Zum Hauptinhalt springen

Deutscher Verkehrssicherheitsrat Moped fahren schon ab 15 Jahren: DVR kritisiert geplante Änderung des Straßenverkehrsgesetzes

 Heute behandelt der Deutsche Bundestag in erster Lesung eine geplante Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG). Danach sollen die Länder ermächtigt werden, innerhalb ihrer Landesgrenzen, das Mindestalter für den Erwerb der Fahrerlaubnisklasse AM auf 15 Jahre herabzusetzen (mit der Fahrerlaubnisklasse dürfen Kleinkrafträder mit einem Hubraum von bis zu 50 ccm gefahren werden). Begründet wird die Änderung des StVG mit eventuellen Mobilitätsgewinnen für die jungen Menschen, insbesondere in ländlichen Regionen. Der DVR kritisiert die Gesetzesänderungsinitiative deutlich.

StVG-Änderung: Mobilitätsgewinn überwiegt den Sicherheitsgedanken
In der erforderlichen Abwägung habe der Bundesverkehrsminister „eventuelle Mobilitätsgewinne“ stärker gewichtet, als die aus dem Jugendlichkeits- und Fahranfängerrisiko resultierenden Gefahren für die Gesundheit 15-Jähriger und anderer Verkehrsteilnehmer. „Bei dem derzeit durchgeführten Modellversuch sieht man deutlich, dass in den Ländern, die am Modellversuch teilgenommen haben, mehr Jugendliche in Verkehrsunfälle verwickelt waren und sich dabei verletzt haben, als in den Ländern, die sich nicht am Modellversuch beteiligten“, sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des DVR. Hinzu käme eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer. Denn insbesondere bei „Alleinunfällen“ würde die Polizei häufig nicht zum Unfallort gerufen.

Vor StVG-Änderung Ergebnisse des Modellversuchs abwarten
Kellner zeigte sich verwundert, dass bereits vor Ende des Modellprojekts am 30. April 2020, Tatsachen geschaffen werden sollen. Man brauche keine Modellversuche durchzuführen, wenn man nicht einmal das Ergebnis der endgültigen Auswertung abwarte. Anstatt viel massiver in den öffentlichen Personennahverkehr und in sichere Radverkehrsanlagen zu investieren, versuche man in einigen Landesregierungen der Bevölkerung einzureden, die Herabsenkung des Mindestalters fördere die Mobilität im ländlichen Raum, so Kellner.

 

  • Aufrufe: 330

Deutscher Verkehrssicherheitsrat Straßenverkehrsordnung muss ungeschützte Verkehrsteilnehmer stärker im Blick haben

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat einen Antrag zur Novellierung der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) vorgelegt. Dessen Ziel ist, das Straßenverkehrsrecht stärker an die Bedürfnisse von Radfahrern und Fußgängern anzupassen. Auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat einen ersten Entwurf zur Reform der StVO vorgelegt, der innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgestimmt ist. Anlässlich der heute dazu stattfindenden Anhörung, nimmt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat Stellung.

„Wir begrüßen, dass offensichtlich alle politischen Ebenen handeln wollen, um eine spürbare Verbesserung der Verkehrssicherheitslage zu erreichen“, sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des DVR. „Jeden Tag wird im Jahresdurchschnitt mehr als ein Radfahrer getötet. Bei den kleinen und großen Fußgängern sind die Zahlen noch erschreckender. Das ist eine kontinuierliche Katastrophe. 2018 wurden 445 Radfahrer getötet – vergleichbar mit der Anzahl an Insassen zweier vollbesetzter Airbus-Flugzeuge A320 oder von rund neun Reisebussen.“
 
Der DVR macht auf Folgendes aufmerksam:

1. Die StVO hat die Aufgabe, alle Verkehrsteilnehmer zu schützen. Der DVR begrüßt daher alle Vorschläge, die geeignet sind, dieses Ziel zu verwirklichen. 

2. Im Rahmen der baulichen Infrastruktur sollten Verkehrsarten getrennt werden. Wo das nicht möglich ist, kann es sinnvoll sein, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h zu senken. Die Wahrscheinlichkeit, durch eine Kollision mit einem Fahrzeug getötet zu werden, steigt für Fußgänger und Radfahrer bei Geschwindigkeiten über 30 km/h rapide an.

3. Eine verkehrsträgerübergreifende Verkehrsplanung hat alle Verkehrsteilnehmer im Blick: Fußgänger, Radfahrer, Pkw-, Lkw-Fahrer und auch Busfahrer. Von den Verkehrsbehörden der Kommunen fordert der DVR deshalb eine integrierte, ganzheitliche Netzplanung, die die Schwächsten besonders schützt. Nur so kann Konflikten nachhaltig vorgebeugt werden. 

4. Es sollte den kommunalen Behörden ermöglicht werden, präventiv tätig zu werden, ohne dass vorher eine Gefahrenlage bewiesen werden musste. Eine Innovationsklausel, die schon von der Verkehrsministerkonferenz gefordert wurde, ist daher aus Sicht des DVR für Modellversuche der Kommunen sinnvoll. 

5. Bezüglich der Diskussion um eine Schrittgeschwindigkeit abbiegender Lkw-Fahrer wird daran erinnert, dass bereits nach geltender Rechtslage für alle Fahrzeugnutzer ein „Hineintasten“ in die Kreuzung erforderlich ist. Der verstärkte Einbau von Abbiegeassistenten wird vom DVR bereits seit langem gefordert.

6. Abschließend ist auf ein häufiges Missverständnis hinzuweisen: Die in der StVO geregelte zulässige Höchstgeschwindigkeit ist keine Mindest- oder Richtgeschwindigkeit, sondern darf nur unter optimalen Bedingungen gefahren werden. Wer ungeschützte Verkehrsteilnehmer passiert, muss seine Geschwindigkeit anpassen. Die vorgesehene Normierung von Überholabständen ist zu begrüßen.

Der DVR bewertet positiv, dass man sich des Straßenverkehrsrechts annimmt, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. Aber es gilt weiterhin: Eine wirksame Verkehrsüberwachung bleibt das A und O.

 

  • Aufrufe: 341

Fahrerlebnis der Zukunft: Neue Räume und Potenziale

Fraunhofer IAO und McKinsey veröffentlichen Studie im Rahmen des »Mobility
Experience and Technology Labs«

Der Innenraum zukünftiger Autos wird sich in zehn Jahren fundamental von
dem der heutigen Fahrzeuge unterscheiden. Welche Innenraum-, Design-,
Service- oder Mobilitätskonzepte dabei aus Nutzer- und Anbietersicht das
Potenzial für werterzeugende Innovation bieten, untersucht das Fraunhofer
IAO gemeinsam mit McKinsey im neu gegründeten »Mobility Experience and
Technology Lab« (MXT Lab).

Das Thema Autonomes Fahren wirft zugleich die Frage auf, welche Rolle die
Fahrerinnen und Fahrer zukünftig übernehmen und welche Funktionen der
Fahrzeuginnenraum dabei erfüllen muss. Statt zu lenken könnte man künftig
im Auto arbeiten, spielen, einkaufen, an anderen Erlebnissen teilnehmen
oder beispielsweise eine Fremdsprache lernen, unterstützt durch spezielle
Software-Assistenten und Technologien des Fahrzeugs. Umso wichtiger wird
es, die zukünftige Nutzungserfahrung im Auto zu verstehen, zu gestalten
und zu optimieren. Um die sich daraus ergebenden Innovationspotenziale für
Unternehmen zu untersuchen, hat das Fraunhofer-Institut für
Arbeitswirtschaft und Organisation IAO gemeinsam mit dem McKinsey Center
for Future Mobility in Stuttgart das »Mobility Experience and Technology
Lab« (MXT Lab) gegründet, an dem sich auch weitere Unternehmen beteiligen
können. Bei so genannten Roundtables können Unternehmen aus der
Automobilbranche ihre Ideen im Lab einbringen und aktiv die
Herausforderungen und Chancen einer vollständig vernetzten und zunehmend
automatisierten Zukunft angehen. So soll über die kommenden Jahre ein
Ökosystem an Akteuren aus verschiedensten Branchen aufgebaut werden, um
gemeinsam an der Mobility Experience der Zukunft zu forschen. In einer
ersten Studie wurde unter anderem untersucht, wie attraktiv das Erlernen
einer Sprache beim automatisierten Fahren für die Befragten ist, wie
entsprechende Dienste umgesetzt werden sollten und inwiefern dies die
Fahrzeugtechnologien, aber auch die Routennavigation beeinflusst. Dafür
wurde zunächst eine international angelegte, quantitative Umfrage
durchgeführt und die Erkenntnisse anschließend im Rahmen eines Labor-
Experiments im MXT Lab mit einer Probandengruppe qualitativ verifiziert.

Innenraum-Design und Experience werden wichtiger als PS
»Die zunehmende Digitalisierung in Form von Vernetzung und Automatisierung
verändert unsere Fahrzeuge nicht nur technologisch, sondern auch das
gesamte Fahrerlebnis als solches«, erklärt Dr. Florian Herrmann,
Institutsdirektor am Fraunhofer IAO und Leiter des Forschungsbereichs
»Mobilitäts- und Innovationssysteme« die Motivation für das MXT Lab. Dabei
stehen sowohl Unternehmen aus der Automobilindustrie als auch aus der
Service- und Technologiebranche vor der Herausforderung, frühzeitig
erkennen zu müssen, welche Innovationen einen besonderen Nutzen erzeugen
können und welche Innovationen sie anstoßen sollten. »Mobilität wird in
Zukunft ganz neu gedacht werden. Die Bedeutung von Beschleunigung und Co.
nimmt ab, die Wichtigkeit des Innenraums nimmt zu«, so Timo Möller von
McKinsey und Leiter des McKinsey Center for Future Mobility. Diese
veränderten Kundenpräferenzen werden im MXT Lab untersucht, denn der Markt
für neue Angebote im Fahrzeug ist groß. Das zeigten auch die Ergebnisse
der McKinsey ACES Consumer Survey. Demnach würden beispielsweise 70
Prozent der Befragten in selbstfahrenden Autos die freigewordene Zeit
aktiv nutzen, zum Beispiel um Filme anzuschauen, zu kommunizieren oder zu
lesen.

Raum für reale Experimente
Im MXT Lab kommen Methoden und Werkzeuge für die schnelle sowie
projektspezifische Erstellung und Erprobung von Pre- und Prototypen zum
Einsatz. Das Lab bietet Unternehmen einen Raum, um neue Ideen für die
Mobility Experience (MX) der Zukunft gemeinschaftlich zu entwickeln und zu
testen.
»Insbesondere bei der Bewertung völlig neuartiger Technologien kann das
MXT Lab seine Stärken ausspielen: Ergebnisse aus Online-Befragungen
konnten im Lab in Stuttgart durch einen hochflexiblen Demonstrator und
reale Experimente mit mehr als 20 Probanden verfeinert und qualitativ
überprüft werden«, erläutert Tobias Schneiderbauer, Projektleiter bei
McKinsey. So erfuhr beispielsweise die Windschutzscheibe als
Interaktionselement in Bezug auf das Sprachenlernen beim Laborexperiment
einen weit höheren Beliebtheitsgrad als in der Online-Umfrage. Denn die
tatsächliche Erfahrung der Situation lässt den Nutzen viel besser erleben
und bewerten.

»Für das MXT Lab sind Projekte wie diese jedoch nur der Anfang«, sagt
Sebastian Stegmüller, der für das MXT Lab verantwortliche Teamleiter am
Fraunhofer IAO. »In Zukunft werden wir in Abstimmung mit den
Mitgliedsunternehmen eine breite Forschungsagenda verfolgen – von der
Interaktion zwischen autonomen Fahrzeugen und Fußgängern über
kontextspezifische Aktivitäten und Inhalte in automatisierten Fahrzeugen
bis hin zu der Erforschung inter-modaler Mobilitätslösungen der Zukunft
sind sehr viele Bereiche denkbar.«

  • Aufrufe: 288

TU Berlin: Eröffnung einer Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren im Herzen Berlins

Am 19. September 2019 wurde das an der TU Berlin entwickelte digitale,
urbane Infrastruktur-Testfeld für automatisiertes und vernetztes Fahren
offiziell eröffnet. Erstmals kann nun auf einer 3,6 km langen Strecke
zwischen Ernst-Reuter-Platz und Brandenburger Tor unter realen
Verkehrsbedingungen das automatisierte und autonome Fahren mit seinen
umfänglichen Teilbereichen erforscht und weiterentwickelt werden.

Das Forschungsprojekt „Die digital vernetzte Protokollstrecke – urbanes
Testfeld automatisiertes und vernetztes Fahren in Berlin“ (DIGINET-PS) am
DAI-Labor der TU Berlin befasst sich mit dem Aufbau des Testfeldes in
einem hochkomplexen Verkehrsumfeld mitten in Berlin. Das vom
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte
Vorhaben trägt zur Umsetzung der Smart City-Strategie des Landes Berlin im
Mobilitätsbereich bei und unterstützt die Digitale Agenda des Landes.

Die Straße des 17. Juni gehört zu einer der urbanen Lebensadern Berlins
und stellt Verkehrsteilnehmende vor diverse Herausforderungen. Vom Ernst-
Reuter-Platz bis zum Brandenburger Tor sind Ampelsysteme, Kreisverkehre,
Fahrrad- und Fußwege, Parkplätze oder Ein- und Ausfahrten zu beachten.
Ideale Bedingungen, um dort eine Teststrecke für die Zukunftstechnologien
des automatisierten und vernetzten Fahrens zur Verbesserung der
öffentlichen Verkehrsflüsse, der Umweltsituation sowie der Sicherheit von
Verkehrsteilnehmenden einzurichten.
In den vergangenen 29 Monaten haben Prof. Dr. Dr. h.c. Sahin Albayrak,
Geschäftsführender Direktor des DAI-Labors und Leiter des Fachgebietes
Agententechnologien in betrieblichen Anwendungen und der Telekommunikation
der TU Berlin, und sein Forschungsteam auf der Straße des 17. Juni ein
vernetztes, urbanes Infrastruktur-Testfeld entwickelt und eingerichtet. Im
Vordergrund standen dabei die Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation, die
Kombination von Sensoren und die Nutzung von KI-Mechanismen. Die
Teststrecke bietet zukünftig regionalen und überregionalen Unternehmen
sowie Forschungseinrichtungen die Möglichkeit, automatisiertes und
autonomes Fahren in einer realen urbanen Gebietskulisse zu erforschen und
anzuwenden.

Teststrecke ein Zeichen fortschreitender Digitalisierung der
Verkehrssysteme

„Wir aus der Wissenschaft verstehen uns als Treiberin von Innovationen in
der Gesellschaft. Dafür nutzen wir Berlin als Reallabor und zeigen
exemplarisch wie Forschung für Bürger nutzbar wird“, erklärte der
Präsident der TU Berlin Prof. Dr. Christian Thomsen auf der
Eröffnungsfeier der DIGINET-PS Teststrecke am 19. September 2019 im
Glaspavillon „bauhaus reuse“ auf dem Ernst-Reuter-Platz. Zu den mehr als
100 Gästen aus Politik und Wirtschaft zählten der Bundesminister für
Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, und der Regierende
Bürgermeister von Berlin sowie Senator für Wissenschaft und Forschung,
Michael Müller.

„Das automatisierte und vernetzte Fahren bietet enorme Chancen: Fahrzeuge
kommunizieren untereinander und mit der sie umgebenden Infrastruktur,
erkennen Wetterverhältnisse, freie Parkplätze, wechselnde
Ampelschaltungen. Das bedeutet mehr Sicherheit und Klimaeffizienz, einen
verbesserten Verkehrsfluss und Zeitersparnis. All das erproben wir hier
auf der neuen Teststrecke im Herzen Berlins, mitten im Hauptstadtverkehr.
Mein Haus fördert das Projekt mit über 4,6 Millionen Euro. Die
technologische Entwicklung geht weltweit rasant voran – daher müssen wir
jetzt aktiv sein und die Forschung in Deutschland unterstützen. Die
Erkenntnisse, die unter anderem hier in Berlin gewonnen werden, sind eine
wichtige Grundlage für künftige verkehrspolitische Entscheidungen“,
äußerte sich Bundesminister Andreas Scheuer bei der Eröffnung der
Teststrecke. Das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur
förderte im Rahmen der „Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren“
der Bundesregierung das Forschungsvorhaben seit Projektbeginn im April
2017.

Zusätzlich wurde das Projekt durch die Berliner Senatsverwaltung für
Umwelt, Verkehr und Klimaschutz unterstützt. Der Regierende Bürgermeister
von Berlin Michael Müller betonte: „Der heutige Projektstart zeigt wieder
einmal: Berlin ist eine Vorreiterin für Innovationen und unsere
Wissenschaftseinrichtungen spielen dafür eine zentrale Rolle. Wir nutzen
die Erkenntnisse der exzellenten Berliner Forschung, um Berlin als Smart-
City voranzubringen und die Mobilität der Zukunft sowie kluge
Verkehrskonzepte auch über die Grenzen unserer Stadt hinaus zu gestalten.
Das DAI-Labor der Technischen Universität Berlin unter der Leitung von
Professor Albayrak ist dafür ein herausragendes Beispiel. Zugleich steht
es stellvertretend für hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
die unsere Metropolregion inzwischen zu einem internationalen Hotspot der
Forschung zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz machen.“

Wenn alles mit allem kommuniziert

Das Herzstück des Projektes ist das DIGINET-PS Referenzframework. Es wurde
an der TU Berlin entwickelt und schafft die Voraussetzungen dafür, dass
Teststrecke, Fahrzeuge und Kontrollzentrum miteinander kommunizieren
können. Über 100 Sensoren entlang der Teststrecke erfassen
Wetterverhältnisse, Verkehrsaufkommen, Parksituation, Umweltbelastung oder
Straßenbeschaffenheit. Diese Daten werden entlang der Straße und im
Kontrollzentrum anonymisiert von einer speziell entwickelten Software
analysiert und ausgewertet, so dass Prognosen zu verschiedensten
Themenfeldern erstellt werden können. Mittels einer auf ITS-5G und 4G
basierenden Kommunikationsinfrastruktur werden die Daten mit den
vernetzten Fahrzeugen geteilt und somit die Wahrnehmung und
Entscheidungsfindung für verschiedene kritische Manöver und
Anwendungsfallszenarien verbessert. Durch diese neuartige intelligente
Infrastruktur kann das Automobil zum Beispiel vor Unfallpunkten mit
Radfahrer*innen auf der Strecke warnen bzw. diese sogar vorhersagen.
Die automatisierten und vernetzten Fahrzeuge sind mit Kameras, Radar und
Laser-Scannern ausgestattet, so dass Informationen in 360 Grad um das
Automobil gesammelt, analysiert und mit anderen automatisierten und
vernetzten Fahrzeugen ausgetauscht werden können. Das heißt, wechselt eine
Ampel auf Grün werden die Fahrzeuge vom Kontrollzentrum darüber informiert
und können aufeinander abgestimmt entsprechend schnell reagieren. Ebenso
ist dadurch möglich, dass die intelligenten Fahrsysteme andere
Verkehrsteilnehmende wie Fußgänger*innen erkennen und situationsangepasst
reagieren.
Professor Albayrak ist überzeugt: „Durch die zentrale Erfassung,
Aggregierung und Auswertung von Daten können wir künftig neuartige sichere
Lösungen für Problemstellungen im Straßenverkehr entwickeln, neue
Ökosysteme und Geschäftsmodelle generieren und Wertschöpfung schaffen.“ An
der Entwicklung von Sensoren, Fahrzeugtechnik oder Datensystemen waren
neben der TU Berlin auch das Fraunhofer FOKUS, das Daimler Center for
Automotive IT Innovations (DCAITI), T-Systems International und die
Berliner Agentur für Elektromobilität eMO sowie zahlreiche weitere
Umsetzungspartner wie Cisco, TÜV Nord und die BVG beteiligt.

  • Aufrufe: 354