Info-Treffen im Dresdner Uniklinikum: Frauen müssen nicht unter monatlichen Schmerzen leiden
Mehr als zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter
Regelschmerzen. – Ein Leiden, das die meisten Betroffenen hinnehmen, ohne
sich um ärztlichen Rat zu bemühen. Doch dieser Schritt lohnt sich, denn in
etwa der Hälfte der Fälle werden die Schmerzen durch eine gut behandelbare
Endometriose ausgelöst – bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der
Gebärmutterhöhle vor allem im Bauchraum absiedelt. Vertrauen sich diese
Frauen einem spezialisierten Arzt oder einem Zentrum an, kann ihnen
zumeist geholfen werden. – So auch durch die Klinik für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.
Als einziges sächsisches Krankenhaus betreibt das Dresdner Uniklinikum ein
nach den Vorgaben der Europäischen Endometriose Liga (EEL) zertifiziertes
Zentrum zur Diagnose und Therapie dieser Erkrankung. Um von der
Endometriose Betroffene und ihre Partner aber auch Frauen mit noch
unbehandelten Unterleibsschmerzen über die Krankheit selbst sowie über
moderne Therapien zu informieren, laden die EEL und die Uni-Frauenklinik
am 29. November ins Universitäts Kinder-Frauenzentrum zu einem
Endometriose-
Bei der chronisch auftretenden Endometriose bildet sich die Schleimhaut
der Gebärmutter außerhalb der Gebärmutterhöhle und blutet während der
Menstruation ab. Das ist aber nur eine mögliche Quelle der Schmerzen. Denn
diese gutartige Erkrankung führt unter anderem auch zu Verwachsungen an
inneren Organen. So leiden nicht wenige Betroffenen zudem unter einem
unerfüllten Kinderwunsch. Wie die Erkrankung festgestellt und behandelt
werden kann, steht im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung am
Mittwoch, dem 29. November, ab 19 Uhr,
im Hörsaal des Universitäts Kinder-Frauenzentrums (Haus 21) am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, 01307 Dresden, Fetscherstraße 74
(Eingang über Pfotenhauerstr. oder über die Hauptpforte Fiedler-/Ecke
Augsburger Str.).
An diesem Abend beantworten folgende Endometriose-Spezialisten die Fragen
der betroffenen Frauen und ihrer Partner: Klinikdirektorin Prof. Pauline
Wimberger, Dr. Nannette Grübling, Leiterin Endometriosesprechstunde, Dr.
Axel Schindelhauer, Leitender Oberarzt im Bereich operative Gynäkologie,
Oberärztin Dr. Maren Goeckenjan, Leiterin des Universitäts-
Kinderwunschzentrums, sowie der niedergelassene Facharzt Dr. Jörg Klengel,
Kompetenzpartner Endometriose. Überdies berichten Endometriosepatientinnen
von ihren Erfahrungen.
Mit ganzheitlichem Versorgungskonzept das Leiden in den Griff bekommen
Viele Frauen nehmen menstruationsbedingte Schmerzen als gegeben hin. Doch
wer jeden Monat aufs Neue leiden muss und sich nur mit Schmerzmitteln zu
helfen weiß, sollte sich auf Endometriose untersuchen lassen. „In unserer
Endometriosesprechstunde wird entsprechend der Beschwerden ein
ausführliches Anamnese- und Beratungsgespräch geführt. Denn die Erkrankung
hat viele Facetten und wirft entsprechend viele Fragen auf. Ein
Erstgespräch dauert deshalb durchschnittlich eine Stunde und ist Grundlage
für ein individuelles Behandlungsschema, weil es neben den Untersuchungen
wichtige Hinweise für die weitere Behandlung liefert“, erklärt Dr.
Nannette Grübling. Die von ihr geleitete Endometriosesprechstunde ist
dabei nur ein Bereich des Endometriosezentrums der Dresdner Uni-
Frauenklinik. Welche Behandlungsschritte notwendig sind und welche zuerst
erfolgen sollten, wird am Dresdner Uniklinikum in einer speziellen
Ärztekonferenz – dem Endometrioseboard – festgelegt. Daran beteiligen sich
neben den Frauenärzten, die auf die operative wie auch auf die
konservative Therapie spezialisierten sind, auch die Fachkollegen der
Reproduktionsmedizin. Darüber hinaus gehören Pathologen sowie auf
Psychosomatik spezialisierte Ärzte zu dieser Absprache-Runde an. Bei
Bedarf werden zudem Ärzte weiterer Kliniken des Uniklinikums hinzugezogen.
Von dieser Zusammenarbeit profitierte auch Maria Wackernagel. Die
Dresdnerin konnte über Jahre die mit der Regelblutung verbundenen
Schmerzen nur mit starken Medikamenten überstehen. Trotzdem fühlte sie
sich schlapp, schlief viel und zog sich an diesen Tagen häufig zurück. So
wie der heute 29-Jährigen geht es nicht wenigen Frauen. „Viele nehmen
diese Schmerzen als gegeben hin“, sagt Prof. Pauline Wimberger, Direktorin
der Dresdner Uni-Frauenklinik. Dieses stille leiden führe dazu, dass es
sehr häufig bis zu sechs oder sieben Jahre dauert, bis eine Endometriose
als Ursache der Schmerzen festgestellt wird.
Maria Wackernagels Schwiegermutter gab schließlich den Anstoß dazu, dem
Leiden ein Ende zu setzen: Sie hatte bemerkt, dass die Schwiegertochter
regelmäßig starke Schmerzmittel nahm und riet ihr, sich in der Uni-
Frauenklinik vorzustellen. Tatsächlich wird bei etwa der Hälfte der
Frauen, die über Regelschmerzen klagen, schließlich eine Endometriose
diagnostiziert. So auch bei Maria Wackernagel: Vor drei Jahren saß sie
erstmals Dr. Nannette Grübling gegenüber.
Je länger Frauen unbehandelt unter Endometriose leiden, umso schwieriger
kann es für sie werden, ein Kind zu bekommen. Ein Grund dafür ist
wucherndes Gewebe am Eileiter, so dass Eizellen nicht mehr in die
Gebärmutter gelangen können. Deshalb weist auch ein lange unerfüllter
Kinderwunsch auf Endometriose hin.
Erstes Ziel der Gynäkologen ist es, im Rahmen der Therapie die Schmerzen
der Betroffenen in den Griff zu bekommen. Neben der operativen Entfernung
der Endometrioseherde gibt es verschiedene hormonelle Therapien. Damit
lassen sich Wachstum und Neubildung von Endometrioseherden bremsen und so
Schmerzen lindern. Dank der Hormontherapie sinkt der Östrogenspiegel – für
Frauen mit drängendem Kinderwunsch kommen sie damit aber nicht in Frage.
Die Wirksamkeit der Hormonbehandlung ist im Prinzip auf die Dauer der
Einnahme beschränkt, kann allerdings eine Zeit lang nachwirken. Neben der
Schulmedizin gibt es auch alternative Behandlungsmethoden, die auch an der
Uni-Frauenklinik genutzt werden: „Es ist wichtig, die Patientin
ganzheitlich zu betreuen. Studien zeigen, dass Akupunktur oder Yoga sehr
hilfreich sein können. An unserem Zentrum wird beispielsweise auch ein
Bauchtanzkurs angeboten“, erklärt Prof. Wimberger.
Maria Wackernagel entschied sich für die Einnahme der Hormone, um die
Schmerzattacken in den Griff zu bekommen. Dennoch gab es bei ihr doch die
Notwendigkeit, einige Endometrioseherde in einer Operation zu entfernen.
Denn das Gewebe hatte sich bereits um den von einer Niere zur Blase
verlaufenden Harnleiter gelegt. Bei einer Bauchspiegelung – das ist ein
minimalinvasiver Eingriff, zu dem nur drei lediglich fünf Millimeter große
Schnitte notwendig sind – wurde ihr dieses Gewebe entfernt. Zugleich
stellten die Endometriose-Spezialistinnen fest, dass einer ihrer Eileiter
durch die Erkrankung bereits befallen war.
In der Zwischenzeit hatte die heute 29-Jähringe geheiratet und der
Kinderwunsch wurde konkreter. Dass die Endometriose kein Hinderungsgrund
sein muss, hatten Sie und ihr Partner bereits auf einer
Informationsveranstaltung erfahren, die die Uni-Frauenklinik regelmäßig
gemeinsam mit der Europäischen Endometriose Liga e. V. veranstaltet. Dort
trafen Sie eine Patientin, die trotz der Erkrankung Mutter zweier Kinder
geworden ist. „Das hat mir Mut gemacht“, sagt Maria Wackernagel. Da bei
ihr die Chancen für eine ganz natürliche Schwangerschaft nicht so gut
standen, entschied sich das Paar für eine Kinderwunschbehandlung am
Uniklinikum. „Genau an meinem Geburtstag setzte mir die Ärztin zwei
befruchtete Eizellen ein. – Gleich beim ersten Versuch wurde ich
schwanger“, berichtet die Erzieherin glücklich. – Es kündigten sich
Zwillinge an, die inzwischen ein halbes Jahr alt sind.
Weitere Informationen
www.endometriose-liga.eu/
