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104. Deutscher Röntgenkongress: Teilnehmendenzahlen auf Rekordniveau

Mehr als 9.500 Radiolog:innen, Medizinische Technolog:innen für Radiologie
(MTR), Medizinphysiker:innen und Medizinstudierende haben am 104.
Deutschen Röntgenkongress teilgenommen, der sich auch in diesem Jahr aus
einem digitalen (RÖKO DIGITAL) und einem Präsenzteil (RÖKO WIESBADEN)
zusammensetzte. 114 Aussteller machten zudem die begleitende
Industrieausstellung im RheinMain CongressCenter (RMCC) zu einem erneuten
Publikumsmagneten.

Der RÖKO DIGITAL fand vom 1. März 2023 bis zum 24. Juni 2023 statt.
Mittwochs, donnerstags und samstags hatten die Arbeitsgemeinschaften und
Foren der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) sowie die Deutsche
Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), die Deutsche Gesellschaft für
Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) und die
Deutsche Gesellschaft für Medizinische Technolog:innen für Radiologie
(DGMTR) radiologische Fortbildung in ihrer gesamten Breite angeboten. Alle
Webinare wurden aufgezeichnet und sind für DRG-Mitglieder, die den RÖKO
DIGITAL gebucht haben, in conrad, der digitalen Lernplattform der DRG,
abrufbar.

Der Präsenzkongress RÖKO WIESBADEN fand wie gewohnt über Christi
Himmelfahrt vom 17. bis zum 19. Mai 2023 im RheinMain CongressCenter
(RMCC) statt. Hier präsentieren die AGs, Foren und Netzwerke sowie die
genannten Fachgesellschaften ihre jeweiligen „hot topics“ zur Fortbildung.
Bereichert wurde das Programm außerdem durch zahlreiche wissenschaftliche
Sitzungen sowie dialogische Formate zu hochaktuellen Themen wie
beispielsweise der Krankenhausreform.

Mit 5.100 Teilnehmenden im digitalen Teil sowie 4.500 Teilnehmenden in der
Präsenzausgabe bewegte sich der 104. Deutsche Röntgenkongress auf
Rekordniveau. „Dies sind herausragende Zahlen, die ich so nicht erwartet
hätte und die sogar die Zahlen aus Vor-Pandemie-Zeiten weit übertreffen“,
erklärt die Kongresspräsidentin, Univ.-Prof. Dr. Christiane Kuhl. Das
Motto des diesjährigen Deutschen Röntgenkongresses lautete „Abenteuer
Forschung“. „Der 104. Deutsche Röntgenkongress hat verdeutlicht, dass die
Radiologie für eine Vielfalt der Methoden, klinischen Anwendungen und
nicht zuletzt auch für Vielfalt in der Forschung steht. Letzteres habe ich
als Präsidentin des Kongresses versucht, besonders hervorzuheben, denn
Forschung ist – wie für andere Disziplinen auch – unsere Lebensgrundlage.“

Der Kongress machte jedoch auch eine andere Entwicklung innerhalb der
Radiologie sichtbar: „Wir sind jünger, weiblicher und auch
interkultureller geworden. Anders gesagt: Wir stehen mittlerweile sichtbar
für gelebte Vielfalt“, so Professorin Kuhl.“

Der 105. Deutsche Röntgenkongress 2024 findet vom 1. März bis 22. Juni als
Digitalkongress und vom 8. bis 10. Mai als Präsenzkongress im RMCC in
Wiesbaden statt. Er ist zugleich der 10. Gemeinsame Kongress von DRG und
ÖRG.

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Auszeichnung für Raumfahrt-Start-up

Eine Rakete für eine neue Satelliten-Generation, aus der Ferne gesteuerte
Lastwagen und eine Software zur Berechnung von CO2-Emissionen: Mit diesen
Produkten sind die Start-ups Isar Aerospace, Fernride und Tanso
Technologies erfolgreich. Beim TUM Entrepreneurship Day waren sie für den
Presidential Entrepreneurship Award nominiert – ausgezeichnet wurde das
Raumfahrtunternehmen.

Zum zehnten Mal trafen sich Gründer:innen, Studierende, Forschende,
Investor:innen und viele weitere Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft
beim Entrepreneurship Day der Technischen Universität München. Das
Ökosystem von TUM und UnternehmerTUM ist seit der Premiere um ein
Vielfaches gewachsen und so ist auch das Netzwerktreffen deutlich größer
geworden. Bei einem ganztägigen Programm präsentierten sich Start-ups,
konnten Gründungsinteressierte Workshops besuchen, diskutierten
Expert:innen über Innovation.

Zum zehnten Mal wurde auch der Presidential Entrepreneurship Award
verliehen. Die Jury wählt Geschäftsideen aus, die maßgeblich auf
Forschungsergebnissen beruhen, ein hohes Wachstumspotenzial haben und
erste Finanzierungserfolge vorweisen können. Der Preis ist mit 10.000 Euro
dotiert, gestiftet vom Freunde der TUM e.V.

Preisträger: Isar Aerospace

Ob Kommunikationsnetze, autonomes Fahren oder digitale Landwirtschaft: Für
dutzende neue Technologien werden Satelliten für die Datenübertragung
benötigt. Dafür wollen die Anbieter:innen ganze Schwärme von Satelliten
ins All schießen. Diese sind vergleichsweise klein und sollen sich in
niedrigen Erdumlaufbahnen bewegen. Doch die vorhandenen Raketen, die
Satelliten in den Orbit bringen, sind noch auf deutlich größere Frachten
ausgerichtet. Vor allem in Europa sind die Startmöglichkeiten für die neue
Generation knapp und teuer.

Isar Aerospace hat eine Trägerrakete entwickelt, die auf kleine und
mittelgroße Satelliten maßgeschneidert ist und einen effizienten Transport
ermöglicht. Das Start-up produziert nicht nur die Technik, sondern will
seinen Kund:innen auch die Starts organisieren.

Die Gründer Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl haben an
der TUM Luft- und Raumfahrt studiert und in der studentischen
Forschungsgruppe WARR an Raketentriebwerken gearbeitet. Erste Prototypen
bauten sie nach der Unternehmensgründung 2018 in der Hightech-Werkstatt
MakerSpace. Bei UnternehmerTUM wurden sie auch im XPRENEURS-Inkubator
gefördert. Unternehmertum Venture Capital Partners investierte in das
Start-up, neben diversen anderen Investor:innen mehrerer
Finanzierungsrunden. Bei Isar Aerospace arbeiten heute rund 350
Mitarbeiter:innen in Ottobrunn nahe dem TUM-Department Aerospace and
Geodesy. Den ersten Start der Rakete plant das Start-up noch in diesem
Jahr.

Finalist: Fernride

Der Logistikbranche fehlen europaweit tausende Lkw-Fahrer:innen. Fernride
will das Problem mit teleoperiertem Fahren lösen. Lastwagen, die mit der
Technologie des Unternehmens ausgerüstet sind, können aus dem Büro heraus
gesteuert werden. Eine Person kann dabei mehrere halbautonome Fahrzeuge
kontrollieren. Die Kund:innen des Start-ups setzen die Lkw auf
Werksgeländen, Umschlagplätzen und Hafengeländen ein. Die Autonomie der
Elektro-Trucks will das Unternehmen weiter steigern, sodass eine größere
Zahl Lastwagen von einem Menschen gesteuert werden kann – auch auf
öffentlichen Straßen.

Die Gründer Dr. Maximilian Fisser, Jean-Michael Georg und Hendrik Kramer
haben an der TUM School of Engineering and Design und der TUM School of
Management studiert, die Technologie basiert auf Forschung am Lehrstuhl
für Fahrzeugtechnik. Gefördert wurde das Team in verschiedenen
UnternehmerTUM-Programmen. Mehrere Finanzierungsrunden hat das 2019
gegründete Start-up erfolgreich abgeschlossen.

Finalist: Tanso Technologies

Größere Unternehmen müssen in der EU künftig ihre CO2-Emissionen berechnen
und offenlegen. Viele Firmen haben damit Schwierigkeiten, vor allem wenn
sie unterschiedliche Produkte herstellen und eine verzweigte Struktur
haben. Sie müssen Daten aufwendig zusammentragen und Kennzahlen
vergleichbar machen. Tanso Technologies hat eine Software entwickelt, die
den CO2-Ausstoß sowohl für das gesamte Unternehmen als auch bezogen auf
einzelne Produkte berechnet. So können Firmen nicht nur Arbeitszeit
sparen, sondern auch die einzelnen Produktionsphasen auf
Verbesserungspotenzial hin analysieren.

Die Technologie basiert auf der Masterarbeit von Gyri Reiersen, die an der
TUM Robotics, Cognition, Intelligence studiert hat. Co-Gründer Till
Wiechmann besuchte nach seinem Managementstudium die Entrepreneurial
Masterclass, in der Studierende die Forschungsfrage ihrer Masterarbeit mit
einem eigenen Gründungsprojekt verbinden. Beide absolvierten das
Zusatzstudium des Center for Digital Technology and Management (CDTM), bei
dem die Studierenden in interdisziplinären Teams neue Technologien
konstruieren, daraus konkrete Produkte entwickeln und eine Firmengründung
vorbereiten können. Gefördert wurde das Team, zu dem auch Co-Gründer
Lorenz Hetzel gehört, im XPRENEURS-Inkubator von UnternehmerTUM, dessen
Venture Capital Fonds sich an der Finanzierung beteiligte.

Mentor of Excellence Award

Ausgezeichnet wurde auch Isabell M. Welpe. Die Professorin für Strategie
und Organisation bekam den TUM Start-up Mentor of Excellence Award
verliehen. Mit dem Preis würdigt die TUM Professor:innen, die bei der
Betreuung von Gründungsteams besonders engagiert und erfolgreich sind.
Viele Wissenschaftler:innen begleiten die Teams während der Beantragung
und der einjährigen Laufzeit eines EXIST-Gründungsstipendiums. Um eines
der begehrten Bundes-Stipendien für Hochschulausgründungen zu erhalten,
ist ein Mentoring durch Wissenschaftler:innen eine Voraussetzung. Der TUM
Start-up Mentor of Excellence Award ist mit 5.000 Euro für den Lehrstuhl
dotiert.

Weitere Informationen:
Jedes Jahr werden an der TUM rund 70 technologieorientierte Unternehmen
gegründet. TUM und UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und
Gründung, unterstützen Start-ups mit Programmen, die exakt auf die
einzelnen Phasen der Gründung zugeschnitten sind – von der Konzeption
eines Geschäftsmodells bis zum Management-Training, vom Markteintritt bis
zum möglichen Börsengang. Die TUM Venture Labs bieten Gründungsteams aus
je einem bedeutenden Technologiefeld ein ganzes Ökosystem in unmittelbarer
Anbindung an die Forschung. Bis zu 30 Teams können den TUM Incubator
nutzen, um sich auf den Start ihres Unternehmens vorzubereiten.
UnternehmerTUM investiert mit einem eigenen Venture Capital Fonds in
vielversprechende Technologieunternehmen und bietet mit dem MakerSpace
eine 1.500 Quadratmeter große Hightech-Werkstatt für den Prototypenbau.

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4000 Szenarien für die Klimawende

Mit einer umfangreichen Computer-Simulation von Klima, globaler Wirtschaft
und globalem Energiesystem haben Forschende des PSI gemeinsam mit Kollegen
aus den USA, China, Irland, Finnland und Schweden unterschiedliche
Möglichkeiten für eine Klimawende analysiert.

Derzeit stösst die Menschheit 42 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr
aus. Nur noch rund 300 bis 600 Milliarden Tonnen dürfen laut Berechnungen
des Weltklimarates IPCC seit 2020 noch dazu kommen, sonst wird das Ziel,
die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, kaum noch
erreichbar sein. Dieser Schlussfolgerung schliesst sich auch Evangelos
Panos vom Labor für Energiesystemanalysen des PSI an: «Es könnte knapp
werden, denn in 70 Prozent unserer Szenarien überschreitet die Welt in den
nächsten fünf Jahren die 1,5-Grad-Celsius-Marke.».

Welche Klima-Massnahmen haben den grössten Erfolg?

Vor dem Hintergrund des Klimawandels sind zahlreiche politische,
wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen. Diese
sind allerdings mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Verständlich,
wenn Verantwortliche nach belastbaren Grundlagen für beispielsweise eine
der zentralen Fragen suchen: Welche Massnahmen haben den grössten Effekt
und sind zudem ökonomisch vorteilhaft, um das Netto-Null-Emissionsziel zu
erreichen, wie es sich etwa die Schweiz vorgenommen hat? Antworten liefert
nun eine grosse Computer-Simulation, die zu diesem Thema entwickelt wurde.
Sie koppelt Klimamodelle mit ökonomischen Modellen und 1200 Technologien
zur Bereitstellung und zur Nutzung von Energie sowie zur Reduktion der
Emission von Treibhausgasen. Ein Supercomputer berechnete im Rahmen der
Studie 4000 Szenarien für 15 Regionen der Erde und berücksichtigte dabei
jeweils die möglichen Entwicklungen in Zehnjahresschritten bis ins Jahr
2100. «Dafür braucht es ausgefeilte Datenanalyse- und
Visualisierungstechniken», ergänzt Mitautor James Glynn, Leiter der
Analyseplattform für die Modellierung von Energiesystemen an der Columbia
University in den USA. Die finale Datei umfasst 700 Gigabyte. Der
Forschungsartikel dazu ist jetzt im Fachmedium Energy Policy erschienen.

Was die Arbeit von Evangelos Panos und den Co-Autoren so besonders macht:
Ihre integrierten Bewertungsmodelle berücksichtigen erstmals viele der
Unsicherheiten, die in den Modellen stecken. Bisherige Szenarien gehen in
der Regel davon aus, dass alle Parameter für die Zukunft bekannt wären,
etwa, wann welche Technologien zur Verfügung stehen und was sie kosten
oder wie gross die Ausbaupotenziale für erneuerbare Energien sind.
Berechnungen des IPCC fokussieren zudem allein auf Technologieoptionen,
also auf die Frage, welche Auswirkungen die Wahl bestimmter Technologien
für das Klima hat. Die Unsicherheiten in Klimamodellen und wie das Klima
auf das Wirtschaftswachstum reagiert, bleiben dabei ebenso aussen vor wie
viele weitere Unsicherheiten, etwa bezüglich Bevölkerungsentwicklung oder
politischer Massnahmen. «Der wichtigste Beitrag unserer Forschungsarbeit
besteht darin, dass er die politischen Entscheidungsträger in die Lage
versetzt, konkrete Entscheidungen über Klimamassnahmen zu treffen, und
zwar in voller Kenntnis der bestehenden Unsicherheiten», betont Mitautor
Brian Ó Gallachóir vom University College Cork.

18 Unsicherheitsfaktoren und 72 000 Variablen

Wenn Forschende Szenarien durchrechnen wollen, die viele Variablen und
Unsicherheiten enthalten, greifen sie oft zur sogenannten Monte-Carlo-
Methode. Die Monte-Carlo-Methode sagt nicht die Zukunft voraus. «Sie
spannt vielmehr eine Art Datenlandkarte mit Was-wäre-wenn-
Entscheidungspfaden auf», so Evangelos Panos. So auch in der aktuellen
Studie: Das Team variierte für jedes Szenario 72 000 Variablen. «Wir haben
18 Unsicherheitsfaktoren berücksichtigt, darunter das Bevölkerungs- und
Wirtschaftswachstum, die Klimasensitivität, das Ressourcenpotenzial, die
Auswirkungen von Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft, die
Kosten für Energietechnologien und die Entkopplung von Energiebedarf und
wirtschaftlicher Entwicklung», erläutert James Glynn von der Columbia
University.

Fundierte Basis für nationale Pfade zur Energiewende

Um einzelne Szenarien mit Fokus auf politische und ökonomische Fragen auf
die unterschiedlichen nationalen Pfade zur Energiewende herunter zu
brechen, müssen zusätzliche, nationalspezifische Parameter berücksichtigt
werden. «Ein Energiesystem, das den Übergang zu einer kohlenstofffreien
Wirtschaft ermöglicht, ist kapitalintensiv und erfordert die Mobilisierung
von Ressourcen aller Akteure», resümiert Panos. Dafür seien
massgeschneiderte Analysen auf nationaler Ebene erforderlich: »Unsere
Studie liefert hierfür eine fundierte Basis.»

Text: Bernd Müller

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Über das PSI

Das Paul Scherrer Institut PSI entwickelt, baut und betreibt grosse und
komplexe Forschungsanlagen und stellt sie der nationalen und
internationalen Forschungsgemeinde zur Verfügung. Eigene
Forschungsschwerpunkte sind Zukunftstechnologien, Energie und Klima,
Health Innovation und Grundlagen der Natur. Die Ausbildung von jungen
Menschen ist ein zentrales Anliegen des PSI. Deshalb sind etwa ein Viertel
unserer Mitarbeitenden Postdoktorierende, Doktorierende oder Lernende.
Insgesamt beschäftigt das PSI 2200 Mitarbeitende, das damit das grösste
Forschungsinstitut der Schweiz ist. Das Jahresbudget beträgt rund CHF 420
Mio. Das PSI ist Teil des ETH-Bereichs, dem auch die ETH Zürich und die
ETH Lausanne angehören sowie die Forschungsinstitute Eawag, Empa und WSL.
(Stand 05/2023)

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Insect Embassy – eine diplomatische Vertretung zum Erhalt der Artenvielfalt

Insekten sind für unsere Gesellschaft und für unser Überleben von
zentraler Bedeutung, das wird noch allzu oft übersehen. Mit der „Insect
Embassy“, einer künstlerischen Installation, wollen das ISOE – Institut
für sozial-ökologische Forschung und das IMD – Institut für Materialdesign
der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach die Bedeutung von Insekten
stärker ins Bewusstsein rücken. Als diplomatische Vertretung für Insekten
wird die Insect Embassy im Sommer 2023 vier Wochen lang für die
Frankfurter Stadtbevölkerung und Besucher*innen der Mainmetropole am
Domplatz installiert. Eine Vernissage am 10. Juli bildet den Auftakt.

Immer seltener, das zeigen Studien, erleben Menschen in der Stadt eine
vielfältige Insektenwelt. Damit schwindet in der Stadtbevölkerung auch die
Bereitschaft, etwas zum Schutz der Insektenvielfalt beizutragen. Mehr
noch: Die Lebensweise der Menschen in der Stadt räumt Insekten wenig Platz
ein. Darauf machen das Frankfurter ISOE – Institut für sozial-ökologische
Forschung und das IMD – Institut für Materialdesign der HfG Offenbach in
einer Kooperation zwischen Wissenschaft, Kunst und Gestaltung mit einer
Installation aufmerksam: Um dem Wert der Insektenvielfalt Anerkennung zu
verschaffen, eröffnet im Juli 2023 eine diplomatische Vertretung für
Insekten in der Stadt.

„Mit der Insect Embassy verfolgen wir das Ziel, die diplomatischen
Beziehungen zwischen Menschen und Insekten wiederaufzunehmen“, sagt ISOE-
Biodiversitätsforscher Florian Dirk Schneider. Die Installation soll die
öffentliche Wahrnehmung dafür schärfen, wie bedeutend die Leistung von
Insekten für die Ökosysteme der Erde sind, wie existenziell für Menschen
und deren komfortabler Lebensweise. „Gerade in der Stadt ist die Bedeutung
von Insekten für die Sicherung der gesellschaftlichen Lebensgrundlagen
kaum sichtbar“, sagt Schneider. „Schlimmer noch, die städtische
Lebensweise führt dazu, dass Insekten vertrieben, ausgeschlossen und
bekämpft werden.“ Um das zu ändern, rückt die Installation die Insekten
bewusst auch räumlich ins Zentrum der Stadt.

Diplomatische Mission ist die Koexistenz von Insekten und Menschen

In Frankfurt am Main entsteht die Insect Embassy dort, wo üblicherweise
für Insekten kein Platz vorgesehen ist. Am Frankfurter Domplatz
durchbricht sie den vollständig durch die Menschen beanspruchten Raum.
Mitten in der Stadt wird damit für Bewohner*innen und Besucher*innen ein
Ort für Begegnung geschaffen, der zugleich neue Perspektiven auf die Welt
der Insekten und die Notwendigkeit der Koexistenz eröffnet. „Durch die
Verknüpfung von Wissenschaft, Gestaltung und Kunst möchten wir auf die
Existenz der Insekten im Stadtraum hinweisen und gleichzeitig die Frage
stellen, wie wir bauen und leben. Wie kann die Stadt als gemeinsamer
Lebensraum für Menschen und Insekten funktionieren?“ sagt Markus Holzbach,
Professor für Materialdesign an der HfG und Leiter des IMD – Institut für
Materialdesign. „Die Insect Embassy soll die Faszination der Insektenwelt
aufzeigen und so den notwendigen Dialog im gemeinsamen Lebensraum Stadt
fördern.“

Am 10. Juli wird die Insect Embassy mit einer Vernissage und einem
Grußwort von Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig eröffnet. „Ich
hoffe, viele Bürger*innen werden sich von der Insect Embassy inspirieren
lassen und selbst etwas für die Artenvielfalt in Frankfurt tun. Wir haben
in Parks und an Straßenrändern schon mehr als 400 Hektar ‚Wiesen für
Insekten‘ angelegt, aber auch jeder Balkon und jeder Vorgarten zählt.
Lassen wir einfach mehr Wildnis zu und freuen uns über den Besuch von
Wildbienen oder Schmetterlingen“.

Über das Forschungsprojekt SLInBio

Insect Embassy ist eine künstlerische Installation im Rahmen des
Forschungsprojekts „SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung
von Biodiversität“. Hier untersuchen Frankfurter Forschungsinstitute unter
der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gemeinsam
mit Partnern aus der Praxis die Zusammenhänge zwischen städtischen
Lebensstilen und Insektenvielfalt und bieten Bürger*innen vielfältige
Möglichkeiten, die Insektendiversität zu erleben und sich an ihrer
Erforschung zu beteiligen. SLInBio wird vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „BiodiWert – Wertschätzung und
Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ als
Teil der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA)
gefördert. Weitere Forschungspartner sind das Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, Goethe-Universität Frankfurt
am Main, NABU Frankfurt am Main e.V., BioFrankfurt – Das Netzwerk für
Biodiversität e.V., Palmengarten der Stadt Frankfurt am Main,
Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt der Stadt Frankfurt
am Main, MainÄppelHaus Lohrberg Streuobstzentrum e.V.

Insect Embassy – eine diplomatische Vertretung für Insekten in der Stadt
Installation des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und des
IMD – Institut für Materialdesign an der Hochschule für Gestaltung (HfG)
Offenbach

Zeit: vom 10.07.–06.08.2023

Ort: Platane am Domplatz, Markt 1, Frankfurt am Main

Programm:
Vernissage am 10.07.2023, 18 Uhr am Domplatz, Grußworte u.a. von Rosemarie
Heilig, Umweltdezernentin der Stadt Frankfurt am Main

Modellpräsentation im Zuge des Rundgangs der Hochschule für Gestaltung
(HfG) Offenbach am 14., 15. und 16.07.2023
www.hfg-offenbach.de/de/pages/rundgang#ueber

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