Die Patientenverfügung: Entscheidend für die Therapie Veranstaltung des Klinischen Ethik-Komitees am Herz- und Diabeteszentrum NRW
„Der Wille des Patienten ist die Basis für die Behandlung.“ Mit diesem
Satz bringt Professorin Ruth Rissing-van Saan auf den Punkt, was der
Bundesgerichtshof 2010 unter ihrer Federführung zur strafrechtlichen
Situation in Deutschland entschieden hat. „Auch wenn Mediziner anders
entscheiden würden, darf eine Behandlung aktiv beendet werden, wenn der
Patient es so will.“
Die ehemalige Bundesrichterin hat die Einladung des Klinischen Ethik-
Komitees am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, unter
dem Vorsitz von Antje Freitag gerne angenommen, um die aktuellen Maßgaben
des Bundesgerichtshofs zu den inhaltlichen Anforderungen an eine
Patientenverfügung zu diskutieren. Gemeinsam mit Dr. Arnd May, Klinischer
Ethiker am Zentrum für Angewandte Ethik in Erfurt, macht sie aber auch
deutlich, wie schwierig es oft sein kann, den eindeutigen Willen des
Patienten festzustellen.
„Die Patientenverfügung ist damit vor allem ein Rechtsinstrument,“ sagt
Antje Freitag. „Deshalb sollte darin detailliert beschrieben sein, in
welchen Situationen und bei welchen Maßnahmen es zur Anwendung kommt.“
Angesichts der Komplexität von Erkrankungen und den darüber vorliegenden
Erkenntnissen fällt eine Beurteilung im klinischen Alltag dagegen oft sehr
schwer. Angehörige, behandelnde Ärzte und Pflegekräfte, Psychologen,
Physiotherapeuten oder Mitarbeiter des Sozialdienstes können
unterschiedlicher Meinung nicht nur darüber sein, welche Maßnahme für
einen Patienten die beste ist, sondern auch darüber, welche Maßnahme
mutmaßlich seinem Willen entspricht. In diesen Fällen empfiehlt sich eine
ethische Fallberatung, die das Komitee des Klinikums als regelmäßige und
seit Jahren etablierte Maßnahme im HDZ NRW durchführt, um auf der
Grundlage von medizin- und pflegeethischen Prinzipien zu einer
individuellen Bewertung und gemeinsamen Lösung zu gelangen.
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Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von
Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 37.000 Patienten pro Jahr,
davon 14.400 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes
Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier
Universitätskliniken und Institute seit mehr als 30 Jahren
interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik der Ruhr-
Universität Bochum.
