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Lucerne Festival Fred Hersch Trio, KKL Luzern, 19.05. 23, besucht von Léonard Wüst

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann
Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Besetzung und Programm
Fred Hersch, Klavier
Clemens van der Feen,
Bass  Joey Baron, Schlagzeug
Musik von Fred Hersch, Thelonious Monk und aus dem Great American Songbook

Zu den Ausführenden

Pianist Fred Hersch, der Bassist Drew Gess und der Schlagzeuger Joey Baron zählen nicht nur seit Jahrzehnten zu den Fixsternen der Jazzszene. Sie verbindet auch – in unterschiedlichen Konstellationen – eine ebenso lange künstlerische Partnerschaft.

Zum Pianisten

Er ist nicht nur ein musikalisches Wunder, sondern auch ein medizinisches: Nach einem Koma, aufgrund seiner Aids Erkrankung im Jahr 2008, musste Fred Hersch das Klavierspielen neu erlernen, heute zählt er zu den wichtigsten Vertretern des zeitgenössischen Jazz.

Das Konzert

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann
Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Um Punkt 22.00 Uhr enterten drei hagere Männer die Bühne, wo ihre Instrumente schon bereitgestellt waren zu dieser, für das Lucerne Festival, doch recht späten Zeit.

Kaum hingesetzt scherzte Hersch etwas Richtung Publikum er war aber nur schwer verständlich, nuschelte er doch auf englisch etwas vor sich hin und erklärte, dass man mit einem Stück des englischen Komponisten Ken Miller ins Konzert starte.

Die ersten Stücke waren sich dann sehr ähnlich, etwas monoton und Hersch (1955*) bewegte sich praktisch nur über 2 Oktaven, spielt er doch meist auf der linken, „dunkleren“ Seite der Tastatur. Drummer Joey Baron (1955*) bearbeitete seine diversen Chinellen und Trommeln sehr zurückhaltend, zuerst fast ausschließlich mit bloßen Händen, hie und da benutze er auch die Besen und der jüngste im Bund, Bassist Clemens van der Feen (1980*) tat, was ein Bassist eines Jazztrios eben so tut.

Eigentlicher Auftakt mit Eigenkompositionen

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann
Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Richtig los gings eigentlich erst mit den Eigenkompostionen meist aus dem Album „Floating“ des Pianisten, besonders hervorzuheben seine „Sarabande“ und mit Werken seines langjährigen Weggefährten Thelonious Monk und die drei entwickelten sich langsam zu einem richtigen „Piano Bar Trio“.

 

 

 

 

 

 

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann
Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Hochkonzentriert interagierend, bisweilen mit geschlossenen Augen in die Grooves hineinspüren und sich vom sanft Lyrischen ins furios Rhythmische reinschaffen, ab und zu garniert mit virtuosen Bassläufen, kurzem Drum Solo, wobei Hersch immer sehr ernst rüberkam, demgegenüber Drummer Joey Baron öfters mit dem Publikum augenzwinkernd flirtete und van der Feen den Bass Steg rauf und runter turnte.

 

 

 

 

 

Unterordnung der Egos zugunsten der Kunst des Musizierens

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann
Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Die Qualität der drei auf der Bühne agierenden besteht darin, ihre Fähigkeiten ganz in den Dienst ihrer linearen Kunst stellen. Die ist geprägt von einer lakonisch klaren, aus einer unerschöpflich scheinenden Fülle von Einfällen gespeisten Melodieführung und einer ebenso farbenreich raffinierten Harmonik. Dank diverser eingestreuter Soli, vom Publikum umgehend mit Szenenapplaus verdankt,  kamen die Musiker trotzdem zu persönlichen «Erfolgserlebnissen», die sie aber grundsätzlich dem Ganzen unterordneten.

Zitat Fred Hersch «Nach 40 Jahren weiss ich nun, wie Jazz sein sollte «sich einfach hinsetzen und es passieren lassen. Es geht nicht darum, alles zu rekapitulieren, was du weisst, sondern dorthin zu gehen, wo du noch nie warst.»

Resümee

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann
Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Das Trio beeindruckt bei den Hersch-Kompositionen, darunter die fast comichafte Stop-and-Go-Nummer „Snape Maltings“, ebenso wie beim Rodgers & Hammerstein-Klassiker „A Cockeyed Optimist“ oder den wunderbaren Verbeugungen vor Thelonious Monk, die den offiziellen Teil des Konzerts beendet.

Erstaunlich jedenfalls, dass Fred Hersch, bereits zehnmal für einen Grammy nominiert und mit seinem Trio unlängst vom Fachmagazin „Downbeat“ als Band des Jahres ausgezeichnet, bei uns immer noch im Schatten von Brad Mehldau steht – der übrigens lange Zeit sein Schüler war. Hersch, van der Feen und Baron haben mit ihrem gefühlvollen (aber nie gefühligen) Jazz unbedingt ebenfalls die ganz große Bühne verdient.

Die erklatschte Zugabe zelebrierten die drei mit einer äusserst sanften, sehr gefühlvollen Adaption von Bernstein’s «Somewhere» aus dessen «West Side Story».

Schöne Erfahrung und Gelegenheit für das Auditorium, das *Lucerne Festival» mal auf eine nichtklassische Art zu erleben und dank dem nicht erlahmenden Schlussbeifall gewährten die Protagonisten noch eine weitere Zugabe.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Patrick Hürlimann  www.lucernefestival.ch

Homepages der andern Kolumnisten:  www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch  www.maxthuerig.ch  www.marinellapolli.ch

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

Klavier Fest Konzertfoto 19.05.2023 Fred Hersch Trio von Patrick Hürlimann

 

 

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Finale for Four Igor Levit | Fred Hersch | Johanna Summer | Mert Yalniz, KKL Luzern, 21.5.23, besucht von Léonard Wüst

Johanna Summer und Igor Levit lösen sich ab bei den Waldszenen Foto Priska Ketterer
Johanna Summer und Igor Levit lösen sich ab bei den Waldszenen Foto Priska Ketterer

Besetzung und Programm
Igor Levit Piano
Fred Hersch Piano
Johanna Summer Piano
Mert Yalniz Piano
Schumann | Beethoven | Improvisationen

Ankündigung der Lucerne Festivals

Igor Levit Weltklasse am Klavier
Igor Levit Weltklasse am Klavier

Igor Levit und sein Meisterschüler Mert Yalniz spielen klassische Werke, darunter Robert Schumanns Waldszenen und Ludwig van Beethovens Sonata Appassionata. Johanna Summer und Fred Hersch antworten darauf mit Improvisationen. Am Ende musizieren sie gemeinsam: Lassen Sie sich überraschen!

Igor Levit interpretierte Schumanns hochromantische «Waldszenen»

Johanna Summer Foto  Gregor Hohenberg
Johanna Summer Foto Gregor Hohenberg

Ihm gegenüber nahm die, 1995 in Plauen als Johanna Summerer geborene, mehrmalige Preisträgerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“, Platz.

Sie übernahm jeweils, nach einer kurzen Pause, wenn Levit eine der Szenen fertig gespielt hatte und improvisierte über diese, wobei sie der traditionellen Improvisation treu blieb, also nicht etwa verswingte im Sinne von verjazzte, was eher zu erwarten war.

Mert Yalniz zelebriert Beethovens «Sonata Appassionata»

Mert Yalniz intonierrt Beethoven Foto Priska Ketterer
Mert Yalniz intonierrt Beethoven Foto Priska Ketterer

Der kraushaarige Mert Yalniz, 2003 in Niedersachsen geboren, ist ein Meisterschüler Igor Levits und absolviert gerade dessen Klavierklasse an der Musikhochschule Hannover, aber er komponiert auch. An den Flügel gegenüber setzte sich  Fred Hersch, der mit seinem Jazz Trio zwei Tage vorher eine Night Session, im Rahmen des Klavier Festes, im Konzertsaal spielte.

Die «Appassionata»

Fred Hersch Avantgarde am Klavier
Fred Hersch Avantgarde am Klavier

“Leidenschaftlich-düster”, dieses Prädikat erhält die Sonate oft in den Konzertführern. Darüber mag man streiten. Nicht aber über das unbändige Temperament, das sie verströmt.

Ein Temperament, gepaart mit klarer Pointierung und  kraftvoll gesetzten Harmonien,  Yalniz demonstrierte Werkstreue und überliess andere Interpretationen seinem gegenüber Fred Hersch, der sich, so kam es mir aber rüber, bei der ganzen Sache nicht so ganz wohl fühlte.

Keine Frage, dass alle Beteiligten aussergewöhnlich gut Klavier spielen

Die vier Ausführenden bei der Zugabe Foto Priska Ketterer
Die vier Ausführenden bei der Zugabe Foto Priska Ketterer

Das Ganze aber hing irgendwie in der Luft, etwas zusammenhangslos. Eine Verbindung wäre erreicht worden, wenn der Interpret des Originals die letzten Anschläge einer Sequenz quasi fliegend übergeben hätte, die Improvisierenden, ich nenns jetzt mal so, den Ton Faden aufgenommen und weitergesponnen, damit quasi fliessend in die Improvisation überführt hätten.

Die Künstlerinnen danken für die Standing Ovation Foto Priska Ketterer
Die Künstlerinnen danken für die Standing Ovation Foto Priska Ketterer

Dem Publikum schien es aber zu gefallen, obwohl sich wahrscheinlich die wenigsten darüber im Klaren waren, was sie erwarten würde. Der stürmische, langanhaltende Schlussapplaus bewirkte dann auch, dass das geschah, was sich die meisten erhofften, nämlich, dass alle vier sich an die Flügel setzten, Hersch und Yalniz an den linken, Summer und Levit an den rechten. Zu vieler Enttäuschung zündeten  die Protagonist*innen dann aber kein Schlussbouquet, sondern begnügten sich mit ein paar Anschlägen und Takten  aus Wolfgang Amadé Mozarts zwölf Variationen über das französische Kinderlied «Ah vous dirai-je Maman». So erlebten wir halt ein aussergewöhnliches Konzert der etwas anderen Art und die Absetzung des 1998 gegründeten, 9 Tage im November dauernden und 2019 leider ersatzlos gestrichenen Lucerne Festivals am Piano wurde einem einmal mehr schmerzhaft bewusst.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Patrick Hürlimann  www.lucernefestival.ch

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Igor Levit spielt Schumanns Waldszenen Foto Priska Ketterer

Johanna Summer improvisiert Schumann Foto Priska Ketterer

Mert Yalniz intoniert Beethoven Foto Priska Ketterer

Fred Hersch improvisiert Beerthoven Foto Priska Ketterer

Die vier Ausführenden bei der Zugabe Foto Priska Ketterer

Die Künstler*innen danken für die Standing Ovation Foto Priska Ketterer

 

 

Igor Levit Weltklasse am Klavier

Mert Yalniz jung aber oho

Johanna Summer sensible Interpretin Foto Gregor Hohenberg

Fred Hersch Introvertierte Avantgarde am Klavier

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Kryptowährungen und Immobilien auf Talfahrt

Vom ZEW Mannheim befragte Finanzmarktexperten/-innen schätzen die
Anlageklassen Kryptowährungen und Immobilien sehr negativ ein. Bezüglich
der Immobilienmärkte im Euroraum wird die Geldpolitik der Europäischen
Zentralbank (EZB) als entscheidender Negativfaktor angesehen, jedoch
tragen wirtschaftliche Entwicklungen, politische Rahmenbedingungen und
Marktbewertungen ebenso zu einer skeptischen Haltung der Befragten bei.
Das sind die Ergebnisse der Sonderfrage zum ZEW-Finanzmarkttest im Juni
2023 zur Einschätzung von verschiedenen Anlageklassen.

„Im Vergleich zur Umfrage vom März 2023 bleiben die Expertinnen und
Experten bezüglich Kryptowährungen und Immobilien pessimistisch gestimmt.
Die Anlageklassen Gold, Aktien sowie Staats- und Unternehmensanleihen
werden im Vergleich als deutlich attraktivere Anlageklassen angesehen“,
kommentiert Thibault Cézanne, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich
„Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“ das Ergebnis.

Immobilienmärkte besonders betroffen

Die Expertinnen und Experten beurteilen in der Befragung zudem, wie und
aufgrund welcher Faktoren sich ihre Einschätzungen seit März 2023
bezüglich der Anlageklassen Aktien, Immobilien, oder Staats- und
Unternehmensanleihen im Euroraum verändert haben. Der Hauptgrund für die
schlechten Aussichten im Immobiliensektor ist die Geldpolitik der EZB,
denn 67 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie sich negativ
auswirkt (27 Prozent sind der Meinung, dass sie keine Auswirkungen hat und
nur 6 Prozent glauben, dass sie sich positiv auswirkt). Wirtschaftliche
Entwicklung, die Marktbewertung und der politischen Rahmen werden speziell
für die Immobilienmärkte als weitere negative Faktoren betrachtet.

In Bezug auf Staats- und Unternehmensanleihen sind die Befragten der
Ansicht, dass die wirtschaftliche Entwicklung und die Inflation leicht
positiven Einfluss haben. Bei den Aktien spielen schließlich zwei Faktoren
eine gegenläufige Rolle. „Interessanterweise wird die Inflation, die für
alle Anlageklassen des Euroraums als negativer Faktor angesehen wurde, nun
als positiver Faktor betrachtet. Auch die wirtschaftliche Entwicklung wird
nun als negativer Faktor für Aktien, aber als positiver Faktor für
Staatsanleihen angesehen. Der jüngste Eintritt der deutschen Wirtschaft in
die Rezession könnte also dazu geführt haben, dass sich die Bedenken der
Finanzmarktexperten/-innen von der Inflation auf das Wirtschaftswachstum
verlagert haben, was ihren Meinungsumschwung zugunsten von Staatsanleihen
und zum Nachteil von Aktien erklärt“, sagt Thibault Cézanne abschließend.

Über die Befragung

Der ZEW-Finanzmarkttest ist eine seit Dezember 1991 durchgeführte Umfrage,
in der monatlich die Erwartungen über die Entwicklung wichtiger
internationaler Volkswirtschaften erhoben werden. Derzeit sind dies
Deutschland, das Eurogebiet, die Vereinigten Staaten von Amerika sowie
China. Insgesamt besteht das Panel aus etwa 350 Finanzanalysten aus
Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen. Angesprochen
werden die Experten/-innen der Finanz-, Research- und
volkswirtschaftlichen Abteilungen sowie der Anlage- und
Wertpapierabteilungen dieser Unternehmen. Die meisten Teilnehmer/innen
kommen aus Deutschland.

Die Finanzexpertinnen und -experten werden nach ihren Erwartungen gefragt,
die sie auf einen Horizont von 6 Monaten hinsichtlich der Entwicklung der
Konjunktur, der Inflationsrate, der kurz- und langfristigen Zinsen, der
Aktienkurse und der Wechselkurse haben. Zusätzlich werden sie um eine
Einschätzung der Ertragslage in 13 deutschen Branchen gebeten. Neben einem
festen Umfrageteil werden laufend zu aktuellen Themen Sonderumfragen
durchgeführt. Aus den Erwartungen der Finanzmarktexperten/-innen zur
Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland werden die ZEW-
Konjunkturerwartungen berechnet, die sich als Frühindikator für die
Konjunkturentwicklung („ZEW-Index“) etabliert haben. Das ZEW kommuniziert
die Ergebnisse des Finanzmarkttests darüber hinaus ausführlich im
monatlich erscheinenden ZEW-Finanzmarktreport.

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Vortrag: Welterbe jenseits der Konvention

Die Musikwissenschaftlerin Christiane Wiesenfeldt spricht in der Ruperto
Carola Ringvorlesung über Beethovens Neunte Sinfonie

Um „Welterbe jenseits der Konvention“ geht es in der nächsten
Veranstaltung der Ruperto Carola Ringvorlesung. Am Beispiel Ludwig van
Beethovens Neunter Sinfonie geht Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt vom
Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg der Frage nach
Sinn und Logik der UNESCO-Welterbe-Listen nach. Ihr Vortrag ist Teil der
Ringvorlesung mit dem Titel „Immaterielles Kulturerbe – eine
Zukunftsressource?“, zu der die Universität Heidelberg in diesem
Sommersemester einlädt. Hintergrund der Reihe bildet das vor 20 Jahren
geschlossene Übereinkommen, mit dem sich die UNESCO für den Kulturerbe-
Schutz einsetzt. Die Veranstaltung mit Prof. Wiesenfeldt findet am
Mittwoch, 5. Juli 2023, in der Aula der Alten Universität statt und
beginnt um 18.15 Uhr.

Kaum ein Gegenstand ist nach den Worten der Referentin derart gut
geeignet, Sinn und Logik der UNESCO-Welterbe-Listen zu hinterfragen, wie
Ludwig van Beethovens Welthit der Neunten Sinfonie. Das Werk hatte schon
zu seiner Entstehungszeit in den 1820er Jahren großes
Irritationspotential, löste angeblich eine Krise der Sinfonik im 19.
Jahrhundert aus und brachte später Künstler wie Johannes Brahms an den
Rand des kompositorischen Wahnsinns, so Prof. Wiesenfeldt. 2001 nahm die
UNESCO Beethovens Sinfonie in das Register des „Memory of the
World“-Programms auf – und zwar das Autograph der Sinfonie, also den auf
Papier notierten Notentext. Der Frage, was damit eigentlich verzeichnet
wurde und was die Aufnahme des Autographs über die UNESCO und unseren
Musikbegriff aussagt, wird die Referentin in ihrem Vortrag nachgehen.
Christiane Wiesenfeldt ist Professorin am Musikwissenschaftlichen Seminar
der Universität Heidelberg. Sie forscht unter anderem zur Musikgeschichte
als Rezeptionsgeschichte, musikalischen Romantik- und Heimat-Konzepten
sowie zu Phänomenen wie dem Werkbegriff und der Selbstreflexion in der
Musik.

Die Ruperto Carola Ringvorlesung ist Teil eines Konzepts von Fokusthemen.
Damit will die Universität Heidelberg zweimal jährlich gesellschaftlich
relevante Forschungsfragen in unterschiedlichen Formaten an die breite
Öffentlichkeit herantragen. In der Ringvorlesung „Immaterielles Erbe –
eine Zukunftsressource?“ zum Fokusthema ANFANG & ENDE sprechen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen disziplinären
Perspektiven über die Bedeutung des Kulturerbe-Schutzes in Gegenwart und
Zukunft. Anliegen der Reihe ist es, diese Frage in übergreifender Weise
ebenso wie in Bezug auf konkrete ausgewählte Kulturtraditionen zu
diskutieren und dabei mit Partnern aus der Praxis sowie mit interessierten
Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Dem Vortrag von Prof. Wiesenfeldt folgt am 12. Juli eine abschließende
Diskussionsrunde, mit der die Ruperto Carola Ringvorlesung im
Sommersemester 2023 endet. Die Veranstaltung, die zentrale Fragestellungen
der Ringvorlesung aufgreifen wird, findet in der Aula der Alten
Universität statt und beginnt um 18.15 Uhr. Aufzeichnungen der Vorträge
sind zu einem späteren Zeitpunkt abrufbar auf heiONLINE, dem zentralen
Portal der Universität Heidelberg mit Vorträgen, Diskussionsrunden und
Veranstaltungen in digitalen Formaten.

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