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PK „Schmerz-Aktionstag“ 2018: „Chronische Schmerzen“, „Eigenmedikation“, „opioidhaltige Pflaster“

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27 Prozent der deutschen Bevölkerung haben chronische Rücken- oder
Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen oder Migräne. Am „Aktionstag gegen den
Schmerz“ am 5. Juni 2018 wies die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.
gemeinsam mit Partnerorganisationen auf die lückenhafte Versorgung dieser
Schmerzpatienten hin. Auf der Pressekonferenz anlässlich des Aktionstags
stellten Experten das vom G-BA-Innovationsfonds gefördertes Projekt PAIN
2020 vor, berichteten über die Risiken bei der Eigenmedikation mit
Schmerzmitteln und den Umgang mit gebrauchten opioidhaltigen
Schmerzpflastern.

„Schmerzen zu behandeln ist oft schwierig und erfordert Spezialisten, die
möglichst berufs- und fächerübergreifend mit anderen Experten
zusammenarbeiten“, erklärt Professor Dr. med. Hans-Raimund Casser,
Präsidiumsmitglied der Schmerzgesellschaft. „Diese Erkenntnis muss noch
viel stärker in den Behandlungsalltag eingebracht werden. Das war der
Grund für die Bewerbung beim G-BA-Innovationfonds mit dem Projekt PAIN
2020“, so Casser, Ärztlicher Direktor des DRK Schmerz-Zentrums Mainz. PAIN
2020 steht für „Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär.
Netzwerk.“ und wird bundesweit zusammen mit der BARMER und über 30
Kooperationspartnern durchgeführt. Es hat eine Laufzeit von drei Jahren
und ein Gesamtvolumen von rund sieben Millionen Euro. Das Projekt soll
Wege aufzeigen, die Versorgung von Patienten, die ein hohes Risiko für die
Entwicklung chronischer Schmerzen haben, zu verbessern. „Ein Ziel ist also
auch, unnötige Chronifizierungsverläufe zu verhindern, von denen wir
wissen, dass sie eine immense Belastung für die Patienten und die
Gesellschaft darstellen“, sagt Casser. Im PAIN 2020-Projekt sollen diese
Patienten rechtzeitig identifiziert werden, um dann eine spezielle
Schmerzdiagnostik in Form eines interdisziplinären multimodalen
Assessments und eine auf ihre Problematik zugeschnittene Therapie zu
erhalten. Wenn dadurch die Versorgung verbessert werden kann, könnte
dieses Modellprojekt in die Regelversorgung überführt werden.

Wohin mit opioidhaltigen Schmerzpflastern?
Schmerzmittel werden als Tabletten, Zäpfchen, Tropfen, Säfte oder Pflaster
verabreicht, dazu gehören auch verschreibungspflichtige opioidhaltige
Schmerzpflaster. Letztere enthalten nach dem Gebrauch noch eine recht
große Menge an Wirkstoff. „Einer der verwendeten Wirkstoffe ist das Opioid
Fentanyl, das bis zu hundertmal stärker als Heroin ist. Das macht die
gebrauchten Pflaster interessant für Drogenabhängige“, sagt Professor Dr.
Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für
Pflegeberufe (DBfK). Drogenabhängige sammeln gebrauchte Pflaster im Müll
von Kliniken, Heimen und Hospizen, kochen sie aus, um die herausgelösten
Wirkstoffe dann zu injizieren, so die Expertin. Überdosierung führt zu
Bewusstlosigkeit, Atemlähmung und sogar zum Tod.
Die Entsorgung der Pflaster ist jedoch nicht gesetzlich geregelt. Um
zunächst die Frage zu klären, wie derzeit mit gebrauchten Pflastern
umgegangen wird, hat der DBfK eine Online-Umfrage mit 1216 Teilnehmern aus
Pflegeberufen durchgeführt. Das Ergebnis: Nur gut 20 Prozent aller
Einrichtungen/Pflegedienste hat eine verbindliche Anweisung zum Umgang mit
gebrauchten Pflastern. 68 Prozent entsorgen die Pflaster im Müll, 48
Prozent kleben vorher die Innenflächen zusammen. „Wir wollen auf die
Gefahr des Missbrauchs hinweisen und geben zugleich mit unserem heute
veröffentlichten Leitfaden Impulse, wie man gegensteuern kann“, sagt
Bienstein. „Eine Entsorgung im sogenannten Spritzenabwurf halten wir
beispielsweise für praktikabel. Langfristig sollte es aber gesetzliche
Vorgaben für die Entsorgung dieser Medikamentenreste geben“, ergänzt die
DBfK-Präsidentin. Der neue Leitfaden für Betroffene, pflegende Angehörige
und Fachpersonal kann von der Webseite des Verbands heruntergeladen
werden.

Nicht-verschreibungspflichtige Schmerzmittel zur Eigenmedikation
Nicht jeder Mensch mit Schmerzen geht zum Arzt. 437 Millionen Euro gaben
die Deutschen 2017 laut Deutschem Apothekerverband (DAV) e.V. für nicht-
verschreibungspflichtige Schmerzmittel aus. Spitzenreiter sind Ibuprofen,
Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Diclofenac. „Diese Arzneien
unterscheiden sich in ihrer Wirkung und in ihren Nebenwirkungen, denn
Schmerzmittel ist nicht gleich Schmerzmittel“, sagt Berend Groeneveld,
Vorstandsmitglied und Patientenbeauftragter des Deutschen
Apothekerverbandes. Auch wer Schmerzmittel durch den Arzt verordnet
bekommt, nimmt in der Selbstmedikation bei bestimmten Schmerzen
zusätzliche Schmerzmittel ein. Auch hier können Doppeldosierungen oder
Wechselwirkungen auftreten, oft ist der Apotheker die Erstinstanz, die das
erkennen kann, und dann interdisziplinär mit dem Arzt sowie in Absprache
mit dem Patienten die notwendigen Anpassungen durchführt, wie es auch im
Medikationsplan vorgesehen ist. Wer häufig oder über einen langen Zeitraum
Schmerzmittel nimmt, sollte immer mit seinem Arzt oder Apotheker sprechen
und sich über Behandlungsalternativen informieren.“

Zur Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.:
Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. ist mit über 3600 persönlichen
Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im
Bereich Schmerz in Europa. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. ist
Mitglied der IASP (International Association for the Study of Pain) sowie
der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften). Sie ist zudem die interdisziplinäre
Schmerzdachgesellschaft von derzeit 19 mitgliederstarken weiteren
medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften im Bereich Schmerz.
Diese Perspektive wird zudem erweitert durch die institutionelle
korrespondierende Mitgliedschaft der Vereinigung aktiver Schmerzpatienten
SchmerzLOS e.V. in der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.
Die Mitgliedschaft der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. ist
interdisziplinär und interprofessionell und besteht aus Schmerzexperten
aus Praxis, Klinik, Psychologen, Pflege, Physiotherapie u. a. sowie
wissenschaftlich ausgewiesenen Schmerzforschern aus Forschung, Hochschule
und Lehre.