiel Schauenstein mit untersucht werden soll.“ Zusammen mit der
Gemeinde Schauenstein möchte man anschließend Innovationspotenziale für
neue Forschungs- und Entwicklungsprojekte ableiten. Dabei geht es
insbesondere um die Frage, wie die erforderliche Bewässerung für alle mit
Pflanzen ausgestattete Bereiche auch in längeren Trockenperioden gesichert
werden kann. „Hierzu werden diverse Messsysteme eingesetzt, um z.B. die
Bodenfeuchte zu messen und den Wasserbedarf zu ermitteln. Regenwasser wird
in entsprechenden Speicherbehältern gesammelt und eine sparsame
Wasserentnahme wird nach den Ergebnissen der Datenanalyse berechnet und
durchgeführt“, so Prof. Müller-Czygan.

Regenwassermanagement im Grundschulunterricht

Im SPORE-Vorhaben „Digitale Grundschule Schauenstein“ wird zudem erstmals
eine digitale Steuerungs- und Überwachungslösung eines
Regenwassermanagements für eine Schule entwickelt und soll in einem
weiteren Fördervorhaben kindgerecht realisiert werden, so dass sie im
Sachunterricht der Grundschule eingesetzt werden kann. „Wir möchten
bewusst Kinder und Jugendliche für die Bedeutung des Themas Wasser
sensibilisieren und freuen uns deshalb sehr, dass es gelungen ist, eine so
innovative Technik – für alle gut sichtbar - an unserer Schule zu
etablieren“, so Schulleiterin Andrea Fickenscher.

Schauensteins Bürgermeister Florian Schaller dazu: „Ich freue mich, dass
wir in Schauenstein Vorreiter einer einfachen und innovativen Entwicklung
sind. Es zeigt sich leider regelmäßig wieviel Schaden durch Starkregen
entstehen kann, wir leisten mit unserem Turnhallendach einen kleinen
Beitrag, der große Wirkung hat. Wer die Chance hat, ein solches
innovatives System zu verbauen, sollte dies tun, da die
Starkregenereignisse immer häufiger vorkommen.“

  • Aufrufe: 32

Angeborene Herzfehler bei Kindern und Erwachsenen: Herzstiftung fördert Forschung mit 550.000 Euro

Fördermittel für bundesweit neun Forschungsprojekte bewilligt

Angeborene Herzfehler (AHF) sind die häufigste angeborene
Organfehlbildung. Sie kommen bei ca. 1,1 Prozent der Neugeborenen vor.
Entsprechend werden pro Jahr in Deutschland 8.000 bis 9.000 Kinder mit
einem AHF geboren. Mehr als 90 Prozent von ihnen erreichen heute dank der
Behandlungsfortschritte das Erwachsenenalter. So leben nach
Expertenschätzungen etwa 330.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler
(EMAH) in Deutschland. Das verdanken diese Patienten vor allem den
medizinischen Fortschritten in der Kinderkardiologie und
Kinderherzchirurgie. Sie haben das Überlebensalter und die Lebensqualität
der jungen Patienten in den vergangenen Jahrzehnten in eindrucksvoller
Weise verbessert. Die Deutsche Herzstiftung hat im Rahmen der
„Sonderforschungsförderung Angeborene Herzfehler (AHF)“ Fördermittel für
neun Forschungsvorhaben im Gesamtumfang von 550.000 Euro bewilligt. „Wir
wollen mit unserer Initiative innovative Forschungsvorhaben fördern und
dazu beitragen, dringliche Probleme zu lösen. Das betrifft zum Beispiel
das frühzeitige Erkennen einer Herzinsuffizienz im Erwachsenalter als
Spätfolge eines angeborenen Herzfehlers. Ebenso wichtig ist, neue
Erkenntnisse zu den Auswirkungen einer Beatmungstherapie auf die
Herzfunktion bei herzoperierten Kindern zu gewinnen, betont Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
„Noch immer gibt es viele Fragen, deren Klärung für eine dauerhaft
verbesserte Lebensqualität der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit
angeborenem Herzfehler erforderlich ist. Wir sehen daher weiterhin
dringlichen Forschungsbedarf.“
Etwa 40 verschiedene AHF sind bekannt, viele davon noch mit weiteren
Untergruppen. Zu den typischen Herzfehlern gehören Veränderungen an den
Herzkammern, an den Herzklappen oder an den Trennwänden zwischen den
Herzkammern (Loch in der Herzscheidewand). Angeborene Herzfehler bedürfen
einer kontinuierlichen und lebenslangen fachärztlichen Nachsorge, um
Komplikationen zu vermeiden.

Forschungsvorhaben berücksichtigen Komplexität und Vielfalt der
angeborenen Herzfehler – Zweistufiges Gutachterverfahren

Bis zum Bewerbungsende am 30. April 2023 waren insgesamt 68 Projektanträge
eingegangen. Ein sechsköpfiges Gutachtergremium, das sich aus
Herzspezialisten der Vorstände der Deutschen Herzstiftung, der Deutschen
Stiftung für Herzforschung (DSHF), der Deutschen Gesellschaft für
Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) sowie des
Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung zusammensetzte, hat
die Anträge in einem zweistufigen Bewertungsverfahren beurteilt. Bei
Interessenkonflikten durfte keine Bewertung abgegeben werden. Dem Vorstand
der Herzstiftung wurden final neun Anträge zur Bewilligung vorgeschlagen
(siehe Übersicht „Sonderforschungsförderung Angeborene Herzfehler (AHF) –
Alle Forschungsprojekte im Überblick“).

„Nur mit Hilfe einer Forschungsförderung, die den vielschichtigen
Bedürfnissen dieser Patientengruppe gerecht wird, können wir Betroffene
wirkungsvoll vor schwerwiegenden Komplikationen schützen. Das fängt bei
der Diagnostik, Therapie und Nachsorge von angeborenen Herzfehlern an und
reicht bis hin zur Untersuchung von Langzeiteffekten spezieller Eingriffe
im Säuglings- und Kindesalter. Und auch die Erforschung von psychischer
Gesundheit und Lebensqualität im Erwachsenenalter gehört dazu“, erklärt
Prof. Voigtländer.

Sonderforschungsförderung Angeborene Herzfehler (AHF) – Forschungsprojekte
im Überblick

       Thema: Beatmungstherapie: Einfluss auf die kardiovaskuläre
Funktion
Dr. Jan Clausen et al., Deutsches Herzzentrum der Charité (DHZC) Berlin,
Klinik für Angeborene Herzfehler (Förderbetrag: € 130.000,00),
Influence of Positive End-Expiratory Pressure (PEEP) on Cardiac Output and
Right-Ventricular Function in Mechanically Ventilated Children "IPCOM-
Study"

       Thema: ccTGA: Sind Risikofaktoren einer Pumpschwäche früh
erkennbar?
Dr. med. Ailís Ceara Haney et al., Klinik für Kardiologie, Angiologie und
Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg € 67.847,00),
Quantifizierung der systolischen Funktion des systemischen rechten
Ventrikels bei kongenital korrigierter Transposition der großen Arterien
mittels Fast Strain-Encoded Imaging (fSENC) in der kardialen
Magnetresonanztomographie

       Thema: EMAH: Herzgesundheit und Lebensqualität 35 Jahre nach TGA-
OP
Prof. Dr. med. H. Hövels-Gürich et al., Klinik für Kinderkardiologie und
Angeborene Herzfehler, Überregionales EMAH-Zentrum, Uniklinik RWTH Aachen
(€ 40.000,00),
MRT, Echo und Spiroergometrie bei umfassender Längsschnittbeurteilung 35
Jahre nach arteriellem Switch bei Transposition der großen Gefäße (EMAH-
TGA)

       Thema: Einkammerherz: Individuelle Therapieplanung per Computer?
Dr. med. Peter Kramer, Klinik für Angeborene Herzfehler, Deutsches
Herzzentrum der Charité (DHZC), Campus Virchow-Klinikum (€ 51.472,00),
Computergestützte individuelle Therapieplanung bei Patienten mit
univentrikulären Herzfehlern

       Thema: Organische Dysfunktion nach Herz-OP: Welche Rolle spielen
Monozyten?
Moritz B. Merbecks et al., Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Klinik
für Kinder-kardiologie und Angeborene Herzfehler, Universitätsklinikum
Heidelberg (€ 32.320,00),
Bedeutung intermediärer Monozyten bei der organischen Dysfunktion nach
Kinderherz-OP

       Thema: Physische und psychische Gesundheit: Wie geht es EMAH nach
Fontan-OP?
Dr. med. Thibault Schaeffer et al., Klinik für Chirurgie angeborener
Herzfehler und Kinderherzchirurgie, Deutsches Herzzentrum München (€
10.000,00),
Long-term patient-reported outcomes in adults after Fontan or Fontan-like
procedure

       Thema: Untersuchung von Melody-Herzklappenprothesen
Prof. Dr. med. Matthias Sigler (FESC) et al., Klinik für Pädiatrische
Kardiologie, Intensivmedizin und Neonatologie, Georg August-Universität
Göttingen (€ 96.800,00),
Melody-Herzklappen: Histologische Analyse von Explantaten und klinische
Konsequenzen

       Thema: Nachsorge nach Fontan-OP: Empfehlung gleich Umsetzung?
PD Dr. med. Anja Tengler et al., Abteilung Kinderkardiologie und
Pädiatrische Intensivmedizin, LMU Klinikum (€ 33.000,00),
FONTANorm-Studie: Erfassung der aktuellen Versorgungssituation und
Etablierung bundesweit einheitlicher Follow-up Empfehlungen für Patienten
und Patientinnen mit univentrikulärer Palliation

       Thema: Vorhersage der Herzerholung nach Klappen-OP bei Kindern mit
KI
Dr. med. Theodor Uden et al., Klinik für Pädiatrischen. Kardiologie und
Intensivmedizin, Med. Hochschule Hannover (€ 98.197,56),
KI-basiertes Modell zur Prädiktion der linksventrikulären Erholung nach
Aortenklappenersatz im Kindesalter

  • Aufrufe: 18

Gesundheitskompetenz in Krisenzeiten - Tagung an der Medizinischen Hochschule Hannover

Gute Informationen bereitstellen, gesundheitliche Ungleichheit vermindern
und
Widerstandsfähigkeit stärken.

Pandemie, Krieg in Europa und Klimakrise - wir erleben derzeit viele
gesellschaftliche und individuelle Belastungen, Fehl- und Desinformation
sowie Herausforderungen zugleich. Inwieweit Gesundheitskompetenz uns
stärkt und hilft, mit diesen Veränderungen umzugehen, dieser Frage ist die
Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention e.V. (DGSMP) in
ihrer Jahrestagung vom 30. August bis 1. September 2023 an der
Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nachgegangen.

Für diese Tagung kooperiert die DGSMP erstmalig mit dem Deutschen Netzwerk
Gesundheitskompetenz e. V. (DNGK) und dem Nationalen Aktionsplan
Gesundheitskompetenz (NAP). Darüber hinaus sind die Medizinische
Hochschule Hannover (MHH) als Gastgeberin und die Pädagogische Hochschule
Freiburg als Mitausrichterin beteiligt.

„Wie lebenswichtig, ja überlebenswichtig es ist, kompetent mit
Informationen zu Gesundheit und Krankheit umzugehen, hat die COVID-19
Pandemie unmissverständlich gezeigt. Die anschließenden Krisen mit ihren
gesundheitlichen Begleiterscheinungen und Folgen bestätigen dies. Die
Förderung von Gesundheitskompetenz stellt inzwischen eine Daueraufgabe
dar, deren gesellschaftliche und gesundheitliche Bedeutung in Deutschland
nach wie vor nicht in ihrer Tragweite erkannt wird“, erläutert Prof. Dr.
phil. Doris Schaeffer, Sprecherin des Nationalen Aktionsplans
Gesundheitskompetenz.

„Gesundheitskompetenz ist eine wichtige Ressource im Umgang mit Krisen.
Allerdings sind Gesundheitsrisiken und auch Kompetenzen sozial ungleich
verteilt: In Krisenzeiten sind sozial Benachteiligte besonders gefährdet.
Deshalb bedarf es gezielter Maßnahmen zur Prävention über alle
Lebensbereiche hinweg, über die wir uns bei unserer Tagung austauschen
wollen“, erklärt Prof. Dr. med. Andreas Seidler, Präsident der DGSMP.

Wie wichtig auch in Krisenzeiten interdisziplinäre Forschung zur
Gesundheitskompetenz ist, ergänzt DGSMP-Vizepräsidentin Dr. Susanne
Jordan: „Es geht nicht nur um die allgemeine Gesundheitskompetenz der
Bevölkerung. Zunehmend wird auf spezifische Gesundheitskompetenzen
geschaut, die sich zum Beispiel auf verschiedene Lebensphasen, das
Gesundheitsverhalten oder konkrete gesundheitliche Situationen beziehen.
Damit eröffnen sich weitere Möglichkeiten, Maßnahmen zur Förderung der
Gesundheitskompetenz für Prävention, Gesundheitsförderung und
Gesundheitsversorgung gezielt zu entwickeln. Die Deutsche Gesellschaft für
Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) trägt zu dem benötigten
interdisziplinären Austausch zur Weiterentwicklung des
Gesundheitskompetenz-Konzeptes mit diesem Kongress bei.“

„Wir können mit der Förderung der Gesundheitskompetenz die Resilienz, also
die
Widerstandsfähigkeit jedes Einzelnen, aber auch der Gesellschaft
insgesamt, stärken“ betont die Tagungspräsidentin Prof. Dr. phil. Ulla
Walter. „So lernen wir besser mit den multiplen Herausforderungen und
Stressoren umzugehen. Dieses kommt unserer Gesundheit zu Gute.
Voraussetzung ist aber, dass wir uns in dem Dschungel an Angeboten und der
Informationsflut zurechtfinden.“

Ein besonderes Augenmerk legt die Tagung deshalb auf das Thema
„verlässliche
Information und Beratung“. Darauf weist die stellvertretende Vorsitzende
des DNGK und Tagungspräsidentin Prof. Dr. med. Eva Maria Bitzer hin:
„Gesundheitskompetenz heißt, gute gesundheitsbezogenen Entscheidungen
treffen zu können. Es liegt in der Verantwortung von Politik und
Gesellschaft, insbesondere, aber nicht nur in Krisenzeiten, solche
Entscheidungen niederschwellig zu ermöglichen. Dazu bedarf es
verlässlicher, fundierter Information und Beratung. Welche Angebote es
gibt, wie sie künftig besser genutzt werden können und welche Rolle
Politik und Organisationen der gesundheitlichen Versorgung hier haben, ist
eines der durchgehenden Themen der Tagung.

Weitere Informationen zum Jahreskongress: https://www.dgsmp-kongress.de/

  • Aufrufe: 10

Internationales Promotionsprogramm zu speziellen Autoimmunerkrankungen

EU fördert das Konsortium „IgG4 Treat“ mit über 2,5 Millionen Euro für
vier Jahre. Die Uni Kiel und das UKSH sind 2 von 16 Projektpartnern.

Das von der Europäischen Union im Rahmen der Marie Sklodowska-Curie
Actions geförderte Promotionsnetzwerk „IgG4-TREAT - Systematic study of
IgG4-autoimmune diseases to develop new treatment strategies“ startet
jetzt die Rekrutierungsphase. An dem europäischen Konsortium sind 13
akademische Forschungseinrichtungen, darunter auch die Medizinische
Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und das
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), sowie 3 Firmen aus 7
Ländern beteiligt. Ab sofort können sich interessierte
Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus den Lebenswissenschaften für eins
von insgesamt zehn Promotionsprojekten in Deutschland (Kiel, Berlin),
Österreich (Wien), Frankreich (Paris), den Niederlanden (Leiden,
Maastricht, Amsterdam), Griechenland (Athen), Italien (Pisa) oder der
Türkei (Istanbul) bewerben. Dem Forschungsverbund stehen bis zum Abschluss
der Studien im Jahr 2027 insgesamt 2,63 Millionen Euro zur Verfügung.

Das übergreifende Forschungsthema sind Autoimmunerkrankungen mit
organspezifischen Autoantikörpern einer bestimmten Unterform, dem Isotyp
IgG4. Hierzu zählen zum Beispiel Entzündungen des peripheren Nervensystems
(Immunneuropathien), Unterformen der Nerv-Muskelerkrankung Myasthenia
gravis und Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems (autoimmune
Enzephalitiden) sowie bestimmte blasenbildende Hauterkrankungen und
glomeruläre Nierenerkrankungen. „Unser Konsortium geht davon aus, dass bei
all diesen Erkrankungen gemeinsame Pathomechanismen vorliegen, deren
Erforschung auch gemeinsame Therapieoptionen eröffnet“, erklärt der Kieler
Projektleiter PD Dr. Frank Leypoldt, einer der Leiter der Arbeitsgruppe
Neuroimmunologie am Institut für Klinische Chemie des UKSH und Mitglied im
Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI). „Die
Krankheiten, um die es hierbei geht, sind für sich genommen zwar selten,
aber zusammen sind sie eine relevante Gruppe.“

Gemeinsamer Nenner: Autoantikörper vom Typ IgG4

Die organübergreifende, gemeinsame Betrachtung dieser verschiedenen
IgG4-Autoimmunerkrankungen ist das zentrale Thema des
Forschungskonsortiums. Die Krankheiten sind klinisch schwerwiegend, teils
schwer zu diagnostizieren und schwierig zu behandeln. Sie betreffen
unterschiedliche Organe und wurden daher bisher nicht übergreifend
betrachtet. „Der gemeinsame Nenner all dieser Krankheiten sind jedoch die
Antikörper vom Typ IgG4“, so Leypoldt. Diese Antikörper galten bisher
eigentlich als entzündungshemmend, da sie andere Komponenten des
Immunsystems deutlich weniger aktivieren als andere Isotypen. Das Problem
ist, dass sie dennoch mit hoher Bindungsstärke an ihr jeweiliges Antigen,
ein körpereigenes Protein, binden und dessen Funktion blockieren. „Dieses
Phänomen beobachten wir an völlig verschiedenen Organsystemen, an der
Haut, der Niere, im Gehirn und in den peripheren Nerven. Das wollen wir
verstehen und therapeutisch ausnutzen. Vielleicht lassen sich auch Lösung
finden, die übergreifend eingesetzt werden können“, erklärt der Experte
für autoimmune Gehirnerkrankungen.

Innovative Ausbildung an verschiedenen Standorten

Im Vordergrund des Programms steht die Ausbildung und Vernetzung von
jungen Forschenden auf dem Gebiet der IgG4-Antikörper-vermittelten
Krankheiten. Für das Ausbildungsnetzwerk wurden Labore und Institute mit
komplementären Expertisen und Ressourcen zusammengebracht, um ein
ausgewogenes Portfolio an Fachwissen aus verschiedenen Europäischen
Ländern zu gewährleisten. Integraler Bestandteil der Marie-Sklodowska-
Curie-Doktorandennetzwerke ist, dass die internationalen Doktorandinnen
und Doktoranden mit ihrem Projekt nicht nur an ihrem Standort forschen,
sondern auch in andere Labore für drei bis sechs Monate strukturiert
rotieren. „In den Partnerlaboren, die andere Aspekte der
Ausgangsfragestellung bearbeiten, können sie neue Techniken trainieren und
ihren Horizont erweitern“, betont Leypoldt. Zusammen mit dem
Neuroimmunologen Professor Klaus-Peter Wandinger, der Bioinformatikerin
Dr. Daniela Esser und dem Experten für Neurogenetik und molekulare
Neurobiologie Professor Gregor Kuhlenbäumer leitet er das Kieler
Forschungsprojekt, bei dem unter anderem Immunzellen im Nervenwasser von
Patientinnen und Patienten mit autoimmuner Enzephalitis untersucht werden.
Hierbei werden neueste molekularbiologische Untersuchungsmethoden
verwendet, wie die Einzelzellsequenzierung, um herauszufinden, warum die
Immunzellen dauerhaft IgG4-Autoantikörper produzieren. Durch Analyse
vorhandener Gendaten soll außerdem geprüft werden, ob es Auffälligkeiten
auf genetischer Ebene gibt, die auch bei anderen
IgG4-Autoimmunerkrankungen gefunden werden.

Über IgG4 Treat

Das Programm „IgG4-TREAT - Systematic study of IgG4-autoimmune diseases to
develop new treatment strategies“ ermöglicht eine strukturierte Ausbildung
von zehn Doktorandinnen und Doktoranden innerhalb eines europäischen
Netzwerks. Beteiligt an dem Forschungsvorhaben sind Einrichtungen aus dem
akademischen und dem nicht-akademischen Sektor aus Österreich
(Medizinische Universität Wien), Deutschland (Christian-Albrechts-
Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel,
Charité – Universitätsmedizin Berlin), Frankreich (Institut national de la
santé et de la recherche médicale, Paris, Sorbonne Université, Paris), den
Niederlanden (Leiden University Medical Center, Maastricht University,
University of Amsterdam, Stichting Sanquin Bloedvoorziening, Amsterdam),
Griechenland (National and Kapodistrian University of Athens, Hellenic
Pasteur Institute, Tzartos NeuroDiagnostics, Athen), Italien (Azienda
Ospedaliero Universitaria Pisana, Pisa, Fondazione Istituto Neurologico
Nazionale Casimiro Mondino, Pavia) oder der Türkei (Istanbul University).
Dr. Inga Koneczny von der Medizinischen Universität Wien koordiniert das
Marie-Sklodowska-Curie-Programm für Promovierende.

Über Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen

Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen sind Teil des europäischen
Förderprogramms "Horizont 2020". Sie sollen die länder- und
sektorübergreifende Mobilität fördern und die Attraktivität von
wissenschaftlichen Laufbahnen steigern. Gefördert werden strukturierte
Ausbildungsnetzwerke für Doktorandinnen und Doktoranden,
Forschungsaufenthalte für erfahrene Forschende sowie
Personalaustauschprogramme und Mobilitätsprogramme. Benannt wurde das
Programm nach der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie.

Fotos stehen zum Download bereit:

<www.uni-kiel.de/de/pressemitteilungen/2023/210-IgG4.jpg>
Nervenzellen mit gebundenen Autoantikörpern unter dem Mikroskop. Jeder
grüne Punkt entspricht einer Synapse, also der Stelle, über die eine
Nervenzelle mit anderen Zellen Signale austauscht. An jeder dieser Synapse
lagern sich tausende, mikroskopisch kleine, grün-fluoreszierend markierte
Autoantikörper an und stören deren Funktion. Die Zellkerne der
Nervenzellen sind in blau dargestellt.
© F. Leypoldt, UKSH

<www.uni-kiel.de/fileadmin/user_upload/pressemitteilungen/portraitbilder
/leypoldt-frank-01.jpg
>
Leiter des Kieler Teilprojekts von „IgG4 Treat“ ist der Neuroimmunologe PD
Dr. Frank Leypoldt, Oberarzt im Institut für Klinische Chemie und der
Klinik für Neurologie des UKSH, Campus Kiel.
© UKSH

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Eva Sittig, Text: Kerstin Nees
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431)
880-1355
E-Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> Internet: <www.uni-kiel.de> Twitter:
<www.twitter.com/kieluni>
Facebook: <www.facebook.com/kieluni> Instagram:
<www.instagram.com/kieluni>

  • Aufrufe: 31