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Oslo Opera Orchestra: Prokofiev 3 mit Isata Kanneh-Mason, 22. Juni 2023, besucht von Léonard Wüst

 
Das Operahuset ein Erlebnis aus allen Perspektiven
Das Operahuset ein Erlebnis aus jeder Perspektive
 

Isata Kanneh-Mason Solistin am Piano

 

Besetzung und Programm:
The Norwegian National Opera Orchestra
Dirigent Hannu Lintu
Isata Kanneh-Mason Solistin am Piano
Sergei Sergejewitsch Prokofjew Piano Concerto No. 3
Gustav Mahler Symphony No. 5

Sergei Sergejewitsch Prokofjew Piano Concerto No. 3

Solistin am Pino Isata Kanneh-Mason Foto -Robin-Clewley
Solistin am Pino Isata Kanneh-Mason Foto -Robin-Clewley

Das 3. Klavierkonzert von Sergei Prokofjew ist ein bedeutendes Werk der Klavierliteratur, das für seine kraftvolle und dramatische Natur bekannt ist, wurde 1921 komponiert und ist in drei Sätzen angelegt.

Eine dramatische Interpretation dieses Werkes zeichnet sich durch eine leidenschaftliche und energiegeladene Darbietung aus. Die, 1996 in Southhampton geborene Solistin, bringt die charakteristischen Eigenschaften des Stücks zum Ausdruck, so die rasanten Läufe, akrobatischen Passagen und kontrastierenden Stimmungen.

Der erste Satz beginnt mit einem düsteren und schweren Klang, der dann in eine virtuose und lebhafte Passage übergeht. Die Interpretin betonte die dynamischen Kontraste und die expressiven Melodien, um die emotionale Bandbreite des Stücks hervorzuheben.

Behutsam lyrisch intonierter zweiter Satz

Solistin am Klavier Isata Kanneh-Mason
Solistin am Klavier Isata Kanneh-Mason

Im zweiten Satz, einem langsamen Adagio, liegt der Fokus auf lyrischer Schönheit und Intimität. Die Interpretation durch die junge Britin vermittelte hier eine ruhigere und introspektive Stimmung, wobei sie die zarten Melodien und die sanften Harmonien mit Ausdruck und Feingefühl herausschälte.

 

 

 

 

 

Eruption der Emotionen in finalen Satz

Isata Kanneh-Mason Solistin am Piano Foto JakeTurney
Isata Kanneh-Mason Solistin am Piano Foto JakeTurney

Der finale Satz ist von explosiver Energie geprägt. Eine dramatische Interpretation des dritten Satzes betont die rasenden Läufe, die perkussiven Rhythmen und die herausfordernde Technik, die Prokofjew in diesem Konzert einsetzt. Isata Kanneh-Mason intonierte mit einer Mischung aus Kraft und Präzision, vermittelte so den energiegeladenen Charakter des Satzes.

Die dramatische Interpretation von Isata Kanneh-Mason erfasste die essentiellen Elemente des Stücks: seine intensiven Emotionen, seine kontrastierenden Stimmungen und technischen Anforderungen. Durch geschickte Nuancen, klangliche Ausdruckskraft und musikalisches Feingefühl verlieh sie diesem bedeutenden Werk eine kraftvolle und mitreißende Darbietung.

Die Britin spielte Prokofjews 3. Klavierkonzert mit einer beeindruckenden, dramatisch ausdrucksvollen Interpretation auf höchstem Niveau. Eine ähnlich kraftvoll explosive Umsetzung der Intentionen des Komponisten hatte ich bis anhin nur an einem Lucerne Festival am Piano durch Martha Argerich im Luzerner KKL live erlebt.

Der Solistin Darbietung des 3. Klavierkonzerts von Prokofjew war von Anfang bis Ende fesselnd. Schon in den ersten Momenten des Konzerts fing sie die düstere und schwere Atmosphäre des Stücks ein und baute eine Spannung auf, die die Zuhörenden sofort in den Bann zog. Mit kraftvollen Anschlägen und leidenschaftlichem Spiel interpretierte Kanneh-Mason die virtuosen Passagen und rasanten Läufe des Stücks mit technischer Brillanz

Die junge Solistin setzte die emotionalen Kontraste perfekt um.

Oslo Opera Orchestra Foto Jörg Wiesner
Oslo Opera Orchestra Foto Jörg Wiesner

Besonders beeindruckend war ihre Fähigkeit, die emotionalen Kontraste des Konzerts zu erfassen und auszudrücken. In den ruhigen und lyrischen Passagen des zweiten Satzes gelang es ihr, eine Intimität und emotionale Tiefe zu vermitteln, die das Publikum berührte. Gleichzeitig beherrschte sie auch die herausfordernden und energiegeladenen Momente der Partitur, indem sie mit atemberaubender Geschwindigkeit und Präzision spielte und die komplexen Rhythmen und Harmonien meisterhaft bewältigte.

Kanneh-Masons Spiel war nicht nur technisch beeindruckend, sondern auch von einer bemerkenswerten musikalischen Sensibilität geprägt. Sie verstand es, die musikalischen Phrasen mit Ausdruck und Feingefühl zu gestalten und die klanglichen Nuancen des Stücks voll zum Ausdruck zu bringen. Ihre Interpretation des Konzerts war lebendig und mitreißend, und sie verlieh der Musik eine kraftvolle und mitreißende Präsenz.

Insgesamt war Isata Kanneh-Masons Darbietung von Prokofjews 3. Klavierkonzert eine Weltklasse-Leistung. Ihre dramatisch ausdrucksvolle Interpretation, ihre technische Brillanz und ihre musikalische Sensibilität fesselten das Publikum und machten diese Aufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Sie bewies ihr Können als herausragende Pianistin auf Weltklasse Niveau und brachte die Essenz von Prokofjews Meisterwerk eindrucksvoll überzeugend  zum Ausdruck.

Verdiente stehende Ovation für Solistin, Dirigent und Orchester

Isata Kanneh-Mason Foto Robin Clewley.
Isata Kanneh-Mason Foto Robin Clewley.

Das sah auch das Auditorium so, applaudierte die Künstlerin mittels einer «Standing Ovation» immer wieder auf die Bühne zurück und freute sich über eine kurze Zugabe. Diese Ausnahmeleistung wäre natürlich nicht möglich, ohne ein Orchester, das auf gleichem Niveau agieren würde, wie es das Opera Orchestra unter der Leitung von Hannu Lintu an diesem Abend tat.

 

 

2. Konzertteil Gustav Mahler Symphony No. 5

Dirigent Hannu Lintu
Dirigent Hannu Lintu

Die Aufführung von Gustav Mahlers 5. Sinfonie durch das Oslo Opera Orchestra unter der engagierten Leitung von Hannu Lintu war eine eindrucksvolle und überzeugende Darbietung dieses Meisterwerks.. Hannu Lintu dirigierte das Orchester mit großem Einsatz und brachte sowohl körperlich als auch emotional eine starke Präsenz in seine Interpretation ein. Seine Hingabe zur Musik war spürbar, und er verstand es, die vielschichtigen und emotionalen Facetten des Werkes auf beeindruckende Weise zum Ausdruck zu bringen.

Ausgezeichnetes Orchester von Hannu Lintu meisterhaft geleitet

Oslo Opera Orchestra
Oslo Opera Orchestra

Das Oslo Opera Orchestra setzte die Vision des finnischen Dirigenten meisterhaft um und bot eine werkgetreue Interpretation der Sinfonie dar. Die verschiedenen Abschnitte der Komposition wurden mit großer Klarheit und Ausdruckskraft intoniert. Die orchestrale Präzision und das Zusammenspiel waren äusserst präzis und das norwegische Renommier-Ensemble verlieh der Interpretation der Mahler Komposition  eine packende Intensität.

 

 

Kurzer Schreckmoment für Publikum und Orchester

Hannu Lintu Dirigent
Hannu Lintu Dirigent

Der Dirigent Hannu Lintu schien einen kurzen Schwächeanfall nach dem zweiten Satz zu haben und lehnte sich für etwa zwei Minuten an die Rücklehne des Dirigentenpultes zurück. Dies irritierte nicht nur das Publikum, sondern auch das Orchester. In dieser Situation griff der Konzertmeister ein und stimmte ein paar Takte an, bis sich Hannu Lintu erholt hatte und mit dem gleichen Engagement wie zuvor weiterdirigierte. Es ist möglich, sogar sehr wahrscheinlich, dass Orchester solche kurzen Intermezzi in petto haben, um für solche Fälle vorbereitet zu sein um diese überspielen zu können.

Emotionale Kontraste vom Dirigenten  hervorragend herausgearbeitet

Hannu Lintu Dirigent
Hannu Lintu Dirigent

Besonders beeindruckend war die emotionale Tiefe, die in der Aufführung zum Ausdruck kam. Mahlers 5. Sinfonie ist bekannt für ihre emotionalen Kontraste, von düsteren und melancholischen Passagen bis hin zu jubelnden und triumphalen Momenten. Das Oslo Opera Orchestra verstand es, diese unterschiedlichen Stimmungen einfühlsam und mitreißend darzustellen. Die Zuhörer wurden auf eine emotionale Reise mitgenommen und konnten sich voll und ganz in die Musik vertiefen.

Die Aufführung von Mahlers 5. Sinfonie durch das Oslo Opera Orchestra unter der Leitung von Hannu Lintu war eine eindrückliche Interpretation dieses Meisterwerks. Die werkgetreue Wiedergabe, die überzeugende Darbietung und die emotionalen Nuancen machten diese Aufführung zu einem beeindruckenden Erlebnis für das Publikum und dieses honorierte dies denn auch begeistert mit einem stürmischen, langanhaltenden Schlussapplaus.

Links auf die anderen von mir verfassten Artikel über mein Kulturreisli nach Oslo

 

innerschweizonline.ch/wordpress/oslo-eine-annaeherung-an-die-boomende-kulturmetropole-am-oslofjord-von-leonard-wuest/

https://innerschweizonline.ch/wordpress/mozarts-cosi-fan-tutte-opernhaus-oslo-17-juni-2023-besucht-von-leonard-wuest/

 

https://innerschweizonline.ch/wordpress/puccinis-tosca-opernhaus-oslo-24-juni-2023-besucht-von-leonard-wuest/

Text: leonardwuest.ch

Fotos Léonard Wüst,  Erik Berg, Diverse und https://operaen.no/en/about-us-oslo-operahouse/the-norwegian-opera-and-ballet/norwegian-national-opera-orchestra/

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Isata Kanneh-Mason © Robin Clewley

Das Wunderwerk der Architektur und Aesthetik bei Nacht

Dirigent Hannu Lintu

 

Isata Kanneh-Mason Solistin am Piano Symbolfoto

Oper Oslo am Oslofjord

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Puccinis Tosca, Opernhaus Oslo, 24. Juni 2023, besucht von Léonard Wüst

Tosca Szenenfoto von Erik Berg Claudio Sgura als Scarpia, bösartig aber faszinierend
Tosca Szenenfoto von Erik Berg Claudio Sgura als Scarpia, bösartig aber faszinierend
 
 

Das begehbare Dach der Oper Oslo

Produktion und Besetzung:
Regie Calixto Bieito
Dirigat Xian Zhang
Floria Tosca Marita Sølberg
Mario Cavaradossi Daniel Johansson
Scarpia Claudio Sgura
Cesare Angelotti Jacob Abel Tjeldberg
Il Sagrestano Pietro Simone
Spoletta Simen Bredesen
Sciarrone Sakarias Fredriksen Tranvåg
Eduardo Nathaniel Liodden
The Opera Chorus, The Children’s Chorus,
The Opera Orchestra 

 

Ich habe erst einmal eine ähnlich eindrückliche Inszenierung der «Tosca» gesehen, im Jahre 2007 auf der Bregenzer Seebühne, wo natürlich der Spielort an und für sich schon äusserst speziell ist.

Calixto Bieto konzentriert sich in seiner Neuinszenierung für die Norwegische Nationaloper Oslo auf das intime, eindringliche Kammerspiel, das sich um die drei Figuren entfaltet, zeigt aber auch die harte Realität, vor der sich diese Handlung abspielt. Tosca wurde 1900 in Rom uraufgeführt. Die Geschichte spielt hundert Jahre zuvor, während der napoleonischen Besetzung Italiens. Die Themen allerdings sind zeitlos – denn Scarpias findet man überall dort, wo Menschen in Machtpositionen sich vermeintlich freundlich geben um in Wirklichkeit nur ihre Machtstellung zu zementieren.

Die Norske Opera und Calixto Bieito katapultieren den Puccini Klassiker ins 21. Jahrhundert

Regisseur Calixto Bieito Foto David-Ruano
Regisseur Calixto Bieito Foto David-Ruano

Mit der modernen, geradlinigen und schnörkellosen Inszenierung von Puccinis Meisterwerk “Tosca” in dem einzigartigen, grandiosen Opernhaus am Oslofjord, das einem nachgebildeten Eisberg gleicht und ein Meisterwerk der Architektur und Ästhetik darstellt, katapultierte die Norske Opera unter der Leitung von Regisseur Calixto Bieito und Dirigentin Xian Zhang Puccinis Meisterwerk ins 21. Jahrhundert.

Spielfreudiges, erlesenes Ensemble

Tosca Szenenfoto von Erik Berg
Tosca Szenenfoto von Erik Berg

Das gesamte Ensemble, bestehend aus Marita Sølberg als Floria Tosca, Daniel Johansson als Mario Cavaradossi, Claudio Sgura als Scarpia, Jacob Abel Tjeldberg als Cesare Angelotti, Pietro Simone als Il Sagrestano, Simen Bredesen als Spoletta, Sakarias Fredriksen Tranvåg als Sciarrone, Nathaniel Liodden als Eduardo, sowie der Opernchor, der Kinderchor und das Opernorchester, agierte auf allerhöchstem Niveau. Alle Rollen waren perfekt besetzt und die schauspielerischen und sängerischen Leistungen der Darsteller waren außergewöhnlich.

Tosca Szenenfoto von Erik Berg
Tosca Szenenfoto von Erik Berg

Besonders hervorzuheben ist Marita Sølberg in der Titelrolle, deren stimmliche Präsenz beeindruckend war. Ihr Gesang war kraftvoll und zugleich voller Ausdruck und Emotionalität. Claudio Sgura verkörperte den charismatischen, aber auch skrupellosen Scarpia mit einer Mischung aus Eleganz und Brutalität. Daniel Johansson, ein Tenor von Weltniveau, beeindruckte mit seiner Darstellung des Mario Cavaradossi, insbesondere in der berühmten Arie “E lucevan le stelle”.

Dirigentin Xian Zhang
Dirigentin Xian Zhang

Die Dirigentin Xian Zhang und ihre Mitmusiker legten einen musikalischen Teppich, auf dem das Ensemble glänzen konnte. Sie verstanden es hervorragend, die verschiedenen Stimmungen und Emotionen von Puccinis Partitur zum Ausdruck zu bringen und schufen damit eine mitreißende und fesselnde musikalische Begleitung. Das Publikum im vollbesetzten Saal mit 1358 Plätzen, feierte die Aufführung und belohnte sie am Ende mit einer langanhaltenden stehenden Ovation.

Unvergleichliches Erlebnis an einem extravaganten Ort

Tosca Szenenfoto von Erik Berg
Tosca Szenenfoto von Erik Berg

Dieses außergewöhnliche Erlebnis fand an einem außergewöhnlichen Ort statt. Das Opernhaus am Oslofjord, das einer nachgebildeten Eisbergstruktur ähnelt, ist eine beeindruckende Kulisse, die die Aufführung noch eindrucksvoller machte. Die Kombination aus der modernen Inszenierung, den herausragenden Darstellern und der erstklassigen musikalischen Begleitung, sowie der anschliessende Imbiss und ein Glas Champagner auf der Terrasse der hauseigenen Brasserie «Sanguine» machten diesen Abend zu einem unvergesslichen und unvergleichlichen Erlebnis.

Nachtrag: Über das Opernhaus an sich  (Quelle https://www.baunetzwissen.de/ )

Tönender Eisberg

Wie ein riesiger Eisberg wirkt das neue Opernhaus am Fjord der Bjørvika-Bucht in Oslo. Teils auf Pfählen gebaut, reicht das strahlend weiße, 242 m lange und 110 m breite Gebäude 16 m unter den Wasserspiegel. Der Entwurf stammt von Snøhetta, die sich mit ihrem Entwurf in einem internationalen Architekturwettbewerb gegen mehr als 200 Konkurrenten durchsetzen konnten. Aus dem Wasser steigt das Opernhaus empor und bietet mit seiner begehbaren Dachlandschaft als monumentaler Aussichtsplattform einen freien Blick auf die Stadt und den Fjord. Seine Außenhülle besteht aus Glas und weißem Carrara-Marmor, zusammengesetzt aus 38.000 unterschiedlichen Einzelplatten. Die Oberflächen gestalteten die Künstler Kristian Blystad, Kalle Grude und Jorunn Sannes als Spiel aus glatten, rauen und geriffelten Flächen. Im Winter wird der Bereich vor dem Haupteingang mit einer Fußbodenheizung gewärmt, da Streusalz den italienischen Marmor angreifen würde.

Carrara-Marmor ist auch im Foyer ausgelegt. Von hier ermöglicht eine 15 m hohe Glaswand den Ausblick aufs Wasser. Sichtbar vor dem Glas sind schräge Stützen, die die Dachkonstruktion tragen. In zwei von Olafur Eliasson entworfenen Leuchtboxen verbergen sich die Toiletten hinter farbig leuchtenden Gitterflächen. Seitlich ins Foyer eingestellt ist das Auditorium, das ebenso wie die Aufgänge mit tausenden Eichenstäben verkleidet ist.

Mit dunkler Eiche verkleidet sind auch die Wände des hufeisenförmigen Zuschauersaals mit Platz für 1.360 Personen. Verwendet wurde mehrjährig abgelagerte deutsche Eiche, die zuvor mit Ammoniak behandelt wurde um dem Holz einen leichten Glanz zu verleihen. Zusammen mit den rot gemusterten Sitzpolstern verleihen drei geschwungene Balustraden dem Saal eine feierliche Atmosphäre. Eine zweite, seitlich angrenzende kleinere Bühne ist mit schwarzem Holz, kantigen Formen und Spiegelmetall als “Black Box“ gestaltet. Sie bietet 400 Personen Platz. Neben dem Saal und der kleinen Bühne sind in dem Gebäude mehr als 1.000 Räume untergebracht, darunter Probenräume, Arbeitsräume sowie Werkstätten für Bühnenbildner, Schneider und Schreiner. Insgesamt verfügt das Haus über eine Fläche von fast 40.000 m².

Akustik
Die Hufeisenform des Grundrisses im großen Saal entspricht nahezu exakt dem der Semper-Oper in Dresden von Gottfried Semper. Für eine optimale Akustik sei dies die ultimative Opernform, so die Planer. Anhand von Simulationsdaten und Architekturmodellen entwickelten sie ein System aus reflektierenden Wänden und Decken, so dass der Saal ganz ohne Verstärkung auskommt.

Zur guten Akustik trägt nicht nur die hohe Decke über dem Zuschauerraum bei, auch die geschwungenen Rangbrüstungen sind nach akustischen Gesichtspunkten in sich gedreht ausgebildet. Eine norwegische Bootsbaufirma konnte die komplizierten Holzteile so präzise herstellen, dass sie vor Ort nur noch eingebaut, geschliffen und geölt werden mussten. Aber die Eiche sei sehr gut für die Akustik, so der Architekt, da Eiche besonders hart ist und daher gut reflektiert. Etwa 16 m über dem Parkett hängt ein Kronleuchter aus 17.000 Gläsern, der als akustischer Reflektor dient.

Mit einer Nachhallzeit von 1,7 Sekunden und einem vollen warmen, orchestralen Klang erfüllt der Saal vollständig die heutigen Anforderungen an Musikräume.

Trailer der Inszenierung in anderer Besetzung

outube.com/watch?v=Nd–6XqGzyc

Floria Tosca und Mario Cavaradossi

Marita Sølberg und Daniel Johansson

youtu.be/Ly5GoWpa7a4?t=6

Finale 1. Akt

Scarpia Claudio Sgura

youtu.be/XpjF–DyDUc?t=9

Text: leonardwuest.ch

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Fotos Erik Berg  https://operaen.no/en/

Nicht alle Fotos sind mit der Besetzung vom 24. Juni, einige sind mit der alternierenden Besetzung

Die Ausführenden freuen sich über die Standing Ovation Foto Leonard Wuest

Oper Oslo am Oslofjord

Das Wunderwerk der Architektur und Aesthetik bei Nacht

Das grosszügige lichtdurchflutete Foyer der Norske Opera in Oslo

Your silence will not protect you Foto Eric Berg hier mit Ewa Vesin als Floria Tosca

Tosca Szenenfoto von Erik Berg

Tosca Szenenfoto von Erik Berg

Tosca Szenenfoto von Erik Berg hier mit Ewa Vesin als Floria Tosca

 

Das Operahuset ein Erlebnis aus allen Perspektiven

 

 

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Effiziente Suche nach verbesserten Energie Materialien mit Hilfe von künstlicher Intelligenz

Die Sobol-Indizes Si, SiT, Kernel-SHAP-Werte für jede Eigenschaft im Modell. Diese Werte sind alle Metriken für die Bedeutung von Eigenschaften. 0 bedeutet, die Eigenschaft hat keine Auswirkung, ein grßerer Wert bedeutet, die Eigenschaft ist wichtiger  © Thomas Purcell
Die Sobol-Indizes Si, SiT, Kernel-SHAP-Werte für jede Eigenschaft im Modell. Diese Werte sind alle Metriken für die Bedeutung von Eigenschaften. 0 bedeutet, die Eigenschaft hat keine Auswirkung, ein grßerer Wert bedeutet, die Eigenschaft ist wichtiger © Thomas Purcell

Wissenschaftler des NOMAD Laboratory am Fritz-Haber-Institut der Max-
Planck-Gesellschaft haben kürzlich einen auf künstlicher Intelligenz (KI)
basierenden Ansatz vorgeschlagen, mit der sich die Suche nach neuartigen
Materialien mit verbesserten Eigenschaften dramatisch beschleunigen lässt.
Die Vorteile dieser Strategie wurden durch die Identifikation von mehr als
50 stark wärmeisolierenden Materialien demonstriert. Solche Materialien
können dazu beitragen, die anhaltende Energiekrise zu lindern. Diese sind
nämlich die Grundlage für die Entwicklung effizienter thermoelektrischer
Elemente, die ungenutzte Abwärme in nutzbaren elektrischen Strom
umwandeln.

Da heutzutage mehr als 40% der weltweit genutzten Energie als Abwärme
verpufft, ist die Entdeckung neuer und verbesserter thermoelektrischer
Materialien von entscheidender Bedeutung, um wachsenden Herausforderungen
des Klimawandels entgegenzuwirken. Eine Möglichkeit, die thermoelektrische
Effizienz eines Materials zu erhöhen, besteht darin, seine
Wärmeleitfähigkeit, κ, zu reduzieren und somit das für den
thermoelektrischen Effekt benötigte Temperaturgefälle  aufrechtzuerhalten.
Da aber sowohl die experimentelle als auch die rechnerische Bestimmung von
κ kosten- und arbeitsintensiv ist, beschränkten sich bisherige
Untersuchungen von κ auf nur eine verschwindend kleine Auswahl von
Materialien. Mit dem von den NOMAD Forschern entwickelten KI-Ansatz lassen
sich Materialien hierarchisch aussortieren, so dass die Kosten reduziert
bzw. bei gleichbleibenden Aufwand viel mehr Materialien untersucht werden
können.

Die kürzlich in npj Computational Materials veröffentlichte Arbeit schlägt
eine neue Methode vor, wie sich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI)
die Suche nach neuen Materialien automatisieren und gezielt steuern lassen
kann. Dabei werden Materialien nicht, wie sonst üblich, anhand von
physikalischer oder chemischer Intuition du bekannten oder vermuteten
Trends ausgewählt oder aussortiert. Stattdessen nutzt das neue Verfahren
fortschrittliche KI-Methoden, um aus vorhandenen Daten die Bedingungen zu
lernen, die zum gewünschten Ergebnis führen. Diese Arbeit hat daher das
Potenzial, die Suche nach neuen Materialien mit Hilfe von quantitativen
Vorhersagen zu beschleunigen.

Der erste Schritt bei diesem neuartigen Ansatz besteht darin,
fortgeschrittene statistische KI-Methoden zu verwenden, um die gewünschte
Eigenschaft – in diesem Fall κ – zu modellieren. Zu diesem Zweck wird die
"Sure-Independence Screening and Sparsifying Operator" (SISSO) Methode
verwendet, die die grundlegenden Abhängigkeiten zwischen verschiedenen
Materialeigenschaften aus einer Vielzahl möglicher Zusammenhänge enthüllt.
Dabei ist dieser Ansatz im Vergleich zu anderen "Black-Box" KI-Modellen
ähnlich genau, liefert aber zusätzlich noch analytische Beziehungen
zwischen verschiedenen Materialeigenschaften. Dies ermöglicht es dann
auch, mit modernen mathematischen Metriken herauszufinden, welche
Materialeigenschaften unter welchen Umständen für welche Zieleigenschaft
am einflussreichsten sind. Im Fall von κ sind dies das molare Volumen, Vm;
die Debye-Temperatur im Hochtemperaturgrenzwert, θD,∞; und die
Anharmonizitätsmetrik, σA, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Darüber hinaus ermöglicht die beschriebene statistische Analyse, Regeln
für die einzelnen Merkmale zu bestimmen, die es erlauben, a priori
abzuschätzen, ob ein Material überhaupt ein Wärmeisolator sein kann. Auf
diese Weise lassen sich dann hierarchische Entscheidungspyramiden
erstellen, mit denen sich die Suche nach neuen Wärmeisolatoren effizient
gestalten lässt, wie in Abbildung 2 gezeigt wird. Dabei werden in jedem
Schritt die benötigten Materialeigenschaften mit Hilfe von modernsten und
genauesten Methoden der Elektronenstrukturtheorie berechnet. Basierend auf
den im jeweiligen Schritt berechneten Eigenschaften, werden dann auch
Materialien ausgesiebt, bei denen es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie
gute Isolatoren sind. Damit kann die Anzahl der Berechnungen, die benötigt
werden, um Wärmeisolatoren zu finden, um mehr als zwei Größenordnungen
reduziert werden. In diesem Fall konnten zum Beispiel 96 Wärmeisolatoren
(κ < 10 Wm-1K-1) aus einem anfänglichen Satz von 732 Materialien gefunden
werden. Für 4 dieser Vorhersagen wurde anschließend eine hochakkurate
Methode angewendet, um κ zu berechnen und die Zuverlässigkeit dieses
Ansatzes zu demonstrieren.

Der Nutzen dieses vom NOMAD-Team vorgeschlagenen Formalismus ist nicht auf
die aktive Suche nach neuen thermoelektrischen Materialien beschränkt. Er
kann ebenso auch auf andere dringliche Probleme der Materialwissenschaft
angewendet werden.

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Die Lehren aus der Pandemie

Professorin Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione leitete die internationale Expert*innengruppe der Europäischen Kommission.  Universität Bielefeld
Professorin Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione leitete die internationale Expert*innengruppe der Europäischen Kommission. Universität Bielefeld

Die Pandemie hat die Menschen in so gut wie allen Bereichen ihres Lebens
tangiert. Einige sind von den pandemiebedingten Einschränkungen jedoch
härter getroffen worden als andere. Eine Expert*innengruppe der
Europäischen Kommission hat sich speziell mit den Auswirkungen von Covid
19 auf die Gleichstellung der Geschlechter in Forschung und Innovation
befasst. Die Bielefelder Professorin Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione
leitete diese Sachverständigengruppe, die im Dezember 2021 eingesetzt
wurde. Die Ergebnisse konnten nun in dem Report „Covid 19 impact on gender
equality in research & innovation“ veröffentlicht werden.

„Ziel unserer Arbeit war es den Status Quo aufzuzeigen. Wie ist der
bestehende Zustand? Was ist bisher passiert? Daraus sollten Empfehlungen
resultieren, wie es zukünftig besser gemacht werden kann“, erklärt Sabine
Oertelt-Prigione. Der Bericht hebt in seinen vier Hauptkapiteln
insbesondere die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Pandemie auf die
akademische Produktivität, den wissenschaftlichen Nachwuchs und die
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben hervor. Die 12 Mitglieder des
Expert*innen-Teams waren aufgrund ihrer Expertise und wegen ihres
Engagements in strukturellen EU-Projekten ausgewählt worden. Untersucht
wurden institutionelle Reaktionen auf die pandemiebedingten Veränderungen.
Ziel war es auch ungesehene und marginalisierte Erfahrungen in der
Wissenschaft aufzuzeigen und Lösungsansätze anzubieten.

Vorteile für bereits gut vernetzte Wissenschaftler*innen
„Gut etablierte Wissenschaftler*innen hatten die besseren Chancen, ihre
Forschung und Karrieren ohne große Einschränkungen weiterzuführen“, sagt
Oertelt-Prigione: „Aber gerade Frauen, noch dazu mit Care-Verantwortung
für Kinder oder Angehörige, mussten ihre beruflichen Ziele oft
zurückstecken. Auch junge Forschende, die noch kein etabliertes Netzwerk
hatten, waren von der eingeschränkten Mobilität und dem Ausfall von
netzwerkfördernden Veranstaltungen, wie Tagungen und Konferenzen, ungleich
stärker betroffen, als ihre etablierten Kolleg*innen.“ Es werde Jahre
dauern, um diese verpasste Zeit in den wissenschaftlichen Karrieren wieder
aufzuholen, ist sich Oertelt-Prigione sicher. Wenn es denn überhaupt
möglich ist, denn teils notwendige Karriereschritte, wie beispielsweise
Auslandsaufenthalte, könnten eventuell wegen einer nicht mehr weiter
aufzuschiebenden Familienplanung nicht nachgeholt werden. „Es ist deshalb
wichtig für die Zukunft zu klären, wie junge Wissenschaftler*innen hier
unterstützt werden können“, sagt Oertelt-Prigione.

Ziel ist inklusive Gleichstellungspolitik im Europäischen Forschungsraum
Die Empfehlungen, die in dem Report ausgesprochen werden, richten sich an
politische Entscheidungsträger*innen auf nationaler und EU-Ebene,
Forschungsförderorganisationen und Forschungseinrichtungen. Sie bieten den
Mitgliedstaaten und Organisationen die Möglichkeit, die Lehren aus der
Pandemie auf die Entwicklung einer inklusiven Gleichstellungspolitik im
Europäischen Forschungsraum anzuwenden. „Es wird immer mehr Notsituationen
geben. Klimawandel, ökonomische Krisen, Kriege – das System wird immer
weiteren Stressoren ausgesetzt sein“, erläutert Oertelt-Prigione: „Wichtig
ist deshalb, dass sich Institutionen intern damit auseinandersetzen, wie
sie sich den Ungleichheiten stellen können und wie für die Zukunft
Instrumente entwickelt werden können, um Ausgleiche zu schaffen.“
Die Mitglieder der Sachverständigengruppe kamen aus Deutschland, Dänemark,
Italien Finnland, Portugal, Israel, Spanien, Ungarn, Belgien und
Großbritannien. Im März 2022 nahm die Gruppe ihre Aktivitäten auf, gefolgt
von mehreren virtuellen Treffen und einem hybriden Workshop mit Forschung
& Innovation-Akteur*innen im Oktober 2022 in Brüssel.

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