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Deutschland ist Schlusslicht bei Organspenden: Widerspruchslösung muss diskutiert werden

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Seit 2010 ist die Zahl der gespendeten Organe in Deutschland um etwa 40
Prozent gesunken, und die Anzahl der Spender ist auf dem niedrigsten Stand
seit 20 Jahren. Wir bilden damit das Schlusslicht in ganz Europa.
Politische und technische Alternativen zur Warteliste als eine tödliche
Falle erläutert Professor Dr. med. Rainer Blasczyk, Leiter des Instituts
für Transfusionsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, auf der
Pressekonferenz im Rahmen der 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft
für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e. V. (DGTI). Die
Presseveranstaltung findet am Mittwoch, den 19. September 2018 in Lübeck
statt.

„Im Durchschnitt sterben in Deutschland täglich mehr als zwei Patienten,
die auf der Warteliste stehen, weil das lebensrettende Organ fehlt“, klagt
Professor Dr. med. Rainer Blasczyk. Dass es in jedem anderen Land in
Europa mehr Spenderorgane als in Deutschland gibt, liegt laut Blasczyk an
der dort geltenden Widerspruchslösung: „In dem von der WHO empfohlenen
System gilt: Wer zu Lebzeiten der Organspende nicht widerspricht, gilt als
Organspender.“ Damit wurde beispielsweise in Spanien die Organspende zum
Normalfall. Patienten warten dort nur ein Jahr auf eine Spenderniere,
hierzulande dagegen über sechs Jahre. Grund hierfür sehen die Experten in
der in Deutschland geltenden Entscheidungslösung. Das heißt, die aktive
Zustimmung – auf einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung
– ist Voraussetzung für eine Organspende.

„Ohne Widerspruchslösung ist keine relevante Zunahme der postmortalen
Organspende zu erreichen“, so Blasczyk. In Deutschland seien deshalb
mutige politische Diskussionen und Entscheidungen nötig, um die eigentlich
überwältigende Zustimmung der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zur
Organspende in die richtigen Bahnen zu lenken. „Die Erfahrungen aller
europäischen Länder haben gezeigt, dass die Einführung der
Widerspruchslösung das einzige Mittel ist, um die hohe Bereitschaft zur
Organspende auch tatsächlich umzusetzen“, ist Blasczyk überzeugt.

Forscher suchen derweil nach technischen Alternativen. Professor Blasczyk
arbeitet mit Kollegen aus Hannover an sogenannten „unsichtbaren“ Organen,
die vom Immunsystem des Empfängers nicht erkannt werden können. Mit dem
„Organ Engineering“ könnte die Abstoßung fremder Organe verhindert werden.
Dem Patienten bliebe darüber hinaus die Einnahme von Medikamenten, die das
Immunsystem unterdrücken, und damit deren Nebenwirkungen erspart. Wenn
keine wiederholten Transplantationen nach Abstoßungsreaktionen nötig sind,
würden für mehr Patienten Organe zur Verfügung stehen.

„Bisher ist ein Organ durch nichts zu ersetzen“, erklärt Blasczyk. „Die
Rettung vor dem Tod auf der Warteliste kann nur gelingen, wenn es
ausreichend Menschen gibt, die zur Organspende bereit sind. Es bedarf
darüber hinaus einer Politik, die das Thema Organspende mit Mut
diskutiert.“

***Bei Veröffentlichung Beleg erbeten***

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Pressekonferenz im Rahmen der 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft
für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI)
Termin: Mittwoch, 19. September 2018, 13.00 bis 14.00 Uhr
Ort: Lübecker Musik- und Kongresshallen GmbH
Anschrift: Willy-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck

Vorläufige Themen und Referenten

Demografischer Wandel in der Blutspende und im Krankenhaus: Was geschehen
muss, um die Blutversorgung für die Zukunft zu sichern
Professor Dr. med. Siegfried Görg
Kongresspräsident der 51. Jahrestagung der DGTI, Direktor des Instituts
für Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus
Lübeck

Sichere Blutprodukte: Wie wir Empfänger vor Infektionen schützen
Professor Dr. med. Holger Hennig
Kongresspräsident der 51. Jahrestagung der DGTI, stellvertretender
Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Immun gegen Spenderblut: Wie hilft man Menschen mit seltenen Blutgruppen?
Professor Dr. med. Harald Klüter
1. Vorsitzender der DGTI, Institut für Transfusionsmedizin und
Immunologie, DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen gGmbH,
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

Mangel an Spenderorganen: Rettung vor dem Tod auf der Warteliste
Professor Dr. med. Rainer Blasczyk
Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, Medizinische Hochschule
Hannover

Moderation: DGTI-Pressestelle, Stuttgart