Zum Hauptinhalt springen

Höchste Standards in der Herz-Lungen-Unterstützung

Pin It
Die ECMO ist heute unverzichtbar in der modernen Notfall- und Intensivmedizin.  Werner Krüper
Die ECMO ist heute unverzichtbar in der modernen Notfall- und Intensivmedizin. Werner Krüper

Dem ECMO-Zentrum des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) wurde die
höchste Auszeichnung der internationalen Extracorporeal Life Support
Organization (ELSO) verliehen. Damit zählt es zu den leistungsfähigsten
und kompetentesten Zentren weltweit.

Wenn Herz und Lunge aufgeben, beispielsweise aufgrund eines Herz-
Kreislauf-Stillstands oder nach einer schweren Verletzung, zählt jede
Minute. Je schneller der Patient professionelle Hilfe erfährt, umso höher
sind seine Überlebenschancen. Seit über 20 Jahren leistet das UKR
Pionierarbeit im Einsatz der extrakorporalen Herz-Lungen-Unterstützung,
auch Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) genannt, mithilfe derer die
Herz- und/oder Lungenfunktion zeitweise überbrückt werden kann. Das
Engagement der Regensburger Experten, vereint im ECMO-Zentrum des UKR,
wurde nun mit der höchsten Auszeichnung der internationalen
Fachgesellschaft ELSO gewürdigt, dem Award for Excellence in Life Support
– Platinum Level. Professor Dr. Christof Schmid, PD Dr. Thomas Müller, PD
Dr. Matthias Lubnow, Dr. Dirk Lunz, Alois Philipp und Maik Foltan vom
ECMO-Zentrum des UKR nahmen die Urkunde auf dem größten Treffen von ECMO-
Experten in Europa, dem EURO-ELSO Kongress, Anfang Mai 2017 in Maastricht,
Niederlande, entgegen.

„Durch unsere Anstrengungen in den letzten 20 Jahren haben wir aktiv dazu
beigetragen, die Einsatzmöglichkeiten der extrakorporalen Herz-Lungen-
Unterstützung weiterzuentwickeln und konnten dadurch das Leben vieler
Patienten retten. Die Aufwertung unserer Zertifizierung auf das Platinum
Level der Extracorporeal Life Support Organization würdigt unsere Arbeit
und zeigt, dass sich unser stetiger Einsatz lohnt“, so Professor Dr.
Christof Schmid, Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und
herznahe Gefäßchirurgie des UKR.

Miniaturisierung für den mobilen Einsatz

Durch ihre intensive Forschungsarbeit und jahrelange klinische Erfahrung
konnten die Regensburger ECMO-Spezialisten bereits mehrere Innovationen im
Bereich der Intensivmedizin etablieren.
So gelang es den ECMO-Experten des UKR 2006, die weltweit kleinste,
tragbare Herz-Lungen-Maschine zu entwickeln und die herkömmlicherweise 200
kg schwere Maschine für den mobilen Einsatz nutzbar zu machen. Mit der
sehr viel kompakteren Maschine können seither schwerstkranke, auf
konventionellem Wege nicht transportfähige Patienten in ein Spezialzentrum
wie das ECMO-Zentrum des UKR transportiert und ihre Überlebenschance so um
ein Vielfaches erhöht werden. Die tragbare Herz-Lungen-Maschine wird auch
bei Notarzteinsätzen verwendet. So können Patienten mit Herz- und
Lungenversagen noch am Ort des Unfalls bestmöglich versorgt und wertvolle
Zeit bis zur Weiterversorgung im Krankenhaus gespart werden. „Wir
übernehmen mit unserer Entwicklung insbesondere eine Vorreiterrolle in der
Miniaturisierung der mobilen Herz-Lungen-Maschine für den Transport
schwerstkranker Patienten – nach Ansicht vieler Experten eine der
wichtigsten Innovationen der modernen Intensiv- und Notfallmedizin“,
kommentiert Alois Philipp, Kardiotechniker in der Klinik und Poliklinik
für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie des UKR.

2014 etablierte das ECMO-Zentrum des UKR ein Reanimationsfahrzeug. Dieses
ist mit einer transportablen Herz-Lungen-Maschine ausgestattet und wird
von einem Spezialistenteam, bestehend aus Anästhesist und Kardiotechniker,
betreut. Im Rahmen von Notarzteinsätzen können Patienten mit plötzlichem
Herz-Kreislauf-Stillstand damit effizienter versorgt werden. „Dieses
Projekt ist weltweit immer noch einmalig. Seitdem das ECMO-Team mit dem
Reanimationsfahrzeug mobil einsetzbar ist und nach Bedarf zu Notfällen
hinzugezogen werden kann, konnten wir die Überlebensraten bei unseren
Patienten deutlich steigern“, so Dr. Dirk Lunz, Oberarzt in der Klinik für
Anästhesiologie und Leiter der ECMO-Transporte am UKR.

Die Überlebenschance verbessert sich stetig

Neben Notarzteinsätzen und Patiententransporten wird das ECMO-Verfahren
auch bei akutem Lungenversagen infolge von Verletzungen oder Erkrankungen
wie Pneumonie oder Sepsis, bei Herzkrankheiten oder während
Herzoperationen in der modernen Intensiv- und Notfallmedizin eingesetzt.
Durch ECMO wird die Herz-Lungen-Funktion außerhalb des Körpers
unterstützt. Über ein Schlauchsystem wird das sauerstoffarme Blut des
Patienten in eine künstliche Lunge außerhalb des Körpers abgeführt, wo es
mit Sauerstoff angereichert und Kohlenstoffdioxid entfernt wird.
Anschließend wird das Blut dem Körper mittels einer Pumpe über das
Schlauchsystem wieder zugeführt.

Angeboten werden kann ECMO nur in hochspezialisierten Kliniken, da bei der
Therapie verschiedene Fachbereiche eng zusammenarbeiten müssen. Im
Universitätsklinikum Regensburg sind das neben der Kardiotechnik die
Bereiche Intensivmedizin, Kardiologie, Anästhesiologie, Herzchirurgie
sowie Kinder- und Jugendmedizin.

Im ECMO-Zentrum des UKR werden jährlich etwa 170 bis 180 Patienten aller
Altersgruppen mit der extrakorporalen Unterstützung behandelt, 40 Prozent
davon aufgrund akuten Lungenversagens, 60 Prozent aufgrund Herzversagens.
Durch die ECMO-Therapie überleben inzwischen 70 Prozent der
Lungenpatienten, bei den Herzpatienten sind es bis zu 45 Prozent. Zwischen
sieben und elf Tage sind die Patienten im Durchschnitt an der Maschine
angeschlossen, in Ausnahmefällen können es aber auch bis zu drei Monate
sein. „Durch unsere langjährige Erfahrung und unsere ständige Arbeit an
ECMO-Therapieverfahren konnten wir die Überlebensraten unserer Patienten
in den letzten Jahren stetig verbessern. Diese Entwicklung werden wir auch
weiterhin verfolgen“, resümiert PD Dr. Thomas Müller, Oberarzt in der
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR.