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Kreuzschmerz klug behandeln: Welche Therapie ist sinnvoll und wann?

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Fast jeder Mensch leidet mindestens einmal im Leben an Kreuzschmerzen. Wie
man diagnostisch vorgeht und wie man behandelt ist im Wesentlichen
abhängig von der Schmerzursache. Maßgeblich hierfür sind zwei Leitlinien.
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz wurde
unter Beteiligung von Orthopäden und Unfallchirurgen überarbeitet und 2017
aktualisiert. Neu erschien zur Ergänzung in 2018 die unter Federführung
von Orthopäden und Unfallchirurgen erstellte Leitlinie Spezifischer
Kreuzschmerz. Wie Arzt und Patient bei Kreuzschmerzen am besten vorgehen,
erklären Experten auf einer Pressekonferenz, die am 24. Oktober im Rahmen
des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2018 in
Berlin stattfindet.

Am Anfang jeder Behandlung steht eine ausführliche Befragung und eine
fachkundige körperliche Untersuchung. „Wir überprüfen gezielt mögliche
Warnzeichen, die auf eine abwendbare gefährliche Erkrankung als
körperliche Ursache für den Schmerz hindeuten“, erklärt Professor Dr. med.
Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie
und Unfallchirurgie. Bei 85 bis 90 Prozent der Betroffenen lassen sich
solche Warnzeichen nicht finden. „Dann brauchen wir auch zunächst keine
bildgebende Untersuchung wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie“,
erklärt Kladny. Die beste Therapie bei nicht-spezifischen Schmerzen ist
Bewegung. Bei Bedarf kann der Patient Schmerzmittel oder Entzündungshemmer
einnehmen, damit er sich wieder bewegen kann. „So verschwinden die meisten
akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen nach vier bis sechs Wochen auch
wieder“, sagt Kladny.

Nach vier bis sechs Wochen leitliniengerechter Therapie soll bei
anhaltenden
aktivitätseinschränkenden oder fortschreitenden Kreuzschmerzen überprüft
werden, ob es nicht doch einer Bildgebung bedarf. Dies gilt auch dann,
wenn der Arzt bei der Erstuntersuchung den sicheren Verdacht hat, dass
eine körperliche Ursache vorliegt. In Ergänzung zur Nationalen
VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz gibt die neue
Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz Hinweise, wann eine organische Ursache
in Betracht zu ziehen ist und welche Behandlungsoptionen sich ergeben.
Besonders geht die Leitlinie ein auf den Verschleiß der
Wirbelbogengelenke, verschleißbedingte Erkrankungen der Bandscheibe, den
Morbus Bechterew, Schmerzen durch den Kontakt der Dornfortsätze, einen zu
engen Knochenkanal, Wirbelgleiten und Knochenunterbrechung, Störungen von
Muskeln und Faszien und sogenannte „Blockierungen“.

Diese krankhaften Veränderungen können Schmerzen verursachen, müssen aber
nicht. „Wichtig ist immer, dass der Befund der Bildgebung zusammen mit
Vorgeschichte, Symptomen und klinischem Befund des Patienten gewertet
wird. Nur dann lässt sich Kreuzschmerz erklären, Bilder allein sagen
wenig“, betont Kladny. Findet man Warnhinweise oder hat einen sicheren
Anhalt für eine spezifische Erkrankung, dann bedarf es der fachkundigen
Behandlung der zugrundeliegenden Ursache.

Die Behandlung muss nicht zwangsläufig eine Operation sein – im Gegenteil:
Wenn keine Alarmsignale wie Lähmungserscheinungen, Blutvergiftungen oder
fehlende Kontrolle über Darm und Blase auftreten, ist die konservative
Therapie – mit Schmerz-, Bewegungs-, Physiotherapie und anderen Verfahren
– der Standard. Erst wenn die nicht-chirurgischen Verfahren keine
Linderung bringen, können Arzt und Patient die Vor- und Nachteile einer
Operation besprechen. „Um Kreuzschmerzen effektiv zu behandeln, braucht es
einen klar festgelegten stringenten Plan“, betont Professor Dr. Dr. med.
Werner Siebert, einer der Kongresspräsidenten des DKOU 2018.
Kreuzschmerzen sind auch ein Thema bei einer Pressekonferenz, die im
Rahmen des DKOU 2018 stattfindet.

Die Nationale VersorgungsLeitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ und
die S2K-Leitlinie „Spezifischer Kreuzschmerz“ sind im Internet erhältlich.

https://www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/033-051.html