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Neue Medikamente für Migräneprophylaxe auf dem Markt: Antikörper-Injektion gegen Migräneattacken

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Zur Prophylaxe von episodischer und chronischer Migräne sind jetzt neue
Medikamente zugelassen. Bei diesen handelt es sich um sogenannte
Antikörper, die die Wirkung des Botenstoffs CGRP (Calcitonin Gene-Related-
Peptide) blockieren. Dieser ist für Migräneattacken mitverantwortlich.
Studien haben die hohe Wirksamkeit und Verträglichkeit der neuen
Substanzen gezeigt. Wie genau die CGRP-Antikörper wirken, zu welchen
Ergebnissen die Studien im Einzelnen kommen und welche Patienten von
dieser neuen Therapie profitieren, diskutieren Experten auf der
Pressekonferenz am 18. Oktober anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses
2018 vom 17. bis 20. Oktober in Mannheim.

In Deutschland leiden ca. sechs bis acht Prozent der Männer und ca. 20
Prozent der Frauen an Migräne. Die Patienten haben nicht nur pulsierende
Kopfschmerzen. Oft ist ihnen übel, sie sind appetitlos, haben Sehstörungen
und sind überempfindlich auf Licht und Geräusche. Von einer chronischen
Migräne sprechen Ärzte, wenn ein Patient an 15 und mehr Tagen über
migränetypischen Kopfschmerz berichtet. Bei episodischer Migräne leiden
Betroffene in unterschiedlich großen zeitlichen Abständen an bis zu 14
Tagen monatlich unter Migräne. Während Kopfschmerzen das Symptom einer
anderen Erkrankung sein können, ist die Migräne eine sogenannte
idiopathische Erkrankung, sie ist ein selbständiger Krankheitszustand –
das Symptom ist zugleich die Krankheit. „Die Ursache der Migräne ist noch
nicht bekannt. Eine überzeugende Hypothese ist, dass bestimmte Botenstoffe
schmerzwahrnehmende Nervenfasern im Kopfbereich reizen und damit die
Migräne auslösen“, sagt Privatdozentin Dr. med. Stefanie Förderreuther,
Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V.
(DMKG) und Oberärztin an der Neurologischen Klinik, Ludwig-Maximilians-
Universität München. Bei der Analyse der Stoffe, die den Kopfschmerz
auslösen, stießen Forscher auf den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-
Related-Peptide), der in der Migräneattacke ausgeschüttet wird. „Der
therapeutische Ansatz bestand nun darin, einen Antikörper zu entwickeln,
der die Wirkung von CGRP blockiert. Entstanden ist eine ganz neue
Medikamentenklasse, die vor allem für die Vorbeugung der Migräne geeignet
ist“, betont Förderreuther.

Drei CGRP-Antikörper zeigten in Studien, dass sie wirksamer sind als
Placebo und zu einer signifikanten Abnahme der Migränetage führen. Alle
drei Substanzen, die durch eine Spritze unter die Haut verabreicht werden,
führten bereits sehr früh in den ersten vier Therapiewochen zu einem
signifikanten Therapieeffekt und waren zudem gut verträglich. Die in den
Studien dokumentierten Nebenwirkungen entsprachen in Art, Schwere und
Häufigkeit den Nebenwirkungen, die unter Placebo angegeben wurden.
Hauptbeschwerde waren Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle.

Eines der drei Medikamente (Erenumab) ist bereits für die vorbeugende
Behandlung von Migräne bei Erwachsenen auf dem europäischen Markt
zugelassen und wird vermutlich Ende des Jahres in deutschen Apotheken zur
Verfügung stehen. Die beiden anderen Präparate, Galcanezumab und
Fremanezumab, sind bereits in den USA zugelassen; für den europäischen
Markt wird die Entscheidung in Kürze erwartet. Die DMKG-Präsidentin
betont: „Die Studienergebnisse zeigen, dass es sich um gut wirksame und
verträglich Substanzen handelt. Heilen können wir die Migräne damit nicht.
Aber die Anzahl der Migränetage zu senken, ist bereits ein großer Segen
für die Betroffenen.“

Da sich die Studiendesigns bei den drei untersuchten CGRP-Antikörpern
Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab sehr unterscheiden, lassen sich
ihre Wirkstärken nicht miteinander vergleichen. Unter der Behandlung mit
Erenumab kam es bei Patienten mit episodischer Migräne und
durchschnittlich ca. acht Migränetagen pro Monat zu einem Rückgang um ca.
drei Tage. In den Studien zeigten ca. 40 Prozent der Patienten eine
Besserung der Migräne von mindestens 50 Prozent. Bei der besonders schwer
zu behandelnden chronischen Migräne mit durchschnittlich ca. 18
Migränetagen pro Monat gingen die Kopfschmerztage um sechs bis sieben Tage
zurück. Eine mindestens 50-prozentige Besserung war bei ca. 40 Prozent der
Patienten zu verzeichnen.
Unter Behandlung mit Fremanezumab wurde bei der sogenannten hochfrequenten
episodischen Migräne mit acht bis 14 Migränetagen pro Monat ein Rückgang
um ca. sechs Tage erreicht. Über 50 Prozent der Patienten zeigten eine
Besserung um mindestens 50 Prozent. Bei Patienten mit chronischer Migräne
gingen die Kopfschmerztage um vier bis fünf Tage zurück. Eine mindestens
50 prozentige Besserung war bei ca. 40 Prozent der Patienten zu
verzeichnen.
Galcanezumab wurde in den Studien ebenfalls bei der episodischen Migräne
eingesetzt. Die Migränetage nahmen ausgehend von ca. neun Migränetagen pro
Monat um ca. vier bis knapp fünf Tage ab und es wurde eine Verbesserung
der Migräne um mindestens 50 Prozent bei ca. 60 Prozent der Patienten
festgestellt. Bei Patienten mit chronischer Migräne kam es bei
durchschnittlich 19 Migränetagen pro Monat zu einer Abnahme um vier bis
fünf Tage. Eine mindestens 50 prozentige Besserung trat bei ca. 30 Prozent
der Patienten ein.

Die Frage, welche Patientengruppe für die Therapie mit Antikörpern
besonders infrage komme, beantwortet Privatdozent Dr. med. Tim Jürgens,
Kongresspräsident des Deutschen Schmerzkongresses 2018 und Ärztlicher
Leiter des Kopfschmerzzentrums Nord-Ost, Universitätsmedizin Rostock und
fasst damit die Meinung der DMKG als der zuständigen Fachgesellschaft
zusammen: „In erster Linie sollten diejenigen Patienten mit den neuen
Antikörpern behandelt werden, die schwer und häufig von Migräneattacken
betroffen sind und bei denen bislang verfügbare Mittel nicht gut gewirkt
haben oder die für sie nicht gut verträglich waren“.

Literatur:
Dodick, D. W., Ashina, M., Brandes, J. L. et al.: ARISE: A Phase 3
randomized trial of erenumab for episodic migraine. Cephalalgia. First
Published February 22, 2018. DOI: 10.1177/0333102418759786
Abstract:<http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0333102418759786>
Myers Oakes, T. M., Skljarevski, V., Zhang, Q. et al.: Safety of
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controlled dose-ranging Phase 2b study.
First Published January 8. DOI: 10.1177/0333102417747230
Abstract:<http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0333102417747230?journalCode=cepa>
Goadsby, P. J., Reuter, U., Hallstrom, Yngve et al.: A Controlled Trial of
Erenumab for Episodic Migraine. N Engl J Med 2017; 377:2123-2132. DOI:
10.1056/NEJMoa1705848
<https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1705848>
Silberstein, S. D., Dodick, D. W., Bigal, M. E. et al.: Fremanezumab for
the Preventive Treatment of Chronic Migraine. N Engl J Med 2017;
377:2113-2122. DOI: 10.1056/NEJMoa1709038
<https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1709038>