Kinder brauchen Freiräume – Deutsche Leberstiftung warnt am Weltkindertag vor Fettlebererkrankungen
Das Motto des diesjährigen Weltkindertages lautet „Kinder brauchen
Freiräume“. UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk rufen
Bund, Länder und Kommunen am 20. September 2018 dazu auf, Kinder und
Jugendliche stärker zu beteiligen und ihnen mehr Freiräume zu geben.
Politik und Gesellschaft sollen dafür die notwendigen Voraussetzungen
schaffen. Die Deutsche Leberstiftung unterstützt die Forderungen speziell
für den Bereich Gesundheit, damit Kinder und Jugendliche bessere Chancen
für bewusste Ernährung und mehr Bewegung haben.
Ende 2017 veröffentlichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das
Imperial College London alarmierende Zahlen einer weltweiten Studie: In
den letzten vierzig Jahren hat sich die Zahl extrem übergewichtiger Kinder
und Jugendlicher auf 124 Millionen erhöht und damit mehr als verzehnfacht.
Und dieser Anstieg basiert laut Studienergebnissen nicht auf dem
Bevölkerungswachstum – nur zehn Prozent der größeren Zahl an extrem
Übergewichtigen sind auf die wachsende Bevölkerung zurückzuführen. 90
Prozent der verzehnfachten Zahl an Fettleibigen von den analysierten fünf
bis 19 Jahre alten Kindern und Jugendlichen sind unter anderem die Folge
einer Kombination aus Bewegungsmangel und dem Verzehr ungesunder Snacks,
Lebensmittel und Getränke.
Auch in Deutschland sind die Zahlen hoch: Waren 1975 nur etwa 3 Prozent
der Jungen und 2,5 Prozent der Mädchen fettleibig, sind laut den aktuellen
WHO-Zahlen 11,2 Prozent der Jungen und 6,9 Prozent der Mädchen extrem
übergewichtig. „Wie in fast allen Ländern mit hohem Einkommen stiegen die
Zahlen extrem übergewichtiger Kinder und Jugendlicher in Deutschland zwar
jetzt nicht weiter an, doch auch die Stagnation auf einem viel zu hohen
Niveau ist besorgniserregend“, warnt Professor Ulrich Baumann, Facharzt
für Kinder- und Jugendmedizin aus der Pädiatrischen Gastroenterologie und
Hepatologie der Medizinischen Hochschule Hannover. „Wie bei Erwachsenen
kann auch bei Kindern durch extremes Übergewicht die Leber in
Mitleidenschaft gezogen werden und verfetten. In Deutschland ist bereits
jeder vierte Bundesbürger über 40 betroffen und bereits jedes dritte
übergewichtige Kind leidet an dieser Krankheit – Tendenz steigend.“
Die „nicht-alkoholische Fettleber“ (NAFL) macht sich bei Kindern wie auch
bei Erwachsenen nur in seltenen Fällen durch Krankheitssymptome bemerkbar,
sie ist jedoch stets ein großes Gesundheitsrisiko: Auch bei Kindern
besteht die Gefahr einer Leberentzündung und einer nicht mehr umkehrbaren
Vernarbung des Lebergewebes, einer sogenannten Fibrose, die sich zu einer
Leberzirrhose entwickeln kann. Vor allem bei einer bestehenden Zirrhose
ist auch bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für einen Leberzellkrebs
deutlich erhöht.
Für die Therapie gilt: Abnehmen steht an erster Stelle. Und es gilt,
Veränderungen im Lebensstil vorzunehmen. Doch es ist schwer für Eltern,
ihren Kindern gesunde Ernährung erfolgreich anzubieten, wenn speziell auf
Kinder ausgerichtete Werbekampagnen Glück und Spaß durch den Verzehr von
Süßigkeiten, zuckerhaltigen Getränken und Fastfood vorgaukeln. Bereits
2016 forderte die WHO die Bekämpfung von Lebensmittelwerbung für Kinder.
Es wird der direkte Zusammenhang aufgezeigt, dass die Fettleibigkeit im
Kindesalter durch die zielgerichtete Vermarktung von Lebensmitteln, Snacks
und nicht-alkoholischen Getränken mit hohem Anteil an gesättigten
Fettsäuren, freien Zuckern oder Salz begünstigt wird. Deshalb
unterstreicht die Deutsche Leberstiftung die Forderung zum Weltkindertag,
dass Politik und Gesellschaft die notwendigen Voraussetzungen, Freiräume
wie auch Präventionen schaffen, sodass Kinder glücklich und gesund leben
können.
„Bei jedem extrem übergewichtigen Kind sollten die Leberwerte im Blut
(GPT, GOT und gGT) regelmäßig kontrolliert werden. Mit einer frühzeitigen
Diagnose, mehr Bewegung, gesunder Ernährung und einer Normalisierung des
Körpergewichts können auch bei jungen Patienten die Fettablagerungen in
der Leber vollständig zurückgebildet werden", sagt Professor Dr. Michael
P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. „Um
Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu vermeiden, befürworten wir die
Empfehlung der WHO-Kommission, die Exposition von Kindern gegenüber
jeglicher Werbung für ungesunde Lebensmittel zu verringern.“
Die Deutsche Leberstiftung bietet unter http://www.deutsche-
leberstiftung.de im Service-Bereich das Informationsblatt
„Lebererkrankungen bei Kindern“ zum Download an. Auch „Das Leber-Buch“ der
Deutschen Leberstiftung thematisiert in der aktualisierten und erweiterten
Auflage dieses Themenfeld.
Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die Stiftung
sehr erfolgreich.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstift
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umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen,
ihre Diagnosen und Therapien – jetzt in dritter, aktualisierter und
erweiterter Auflage! „Das Leber-Buch“ ist im Buchhandel erhältlich: ISBN
978-3-89993-899-9, 16,99 Euro.
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