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Power2Change: Mission Energiewende Ausstellung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde (HTM) ab 4. Juli 2023

Am 4. Juli 2023 um 11 Uhr wird im Historisch-Technischen Museum Peenemünde
(HTM) die Sonderausstellung Power2Change: Mission Energiewende zur Zukunft
unserer Energieversorgung eröffnet. Die Ausstellung stellt
Herausforderungen, Lösungswege und Forschungsprojekte der „Mission
Energiewende“ vor. Verschiedene Themenbereiche zeigen, wie eine sichere,
bezahlbare und klimaneutrale Versorgung mit Energie und Rohstoffen
funktionieren kann.

Können wir aus CO₂ künftig Rohstoffe für Medikamente herstellen? Tanken
LKWs, Schiffe oder Flugzeuge bald Wasserstoff oder E-Fuels? Wie kann
Grüner Strom flexibel genutzt und transportiert werden? Die Energiewende
ist der Schlüssel für eine klimaneutrale Zukunft ohne Öl und Gas. Weil die
Energiewende unseren Alltag verändern wird, ist die Ausstellung stark
interaktiv angelegt: Die Besuchende können an mehreren Stellen ihre
Meinung äußern: Welche Wege gibt es in ein klimaneutrales Deutschland, und
für welchen Weg entscheiden Sie sich? Sind Sie bereit, ihr Konsumverhalten
zu ändern, setzten Sie auf Energieimporte oder den Ausbau von erneuerbaren
Energien? Welche Auswirkungen haben persönliche Entscheidungen?

Michael Gericke, Geschäftsführer des Historisch-Technischen Museums
Peenemünde: „Dass die Ausstellung Power2Change nun im ehemaligen
Kohlekraftwerk Peenemünde zu sehen ist, gibt der Energiewende noch eine
historische Dimension.  Wir freuen uns, mit der Ausstellung auf die
riesige gesamtgesellschaftliche Herausforderung einer klimaneutralen
Energieversorgung aufmerksam zu machen, aber auch konstruktive Lösungswege
zu zeigen, wie diese Herausforderung zu meistern ist.“

Prof. Dr. Kurt Wagemann, Dechema e.V. und Teil der Projektleitung von
Wissenschaftskommunikation Energiewende: „Für das Gelingen der
Energiewende werden die unterschiedlichsten Technologien benötigt: Strom
aus erneuerbaren Energiequellen ist essenziell. Zudem ist der Ausbau und
die Digitalisierung der Netze notwendig sowie die Anpassung des
Strombedarfs der industriellen Prozesse an das fluktuierende Angebot.
Hinzu kommt die Herstellung von Kraftstoffen und Chemikalien aus CO₂ und
Wasser mit Hilfe von Strom. In den durch das BMBF geförderten Kopernikus-
Projekten und Carbon2Chem® kommen wir mit der Entwicklung wichtiger
Technologien sehr gut voran. Darüber informiert diese Ausstellung sehr
anschaulich.“

Parallel zur Ausstellung ist das Power2Change: Energiemobil in der Region
unterwegs, eine mobile Ausstellung, in der Gäste selbst Wasserstoff
erzeugen können, den 3D-Druck eines Windrads erleben oder mit der VR-
Brille ins Jahr 2045 reisen, und miteinander ins Gespräch über die
Energiewende kommen. Im Begleitprogramm der Ausstellung finden weitere
Veranstaltungen in Peenemünde, Greifswald und Heringsdorf statt, welche
die Themen inhaltlich vertiefen, spielerisch ergänzen und zu Diskussionen
einladen.

Das Historisch-Technische Museum Peenemünde ist die dritte Station der
Wanderausstellung im Rahmen des Verbundprojekts Wissenschaftskommunikation
Energiewende. Danach reist sie weiter durch die Bundesrepublik und ist bis
Ende 2024 an vier weiteren Stationen zu sehen.

Ausstellung: Klimahaus® Bremerhaven, LWL-Industriemuseum Henrichshütte
Hattingen
Wissenschaftliche Partner: DECHEMA, Fraunhofer UMSICHT, Carbon2Chem®,
Fraunhofer-Cluster CINES, Kopernikus-Projekte und weitere
Begleitforschung: Technische Universität Ilmenau
Projektkommunikation, Rahmenprogramm, Energiemobil und Wanderausstellung:
Wissenschaft im Dialog

Weitere Informationen zur Ausstellung und dem Begleitprogramm unter:
www.power2change-energiewende.de
www.museum-peenemuende.de/porfolio-project/power2change-mission-
energiewende/


Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung.

Programm der Eröffnung am 4.7.2023, 11 Uhr im Turbinensaal des HTM
Peenemünde:

Begrüßung: Michael Gericke (HTM Peenemünde, Geschäftsführer)
Grußwort: Sandra Naumann (Fraunhofer UMSICHT)
Vortrag: „Darum brauchen wir die Energiewende“, Prof. Dr. Kurt Wagemann
(DECHEMA e.V.)

Die Ausstellung wird bis 3. September 2023 im HTM Peenemünde gezeigt. Es
gelten die regulären Öffnungszeiten und Eintrittspreise des Museums.

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Überreste einer ausgestorbenen Welt von Lebewesen entdeckt

Künstlerische Darstellung von Ur-Eukaryonten  Orchestrated i MidJourney by TA  Australian National University
Künstlerische Darstellung von Ur-Eukaryonten Orchestrated i MidJourney by TA Australian National University

Neu entdeckte Überreste von Biomarkern, Protosteroide, deuten auf eine
ganze Reihe bisher unbekannter Organismen hin, die vor etwa einer
Milliarde Jahren das damalige komplexe Leben auf der Erde beherrschten.
Sie unterschieden sich von den eukaryontischen Lebewesen, wie wir sie
kennen, also von Menschen, Tieren, Pflanzen und Algen, durch ihren
Zellaufbau und wahrscheinlich auch durch ihren Stoffwechsel, der an eine
Welt angepasst war, die weit weniger Sauerstoff in der Atmosphäre aufwies
als heute. Ein internationales Forscherteam, dem auch der GFZ-Geochemiker
Christian Hallmann angehört, berichtet jetzt in der Fachzeitschrift Nature
über diesen Durchbruch für die evolutionäre Geobiologie.

Die neu entdeckten „Protosteroide“ waren im Erdmittelalter überraschend
häufig. Produziert wurden diese Ur-Fette in einem früheren Stadium der
eukaryontischen Komplexität. Die Funde verlängern damit das Alter der
fossilen Belege von Steroiden auf über 800 Millionen Jahre vor heute
hinaus bis zu 1600 Millionen Jahre vor heute. Eukaryonten ist die
Bezeichnung für ein „Reich“, zu dem alle Tiere, Pflanzen und Algen gehören
und das sich von den Bakterien (einem anderen „Reich“ des Lebens) durch
eine komplexe Zellstruktur mit einem Zellkern und einem komplexeren
molekularen Apparat unterscheidet. „Das Besondere an dieser Entdeckung ist
nicht nur der viel früher zu datierende molekulare Nachweis von
Eukaryonten“, sagt Hallmann: „Da der letzte gemeinsame Vorfahre aller
modernen Eukaryonten, einschließlich des Menschen, wahrscheinlich in der
Lage war, 'normale' moderne Sterine zu produzieren, ist die
Wahrscheinlichkeit groß, dass die Eukaryonten, die für diese seltenen
Signaturen verantwortlich sind, zum „Stamm“ des evolutionären Baumes
gehörten."

Beispielloser Einblick in verlorene Welt

Dieser „Stamm“ stellt die gemeinsame Linie jener Organismen dar, die
Vorfahren aller heute lebender Zweige der Eukaryonten waren. Ihre
Vertreter sind längst ausgestorben, doch Einzelheiten über ihre Natur
könnten Aufschluss über die Bedingungen für die Entstehung von komplexem
Leben geben. Die Forschenden sehen zwar noch weiteren Forschungsbedarf, um
etwa zu ermitteln, wie hoch der Anteil der Protosteroide ist, der
möglicherweise aus einer seltenen bakteriellen Quelle stammt.

Aber die Entdeckung dieser neuen Moleküle bringt nicht nur die
geologischen Spuren der herkömmlichen Fossilien mit denen der fossilen
Lipidmoleküle in Einklang, sondern gewährt auch einen beispiellosen
Einblick in eine verlorene Welt des frühen Lebens. Die Verdrängung der
Eukaryonten der Stammgruppe, die durch das erste Auftreten moderner
fossiler Steroide vor etwa 800 Millionen Jahren gekennzeichnet ist, könnte
eines der einschneidendsten Ereignisse in der Evolution des zunehmend
komplexen Lebens darstellen.

„Fast alle Eukaryonten erzeugen Steroide, wie z. B. Cholesterin, das von
Menschen und den meisten anderen Tieren produziert wird“, fügt Erstautor
Benjamin Nettersheim von der Universität Bremen hinzu. „Aufgrund der
potenziell gesundheitsschädlichen Auswirkungen eines erhöhten
Cholesterinspiegels beim Menschen hat Cholesterin aus medizinischer Sicht
nicht den besten Ruf. Diese Lipidmoleküle sind jedoch integraler
Bestandteil der eukaryontischen Zellmembranen, wo sie eine Vielzahl
physiologischer Funktionen erfüllen. Durch die Suche nach fossilen
Steroiden in alten Ablagerungen können wir die Entwicklung von immer
komplexerem Leben nachvollziehen.“

Was der Nobelpreisträger nicht für möglich hielt

Der Nobelpreisträger Konrad Bloch hatte bereits vor fast 30 Jahren in
einem Aufsatz über einen solchen Biomarker spekuliert. Bloch postulierte,
dass kurzlebige Zwischenprodukte in der modernen Biosynthese von Steroiden
möglicherweise nicht immer nur Zwischenprodukte waren. Er nahm vielmehr
an, dass sich die Lipidbiosynthese im Laufe der Erdgeschichte parallel zu
den sich ändernden Umweltbedingungen entwickelt hat. Im Gegensatz zu
Bloch, der nicht glaubte, dass diese alten Zwischenprodukte jemals
gefunden werden könnten, machte sich Nettersheim auf die Suche nach
Protosteroiden in Gesteinen, die zu einer Zeit abgelagert wurden, als
diese Zwischenprodukte tatsächlich das Endprodukt gewesen sein könnten.

Aber wie findet man solche Moleküle in alten Gesteinen? „Wir haben eine
Kombination von Techniken angewandt, um verschiedene moderne Steroide
zunächst in ihr fossiles Äquivalent umzuwandeln; andernfalls hätten wir
gar nicht gewusst, wonach wir suchen sollten“, sagt Jochen Brocks,
Professor an der Australian National University, der sich die
Erstautorenschaft der neuen Studie mit Nettersheim teilt. Forschende
hatten diese Moleküle jahrzehntelang übersehen, weil sie nicht in das
typische Raster der Molekülsuche passen. „Sobald wir unser Ziel kannten,
entdeckten wir, dass Dutzende anderer Gesteine, die aus Milliarden Jahre
alten Gewässern auf der ganzen Welt stammten, mit ähnlichen fossilen
Molekülen übersät waren“, sagt Brocks.

Umweltveränderungen und der Niedergang des urtümlichen Lebens

Die ältesten Proben mit dem Biomarker kommen aus der Barney-Creek-
Formation in Australien und sind 1,64 Milliarden Jahre alt. In den
Gesteinsschichten der nächsten 800 Millionen Jahre finden sich nur fossile
Moleküle von Ur-Eukaryonten, bevor molekulare Signaturen moderner
Eukaryonten erstmals in der so genannten Tonium-Periode auftreten. Laut
Nettersheim „erweist sich die Tonium-Transformation als einer der
tiefgreifendsten ökologischen Wendepunkte in der Geschichte unseres
Planeten“. Hallmann fügt hinzu, dass „sowohl primordiale Stammgruppen als
auch moderne eukaryotische Vertreter wie Rotalgen viele hundert Millionen
Jahre lang nebeneinander gelebt haben dürften“.

In dieser Zeit wurde die Erdatmosphäre jedoch zunehmend mit Sauerstoff
angereichert – einem Stoffwechselprodukt der Cyanobakterien und der ersten
eukaryontischen Algen, das für viele andere Organismen giftig war. Später
kam es zu globalen Vereisungen („Schneeball-Erde“) und die Protosterol-
Gemeinschaften starben weitgehend aus. Der letzte gemeinsame Vorfahre
aller lebenden Eukaryonten könnte vor 1,2 bis 1,8 Milliarden Jahren gelebt
haben. Seine Nachkommen waren wahrscheinlich besser in der Lage, Hitze und
Kälte sowie UV-Strahlung zu überleben und verdrängten ihre ursprünglichen
Verwandten.

Da alle Stammgruppen-Eukaryonten längst ausgestorben sind und nur die Äste
überlebt haben, werden wir nie mit Sicherheit wissen, wie die meisten
unserer frühen Verwandten aussahen. Aber die Ur-Steroide werfen
möglicherweise mehr Licht auf ihre Biochemie und Lebensweise. „Die Erde
war während eines Großteils ihrer Geschichte eine mikrobielle Welt, deren
Bewohner nur wenige Spuren hinterlassen haben“, fasst Nettersheim
zusammen. Die Forschung an der ANU, dem MARUM und dem GFZ ist weiterhin
auf der Suche nach den Wurzeln unseres Lebens – die Entdeckung der
Protosterole bringt uns nach Ansicht der Forschenden einen Schritt näher
an das Verständnis, wie unsere frühesten Vorfahren lebten und sich
entwickelten.

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1,6 Millionen Euro für Bielefelder Forschung

Professor Dr. Olaf Kaltmeier ist Sprecher des Projekts „Turning Land into Capital“.
Professor Dr. Olaf Kaltmeier ist Sprecher des Projekts „Turning Land into Capital“.

Lateinamerika ist weltweit die Region mit der größten Ungleichverteilung
von Land. Das Projekt „Turning Land into Capital“ geht der Bedeutung von
Land in der Reproduktion von Reichtum auf den Grund. Unter Leitung der
Universität Bielefeld erforschen Universitäten in Bern, Puebla, Quilmes
und Quito, wie das Ungleichgewicht historisch gewachsen ist und heute
erneut vorangetrieben wird. Die Volkswagenstiftung fördert das auf vier
Jahre angelegte Projekt mit 1,6 Millionen Euro.

Ein Prozent von supergroßen Betrieben in Lateinamerika verfügte laut einer
Oxfam-Studie im Jahr 2017 über genauso viel Land wie die restlichen 99
Prozent. „Die Spaltung zwischen arm und reich war weltweit noch nie so
groß. Wir erleben eine Phase der Refeudalisierung“, erklärt Professor Dr.
Olaf Kaltmeier, Sprecher des Projekts, die Ausgangsposition der
Forschungsarbeit. „Gleichzeitig wissen wir zu wenig darüber, wie diese
neuen landbesitzenden Eliten funktionieren und kulturell ‚ticken‘.“ Dank
der Förderung durch die Volkswagenstiftung soll diese Leerstelle nun
gefüllt werden.

Das interdisziplinäre und internationale Team konzentriert sich auf zwei
historische Transformationsphasen von Land: Die Zeit zwischen 1860 und
1929, die geprägt war vom sogenannten „Landgrabbing“ durch die Europäer,
der Ausbeutung von Großgrundbesitz und Plantagen, dem Kautschukboom im
Amazonasgebiet. „Es war eine Phase extremen Reichtums, wie wir ihn auch
heutzutage wieder vorfinden“, sagt Historiker Kaltmeier. In der zweiten
Phase von den 1980er Jahren bis heute fand eine verstärkte Privatisierung
und Exportorientierung statt. Der Boom von Sojabohnen und Biodiesel sowie
die Nachfrage nach Rindfleisch beanspruchte große Flächen. Die Abholzung
von Urwäldern war die Folge. Und auch hier finden sich feudale
Konnotationen, wenn in der argentinischen und brasilianischen Presse von
„Sojabaronen“ die Rede ist.

Kartelle spielen immer größere Rolle beim Landbesitz
Um dem Habitus, dem Wertesystem und der Lebenseinstellung dieser neuen
Eliten im Vergleich mit denen der ersten Phase auf den Grund zu gehen,
untersuchen die Forscher*innen in den kommenden vier Jahren unter anderem
Tagebucheinträge, Konsumverhalten und Formen der Mobilität. „Die Dichte
privater Helikopter ist nirgendwo so hoch wie um São Paolo“, sagt
Kaltmeier. Das Team hofft darauf, auch Interviews mit Akteur*innen selbst
führen zu können. Die Finanzierung durch die Volkswagenstiftung, die das
Projekt im Profilbereich Gesellschaftliche Transformation bewilligt hat,
könne hier als Türöffner fungieren.

Schließlich interessiert die Wissenschaftler*innen, welche politischen
Konstellationen den Hyperreichtum begünstigen, aber auch, wie das
Landkapital in politisches Kapital umgewandelt wird. „Hier sprechen wir
dann auch von Formen der Beeinflussung“, erklärt Kaltmeier. Besonderes
Augenmerk soll kriminellen Kartellen zukommen. Sie bauten derzeit ihren
Einfluss in Lateinamerika aus, ihre Mitglieder zählten längst zur neuen
reichen Elite. Kaltmeier: „Landkonzentration passiert nicht mehr nur im
legalen Rahmen. Ein Großteil der Avocado- und Limetten-Produktion ist in
der Hand von Kartellen, der Staat hat hier sein Gewaltmonopol verloren.“

Auswirkungen auf die Natur
Aufgrund des multidimensionalen Charakters von „Turning Land into Capital“
spielen auch die ökologische Transformation und ihre Folgen eine Rolle.
Verbunden mit dem Besitz großer Flächen von Land sind massive
Veränderungen in der Natur. Das sei eine weitere Parallele der beiden
Untersuchungszeiträume: Ökologisches Kapital werde sich angeeignet, ohne
die ökologische Verantwortung zu übernehmen. Die Abholzung im
Amazonasgebiet führt aktuell dazu, dass dieser einstige CO2-Speicher
mittlerweile mehr Kohlenstoff abgibt als bindet. „Wir hinterfragen, wie
dies heute gesellschaftlich legitimiert wird und ob auch im 19.
Jahrhundert die Begründungsmechanismen dieselben waren“, sagt Kaltmeier.

Den Netzwerk-Charakter des Projekts sieht der Historiker als klaren
Vorteil. „Wenn wir eine so große Region wie Lateinamerika betrachten
wollen, müssen wir mit verschiedenen Partnern zusammenarbeiten“, sagt
Kaltmeier. Mit den drei Standorten Quilmes (Argentinien), Quito (Ecuador)
und Puebla (Mexiko) sowie Rio de Janeiro (Brasilien) als assoziiertem
Partner sei der Bereich gut abgedeckt. Ziel sei es, eine breite,
übergreifende Debatte in Gang zu bringen, die hier durch die Universitäten
Bern und Bielefeld eine Brücke nach Europa schlägt. „Wir betrachten
Lateinamerika nicht isoliert, sondern in Verflechtung mit der Welt. Der
Bayer-Konzern etwa ist nach dem Kauf von Monsanto ein großer Player, der
verbunden ist mit dieser Form von Landbesitz, die wir untersuchen.“

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Management studieren – oui, of course

Sarah Marie und Antonin Woick sind mit Töchterchen Pauline zur Jubiläumsfeier gekommen. Beide haben den Deutsch-Französischen Studiengang Internationales Management absolviert, an der HWR Berlin und der Ecole Supérieure du Commerce Extérieur Paris.  Sylke Schumann  Sylke Schumann / HWR Berlin
Sarah Marie und Antonin Woick sind mit Töchterchen Pauline zur Jubiläumsfeier gekommen. Beide haben den Deutsch-Französischen Studiengang Internationales Management absolviert, an der HWR Berlin und der Ecole Supérieure du Commerce Extérieur Paris. Sylke Schumann Sylke Schumann / HWR Berlin

In zwei Ländern und drei Sprachen BWL studieren, mit drei Abschlüssen nach
fünf Jahren ins Berufsleben starten. Deutsch-Französischer Studiengang von
HWR Berlin und ESCE Paris feiert 20. Jubiläum.

Berlin, den 7. Juni 2023. Man trifft sich immer zweimal im Leben,
mindestens. Die Chancen, in einem internationalen Unternehmen oder einer
Organisation in Berlin, Deutschland oder irgendwo auf der Welt einen
Absolventen oder eine Absolventin des Deutsch-Französischen Studiengangs
(DFS) „Internationales Management / Management International“
kennenzulernen, stehen nicht schlecht. Mit ihrer Qualifikation und ihrem
interkulturellen Knowhow sind die Alumni der Hochschule für Wirtschaft und
Recht Berlin (HWR Berlin) und der Ecole Supérieure du Commerce Extérieur
(ESCE) Paris auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

Horizont erweitern, Verbindungen schaffen
Die fünf gemeinsamen, intensiven Studienjahre erweitern Horizonte und
schaffen Verbindungen, beruflich und manchmal auch fürs Leben. Sarah Marie
Woick ist mit ihrer kleinen Tochter zur feierlichen Jubiläumsveranstaltung
an ihre ehemalige Alma Mater in Berlin gekommen – und mit ihrem Mann, ein
ehemaliger Kommilitone. Die Ulmerin wollte nach dem Abitur Wirtschaft
studieren, gern praxisorientiert und international ausgerichtet und
entschied sich nach Schüleraustausch, Familienurlauben in Frankreich und
einem längeren Parisaufenthalt als Au-pair für den DFS. Der Start ins
Studium gestaltete sich nicht leicht, erzählt sie am Rande der
Festveranstaltung. Das solide Alltagsfranzösisch musste zunächst um viele
wirtschaftliche Begriffe erweitert werden, was dank einiger zweisprachiger
Mitstudenten und -studentinnen jedoch kein Problem war.

Zusammenhalten und gegenseitig stärken
„Meine Kommilitonen und Kommilitoninnen haben mich mitgezogen, mich
unterstützt und mir geholfen, in Wirtschaftsfranzösisch den Anschluss zu
bekommen. Es ist auch dieser Zusammenhalt in der Gruppe mit Menschen ganz
unterschiedlicher Herkunft und ihren Hintergründen, was diesen Studiengang
besonders macht“, sagt Woick. Man müsse sich manchmal durchkämpfen, hart
arbeiten – im Studium und an sich. Dadurch hätte sie neben fachlichem
Knowhow und interkulturellem Feingefühl auch an Selbstsicherheit gewonnen,
um Anforderungen in verschiedenen Systemen und Situationen meistern zu
können.
Am Ende habe ihr der erfolgreiche Masterabschluss den Arbeitseinstieg in
der französischen Kosmetikfirma L’OCCITANE ermöglicht. Ein perfektes
Umfeld, um Erlerntes anzuwenden. Heute arbeitet sie im Einkauf beim
international geführten Kaufhauskonzern KaDeWe in Berlin.

Deutsch-französischen Freundschaft leben
Das 20. Jubiläum des Deutsch-Französischen Studiengangs fällt zusammen mit
60 Jahren Elysée-Vertrag. Dr. Bernard Ludwig, Attaché für
Hochschulkooperation der französischen Botschaft, stellt die Bedeutung der
deutsch-französischen Freundschaft heraus, die nach wie vor wichtig sei
für die Bewältigung der aktuellen und künftigen Aufgaben in Europa und für
den Frieden. Die Verbindung zwischen den zwei Nationen sei Chance und
Verpflichtung zugleich. Erfolgsgeschichten wie diese enge
Hochschulpartnerschaft und deren Absolventen und Absolventinnen, die mit
offenen Denkansätzen und interkultureller Kompetenz als Botschafter und
Botschafterinnen in ihrem Berufs- und Lebensumfeld wirken, gebe Hoffnung.

Für die europäische Idee begeistern
„Um das europäische Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell langfristig
wettbewerbsfähig zu halten, müssen Unternehmen und Organisationen in
Europa international denken und agieren“, ist Andreas Portmann überzeugt.
Absolventen wie er, die unter dem Dach der Deutsch-Französischen
Hochschule (DFH) den gemeinsam von HWR Berlin und ESCE Paris angebotenen
Bachelor-Master-Studiengang absolviert haben, werden im Studium für die
europäische Idee begeistert und übertragen diese Offenheit und Überzeugung
in ihr unternehmerisches Handeln.

Andreas Portmann schloss den Master mit den Studienschwerpunkten Strategic
Management und Entrepreneurship 2012 ab. Sein Unternehmenspraktikum im
Rahmen des Studiums absolvierte der Wahlberliner im Finanzbereich eines
französischen Konzerns in Großbritannien und Belgien, war nach dem
Abschluss bei einer Unternehmensberatung tätig, Strategie-Leiter beim
Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin und ist seit einem Jahr
Geschäftsführer der Stiftung des Deutschen Herzzentrums in Berlin.

In zweie pulsierende Metropolen eintauchen
„Der große Vorteil eines bi-nationalen Studiengangs im Vergleich zu
punktuellen Auslandsaufenthalten ist, dass man zwei Hochschulsysteme im
Detail kennenlernt und über längere Zeit eng mit den französischen
Kommilitonen und Kommilitoninnen zusammenarbeitet“, sagt Portmann
rückblickend. „Zudem geben einem die Studienorte Berlin und Paris die
Möglichkeit, auch neben dem Studium in das reichhaltige kulturelle,
politische und wirtschaftliche Leben zweier pulsierender Metropolen
einzutauchen.“ Für diese wertvolle Erfahrung ist er sehr dankbar.

Verständigung und das Verständnis füreinander entwickeln
„Der Deutsch-Französische Studiengang ist ein exzellentes Beispiel für die
so wichtigen internationalen Hochschulpartnerschaften der HWR Berlin.
Neben fachlichem Wissen wachsen auf diesem Fundament über Ländergrenzen
hinweg die Fähigkeit zur Verständigung und das Verständnis füreinander“,
sagt Studiengangsleiterin an der HWR Berlin, Prof. Dr. Madeleine Janke.

Studentinnen und Studenten aus Deutschland und Frankreich durchlaufen
gemeinsam bis zum Masterabschluss den konsekutiven Doppelstudiengang – in
zwei Ländern, drei Sprachen (Deutsch, Französisch und Englisch) und in
insgesamt zehn Semestern. Der integrierte bi-nationale BWL-Studiengang
„Internationales Management / Management International“ ist der einzige
seiner Art unter dem Dach der Deutsch-Französischen Hochschule.

Das zweite Studienjahr absolvieren die deutschen Studierenden gemeinsam
mit ihren französischen Kommilitonen und Kommilitoninnen in Paris an der
renommierten Business School, die französischen Studierenden kommen nach
Berlin. Die ESCE gehört zu den Grandes Ecoles, den spezialisierten
Hochschulen in Frankreich, an denen künftige Führungskräfte studieren.
Studiengangsleiterin Prof. Dr. Madeleine Janke ist stolz darauf, dass laut
Befragungen die meisten der inzwischen weit über 200 Absolventinnen und
Absolventen nach Abschluss des Studiums in einem deutsch-französischen
bzw. internationalen Umfeld arbeiten – erklärtes Ziel des Studiengangs.
Die Studierenden wissen um die besonderen Qualifikationen, die sie in
diesem bi-nationalen Programm erwerben und wollen für dieses erfahrene
Privileg der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Viele engagieren sich in
sozialen Projekten und stärken auch damit den europäischen Gedanken,
tragen ihn weiter.

Ein Studium, zwei Master und ein Zertifikat
Die Zusammenarbeit zwischen HWR Berlin und ESCE nahm 2002 ihren Anfang.
Die Hochschulen vergeben aufbauend auf den Bachelorabschluss nach dem sich
anschließenden konsekutiven Aufbaustudium zwei akademische Master-Titel
(„Master of Arts“ bzw. „Master of Science“ und „Grade de Master“) und ein
Zertifikat der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH), die diesen
Studiengang fördert.

Die Bewerbung für den Studiengang läuft für Interessierte mit deutschem
Hochschulabschluss vom 1. April bis zum 31. Mai eines Jahres.
Bewerber*innen mit ausländischem Hochschulabschluss bewerben sich zwischen
dem 1. April und 15. Mai über UniAssist.

Mehr zum Deutsch-Französischen Studiengang „Internationales Management /
Management International“
https://www.hwr-berlin.de/studium/studiengaenge/detail/25-internationales-
management-management-international/


Bildergalerie zur Graduierung und Jubiläumsveranstaltung
https://www.hwr-berlin.de/aktuelles/neuigkeiten/neuigkeit-detail/3440-ein-
fest-fuer-die-deutsch-franzoesische-freundschaft/


Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) ist eine
fachlich breit aufgestellte, international ausgerichtete Hochschule für
angewandte Wissenschaften, einer der bundesweit größten staatlichen
Anbieter für das duale Studium und im akademischen Weiterbildungsbereich.
Sie sichert den Fachkräftebedarf in der Hauptstadtregion und darüber
hinaus. Rund 12 000 Studierende sind in über 60 Studiengängen der
Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts-, Ingenieur- und Polizei- und
Sicherheitswissenschaften sowie in internationalen Master- und MBA-
Studiengängen eingeschrieben. Die HWR Berlin ist die viertgrößte
Hochschule für den öffentlichen Dienst in Deutschland und mehrfach
prämierte Gründungshochschule. Über 700 Kooperationen mit Partnern in der
Wirtschaft und im öffentlichen Dienst garantieren den ausgeprägten
Praxisbezug in Lehre und Forschung. 195 aktive Partnerschaften mit
Universitäten auf allen Kontinenten fördern einen regen
Studierendenaustausch und die internationale Forschungszusammenarbeit. Die
HWR Berlin ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for
Excellence“ und unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz
„Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“.

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