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Wer von den Möglichkeiten profitiert, die KI bietet

Die KI-Forscherin und Psychologin Prof'in Dr. Joanna Bryson von der Hertie School spricht in ihrem Vortrag auch darüber, wie durch Künstliche Intelligenz die Handlungsmöglichkeiten von Menschen gefährdet werden können.  Maurice Weiss  Hertie School Berlin
Die KI-Forscherin und Psychologin Prof'in Dr. Joanna Bryson von der Hertie School spricht in ihrem Vortrag auch darüber, wie durch Künstliche Intelligenz die Handlungsmöglichkeiten von Menschen gefährdet werden können. Maurice Weiss Hertie School Berlin

Künstliche Intelligenz (KI) wirkt vielfach in den Alltag hinein. Doch wie
transparent sind KI-Systeme und wie werden Unternehmen kontrolliert, die
sie produzieren? Damit befasst sich Professorin Dr. Joanna Bryson von der
Hertie School in Berlin. Einblicke in ihre Forschung  gibt die Expertin
für Ethik und Technologie am Donnerstag, 20. April, ab 16 Uhr, in einem
hybriden Vortrag via Zoom und in Präsenz im CITEC-Gebäude der Universität
Bielefeld (Raum 1.204). Die Veranstaltung gehört zu der Reihe „Co-
Constructing Intelligence“ (Ko-Konstruktion von Intelligenz), einem
Angebot der Universitäten Bielefeld, Bremen und Paderborn.

Die Teilnahme an dem englischen Vortrag ist kostenlos. Eine Anmeldung ist
nicht erforderlich. „Künstliche Intelligenz bietet uns ein Bündel an
Techniken, die die Fähigkeit fördern, uns in den neu entstandenen
Informationsräumen zurechtzufinden. Entstanden sind diese Räume durch
erhebliche Verbesserungen der digitalen Verfahren und Infrastrukturen“,
sagt Joanna Bryson. „Doch wer profitiert von den neuen Möglichkeiten, die
Daten in den digitalen Informationsräumen auszuwerten? Und was ist der
Preis dafür?“

Bryson stellt in ihrem Vortrag ihre jüngste Forschung zu der Frage vor,
wie transparent und nachvollziehbar KI-Systeme sind. Ebenfalls spricht sie
über ihre Untersuchungen zur Governance der Firmen und weiteren
Organisationen, die KI-Systeme produzieren. In ihrem Vortrag geht Bryson
auch auf länderübergreifende Dynamiken ein, „die unsere Handlungsfähigkeit
möglicherweise verschleiern oder sogar gefährden“.  Darüber hinaus
erörtert sie, wie die Verpflichtungen zur KI-Transparenz und
Menschenzentriertheit umgesetzt werden können, wie sie in der UNESCO-
Empfehlung zur Ethik Künstlicher Intelligenz weltweit vereinbart wurden.
Bryson hat eine klare Haltung mit Blick auf die Anwendung von Ethik auf
KI. Ethik und Verantwortung sind ihr zufolge nur für Beziehungen zwischen
Gleichgestellten sinnvoll. KI-Systeme sind jedoch menschengemacht und
damit sind sie laut Bryson als Artefakte nicht den Menschen
gleichgestellt.

„Bryson gehört zu den international einflussreichen Expert*innen in Fragen
der digitalen Ethik“, sagt Professor Dr. Philipp Cimiano, Leiter der
Gruppe Semantische Datenbanken an der Universität Bielefeld. „Ihre
Forschung macht deutlich, dass KI-Systeme nachvollziehbar machen müssen,
wie sie entscheiden. Erst dann können sie Nutzer*innen mit ihnen
gewissermaßen eine gemeinsame Wellenlänge finden. Sind Maschinen
intransparent, besteht die Gefahr, dass die Unternehmen, die sie
herstellen, die Nutzer*innen bewusst oder unbewusst manipulieren. Das kann
zum Beispiel dazu führen, dass Verbraucher*innen zu impulsiven Käufen
ermuntert werden.“

Auswirkungen der Technologie auf menschliche Zusammenarbeit
Joanna Bryson ist Professorin für Ethik und Technologie an der privaten
Hertie School in Berlin. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die
Governance von Künstlicher Intelligenz und Informations- und
Kommunikationstechnik. Weiterer Schwerpunkt sind Auswirkungen der
Technologie auf menschliche Zusammenarbeit. 1998 veröffentlichte sie ihr
Buch „Just Another Artifact“ zu Künstlicher Intelligenz und Ethik. 2010
war sie Mitautorin der „UK Principles of Robotics“, der ersten nationalen
Ethikrichtlinie zur Künstlichen Intelligenz in Großbritannien. Bryson hat
Abschlüsse in Psychologie und Künstlicher Intelligenz von der University
of Chicago, der University of Edinburgh und dem Massachusetts Institute of
Technology, an dem sie ihre Dissertation abschloss. Von 2002 bis 2019
gehörte sie der Informatik-Fakultät der University of Bath in
Großbritannien an. Sie hat mit der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), den Vereinten Nationen und dem
Roten Kreuz an Richtlinien für Künstliche Intelligenz gearbeitet. Seit
Juli 2020 ist Bryson eine von neun Expert*innen, die von Deutschland für
den Initiative „Global Partnership on Artificial Intelligence“ (GPAI)
nominiert wurden.

Fragen der digitalen Ethik
Der Vortrag trägt den Titel „Principle Agents of AI – With Whom Do We
CoCreate?“ (Hauptakteure der KI – mit wem gestalten wir gemeinsam). Er ist
Teil der Reihe „Co-Constructing Intelligence“. Der Begriff Ko-Konstruktion
bezieht sich darauf, dass die Interpretation der Umwelt und die
Durchführung von Handlungen in Zusammenarbeit stattfinden. Das geschieht
auf natürliche Weise, wenn beispielsweise Kinder mit Unterstützung und
unter Anleitung ihrer Eltern Aufgaben im Haushalt erledigen. Mit
Servicerobotern und anderen technischen Systemen ist so eine natürliche
Interaktion bislang jedoch nicht möglich.

Vortragsreihe ist aus Forschungsinitiative hervorgegangen
Für die Vortragsreihe kooperieren die Universitäten Bielefeld, Bremen und
Paderborn. Philipp Cimiano organisiert die neue Vortragsreihe unter
anderem mit der Bielefelder Informatikerin Professorin Dr.-Ing. Britta
Wrede, dem Bremer Informatiker Professor Dr. Michael Beetz und der
Paderborner Linguistin Professorin Dr. Katharina Rohlfing. Die
Vortragsreihe ist ein Angebot einer gemeinsamen Forschungsinitiative der
drei Universitäten. Der Zusammenschluss nutzt das Prinzip der Ko-
Konstruktion, um das Verständnis und die Fähigkeiten von Robotern an die
von Menschen anzupassen. Die Forschenden arbeiten so an der Basis für eine
flexible und sinnhafte Interaktion von Robotern mit Menschen im Alltag.

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Unsere Reise – wohin? von Anna Rybinski

BB Our Journey Liza Voll Photography

Ballettabend mit Weltpremiere  der Boston Ballet Company am 6. April 2023Our journey  – Unter diesem Titel brachte das renommierte Boston Ballet seine neue Produktion heraus – eine seiner teuersten und aufwendigsten überhaupt.  Nicht nur das Ensemble von 69 Tänzern und das hauseigene Orchester waren im Einsatz, auch eine Multimedia Show mit Lichtregie, Soundtracks, Videokompositionen, und sogar ein Frauenchor trugen zum Gesamtergebnis bei. Mit diesem riesigen Apparat wollte Boston Ballet nicht nur Unterhaltung bieten: Brennende Umweltprobleme kamen auf und weckten düstere Vorahnungen. Ungewohnt von einer Ballettkompanie, die sich meistens der Schönheit und der märchenhaften Fantasiewelt verschreibt.

BB Our Journey Liza Voll Photography

Der Abend fing allerdings mit viel Lebensfreude an. Der erste Teil: Everywhere We Go, (Musik Sufjan Stevens, Choreografie Justin Peck) ist eine unterhaltsame, virtuose Parade in neun Szenen, die alle Register des weltberühmten Ensembles ziehen konnte. Die Musik wechselte zwischen romantischer Reminiszenz, jazzigen Einflüssen und Minimalismus: eine dankbare Partitur für abwechslungsreiche Szenen.  Die Trikots waren französisch angehaucht, und im Hintergrund wechselten sich ruhige Bilder von geometrischen Formen ab, die die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen nicht ablenkten.  Es war eine Augenweide.

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 Im zweiten Teil kam die mit Spannung erwartete Weltpremiere: die Choreografie von Nanine Linning zu Musik von Claude Debussy‘s La Mer. Der Komponist, der seine malenden Zeitgenossen, wie den französischen Monet, aber auch den Amerikaner Whistler und den Engländer Turner als Inspirationsquelle schätzte, konnte sich gar nicht darüber freuen, wenn man seine Musik impressionistisch nannte. Für uns unverständlich; wie könnte man seine schillernden, von Farben und Rhythmen vibrierenden Werke anders bezeichnen? „La Mer“ ist ein prächtiges Klanggemälde par excellence, mit allen möglichen Schattierungen der Orchestertöne ausgemalt – vom Meer inspiriert wie keine andere Komposition der Musikliteratur.Die drei Sätze wurden noch mit dem letzten Satz aus „Nocturnes“ (ebenfalls von Debussy) ergänzt: Die Sirenen. Die sinnvollste Ergänzung überhaupt, wenn es ums Meer geht! Die drei Sätze wurden noch mit dem letzten Satz aus „Nocturnes“ (ebenfalls von Debussy) ergänzt: Die Sirenen. So ergab sich in der Choreografie diese spezielle Reihenfolge:

    1. Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer
    1. Spiel der Wellen
    1. Die Sirenen (vom vorzüglichen Lorelei Ensemble gesungen)
    1. Dialog von Wind und Meer
BB Our Journey Liza Voll Photography

 Wir waren jedoch nicht gleich bei Debussy, als der zweite Teil anfing: Erst kamen allerlei Tiefseegeräusche und verlockende Sirenentöne. Boston Ballet wollte nämlich nach einer intensiven Zusammenarbeit mit der „Woods Hole Oceanographic Institution“ nicht nur die musikalischen und poetischen Aspekte der Meere vermitteln, sondern auch ihren Zustand und ihre Zukunft. Und die Letztere sieht ziemlich düster aus!  Der Komponist Yannis Kyriakides stellte zwischen die Debussy-Sätze eigene Sound-Kulissen als Verbindungelemente, die von verstörenden Tanzszenen begleitet wurden: Ausgerenkte Körperteile überall, gestrandete Fische, die verenden. Ölverschmierte Gestalten, kriechend, nach Luft ringend, die sich in die Fluten werfen, um die Sirenen zu erreichen.  Der Sirenengesang, die todbringende Verlockung der alten Griechen, ist in unseren Zeiten der Profit, der die Weltmeere verschmutzt, dem niemand widerstehen kann und wegen dem sich jeder freiwillig ins Verderben stürzt.  Während wir in himmlischer Musik schwelgten, erlitten die Fantasiefiguren Qualen und Tod.  Drastischer geht’s nicht!

BB Our Journey Liza Voll Photography

 Immersion ist das Modewort der Kulturszene. Das gewählte Thema von allen Seiten anzugehen, multikulturelle Erlebnisse zu bieten, ist fast Pflicht. BB hat es hierbei auf das höchste Niveau gebracht: Nicht nur unglaubliche, akrobatische Leistungen im Tanz, (es wäre unmöglich, alle Namen aufzuzählen!) aber auch atemberaubende, schwindelerregende Videoaufnahmen (Heleen Blanken), Lichtregie (zweimal Brandon Stirling Baker) und Kostüme in allen Meeres- und Hautfarben (Yuima Nakazato) bereicherten die Produktion.  Wir tauchten in eine bedrohliche Welt ein, mit allen Sinnen – aber es fiel uns schwer, soviel auf einmal aufzunehmen. Man hätte mehrmals hingehen müssen, um alles zu verstehen und zu verarbeiten. Sowohl mit Verstand als auch mit Emotionen.Das Boston Ballet Orchestra unter der Leitung von Mischa Santora brachte die schwierigen Partituren virtuos und farbenreich zum Gehör. Seine Musikerinnen und Musiker waren in den verschiedenen Musikstilen von Sufjan Stevens, und auch im impressionistischen Zauber von Claude Debussy ausgezeichnet.War es ein mutiger, ein wagemutiger Schritt vom Artistic Director Mikko Nissinen, diese Produktion zu ermöglichen? Er wollte mit Choreographin Nanine Linning den treuen Zuschauern, die klassisches Ballett lieben und unterstützen, nicht nur ausdrucksvollen Tanz, sondern auch den gefährlichen Zustand unserer Meere vor Augen führen. Das Bostoner Publikum ist sonst an Zeitgenössisches Ballett gewöhnt: Choreografien u.a. von William Forsythe, Jorma Elo, Jiří Kylián und John Cranco sind bei ihnen regelmässig im Programm und werden enthusiastisch aufgenommen. Our journey war jedoch mehr – es konfrontierte uns mit der bitteren Wahrheit in einem Kunsttempel, wohin wir eher aus den bitteren Wahrheiten des Lebens flüchten möchten. Ein Wegweiser in die Zukunft, dass wir uns nicht mehr hinter dem Begriff „Kunst“ verstecken können?

BB Our Journey Liza Voll Photography

Das prächtige 100-jährige Citizens Bank Opera House, wo keine Oper mehr gespielt wird, wo aber das Boston Ballet residieren kann, sucht seinesgleichen in den Staaten. Gebaut 1928, war es eines der zahllosen luxuriösen Vaudeville -Theaters, die damals im italienisch-französischen Stil entstanden. Die meisten wurden abgerissen, denn die Erneuerung erwies sich als zu kostspielig. Boston hat es dank grosszügiger Investoren geschafft, dieses Juwel mit einer umfangreichen Renovation im Jahr 2009 zu retten. Es ist der Stolz der Stadt. Hoffentlich bleibt es weiterhin erhalten – falls unsere Ozeane und mit ihnen auch wir überleben.Die „Woods Hole Oceanographic Institution“ strahlte in ihrer Schlussanalyse immerhin etwas Zuversicht aus. Vorausgesetzt, die Welt bessert sich. 

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Online-Tutorial von und mit Jugendlichen klärt über Depression auf

6% der Jugendlichen depressiv erkrankt – Jugendliche durch Pandemie
psychisch besonders betroffen – Jugendbeirat gestaltet Clips mit

Leipzig, 1.6.2023 ¬ Mit dem neuen kostenfreien Online-Tutorial „Alles
Gut?!“ klärt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
Schülerinnen und Schüler über Depression auf. In fünf kurzen Videoclips
erhalten Jugendliche unter www.deutsche-depressionshilfe.de/alles-gut die
wichtigsten Basisinformationen über die Erkrankung. Ziel ist es,
Vorurteile abzubauen und Betroffenen den Zugang zu professioneller Hilfe
zu erleichtern. Bei der Gestaltung der Clips war der Jugendbeirat der
Stiftung intensiv beteiligt. Die dort ehrenamtlich engagierten
Jugendlichen gaben wichtige Impulse, welche Fragen in den Clips dringend
beantwortet werden sollten und wie die Inhalte für junge Menschen
ansprechend aufbereitet werden können. Zudem berichten zwei Jugendräte im
Videomaterial selbst über ihre Erfahrungen mit der Erkrankung. Angeschaut
werden können die Videos kostenfrei unter www.deutsche-depressionshilfe.de
/alles-gut sowie auf den Social-Media-Kanälen der Stiftung.

Ein bis zwei Schüler pro Klasse depressiv erkrankt

Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern
und Jugendlichen. Etwa 6 Prozent aller Jugendlichen erkranken an einer
Depression (Jarczok et al., 2017). Das sind im Schnitt ein bis zwei
Schülerinnen und Schüler pro Klasse. Kernsymptome sind
Niedergeschlagenheit, der alle Lebensbereiche betreffende Verlust von
Interesse und Freude sowie ein starkes Erschöpfungsgefühl. Betroffenen
Jugendlichen fällt es schwer, sich in der Schule zu konzentrieren.
Freundschaften und Hobbies werden vernachlässigt. Hinzu kommen
Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, oft mit Gewichtsverlust und die Neigung
zu Schuldgefühlen. „Obwohl bis zu zwei Jugendliche pro Klasse von
Depression betroffen sind, wird in Schulen wenig über die Erkrankung
gesprochen und das Thema fehlt in den Lehrplänen. Ein offener Umgang mit
psychischen Erkrankungen beginnt im Jugendalter. Mit den Video-Tutorials
wollen wir diese Lücke schließen“, erklärt Stiftungsratsmitglied Prof.
Martin Holtmann (Kinder- und Jugendpsychiater/ Ärztlicher Klinikdirektor
der LWL-Uniklinik Hamm), der in den Clips auch als Experte zu sehen ist.

Pandemie verstärkt den Bedarf

Die Depression geht mit einem deutlich erhöhten Risiko an Suizidversuchen
und Suiziden einher. Selbsttötungen sind die zweithäufigste Todesursache
bei jungen Menschen. 2021 nahmen sich 468 Jugendliche und junge Erwachsene
zwischen 15 und 24 Jahren in Deutschland das Leben. Der
Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und
Suizidprävention, Prof. Ulrich Hegerl, erklärt, warum der Bedarf jetzt
noch einmal gestiegen ist: „Die mit der Corona-Pandemie einhergehenden
Maßnahmen haben die psychische Gesundheit von Jugendlichen besonders
negativ beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist eine fundierte
Aufklärungsarbeit über Depression wichtig, damit frühzeitig der Weg in
professionelle Hilfe gefunden wird. Depressionen sind in der Regel gut
behandelbare Erkrankungen.“

Experte und Betroffene berichten von Depression

In den Videos erklärt Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Martin Holtmann
für Jugendliche verständlich die Grundlagen der Depression. Darüber hinaus
teilen Betroffene ihre persönlichen Erfahrungen und machen die Erkrankung
so greifbar. Zu Wort kommen die 19-jährige Antonia und die ein Jahr
jüngere Katharina aus dem Jugendbeirat der Stiftung Deutsche
Depressionshilfe und Suizidprävention sowie Moderatorin Cathy Hummels und
Gamer Julian Laschewski, die ebenfalls als Jugendliche erkrankten.

Entstanden sind im Rahmen des „Alles Gut?!“-Tutorials fünf Videos zu den
folgenden Schwerpunkten:
•       Was ist eine Depression? Wie fühlt sie sich an?
•       Was sind die Ursachen der Erkrankung?
•       Wie wird eine Depression behandelt?
•       Wie kann ich einer betroffenen Freundin/ einem betroffenen Freund
helfen?
•       Was kann ich selbst für meine psychische Gesundheit tun?

Diese Fragen werden sowohl aus einer fachlichen als auch aus einer
Betroffenenperspektive beantwortet.

Möglich wurde dieses Aufklärungsprojekt für Schülerinnen und Schüler durch
eine Förderung des „Cathy-Hummels-Programms“. Seit September 2021
organisierte Cathy Hummels mehrere Charity-Dinner, auf denen Spenden
hierfür gesammelt wurden. Insgesamt rund 90.000 Euro kamen zusammen, die
in Projekte zur Depressions-Aufklärung und Hilfe für Jugendliche unter dem
Dach der Stiftung fließen. Darüber hinaus spendete Cathy Hummels Zeit,
indem sie ehrenamtlich als Protagonistin zur Verfügung stand.

Nächster Schritt: Online-Fortbildung für Lehrkräfte zu Depression

In einem nächsten Schritt entwickelt die Stiftung Deutsche
Depressionshilfe und Suizidprävention rund um die Clips ein Online-Tool
für Schülerinnen und Schüler mit ergänzenden Inhalten wie Übungen für den
Alltag (z.B. Tagesplan, Entspannungsübung) und weiterführenden Materialien
(z.B. Informationen zu Hilfsangeboten oder Gesprächsleitfaden für
betroffene Freunde). Ermöglicht wird diese Erweiterung durch die SwissLife
Stiftung für Chancenreichtum und Zukunft.
Darüber hinaus entsteht eine Online-Fortbildung für Lehrkräfte. Oft
bemerken Lehrkräfte Konzentrationsschwierigkeiten, müde Augen oder
Stimmungsveränderungen bei Schülerinnen und Schülern. Sie sind jedoch
unsicher, ob und wie sie betroffene Jugendliche ansprechen sollen und wie
sie helfen können. Aktuell sind Fortbildungsangebote zu diesem Thema in
den einzelnen Bundesländern rar oder nur unzureichend auf den Bereich
„Depression & Suizidalität“ ausgerichtet. Die Veröffentlichung der von
Tribute to Bambi Stiftung geförderten Fortbildung für Lehrkräfte ist für
2024 geplant.

Quelle: Jarczok, T. A. & Holtmann, M. (2017). Pharmakologische und nicht-
pharmakologische Behandlung der Depression im Kindes- und Jugendalter. Die
Psychiatrie, 14(3), 151-159.

Pressekontakt:
Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
Heike Friedewald, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Goerdelerring 9, 04109 Leipzig
Tel: 0341/22 38 74 12
presse@deutsche-depressionshilfe.de

Über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention:
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention hat sich die
bessere Versorgung depressiv erkrankter Menschen und die Reduktion der
Suizide in Deutschland zum Ziel gesetzt. Vorstandsvorsitzender ist Prof.
Dr. Ulrich Hegerl. Die Schirmherrschaft hat der Entertainer und
Schauspieler Harald Schmidt übernommen. Neben Forschungsaktivitäten bietet
die Stiftung Betroffenen und Angehörigen unter ihrem Dach vielfältige
Informations- und Hilfsangebote wie das Diskussionsforum Depression und
das deutschlandweite Info-Telefon Depression. In 90 Städten und Kommunen
haben sich Bündnisse gebildet, die auf lokaler Ebene Aufklärung über die
Erkrankung leisten. Die Arbeit erfolgt pharma-unabhängig.
www.deutsche-depressionshilfe.de

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Vom Ich zum Wir

Themenabend „Gemeinwohlökonomie“; mit Vordenker Christian Felber an der
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen (Steige)

GEISLINGEN (hfwu). Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell. Das
bestehende schadet mehr als es nutzt. Das sagt Christian Felber. Der
Vordenker der Gemeinwohlökonomie war im Rahmen des Studium generale Anfang
Mai zu Gast beim „Zukunftsforum“ der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt
(HfWU) in Geislingen (Steige). Der Autor und Aktivist erläuterte sein
grundlegendes anderes Verständnis von Wirtschaften und was dem derzeit
noch entgegensteht.

Die Dinge vom Kopf auf die Füße stellen. Um nichts Geringeres geht es
Christian Felber. Kopf steht aus Sicht des Autors und politischem
Aktivisten eine Wirtschaft, die Einzelinteressen dient und der
Profitmaximierung, nicht aber dem Wohl aller. Das ist für den Initiator
der Gemeinwohlökonomie nur einer von vielen Gründen, grundsätzlich über
Alternativen zum derzeitigen „globalisierten Freihandelskapitalismus“
nachzudenken.
Seinen Vortrag an der HfWU in Geislingen hielt er am Earth Overshoot Day.
Ab diesem Tag im Jahr werden in Deutschland mehr natürliche Ressourcen
verbraucht als wiederhergestellt werden können. Der Tag ab dem
Profitmaximierung zur Selbstzerstörung wird. Allein schon diese
Übernutzung der planetaren Grenzen mache ein anderes Wirtschaften
unabdingbar, so Felber.
Mehr als hundert Interessierte waren vor Ort an die Hochschule und online
zum fünften „HfWU Zukunftsforum“ gekommen. Eingeladen und organisiert
hatten die Veranstaltung Prof. Dr. Anka Reich und Prof. Dr. Barbara Kreis-
Engelhardt vom HfWU-Studiengang Wirtschaftsrecht und Prof. Dr. Klaus
Gourgé vom HfWU-Studienprogramm Zukunftstrends und Nachhaltiges
Management.
„Wirtschaft neu denken – vom Ich zum Wir“, lautete der Titel des Forums in
diesem Jahr. Neu denken ist Programm für Christian Felber. 2010 initiierte
Felber gemeinsam mit mehreren Unternehmern das Projekt Gemeinwohlökonomie
(GWÖ). Er gilt als Erfinder der Gemeinwohl-Bilanz. Im Zentrum steht dabei
eine ganzheitliche Sicht der Wirtschaft, die Theorie, Handlungsanreize und
demokratische Prozesse verbindet. Die grundlegenden Bedürfnisse des
Menschen, wie Bildung, Gesundheit, Chancengleichheit, Teilhabe und eine
saubere Umwelt, sollen die vorrangigen Ziele des Wirtschaftens sein. Denn,
„das derzeitige Wirtschaftssystem bringt mehr Schaden als Nutzen“, ist der
Österreicher überzeugt. An guten Ideen, das zu ändern, mangele es nicht.
Die GWÖ sei nur eine davon.
Einem Systemwandel stünden allerdings die herrschenden Machtverhältnisse
entgegen. Daher sein Appell: „Wir müssen die Demokratie verbessern“.
Bürgerräte etwa, so habe sich gezeigt, hätten oft ambitioniertere und der
Dringlichkeit der ökologischen Lage angemessenere Ziele als die
traditionelle Politik. In den Parlamenten müssten solche Stimmen daher
stärker gehört werden.
Heute stellen bereits mehr als tausend Unternehmen aus allen Branchen eine
Gemeinwohlbilanz auf, auch mehrere Dutzend Städte und Gemeinden und einige
Hochschulen. An der HfWU ist Felber seit etlichen Jahren im Beitrat des
Studiengangs Zukunftstrends und nachhaltiges Management.
Die Sparda-Bank München gehört zu den ersten Unternehmen, die eine
Gemeinwohlbilanz erstellten. Ihr ehemaliger Vorstandsvorsitzender, Günter
Grzega, er-gänzte die Ausführungen Felbers aus Sicht eines Praktikers. In
der Bank sei der Gemeinwohlvorstoß bald zum Selbstläufer geworden und
würde heute von den Mitarbeitenden uneingeschränkt unterstützt und
vorangebracht, berichte Grzega. Als weitere Stimme aus der Praxis sprach
Rita Ehses von der Geschäftsführung der Novatec Consulting GmbH. Kritisch
sieht sie die idealistische Grundhaltung der GWÖ und dass konkrete
Handlungsanweisungen sowie eine globale Perspektive fehlten. Gleichwohl
unterstrich die Unternehmensberaterin, dass sie die Grundidee der
Initiative keineswegs in Frage stelle.
Der Abend ging mit einer Fragestunde mit den Referierenden und einem
Austausch unter den Anwesenden in Geislingen zu Ende. Dieser wurde mit
wechselnden Gruppen und Themenschwerpunkten im Format eines World Cafés
bewerkstelligt. So soll der grundlegend andere Blick auf die Dinge
beflügelt werden – ganz im Sinne der Gemeinwohlökonomie.

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