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Seebühne Bregenz Puccinis Madame Butterfly. 8. August 2023, besucht von Léonard Wüst

Szenenfoto Madame Butterfly, Butterfly mit Papierschiff
Szenenfoto Madame Butterfly, Butterfly mit Papierschiff

Besetzung Cio-Cio-San (genannt Butterfly) Elena Guseva
Suzuki Aytaj Shikhalizada
B. F. Pinkerton Łukasz Załęski
Sharpless Yngve Søberg
Goro Spencer Lang
Der Fürst Yamadori Patrik Reiter
Onkel Bonzo Levente Páll
Kate Pinkerton Hamida Kristoffersen
Der kaiserliche Kommissar Matthias Hoffmann
Kind Aurel Boss
Musikalische Leitung Yi-Chen Lin
Bregenzer Festspielchor
Tänzer:innen der Bregenzer Festspiele

Wired Aerial Theatre
Statisterie der Bregenzer Festspiele 
Prager Philharmonischer Chor
Wiener Symphoniker

Meine persönliche Spiel auf dem See Geschichte begann im Jahre 1992, mit Julia Migenes in der Titelrolle bei Georges Bizets «Carmen», diejenige des Spiel auf dem Sees an sich schon im Jahre 1946 mit einem Konzert auf zwei zusammengebundenen Lastkähnen beim Spielort Gondelhafen

https://chronik.bregenzerfestspiele.com/saison-1946

in den folgenden drei Jahren am Spielort Strandbad

https://chronik.bregenzerfestspiele.com/saison-1947/die-entfuehrung-aus-dem-serail

bevor im Jahr 1950 mit der Operette «Gasparone» von Karl Millöcker der heutige Ort Seebühne seine Feuertaufe erlebte und von dem aus die schier unglaubliche Erfolgsgeschichte begann und bis heute mit pro Saison 26 ausverkauften Vorstellungen mit jeweils 7000 Zuschauern anhält und für die Tickets am Platz vor der Bühne vor Vorstellungen wie Wertpapiere gehandelt werden.

https://chronik.bregenzerfestspiele.com/saison-1950 .

Mein Pakt mit dem Bregenzer Wettergott

Voraussetzung für gelungene Open Air Events jeglicher Art ist natürlich gutes Wetter. Ich buche immer für den ersten Samstag im August und mein «Wetterpoker» war bis jetzt, also über 30 Jahre noch immer erfolgreich, mit exakt drei «Zittertagen»:

Turandot 2016: ca. 20 Minuten nach Beginn, also um etwa 21.20 Uhr ein unverhoffter Platzregen und kurze Flucht in den Innenbereich der Seebühne, wo man Regenkapuzen erstehen konnte, wenns dann weiterginge. Nach ungefähr fünf Minuten war der Spuk vorbei, die Bühne ausreichend abgetrocknet und von Pfützen soweit gereinigt, dass ein gefahrloses agieren auf derselben wieder möglich war. Also seinen Platz wieder einnehmen, den man mit einem Taschentuch sitztauglich getrocknet hatte und schon gings weiter ohne Wetterkapriolen bis zum Schluss, Glück gehabt.

Rigoletto 2021: Nicht grad optimistische 14 Tage Wetterprognose, die aber, je näher der 1. August Samstag rückte, immer ein bisschen besser wurde, aber bis am Samstag selbst noch immer Regen im «Programm» hatte. Bei unserer Abfahrt um ca. 13.00 Uhr trübte denn auch ein Nieselregen unsere Vorfreude leicht, konnte aber meinen Optimismus auf sich bessernde Bedingungen bis zur Spielzeit um 21.00 Uhr nicht «überstimmen». Da es aber während unserer ungefähr 2 ½ stündigen Anreise nicht aufhörte zu regnen, waren wir schon nicht mehr grad in Festlaune. Auch auf dem Fussmarsch vom Parkplatz zur Seebühne war ein Schirm von Vorteil, aber immerhin war es jetzt, ca. fünf Stunden vor Beginn, nur noch ein Nieselregen und es deutete sich an, dass es nächstens ganz aufhören würde, da sich ab und zu auch ein Sonnenstrahl durch die Wolken schmuggelte. Wir genossen ein feines Nachtessen im Gastronomiezelt vis a vis der Seebühne und das Wetter wurde besser und besser und war bis zum Spielbeginn fast so gut wie unser Essen und unsere Stimmung, als etwa eine Stunde vor Start die ordentliche Durchführung der Vorstellung über Lautsprecher verkündet wurde.

Madame Butterfly 2023: Nach reichlich Sonnenschein und teils sehr hohen Temperaturen im Juni und Juli waren die Wetteraussichten für das vergangene Wochenende sehr betrüblich und das Ende meines Wetterglücks in Bregenz rückte äusserst bedrohlich nahe. Da ich aber, wie meist die letzten Jahre, Hotelzimmer gebucht hatte, war für mich eine Nichtanreise undenkbar, immer in der Hoffnung, dass die Voraussagen der Metereolog*innen  nicht zutreffen würden. Bei Abreise mit dem Zug zuhause war es immerhin trocken, was meine Hoffnung nährte, doch noch erfreulich überrascht zu werden. Auf der Fahrt im Intercity von Luzern Richtung Bodensee, trübte der Himmel, somit auch meine Stimmung ein und schon kurz vor Zürich konnte der Himmel seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Auch auf der weiteren Fahrt Richtung Bregenz liess der Regen nicht, oder kaum nach und meine Glückssträhne schien tatsächlich zu reissen.

Hoffnung keimte auf, als mein Bregenzer Wettergott eingriff

Dann aber, kurz hinter St. Gallen, schaltete sich mein Bregenzer Wettergott ein und entzog Petrus nach und nach den Flüssigkeitsnachschub, sodass wir in Bregenz auf dem kurzen Weg vom Bahnhof Bregenz Hafen zum Hotel die mitgenommenen Schirme nicht aufspannen mussten und trockenen Fusses dort ankamen. Auch der Himmel hatte sich aufgehellt, Regenwolken waren verschwunden und so spazierten wir nach dem Zimmerbezug erwartungsvoll gutgelaunt der ca. einen Kilometer langen Strandpromenade entlang Richtung Seebühne, um vor der Veranstaltung noch im Gastronomiezelt vis a vis, wie jedes Jahr, gepflegt zu dinieren und mit einem perlenden Glas Festspielcuvée auf das kommende Erlebnis anzustossen. Sogar die Sonne lugte hervor, um uns zu begrüssen, also alles bestens, der Entwarnung folgte Erleichterung und Vorfreude.

Die beeindruckende Kulisse

Seebühne mit Papierboot  Seitenansicht Foto Felix Kästledpa
Seebühne mit Papierboot Seitenansicht Foto Felix Kästle dpa

Die Seebühne in Bregenz bietet eine imposante Kulisse für Giacomo Puccinis Oper “Madama Butterfly”. Die Seebühne, Spielort seit 1950, erstaunt immer wieder mit imposanten Bühnenbildern, besonders spektakulär für Verdis “Rigoletto” in den Jahren 2019 und 2021, beeindruckend auch für die japanische Butterfliege, wenn auch vielleicht nicht ganz so spektakulär auf den ersten Blick. Dennoch täuscht der erste Eindruck, denn das von Bühnenbildner Michael Levine entworfene Papierblatt ragt 23 Meter in die Höhe und wiegt fast das Doppelte der damaligen Rigoletto-Figur.

Zitat aus dem Liebherr Magazin

Die Idee zum Bühnenbild stammt von dem gebürtigen Kanadier Michael Levine. Seit fast vierzig Jahren ist er an den renommiertesten Spielstätten der Welt tätig und nun zum ersten Mal in Bregenz dabei. Dafür hat er zunächst ein Modell entworfen und digitalisiert. Seine Vorstellung: Auf dem Bodensee treibt ein hauchdünnes, großes Pergamentblatt– achtlos zerknüllt und ins Wasser geworfen. An einer Seite wölbt es sich leicht nach oben über den See. Auf dem strahlenden Weiß ist die Tuschzeichnung einer japanischen Landschaft zu erkennen. Das Blatt ist schutzlos den Wellen ausgeliefert. An seine rechte Seite schmiegt sich ein Papierschiff, mit Elementen der amerikanischen Flagge bemalt. Als „kunstvoll und zerbrechlich“ empfindet Intendantin Elisabeth Sobotka das Bühnenbild. Denn das Papier steht in seiner Zartheit und Zerbrechlichkeit für die Hauptfigur in der tragischen Oper. Zitatende

Die Wiener Symphoniker und die Dirigentin Yi-Chen Lin

Dirigentin Yi-Chen Lin
Dirigentin Yi-Chen Lin

Die Wiener Symphoniker spielen auf der Bühne des Bregenzer Festspielhauses, während der Orchesterklang auf den See übertragen wird. Unter der Leitung der in Wien aufgewachsenen, gebürtigen Taiwanesin Yi-Chen Lin interpretieren sie Puccinis feingesponnenes Notengeflecht intensiv und gefühlvoll und lassen den Stimmen auf der Bühne genug Raum und Volumen zur Entfaltung.

Die Dirigentin Yi-Chen Lin

Die Dirigentin Yi-Chen Lin stammt aus einer Musikerfamilie aus Taipei und begann schon im zarten Alter von vier Jahren mit dem Geigenunterricht. Als außergewöhnlich begabt erwiesen, wurde sie mit neun Jahren zur Vorbereitungsklasse der Wiener Musikhochschule zugelassen. Yi-Chen Lin gab ihr Debüt als Dirigentin 2009 mit dem RSO Wien und ist seit der Saison 2020/21 Kapellmeisterin und musikalische Assistentin an der Deutschen Oper Berlin.

Weltklasse Klangqualität dank ausgetüfteltem System

Das-ausgefeilte Tontechnik-System-der-Seebuehne
Das-ausgefeilte Tontechnik-System-der-Seebuehne

Die Qualität der Musikübertragung vom Festspielhaus zur Bühne ist inzwischen von derart hoher Qualität, dass die Bregenzer Festspiele sich trauen, “Madama Butterfly” in das Programm aufzunehmen. Regisseur Andreas Homoki stellt keine aktuelle Sextourismusgeschichte dar, sondern setzt die Oper in eine erstarrte japanische Kultur zum Ende des Shogunats und ein Amerika der 1950er-Jahre. Die Inszenierung beeindruckt durch ihre ruhige Hand und poetische Bilder.

Das Drama der Handlung

Aufmarsch der Geishas
Aufmarsch der Geishas

Die Oper erzählt vom Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Zivilisationen: dem amerikanischen Marineleutnant B. F. Pinkerton, der eine Scheinehe mit der jungen Japanerin Ciò-Ciò-San eingeht. Diese nimmt die Ehe ernst und wartet drei Jahre lang auf ihn, während er mit seiner neuen, amerikanischen Frau zurückkehrt, um das gemeinsame Kind mitzunehmen. Doch das einstige Papierboot hat sich zu einem überdimensionalen Symbol entwickelt und die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Eine Inszenierung voller Poesie

Cio-Cio-San-Butterfly-ihre-Dienerin-Suzuki-und-Goro
Cio-Cio-San-Butterfly-ihre-Dienerin-Suzuki-und-Goro

Die Inszenierung von Andreas Homoki besticht durch ihre Poesie und durchdachte Gestaltung. Sie vermeidet Effekthascherei und gibt den Akteur*innen und der Musik genug Raum zur Entfaltung. Die Hauptfigur, gespielt von Elena Guseva, überzeugt mit ihrer lyrischen und anrührenden Darbietung und auch die andern Darstellenden agieren auf höchstem Niveau. Primus inter pares bei den männlichen Darstellern ist Yngve Søberg, der den amerikanischen Konsul Sharpless verkörpert. Die Inszenierung bleibt wie ein Kammerspiel fokussiert auf die Titelfigur. Die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Yi-Chen Lin fügen sich nahtlos in das Gesamtbild ein und die Soundanlage bewährt sich.

Zweiter Teil der zweistündigen Inszenierung

Madama-Butterfly-wartet-in-Bregenz-mit-vielen-Effekten-auf-Figuren-auf-einem-zerknitterten-Tuschebild
Madama-Butterfly-wartet-in-Bregenz-mit-vielen-Effekten-auf-Figuren-auf-einem-zerknitterten-Tuschebild

Auch in der zweiten Hälfte bleibt die Inszenierung im Vergleich mit vergangenen Festspielproduktionen weniger spektakulär, dafür sehr ästhetisch. Es ist weiter das Spiel mit dem Licht, das das Bühnenbild von Michael Levine, ein 1.340 Quadratmeter großes Blatt “Papier”, in immer neue Stimmungen und Zusammenhänge taucht. Ganz auf Spektakel wird freilich nicht verzichtet. So wird etwa Fürst Yamadori (Patrik Reiter) in einer Art Sänfte, die im Wasser um die Seebühne getragen wird, in das Spiel eingeführt. Als am Ende Madame Butterfly stirbt, ziehen Flammen als Projektion über die Bühne, die am oberen Ende des Bühnenbilds – das Blatt Papier ist abgebrannt – in echtes Feuer übergehen.

Madame-Butterfly-Szenenfoto
Madame-Butterfly-Szenenfoto

Das Auditorium war begeistert und spendete einen langanhaltenden stürmischen Shlussapplaus für den schlussendlich auch noch Dirigentin Yi-Chen Lin aus dem nahen Festspielhaus herbeieilte.

 

 

Fazit und Ausblick

Butterfly vermisst Pinkerton sehnlichst Foto Angela Henzi
Butterfly vermisst Pinkerton sehnlichst Foto Angela Henzi

„In des Welt-Atems wehendem All – ertrinken, versinken, unbewusst – höchste Lust!“ Butterfly rammt sich einen Dolch in den Leib, Tosca stürzt sich in die Tiefe, Carmen wird vom eifersüchtigen José erstochen, Alfredo kommt zu spät: seine todkranke Geliebte Violetta stirbt in seinen Armen. Nirgendwo wird so schön und virtuos gestorben wie auf der Bregenzer Seebühne.

 

 

 

 

Elena Guseva gibt eine  überragende Butterfly
Elena Guseva gibt eine überragende Butterfly

Bereits jetzt blickt man erwartungsvoll auf 2024/25, wenn Carl Maria von Webers “Freischütz” die Seebühne entern wird, bei der, ausnahmsweise,  keine Dame im Finale das Zeitliche segnen muss.

.youtube.com/watch?v=JtZ2Sokm2i0&t=9s

Szenenfoto Diashow  Madame Butterfly von Anja Köhler und Karl Forster

fotodiashows.wordpress.com/2022/08/08/madame-butterfly-seebuhne-bregenz-6-august-2022/

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: bregenzerfestspiele.com/de

Homepages der andern Kolumnisten:  www.marinellapolli.ch                        www.gabrielabucher.ch
 
 

Madame Butterfly Szenenfoto

Geishas auf einem zerknitterten Tuschebild

Madame Butterfly Seebèhne in der Abendsonne

Stetes Feilen an der Technik auf der Seebühne

Zuschauertribüne Foto Anja Köhler

 

Die Protagonist*innen beim Schlussapplaus

Konzert auf dem See im Gondelhafen 1946

Die Entführung aus dem Serail Spielort Strandbad 1947

Erster Event auf der Seebühne Gasparone Karl Millöcker 1950

Puccinis Turandot Seebühne 2016

Turandot 2016

Rigoletto Seebühne 2019

Verdis Rigoletto spektaskulär in Szene gesetzt 2021

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Artenvielfalt in Gewässern im Zangengriff

Gewässerleben unter dem Mikroskop. In naturnahen Bächen kommen in Mitteleuropa pro Quadratmeter häufig mehr als 10.000 Individuen aus mehr als 100 Arten aus den Gruppen der Insekten, Muscheln, Schnecken, Krebsen und Würmer vor  Wolfram Remmers  Umwelt-Campus Birkenfeld
Gewässerleben unter dem Mikroskop. In naturnahen Bächen kommen in Mitteleuropa pro Quadratmeter häufig mehr als 10.000 Individuen aus mehr als 100 Arten aus den Gruppen der Insekten, Muscheln, Schnecken, Krebsen und Würmer vor Wolfram Remmers Umwelt-Campus Birkenfeld

Veröffentlichung eine europaweiten Studie zur Biodiversitätsentwicklung in
Gewässern im renommierten Wissenschaftsjournal Nature unter Beteiligung
des Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier. Die Studie wertet
Gewässerdaten aus 22 europäischen Ländern über einen Zeitraum von 1968 bis
2020 aus.

In vielen Lebensräumen geht die Artenvielfalt in besorgniserregendem Maße
zurück. Gründe dafür sind der fortschreitende Lebensraumverlust, die
Intensivierung der Landwirtschaft, Schadstoffbelastungen, der Klimawandel
und vieles mehr. Besonders gut lassen sich solche Effekte in Gewässern
untersuchen. Sie liegen immer am tiefsten Punkt der Landschaft und nehmen
die Einflüsse Ihrer Umgebung auf.

Unter Beteiligung der Hochschule Trier ist aktuell eine europaweite Studie
zur Biodiversitätsentwicklung in Gewässern im renommierten
Wissenschaftsjournal Nature erschienen. „Gerade Fließgewässer sind ein
Hotspot der Artenvielfalt, eine Vielzahl von Kleinstlebewesen lebt im
Gewässerbett, vor allem Insektenarten, Muscheln, Schnecken, Krebse und
Würmer. Diese formen die Nahrungsgrundlage für Fische, und spielen auch
eine wichtige Rolle für die Selbstreinigungskraft und andere Prozesse im
Gewässer“ erläutert Prof. Dr. Stoll vom Umwelt-Campus Birkenfeld der
Hochschule Trier, einer der Autoren der Studie.

Die aktuelle Studie wertet Gewässerdaten aus 22 europäischen Ländern über
einen Zeitraum von 1968 bis 2020 aus. Die Studie zeigt, dass sich im
Zeitraum zwischen 1980 und 2010 die Artenvielfalt in den Gewässern
entgegen dem allgemeinen Trend in der umgebenden Landschaft erhöhte. Die
Autoren führen dies auf die Verbesserung der Wasserqualität durch den
Kläranlagenbau und umfangreiche Gewässerrenaturierungsprojekte in diesem
Zeitraum zurück. Die Gewässersysteme, die sich durch den Klimawandel am
wenigsten erwärmten und deren Einzugsgebiete den geringsten Anteil an
Bebauung und Ackerland aufwiesen, zeigten in den vergangenen Jahrzehnten
die höchsten Biodiversitätszunahmen.

Im letzten Jahrzehnt von 2010 bis 2020 wurde allerdings europaweit ein
Abebben dieser Biodiversitätszunahmen in Gewässern festgestellt. Die
Autoren führen dies auf ein Nachlassen der Renaturierungsbemühungen
zurück. Zusätzlich stellen sie dar, dass positive Renaturierungseffekte
nun zunehmend durch den Klimawandel überlagert werden, der zu extremeren
Hochwassersituationen und längeren Trockenphasen führt. Auch die
Intensivierung der Landwirtschaft ist bis in die Gewässer hinein spürbar.

Prof. Dr. Stoll appelliert deshalb, die Renaturierungsbemühungen in und an
unseren Gewässern wieder zu verstärken. „Die Daten der vergangenen
Jahrzehnte zeigen, dass mit konsequentem Gewässerschutz dem allgemeinen
Trend des Biodiversitätsverlusts entgegengewirkt werden kann. Insbesondere
die Ertüchtigung von Kläranlagen und natürliche Gewässerrandstreifen
helfen den Gewässerorganismen. Eine natürliche Ufervegetation spendet auch
Schatten, der den Anstieg der Wassertemperatur durch den Klimawandel
abmildert“.

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Bauen im digitalen Zeitalter: NRW-Ministerium lädt zu Kongress an die Bergische Universität ein

Am Campus Haspel der Bergischen Universität findet am 30. August der BIM-Kongress des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen statt.  Foto Andreas Horsky
Am Campus Haspel der Bergischen Universität findet am 30. August der BIM-Kongress des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen statt. Foto Andreas Horsky

Unter dem Motto „Angekommen in der Praxis: BIM erleben, BIM anwenden“
findet an der Bergischen Universität Wuppertal am Mittwoch, 30. August,
der BIM-Kongress NRW 2023 des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und
Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen statt. Das Akronym BIM
steht für Building Information Modeling, eine Methode, Bauwerke anhand
eines konsistenten, digitalen Gebäudemodells über ihren gesamten
Lebenszyklus mit allen relevanten Informationen abzubilden, alle daran
Beteiligten zu vernetzen und kollaborativ zusammenzuarbeiten.

Ziel von BIM ist es, die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt
verfügbar zu machen, Prozesse zu optimieren und reibungsloses Planen,
Bauen und Betreiben zu ermöglichen.

Da das BIM Institut an der Bergischen Universität bereits seit einigen
Jahren für das NRW-Ministerium zum Thema BIM in der kommunalen
Bauverwaltung forscht, ein Schulungskonzept und eine BIM-
Handlungsempfehlung entwickelt hat, ist Wuppertal prädestiniert für die
Durchführung des Kongresses. Neben der Präsentation bereits erfolgreich
umgesetzter BIM-Projekte von Kommunen für Kommunen und Erfahrungsberichten
zur strategischen Einführung von BIM in kommunalen Verwaltungen können die
Teilnehmer*innen des Kongresses in den Pausen BIM-Labore zu den Themen
Digitale Bauwerkedokumentation, kommunale Bauprojektabwicklung sowie
Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) entdecken.

Innovationspfad zeigt Lösungen für die Praxis

Außerdem können digitale Innovationen und Werkzeuge für Planung und
Ausführung im Rahmen des Innovationspfades erkundet werden – einer den
Kongress begleitenden Ausstellung. Die Praxispartner Allplan, brz, Dalux,
Solibri, madaster und smino stellen Lösungen vor, die Kommunen dabei
unterstützen, ihre Bauprojekte effizienter zu planen und zu realisieren.

Als Auftraggeberin einer Vielzahl sehr unterschiedlicher kommunaler
Projekte kommt der Kommune eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung der
Bau- und Immobilienwirtschaft zu. Zum Kongress werden daher rund 200
Entscheidungsträger*innen der kommunalen Bauverwaltungen und der
kommunalen Gebäudewirtschaft sowie der Bauaufsichten erwartet. Neben Uni-
Rektorin Birgitta Wolff wird Ministerin Ina Scharrenbach den Kongress
persönlich eröffnen.

Programm und Anmeldung

Weitere Informationen zum Programm gibt es über diesen Link, über den bis
zum 14. August auch noch Anmeldungen möglich sind:
https://eveeno.com/BIMKongress2023. Die Teilnahme ist kostenlos.
Veranstaltungsort ist Gebäude HC am Campus Haspel der Bergischen
Universität, Pauluskirchstraße 7, Wuppertal.

Interessierte Medienvertreter*innen können sich für weitere Informationen
und zwecks Anmelung an Katja Indorf, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., wenden.

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Erste Priorität: Vital ! „Waldpflege im Klimawandel“ - neues Merkblatt der LWF

Zukunftsfähiger Einzelbaum mit vitaler Krone als Ergebnis einer konsequenten und kontinuierlichen Pflege  Wolfram Rothkegel, LWF
Zukunftsfähiger Einzelbaum mit vitaler Krone als Ergebnis einer konsequenten und kontinuierlichen Pflege Wolfram Rothkegel, LWF

Waldbesitzer und Forstleute stehen in den nächsten Jahren vor der großen
Herausforderung unsere Wälder für die Klimazukunft fit zu machen. Wie
dabei die gezielte Waldpflege, vom Sämling bis zum vitalen Altbaum mit
großer Baumkrone, helfen kann, zeigt das neue Merkblatt „Waldpflege im
Klimawandel“ der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
(LWF).

Auf großer Fläche wurde in den letzten Jahrzehnten die Anreicherung der
Wälder in Bayern mit Mischbaumarten durch Pflanzung, Saat sowie über
Naturverjüngung eingeleitet. In diese zukunftsfähigen Waldflächen wurde
bereits viel Arbeitszeit und Geld investiert, weshalb es nun gilt, sie für
die Zukunft gewinnbringend zu sichern. Dafür ist die richtige Waldpflege
unerlässlich. „Um Wälder zu gestalten, die an den Klimawandel angepasst
sind, müssen wir möglichst viele, insbesondere die klimastabilen Baumarten
erhalten und fördern. Mit der Waldpflege müssen wir sie widerstandsfähig
machen gegenüber Stressfaktoren wie Trockenheit, Sommerhitze oder
Stürmen“, so der Präsident der LWF, Dr. Peter Pröbstle.

Im Merkblatt „Waldpflege im Klimawandel“ (Nr. 54) werden die wichtigsten
Lebensphasen der Bäume und die zum jeweiligen Eingriffszeitpunkt
entscheidenden waldbaulichen Maßnahmen beschrieben und erläutert. Die
Pflegekette besteht aus den 4 aufeinander folgenden Phasen:
Etablierungsphase, Qualifizierungsphase, Dimensionierungsphase und
Reifephase. Die Entwicklung eines Waldbestandes führt somit vom Beginn der
Bestandsbegründung (Etablierung) über die Jungwuchs- und
Jungbestandspflege (Qualifizierung) bis zum eigentlichen Kronenaufbau
(Dimensionierung). Abgerundet werden die Pflegevorschläge für ein
methodisch auf den Klimawandel abgestimmtes waldbauliches Vorgehen, mit
Maßnahmen zum Einleiten der Verjüngung und dem Generationenwechsel.

Neu an der beschriebenen Herangehensweise ist die frühe Hinwendung zur
positiven Auslese und zum vitalen Einzelbaum. Die Zukunftsbäume sollen
künftig in weiteren Abständen und mit geringeren Stückzahlen ausgewählt
werden. Dazwischen entsteht so auch Platz für unbehandelte Zwischenräume.
Mit diesem Vorgehen wird sowohl auf die bisher übliche „Negativauslese“
als auch auf die kostenintensive Pflege der gesamten Bestandsfläche
verzichtet. „Damit,“ so Präsident Dr. Pröbstle, „führt die moderne
Waldpflege nicht nur zu klimastabilen Wäldern sondern gleichzeitig auch zu
einer naturnahen Bewirtschaftung unserer Wälder. Die Aspekte der
Holznutzung und die Aspekte des Waldnaturschutzes werden gleichermaßen
berücksichtigt.“ Außerdem gilt der Grundsatz „Erste Priorität: Vital!“.
Bei der Planung von Pflegeeingriffen wird also das Kriterium der Vitalität
den Kriterien Qualität und Leistung vorangestellt.

Gegenüber dem herkömmlichen Waldbau erfordert der zukunftsgerichtete
„Waldbau im Klimawandel“ damit ein grundlegendes Umdenken in der
forstlichen Praxis. Hintergrund dieser Neuausrichtung sind Praxis-
Erfahrungen und wissenschaftliche Ergebnisse zur Reaktion von Bäumen auf
Pflegeeingriffe unter klimabedingten Stresssituationen. Zusammenfassend
wurde dabei festgestellt, dass frühzeitig vitalisierte Einzelbäume unter
witterungsextremen Bedingungen widerstandsfähiger sind. Zudem ermöglicht
eine konsequent und kontinuierlich durchgeführte Waldpflege kürzere
Produktionszeiten, damit vermindert sich das Risiko vorzeitiger Ausfälle
nochmals.

Das neue Merkblatt 54 „Waldpflege im Klimawandel“ der LWF kann unter:
https://s.bayern.de/mb_54_waldpflege_im_klimawandel heruntergeladen oder
bestellt werden.

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