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„Inflamm-Aging“ - Ist das Alter eine Entzündung?

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Rot, geschwollen, schmerzhaft – so stellen wir uns in der Regel eine
Entzündung vor. Entzündungsvorgänge können aber auch sehr viel diskreter
und ohne erkennbare klinische Symptome ablaufen. Gerade diese
unterschwelligen, chronischen Entzündungen sind es, die seit einigen
Jahren im Verdacht stehen, wesentlich zum Alterungsprozess und zu
alterstypischen Erkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes oder Alzheimer
beizutragen.

Wie chronische Entzündungszustände entstehen und wie sich dieser auch als
„Inflamm-Aging“ bezeichnete Prozess beeinflussen lässt, ist eines der
Themen auf der Eröffnungs-Pressekonferenz anlässlich Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die heute in Mannheim
stattfindet.

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Den Begriff Inflamm-Aging ist aus den englischen Wörtern für Entzündung
(inflammation) und Altern (ageing) zusammengesetzt und wurde bereits im
Jahr 2000 geprägt. Der italienische Immunologe Claudio Franceschi
beschrieb damit die heute allgemein anerkannte Tatsache, dass das
Immunsystem im Verlauf seines normalen Alterungsprozesses immer mehr
entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzt. „Die Balance zwischen den
verschiedenen Zelltypen des Immunsystems verändert sich mit zunehmendem
Alter“, erläutert Professor Dr. med. Cornel C. Sieber, Vorsitzender der
DGIM 2017/2018, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und
Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg und Direktor am
Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg. So
nimmt etwa die Aktivität der adaptiven, also gegen spezifische
Krankheitserreger gerichteten Immunabwehr ab, die der unspezifischeren,
angeborenen Immunabwehr dagegen nimmt zu.

In der Folge werden vermehrt Botenstoffe wie Prostaglandin E2,
Interleukin-6, Interferon-gamma und TNF-alpha produziert, die für
Entzündungen typisch sind. Dieser proinflammatorische Botenstoff-Mix
wiederum fördert die Bildung freier Radikale - aggressiver
Sauerstoffverbindungen, die prinzipiell jedes Gewebe schädigen können.
„Auch dieser oxidative Stress trägt vermutlich zu Alterungsvorgängen bei“,
sagt Sieber. Typische Alterskrankheiten, deren Entstehung mit dem Inflamm-
Aging in Verbindung gebracht wird, sind neben der Alzheimer-Demenz auch
Osteoporose, Arteriosklerose, Arthritis oder Diabetes.

Wie stark sich das Zusammenspiel der Immunbotenstoffe verschiebt, ob sich
die Folgen noch zu Lebzeiten klinisch bemerkbar machen und – wenn ja – an
welchen Organen sie sich manifestieren, ist zum Teil genetisch festgelegt.
„Die gute Nachricht ist jedoch, dass die beim Inflamm-Aging ablaufenden
Prozesse sich ganz wesentlich auch durch den Lebensstil beeinflussen
lassen“, sagt Sieber. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und das
Pflegen von Sozialkontakten – diese drei Faktoren könnten stark dazu
beitragen, Entzündungsphänomene zu begrenzen und oxidativen Stress zu
reduzieren. Besonders die so genannte mediterrane Diät, die reich an Obst
und Gemüse und somit an Antioxidantien ist, hält Sieber für geeignet, um
entzündliche und gewebeschädigende Prozesse zu bremsen. Sein ermutigendes
Fazit: Man kann zwar nicht verhindern, dass man altert – aber das Altern
ist modulierbar.