Am 8. und 9. September versammeln sich rund 200 Absolvent*innen und Studierende des MBA Sustainability Management auf dem Campus der Leuphana Universität Lüneburg zu den traditionellen Home Coming Days. Unter dem Motto „Schöne grüne Welt – Vom Meistern, Scheitern und Weitermachen“ feiern sie in diesem Jahr das 20-jährige Bestehen des weltweit ersten Green MBA.
2003 rief der Nachhaltigkeitsexperte Professor Dr. Stefan Schaltegger am Centre Sustainability Management (CSM) der Leuphana den damals neuartigen MBA-Studiengang für Nachhaltigkeitsmanagement ins Leben und startete damit eine Erfolgsgeschichte: Inzwischen haben mehr als 500 Absolvent*innen das Studienprogramm erfolgreich durchlaufen und tragen in Unternehmen, im öffentlichen Sektor und in Non-Profit Organisationen aktiv zum Nachhaltigkeitswandel bei.
Bei einer Fachkonferenz am ersten Veranstaltungstag beschäftigen sich die Teilnehmenden damit, was in Unternehmen in den letzten 20 Jahren im Hinblick auf Nachhaltigkeit erreicht wurde, was krachend gescheitert ist und wie man trotz aller Herausforderungen und Rückschläge optimistisch in die Zukunft gehen kann. Expert*innen aus Unternehmen und Zivilgesellschaft werden in Vorträgen Impulse geben, unter ihnen auch Absolvent*innen des MBA-Studiengangs, die beim EWE-Konzern oder dem Photovoltaik-Start-up Installion Gmbh tätig sind.
Am 9. September überreicht Studiengangsleiter Stefan Schaltegger in einem feierlichen Rahmen 35 neuen Absolvent*innen des Studiengangs ihre MBA- Urkunden. Danach werden vor der Kulisse des Zentralgebäudes in bewährter Tradition die Master-Hüte in die Luft geworfen. Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ist Gastrednerin der Veranstaltung. Sie selbst hatte einst als wissenschaftliche Mitarbeiterin den Studiengang mit aufgebaut und später den MBA-Titel für Nachhaltigkeitsmanagement an der Leuphana erworben.
Die Mobilität der Zukunft ist nicht nur autonom, sondern auch komfortabel und sicher: Das Fraunhofer IMS präsentiert auf der IAA MOBILITY 2023 in München KI-Algorithmen, die Sicherheit und Komfort in Verkehrsmitteln deutlich erhöhen. Dafür erfassen optische Sensoren Vitaldaten, die dann von KI-Algorithmen ausgewertet werden. Die Algorithmen sind modular einsetzbar und einfach im Fahrzeug integrierbar. Für Automobilhersteller eröffnen sich dadurch neue Messmöglichkeiten. Unterstützt wird diese Entwicklung durch das European New Car Assessment Programme, das den Einbau von Innenraumkameras in Fahrzeuge vorschreibt. Diese und weitere Innovationen präsentiert Fraunhofer in Halle B1, Stand D11.
Das Fahrzeug der Zukunft wird nicht nur den Straßenverkehr im Blick haben. Sensoren im Innenraum des Fahrzeugs werden im Zusammenspiel mit KI- Algorithmen die Fahrt auch für die Insassen deutlich sicherer und komfortabler machen: »Eine intelligente Bild- und Signalverarbeitung gepaart mit KI-basierten Algorithmen extrahiert winzige Intensitätsänderungen oder Mikrobewegungen auf der Haut oder am menschlichen Körper. Aus den gewonnenen Signalen können letztlich Vitalparameter wie Herz- und Atemfrequenz extrahiert werden«, erläutert Dr. Christian Wiede, Leiter Embedded AI am Fraunhofer IMS. Die Atemfrequenz von Personen lässt sich beispielsweise über kleinste Bewegungen des Brustkorbs sichtbar und messbar machen. Das weniger bekannte optische Phänomen der Photoplethysmographie bietet hingegen die Möglichkeit, die Herzfrequenz zu erfassen. Dieses Phänomen wird durch die Kontraktion des Herzens ausgelöst und sorgt für sehr subtile Helligkeitsänderungen auf der Haut. Mit bloßem Auge nicht sichtbar können diese Änderungen durch normale Kameras dennoch detektiert werden.
Vorteile für die Mobilität der Zukunft
Mit Blick auf Komfort und Sicherheit bietet die Entwicklung zahlreiche Vorteile für die Mobilität der Zukunft: In privaten, öffentlichen und industriellen Fahrzeugen können durch das Monitoring des gesundheitlichen Zustands von Auto- und Berufskraftfahrenden oder Lokführenden Notfälle vorhergesehen und im besten Falle verhindert werden. Darüber hinaus lassen sich Komfortfunktionen wie Temperatur, Sound- und Lichtregelung noch besser auf den Fahrenden abstimmen und bieten ein besseres Fahrerlebnis.
Eine solche kamerabasierte Messung erfolgt kontaktlos und benötigt kein aktives Eingreifen des Fahrenden. Dies sorgt nicht nur für mehr Komfort, sondern auch dafür, die Akzeptanz für den Einsatz solcher Systeme zu erhöhen. Das Fraunhofer IMS hat eine modulare Softwarebibliothek entwickelt, welche sich unkompliziert in bestehende Anwendungen und Assistenzsysteme im Fahrzeug integrieren lässt. Dadurch ist sichergestellt, dass unabhängig vom Fahrzeughersteller oder Zulieferer eine Integration möglich ist.
In Zukunft kann das System um weitere Parameter wie Blutdruck, Stresssymptome, alkoholbedingte Intoxikation und vieles mehr ergänzt werden.
Auf der IAA MOBILITY vom 5. bis 8. September 2023 geben die Forschenden des Fraunhofer IMS einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen. Am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle B1, Stand D11 wird durch eine Konsole sichtbar gemacht, wie KI-Algorithmen Vitaldaten wie Herz- oder Atemfrequenz optisch erfassen.
Israel Philharmonic Orchestra Konzertbild von Manuela Jans.
Besetzung und Programm: Israel Philharmonic Orchestra Lahav Shani Dirigent Louise Farrenc (1804–1875) Ouvertüre Nr. 2 Es-Dur op. 24 Joseph Haydn (1732–1809) Sinfonie D-Dur Hob. I:104 Johannes Brahms (1833–1897) Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68
Das Orchester wurde im Jahr 1936 vom polnischen Geiger Bronislaw Huberman unter dem Namen Palästinensisches Symphonisches Orchester gegründet. Die Vision eines Orchesters hatte Huberman bereits vor der offiziellen Gründung des Staates Israel. Es sollte eine Antwort sein auf das, was in Europa während der Zeit des Zweiten Weltkriegs geschehen war. Nach der Unabhängigkeitserklärung, respektive Staatsgründung des Staates Israel 1948, änderte das Orchester seinen Namen in Israel Philharmonic Orchestra. Das erste Konzert fand am 26. Dezember 1936 in Tel Aviv statt und wurde von dem berühmten italienischen Dirigenten und erklärten Antifaschisten Arturo Toscanini geleitet. Auf dem Programm standen die 2. Sinfonie von Johannes Brahms und die Ouvertüre zur Oper Oberon von Carl Maria von Weber.
Der Dirigent
Israel Philharmonic Orchestra mit Lahav Shani Dirigent Konzertbild von Manuela Jans
Lahav Shani ist seit 2020, in Nachfolge von Zubin Mehta, der erste Sabra, also im Land Israel geborene Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra, bei dem er aber schon als bloss 16jähriger als Kontrabassist engagiert war. Zwei Jahre später debütierte er als Pianist mit Tschaikowskys erstem Klavierkonzert, und 2010 gab er seinen Einstand am Pult. «Viele Orchestermitglieder kenne ich schon seit meiner Kindheit», erzählt Shani. «Wir gehen direkt miteinander um, es fühlt sich ganz natürlich an.»
Die Israeli starteten ins musikalische Gala Dîner mit einem kurzen Amuse d’oreille einer fast vergessenen, nun wiederentdeckten französischen Komponistin.
Klangliche Wiederentdeckung: Louise Farrencs Ouvertüre Nr. 2 in Es-Dur op. 24
So wurden wir reich beschenkt durch das Israel Philharmonic Orchestra unter der leidenschaftlichen Leitung von Lahav Shani, das die Ouvertüre Nr. 2 in Es-Dur op. 24 von Louise Farrenc tonal erstrahlen lässt.
Eine Schatztruhe der Melodien
Komponistin Louise Farrenc
Die Ouvertüre beginnt mit einer bezaubernden Melodie, die das Herz sofort einfängt und den Hörer auf eine musikalische Reise entführt. Das Orchester unter Lahav Shanis Führung interpretiert Farrencs Komposition mit bemerkenswerter Hingabe und entfaltet die reichen Klangfarben und Emotionen, die in der Partitur verborgen sind.
Ein Tanz der Instrumente
Die verschiedenen Instrumentengruppen des Orchesters verschmelzen zu einem harmonischen Tanz, bei dem jedes Instrument seine eigene Stimme erhält und dennoch nahtlos in das Gesamtklangbild integriert wird. Shanis resolutes Dirigat verleiht der Aufführung eine lebendige Dynamik, die das Stück vorantreibt und den Zuhörer in seinen Bann zieht.
Dynamik und Emotionen in Einklang
Die Aufführung zeichnet sich durch eine eindrucksvolle Balance zwischen dynamischen Kontrasten und tief empfundenen Emotionen aus. Von leisen, zarten Momenten bis hin zu kraftvollen Crescendos wird jede Facette der Komposition meisterhaft dargestellt. Das Orchester verleiht Farrencs Musik eine aufrichtige Intensität, die das Publikum berührt.
Ein klangliches Juwel
Israel Philharmonic Orchestra mit Lahav Shani Dirigent Konzertbild von Manuela Jans
Das Israel Philharmonic Orchestra und Lahav Shani haben zweifellos ein klangliches Juwel mit der Französin Werk geschaffen. Die Wiederentdeckung dieser Komposition ist eine Hommage an deren künstlerisches Erbe und ihre Fähigkeit, Emotionen durch Musik auszudrücken. Diese Aufführung ist ein Beweis für die zeitlose Schönheit und Relevanz von Farrencs Musik und wurde vom Publikum mit reichlich Applaus belohnt.
Haydns Meisterstück: Sinfonie D-Dur Hob. I:104
Das Israel Philharmonic Orchestra unter der geschickten Leitung von Lahav Shani präsentiert Joseph Haydns Sinfonie D-Dur Hob. I:104 mit meisterhafter Virtuosität und interpretatorischem Geschick.
Klangliche Brillanz und Klarheit
Die Sinfonie entfaltet sich unter Shanis Leitung mit einer beeindruckenden Klangpracht und einer bemerkenswerten Klarheit. Jede Instrumentengruppe des Orchesters wird mit großer Präzision und Sensibilität präsentiert, wodurch ein reiches und ausgewogenes Klangbild entsteht. Die Streicher strahlen in den lyrischen Passagen, während die Bläser mit starker Präsenz und Ausdruckskraft brillieren.
Eine Reise durch Kontraste
Joseph Haydn
Haydns Sinfonie Nr. 104 ist bekannt für ihre kontrastreiche Struktur, und das Israel Philharmonic Orchestra verleiht diesen Kontrasten eine faszinierende Tiefe. Die Verschmelzung von leisen und lauten Momenten, von sanften Melodien und kraftvollen Rhythmen, wird von Shani meisterhaft gesteuert. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Stimmungen werden nahtlos und mit beeindruckender Geschmeidigkeit gemeistert.
Lebendige Erzählung und Präzision
Das Orchester erzählt die musikalische Geschichte von Haydns Sinfonie mit lebhafter Erzählkunst. Jeder Satz wird mit einer klaren Struktur und einem tiefen Verständnis für die musikalische Intention präsentiert. Shanis präzises Dirigat führt das Orchester durch die komplexen Rhythmen und harmonischen Wendungen der Sinfonie und verleiht der Musik eine unvergleichliche Lebendigkeit.
Ein Triumph der Interpretation
Israel Philharmonic Orchestra mit Lahav Shani Dirigent Konzertbild von Manuela Jans
Das Israel Philharmonic Orchestra und Lahav Shani liefern eine wahrhaft triumphale Interpretation von Joseph Haydns letzter Sinfonie. Diese Aufführung würdigt die Genialität von Haydns Schaffen und lässt seine Musik in voller Pracht erstrahlen. Die harmonische Einheit des Orchesters und die einfühlsame Leitung von Lahav Shani machen diese Aufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis für Liebhaber klassischer Musik. Das Auditorium, sichtlich beeindruckt, spendete langanhaltenden, stürmischen Applaus und begab sich darauf in die Foyers und auf den Vorplatz des KKL in die Pause, wo angeregte Gespräche über das Gehörte geführt wurden.
Emotionale Tiefe und Majestät: Brahms’ Sinfonie Nr. 1
Nach der Pause folgte dann noch die Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68 von Johannes Brahms, die Richard Wagner mal spottend Beethovens Zehnte nannte. Hier konnte sich der Dirigent fast entspannt zurücklehnen, hatte doch „sein“ Israel Philharmonic Orchestra das Ganze total im Griff, bzw. in den Instrumenten und bot eine berauschende Demonstration orchestraler Leistung
Das Israel Philharmonic Orchestra unter der inspirierten Leitung von Lahav Shani entfesselt die kraftvolle Emotion und majestätische Schönheit von Johannes Brahms’ Meisterwerk in einer beeindruckenden Darbietung.
Eine Ode an die Emotionen
Ludwig Michalek Portrait Johannes Brahms 1891
Brahms’ Sinfonie Nr. 1 ist ein Werk von tiefer emotionaler Resonanz und das Israel Philharmonic Orchestra versteht es meisterhaft, diese Emotionen zu vermitteln. Unter Shanis einfühlsamer Führung entfalten sich die melodischen Linien mit einer außergewöhnlichen Intensität. Die Streicher drücken sehnsüchtige Melancholie aus, während die Bläser kraftvolle Ausbrüche von Leidenschaft liefern.
Dynamik und Spannung
Die Aufführung zeichnet sich durch eine beeindruckende dynamische Bandbreite aus, die von leisen, zarten Passagen bis hin zu kraftvollen und mitreißenden Momenten reicht. Lahav Shani lenkt das Orchester geschickt, um die dramatischen Kontraste von Brahms’ Komposition zu betonen. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Stimmungen sind fließend und gut ausgearbeitet und der Dirigent formt mit Gestik und Mimik das Ganze zu einem, dem Sommerfestival 2023 Motto «Paradies» entsprechenden, paradiesischem Klangerlebnis
Orchesterklang in Perfektion
Israel Philharmonic Orchestra mit Lahav Shani Dirigent Konzertbild von Manuela Jans
Das Israel Philharmonic Orchestra präsentiert sich als homogenes und klanglich ausgereiftes Ensemble. Die instrumentale Präzision und die Fähigkeit der Musiker, miteinander zu verschmelzen, verleihen der Aufführung eine beeindruckende klangliche Einheit. Die einzelnen Stimmen treten hervor und fügen sich gleichzeitig nahtlos in das Gesamtklangbild ein.
Ein Höhepunkt der sinfonischen Kunst
Die Interpretation von Johannes Brahms’ Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68 durch das Israel Philharmonic Orchestra unter Lahav Shanis Leitung ist zweifellos ein Höhepunkt der sinfonischen Kunst. Diese Aufführung ehrt die tiefe emotionale Intensität und die musikalische Raffinesse von Brahms’ Werk. Die starke emotionale Verbundenheit aller Protagonisten war fast körperlich zu spüren. Die herausragende Leistung des Orchesters und die einfühlsame Leitung von Lahav Shani machen diese Aufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis für Musikliebhaber. Dies sahen auch die Konzertbesucher so und feierten die Protagonisten heftig mit einer Akklamation, die schlussendlich in die verdiente Standing Ovation führte.
Lucerne Festival Orchestra Foto Priska Ketterer Yannick Nézet-Séguin und das Lucerne Festival Orchestra Foto Patrick Hürlimann
Besetzung und Programm: Lucerne Festival Orchestra Yannick Nézet-Séguin Dirigent Lili Boulanger (1893–1918) D’un soir triste Anton Bruckner (1824–1896) Sinfonie Nr. 8 c-Moll WAB 108 Fassung von Robert Haas
Konzerte mit dem Lucerne Festival Orchestra, vor 20 Jahren von Claudio Abbado (1933 – 2014) und Festival Intendant Michael Häfliger gegründet, sind natürlich immer ein Leckerbissen, besonders dann, wenn ein so extrovertierter Gastdirigent wie der Kanadier Yannick Nézet-Séguin das Zepter übernimmt.
Lili Boulanger(1893–1918) D’un soir triste
Die Komponistin hinter dem Werk: Lili Boulanger
Lili Boulanger Komponistin
Lili Boulanger, eine der faszinierendsten Komponistinnen des 20. Jahrhunderts, hinterließ ein beeindruckendes musikalisches Erbe trotz ihres tragisch kurzen Lebens. “D’un soir triste” ist ein Werk von bemerkenswerter Schönheit, das die Zuhörer in eine Welt tiefer Gefühle und klanglicher Poesie entführt.
Klangfarben der Melancholie
Lucerne Festival Orchestra Konzertbild von Patrick Hürlimann
Das Werk beginnt mit einer geheimnisvollen Einleitung, die sofort eine Atmosphäre von Melancholie und Nachdenklichkeit schafft. Die klanglichen Schichten, die Lili Boulanger in diesem Stück geschaffen hat, sind vielschichtig und nuancenreich. Das Lucerne Festival Orchestra unter Yannick Nézet-Séguins Führung fing die subtilen Schattierungen dieser Komposition meisterhaft ein und verlieh jedem Ton eine besondere Bedeutung.
Die Meisterschaft des Orchesters: Interpretation und Emotionen
Unter dem engagierten Dirigat des gestenreich agierenden Kanadiers zeigte der Weltklasseklangkörper eine bemerkenswerte Sensibilität für die feinen emotionalen Nuancen von “D’un soir triste”. Die Streicher setzten ihre Bögen mit zarter Einfühlsamkeit ein, während die Bläser die Melodien mit Ausdruckskraft und Tiefe präsentierten. Die Interpretation des Orchesters war geprägt von einer tiefen musikalischen Verbindung und einer meisterhaften Balance zwischen lyrischen Momenten und dramatischer Intensität.
Ein Dialog der Emotionen: Solistische Passagen
Lucerne Festival Orchestra Konzertbild von Patrick Hürlimann
Die solistischen Passagen im, mit ca. zwölf Minuten Spieldauer relativ kurzen Werk, waren Momente intensiver Intimität. Das Werk bietet den Instrumentalisten Raum für individuellen Ausdruck, und die Musiker*innen des Lucerne Festival Orchestra nutzten diese Gelegenheit, um eine tiefe emotionale Resonanz zu erzeugen. Die klagenden Melodien und die dialogartigen Passagen zwischen den Instrumentengruppen schufen eine eindringliche Klanglandschaft, die die Zuhörer in ihren Bann zog.
Ein musikalisches Erlebnis von großer Schönheit
Lucerne Festival Orchestra Konzertbild von Patrick Hürlimann
Insgesamt war die Umsetzung der Intentionen der schon im Alter von 24 Jahren 1918 verstorbenen Komponistin ein musikalisches Erlebnis von großer Schönheit. Das Werk wurde mit einer Mischung aus technischer Präzision und emotionaler Hingabe präsentiert, die die zarten Klangfarben und die tiefe Bedeutung desselben hervorhoben. Das Publikum wurde auf eine Reise der Gefühle mitgenommen und konnte die musikalische Brillanz von Lili Boulanger durch die meisterhafte Interpretation des Orchesters voll und ganz erleben und honorierte dies auch mit entsprechender Akklamation.
Anton Bruckner(1824–1896) Sinfonie Nr. 8 c-Moll WAB 108 Fassung von Robert Haas
Grosse Herausforderung auch für Rezensenten
Anton Bruckner Komponist
Die Zusammenfassung im Telegrammstil könnte so klingen: Der Kopfsatz bannend-genial, das bissige Scherzo herrlich unverqualmt, das Adagio schwefelgelb schwelend vor Intensität, das Finale wohltuend gedrängt, scheinbar aus einem Impuls entwickelt. So kann man das Brucknerkonzert mit Yannick Nézet-Séguin beschreiben. Details, die haften: die einen Moment ins Zeitlose dehnende Pianissimo-Coda des Kopfsatzes. Der lässig-leutselige Schwung der Nebenthemen in Trio und Finale. Und voll dunkler Wucht die Celli und Bässe im Adagio (das fff nach dem letzten fff-Höhepunkt des Orchesters) und im Finale. Unsagbar reich die Kulminationsstellen (Reprise im Allegro moderato). Ach ja, fast selbstverständlich: der schier überwältigende Artikulationsreichtum der Geigen.
Ein Bruckner ganz im Stil des kanadischen Dirigenten!
Charsmatischer Dirigent Yannick Nézet-Séguin
Ansonsten war es ein echter Bruckner. Aufregend ist, dass ein Sinnkern die zahlreichen Themenkomplexe der Ecksätze durchzieht. Dann die bis zu greller Buntheit gesteigerten Farben (was dem Scherzo guttut, im Adagio und Finale für ungewohnt komplexe Hörerlebnisse sorgt). Sodann werden Resignation und Tragik radikal mit subjektiven Gehalten gefüllt. Dazu zählt auch der bis hart an Mahlersche Ausdrucksregionen vorgeschobene Lyrismus des Adagios. das fauchende Brüllen der Tutti-Extasen weist weit voraus. Ja, in diesen Stellen vollziehen sich gar brennpunktartig die Entgrenzungen der Moderne. Adieu, du Vorstellung vom Landei Bruckner. Abschied von der falschen Vorstellung vom biederbösen Gründerjahre Pomp Bruckners.
Bruckners Sinfonie als 88minütges Finale?
Lucerne Festival Orchestra Konzertbild von Patrick Hürlimann
Von Yannick Nézet-Séguin und seinen Mitmusiker»innen in einer wirklich hochkonzentrierten Aufführung dargebracht. Da greifen alle ineinander, schaffen sich alle ihren Platz, beziehen Stellung, organisieren sich. Alle Sektionen bis in die Haarspitzen motiviert – da arbeiten, und fuhrwerken im besten Sinne des Wortes die Kontrabässe und geben damit überhaupt ein Gerüst, den so wichtigen Halt. Es gerät zum Sieg der Musikalität dieses wirklich außergewöhnlichen Klangkörpers über eine von Überspanntheit und Gereiztheit und bebender Nervosität durchäderte Komposition. Ein Orchester, das sich immer wieder selbst überraschen kann. Sich selbst, und seinen wunderbar transparenten Gastdirigenten. Dem sie hier wirklich ein Geschenk darbringen, wenn sie ihm folgen, seinen kleinen Fingerzeigen, seinem Flackern der linken Hand, wenn es im dritten Satz in eine Adagio hafte Sanftheit und Leisetreterei geht.
Yannick Nézet-Séguin geht auch körperlich an Grenzen
Lucerne Festival Orchestra Konzertbild von Patrick Hürlimann
Yannick Nézet-Séguin, der auch körperlich mächtig Einsatz zeigt, ohne Noten, dafür mit Taktstock leitet, zeigt den Streichern an, die Spannung zu halten, während sich die famosen Holzbläser ein kleines, Menuett artiges Stelldichein mit den drei Klarinetten liefern. Und kurz danach zieht ein Ruck durch den Körper des Dirigenten, er springt beinahe in die Höhe. Sekunden später: Ein anschwellendes Glissando – immer wieder dieses Wechselbad aus hochfahrenden, nachgerade auf die Tube drückenden, pressenden Tempi, gepaart mit einer Dynamik bis an die Grenze des Hörbaren. Jedenfalls im triumphalen Finalsatz, der dem kanadischen Taktgeber und seinen wundervollen weit über 120 Musikern wie eben das eingangs erwähnte Gleißen eines Lichtscheins gelingt. Das Helle, die Erleuchtung behält die Oberhand. Dem Dirigenten gelingt es auf vorbildliche Weise, den dramaturgischen Bogen über die mächtigen Themenblöcke hinweg zu spannen und trotzdem so in Nuancen zu differenzieren, dass es nicht einfach nur möglichst laut ist.
Es wurde schon immer sehr viel über diese Sinfonie philosophiert
Lucerne Festival Orchestra Konzertbild von Patrick Hürlimann
Wir ersparen uns alles weitere Philosophieren über das Werk und seine Bedeutung und können wohl anmerken: Es ist möglich, Bruckners wahnwitzige, an Wagner anknüpfende Rhythmik, eine Form zu geben. Der Dirigent schleift auch die expressiven Kanten nicht, die sich so wunderbar rau vom Wohltöner Wagner abheben und eben in eine neue Richtung weisen. Es ist ein beinahe körperlicher Akt, der hier stattfindet – athletisch, muskulös. Ja, auftrumpfend. Aber trotzdem, es gibt so viele, auch von Yannick Nézet-Séguin mit den Hörnern im Blech und den Klarinetten und Oboen und Fagotten herausgearbeiteten Miniaturen, die das Monumentale auf die Erde zurückholen, dass es eine Freude ist. Triumphal! Irgendwie ist diese Sinfonie halt doch schon fast ein 90minütiges Finale und Finalissime die derart daherkommen hat das Publikum besonders gern, wenn sie so mächtig martialisch sind. Das Auditorium zeigte sich begeistert und feierte die Protagonist*innen mit frenetischem Applaus, vereinzelten Bravorufen und schlussendlich einer „Standing Ovation“.