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Erster Zungenschrittmacher in Thüringen: Erfolgreiche Implantation durch Jenaer HNO-Mediziner

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Prof. Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der HNO-Klinik (links) und OÄ Dr. Gerlind Schneider implantierten erstmals in Thüringen einen Zungenschrittmacher bei Patient Wolfgang Manz.  UKJAlternative Behandlung bei Schlafapnoe erfolgreich eingesetzt
Erstmals in Thüringen haben Mediziner der Klinik für Hals-, Nasen- und
Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Jena (UKJ) einen
Zungenschrittmacher erfolgreich implantiert. „Dieser Schrittmacher ist
eine neue Methode, um Patienten mit Atemaussetzern im Schlaf, auch
Schlafapnoesyndrom genannt, zu behandeln, wenn die Standardtherapie mit
einer Atemmaske nicht möglich ist“, sagt Prof. Dr. Orlando Guntinas-
Lichius, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am UKJ.
Das Gerät in der Größe einer Streichholzschachtel hält die Atemwege nachts
mithilfe kleiner Stromimpulse offen, um Atemaussetzer zu verhindern. Der
Patient hat die etwa zweistündige Operation gut überstanden.

Bei Patienten mit dem sogenannten obstruktiven Schlafapnoesyndrom verengen
sich die Atemwege, da die Spannkraft der Zungen- und Rachenmuskulatur im
Schlaf nachlässt. Deshalb kommt es zu Atemaussetzern. „Die Betroffenen
erreichen nicht die wichtigen Tiefschlaf- und Traumphasen. Sie sind
tagsüber müde und unkonzentriert“, so Prof. Guntinas-Lichius. „Die
Erkrankung belastet den Kreislauf nachts sehr stark. Nicht erkannt oder
nicht ausreichend behandelt erhöht es deshalb das Risiko eines
Herzinfarkts oder Schlaganfalls.“

Bei manchen Patienten führt die Standard-Überdruckbehandlung mit einer
Atemmaske zu Druckstellen im Gesicht, Augenentzündungen oder
Erstickungsangst. „Mit dem Zungenschrittmacher haben wir nun die
Möglichkeit, auch diesen Patienten zufriedenstellend weiterzuhelfen. Die
Methode kann eingesetzt werden, wenn der Hauptort der Muskelerschlaffung
im Bereich des Zungengrunds liegt und kein ausgeprägtes Übergewicht beim
Patienten besteht“, erklärt Dr. Gerlind Schneider, Oberärztin an der
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Leiterin des Schlaflabors.
Sie hat die Implantation des Zungenschrittmachers durchgeführt.

Der Schrittmacher wird ähnlich wie ein Herzschrittmacher rechts unterhalb
des Schlüsselbeins eingesetzt. Ein Drucksensor zwischen der
Rippenmuskulatur am Brustkorb versorgt ihn mit Informationen über die
Atmung. Eine zweite Elektrode wird unter die Haut bis zum Unterzungennerv
gelegt und mit ihm verbunden. Diese Elektrode gibt bei jedem Einatmen
einen kleinen Stromimpuls ab, der die Zungenmuskulatur nach vorn aus dem
Rachenraum heraus bewegt. „Insgesamt sind nur drei kleinen Hautschnitte
bei diesem Eingriff nötigt, der unter Vollnarkose vorgenommen wird“, so
Dr. Schneider. In vier Wochen wird das Gerät aktiviert. Der Patient kann
es dann vor dem Schlafengehen mit einer Fernbedienung ein- und morgens
wieder ausschalten. Nach weiteren vier Wochen der Eingewöhnung wird der
Schrittmacher im klinikeigenen Schlaflabor kontrolliert. Die Batterie des
geplanten Stimulators muss erst nach etwa zehn Jahren ausgetauscht werden.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uniklinikum-jena.de