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CAMPUS PREIS für Biologin und Produktionstechniker

Die Gewinner des CAMPUS PREISES, Esther Thomsen und Alex Peer Intemann  Matej Meza  Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung
Die Gewinner des CAMPUS PREISES, Esther Thomsen und Alex Peer Intemann Matej Meza Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

Der „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ geht in diesem Jahr
an eine Biologin des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und
einen Masterabsolventen der Universität Bremen. Esther Thomsen hat sich in
ihrer Doktorarbeit mit den Folgen von Aquakulturen auf Seegraswiesen
beschäftigt. Alex Peer Intemann forschte in seiner Masterarbeit über
Rotorblätter an Windenergieanlagen. Die mit 3000 Euro dotierte
Auszeichnung wurde am 27. April an der Universität Bremen verliehen.

In ihrer Dissertation untersuchte Esther Thomsen, welche Auswirkungen die
Abwässer von Aquakulturen auf das Ökosystem der Seegraswiesen haben.
Seegraswiesen wachsen in den flachen Küstenmeeren und bedecken weltweit
eine Fläche von nahezu 18 Millionen Hektar. Die Daten für Esther Thomsens
Arbeit wurden über einen Zeitraum von neun Jahren auf der Insel Hainan in
China gesammelt. Dabei arbeitete sie eng mit Partnern vor Ort sowie in
Rostock und Hamburg zusammen.

Wichtiges Ökosystem Seegras durch Aquakulturanlagen geschädigt

Aquakulturanlagen wirken sich durch einen hohen Stickstoffeintrag
besonders nachteilig auf küstennahe Seegraswiesen aus, die wichtige
ökologische Funktionen erfüllen. Sie binden CO2, bieten Nahrung und Schutz
für viele Arten und sind Rückzugsräume für Jungtiere. Seegräser filtern
Stickstoffe aus dem Wasser und können so einer Überdüngung vorbeugen. Doch
ist dieses Ökosystem erst einmal geschädigt, kann es viele dieser
wichtigen Leistungen nicht mehr erbringen. Die Folgen reichen vom Verlust
der Artenvielfalt bis hin zu CO2-Anstieg in den Küstengewässern.

Erstmals hat Esther Thomsen einen Schwellenwert für Stickstoff im Wasser
berechnet, ab dem die Gefährdung der Seegräser einsetzt. Dieser Indikator
kann genutzt werden, um dem Verlust dieser wichtigen Ökosysteme
vorzubeugen, bevor die Schädigung irreversibel ist. Die Methode ist nicht
nur in Hainan anwendbar, sondern auch auf andere Regionen übertragbar.

Forschungsergebnis führte zu Renaturierung der Flächen

Esther Thomsen hat die Ergebnisse ihrer Untersuchungen den Betroffenen vor
Ort vorgestellt. Dazu zählen vor allem Fischer, die von der Klein- und
Subsistenzfischerei leben und deren Nahrungsgrundlage gefährdet ist, wenn
Seegraswiesen durch die ungehemmt betriebenen Aquakulturanlagen zerstört
werden.
In Hainan kam es auch zu einer Renaturierung von großen Flächen, die
ehemals für Aquakulturen genutzt wurden, und zu einer Neupflanzung von
Mangroven auf diesen Flächen. Auch Seegräser wurden wieder angesiedelt.
Verbleibende Anlagen müssen zwingend mit einem Abwasserreinigungssystem
ausgestattet und nachhaltiger gestaltet werden, so der Rat der Forscherin.

Die Jury des CAMPUS PREISES hat überzeugt, dass mit dieser Arbeit ein
konkretes Ergebnis – ein Schwellenwert als Indikator für Überdüngung -
kombiniert mit praktischen Konsequenzen erzielt wurde. Das ist
beispielhaft für nachhaltige Forschung, wie sie der Preis anerkennen
möchte.

Esther Thomsen arbeitet derzeit im „Project Seagrass“ in Schottland. Sie
freut sich über die Anerkennung, weil sie die aus ihrer Sicht so dringend
nötige Aufmerksamkeit auf diese vielfach unterschätzten Unterwasser-
Pflanzen lenkt: „Ich hoffe, mit meiner Arbeit dazu beitragen zu können,
dass die Problematik der Überdüngung nicht nur rechtzeitig erkannt,
sondern künftig auch durch Abwasserreinigungssysteme verhindert wird“, so
Esther Thomsen. Nur durch die langjährige und enge Zusammenarbeit von
Wissenschaftler:innen sei es überhaupt möglich gewesen, einen solchen
Schwellenwert zu ermitteln, erklärt die Forscherin und plädiert für mehr
Langzeitstudien wie ihre.

Wie Rotorblätter von Windkraftanlagen sich gegen den Wind behaupten

In der prämierten Masterarbeit von Alex Peer Intemann geht es um eine
laserbasierte Schwingungs- und Deformationsmessung von Rotorblättern an
Windenergieanlagen. Die Rotoren sind ein sehr empfindlicher Teil von
Windenergieanlagen, denn sie sind in besonderem Maß den enormen Kräften
des Windes ausgesetzt. Das gilt gleichermaßen für Anlagen an Land wie auf
See. Der ständige Wind bewirkt Verformungen, die nach heutigem
Kenntnisstand bei der Konstruktion eingeplant werden, aber dennoch schwer
vorherzusagen sind. Für den sicheren Betrieb einer Anlage ist es wichtig,
den Zustand der Rotorblätter zu kennen. Wenn Schäden rechtzeitig
festgestellt werden, kann eine Reparatur die Lebensdauer einer
Windenergieanlage verlängern und Stromerträge sicherstellen. Die
Informationen über die Art der Deformation können zusätzlich dazu
beitragen, neue Rotorblätter so zu konstruieren, dass sie weniger anfällig
sind, den Kräften des Windes besser standhalten und seine Energie
effizienter einfangen können.

Neues Verfahren zur Überprüfung von Rotorblättern entwickelt

Normalerweise sind Messungen an Rotorblättern von bestehenden Anlagen sehr
aufwändig. Alex Peer Intemann hat nun ein laserbasiertes Verfahren
entwickelt, mit dem aus einer Entfernung von über 200 Metern zu einer
Anlage ohne Betriebsunterbrechung der Zustand eines Rotorblatts sehr genau
ermittelt werden kann. Erprobt wurde das Verfahren mit zwei regionalen
Unternehmen an bestehenden Windenergieanlagen. Die Ergebnisse der Arbeit
können unmittelbar dafür genutzt werden, die bisher üblichen Simulationen
des Anlagenverhaltens zu überprüfen und eine Optimierung der
Rotorblattauslegung zu erreichen. So kann Gewicht gespart und die Leistung
einer Anlage erhöht werden. Zusätzlich können Betriebskosten und damit
auch die Kosten, die für die Umwandlung von Wind in elektrischen Strom
notwendig sind („Stromgestehungskosten“), reduziert werden. Die Messungen
vermögen auch dazu beizutragen, dass Anlagen länger laufen können, wenn
keine Schäden identifiziert werden.

Praxisrelevanter Beitrag zum notwendigen Windenergieausbau

Alex Peer Intemann hat mit seiner Masterarbeit im Fachbereich
Produktionstechnik am Bremer Institut für Messtechnik, Automatisierung und
Qualitätswissenschaft (BIMAQ) der Universität Bremen einen
praxisrelevanten Beitrag für den weiterhin dringend notwendigen
Windenergieausbau geleistet. Das zeigt nicht zuletzt das internationale
wissenschaftliche und unternehmerische Interesse der beteiligten Firmen.
Diese Argumente überzeugten auch die Jury des CAMPUS PREISES, die
insbesondere die konkrete Anwendbarkeit des untersuchten Verfahrens
hervorhebt.

Alex Peer Intemann bedankt sich beim BIMAQ für die ihm dort eröffneten
Möglichkeiten und sagt: „Die Auszeichnung durch den Campus Preis hat mir
gezeigt, dass die Forschung, zu der ich einen Beitrag leisten durfte,
nicht nur technisch interessant ist, sondern auch inhaltlich in die
richtige Richtung weist.“

Über den CAMPUS PREIS

Der CAMPUS PREIS zeichnet herausragende, auf dem Campus der Universität
Bremen erstellte Abschlussarbeiten aus, die sich thematisch der
nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, dem Schutz der Umwelt, des Klimas und
der Meere widmen. Die Auszeichnung wurde 2016 ins Leben gerufen und wird
einmal im Jahr von der KELLNER & STOLL-STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), der Universität Bremen
und dem Verein Alumni der Universität Bremen ausgelobt. Sie ist mit
insgesamt 3.000 Euro dotiert.

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Biobasierte Beschichtung kann für Verpackungen und Lebensmittel eingesetzt werden

Die Crumbsticks haben einen essbaren „Knochen“ aus einer kross gebackenen Brotstange.  Dominic Oppen, Uni Hohenheim
Die Crumbsticks haben einen essbaren „Knochen“ aus einer kross gebackenen Brotstange. Dominic Oppen, Uni Hohenheim

Die innovative und universell einsetzbare Barriereschicht ist sowohl
wasserundurchlässig als auch hitzebeständig, mechanisch belastbar und
zudem noch zum Verzehr geeignet bzw. kompostierbar. Sie eignet sich für
Verpackungen, aber auch um einzelne Komponenten in Lebensmitteln
voneinander zu trennen.

Nachhaltigkeit ist auch im Bereich Lebensmittel- und Verpackungsindustrie
eine große Herausforderung. So werden Plastikverpackungen zwar durch
biobasierte und kompostierbare Materialien ersetzt, jedoch müssen diese
Materialien hohen funktionalen Anforderungen gerecht werden.
Beispielsweise muss das Produkt, beziehungsweise die Verpackung, sicher
gegen Gas- und Feuchtigkeitsmigration geschützt werden.
Ein Forscherteam der Hochschule Hohenheim hat ein neues
Beschichtungssystem entwickelt, das sowohl wasserundurchlässig als auch
hitzebeständig, mechanisch belastbar und zudem noch zum Verzehr geeignet
bzw. kompostierbar ist.

Diese innovative und universell einsetzbare Barriereschicht wurde
ursprünglich für die Anwendung in Lebensmitteln als hitzebeständige
Feuchtigkeitsbarriere entwickelt. Im Rahmen eines
Produktentwicklungswettbewerbs entstanden sogenannte „Crumbsticks“.  Dies
sind Hähnchenschlegel mit einem essbaren Knochen aus einer kross
gebackenen Brotstange. Ein Aufweichen der zwei Komponenten mit
unterschiedlichem Feuchtegehalt wurde mit dem beschriebenen, speziell für
diesen Einsatz entwickelten Beschichtungssystem verhindert.

Im weiteren Verlauf der Forschung kristallisierten sich allerdings
zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten insbesondere auch im Bereich
nachhaltiger, biobasierter Verpackungssysteme heraus. In diesem Fall wird
das Beschichtungssystem aufgesprüht und ergibt zusammen mit einem
biobasierten Trägermaterial eine wasser- und gassperrende Verpackung.

Die Hohenheimer Wissenschaftler haben bei der Entwicklung dieser
verzehrbaren Schutzschicht Oloegele eingesetzt. Hierbei handelt es sich um
Fette, die durch bestimmte Geliermittel strukturiert werden. Diese haben
teilweise schon etablierte Anwendungen im Lebensmittelbereich,
beispielsweise bei der Substitution von tierischen Fetten und Palmöl Neu
ist der Einsatz als hitzebeständige Beschichtung zur Verhinderung der
Migration von Wasser innerhalb eines Lebensmittels bzw. Von einem
Lebensmittel in ein Verpackungsmaterial.

Für die Herstellung von Oleogelen können bestehende Produktionsverfahren
(vor allem aus der Verpackungs- & Polymertechnologie) genutzt werden. Die
Schicht kann entweder durch Glasieren, Laminieren, Überziehen oder
Besprühen aufgebracht werden und eignet sich sowohl für Lebensmittel, als
auch im Lebensmittelverpackungsbereich oder für Convenience-Food-
Verpackungen. Zusätzlich ist der Einsatz im Bereich der Tiernahrung
denkbar.

Das innovative Material kann im Lebensmittelbereich eingesetzt werden, um
Komponenten mit unterschiedlichen Charakteristiken zu trennen. Viele
verarbeitete Lebensmittel sind Mehrkomponenten-Systeme, die sich durch
unterschiedliche Eigenschaften definieren. Hierunter fallen viele Snack-
und Convenience-Food-Produkte, welche häufig eine trockene und eine
feuchte (cremige) Komponente besitzen. Bei der Produktion und Lagerung
dieser Produkte muss darauf geachtet werden, dass die Feuchtigkeit aus
einem Bestandteil nicht in die trockenen Bereiche des Produkts einzieht.
Mit der Barriereschicht aus Oleogel kann dies verhindert werden. Auch bei
Verarbeitungsprozessen wie Backen oder Frittieren bleiben die
Charakteristiken der einzelnen Komponenten des Lebensmittels erhalten.

Ein weiterer Einsatz dieses Beschichtungsmaterials ist der Bereich
Tierfutter. Auch hier sind zahlreiche Einsatzmöglichkeiten denkbar wie
bspw. Beschichtung der Verpackungen gegen Feuchtigkeit, aber auch das
Trennen von einzelnen Komponenten des Futters.
Diese neue Beschichtung weist mehrere Eigenschaften auf, deren Kombination
bisher noch nicht möglich war: sie ist wasserundurchlässig,
hitzebeständig, mechanisch belastbar und gleichzeitig verzehrbar. Durch
Veränderung der Zusammensetzung oder Hinzufügen von Zusatzstoffen (wie
Geschmacks- oder Farbstoffen) kann die Oleogelschicht an den jeweiligen
Anwendungsfall angepasst werden. Die Zusammensetzung des Oleogels ist
durch die Verwendung von Pflanzenölen und Ethylcellulose rein pflanzlich.

Die Erfindung wurde zum Patent angemeldet (EP 21207193.0 anhängig). Die
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH unterstützt die Wissenschaftler und die
Universität Hohenheim bei der Patentierung und Vermarktung der aktuellen
Entwicklung. TLB ist mit der Verwertung dieser zukunftsweisenden
Technologie beauftragt und bietet Unternehmen Möglichkeiten der
Lizenzierung.
Für weitere Informationen: Innovationsmanager Dr. Dirk Windisch
(Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)

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Qualifizierungsprogramm für Autoindustrie und Kfz-Gewerbe: Fachkräfte für das Batterie-Ökosystem

Exzellente Fachkräfte entlang der Wertschöpfungskette der Batterie sind das Ziel des Qualifizierungsprogramms QualiBattBW  e-mobil BW / touchwert
Exzellente Fachkräfte entlang der Wertschöpfungskette der Batterie sind das Ziel des Qualifizierungsprogramms QualiBattBW e-mobil BW / touchwert

Der Umstieg auf die Elektromobilität, egal ob bei Pkw, leichten
Nutzfahrzeugen oder schweren Lkw, verändert den Wirtschaftsstandort
Deutschland und speziell die stark von der Automobilwirtschaft geprägte
Region Baden-Württemberg mit ihren zahlreichen kleinen und mittleren
Unternehmen. Gefragt sind exzellente Fachkräfte entlang der gesamten
Batterie-Wertschöpfungskette. Maßnahmen, um diese zu qualifizieren, sind
das Ziel des Projekts „Qualifizierungsmaßnahmen Batterieökosystem Baden-
Württemberg“ (QualiBattBW), an dem auch das Institut für Photovoltaik
(ipv) der Universität Stuttgart beteiligt ist.

Ziel von QualiBattBW ist es, den Standort Baden-Württemberg und
Deutschland durch die Vernetzung der Akteure nachhaltig zu stärken und
eine exzellente und ausreichend große Basis an Fachkräften entlang der
Wertschöpfungskette der Batterie aufzubauen. „Aktuell werden große
Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Batteriezellfertigung getätigt, um die Kompetenzen entlang der gesamten
Batterie-Wertschöpfungskette aufzubauen“, sagt Franz Loogen von der
Landesagentur e-mobil BW, die das Vorhaben koordiniert. „Damit steigt der
Bedarf an qualifizierten Mitarbeitenden in den Unternehmen. Genau hier
setzt QualiBattBW an und entwickelt Qualifizierungsmaßnahmen für die
baden-württembergische Automobilindustrie und das Kfz-Gewerbe.“

QualiBattBW in der Umsetzung
Die Projektpartner von QualiBattBW erarbeiten ein modulares und flexibel
einsetzbares Qualifizierungsangebot und werden Wirtschaft, Wissenschaft
und den Bildungsbereich im Ökosystem der Batterie eng miteinander
verzahnen. Die komplexen inhaltlichen Sachverhalte des Themengebiets
werden auf eine verständliche und anschauliche Art und Weise mit
entsprechenden Lehrmethoden vermittelt. Zudem sind Industrie, Verbände und
Sozialpartner aus Baden-Württemberg über eine assoziierte Partnerschaft
eingebunden und sorgen für eine Breitenwirkung in den Unternehmen und bei
den Beschäftigten.

ipv entwickelt die Lehrmodule
Die Aufgabe des ipv besteht dabei in der Entwicklung von Lernmodulen, was
sowohl das Herausarbeiten der relevanten Inhalte als auch deren
ansprechende Ausarbeitung umfasst. „Batteriespeichersysteme spielen nicht
nur für die Elektromobilität, sondern auch fürs Gelingen der Energiewende
eine entscheidende Rolle“, betont Prof. Peter Birke, der Leiter des
Fachgebiets Elektrische Energiespeichersysteme am ipv. „Bisher ist die
fachspezifische Ausbildung und die Bereitstellung geeigneter
Lehrmaterialien viel zu kurz gekommen. Diese entscheidende Lücke möchten
wir mit dem Projekt QualitBattBW in den kommenden Jahren schließen, um
Deutschland und Europa zu führenden Batteriestandorten aufzubauen.“

Über QualiBattBW
QualiBattBW startete zum 1. April 2023 und wird vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Rahmen des BMWK-Förderaufrufs
„Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen für die Batteriezellfertigung“
über fünf Jahre mit rund 7,1 Millionen Euro gefördert. Das Projekt wird
durch die Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive Baden-
Württemberg, e-mobil BW, koordiniert. Im Projektkonsortium haben sich ein
Kompetenz-Trio aus sieben Forschungseinrichtungen, zwei Bildungsträger und
ein Innovationscluster zusammengefunden. Beteiligte Partner sind neben dem
Institut für Photovoltaik der Universität Stuttgart die Fraunhofer-
Institute für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und für
Produktionstechnik und Automatisierung IPA, die Hochschule Heilbronn, das
Karlsruher Institut für Technologie, die Technische Hochschule Ulm (THU),
das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg
(ZSW), das Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e. V.
(Biwe-Gruppe), die Technische Akademie für berufliche Bildung Schwäbisch
Gmünd e. V. sowie das  Innovations-Cluster Elektromobilität Süd-West.
Insgesamt sollen sechs Batterie-Fachkräftecluster in ganz Deutschland
durch das BMWK bewilligt werden. Darin sind über 50 Einrichtungen
vertreten. Die BMWK-Förderung wird voraussichtlich über 40 Millionen Euro
betragen.

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Erbliche Stoffwechselkrankheit: Blut-Check beim Kinderarzt könnte spätere Herzinfarkte verhindern

Prof. Dr. Stephan Baldus, DGK
Prof. Dr. Stephan Baldus, DGK

Zum Aktionstag des Herzkranken Kindes am 5. Mai machte das Aktionsbündnis
Nationale Herz-Allianz (NHA) auf die häufige Erbkrankheit Familiäre
Hypercholesterinämie aufmerksam. Sie kann auch bei jüngeren Menschen zu
Herzinfarkten führen und könnte durch eine Untersuchung schon beim
Kinderarzt einfach erkannt und therapiert werden. Für eine entsprechende
Aufnahme in die medizinische Grundversorgung macht sich die Nationale
Herz-Allianz jetzt stark.

Düsseldorf, 3. Mai 2023 – Wenn wir an Herzkrankheiten im Zusammenhang mit
Kindern denken, kommen uns als erstes die strukturellen Herzschäden in den
Sinn: Unterentwickelte Herzkammern oder defekte Herzklappen. Was
allerdings kaum jemand kennt ist die sogenannte Familiäre
Hypercholesterinämie (FH). Dabei handelt es sich um eine genetisch
bedingte Störung des Cholesterinstoffwechsels, die dazu führt, dass die
Blutgefäße der Betroffenen schon in jungen Jahren verfetten und sich
verengen. Hierdurch steigt das Risiko auf einen Herzinfarkt oder
Schlaganfall bereits in jungen Jahren deutlich an. Etwa eins von 300
Kindern wird in Deutschland mit einer FH geboren. Damit ist sie eine der
häufigsten Erbkrankheiten überhaupt. Dennoch werden laut Schätzungen
gegenwärtig weniger als fünf Prozent der Fälle diagnostiziert, geschweige
denn frühzeitig behandelt.

Ein einfacher Blut-Check reicht für die Diagnose

„Dabei wäre es ganz einfach und kostengünstig, diese Krankheit bei Kindern
festzustellen. Durch die Messung des LDL-Cholesterinspiegels im Blut
können wir erste Hinweise erhalten, ob die Krankheit vorliegt. Bei
Verdacht kann eine nachfolgende genetische Bestimmung für Gewissheit
sorgen“, so Prof. Dr. Matthias Gorenflo, Kinderkardiologe und Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene
Herzfehler (DGPK).

Familiäre Hypercholesterinämie ist nicht heilbar. Je früher sie aber
erkannt wird, desto schneller kann man die Krankheit dank Cholesterin-
senkender Medikamente behandeln und schädliche Gefäßveränderungen
verhindern. Die Nationale Herz-Allianz, ein neues, deutschlandweites
Aktionsbündnis aller großen Herz-Fachgesellschaften und der
Patientenvertretung, plädiert deshalb für die Aufnahme der LDL-
Cholesterinspiegelmessung in die ärztliche Grundversorgung bei Kindern.

Herzspezialisten wollen den Blut-Check als Standarduntersuchung

Prof. Dr. Stephan Baldus, Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie (DGK) und Initiator der Nationalen Herz-Allianz: „Dies ist nur
eines von zwei ersten Früherkennungsprojekten, für die wir uns aktuell
stark machen. Die Cholesterinwert-Messung könnte im Rahmen der
Routineuntersuchungen bei Kleinkindern stattfinden, die ohnehin durch die
Kinder- und Jugendärzt:innen gemacht werden.“ Prof. Dr. Holger Thiele,
amtierender DGK-Präsident ergänzt: „Der Mehraufwand und die Kosten wären
gering, die Wirkung für die Betroffenen und die Gesellschaft aber enorm.
Wir plädieren deshalb dafür, dass alle Krankenkassen diese Untersuchung in
ihr Leistungsportfolio standardmäßig aufnehmen.“

Zu diesem Zweck stehen die Expertinnen und Experten der NHA im engen
Austausch mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), sowie Krankenkassen
und politischen Entscheidern. Aktuell läuft außerdem ein Pilotprojekt in
Niedersachsen, das den Nutzen der Cholesterinwert-Messung bei Kindern
spätestens im Alter von fünf Jahren noch weiter statistisch und
einwandfrei belegen soll. An der Umsetzung der Studie beteiligt sich unter
anderem die Deutsche Herzstiftung. Prof. Dr. Thomas Voigtländer,
Vorstandsvorsitzender der Herzstiftung: „Wir unterstützen dieses Projekt,
weil wir mit Hilfe eines solchen Screenings in der Bevölkerung effektiv
Risikopersonen erfassen können, noch bevor es zum vollständigen
Gefäßverschluss in Form eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls kommt. Bei
früher Diagnose und konsequenter Behandlung lässt sich dieses Risiko auf
das Normalmaß senken.“

Was kann man selbst tun, wenn man Familiäre Hypercholesterinämie hat?

Wie bei den allermeisten Herzkrankheiten sind ausreichend Bewegung und
Sport sowie eine gesunde Ernährung das Beste, was man zur Vorbeugung
machen kann. Dennoch reicht das bei dieser Stoffwechselkrankheit nicht
aus. Um eine ausreichende Senkung des Cholesterinspiegels zu erreichen,
ist eine frühzeitige und dauerhafte Therapie notwendig. Dies setzt jedoch
auch eine frühzeitige Diagnose bereits im Kleinkindesalter voraus.
Ein breites Informationsangebot zu diesen und anderen Herzkrankheiten,
sowie Tipps zur Vorsorge gibt es auf Herzstiftung.de und dem neuen
Internetportal der Nationalen Herz-Allianz Herzmedizin.de.

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Über die Nationale Herz-Allianz:
Die Nationale Herz-Allianz ist ein breites Bündnis, in dem sich alle
großen herzmedizinischen Fachgesellschaften Deutschlands und die
Patientenvertretung zusammen für eine Verbesserung von Forschung und
Versorgung im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen engagieren. Sie
steht seit 2022 unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für
Gesundheit. Mehr Informationen unter www.Herzmedizin.de.

Über die DGK:
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung
e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich
medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 12.000 Mitgliedern. Sie ist die
älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die
Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären
Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und
Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere
Informationen für Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Fachpersonal,
aber auch für Nicht-Mediziner:innen stellt die DGK auf den Seiten ihres
neuen Portals www.Herzmedizin.de zur Verfügung.

Über die DGPK:
Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene
Herzfehler e.V. ist eine gemeinnützige medizinische Fachgesellschaft mit
dem Ziel der Förderung von Wissenschaft, Diagnostik und Therapie sowie der
Prävention von angeborenen und erworbenen Herz- und Kreislauferkrankungen
im Kindes- und Jugendalter. Sie nimmt Belange der Lehre (Ausbildung, Fort-
und Weiterbildung) sowie die Erstellung von Leitlinien wahr.

Über die Deutsche Herzstiftung:
Die Deutsche Herzstiftung e. V. ist die größte gemeinnützige und
unabhängige Anlaufstelle für Patient:innen und Interessierte im Bereich
der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland. Zu den Hauptaufgaben der
Herzstiftung gehört es, Patienten in unabhängiger Weise über Herz-
Kreislauf-Erkrankungen, deren Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und
Therapiemöglichkeiten aufzuklären. Bekannt ist die Herzstiftung außerdem
durch ihre bundesweiten Aufklärungskampagnen und als wichtige
Förderinstitution in der Herz-Kreislauf-Forschung. Die hohe Qualität ihrer
Informationsangebote beruht nicht zuletzt auf der Expertise der rund 500
Herzspezialist:innen im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung. Zur
Herzstiftungs-Homepage: www.herzstiftung.de

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