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Erweiterter Wellenströmungskanal mit der weltweit größten Wellenmaschine eröffnet

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck und Ministerpräsident
Stephan Weil haben die Forschungsanlage gemeinsam mit den Beteiligten der
Universitäten in Betrieb genommen

Die Leibniz Universität Hannover (LUH) und die Technische Universität
Braunschweig (TU BS) haben in den vergangenen Jahren den neuen Großen
Wellenströmungskanal (GWK+) in Hannover-Marienwerder konzipiert und
aufwendig erweitert. Mehr als 35 Millionen Euro sind investiert worden, um
die Forschung zur Energiewende im GWK+ massiv voranzubringen. Untersucht
werden hier unter anderem feste und schwimmende Gründungsstrukturen von
Offshore-Windenergieanlagen. Heute ist die weltweit einmalige
Großforschungsinfrastruktur in Anwesenheit von Robert Habeck,
Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, und Stephan Weil,
Niedersächsischer Ministerpräsident, gemeinsam mit den
Universitätspräsidien sowie den federführenden Forschenden in Betrieb
genommen worden.

Nach einem feierlichen Knopfdruck zum Starten der Anlage baute sich die
erste beeindruckende, drei Meter hohe Welle im 300 Meter langen
Wellenströmungskanal auf. Durch die Erweiterung verfügt die
Großforschungsinfrastruktur nun über eine leistungsfähige Strömungsanlage,
einen Tiefteil zur Untersuchung von Gründungsstrukturen von Offshore-
Windenergieanlagen und eine hochleistungsfähige Wellenmaschine zur
Erzeugung von Ozeanwellen mit bis zu drei Metern Höhe. Durch den Umbau
besteht jetzt die Möglichkeit, Wellen und Strömung gleichzeitig zu
erzeugen – ein neuer Superlativ für Hannover: Keine andere Einrichtung
weltweit bietet diese Möglichkeit.

„Die Windenergie spielt heute und auch in Zukunft die zentrale Rolle bei
der Stromversorgung Deutschlands. Bedingt durch den zunehmenden
Strombedarf durch die Elektrifizierung weiterer Sektoren, wie die
Gebäudeheizung mit Wärmepumpen oder die Elektromobilität, muss die
Windenergienutzung schnell und effizient ausgebaut werden. Der
Wellenströmungskanal in Hannover wird dazu einen wichtigen Beitrag
leisten, indem er Untersuchungen zur Optimierung von Offshore-Gründungen
ermöglicht. Auf diese Weise kann der Windenergieausbau auf See noch
kostengünstiger und zuverlässiger werden. Daher und wegen der vielfältigen
weiteren Forschungsaspekte, die mit dem Wellenströmungskanal untersucht
werden können, ist die zur Verfügung gestellte Forschungsförderung des
BMWK in Höhe von rund 35 Millionen Euro sinnvoll und zukunftsfähig
eingesetztes Geld“, hob Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck
in seinem Grußwort hervor.

Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil betonte: „Ich freue
mich sehr darüber, dass wir in Niedersachsen jetzt diesen weltweit
einzigartigen Wellenströmungskanal haben. Damit bekommen Forschung und
Industrie weitreichende neue Möglichkeiten für die Entwicklung von
Offshore-Windanlagen. Und auch der für Niedersachsen besonders wichtige
Küstenschutz kann durch das gleichzeitige Erzeugen von Wellengang und
Strömung weiter erforscht und verbessert werden. Insgesamt eine wirklich
beeindruckende Anlage, zu der ich allen Beteiligten nur herzlich
gratulieren kann.“

Seit Inbetriebnahme des GWK im Jahr 1983 sind zahlreiche richtungweisende
Forschungsprojekte in der Anlage durchgeführt worden. Die
Forschungsansätze und –anforderungen haben sich in jüngster Zeit indes
stark verändert. Bisher konnten ausschließlich Wellen erzeugt werden. Mit
dem Ziel des Ausbaus mariner Erneuerbarer Energien (Offshore-Windenergie,
Tide-/Wellenenergie und andere) rücken Installations- und Betriebskonzepte
über den Lebenzyklus dieser Bauwerke sowie der Einfluss von
Gezeitenströmungen stärker in den Fokus. Im Jahr 2017 hatte das
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK, vormals BMWi)
daher das Forschungsprojekt „marTech – Erprobung und Entwicklung maritimer
Technologien zur zuverlässigen Energieversorgung“ auf Beantragung der
beteiligten Universitäten LUH und TU BS bewilligt, um den Anforderungen
der Forschung und der Industrie beim Ausbau und im Betrieb der
Erneuerbaren Energien gerecht zu werden. Seither sind in die Erweiterung
des Großen Wellenströmungskanals (GWK+) Hannover mehr als 35 Millionen
Euro investiert worden. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft
und Kultur (MWK) hat mit rund 1,4 Millionen Euro bei der Planung und beim
Grundstückserwerb unterstützt. Der GWK+ wird unter der Ägide des
gemeinsamen Forschungszentrums Küste (FZK) von LUH und TU BS betrieben.

Prof. Dr. Angela Ittel, Präsidentin der Technischen Universität
Braunschweig, und Prof. Dr. Volker Epping, Präsident der Leibniz
Universität Hannover, freuen sich sehr darüber, dass der GWK+ nun
startklar für den Forschungsbetrieb ist. „Mit dieser
Forschungsinfrastruktur wird ein wesentlicher Beitrag zur Erprobung und
Entwicklung von Technologien der Erneuerbaren Energien auf und aus dem
Meer geleistet werden können. Dies stützt auch unmittelbar den
Forschungsschwerpunkt Energie, den die Leibniz Universität auf vielen
Gebieten interdisziplinär verankert hat. Wir werden in der Wissenschaft
mit unseren Möglichkeiten an der Leibniz Universität dazu beitragen, den
Transformationsprozess unserer Energiesysteme auf Bundes- und Landesebene
weiter zu beschleunigen“, betonte Prof. Dr. Volker Epping.

„Mit unserer herausragenden Forschung am Großen Wellenströmungskanal
tragen wir zur Energiewende und Energiesicherheit Europas bei. Diese
einmalige Forschungsinfrastruktur gibt uns die Möglichkeit, Offshore-
Windenergieanlagen sowie Tideenergieanlagen unter kontrollierten
Bedingungen zu untersuchen. Wir stärken somit den Wissenschafts- und
Wirtschaftsstandort Niedersachsen und Deutschland. Gemeinsam mit unseren
Industriepartnern entwickeln wir Lösungen, die technisch ausgereift und
international auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig sind“, sagte
Präsidentin Prof. Dr. Angela Ittel.

Die leitenden Forschenden Prof. Dr.-Ing. Torsten Schlurmann, Leibniz
Universität Hannover, und Prof. Dr.-Ing. Nils Goseberg, Technische
Universität Braunschweig, beide im Direktorium des Forschungszentrums
Küste, erläuterten den Gästen die wissenschaftlichen und technischen
Hintergründe des erweiterten Wellenströmungskanals. „Wir können hier die
gleichzeitige Belastung aus Seegang und Strömung in großem Maßstab und
damit realitätsnah auf großer Skala untersuchen“, sagte Prof. Schlurmann.
Steilere und höhere Wellen, wie sie durch den Klimawandel prognostiziert
werden, können zukünftig auch im Experiment nachgestellt und Belastungen
auf Bauwerke simuliert werden. Mit der ebenfalls neuen, umlaufenden
Strömungsanlage können erstmalig Tideströmungen wie im Meer untersucht
werden. „Der neue Tiefteil ermöglicht es, auch den im Boden befindlichen
Teil von Offshore-Windenergieanlagen zu simulieren und dort stattfindenden
Bewegungen von Boden und Anlage zu untersuchen“, erläuterte Prof.
Goseberg.

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Aderendhülsen: Wofür werden sie in der Elektroinstallation eingesetzt?

Aderendhülsen Symbolbild
Aderendhülsen Symbolbild

Wer sich nicht mit Elektroinstallationen auskennt, hat vielleicht noch nie von Aderendhülsen gehört. Doch obwohl sie häufig unscheinbar wirken, sind die kleinen Metallhülsen eine unverzichtbare Komponente in der Elektroinstallation. Sie werden an den Enden von elektrischen Leitungen angebracht und können in vielfältigen Anwendungen eingesetzt werden und dort mehr Sicherheit und eine hohe Kontaktzuverlässigkeit bieten. Hier wollen wir Ihnen einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten und den damit verbundenen Vorteilen von Aderendhülsen geben.

 

Für mehr Schutz und Stabilisierung:

Eine der Hauptfunktionen von Aderendhülsen ist es, die empfindlichen Drahtenden zu schützen und diese zu stabilisieren. Aderendhülsen verhindern nämlich, dass die Drähte (beispielsweise in isolierten Kabeln) sich lockern, abbrechen oder auseinanderfallen. Durch die Verwendung von Aderendhülsen kann man die mechanische Belastung auf die Drahtenden reduzieren, besonders in Umgebungen mit Vibrationen, Erschütterungen oder Zugbelastungen. Und dadurch wird letztendlich auch das Risiko von Drahtbrüchen und daraus resultierenden elektrischen Ausfällen deutlich minimiert.

Aderendhülsen für eine vereinfachte Verbindungstechnik:

Der Einsatz von Aderendhülsen erleichtert die Verbindung von Drähten mit Klemmen oder Steckverbindern. Die Metallröhrchen werden hierfür einfach auf die abisolierten Drahtenden aufgeschoben, wodurch eine saubere und kompakte Verbindung entsteht. Das vereinfacht den Installationsprozess, spart Zeit und reduziert das Risiko von Fehlverbindungen und lockeren Verbindungen. Außerdem ermöglichen Ihnen Aderendhülsen eine einfache Wartung und Reparatur, da sie eine schnelle Demontage und Wiederverwendung der Drähte gewähren.

Für eine Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit:

Aderendhülsen tragen außerdem auch zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit bei. Wenn ein Draht ohne Aderendhülse an eine Klemme angeschlossen wird, kann es nämlich leicht zu einer schlechten elektrischen Kontaktoberfläche kommen, was dann zu Spannungsabfällen, Energieverlust und Überhitzung führen kann und somit auch ein Sicherheitsproblem darstellt. Durch die Verwendung von Aderendhülsen wird eine größere Kontaktfläche zwischen dem Draht und der Klemme geschaffen, wodurch dann der elektrische Widerstand reduziert wird. Dies ermöglicht eine effizientere Stromübertragung und hilft dabei, die Leistung und Zuverlässigkeit elektrischer Verbindungen zu verbessern.

Sie gewähren Flexibilität und eine höhere Anpassungsfähigkeit:

Aderendhülsen sind in vielen verschiedenen Größen, Farben und Ausführungen mit unterschiedlichem Isoliermaterial erhältlich, um unterschiedlichen Drahtdurchmessern und Anforderungen gerecht zu werden. Dies ermöglicht eine äußerst flexible Anpassung an die spezifischen Bedürfnisse und Anwendungen. Darüber hinaus bieten einige Aderendhülsen auch farbcodierte Kennzeichnungen, die die Identifizierung und Zuordnung erleichtern können. Dies ist ganz besonders in komplexen Schaltungssystemen und auch bei der Verkabelung großer Anlagen von Vorteil.

Sie erhöhen die Zuverlässigkeit und Sicherheit:

Die Verwendung von Aderendhülsen erhöht maßgeblich die Zuverlässigkeit und Sicherheit elektrischer Verbindungen. Ihr Einsatz reduziert das Risiko von Kurzschlüssen, Fehlverbindungen und Überhitzung, die zu Schäden an Geräten und sogar zu Bränden führen können. Aderendhülsen bieten durch ihre Röhrenform, die über das Kabelende gestülpt wird, auch eine mechanische Barriere, die das Eindringen von Feuchtigkeit, Staub oder anderen Verunreinigungen in die Drahtenden verhindert. Dies kann besonders in Umgebungen mit erhöhtem Feuchtigkeitsniveau oder aggressiven chemischen Substanzen wichtig und von Vorteil sein.

Fazit:

Aderendhülsen sind in der Elektroinstallation ein unverzichtbares Element, das eine Vielzahl von Vorteilen bietet. Die kleinen Metallröhrchen schützen beispielsweise die Drahtenden, gewähren eine hohe Kontaktzuverlässigkeit, sie stabilisieren die Verbindung, verbessern die elektrische Leitfähigkeit und vereinfachen die Verbindungstechnik. Durch ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit können sie in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt werden, darunter in Verbrauchereinheiten, Schutzschaltern, elektrischen Bedientafeln und bei allen Geräten, bei denen ein mehradriger Kabelanschluss erforderlich ist. Hierfür werden sie einfach über eine Litze gecrimpt, und ermöglichen so eine einfache Verbindung mit Schraub- oder Federklemmen.

Die Verwendung von Aderendhülsen gewährleistet zuverlässige und sichere elektrische Verbindungen, die die Leistung, Haltbarkeit und Sicherheit elektrischer Systeme verbessern.

 

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SWR Symphonieorchester Teodor Currentzis, Leitung KKL Luzern, 26. Mai 2023, besucht von Léonard Wüst

SWR Symphonieorchester
SWR Symphonieorchester

Besetzung und Programm:
SWR Symphonieorchester
Teodor Currentzis  Leitung
R. Wagner * Lorin Maazel (Bearbeitung Lorin Maazel)
«Der Ring ohne Worte». Ein orchestrales Abenteuer
Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung

Teodor Currentzis dirigierte das SWR-Symphonieorchester, auf dem Programm standen sinfonische Opernparaphrasen von Richard Wagner, nämlich Lorin Maazels
Der Ring ohne Worte: Diese paar Fakten reichen aus, um den Ausnahmerang des Konzertes zu verdeutlichen. Wagner selbst sah sich selbst als legitimen Nachfolger Beethovens und so liegt es nahe, Wagners Musik einmal rein sinfonisch aufzufassen. Currentzis liebt solche historischen Verweise und macht sein ganz eigenes Ding daraus, wie man das vom genialen Griechen gewohnt ist.

Keine Symphonien des Musikgenies Richard Wagner?

Theodor Currentzis Dirigent
Theodor Currentzis Dirigent

Bereits Wagners Zeitgenossen beklagten, dass dieser große Musikdramatiker keine Symphonien komponiert hat und somit den nicht an Opernhäusern beschäftigen Dirigenten und Orchestern nur eine sehr schmale Auswahl an Vorspielen und Ouvertüren zu ihrer musikalischen Verfügung hinterliess. Lorin Maazel, selbst Dirigent, hat diesem Desiderat einst mit seinem Arrangement Ring ohne Worte abgeholfen, einer gut auf einer CD unterzubringenden Kompilation der vier großen Musikdramen Wagners, die in dieser Fassung im Grunde wirken wie eine lange, vielgestaltige Symphonie: eine schöne Sache für Wagnerianer, die gerade keine 16 Stunden Zeit haben, um einmal wieder (fast) alle Motive zu hören; eine feine Einführung für Einsteiger ins Wagner-Universum. Und Maazel hat hier tatsächlich ausschließlich Musik von Wagner verbaut, da er sich u.a.selbst auferlegt hatte, keine einzige Note dazu zu komponieren.

Die Musiker*innen des zahlenmässig  äusserst grossen Orchesters ca. 100 Mitwirkende auf der Konzertbühne, darunter allein vier Harfen und neun Kontrabässe, waren, wie bei Teodor Currentzis üblich und wie man es schon bei seinem Projekt «musicAeterna Orchestra» immer wieder sehen konnte, alle ganz schwarz gekleidet.

«Das Rheingold»

Dirigent Theodor Currentzis zeigt wos lang geht
Dirigent Theodor Currentzis zeigt wos lang geht

Mit Rheingold war der Start ins Abenteuer für Wagnersche Verhältnisse fast sanft, trotzdem düster mystisch, ein Genre, das Currentzis natürlich mit allen Facetten auslotete, wobei hier das ausloten am richtigen Ort steht, lotet man den Rhein ja noch immer aus, manchmal gar bei der Suche nach dem legendären Gold. So lässt er akustisch die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde auftreten. Diese naiven Naturwesen, die einen zauberhaften Schatz besitzen und in der Tiefe des Flusses hüten – das Rheingold.

Der Ausführenden Galopp durch den Konzertsaal

Dirigent Theodor Currentzis kommuniziert mit seinem Orchester sehr intensiv und persönlich.
Dirigent Theodor Currentzis kommuniziert mit seinem Orchester sehr intensiv und persönlich.

Wie Currentzis bei der «Walküre» mit seinem Orchester die Dramatik kontinuierlich aufbaute, schon der Tremolo-Auftakt zu Beginn hatte mehr Feuer als das gesamte vorherige «Rheingold». Danach legt er über die gesamte Strecke ein Tempo vor, das es in sich hatte. Da gelingen tolle Akzente und Farben zwischen den Instrumentengruppen frei nach dem Motto: gleich weiter. Und wie die Musiker*innen dann durch den Konzertsaal brausten, schlicht Extraklasse, da wurden Erinnerungen wach an: Kampfhubschrauber nähern sich einem vietnamesischen Dorf, aus ihren Lautsprechern dröhnt Richard Wagners “Walkürenritt”. Im Zusammenspiel mit den wahnsinnig anmutenden Bildern entfaltet die Musik eine bedrohliche Stimmung in Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm “Apocalypse Now” (1979) und hat so den Ritt der Walküren zum populären Hit unter den Wagner-Kompositionen gemacht. https://youtu.be/hn37QfXw1-E?t=5  Das Auditorium fasziniert und weg vom musikalisch Gebotenen, aber auch vom Charisma und der Aura die dieser unglaubliche Spielleiter verbreitet und wie er seine Mistreiter*innen motovieren und mitreissen kann.

«Siegfried»

Etwas ruhiger gings dann weiter, alle im Saal noch irgendwie atemlos, aber nicht durch die Nacht wie bei Helene Fischer, sondern durch den Ring des Nibelungen bei Wagner und Currentzis.Die sehr hohen Tempi behält er zwar bei, aber er setzt sie gezielter ein, bündelt die Kräfte und gibt sie mit breiter Klangfarbenpalette, aber weniger Lautstärke, wieder. Bleibt das, vorläufige, Happy End: Mit Siegfried ist ein neuer Held ist geboren: Der furchtlose Siegfried fügt das zerstörte Schwert “Nothung” zusammen und erlegt den Drachen Fafner. So kommt er in Besitz des Nibelungen-Rings und gewinnt zudem Brünnhilde

Die finale «Götterdämmerung»

Dirigent Theodor Currentzis formt die Musik auch gestenreich
Dirigent Theodor Currentzis formt die Musik auch gestenreich

Wagner zitiert in der „Götterdämmerung“ viele Motive aus den andern drei Ringopern und fügt so alles zu einem schlüssigen Ganzen, eben einem Ring, wie es hier auch der Dirigent mit grossen Gesten und viel Körpereinsatz, meist in leicht gebückter Haltung, perfekt vollbrachte. Der fast unendlich scheinende dramaturgische Aufbau bis zum finalen Finale führt über viele lautstärkemässige Steigerungen, etliche abrupte tonale Schritte ins Nichts, Wiederaufbau der Spannung inklusive kurzer Solosequenzen einzelner Stimmen oder Register, Currentzis schält sämtliche Feinheiten der Partitur heraus, feilt an Nuancen, lässt uns, auch visuell an seiner Vorgehensweise teilhaben, bindet so das Publikum noch weiter als üblich ein, lässt uns fast vor Spannung platzen und schlussendlich dämmert es nicht nur den Göttern, dass Wagner uns da vorführt indem er die fast unerträgliche Spannung in einem fade out auflöst, also nichts mit finalem Donner und Getöse. Das wissen natürlich die Wagnerianer und den andern wurde es meisterlich vor Augen, respektive vor Ohren geführt.

Fazit

Einmal mehr ein hochklassiges Konzert in der Konzertreihe des https://www.migros-kulturprozent-classics.ch/

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:  Léonard Wüst und https://www.migros-kulturprozent-classics.ch

Homepages der andern Kolumnisten:  www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch  www.maxthuerig.ch  www.marinellapolli.ch

 

Die Musikerinnen geniessen die Standing Ovation

Teodor Currentzis, Leitung

Dirigent Teodor Currentzis und die Musikerinnen geniessen die Standing Ovation

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MAMMA MIA! – Das Musical in Hamburg, 16. Mai 2023, besucht von Léonard Wüst

Donna in der Mitte und ihre Freundinnen Foto Brinkhoff-Moegenburg
Donna in der Mitte und ihre Freundinnen Foto Brinkhoff-Moegenburg

Besetzung
Featured Ensemble Priester, Cover Sam, Cover Harry Gerd Achilles
Robin ApostelvEnsemble, Cover Donna, Cover Tanja, Cover Rosie Rachel Bahler
Swing, Cover Eddie René Becker Ensemble, Cover Ali Jara Buczynski
Swing, Cover Pepper Jack Butcher
Ensemble, Cover Rosie Rachel Colley
Ensemble, Cover Donna, Cover Tanja Kristel Constant
Swing, Cover Ali, Assistant Dance Captain Chiara Cook
Ensemble Laura May Croucher
Swing Lucy-Marie Fitzgerald
Ensemble Shari Gall
Swing, Cover Sky Fabian Kaiser
Ensemble, Cover Sam, Cover Bill, Cover Priester Mischa Kiek
Ensemble, Cover Eddie Pablo Martinez-Garcia
Swing, Cover Lisa Luisa Ofelia Montero de la Rosa
Ensemble, Cover Sophie Paula Niederhofer
Swing, Assistant Choreographer, Dance Captain Kevin Hudson
Ensemble, Cover Pepper Kevin Schmid
Ensemble, Cover Sky Nico Schweers
Ensemble, Cover Harry, Cover Bill, Priester René Siepen
Swing, Cover Lisa Céline Vogt

 

Sehr gut erreichbar mit dem ÖV direkt gegenüber der S-Bahn-Station Holsten Strasse befindet sich das, schon äusserlich sehr imposante Stage Theater Neue Flora

Das wohl populärste Popmusical zurück in Hamburg

Rose-Anne van Elswijk als Sophie und die Darsteller Tetje Mierendorf (M) als Bill und Ramin Dustdar als Harry
Rose-Anne van Elswijk als Sophie und die Darsteller Tetje Mierendorf (M) als Bill und Ramin Dustdar als Harry

Es ist ein Comeback der guten Laune! Das Musical „Mamma Mia!“ ist nach fast genau 20 Jahren an den Ort seiner deutschsprachigen Erstaufführung, damals am 3. November 2002 im Operettenhaus, aktuell im Stage Theater Neue Flora, nach Hamburg zurückgekehrt.

Viel hat sich getan in den letzten zwei Jahrzehnten. Während damals noch die Meinung vorherrschte, dass man die weltberühmten Songtexte von ABBA nicht auf Deutsch bringen könne, wurde Musical-Deutschland längst eines Besseren belehrt. Die deutschen Texte von Michael Kunze (Songs) und Ruth Deny (Dialoge) funktionierten bereits damals großartig und tun es noch heute – inzwischen wurde die Show weltweit sogar bereits in 16 verschiedenen Sprachen aufgeführt.

Was die Show in den letzten Jahren verändert hat – das wird auf der riesigen Bühne der Neuen Flora mehr als deutlich – , ist die Ausstattung (Mark Thompson). Das Bühnenbild ist kleiner als bei der Deutschlandpremiere 2002, bewegt sich nicht mehr vollautomatisch, sondern wird geschoben. Zudem gibt es den hydraulischen Steg und die einst in den Bühnenboden eingelassenen blinkenden Kacheln schon seit Jahren nicht mehr. Das ist schade für all diejenigen, denen die Show aus 2002 noch gut in Erinnerung ist, tut der Show insgesamt aber natürlich keinen Abbruch.

Was immer bleibt sind die zeitlosen Songs der schwedischen Band

Donna und die Dynamos Foto Brinkhoff Moegenburg
Donna und die Dynamos Foto Brinkhoff Moegenburg

Auf der Habenseite ist immerhin die zeitlose Musik von ABBA, die von der siebenköpfigen Band unter der Leitung von Hannes Schauz frisch interpretiert wird. Ohnehin ist „Mamma Mia!“ immer noch eines der besseren Jukebox-Musicals, denn in wohl kaum einer anderen Compilation-Show wurden die Handlung und die Hits einer Band so gekonnt miteinander verwoben. Dramaturgisch ist die Produktion deshalb wirklich stark, die Handlung – Sophie sucht vor ihrer Hochzeit ihren Vater und findet dabei heraus, dass insgesamt drei Verflossene ihrer Mutter in Frage kommen – ist nach wie vor äußerst unterhaltsam.

Mamma Mia Szenenfoto
Mamma Mia Szenenfoto

Erfreulich ist, dass inzwischen immer diverser gecastet wird. So stehen auch in „Mamma Mia!“ unglaublich tolle Menschen verschiedenster Identitäten und Ethnien auf der Bühne, die eine intensive Leistung bringen.  Sabine Mayer sticht als Donna aus der Darstellerriege hervor. Schauspielerisch gibt sie die allein erziehende Mutter und Hotelbetreiberin authentisch. Ihre Mimik sowie Gestik und besonders Donnas Gefühlsschwankungen nimmt man Mayer zu jeder Sekunde ab. Dass sie auch noch ganz hervorragend singt – ihre Interpretation des Songs „Der Sieger hat die Wahl“ ist der stärkste Moment des Abends – macht ihre Darstellung perfekt. Ihr absolut ebenbürtige Bühnenpartnerinnen sind Jennifer van Brenk als Tanja und Franziska Lessing als Rosie, die ihren Rollen herrlich absurde Profile verleihen und zusammen mit Sabine Meyer ein starkes Trio bilden.

Nicht weniger stark agieren Sascha Oliver Bauer als Sam, Ramin Dustdar als Harry und Tetje Mierendorf als Bill. Hier hat man drei sehr überzeugende Schauspieler verpflichtet, die jedem der drei möglichen Väter einen eigenen Stempel aufdrücken. Bauers Sam glüht noch immer für seine Donna und sorgt sich rührend um seine mögliche Tochter Dustdar gibt einen sympathischen Harry „Headbanger“ und der Hüne Mierendorf erweist sich geradezu als Idealbesetzung für den von ihm wunderbar knurrig dargestellten Abenteurer Bill, der jetzt nicht mehr aus Australien kommt, sondern von St. Pauli.

Und um dieses Paar dreht sich alles

Mamma Mia Szenenfoto
Mamma Mia Szenenfoto

Rose-Anne van Elswijk, die mit ihrem strahlenden Sopran in Songs wie „Mich trägt mein Traum“ oder „Honey, Honey“ verzaubert, punktet als Sophie mit jugendlicher Leichtigkeit und erfrischendem Schauspiel. Ihr zur Seite steht Robin Reitsma, der einen genauso smarten wie coolen Sky gibt und mit seiner klangschönen Stimme begeistert. Auch das Zusammenspiel von ihm und van Elswijk gelingt sehr gut – besonders in der Nummer „Leg dein Herz an eine Leine“. Das lässt auch beider leicht niederländischer Akzent vergessen.

Sehr gut besetzte Nebenrollen

Donna und die Dynamos voll im Schuss
Donna und die Dynamos voll im Schuss

Ein gelungenes Musical-Debüt gibt Benjy Stevens als Pepper, der seinen großen Auftritt im Song „Wenn das Mami wüsst“ hat und dort neben Jennifer van Brenks Vamp namens Tanja bestehen kann. Mit locker-authentischem Spiel glänzen zudem Samuel Hoi-Ming Chung als Eddie, Lyssa Tejero als Ali und Bathoni Buenorkuor als Lisa.

Taufrische, dynamische Choreografie

Mamma Mia Szenenfoto
Mamma Mia Szenenfoto

Was nichts an Genialität eingebüßt hat, ist die spritzig-dynamische Choreografie von Anthony van Laast. Auch nach all den Jahren wirkt diese noch immer genauso frisch wie genial. Einen frischen Touch hat Regisseur Paul Garrington außerdem der Originalinszenierung von Phyllida Lloyd verpasst, was vor allem bei der Rollenzeichnung von Donna und den Dynamos auffällt. So zeigt sich „Mamma Mia!“ nach 20 Jahren frischer denn je in der Stadt, in der 2002 der deutsche Erfolgsweg der Show begann.

„Mamma mia, es geht schon wieder los…“ lautet die erste Refrain Zeile des ABBA-Welthits in der deutschen Musical-Fassung. Das Revival des Revival-Musical verführt, nimmt gefangen und verbreitet ausgelassene Freude, der sich praktisch niemand im Saal entziehen kann. Der Abend endet mit Standing Ovations bei den Zugaben – inklusive „Waterloo“.

Dezent aktualisiert, schön wie eh und je

Mamma Mia Szenenfoto
Mamma Mia Szenenfoto

Sensationell sind die Kostüme, die von schlicht und schlabbrig bis zu glitzernd und glänzend die späten Siebziger- und den ABBA-Look der Achtzigerjahre auferstehen lassen, die späten Jahre der Akustik-Gitarren an südlichen Stränden und die Welten der Discokugel. Das war die Zeit, in der ABBA ihre größten Hits kreierten. Säule des Musicalerfolgs sind neben den Hits von Björn Ulvaeus und Benny Andersson sowie tollen Choreografien von Anthony van Laast – mit starken Chorbildern und einem Spitzen-Froschmannballett – die schauspielerischen und sängerischen Leistungen der Hauptdarsteller.

Die Helden auf der griechischen Fantasie-Insel Kalokairi spielen in der Regie von International Associate Director Paul Harrington erfolgreich eine – streckenweise schrille – volkstümliche Inselkomödie mit selbstironischen Elementen. Auch wurden die feministischen Textstrecken von damals, die heute leicht verstaubt wirken könnten, behutsam an unsere Tage angepasst – so spricht eine Darstellerin in aktuell gebräuchlichem Genderspeech schon mal von ihren „Kolleg*innen“

Mayer, van Brenk und Lessing rocken die Flora

Mamma Mia Szenenfoto
Mamma Mia Szenenfoto

Emotional bewegend und komisch glänzen die drei alten Freundinnen: Sabine Mayer als Donna, Jennifer van Brenk als Tanja und Franziska Lessing als Rosie. Die Requisite und der Regisseur lassen die drei mit allem spielen, was ihnen in die Finger fällt, vom Obst aus einem Korb, über den Fön und den Blumenstrauß als Mikrofonen bis hin zu den Original-80er-Utensilien, die Donna in einem alten Koffer unter dem Gästebett verwahrt – mit Blumengirlande und einem alten Plakat der drei Damen, die zwei Dekaden zuvor als „Donna & The Dynamics“ auf dem griechischen Festland begeisterten und stimmlich immer noch auf der Höhe sind.

Die Musicalgeschichte erzählt, wie der später entstandene Film mit Meryl Streep als Donna, die Geschichte der alleinerzogenen Tochter Sophie (sängerisch und tänzerisch stark: Rose-Anne van Elswijk), deren Mutter Donna nicht weiß, ob nun Bill (bärig komisch: Tete Mierendorf) oder Harry (witzig rührend: Detlef Leistenschneider) oder Sam (liebenswert ernsthaft: Sascha Oliver Bauer) der Vater von Sophie ist. Als Sophie im Vorwege ihrer Hochzeit mit ihrem Freund Sky (tapfer dauerlächelnd: Robin Reitsma) alle drei einlädt, weil sie deren Namen im Tagebuch der Mutter gefunden hat, ist das Chaos perfekt. Dabei wüsste sie doch so gern, wer ihr Vater ist.

Mitreißende ABBA-Hits von der Liveband

Mamma Mia Szenenfoto
Mamma Mia Szenenfoto

Nach allerlei neuen und verwirrenden Gefühlslagen, die sich in insgesamt 19 ABBA-Hits von „Honey, Honey“ über „Thank You for the Music“, „Dancing Queen“, „Super Trouper“ bis zu „Knowing me, knowing you“ und natürlich den Titelsong „Mamma Mia“ spiegeln, kommt es zum Happy End für alle Beteiligten. Die Live-Band unter Leitung von Hannes Schauz macht ihre Sache in der Neuen Flora erstklassig, wobei die Musiker nicht im Bühnengraben, sondern im Nebenraum sitzen und der Dirigent per Kamera auf Monitore im Saal übertragen wird.

Knallig bunte, fulminante Zugaben

Fulminante Zugaben gabs zum Dank für die Standing Ovation, beginnend mit dem titelgebenden Song „Mamma mia“, der „Dancing Queen“, dazu noch einmal großartige Tanzeinlagen des Gesamtensembles zum finalen „Waterloo“ Tutti, für das sich die sechst Hauptfiguren, zum Gaudi des Publikums, in den Original Abba Kostümen präsentierten. Eine Show ohne jegliche Durchhänger, mitreißend von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:

Léonard Wüst und  Stage Entertainment/ Brinkhoff-Moegenburg  https://www.stage-entertainment.de/theatervermietung/stage-theater-neue-flora-hamburg

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Stage Theater Neue Flora

MAMMA MIA

Stage Theater Neue Flora Innenraum

Rose-Anne van Elswijk als Sophie und die Darsteller Tetje Mierendorf (M) als Bill und Ramin Dustdar als Harry

Donna und die Dynamos voll im Schuss

Mamma Mia Szenenfoto

Mamma Mia Szenenfoto

Mamma Mia Szenenfoto

 

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