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Immer mehr junge Erwachsene leiden unter Kopfschmerzen!

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Am 20.2.2017 stellte die BARMER Krankenkasse den Arztreport 2017 vor.
Schwerpunkt der Analyse waren Kopfschmerzen. Im Verlauf von 11 Jahren
waren rund 50% der Bevölkerung wegen Kopfschmerz mindestens einmal in
ärztlicher Behandlung.
Die Zahl der von Kopfschmerz Betroffenen ist also in der Realität wohl
deutlich höher.
Um eine flächendeckend verbesserte Behandlung von Kopfschmerzpatienten zu
gewährleisten, plädiert die DMKG dafür, die Versorgungsstrukturen für
Kopfschmerzpatienten auf allen Ebenen zu stärken.

Am 20.2.2017 stellte die BARMER Krankenkasse den Arztreport 2017 vor.
Schwerpunkt der Analyse waren Kopfschmerzen. Die Krankenkasse betreut
10,3% aller Versicherten in Deutschland und kann aufgrund ihrer Daten eine
solide Hochrechnung für die Gesamtbevölkerung vornehmen. Im Verlauf von 11
Jahren waren rund 50% der Bevölkerung wegen Kopfschmerz mindestens einmal
in ärztlicher Behandlung. Das belegt, wie häufig und wie beeinträchtigend
Kopfschmerzen sind und steht im Einklang mit epidemiologischen Daten.
Alarmierend sind die Daten zur Altersgruppe der 18-27-Jährigen: die Zahl
der Kopfschmerzbetroffenen ist bei Vergleich der Jahre 2005 und 2015 um
42% angestiegen! Anders als in epidemiologischen Studien wurde jedoch kein
Anstieg der Kopfschmerzdiagnosen bei Kindern nachgewiesen. Man kann nur
spekulieren, worauf diese Diskrepanz zur beruht. Möglicherweise ist die
Versorgungslandschaft für Kinder mit Kopfschmerzen bereits so ausgelastet,
dass keine Zuwächse erfasst werden.
Bei der Interpretation der Daten muss bedacht werden, dass nur die
Betroffenen von der Krankenkasse erfasst werden, die tatsächlich primär
wegen Kopfschmerzen zu Lasten der Krankenkasse ärztliche Hilfe in Anspruch
nahmen. Patienten, bei denen Kopfschmerzen nicht im Fokus standen, wurden
nicht erfasst, ebenso nicht die weniger schwer Betroffenen, die sich
ausschließlich mit Selbstmedikation aus der Apotheke versorgen oder schwer
Betroffene, die im Gesundheitssystem keine Hilfe mehr erwarten, weil sie
annehmen, schon alles versucht zu haben. Die Zahl der von Kopfschmerz
Betroffenen ist also in der Realität wohl deutlich höher.
Nehmen Kopfschmerzerkrankungen wirklich zu, oder spiegeln die Ergebnisse
nur eine vermehrte Inanspruchnahme des Gesundheitswesens wider? Die Daten
erlauben hier keine Differenzierung. Aus der Sicht der DMKG ist jedoch
bedenklich, dass die Zahl der Verordnungen Migräne-spezifischer
Akuttherapeutika (Triptane) und die Rate der Betroffenen, die eine
Prophylaxe erhalten, immer noch gering sind und nicht dem Anstieg der
Kopfschmerzdiagnosen entsprechen. Selbst wenn die Daten „nur“ eine
vermehrte Inanspruchnahme des Gesundheitswesens belegen, sie lassen keine
Verbesserung der Kopfschmerz-spezifischen Therapie erkennen.
Der Report zeigt auch, dass Kopfschmerzerkrankungen häufig mit psychischen
Begleitdiagnosen einhergehen. Dies entspricht nicht nur der der klinischen
Erfahrung und wissenschaftlichen Daten, sondern belegt die Qualität der
Datenauswertung der BARMER.
Aus Sicht der Betroffenen mit Kopfschmerzen und der behandelnden Ärzte ist
es sehr zu begrüßen, dass sich eine große Krankenkasse intensiv mit dem
Thema Kopfschmerz beschäftigt und aus ihren Abrechnungsdaten
Hochrechnungen erstellt. Die Daten zeigen, dass die Behandlung zu mehr als
80% beim Hausarzt erfolgt, gefolgt von Behandlung bei Nervenärzten und
Neurologen. Die Aktivitäten der Deutschen Migräne- und
Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) für eine verbesserte Weiterbildung von
Haus- und Fachärzten verbunden mit der Möglichkeit ein Zertifikat zu
Kopfschmerzspezifischer Fortbildung zu erwerben und künftig auch Praxen,
Kopfschmerzambulanzen und Kliniken zu zertifizieren, gehen in die richtige
Richtung. Um eine flächendeckend verbesserte Behandlung von
Kopfschmerzpatienten zu gewährleisten, plädiert die DMKG dafür, die
Versorgungsstrukturen für Kopfschmerzpatienten auf allen Ebenen (vom
Hausarzt über den Facharzt bis hin zum spezialisierten Zentrum) zu
stärken. Dazu braucht es nicht nur die Unterstützung von den
Krankenkassen, sondern ganz besonders auch von den politischen
Entscheidungsträgern, die neben der Primärversorgung auch indirekten
Kosten und Folgen einer unzureichenden Versorgung im Blick haben müssen.