DGRh: Innovative Screening-Konzepte sollen die Zeit bis zur Diagnose verkürzen
Patienten mit Rheumaverdacht müssen in manchen Regionen
Deutschlands manchmal neun Monate auf einen Termin beim internistischen
Rheumatologen warten. Je früher jedoch Patient und Arzt die Behandlung
angehen, desto besser ist die Prognose bei entzündlich-rheumatischen
Erkrankungen. Um dieser offensichtlichen Unterversorgung zu begegnen,
werden deutschlandweit Screening-Konzepte entwickelt, die einen frühen
Zugang zu Diagnose und Therapie sichern sollen. Einige dieser Konzepte
werden auf dem 46. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie
(DGRh) vorgestellt und auf der kongressbegleitenden Pressekonferenz am 20.
September 2018 in Mannheim diskutiert.
Der wohl wichtigste Schritt hin zu einem zügigeren Therapiebeginn ist eine
effektive Vorauswahl der Patienten. „Längst nicht jeder Patient mit
rheumatypischen Beschwerden leidet auch tatsächlich an einer entzündlich-
rheumatischen Erkrankung“, sagt Professor Dr. med. Christoph Fiehn,
niedergelassener Internist und Rheumatologe in Baden-Baden und
Tagungspräsident für die DGRh. Ein sinnvoller und inzwischen gut erprobter
Ansatz ist es daher, Screening-Sprechstunden einzurichten, für die sehr
kurzfristig Termine vergeben werden oder die mancherorts sogar ganz ohne
Termin besucht werden können. Hier können diejenigen Patienten, die
tatsächlich rheumatologisch behandelt werden müssen, schnell und
zuverlässig identifiziert werden. Patienten, deren Probleme auf andere
Erkrankungen zurückgehen, werden dagegen an Ärzte anderer Fachrichtungen
verwiesen. Die oft über Monate ausgebuchten Rheumatologen-Sprechstunden
werden so entlastet.
Auch das Screening wird in der Regel durch Rheuma-Fachärzte vorgenommen.
„Es gibt allerdings vielversprechende Studien, die zeigen, dass man die
Frühuntersuchung auch delegieren kann“, sagt Professor Fiehn und verweist
unter anderem auf ein Modellprojekt des Düsseldorfer
Universitätsklinikums. Dort wurden Studierende der Medizin so geschult,
dass sie das Screening vornehmen konnten – zur großen Zufriedenheit der
Patienten und auch der Studierenden selbst.
Obwohl für den Besuch der Screening-Sprechstunde in der Regel eine
hausärztliche Überweisung benötigt wird, bestätigt sich der Rheumaverdacht
nur bei einem Viertel bis der Hälfte der überwiesenen Patienten. Aus
dieser Beobachtung ergibt sich ein weiterer Ansatz, die Fachärzte zu
entlasten: Indem Hausärzte stärker eingebunden werden, kann bereits hier
eine effizientere Patientenvorauswahl stattfinden. „In einer Art
Ärztenetzwerk werden Nicht-Rheumatologen systematisch geschult und
bekommen spezielle Fragebögen als Untersuchungswerkzeug an die Hand“,
erläutert Professor Fiehn ein Modell, das bereits in mehreren Regionen
Deutschlands umgesetzt wird. Die Allgemeinmediziner können so ihre
Verdachtsdiagnose besser überprüfen, bevor sie den Patienten an einen
Rheumatologen oder eine Screening-Sprechstunde überweisen.
Wie dringend solche Konzepte benötigt werden, legt Fiehn anhand einer
Erhebung aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dar. Dort ist ein
niedergelassener Rheumatologe bereits jetzt für durchschnittlich 1500
Patienten zuständig – mit steigender Tendenz. „Der Bedarf übersteigt damit
die Kapazität der Kollegen bei Weitem“, sagt Fiehn. In einer alternden
Gesellschaft werde die Zahl der Rheuma-Erkrankungen zudem noch weiter
steigen, und allein über die Weiterbildung junger Rheumatologen könne der
Bedarf auf absehbare Zeit nicht gedeckt werden.
Die schnellere Behandlung von Rheuma-Patienten wird auch Thema auch auf
der Pressekonferenz am 20. September 2018 in Mannheim sein. Weitere
Vorträge werden sich unter anderem mit häufigen Folge- und
Nebenerkrankungen entzündlich-rheumatischer Krankheiten, sowie mit den
genetischen Ursachen seltener Rheumaformen beschäftigen.
