nnovatives Schwammstadt-Projekt: Erstes Purple-Roof-Dach Deutschlands installiert
Maßnahmen für eine Steuerung und Nutzung von
Wasser in Zeiten des Klimawandels sind in aller Munde. Ein Lösungsansatz
dazu ist ab sofort an der Grundschule Schauenstein zu sehen: Hier wurde in
Zusammenarbeit der Firma Browatech GmbH & Co. KG mit der Hochschule Hof
das erste sogenannte „Purple Roof“ Deutschlands installiert. Dabei handelt
es sich um ein neuartiges Gründachkonzept, das die Wasserrückhaltung im
Vergleich zu gewöhnlichen Gründächern deutlich optimiert. Die Installation
des Daches ist Teil eines Schwammstadt-Projektes der Hochschule Hof und
dem Kompetenznetzwerk Wasser Energie. Es ist das erste derartige Projekt
an einer bayerischen Schule.
Welche Relevanz das Thema Wassermanagement bei Starkregen hat, mussten
einige Gemeinden im Hofer Land zuletzt im Sommer 2021 erfahren als der
Katastrophenfall ausgerufen werden musste. Wenig erstaunlich also, dass
sich Verantwortliche immer mehr mit innovativen Lösungen zur
Wasserspeicherung befassen. Eine solche ziert nun das Dach der Turnhalle
der Grundschule Schauenstein und ist somit wohl eine der ersten,
abgeschlossenen Schwammstadt-Baumaßnahmen an bayerischen Schulen
überhaupt.
Innovation aus dem Hofer Land
Umgesetzt wurde die Maßnahme mit Hilfe der Firma Browatech aus Langenbach
bei Geroldsgrün, welche ein Kernelement der Innovation beisteuert. Die von
Browatech patentierte und nur 5 Millimeter dicke sowie ultraleichte „Tech-
Drainage“ ist als leistungsfähiges Drainagetextil Teil des sogenannten
„Purple-Roof-Konzeptes“, das in Europa als „Detention-Roof“ bekannt ist.
Es besteht aus vier Schichten: Die „Tech-Drainage“ als unterste Schicht
ist der sogenannte Detentionsleger. Er hat die Funktion, eine möglichst
hohe Wassermenge zu puffern und erst zeitverzögert wieder abzugeben. „Ziel
des Konzeptes“ ist somit, das gespeicherte Wasser erst nach und nach
abfließen zu lassen, sodass Überschwemmungen vermieden und bislang
notwendige Rückhaltebecken oder ähnliches überflüssig oder kleiner werden.
Dass diese Technik nun in Schauenstein eingesetzt werden kann, ist dem
zukunftsweisenden Denken von Architekt Renee Lorenz, dem Beratendem
Ingenieur Rainer Lang sowie Schauensteins Bürgermeister Florian Schaller
zu verdanken“, so Geschäftsführer Mario Browa. Produziert wird die
Innovation aus dem Hofer Land durch die Firma Sempergreen aus den
Niederlanden.
Maßnahmen gegen Starkregen und Trockenperioden
Am Projekt beteiligt ist auch die Hochschule Hof: Hauptaufgabe der
Forschenden ist eine begleitende Analyse, um prototypische Merkmale des
Projektes mit den Zielen des derzeit an der Hochschule Hof in Kooperation
mit dem Kompetenznetzwerk Wasser Energie laufenden Forschungsprojektes
SPORE abzugleichen. Bei dem von der Wilo Foundation und mit eigenen
Hochschulmitteln gefördertem SPORE geht es um die Beantwortung der Frage,
wie Oberfranken mit dem Klimawandel und insbesondere mit den extremen
Wetterereignissen Starkregen und Trockenheit umgehen sollte und welche
Rolle digitale Lösungen dabei spielen. „Mögliche Aktionsfelder hierbei
können einzelne Gebäude sein, ganze Stadtviertel, eine Ortschaft oder
sogar eine ganze Region. Die Grundschule Schauenstein ist durch den
Einsatz des Gründachs ein ideales Beispiel für das kleinste Aktionsfeld.
Schauenstein wird daher als Best Practice Bestandteil des
Handlungsleitfadens, der am Ende unseres Projektes steht“ so Prof. Günter
Müller-Czygan, Leiter des Instituts für nachhaltige Wassersysteme der
Hochschule Hof (inwa).
Weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte
Ein weiterer zu untersuchender Aspekt ist der Einfluss des Gründachs auf
das Kanalsystem. „Wir möchten wissen, wie viel Regenwasser zurückgehalten
werden kann, was dann nicht in den Kanal abgelassen werden muss. Hier
bereitet die Hochschule einen weiteren Forschungsantrag vor, bei dem das
Beispiel Schauenstein mit untersucht werden soll.“ Zusammen mit der
Gemeinde Schauenstein möchte man anschließend Innovationspotenziale für
neue Forschungs- und Entwicklungsprojekte ableiten. Dabei geht es
insbesondere um die Frage, wie die erforderliche Bewässerung für alle mit
Pflanzen ausgestattete Bereiche auch in längeren Trockenperioden gesichert
werden kann. „Hierzu werden diverse Messsysteme eingesetzt, um z.B. die
Bodenfeuchte zu messen und den Wasserbedarf zu ermitteln. Regenwasser wird
in entsprechenden Speicherbehältern gesammelt und eine sparsame
Wasserentnahme wird nach den Ergebnissen der Datenanalyse berechnet und
durchgeführt“, so Prof. Müller-Czygan.
Regenwassermanagement im Grundschulunterricht
Im SPORE-Vorhaben „Digitale Grundschule Schauenstein“ wird zudem erstmals
eine digitale Steuerungs- und Überwachungslösung eines
Regenwassermanagements für eine Schule entwickelt und soll in einem
weiteren Fördervorhaben kindgerecht realisiert werden, so dass sie im
Sachunterricht der Grundschule eingesetzt werden kann. „Wir möchten
bewusst Kinder und Jugendliche für die Bedeutung des Themas Wasser
sensibilisieren und freuen uns deshalb sehr, dass es gelungen ist, eine so
innovative Technik – für alle gut sichtbar - an unserer Schule zu
etablieren“, so Schulleiterin Andrea Fickenscher.
Schauensteins Bürgermeister Florian Schaller dazu: „Ich freue mich, dass
wir in Schauenstein Vorreiter einer einfachen und innovativen Entwicklung
sind. Es zeigt sich leider regelmäßig wieviel Schaden durch Starkregen
entstehen kann, wir leisten mit unserem Turnhallendach einen kleinen
Beitrag, der große Wirkung hat. Wer die Chance hat, ein solches
innovatives System zu verbauen, sollte dies tun, da die
Starkregenereignisse immer häufiger vorkommen.“
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