Diabetes Kongress 2018: Ernährungsmodelle im Fokus – weniger Fett oder weniger Kohlenhydrate?
Etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland sind an Diabetes erkrankt,
davon über 95 Prozent an Typ 2. Die Stoffwechselerkrankung entsteht unter
anderem durch einen Lebensstil, der durch Über- und Fehlernährung, zu
wenig Bewegung und dadurch bedingt ausgeprägtes Übergewicht gekennzeichnet
ist. Eine Ernährungsumstellung mit dem Ziel, die Stoffwechseleinstellung
zu verbessern, ist daher wichtiger Bestandteil der Therapie bei
Typ-2-Diabetes. Welche Ernährungsmodelle möglicherweise Vorteile gegenüber
anderen haben, diskutieren rund 6000 Ärzte, Wissenschaftler und
nichtärztliche Mitglieder des Diabetes-Behandlungsteams vom 9. bis 12. Mai
2018 auf dem Diabetes Kongress in Berlin.
Unter anderem stellen Experten neue Studienergebnisse zur Frage „Low Carb
oder Low Fat?“ vor.
„Ziel des Diabetes Kongresses ist es, den Teilnehmern einen Überblick über
die wissenschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Monate und einen
Ausblick auf zukünftige Perspektiven zu geben“, erklärt Kongresspräsident
Univ.-Professor Dr. med. Jochen Seufert aus Freiburg. Einer der
Themenschwerpunkte des Kongresses lautet „Der Mensch mit Diabetes im
Mittelpunkt – praktische Relevanz neuer Studiendaten – individualisierte
Therapiestrategien“. „Dieser Aspekt steht in der modernen Diabetestherapie
im Vordergrund, denn nicht jede Therapie ist für jeden Patienten
geeignet“, betont Seufert. Das gilt auch für die Behandlung von Diabetes
Typ 2, bei der häufig die Ernährung im Mittelpunkt steht.
Viele Menschen mit einer Diabetesvorstufe oder einem bereits bestehenden
Diabetes Typ 2 haben Übergewicht. Sie können ihre Stoffwechseleinstellung
durch Gewichtsabnahme häufig deutlich verbessern. Lange Zeit erschien
dabei eine fettreduzierte Ernährungsweise als der bevorzugte Weg. Diese
Kostform wurde auch normalgewichtigen Typ-2-Diabetikern empfohlen.
Inzwischen sehen Ernährungsexperten in kohlenhydratarmen
Ernährungsmodellen Vorteile: Der Verzicht auf Kohlenhydrate soll sich
günstiger auf den Blutzucker auswirken. „Bislang wurde dies nur wenig
vergleichend untersucht“, sagt Dr. med. Stefan Kabisch vom Deutschen
Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), das Partner des
Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD) ist. Er ist an zwei
derzeit dort laufenden Ernährungs-
Prävention beziehungsweise Behandlung des Typ-2-Diabetes beteiligt, die
„Low Carb“ und „Low Fat“ direkt vergleichen.
An der DiNA-P-Studie („Diabetes Nutrition Algorithms - Prediabetes“)
nehmen insgesamt 250 Personen mit Prädiabetes teil. „Die Betroffenen sind
oft fettleibig, viele haben auch eine Fettleber, die das Risiko für einen
Typ-2-Diabetes weiter erhöht“, erläutert Kabisch. An der DiNA-D-Studie
(„Diabetes Nutrition Algorithms in Patients With Overt Diabetes Mellitus“)
werden insgesamt ebenfalls 250 Menschen teilnehmen, die jedoch bereits
einen Typ-2-Diabetes entwickelt haben. Dr. med. Stefan Kabisch erklärt:
„Auch hier geht es um die Frage, wie sich Low-Carb und Low-Fat auf den
Blutzuckerspiegel auswirken und wie z.B. die Fettleber darauf reagiert.“
Erste Zwischenergebnisse der noch laufenden DiNA-P-Studie liegen bereits
vor. „Die bisher publizierten Studien zum low-carb-low-fat-Vergleich sehen
eine etwas stärkere Gewichtsreduktion unter low-carb; das können wir aus
unserer Erfahrung zumindest bei kurzfristiger Diät bestätigen“, berichtet
Kabisch. Ähnlich sind die Resultate bei Blutzucker und Blutdruck.
Vergleichbar stark scheinen low-carb und low-fat bei der Fettleber. Eine
endgültige Bewertung der Diäten sei jedoch erst möglich, wenn DiNA-P
abgeschlossen ist und auch die Ergebnisse der DiNA-D-Studie vorliegen,
betont der Ernährungsexperte. Dr. med. Stefan Kabisch stellt auf dem
Diabetes Kongress 2018 erste Detailergebnisse aus beiden Studien vor.
Der 53. Frühjahrskongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft findet vom
9. bis 12. Mai im CityCube Berlin statt. Alle Informationen zum Diabetes
Kongress 2018 sind im Internet unter www.diabeteskongress.de zu finden.
Terminhinweise für Journalisten:
Vorab-Pressekonferenz zum Diabetes Kongress 2018:
„Forschung, Digitalisierung, Aufklärung und Prävention – Innovative Wege
im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes“
Termin: Donnerstag, 3. Mai 2018, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 3
Anschrift: Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin
1. Kongress-Pressekonferenz anlässlich des Diabetes Kongresses
53. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
„Wissenschaft und klinischer Fortschritt – gemeinsam in die Zukunft“
Termin: Donnerstag, 10. Mai 2018, 11.15 bis 12.15 Uhr
Ort: Saal M4, Level 3, City Cube Berlin
Anschrift: Haupteingang Messedamm, Messedamm 26, 14055 Berlin
2. Kongress-Pressekonferenz anlässlich des Diabetes Kongresses
53. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
„Digitalisierung in der Diabetologie: Wie viel Diabetes-Wissen steckt in
unseren Daten?“
Termin: Freitag, 11. Mai 2018, 11.15 bis 12.15 Uhr
Ort: Saal M4, Level 3, City Cube Berlin
Anschrift: Haupteingang Messedamm, Messedamm 26, 14055 Berlin
