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Transformationsnetzwerk TeamMit bringt erstmals mittelhessische Automobil- Zulieferer zusammen

Diese Transformation ist anders. Komplexer, schneller, tiefgreifender.“
Thomas Schäfer, Vorstand VW

Knapp sechs Monate ist die TeamMit-Kick-Off-Veranstaltung vergangen. Jetzt
trafen sich 150 Gäste bei einem Live-Event für Zulieferbetriebe der
Automobilindustrie in Mittelhessen. Dort erhielten sie einen komprimierten
Überblick über die vielfältigen TeamMit-Aktivitäten und exklusive
Einblicke in die Welt der Automobilhersteller und deren Zulieferer.
Highlight war der Impulsvortrag durch VW-Vorstand Thomas Schäfer. Die
Gäste im Marburger Congresszentrum nutzten die Gelegenheit, Vertreterinnen
und Vertreter anderer Unternehmen zu treffen und das eigene Netzwerk
auszubauen.

Engagement für mittelhessische Automobil-Zulieferer

Der Umstieg auf E-Fahrzeuge, die zunehmende Digitalisierung und die
Einhaltung von Nachhaltigkeitszielen stellen Automobilhersteller und
-zulieferer vor immer größere Aufgaben. Das vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderte Projekt TeamMit unterstützt
mittelhessische Automobilzulieferer im Strukturwandel. Zum TeamMit-
Konsortium gehören das Regionalmanagement Mittelhessen, das
CompetenceCenter Duale Hochschulstudien - StudiumPlus (CCD), die TransMIT
Gesellschaft für Technologietransfer und die Philipps-Universität Marburg
(UMR). Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer und
Aufsichtsratsvorsitzender des Regionalmanagements Mittelhessen und der
Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spieß stimmten die Gäste mit ihren
Grußworten auf die Veranstaltung ein.

Erste Zwischenbilanz der TeamMit-Partner

Die Universität Marburg, vertreten durch Prof. Dr. Dr. Thomas Brenner, hat
erste Unternehmensbefragungen durchgeführt und ausgewertet. Für die
TransMIT GmbH berichtete Niklas Günther von intensiven Gesprächen mit
vielen Unternehmen und einem ersten Technologie-Workshop. Prof. Dr.-Ing.
Jens Minnert erläuterte, dass das CCD aktuell den konkreten Bedarf der
Unternehmen analysiere und an benötigten Studiengängen und -inhalte sowie
Qualifizierungsmaßnahmen arbeite. Für das Regionalmanagement berichtete
Jens Ihle über die Öffentlichkeitsarbeit rund um das Event und den Aufbau
eines mit 600 Followern reichweitenstarken Netzwerkes auf LinkedIn. Den
Projektpartnern war es wichtig, die Branche zu animieren, ihre
Anforderungen persönlich und im Rahmen der Befragung zu formulieren. „Wir
brauchen ihre Antworten, um entsprechende Formate und Angebote zu
entwickeln.“, appellierte Christian Schreier, Geschäftsführer des
CompetenceCenters Duale Hochschulstudien – StudiumPlus. Ziel der TeamMit-
Partner sei, passgenaue Kooperationsangebote für Technologie und
Qualifikation zu entwickeln, um die Transformation in Mittelhessen zu
meistern.

Hochinformative Key-Note von Thomas Schäfer (VW)

Thomas Schäfer ist im Marburger Raum geboren und CEO der Marke Volkswagen
PKW, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG sowie Leiter der
Markengruppe Volumen. Er ist aktuell für mehr als 250.000 Mitarbeitende an
28 Standorten weltweit verantwortlich. In seiner Key-Note betonte er seine
Freude, das TeamMit-Netzwerk und damit die Region unterstützen zu können.
Anschließend stellte er die Transformation aus der Sicht eines der
weltweit größten Automobilherstellers dar. „Ich bin nun seit rund 30
Jahren in der Automobilindustrie beschäftigt. In dieser Zeit habe ich
viele schwierige Situationen und Herausforderungen erlebt. Diese
Transformation ist anders. Komplexer, schneller, tiefgreifender. Wir haben
jetzt die einmalige Chance, VW erfolgreich durch diese Transformation zu
steuern und langfristig zukunftsfest aufzustellen.“ Dafür brauche es auch
engagierte und innovative Zulieferbetriebe, wie in Mittelhessen, die in
den letzten Jahren die Patentanmeldungen alleine im Bereich E-Mobilität
versechsfacht hätten.

Unternehmen diskutieren Transformation aus ihrer Sicht

Im zweiten Gesprächspanel kamen Unternehmensvertreter aus Mittelhessen zu
Wort. Das in Ehringshausen ansässige Familienunternehmen Küster
beschäftigt aktuell 3.500 Mitarbeitende. Alexander Küster, Head of
Strategic Controlling, berichtete über die Herausforderung, die
Transformation in einer ohnehin anspruchsvollen Zeit meistern zu müssen.
Er betonte, dass es wichtig sei, sich eng mit Fahrzeugherstellern
abzustimmen, um in die richtige Richtung entwickeln zu können. Der
Dillenburger Spezialist für Rohr- und Schlauchleitungssysteme COHLINE
beschäftigt aktuell rund 1.000 Mitarbeitende. Alexander Eckhardt,
Geschäftsführer Technik, schilderte den erforderlichen Spagat, auf der
einen Seite neue Produkte zu entwickeln, auf der anderen Seite das
bestehende Geschäft nicht zu vernachlässigen. Sabine Fremerey rundete das
Diskussionspanel ab. Als Geschäftsführende Gesellschafterin bei Auto-
Müller in Hüttenberg steht sie für 120 Mitarbeitende. In ihrem Beitrag
wies sie auf die enormen Umstellungen hin, die ihr Unternehmen durch
Elektroautos, die zunehmende Digitalisierung und die Verlagerung des
Geschäftes ins Internet zu bewältigen habe. Alle drei Unternehmen machten
klar, dass sie auf der einen Seite selbstbewusst in die dynamische Zeit
steuern, sich aber andererseits mehr Planungssicherheit von den
Fahrzeugherstellern erhoffen.

Offene Fragerunde mit kritischen Anmerkungen

Nach der von Prof. Dr. Michael Stephan, Philipps-Universität Marburg
(UMR), moderierten Gesprächsrunde, an der sich auch Thomas Schäfer
beteiligte, gab es Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum. Hier merkte
Tobias Gnizer, Geschäftsleitung der Licher Firma BRANOpac an, dass den
Fahrzeugherstellern zuweilen die notwendige Offenheit für innovative
Produkte fehle. Diesen Gedanken griff Thomas Schäfer sofort auf und bot
ein Gespräch im Anschluss an. Matthias Körner, Geschäftsführer des DGB
Mittelhessen, appellierte an Unternehmen und Anwesende, die Mitarbeitenden
direkter an der Transformation zu beteiligen und deren Interessen und
Anforderungen frühzeitig einzubinden.

Intensives Netzwerken auf höchstem Niveau

Carsten Jens, Moderator beim Hessischen Rundfunk, führte souverän durch
die Veranstaltung und lud die Anwesenden im Anschluss an die Diskussion
zum Netzwerken ein. Davon machten viele der Gäste intensiv Gebrauch. Es
wurden neue Netzwerke geknüpft und bestehende Kontakte gepflegt. Bis weit
nach 22 Uhr standen Vertreterinnen und Vertreter der Unternehmen und
Organisationen zusammen und diskutierten die vielfältigen Aspekte der
Transformation „Genau so haben wir uns das gewünscht,“ resümiert Jens
Ihle, Geschäftsführer vom Regionalmanagement Mittelhessen, zufrieden. „Wir
freuen uns, dass wir so viele Unternehmen hier zusammenbringen konnten.
Alle, die bisher noch keinen Kontakt zu TeamMit haben, laden wir ein, das
schnellstmöglich nachzuholen. Wir haben Ihnen wirklich viel zu bieten.
Infos gibt’s auf unserer Website www.teammit.net oder über unseren
LinkedIn Kanal. Wir freuen uns darauf!"

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Neue Bachelorstudiengänge „Informatik“ und „Data Science“ an der Universität Regensburg

An der Fakultät für Informatik und Data Science (kurz: FIDS) der
Universität Regensburg starten zum Wintersemester 2023/24 die beiden neuen
Bachelorstudiengänge „Informatik“ und „Data Science“. Eine Einschreibung
in die Studiengänge ist bis zum 30. September möglich. Die neuen
B.Sc.-Studiengänge verbinden innovative Lehrkonzepte mit Zukunftsthemen
wie Künstliche Intelligenz, Cyber-Sicherheit und Bioinformatik.
Studieninteressierte können ihre Fragen zu den neuen Studiengängen im
Vorfeld klären. Hierfür lädt die FIDS am 12. Juli,17. August und 4.
September zu virtuellen Informationsveranstaltungen ein.

Der neue Bachelorstudiengang „Informatik“ an der Universität Regensburg
ermöglicht zukünftigen Studierenden eine breite Informatik-Ausbildung, die
alle Kerngebiete des Faches abdeckt. „Unser Studiengang bietet neben der
allgemeinen Informatik-Ausbildung vier Besonderheiten“, erklärt
Professorin Juliane Krämer, Studiendekanin der FIDS und federführend in
der Entwicklung des Studiengangs. „Wir vermitteln Zukunftsthemen – von
Künstlicher Intelligenz bis Cyber-Security. Die hierfür nötigen
Mathematikkenntnisse erhalten unsere Studierenden in exakt zugeschnittenen
Lehrveranstaltungen.“ Daneben erwartet Informatik-Studenten und
-Studentinnen an der Universität Regensburg eine große Wahlfreiheit.
„Unsere Studierenden können dort Schwerpunkte setzen, wo ihre Interessen
liegen“, berichtet Professorin Krämer stolz. „Mehr als ein Semester des
Studiums können frei ausgestaltet werden.“ Zudem will der neue Studiengang
seinen Studierenden den Weg zu einem erfolgreichen Berufseinstieg
erleichtern: „Wir vermitteln neben Informatik-Inhalten
Schlüsselkompetenzen wie Team- und Zeitmanagement, die entscheidend sind
für eine aussichtsreiche Karriere.“

Zeitgleich mit dem Informatik-Studiengang startet der Bachelorstudiengang
„Data Science“. Data, also Daten, sind allgegenwärtig in unserer modernen
Gesellschaft: Patientendaten, Produktionsdaten in der Industrie und
Kundendaten im Online-Shopping sind einige Beispiele. Der neue Studiengang
„Data Science“ wird der immer größer werdenden Nachfrage nach Fachkräften
gerecht, die es verstehen, diese immensen Datenmengen zu zähmen und
nutzbar zu machen. „Data Science ist kein kurzlebiger Trend“, betont
Rainer Spang, Professor für Bioinformatik und Vorsitzender bei der
Entwicklung des Regensburger Data-Science-Studiengangs. „Data Science ist
eine unabdingbare Konsequenz einer computerbasierten Gesellschaft. Unsere
Gesellschaft ist in allen Bereichen angewiesen auf Data-Science-
Absolventen und -Absolventinnen – egal ob in der Medizin, im Marketing, in
der Polizeiarbeit, im Maschinenbau oder in den Naturwissenschaften.“

Der Bachelorstudiengang „Data Science“ an der Universität Regensburg setzt
dabei auf dasselbe innovative Lehrkonzept wie der neue Informatik-
Studiengang: Zukunftsthemen von Big Data über Bioinformatik bis
Künstlicher Intelligenz, passgenaue Mathematik-Kurse, hohe Wahlfreiheit
und die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen für einen erfolgreichen
Berufseinstieg.

Glänzende Berufsaussichten

„Absolventinnen und Absolventen von Informatik- und Data Science-
Studiengängen können sich auf glänzende Berufsaussichten freuen“,
erläutert Professor Christian Wolff, Dekan der FIDS. „Unsere Studierenden
werden nach ihrem Abschluss in nahezu allen Branchen gefragt sein –
national wie international.“ Als Arbeitgeber kommen sowohl Unternehmen als
auch Regierungsbehörden und Forschungseinrichtungen infrage. Beispielhafte
Berufe sind Programmiererin, App-Entwickler, Systemadministrator, IT-
Beraterin, Game-Designer, IT-Projektmanagerin, Data-Analyst und IT-
Sicherheitsberater.
Neben den positiven Berufsaussichten hebt der Dekan der FIDS auch das
attraktive Studienumfeld hervor, in das die neuen Bachelorstudiengänge
„Informatik“ und „Data Science“ eingebettet sind. „Es gibt zahlreiche
Gründe für Studieninteressierte zu uns nach Regensburg zu kommen, an die
Universität und insbesondere an die FIDS“, schwärmt Professor Wolff. Die
FIDS setzt zum Beispiel auf forschungsbasierte Lehre und legt großen Wert
darauf, Studierende bereits frühzeitig aktiv in die Forschung
einzubeziehen. Darüber hinaus engagiert sich die Fakultät dafür,
Wissenschaft und Industrie näher zusammenzubringen. So hat Professor Udo
Kruschwitz, Experte im Bereich Sprachverarbeitung und FIDS-Mitglied, die
Veranstaltungsreihe „Data Science @ Regensburg“ ins Leben gerufen.

Attraktives Studienumfeld

Dort finden regelmäßig Vorträge von nationalen und internationalen
Fachleuten aus Wissenschaft und Industrie (z. B. Netflix, Amazon oder
Spotify) statt. „‚Data Science @ Regensburg‘ bietet unseren Studierenden
eine sehr gute Gelegenheit, erste Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen“,
berichtet Professor Kruschwitz. Außerhalb der FIDS steht Studierenden an
der Universität Regensburg ein reges Kulturleben zur Verfügung – mit
zahlreichen Musik- und Theatergruppen, Sportaktivitäten sowie einem
Radiosender von und für Studierende. Jenseits der Universität kann
schließlich Regensburg erkundet werden. Dessen historische Altstadt gehört
zum UNESCO-Welterbe. Der Dekan der FIDS weiß aus seiner langjährigen
Erfahrung als Hochschullehrer jedoch, was Studierende besonders an
Regensburg schätzen: „Unsere Studierenden begeistern sich für die
idyllischen Biergärten, die hohe Kneipendichte und nicht zuletzt für die
KI-affine Unternehmenslandschaft.“ Letztere bietet Regensburger
Studierenden begehrte Praktika und Nebenjobs.

Informationsveranstaltungen für Studieninteressierte zu den neuen
Bachelorstudiengängen „Informatik“ und „Data Science“ an der Universität
Regensburg finden an folgenen Terminen statt:

Mittwoch, 12. Juli 2023, 17 Uhr, https://go.ur.de/zoom-
infoveranstaltung1-fids
Donnerstag, 17. August 2023, 16 Uhr, https://go.ur.de/zoom-
infoveranstaltung2-fids
Montag,  4. September 2023, 16 Uhr, https://go.ur.de/zoom-
infoveranstaltung3-fids

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CircEl-Paper: Recycelbare Elektronik auf Papierbasis

Jährlich fallen in der Europäischen Union (EU) Milliarden Tonnen
Elektroschrott an. Mit einem neuartigen Ansatz könnte das neue EU-Projekt
"CircEl-Paper" den Recyclingprozess für Elektronik in Zukunft nachhaltig
verbessern.

Elektronik, die in herkömmlichen Papierrecyclingverfahren entsorgt und
sogar recycelt werden kann? Genau das ist das Ziel des EU-Projekts CircEl-
Paper. Dafür werden funktionale Leiterplatten auf der Basis von
Papiertechnologie entwickelt. Schon seit Jahren besteht großes Interesse
an einer Lösung, die eine nachhaltige und kosteneffiziente
Kreislaufwirtschaft auch für die Elektronik ermöglicht. Forschungsansätze
dazu gab es bereits, doch bisher wurde das noch nicht für komplexe Geräte
und in einem großen komplementären Konsortium, das den kompletten
Produktionsprozess abbilden kann, untersucht. Wenn der gesamte
Lebenszyklus einer Leiterplatte berücksichtigt wird, kann das Projekt
enorm positive Auswirkungen haben.
Das Recycling im Allgemeinen ist – zumindest in der EU – bereits gut
etabliert, insbesondere für Papier. Beim Recycling von Elektroschrott gibt
es jedoch noch erhebliche Defizite: Von den 12 Millionen Tonnen
Elektroschrott, die 2019 in Europa anfielen, wurden nur 42 Prozent
ordnungsgemäß gesammelt und recycelt, wie unter anderem aus den Berichten
des Weltwirtschaftsforums hervorgeht. Weltweit wurden sogar 53 Millionen
Tonnen produziert und nur etwa 17 Prozent des Abfalls wurden nachweislich
gesammelt und ordnungsgemäß entsorgt, so der Global E-Waste Monitor 2020
[1]. Und selbst wenn Elektroschrott im Recyclingprozess landet, gibt es
noch ein weiteres Problem: In fast allen elektronischen Produkten sind
elektronische Leiterplatten (PCBs) verbaut, die Sensoren, Chips,
Kondensatoren, Widerstände und mehr enthalten. Diese Leiterplatten
bestehen aus einem Glasfaser-verstärkten Kunststoff, kupferbasierten
Schaltkreisen und verschiedenen Metallen.  Da die Leiterplatten aus so
vielen verschiedenen Materialien bestehen, ist ein vollständiges Recycling
sehr komplex und teuer.
Das von den Verbrauchern am besten akzeptierte Recyclingverfahren findet
sich beim Altpapier. Es ist auch eines der bewährtesten
Recyclingverfahren. Um die Recyclingquote von elektronischen Bauteilen zu
erhöhen, ist daher der Weg über das Papierrecycling am
vielversprechendsten. Ziel des Projekts CircEl-Paper ist es,
herauszufinden, ob und wie dies möglich ist, ohne die Leistung der
Elektronik zu beeinträchtigen.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu recycelbaren Leiterplatten ist der
Ersatz des weit verbreiteten Glasfaser-Polymer-Verbundmaterials FR4 durch
ein Papiersubstrat. Für den ökologischen Fußabdruck würde dies eine
Reduzierung der CO2-Äquivalente um bis zu 60 Prozent bedeuten. In einem
vor zwei Jahren abgeschlossenen EU-Projekt wurden Papiere, Druckverfahren
und verschiedene Funktionsmaterialien identifiziert, die sich für die
Herstellung von gedruckter Sensorik auf Papiersubstraten auch in größerer
Menge eignen. Das neue Projekt CircEl-Paper geht hier einen großen Schritt
weiter, sowohl was die Anwendungsmöglichkeiten als auch was die
Betrachtung des gesamten Prozesses betrifft. Um die
Leiterplattentechnologie in die Kreislaufwirtschaft zu überführen, wird
jeder einzelne Prozessschritt untersucht. Darüber hinaus werden
alternative Ansätze entwickelt, um den Anteil an Materialien zu erhöhen,
die recycelbar, biobasiert, auf Sekundärrohstoffen basierend oder
zumindest unbedenklich für die Umwelt sind.
Anhand von drei Anwendungsfällen aus den Bereichen Medizin, Logistik und
Unterhaltungselektronik demonstriert das CircEl-Paper-Projektteam die
vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der papierbasierten
Leiterplattentechnologie: Ein medizinischer Sensor zur Messung des
Blutzuckerspiegels auf der Haut, eine Verpackung mit integriertem Zeit-
Temperatur-Indikator (TTI) oder Grußkarten, die Musik abspielen,
veranschaulichen die Leistungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der
Technologie.
Das internationale Konsortium, das seit September 2022 an dem Projekt
arbeitet, deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab. Beteiligt sind
namhafte Forschungseinrichtungen, akademische Partner und
Produktionsunternehmen: das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung als
Projektkoordinator, die Joanneum Research GmbH in Österreich, das
schwedische Forschungsinstitut RISE, der italienisch-französische
Papierhersteller Fedrigoni, der französische Druckfarbenhersteller VFP Ink
Technologies, der Leiterplattenhersteller Malmö Mönsterkort (MMAB Group
AB) in Schweden sowie Grenoble INP, Graduate schools of Engineering and
Management, University Grenoble Alpes.

Kurzinformation zum Projekt
Das Projekt CircEl-Paper - Circular Economy Applied To Electronic Printed
Circuit Boards Based On Paper - wird von der Europäischen Union
finanziert.
Fördernummer: 101070114
Themen-ID: HORIZON-CL4-2021-DIGITAL-EMERGING-01-31
Beitrag zur Entwicklung neuer Konzepte, Designs und Technologien in der
Elektronik, um Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit zu unterstützen und
zu ermöglichen.
Weitere Informationen unter https://circel-paper.eu

[1] Global e-waste monitor, veröffentlicht 2020,
https://www.itu.int/en/ITU-D/Environment/Pages/Spotlight/Global-Ewaste-
Monitor-2020.aspx

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Ganzheitliches 10-Wochen-Programm: Individuelle Strategien zur Schmerzbewältigung erlernen

Der Körper ist wieder gesund, der Schmerz bleibt. Wenn Schmerzen über
Monate oder gar Jahre hinweg nicht verschwinden, obwohl sich keine
körperliche Ursache mehr finden lässt, spricht man in der Medizin von
chronischen Schmerzen. Der verselbstständigte Schmerz kann die Betroffenen
erheblich belasten und ist mittlerweile als Krankheitsbild anerkannt.
Während den Beschwerden therapeutisch immer besser begegnet werden kann,
gibt es nach wie vor kaum vorbeugende Angebote, mit denen eine
Chronifizierung verhindert werden könnte. Mit dem Projekt „PAIN2.0“
evaluiert die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. nun ein
interdisziplinäres 10-Wochen-Programm, das diese Präventionslücke
schließen soll.

Warum werden die einen nach einem Unfall, einer Operation oder einem
„Hexenschuss“ wieder gesund, während andere ihre Schmerzen auch lange nach
der Heilungsphase einfach nicht loswerden? In der Medizin werden diese
Unterschiede heute mithilfe des biopsychosozialen Modells erklärt. „Wie
der Name es bereits andeutet, geht man davon aus, dass verschiedene
Faktoren zusammenwirken müssen, damit Schmerzen chronisch werden“, sagt
Dr. rer. nat. Anne Gärtner, Diplom-Psychologin und Psychologische
Psychotherapeutin an der TU Dresden. Neben einer biologischen Ursache –
etwa einem Knochenbruch, der die Schmerzen in der Akutphase ausgelöst hat
– tragen demnach auch psychische und soziale Faktoren dazu bei, dass die
Beschwerden über eine unangemessen lange Zeit bestehen bleiben. So ist das
Chronifizierungsrisiko etwa bei Menschen besonders hoch, die sich durch
ihre Schmerzen stark im Alltag beeinträchtigt fühlen, die ausgeprägtes
Vermeidungsverhalten entwickeln, Anzeichen für eine Depression zeigen oder
ihre Beschwerden katastrophisieren. Auch soziale Faktoren wie beruflicher
Stress oder familiäre Belastungen können zu einer Chronifizierung
beitragen.

Das von der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. in Zusammenarbeit mit der
BARMER entwickelte interdisziplinäre Präventionsprogramm PAIN2.0 setzt
daher bereits dann an, wenn erste Anzeichen für diese Risikofaktoren
auftreten. Das ambulante Programm, das bundesweit angeboten wird, dauert
insgesamt 10 Wochen und umfasst 3 Stunden Gruppentherapie pro Woche, die
nachmittags stattfinden, sowie ergänzende Einzelsitzungen. „PAIN2.0 ist
vom Umfang her bewusst so gestaltet, dass es berufs- und alltagsbegleitend
genutzt werden kann“, sagt Gärtner, die neben Privatdozentin Dr.  rer.
nat. Dipl.-Psych. Ulrike Kaiser (UKSH Lübeck) die wissenschaftliche
Projektleitung am USC - UniversitätsSchmerzCentrum Dresden innehat.

Im Rahmen des Präventionsprogramms erlernen die Teilnehmenden individuelle
Strategien zur Schmerzbewältigung und aktive Übungen, über die sie
letztlich zu einem veränderten Schmerz- und Belastungsverhalten im Alltag
finden sollen. „Die Teilnehmenden müssen ihren Schmerz verstehen, deshalb
ist auch eine ausführliche Edukation zu schmerzbezogenen Themen ein
wichtiger Bestandteil des Programms“, so Gärtner. Das Besondere dabei ist,
dass die Therapie von allen beteiligten Berufsgruppen – den ärztlichen,
psychologischen und physiotherapeutischen – gleichberechtigt gestaltet
wird. Eine begleitende Studie soll klären, wie effektiv dieser neue Ansatz
einer Chronifizierung entgegenwirken kann. Um teilnehmen zu können, müssen
die Betroffenen volljährig sein, und ihre Beschwerden müssen seit mehr als
6 Wochen bestehen oder über einen längeren Zeitraum immer wieder
aufgetreten sein.

Eine interdisziplinäre, multimodale Therapie ist in Deutschland noch nicht
oft genug für die Betroffenen verfügbar – aus Sicht der selbst
schmerzerkrankten Heike Norda einer der Gründe dafür, dass die Behandlung
chronischer Schmerzen oft in falschen Bahnen verläuft. „Betroffene werden
vom Hausarzt zur Physiotherapie, dann in die Orthopädie und häufig erst
nach invasiven Therapieversuchen zum Schmerztherapeuten geschickt“, sagt
die Vorsitzende der Patientenvereinigung UVSD SchmerzLOS e. V. in
Neumünster, die auf der Pressekonferenz aus der Perspektive der
Betroffenen über das Thema berichten wird. Nach der Überweisung seien
Wartezeiten von bis zu 12 Monaten auf den Ersttermin in der
Schmerztherapie eher die Regel als die Ausnahme. Der Verein setzt sich
daher für eine sektorenübergreifende Behandlung, eine Verkürzung von
Wartezeiten auf höchstens 4 Wochen und die Abschaffung finanzieller
Anreize für invasive Maßnahmen ein. Diese sollten den Gesprächsleistungen,
die im Rahmen der Schmerztherapie zielführender und zur Früherkennung von
Chronifizierungsrisiken notwendig seien, gleichgestellt werden.

Zu den Forderungen von SchmerzLOS e.V. zählt auch eine strukturierte
Aufklärung der Betroffenen über das biopsychosoziale Modell, wie sie im
Rahmen von PAIN2.0 stattfindet. „Nur wer die Krankheitsfaktoren kennt und
seine Krankheit als solche akzeptiert, kann aktiv an der Behandlung
mitwirken“, betont Norda. Auch im sozialen Umfeld und in der Gesellschaft
als Ganzes tue Aufklärung Not – denn auch heute noch werden viele
Schmerzpatient*innen mit dem Vorwurf konfrontiert, sich gehen zu lassen
oder gar zu simulieren. „Dieses Unverständnis ist besonders belastend und
für die Heilung kontraproduktiv“, sagt Norda. Auch aus diesem Grund wird
der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe meist als
äußerst hilfreich empfunden – ein wichtiger Baustein der Schmerztherapie,
den nach Nordas Erfahrung noch immer viel zu wenige Behandelnde ihren
Patient*innen empfehlen.

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