BDN: Schilddrüsenknoten oft unentdeckt: Nuklearmediziner raten zu gezielter Ultraschalluntersuchung
Etwa jeder Zweite über 60 Jahre hat mindestens einen Schilddrüsenknoten –
oft ohne es zu wissen. Um Gewebsveränderungen frühzeitig zu erkennen,
fordert der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) Ärzte dazu
auf, ab dem 40. Lebensjahr gezielt mit Ultraschall auf Schilddrüsenknoten
hin zu untersuchen. Liegen so genannte „heiße“ Schilddrüsenknoten vor,
lassen diese sich bis zu 90 Prozent erfolgreich durch eine
Radiojodtherapie behandeln. Über ihre Erfahrungen mit dieser Therapie
berichtet eine Patientin auf einer Pressekonferenz des BDN am 27.September
2018 in Berlin. Nuklearmediziner erklären dort zudem, welche
diagnostischen Schritte Patienten mit Schilddrüsenknoten durchlaufen.
Schilddrüsenknoten werden größtenteils durch Zufall und sehr spät
diagnostiziert. „Da diese Gewebsveränderungen im Alter zunehmend
auftreten, sollte jeder Patient ab 40 Jahren zumindest einmal per
Ultraschall daraufhin untersucht werden“, fordert Professor Dr. med.
Detlef Moka, 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher
Nuklearmediziner e.V. (BDN). Tastuntersuchungen reichten nicht aus. „Bei
Menschen mit hohem Körpergewicht beispielsweise ist es schwieriger, einen
Knoten zu ertasten“, führt Moka aus. Untersuchungen zeigen, dass Experten
nur etwa in einem Drittel aller Fälle Knoten mit einer Größe von über zwei
Zentimeter ertasten konnten.
Sind es sehr viele oder große Knoten, können diese auch den Stoffwechsel
beeinflussen. So litt Elisabeth Gille-Frank lange Zeit unter Herz-
Kreislauf-Problemen, ohne eine Verbindung zur Schilddrüse herzustellen.
„Ich schob die ständigen Unruhezustände auf private Ereignisse und meinen
bevorstehenden Ruhestand“, berichtet die 66-jährige Rentnerin. Irgendwann
konnte sie die Beschwerden nicht mehr ignorieren und suchte den Arzt auf.
„Schnell war klar: Ich habe Schilddrüsenknoten, die unbedingt behandelt
werden sollten.“ Ihr wurde - wie bis zu jährlich 60 000 anderen Patienten
in Deutschland auch - die Radiojodtherapie empfohlen. Sie ist bei so
genannten „heißen“ Knoten, die in der Schilddrüse eigenständig zu viele
Hormone produzieren, die Standardtherapie.
Elisabeth Gille-Frank bekam zunächst in der Arztpraxis eine Flüssigkeit
mit einer sehr geringen Menge Radiojod zum Trinken. Damit bestimmten die
Ärzte, wie stoffwechselaktiv die Knoten sind und berechneten die
individuelle Therapieaktivität. Während der stationären Behandlung bekam
sie schließlich eine Therapiekapsel mit einer höheren Menge radioaktiven
Jods. Dies reichert sich gezielt in den „heißen“ Knoten der Schilddrüse an
und zerstört sie langsam. Der Klinikaufenthalt variiert – je nach
individueller Reststrahlung der Schilddrüse – zwischen zwei und zehn
Tagen. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 48 Stunden. „Ich wurde
nach drei Tagen bereits wieder entlassen und konnte den normalen Alltag
wiederaufnehmen“, erzählt Gille-Frank.
Viele Patienten ängstigt die radioaktive Strahlung bei der Behandlung –
eine unbegründete Sorge. „Die Radioaktivität wird im Körper innerhalb
weniger Stunden gut abgebaut und zerstört gezielt das erkrankte Gewebe“,
erläutert Professor Dr. med. Michael Kreißl, Leiter der Nuklearmedizin in
der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg. „Zudem konnten Studien an zehntausenden Patienten
keine krebsauslösende Wirkung der Radiojodtherapie feststellen. Dies wurde
auch jüngst wieder durch eine Studie an über 4000 Patienten bestätigt“,
ergänzt Kreißl, der auch der Koordinator des Interdisziplinären
Schilddrüsenzentrums am Universitätsklinikum Magdeburg ist.
Auf der Pressekonferenz des BDN am 27. September 2018 in Berlin berichten
Professor Moka und Professor Kreißl darüber, wie Schilddrüsenknoten
entstehen und inwiefern genetische Ursachen und die weiterhin noch nicht
fleckendeckende Jodversorgung in Deutschland eine Rolle dabei spielen.
Darüber hinaus erläutern sie, welche Diagnose- und Therapiemöglichkeiten
es gibt. Elisabeth Gille-Frank äußert sich über ihre eigenen Erfahrungen
als Schilddrüsen-Patientin und ihre Radiojodtherapie.
Quellen:
Reiners et al., Radioiodine therapy of thyroid autonomy, Eur J Nucl Med
Mol Imaging. 2002 Aug;29 Suppl 2: S471-8.
<https://www.ncbi.nlm.nih.gov/
Ryödi E. et. al., Cancer Incidence and Mortality in Patients Treated
Either With RAI or Thyroidectomy for Hyperthyroidism, J Clin Endocrinol
Metab. 2015 Oct;100(10):3710-7. doi: 10.1210/jc.2015-1874.
<https://www.ncbi.nlm.nih.gov/
