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Nicht nur bei Hodentumoren an den Fertilitätserhalt denken DGA appelliert: Aufklärung muss alle Menschen erreichen

Der Schock einer potenziell tödlichen Krebsdiagnose, das möglicherweise
junge Alter der Betroffenen, Scham sowie Unsicherheit über die
Kostenübernahme: Es gibt viele Gründe, warum die Kryokonservierung von Ei-
oder Samenzellen und von Eierstock- oder Hodengewebe bisher längst nicht
alle Patient:innen erreicht. Die Deutsche Gesellschaft für Andrologie e.V.
(DGA) setzt sich für mehr Aufklärung der Öffentlichkeit, aber auch von
Ärztinnen und Ärzten, ein und verweist auf die Leitlinie zum
Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen, die Betroffenen und
Behandlern konkrete Orientierungshilfe bietet.

Die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Androlog:innen, die im Rahmen
der Reproduktionsmedizin die Fruchtbarkeitsstörungen aufseiten des Mannes
erforschen und behandeln, will der Fertilitätsprotektion in ihrer ganzen
Bandbreite mehr Aufmerksamkeit verschaffen. „Im Falle einer
Krebserkrankung tritt der Gedanke an einen späteren Kinderwunsch oft in
den Hintergrund. Besonders für betroffene Kinder und Jugendliche sowie
junge Krebspatienten zwischen 18 und 39 Jahren, die heute zu 80 Prozent
geheilt werden können, bedeutet das eine verpasste Chance auf ein normales
Leben mit der Aussicht auf eine eigene Familie“, so DGA-Pressesprecher Dr.
Christian Leiber-Caspers. „Bei Hodentumoren ist das Bewusstsein für den
notwendigen Fertilitätserhalt eher vorhanden. Tatsächlich bergen
Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung auch bei zahlreichen anderen
Krebserkrankungen ein hohes Risiko für die Spermienqualität oder die
Erektionsfähigkeit und können zeugungsunfähig machen“, erklärt Dr. Leiber-
Caspers. Fertilitätserhaltende Maßnahmen sollten deshalb wann immer
möglich vor dem Beginn der Krebstherapie ergriffen werden. Beim Mann geht
es vorrangig um die Kryokonservierung, also das Einfrieren und Lagern, von
Spermien, die aus dem Ejakulat oder mithilfe der sogenannten testikulären
Spermienextraktion aus dem Hodengewebe – in den Fällen, in denen keine
Spermien im Ejakulat vorhanden sind -  gewonnen werden.

Neben Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter und Hodentumoren, die
vor allem junge Männer betreffen, bedroht die Behandlung von Prostata-,
Blasen- oder Peniskarzinom die Fruchtbarkeit der Patienten. Trotz des
höheren Erkrankungsalters kann auch bei diesen Männern der Wunsch nach
Fertilitätsprotektion bestehen. Ebenso kann die Behandlung von Anal- und
Rektumkarzinomen (Darmkrebs), von Blutkrebs, Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-
und Non- Hodgkin-Lymphomen) zu Unfruchtbarkeit führen. „Konkrete
Handlungsempfehlungen für die Beratung und Anwendung von
fertilitätserhaltenden Maßnahmen bei Präpubertären und Patienten:innen im
reproduktiven Alter, die sich einer keimzellschädigenden Behandlung
unterziehen müssen, bietet die Leitlinie zum Fertilitätserhalt bei
onkologischen Erkrankungen“, sagt DGA-Präsidentin Prof. Dr. med. Sabine
Kliesch. Sie ist Ko-Koordinatorin der interdisziplinären Leitlinie, die
derzeit aktualisiert und in Kürze neu aufgelegt wird.

Wenig bekannt:  Auch die Behandlung gutartiger Erkrankungen kann die
Fruchtbarkeit bedrohen

„Auch die Behandlung gutartiger Erkrankungen, wie rheumatoide Arthritis,
Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder auch eine Organtransplantation, kann
aufgrund der angewandten und potenziell keimzellschädigenden Medikamente
zu einer Fertilitätseinschränkung führen“, betont die Chefärztin für
Klinische und Operative Andrologie am Centrum für Reproduktionsmedizin und
Andrologie, Universitätsklinikum Münster. Sie appelliert: „Frühzeitige
Aufklärung über die Möglichkeiten der Fertilitätsprotektion muss,
angefangen bei Kindern und Jugendlichen, alle in der Gesellschaft
erreichen und im Falle einer Erkrankung zum Standard bei der
Therapieplanung und -beratung gehören“.

Krankenkassen müssen die Kosten für die Kryokonservierung und Lagerung von
Spermien, Hodengewebe und Eizellen erst seit 2021 übernehmen. Die vom
Patienten über Jahre selbst zu tragenden Kosten habe auch, laut Prof.
Kliesch, den breiten Einsatz fruchtbarkeitserhaltender Maßnahmen bisher
verhindert. Ab Juli 2023 soll zudem die Kostenübername für die
Kryokonservierung von Eierstockgewebe für Frauen ab der ersten
Regelblutung erfolgen. „Aber die Kinder und Jugendlichen, die die Pubertät
noch nicht durchlaufen haben, sind von den Fortschritten in der Medizin
auch 2023 noch ausgeschlossen. Wer heute nichts einfriert, wird es morgen
nicht nutzen können, es sei denn, er trägt die Kosten und Folgekosten
selbst. Dies ist gerade für Tumorpatienten im Kindesalter bitter, denn die
Kryokonservierung von kindlichen Stammzellen im Hoden und unreifen
Eizellen sind existierende experimentelle Verfahren, die langfristig in
die Klinik überführt werden“, kritisiert die DGA-Präsidentin.

Medienvertreter:innen haben auf dem Kongress des Dachverbands
Reproduktionsbiologie und -medizin e.V. (DVR) im September 2023 in Bonn
Gelegenheit, sich rund um die Reproduktionsmedizin und die medizinischen
Optionen der assistierten Reproduktion zu informieren. „Journalist:innen
sind auf den wissenschaftlichen Veranstaltungen des Kongresses herzlich
willkommen“, so der Pressesprecher der DGA, die ihre 35. Jahrestagung
unter dem Dach des DVR-Kongresses abhält und für das Jahr 2023 ein
Forschungsstipendium in Höhe von 10.000 €  zum Thema „Auswirkungen der
modernen Lebensweise und/oder Umweltfaktoren auf die männliche
reproduktive Gesundheit“ ausgeschrieben hat. Bewerbungsschluss ist der 23.
Juli 2023.

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Studie: Großwärmepumpen können grüne Wärmequellen für Gemeinden und Industrie erschließen

Noch immer decken Hausherren und Industrieunternehmen rund 80 Prozent
ihres Wärmebedarfs durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe.
Großwärmepumpen in Wärmenetzen könnten nachhaltige Alternativen wie
Geothermie, Seethermie, Abwärme und Solarthermie samt Speicher effizient
erschließen und so helfen, die deutschen Klimaziele bis 2045 zu erreichen.
Deutschland könnte so seinen gesamten Wärmebedarf für Temperaturen bis 200
°C aus Kohlendioxid-freien Quellen decken und Fernwärme und
Industrieprozesse betreiben. Die aktuelle Studie »Rollout von
Großwärmepumpen in Deutschland« des Fraunhofer IEG im Auftrag von Agora
Energiewende analysiert umfassend den aktuellen Marktstatus von
Großwärmepumpen.

Wärmenetze können eine flexible und kosteneffiziente klimaneutrale Lösung
für die Wärmeversorgung von Kommunen oder Stadtquartieren sein: So steht
es in der Erklärung der Bundesministerien für Wirtschaft und Klimaschutz
(BMWK) und für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) anlässlich
des Fernwärmegipfels Anfang Juni 2023.  »Unter den nachhaltigen
Wärmetechnologien ist die Großwärmepumpe sicherlich der schlafende Riese,«
unterstreicht Fabian Ahrendts vom Fraunhofer IEG und Erstautor der Studie.
»Mit dem nächsten Entwicklungsschub erreicht die Technologie Temperaturen
bis 200 Grad und damit die Arbeitstemperatur nicht nur der bestehenden
Fernwärmenetze, sondern auch vieler Verarbeitungs- und Trocknungsprozesse
in den Branchen Papier, Nahrungsmittel, Chemie und Lacke.«
Für die Studie befragte das Fraunhofer IEG viele Hersteller und konnte
Entwicklungspotenziale (beispielsweise erreichbare Temperaturen,
Wirkungsgrade und Flexibilität) sowie Fragen zum Aufbau weiterer
Produktionskapazitäten klären. Zudem erbrachte die Recherche einen groben
Marktüberblick: Anfang 2023 waren in Deutschland mindestens 30
Wärmepumpenanlagen mit jeweils einer thermischen Leistung über 500 kW in
Betrieb, die zusammen eine Gesamtleistung von ca. 60 MW aufweisen.
Überdies waren mindestens 30 weitere Großwärmepumpenprojekte mit einer
Gesamtleistung von rund 600 MW bereits im Bau oder in Planung.

Theoretisches Angebot übersteigt praktischen Bedarf

Die Studie zeigt zudem: Das verfügbare Angebot von Umwelt- und Abwärme in
Deutschland, das über Wärmepumpen bereitgestellt werden kann, übersteigt
bei weitem den Wärmebedarf für Gebäude und industrielle Prozesswärme bis
200 °C. In Summe beläuft sich die potenzielle Wärmeleistung, die
Wärmepumpen aus CO₂-freien Quellen auch ohne Nutzung von Umgebungsluft zur
Verfügung stellen können, auf rund 1.500 Terawattstunden. Wärmepotenziale
bieten demnach die oberflächennahe und tiefe Geothermie, See- und
Flusswasser, industrielle Abwärme, Abwasser, Kohlengruben sowie
Rechenzentren. Demgegenüber steht ein jährlicher Wärmebedarf für
Temperaturen bis 200 °C von insgesamt etwas über 1.000 Terawattstunden.
Mit Großwärmepumpen werden diese Wärmequellen großflächig für die
Fernwärmeversorgung und in der Industrie nutzbar.
Bis 2045 können Großwärmepumpen über 70 Prozent der Fernwärme in
Deutschland bereitstellen und dort Erdgas weitestgehend ersetzen – wie aus
den Langfristszenarien im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums
hervorgeht. Dafür braucht es einen durchschnittlichen Zubau von jährlich
vier Gigawatt neuer Großwärmepumpenleistung bis 2045. Die Studie nennt
drei Voraussetzungen für einen schnellen Hochlauf von Großwärmepumpen: Es
braucht einen klaren Ausbaupfad basierend auf einer verbindlichen
kommunalen Wärmeplanung, den Abbau von Preisnachteilen gegenüber fossilen
Energieträgern sowie eine strategische Ausweitung des Wärmepumpen-Angebots
etwa durch die Standardisierung von Produktionsprozessen.

Deutschland hängt noch hinterher

In den skandinavischen Ländern sind Großwärmepumpen längst auf dem
Vormarsch und versorgten Wohngebiete großflächig mit klimaneutraler Wärme.
In Deutschland sind Großwärmepumpen noch ein Nischenprodukt. Neben den
beiden Vorreitern - Norwegen mit einem Anteil an Großwärmepumpen an der
Fernwärmeversorgung von rund 13 Prozent und Schweden mit einem Anteil von
über 8 Prozent - liegen auch Finnland, Dänemark und Frankreich über dem
europäischen Durchschnitt von 1,2 Prozent. Bis 2045 sollen in Deutschland
mehr als ein Viertel der Wohnungen mit grüner Fernwärme heizen können. Das
setzt voraus, dass wir in den Kommunen die Wärmewende vorausschauend
planen und dass der regulatorische Rahmen für die Fernwärme ein
attraktives und günstiges Angebot für Kundinnen und Kunden sicherstellt.
Darüber hinaus müssen Großwärmepumpenprojekte für Fernwärmebetreiber
gegenüber fossilen Lösungen attraktiver werden. Aktuell bestehen bei der
Förderung noch Nachteile von strombetriebenen Großwärmepumpen gegenüber
fossil befeuerten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Mit einer Reform des
Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes und einer Aufstockung des Förderprogramms
für Wärmenetze lässt sich diese Schieflage beheben und die Wärmewende
beschleunigen. Und das ist dringend nötig, denn die Wärmeerzeugung bis 200
°C für Gebäude und Industrie macht aktuell noch über drei Viertel des
deutschen Erdgasverbrauchs aus und ist für über ein Viertel der deutschen
Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Den Markt entwickeln

Entscheidend für die Umstellung sei ein klares Zielbild, damit Kunden und
Hersteller Planungssicherheit bekommen. Mit einer gesicherten Nachfrage
kann das Angebot von Großwärmepumpen sich weiterentwickeln: Weg von
Einzelanfertigungen, hin zu einer industriellen Standardproduktion. Das
sei auch zentral für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche: Mit einem klug
abgestimmten Instrumentenmix kann Deutschland sich als führender Produzent
von Großwärmepumpen aufstellen und die europäischen Herstellerkapazitäten
für klimafreundliche Technologien stärken.
Die Studie „Rollout von Großwärmepumpen in Deutschland: Strategien für den
Markthochlauf in Wärmenetzen und Industrie“ hat Fraunhofer IEG im Auftrag
von Agora Energiewende erstellt. Die 140-seitige Studie analysiert
umfassend den aktuellen Marktstatus und Entwicklungspotenziale von
Großwärmepumpen mit besonderem Fokus auf den Hochlauf von Wärmenetzen. Die
Publikation steht zum kostenlosen Download unter www.agora-energiewende.de
zur Verfügung.
Mit der aktuellen Studie ergänzt das Fraunhofer IEG seine Roadmaps zur
Oberflächennahen Geothermie und zur Tiefen Geothermie. Es bildet damit
eine weitere neue Technologie des Wärmemarktes mit ihren Chancen und
Herausforderungen umfassend ab.

Weiterführende Links

Die Studie „Rollout von Großwärmepumpen in Deutschland: Strategien für den
Markthochlauf in Wärmenetzen und Industrie“ zum Download:
https://www.ieg.fraunhofer.de/content/dam/ieg/deutsch/dokumente/ver%C3%B6ffentlichungen/Rollout_Grosswaermepumpen_Angora_Fraunhofer%20IEG.pdf

Die Roadmap Oberflächennahe Geothermie:
https://www.ieg.fraunhofer.de/content/dam/ieg/deutsch/dokumente/pressemitteilungen/Roadmap%20Oberfl%C3%A4chennahe%20Geothermie%20FhG%2009062022.pdf

Die Roadmap Tiefe Geothermie:
https://www.ieg.fraunhofer.de/content/dam/ieg/documents/Roadmap%20Tiefe%20Geothermie%20in%20Deutschland%20FhG%20HGF%2002022022.pdf

Gemeinsame Pressemeldung und Absichtserklärung der Bundesministerien »Mehr
Tempo bei der Transformation der Wärmeversorgung: Wir brauchen schneller
mehr Wärmepumpen«:
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2023/06/20230612-aus-
und-umbau-waermenetze-2.html

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"Smartphone Tag" für Geflüchtete: Erfolgreiches Abschlussevent des Projekts Digitale Qualifizierung

Am 06. Juni 2023 gestalteten Mitarbeiter:innen der Forschungsgruppe WIMM
am Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz einen Aktionstag mit
digitalen Smartphone-Lernkursen für Geflüchtete in Speyer. Über 180
Bewohner:innen der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Speyer
besuchten den „Smartphone Tag“, der als Abschlussevent im Rahmen des
Projekts „Digitale Qualifizierung von Migrant:innen“ (DigiQ) durchgeführt
wurde. Mitarbeiter:innen der Forschungsgruppe WIMM unterstützten dabei
zusammen mit Prof. Sven Pagel das DigiQ-Projektteam, das seit August 2022
elf Computer-Kurse aus sechs verschiedenen, eigens für die Zielgruppe
konzipierten Modulen durchgeführt hat.


In sieben Modulen konnten die Bewohner:innen an virtuellen Lernstationen
ihre Kenntnisse im Umgang mit dem Smartphone verbessern und neue Aspekte
zur Nutzung ihres Smartphones und Apps kennenlernen. Über einen QR-Code
gelangten sie auf eine Übersichtsseite, von der aus sie mit ihrem eigenen
Smartphone auf die verschiedenen Module zugreifen konnten. Dabei ging es
um die Themen Dokumente scannen, Übersetzungen mit dem Handy durchführen,
das Herunterladen und Wiederfinden von Dateien, Datenschutz auf dem
Smartphone, sowie das Erstellen von Flyern mit der Canva-App und ein
Einstieg in das Programmieren mit der Mimo-App. Für viel Aufmerksamkeit
sorgte zudem das Glücksrad, an dem die Teilnehmer:innen nach erfolgreicher
Absolvierung der Module drehen durften.

In der AfA leben über 1300 Menschen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien,
Ägypten, Somalia und Burkina Faso. Herausfordernd bei der Durchführung von
Kursen ist daher vor allem der sprachliche Aspekt, da die Teilnehmer:innen
meist erst kurze Zeit in Deutschland leben und auch die Kommunikation auf
Englisch nur bedingt möglich ist. Immer wieder bieten sich jedoch
Bewohner:innen an, die für andere Teilnehmer:innen übersetzen und auch im
DigiQ-Team gibt es Mitarbeiter:innen, die auf Arabisch, Französisch oder
Spanisch übersetzen können.

Besonderes Highlight des Projekts ist, dass im Frühjahr aus dem Kreis der
Kurs-Teilnehmer:innen ein Übersetzer für Arabisch gewonnen werden konnte,
der inzwischen auch zum WIMM-Team gehört.
Das Interesse der Bewohner:innen an den im letzten dreiviertel Jahr in der
AfA durchgeführten digitalen Bildungsangeboten ist stetig weiter
gestiegen. Auch die Leitung der AfA zeigt sich hoch erfreut über die gute
Annahme des Angebots und die Möglichkeit der Weiterbildung im digitalen
Bereich.

Das durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
(GIZ) GmbH und das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration
(MFFKI) geförderte Projekt endet zum 30.06.2023. Derzeit arbeitet das Team
der Forschungsgruppe WIMM intensiv an der Verwirklichung weiterer
Kooperations-Projekte mit der Zielgruppe Migrant:innen.


Die Forschungsgruppe WIMM an der Hochschule Mainz

In der Forschungsgruppe für Wirtschaftsinformatik und Medienmanagement
(WIMM) der Hochschule Mainz wird unter Leitung von Prof. Dr. Sven Pagel
das integrative Thema von digitalen Medien und digitaler Bildung in der
Lehre und der angewandten Forschung vertreten. WIMM ist ein
interdisziplinäres Team, bestehend aus über zehn Medienkaufleuten und
Expert:innen für Medieninformatik, -gestaltung, -recht, -psychologie und
–pädagogik.

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Waldbrände in Bayern – Aktuell sehr hohes Risiko, Trend jedoch rückläufig.

Aktuell besteht Bayerns Wäldern akute Waldbrandgefahr. Für weite Teile des
Landes ist vom Deutschen Wetterdienst die zweithöchste, vereinzelt auch
die höchste Waldbrand-Gefahrenstufe ausgerufen worden. In den letzten
Wochen trockneten die Streuauflage und die oberste Bodenschicht stark aus,
daher gilt es jetzt im Wald besonders aufmerksam und vorsichtig zu sein.
Doch auch der Blick auf das rückliegende und zukünftige Waldbrandgeschehen
in Bayern bringt wichtige Erkenntnisse.

Deshalb untersucht die Bayerische Landesanstalt für Wald und
Forstwirtschaft (LWF) in einem bundesweiten Forschungsvorhaben das
Waldbrand-Risiko, auch unter klimatischen Veränderungen und hat dazu
bereits erste Zahlen und Fakten gesammelt.

Welches Ausmaß Waldbrände im schlimmsten Fall annehmen können, zeigen die
jüngsten Bilder in den Medien, zuletzt vom ehemaligen Truppenübungsplatz
Jüterbog im südlichen Brandenburg. Auch in Bayern gilt aktuell
allerhöchste Vorsicht, denn durch die Trockenheit genügt eine weggeworfene
Zigarettenkippe, ein Grillfeuer oder ein auf trockenem Gras im Wald
geparktes Auto mit heißem Katalysator um ein Feuer zu entfachen. Zu über
90 % ist der Mensch Auslöser für einen Waldbrand.

Im Klimawandel werden heiße und trockene Tage häufiger und das
Waldbrandrisiko nimmt zu. So hat die Zahl der Tage mit den beiden höchsten
Waldbrandwarnstufen im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961-1990 in Bayern
bereits von 27 auf 38 Tage zugenommen. Nach den einschlägigen
Klimaszenarien wird sich dieser Trend auch in Zukunft weiter fortsetzen.
Ob wir es im Wald in Bayern künftig auch mit Bedingungen wie in Kanada,
Spanien, Portugal oder Griechenland zu tun bekommen, erforscht die LWF in
einem bundesweiten Forschungsvorhaben (Waldklimafondsprojekt
MultiRiskSuit) und Waldbrandnetzwerk.

„Eines kann man zum Glück bereits heute festhalten“, so Dr. Lothar
Zimmermann von der Abteilung Boden und Klima der Bayerischen Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft (LWF), „in Bayern wirken eine ganze Reihe an
Faktoren der Entstehung von Großbränden im Wald entgegen.“ So zeigt die
Waldbrandstatistik seit 1991 für die Anzahl der Brände sowie die
betroffene Fläche in Bayern einen abnehmenden Trend, lässt man den
Bundesforst mit seinen großen militärischen und regelmäßig von Bränden
betroffenen Übungsplätzen außen vor (2 % der Waldfläche in Bayern).

„Im Gegensatz zu Kanada verfügen wir über andere Waldstrukturen und sind
ein dicht besiedeltes Land, bei dem regelmäßig eine rasche Alarmierung der
Feuerwehren erfolgt“, berichtet Lothar Zimmermann, „bei hoher
Waldbrandgefahr wird zudem eine Luftbeobachtung durch die Bayerische
Luftrettungsstaffel angeordnet“. Ferner sorgen in Bayern rund 330.000
Feuerwehrleute in 7.521 Feuerwehren für eine schnelle Bekämpfung
entstehender Brände, so dass sie erst gar nicht groß werden können.
Hierbei zeigt sich bei der Waldbrandbekämpfung auch der Vorteil einer
guten Erschließung des Waldes durch Forstwege.

So kam es zum Beispiel im heiß-trockenen Extremsommer 2022 in Bayern zwar
zu einer ganzen Reihe an Waldbränden, diese hatten aber insgesamt nur
einen geringen Flächenumfang (siehe Grafik). Der größte Waldbrand betrug
ganze 2 Hektar (etwas mehr als 2 Fußballfelder). Auch der Waldumbau zu
laubholzreicheren Wäldern wirkt dem steigenden Waldbrandrisiko entgegen,
so die Experten der LWF.

Ausnahme bilden regelmäßig die von verschiedenen Nationen genutzten
militärischen Übungsplätze im Freistaat. Durch den Übungs- und
Schießbetrieb kommt es auf diesen Flächen regelmäßig zu Bränden. Außerhalb
der Truppenübungsplätz sind größere Waldbrände (>10 ha) in Bayern
vergleichsweise selten (3 seit 2005). Sie entstehen in der Regel nur dann,
wenn der Brand für die Feuerwehr schlecht zugänglich ist und durch die
Geländesituation noch verstärkt wird (thermische Aufwinde), wie zum
Beispiel im steilen Gelände in den Alpen.

Zuletzt kam es so 2007 am Antoniberg bei Bad Reichenhall (30 ha),
Silvester 2016 am Jochberg am Walchensee (30 ha) oder im Frühjahr 2022 auf
der Tiroler Seite bei Hohenschwangau (rund 35 ha) zu größeren Bränden im
alpinen Gelände. In Bayern ist man in schwierigem Gelände wie in den Alpen
inzwischen mit Spezialgerät ausgestattet und für eine Löschung aus der
Luft mit Hubschraubern vorbereitet.

Also auch bei hoher Waldbrandgefahr und drastischen Bildern aus anderen
Regionen Deutschlands und der Welt kein Grund zur Panik. Aber eben Grund
zur besonderen Vorsicht im Wald und zur erhöhten Wachsamkeit, um
entstehende Brände im Wald schnell über die 112 zu melden. Außerdem
beachten: Nach dem Bayerischen Waldgesetz dürfen Waldbesucher im Wald in
der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober nicht rauchen und dürfen diese nicht
ohne Genehmigung Feuer machen, d. h. auch nicht Grillen!

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