n keinem afrikanischen Land leben derzeit so viele Menschen auf der Flucht wie in der DR Kongo: mehr als sechs Millionen Menschen. Der Grund dafür sind eskalierende Konflikte zwischen nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen, die die Bevölkerung terrorisieren. In der Provinz Ituri ist zurzeit rund ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht und lebt in äußerst prekären Verhältnissen. „Unsere Mitarbeitenden berichten von Überfällen auf Geflüchtetencamps, bei denen Männer, Frauen und Kinder getötet werden. Neben dem Schutz der Menschen ist es nun wichtig, sie auf allen Ebenen zu unterstützen. Denn die Geflüchteten leben dicht gedrängt in überfüllten Camps, Schulen und Kirchen und haben meist nur das mitgenommen, was sie tragen konnten. Ihnen fehlt es an allem“, sagt Johannes Schildknecht, Länderreferent für die DR Kongo bei Malteser International.
Wegen der steigenden Zahl an Geflüchteten weitet Malteser International in der Region Mahagi in der Provinz Ituri seine Hilfe aus. Unterstützt wird diese Hilfe vor allem vom Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Wir verteilen Bargeld, damit die Vertriebenen Lebensmittel kaufen können, und Matratzen und Decken. Der Schwerpunkt unserer Hilfe liegt auf den Gesundheitseinrichtungen, um die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten. Wir liefern Medikamente, sauberes Trinkwasser -auch für die aufnehmende Bevölkerung, um Ungleichbehandlung zu vermeiden - und Verbrauchsmaterialien aus“, sagt Schildknecht. „Viele können ihre Felder nicht mehr bestellen, und haben keine Möglichkeiten mehr, ihre Familien zu ernähren. Es wird immer schwieriger die Menschen, die von Gewalt bedroht werden, zu erreichen. Auch das Leben unserer Mitarbeitenden ist gefährdet.“
Malteser International unterstützt die Menschen in der DR Kongo bereits seit 1996 in den östlichen Provinzen vor allem in den Bereichen Gesundheit, Wasser-/Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) sowie Ernährungssicherung.
Malteser International (MI) arbeitet als internationale humanitäre Hilfsorganisation. Sie ist ein Hilfswerk des katholischen Malteserordens und erfüllt besonders den Ordensauftrag "Hilfe den Bedürftigen". Der Auftrag ist es, die Gesundheit und Lebensumstände von notleidenden und vertriebenen Menschen weltweit zu verbessern. Die Organisation leistet in über 130 Projekten in 36 Ländern Hilfe für Menschen in Not, unabhängig von Religion, politischer Überzeugung, Herkunft oder Geschlecht. Christliche Werte und die humanitären Prinzipien der Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit bilden die Grundlage der Arbeit. Weitere Informationen: www.malteser-international.org
Das EUF-Forschungsprojekt „Visibilizing Normative Regional Historical Multilingualism: Ideology, Policy and Practice“ sucht Handschriften von 1789 bis 1914
Welche Sprachen wurden zwischen 1789 und 1914 von wem in welchen Situationen in der mehrsprachigen deutsch-dänischen Grenzregion verwendet? Diese Frage untersucht die historische Soziolinguistin Dr. Samantha M. Litty von der Europa-Universität Flensburg in dem Projekt „Visibilizing Normative Regional Historical Multilingualism (ViNoRHM): Ideology, Policy and Practice“. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit knapp 360.000 Euro für drei Jahre gefördert.
Litty konzentriert sich dabei auf ein Gebiet, das sich durch eine lange Geschichte von Mehrsprachigkeit auszeichnet: Das historische Herzogtum Schleswig. Es umfasst im Wesentlichen das heutige Nordschleswig im südlichen Dänemark und das heutige Südschleswig im nördlichen Schleswig- Holstein. Die Region gehörte zunächst zum dänischen Gesamtstaat, geriet dann zwischen die nationalen Fronten, wurde in den Schleswigschen Kriegen zum Schauplatz nationalistischer Auseinandersetzungen und durch die Grenzziehung 1920 in ‚deutsch‘ oder ‚dänisch‘ geteilt.
„Wer sprach oder schrieb wann Friesisch, Niederdeutsch, Sønderjysk, Dänisch oder Deutsch? Welche Sprachen wurden darüber hinaus geschrieben und gesprochen? Historisch gesehen sind mehrsprachige Umgebungen oft durch eine versteckte Komplexität gekennzeichnet, die darauf zurückzuführen ist, dass nicht alle Sprachvarietäten sichtbar sind. Denn im täglichen Leben wurden mehrere Sprachen verwendet, aber nicht alle wurden geschrieben“, erklärt Litty. „Und schon gar nicht alle wurden aufbewahrt.“
Litty will die bisher unsichtbar gemachten Sprachen und Einzelpersonen nun sichtbar machen. „Im Mittelpunkt des Projekts stehen dabei die Menschen, die in der Geschichte bisher unbeachtet geblieben sind: Bspw. Frauen und weniger oder ungebildete Menschen. So entsteht eine innovative Darstellung der Sprachengeschichte der deutsch-dänischen Grenzregion im 19. Jahrhundert.“
Dieses Vorhaben ist gänzlich neu. „Eine Geschichtsschreibung, die sich in erster Linie auf den Sprachgebrauch (die Sprachpraxis) der Bevölkerung stützt und damit auch die Machtdynamiken in einer mehrsprachigen Region untersucht, gibt es bisher noch nicht“, betont Litty. Methodisch geht sie das Vorhaben mit Fallstudien auf Mikroebene zu Sprachideologie, -politik und -praxis, mit Primärtexten aus offiziellen Aufzeichnungen und mit sogenannten „Ego-Dokumenten“ an. Letztere sind Texte, die in privaten oder persönlichen Situationen verfasst wurden, oft private Briefe, Tagebücher, Familienbücher oder -geschichten usw. „In Archiven finden sich diese Texte oft nicht, dort werden hauptsächlich Dokumente von ‚wichtigen‘, d.h. gebildeten und meist männlichen Menschen aufbewahrt. Die Mehrheit der Menschen war jedoch im Vergleich eher ungebildet und im Schreiben ungeübt.“
Deshalb sucht Dr. Samantha M. Litty handgeschriebene Texte, wie Briefe, Tagebücher, Poesiealben, Dienstbücher, Familiengeschichten oder ähnliches, auch in altdeutscher Schrift (Kurrentschrift), von 1789 bis 1914. „Ich möchte mehr über die Gesellschaft in der historisch mehrsprachigen Grenzregion lernen, und wer ist besser geeignet, ein Licht darauf zu werfen als die Mitglieder dieser Gesellschaft selbst?“, fragt sie. „Vielleicht hat z.B. die Mutter irgendwo Familienbriefe aufbewahrt, oder der Opa hat ein Schuhkarton voller alter Dokumente von seiner Großeltern. Diese Sorte Text würde ich mir gerne anschauen.“
Die Texte werden gescannt oder fotografiert, da die Originaltexte in den Familien bleiben sollen, es sei denn, die Familien möchten die Dokumente gerne in Archive abgeben. Persönliche Daten werden vertraulich behandelt. Die Weitergabe von Transliterationen (d.h. abgetippten Versionen) aller Dokumente ist möglich.
Zur Person: Die Amerikanerin Dr. Samantha M. Litty hat 2011 ihren Bachelor in „Environmental Policy and Planning“ und „German“ an der University of Wisconsin – Green Bay und 2013 ihren Master in „German“ an der University of Wisconsin – Madison abgeschlossen. 2017 hat sie dort in germanistischer Linguistik promoviert. Nach Tätigkeiten als Gastdozentin für Deutsch am Luther College in Decorah, Iowa und der University of Pennsylvania, Bloomsberg, kam sie 2019 als Forschungsstipendiatin der Alexander von Humboldt Stiftung an die Europa-Universität Flensburg und die Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit Januar 2023 leitet sie das DFG-Forschungsprojekt „Visibilizing Normative Regional Historical Multilingualism (ViNoRHM): Ideology, Policy, and Practice“. Das Projekt ist am 20.01.2023 gestartet und läuft bis zum 19.01.2026. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit insgesamt 357.342,00 Euro gefördert.
Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist eine wichtige Strategie, um die Sichtbarkeit und das Ranking Ihrer Website in den Suchergebnissen zu verbessern. SEO hilft Ihnen, mehr Besucher und potenzielle Kunden für Ihre Produkte oder Dienstleistungen zu gewinnen. Allerdings gibt es einige häufige SEO-Fehler, die Sie bei Ihrer Website vermeiden sollten. In diesem Artikel stellen wir Ihnen fünf dieser Fehler vor und geben Ihnen Tipps, wie Sie sie beheben können.
1. Fehlende oder schlechte Keyword-Recherche
Keywords sind die Wörter oder Phrasen, die Ihre Zielgruppe in die Suchmaschinen eingibt, um nach Informationen, Lösungen oder Angeboten zu suchen. Um Ihre Website für diese Keywords zu optimieren, müssen Sie zunächst eine gründliche Keyword-Recherche durchführen. Das bedeutet, dass Sie herausfinden müssen, welche Keywords für Ihre Branche, Ihr Thema und Ihre Zielgruppe relevant sind, wie oft sie gesucht werden und wie hoch der Wettbewerb dafür ist.
Fehlende oder schlechte Keyword-Recherche kann dazu führen, dass Sie entweder Keywords verwenden, die niemand sucht, oder solche, die zu umkämpft sind und für die Sie keine Chance haben, auf der ersten Seite zu ranken. Um eine Keyword-Recherche durchzuführen, können Sie verschiedene Tools wie Google Keyword Planner, Ubersuggest oder Semrush verwenden. Diese Tools helfen Ihnen, relevante Keywords zu finden, deren Suchvolumen und Schwierigkeit zu analysieren und verwandte Keywords zu entdecken.
Buchen Sie einen SEO-Experten, beispielsweise über www.goetz-daniel.de, wird dieser als einer der ersten Schritte nach dem Kennenlernen Ihres Unternehmens eine passende Keyword-Strategie für Sie entwickeln.
2. Keyword-Stuffing
Aber Achtung: Übertreiben Sie es nicht mit Keywords! Denn hier lauert schon der nächste Fehler: Keyword-Stuffing. Keyword-Stuffing ist eine veraltete und schädliche SEO-Praxis, die darin besteht, unnatürlich viele Keywords in den Text Ihrer Website einzufügen, um die Suchmaschinen zu manipulieren.
Keyword-Stuffing kann nicht nur die Lesbarkeit und Qualität Ihres Inhalts beeinträchtigen, sondern auch zu einer Abstrafung durch Google führen, die Ihr Ranking negativ beeinflusst. Um Keyword-Stuffing zu vermeiden, sollten Sie sich auf ein bis zwei Hauptkeywords pro Seite konzentrieren und diese in einem natürlichen Kontext verwenden. Außerdem sollten Sie Synonyme und Variationen Ihrer Keywords verwenden, um Ihren Text abwechslungsreicher und relevanter zu gestalten.
3. Der falsche Content
Content ist der Kern Ihrer Website und einer der wichtigsten Faktoren für SEO. Unter diesen Begriff fallen Inhalte wie Texte, Videos oder Bilder. Der Einfachheit halber soll es in diesem Absatz erst einmal nur um Textinhalte gehen. Ohne qualitativ hochwertigen Content werden Sie es schwer haben, Ihre Zielgruppe anzusprechen und zu überzeugen, sowie die Suchmaschinen davon zu überzeugen, dass Ihre Website wertvoll und autoritär ist. Hier kann man viele Fehler machen, wie zum Beispiel:
Zu kurzer oder zu langer Content: Es gibt keine feste Regel für die optimale Länge Ihres Contents, aber im Allgemeinen gilt: Zu kurzer Content kann als dünn oder irrelevant angesehen werden, während zu langer Content langweilig oder überwältigend sein kann.
Interner Duplicate Content: Duplicate Content sind Inhalte, die auf mehreren Seiten Ihrer Website identisch oder sehr ähnlich sind. Duplicate Content kann Ihre Unterseiten in Konkurrenz zueinander bringen und Verwirrung bei den Suchmaschinen stiften. Google weiß dann nämlich oft nicht, welche Ihrer Unterseiten am relevantesten für ein gewünschtes Keyword ist und rankt in der Folge keine davon gut.
Plagiierter Content: Plagiierter Content bezeichnet Content, den Sie von anderen Quellen kopiert haben, ohne deren Erlaubnis oder Angabe der Quelle. Sie kennen den Begriff vermutlich aus der Wissenschaft. Plagiierter Content ist nicht nur illegal und unethisch, sondern auch schädlich für Ihre Suchmaschinenoptimierung. Google erkennt plagiierten Content und straft ihn ab. Um Plagiate zu vermeiden, sollten Sie immer Ihre eigenen Worte verwenden oder Sie zitieren und verlinken die Quellen korrekt.
Irrelevanter oder veralteter Content: Irrelevanter oder veralteter Content ist Content, der nicht mehr dem Interesse oder Bedarf Ihrer Zielgruppe entspricht oder nicht mehr den aktuellen Standards oder Trends folgt. Solche Inhalte können dazu führen, dass Ihre Besucher Ihre Website schnell verlassen oder nicht wiederkehren. Um dies zu vermeiden, sollten Sie Ihren Content auf die Absicht und Erwartungen Ihrer Zielgruppe ausrichten und ihn regelmäßig aktualisieren und optimieren.
4. Fehlende oder schlechte interne Verlinkung
Als interne Verlinkung wird das Verlinken von einer Seite Ihrer Website zu einer anderen Seite Ihrer Website bezeichnet. Interne Verlinkung ist wichtig für SEO, weil sie die Navigation und Benutzerfreundlichkeit Ihrer Website verbessert, die Autorität und Relevanz Ihrer Seiten erhöht und die Indexierung und das Crawling Ihrer Website durch Suchmaschinen erleichtert.
Suchmaschiinenoptimierung Grafik
Fehlende oder schlechte interne Verlinkung kann dazu führen, dass Ihre Website unstrukturiert oder isoliert erscheint und dass einige Ihrer Seiten schwer zu finden oder zu erreichen sind. Um dies zu vermeiden, sollten Sie eine klare und logische Hierarchie für Ihre Website erstellen und jede Seite mit mindestens ein bis zwei anderen relevanten Seiten verlinken. Außerdem sollten Sie dabei einen Ankertext verwenden, der beschreibt, worum es auf der verlinkten Seite geht, und keine generischen Phrasen wie "hier klicken" oder "mehr erfahren".
5. Keine oder schlechte Backlinks
Ein weiterer wichtiger Aspekt für den SEO-Erfolg sind Backlinks. Backlinks sind Links, die von anderen Websites auf Ihre Website verweisen. Sie sind ein wichtiger Rankingfaktor, weil sie die Popularität und Glaubwürdigkeit Ihrer Website signalisieren.
Je mehr qualitativ hochwertige Backlinks Ihre Website hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Website in den Suchergebnissen erscheint. Um mehr Backlinks zu erhalten, sollten Sie wertvolle und relevante Inhalte erstellen, die andere Websites gerne verlinken würden.
Außerdem sollten Sie aktiv nach Linkbuilding-Möglichkeiten suchen, indem Sie zum Beispiel Gastbeiträge schreiben, sich an Online-Foren oder Blogs beteiligen oder sich mit anderen Webmastern oder Influencern vernetzen. Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, nur natürliche und organische Backlinks zu erzeugen und keine manipulativen oder spamhaften Techniken anzuwenden, die von den Suchmaschinen abgestraft werden könnten. Der alte Spruch “Viel hilft viel” trifft auf Backlinks nämlich absolut nicht zu. Stattdessen gilt: “Klasse statt Masse”.
Das sollten Sie noch wissen
Nach der Lektüre dieses Artikels kennen Sie nun fünf häufige SEO-Fehler, die Sie bei Ihrer Website vermeiden sollten. Allerdings müssen Sie wissen, dass Suchmaschinenoptimierung mittlerweile eine komplexe Disziplin im Online-Marketing ist und es dabei weitaus mehr zu beachten gibt, als man in einem einzigen Artikel unterbringen könnte.
Tatsächlich soll es aktuell etwa 200 verschiedene Faktoren geben, nach denen Google Websites bewertet und sie entsprechend rankt. Für den maximalen Erfolg von Anfang an empfiehlt es sich also, Kontakt zu einem SEO-Experten aufzunehmen. Mit den Grundlagen kann man aber auch selbst starten.
Ergänzung zur Elektro-Mobilität: Regenerativ erzeugtes Bio-LNG als Bus- und LKW-Treibstoff kann CO2-Bilanz mehr als 65 % verringern oder sogar negativ werden lassen
Biomethan aus landwirtschaftlichen Reststoffen ist in großen Mengen verfügbar, die Infrastruktur steht und es eignet sich besonders als Treibstoff für LKWs, Busse, Bau- und Landmaschinen – also für die Fahrzeuge, bei denen die Elektromobilität nur schwer Einzug hält. Von allen erneuerbaren Kraftstoffen weist Biomethan die beste Treibhausgasbilanz auf. Wird es aus Gülle produziert, ist seine CO2-Bilanz sogar negativ, weil Emissionen vermieden werden, die bei der Lagerung und Ausbringung von unbehandelter Gülle entstehen. Welche Methoden das beste Ergebnis erzielen, testen derzeit die Universität Hohenheim in Stuttgart, das KIT in Karlsruhe sowie weitere Projektbeteiligte aus Industrie und Praxis. Der erste Linienbus mit Biomethan rollt bereits auf der schwäbischen Alb und in der Region Ravensburg.
Die verkehrsbedingten Emissionen von Kohlendioxid (CO2), Stickoxid und Feinstaub in Deutschland sind zu hoch. Vor allem in städtischen Ballungsgebieten ist dies deutlich zu spüren. Eine Ursache hierfür ist der immer noch sehr geringe Anteil an erneuerbaren Energien im Verkehrssektor: Einschließlich des Stromverbrauchs im Schienen- und Straßenverkehr lag ihr Anteil von 2008 bis 2021 nur zwischen 5,0 und 7,6 Prozent.
„Eine vielversprechende und kostengünstige Alternative zu fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas sind alternative Kraftstoffe auf Basis von Biomethan“, sagt PD Dr. Andreas Lemmer von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie an der Universität Hohenheim.
Kraftstoff Biomethan führt zu deutlicher Reduzierung des CO2-Ausstoßes
„Dies gilt vor allem für Bereiche, in denen die fortschreitende Elektromobilität nur schwer Einzug halten wird, wie im Schwerlastverkehr oder bei Bau- und Landmaschinen. Hier kann die verstärkte Verwendung von Biomethan – sei es als Bio-CNG (komprimiertes Biomethan) oder Bio-LNG (verflüssigtes Biomethan) – zu einer deutlichen Reduzierung des CO2-Ausstoßes führen“, fährt der Experte fort.
„Mit regenerativ erzeugtem Bio-LNG als LKW- und Landmaschinen-Treibstoff kann der CO2-Ausstoß im Schnitt um mehr als 65 Prozent verringert werden“, fasst PD Dr. Lemmer seine Forschungsergebnisse zusammen. „Verwenden wir ausschließlich Gülle als Ausgangsmaterial, dann ist die CO2-Bilanz sogar negativ.“
Zweistufige Druckfermentation für höhere Methanproduktion
Gleich in zwei Projekten beschäftigen sich er und seine Arbeitsgruppe mit der Umsetzung in die Praxis: Im Verbundprojekt probioLNG (Innovative Prozesskette zur ressourceneffizienten Erzeugung von Bio-LNG) bauten sie gemeinsam mit weiteren Projektbeteiligten aus Wissenschaft, Industrie und Praxis eine Pilotanlage zur Bio-LNG-Erzeugung auf. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Diese Anlage wurde gemeinsam mit dem KIT konzipiert und ist auf der Forschungsstation „Unterer Lindenhof“ der Universität Hohenheim stationiert. Sie ermöglicht es erstmals, neue Verfahren der Biogasherstellung und Aufbereitung zu einer vollständigen Prozesskette zu kombinieren. Der Clou dabei: eine zweistufige Druckfermentation.
„Im Vergleich zur üblichen Biogasproduktion trennen wir zwei Schritte räumlich, zeitlich und prozesstechnisch voneinander“, beschreibt Elena Holl, Doktorandin in der Arbeitsgruppe. Zunächst zerlegen Mikroorganismen in der sogenannten Hydrolyse feuchte Biomasse, wie beispielsweise Gülle, organische Reststoffe oder Energiepflanzen in kleinere Moleküle. Im zweiten Schritt wandeln spezielle Mikroorganismen diese Bausteine in Methan um.
„Durch die Trennung der beiden Vorgänge können wir die Bedingungen, wie beispielsweise Temperatur und pH-Wert, ideal an die Bedürfnisse der verschiedenen Mikroorganismen anpassen und so die Methanproduktion deutlich erhöhen“, erklärt Elena Holl. Diese steigt noch weiter, wenn zusätzlich Wasserstoff eingeleitet wird: „Auf diese Weise erzeugen wir Biogas mit einem Methangehalt von über 90 Volumenprozent“, so die Wissenschaftlerin.
Biomethan im Linienbusverkehr
Mit einer der vielen Verwendungsmöglichkeiten des so erzeugten Biomethans befasst sich das Verbundprojekt „NEOBus – negative Emission ÖPNV“, das vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden- Württemberg (MLR) gefördert wird: Biomethan als klimafreundlicher Treibstoff für Linienbusse im ÖPNV.
Dafür kann es in zwei Varianten eingesetzt werden, die die Forschenden miteinander vergleichen: Wird Methan mit einem Druck von 350 bar verdichtet, entsteht Bio-CNG, das in gasförmiger Form gespeichert werden kann. Bei der Herstellung von Bio-LNG hingegen wird Methan auf -162 °C abgekühlt und dadurch verflüssigt. Es kommt als gekühlter, flüssiger Treibstoff zum Einsatz.
Das verflüssigte Methan dient als Kraftstoff für einen Bio-LNG-Hybridbus, den ein Busunternehmer auf der Strecke Münsingen-Reutlingen im Praxisalltag testet. Parallel wird an der Biogasanlage der Firma Duelli eine neuartige Gasaufbereitung erprobt und das so erzeugte Bio-CNG in einem Bus in der Region Ravensburg eingesetzt.
Dabei führt der Biomethan-Kraftstoff nicht nur zu geringeren Treibhausgasemissionen, auch der Ausstoß von Schadstoffen nimmt ab. So reduziert verflüssigtes Methan den Ausstoß von Stickoxiden im Vergleich zu einem Euro VI Dieselbus um 60 Prozent, während die Feinstaubbelastung im Vergleich zu konventionellen Dieselbussen um 90 Prozent sinkt.
Biomethan als Kraftstoff: Zukunftsmusik oder schon bald Gegenwart?
PD Dr. Lemmer sieht in der Biomethanproduktion auch eine gute zusätzliche Einnahmequelle für landwirtschaftliche Betriebe: „Der Zusammenschluss von Verkehrsunternehmen mit einem oder mehreren lokalen Biogasanlagenbetreibern eröffnet im ländlichen Raum ein vielversprechendes Geschäftsmodell für beide Seiten.“
„Biomethan ist einer der wenigen erneuerbaren Energieträger, der bereits derzeit in großer Menge zur Verfügung steht, der auf eine vorhandene Infrastruktur zurückgreifen kann und der bei intelligenter Herstellung die beste Treibhausgasbilanz aller erneuerbaren Treibstoffe aufweist“, ist der Experte überzeugt.