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Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen

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Das Implantat besteht aus einem etwa einen Zentimeter großen Sensor und zwei Antennen.  Universitätsklinikum FreiburgMini-Implantat alarmiert bei drohender Herzschwäche per Handy den Arzt /
Als erstes Klinikum Baden-Württembergs setzt das Universitäts-Herzzentrum
Freiburg · Bad Krozingen die Technologie ein / Internationale Studie
schätzt, dass dadurch bis zu jede dritte Krankenhauseinweisung bei
Herzschwäche-Patienten entfallen könnte

Das Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen (UHZ) nutzt als
erstes Klinikum Baden-Württembergs einen miniaturisierten Sensor, mit dem
sich der Blutdruck bei Herzschwäche-Patienten aus der Ferne kontrollieren
lässt. Mithilfe des in die Lungenschlagader implantierten Sensors misst
der Patient einmal täglich den Blutdruck sehr nahe am Herzen und überträgt
die Werte per Handy an das Behandlungszentrum am UHZ. Steigt der Druck,
kann das der Vorbote einer akuten, lebensgefährlichen Herzschwäche sein.
Noch vor Auftreten von Symptomen können die behandelnden Ärzte aus der
Ferne die Therapie so anpassen, dass der Blutdruck wieder fällt. Eine
internationale Studie im Fachmagazin The Lancet kam kürzlich zu dem
Ergebnis, dass dadurch bis zu jede dritte Krankenhauseinweisung bei
Patienten mit Herzschwäche entfallen könnte.

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzschwäche, auch
Herzinsuffizienz genannt. Typische Anzeichen sind Atemnot bei leichter
körperlicher Belastung wie Treppensteigen. Bei einer Herzinsuffizienz
reicht die Pumpleistung des Herzens nicht mehr aus, um den Blut- und
Sauerstoffbedarf des Körpers zu decken. Das schwerste Stadium einer
Herzinsuffizienz wird als Dekompensation bezeichnet und kündigt sich durch
Müdigkeit, Atemnot, Schwellungen der Beine und der Leber an. Unbehandelt
kann es zum Herzstillstand führen.

„Für die Patienten bedeutet das neue Herz-Überwachungssystem einen enormen
Gewinn an Lebensqualität und auch an Lebenszeit“, sagt Prof. Dr. Andreas
Zirlik, Stellvertreter des Ärztlichen Direktors an der Klinik für
Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad
Krozingen. „Das System schlägt Alarm, noch bevor die Patienten Symptome
bemerken.“ Dadurch können im besten Fall ein Krankenhausaufenthalt und
Folgeschäden an Herz und Nieren vermieden werden, die wiederum das
Sterberisiko erhöhen. Geeignet ist das CardioMEMS genannte System für
Patienten, die in den letzten zwölf Monaten wegen Herzschwäche im
Krankenhaus waren und der Herzinsuffizienzklasse III gemäß der
Klassifizierung der New York Heart Association (NYHA) angehören.

Seit Oktober 2016 wurde das CardioMEMS-System an den Kliniken für
Kardiologie und Angiologie I und II des UHZ im Rahmen einer klinischen
Studie bei neun Patienten eingesetzt. Weitere folgen in den nächsten
Wochen und Monaten. Bei zwei Patienten hat sich das System im Akutfall
schon bewährt. „Als sich die Werte verschlechterten, haben wir die
Patienten angerufen und mit einer angepassten Therapie gezielt
gegengesteuert. Damit konnten wir ihnen vermutlich den
Krankenhausaufenthalt ersparen“, sagt Prof. Zirlik.
Der etwa büroklammergroße Sensor funktioniert während der gesamten
Lebenszeit des Patienten und benötigt keine Batterien. Für die tägliche
Messung legt sich der Patient auf ein spezielles Kissen. Dieses regt den
Sensor über magnetische Wellen an und empfängt dann die Messwerte. „Die
Messvorgänge sind schmerzfrei und dauern nur wenige Sekunden“, sagt Dr.
Wolfgang Zeh, Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe für Klinische
Herzinsuffizienz der Klinik für Kardiologie und Angiologie II des UHZ.

Im November 2016 wurden im Fachmagazin The Lancet die Ergebnisse einer
großen Studie mit 550 Patienten veröffentlicht. Demnach wurden Patienten
mit CardioMEMS ein Drittel seltener wegen Herzschwäche ins Krankenhaus
eingeliefert als Patienten ohne das System. In Europa ist Herzinsuffizienz
bei älteren Menschen der häufigste Grund für Klinikeinweisungen. Innerhalb
von sechs Monaten kommt die Hälfte aller Herzinsuffizienzpatienten erneut
in die Klinik.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736%2815%2900723-0.pdf Link zur Studie
http://www.herzzentrum.de/kliniken-fachbereiche/klinik-fuer-kardiologie-und-angiologie-i.html Klinik für Kardiologie und Angiologie I
http://www.herzzentrum.de/kliniken-fachbereiche/klinik-fuer-kardiologie-und-angiologie-ii/forschung/herzinsuffizienz.html Arbeitsgruppe für Klinische Herzinsuffizienz, Klinik für Kardiologie und Angiologie II