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Schmerzkongress 2018: Behandlungsqualität verbessern durch „Schmerzerfassung“ in der Klinik

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Die Qualität der Akutschmerzbehandlung nach OPs ist in deutschen Kliniken
aus Patientensicht sehr unterschiedlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine
aktuelle Analyse von Daten aus dem weltweit größten Akutschmerzregister
QUIPS („Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie“).
Zudem sind Patienten zufriedener und empfinden die Behandlung als
„besser“, wenn sie nicht nur Medikamente erhalten, sondern informiert und
in die Therapieentscheidung mit eingebunden sind und ihre Schmerzen
dokumentiert werden. Das Thema „Qualität der postoperativen
Akutschmerzversorgung“ diskutieren Experten auf der Pressekonferenz am 18.
Oktober 2018 auf dem Deutschen Schmerzkongresses 2018 in Mannheim.

In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 18 Millionen operativen
Eingriffen. Schmerzen nach Operationen erhöhen das Risiko für
Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen, verzögern das
Wiedererlangen der körperlichen Beweglichkeit und belasten den Patienten.
„Hinzu kommt, dass etwa fünf Prozent aller operierten Patienten Monate
nach der Operation chronische Schmerzen entwickeln“, sagt Professor Dr.
med. Winfried Meißner, Leiter der Sektion Schmerztherapie an der Klinik
für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Jena. Die
ersten Tage nach der OP seien entscheidend in Bezug auf die Gefahr einer
Chronifizierung. „Je stärker und anhaltender die akuten Schmerzen sind,
desto höher das Risiko, dass daraus chronische Schmerzen werden“, weiß der
Experte. Frühes Handeln zahle sich aus: Effektive und „finanziell
erschwingliche“ Methoden zur Schmerzbehandlung seien an den meisten
Kliniken vorhanden.

Nach wie vor berichten beispielsweise knapp die Hälfte aller Patienten
nach einer laparoskopischen Gallenoperation, also der Entfernung der
Gallenblase in „Schlüssellochtechnik“, über Schmerzen ≥ 5. Ein Wert, der
als behandlungsbedürftig gilt. „Um die Qualität der Akutschmerzbehandlung
zu verbessern, sind Empfehlungen und Leitlinien erarbeitet worden.
Allerdings werden sie noch nicht überall konsequent umgesetzt“, erklärt
Professor Dr. med. Carla Nau, Kongresspräsidentin des Deutschen
Schmerzkongresses 2018 und Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und
Intensivmedizin am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-
Holstein. Es gebe noch erheblichen Nachholbedarf beispielsweise bei der
Verfügbarkeit von Akutschmerzdiensten. Das sind spezialisierte Teams aus
Pflegekräften und Ärzten. Nur zwei Drittel aller Kliniken haben solche
Teams. Auch bei der Umsetzung der empfohlenen Therapien und der
Schmerzdokumentation hapere es.

Defizite könnten nur dann erkannt werden, wenn Schmerzen regelmäßig
gemessen und verglichen werden. Krankenhäuser können an
Vergleichsprojekten wie dem Register der Initiative QUIPS
(„Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie“) oder an
Zertifizierungen (Certcom) teilnehmen. Eine aktuelle Analyse, bei der
Meißner und Kollegen Struktur- und Prozessmerkmale und deren Auswirkung
auf die Ergebnisqualität der postoperativen Schmerztherapie aus Sicht der
Patienten untersuchten, brachte zwei wichtige Erkenntnisse: Die
Schmerzintensität, schmerzbedingte Funktionseinschränkungen und die
Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung variieren erheblich
zwischen den 138 Kliniken, deren Daten für QUIPS erhoben und ausgewertet
wurden. Auf einer Skala von 0 (= kein Schmerz) bis 10 (= stärkster
Schmerz) berichteten Patienten der „schlechtesten“ zehn Prozent der
Krankenhäuser über eine Schmerzintensität von 6,3; diejenigen der zehn
Prozent „besten“ Kliniken von 3,6. Zweitens: In den Krankenhäusern, in
denen die Schmerzen in der Krankenakte dokumentiert und die Patienten zu
den verschiedenen Therapiemöglichkeiten informiert wurden, waren die
schmerzbedingten Beeinträchtigungen geringer und die Zufriedenheit der
Patienten höher.

„Neben Medikamenten sind drei Faktoren für die Akutschmerzbehandlung nach
OPs wichtig: Patienten informieren, in die Therapieentscheidung mit
einbeziehen und die Schmerzen regelmäßig erfassen“, bilanziert Meißner,
Mitglied des Vorstands der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.
Kongresspräsidentin Nau ergänzt: „Mit dem Messen der Qualität der
postoperativen Schmerzbehandlung und einer leitliniengerechten Behandlung
kann langfristig die Behandlungsqualität der Patienten deutlich verbessert
werden.“

Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.,
sieht auch die Politik in der Pflicht: „Die Deutsche Schmerzgesellschaft
hat den Antrag der Patientenvertretung beim Gemeinsamen Bundesausschuss
(G-BA) im vergangenen Jahr unterstützt. Der G-BA muss das Thema
‚Versorgungsqualität bei Akutschmerz‘ angehen und dazu ein
Qualitätssicherungsverfahren entwickeln.“