DGFG veröffentlicht neuen Film zur Herzklappenspende

500 Patienten warten Schätzungen zu Folge jedes Jahr auf eine Herzklappe
aus der Gewebespende. „Nicht einmal die Hälfte dieser Patienten kann mit
einem passenden Transplantat versorgt werden. Das muss sich ändern“, sagt
Dr. Thomas Horn, Referatsleiter in der Abteilung Gesundheit und Prävention
des Niedersächsischen Sozialministeriums. Als Ersatz implantieren Ärzte
künstliche oder tierische Herzklappen – mit begrenzter Haltbarkeit und
einer hohen Abstoßungsgefahr. Kommt es zur weiteren OP am offenen Herzen,
steht das Leben des Patienten erneut auf dem Spiel.
Einen Grund für diesen Versorgungsengpass sieht die Deutsche Gesellschaft
für Gewebetransplantation (DGFG) in der großen Unwissenheit über die
Gewebespende und die verpasste Entscheidungsfindung der Spender zu
Lebzeiten. Gemäß der Devise “Wissen spart Zeit“ klärt die DGFG in ihrem
siebenminütigen Film über die Herzklappenspende nach Herz-Kreislauf-
Stillstand auf und rückt zwei Empfänger einer zellfreien Spenderherzklappe
und ihre ganz unterschiedlichen Geschichten in den Fokus. Den Film finden
Sie auf: www.gewebenetzwerk.de/film-her
Zellfreie Spenderherzklappen schenken jungen Patienten Hoffnung
Der Bedarf an menschlichen Herzklappen aus der Gewebespende ist weit höher
als ihr Angebot. Schon seit einigen Jahren werden Patienten mit einer
Herzklappeninsuffizienz Alternativen zu den sogenannten Homografts, den
menschlichen Spenderherzklappen, implantiert – mit deutlichen Nachteilen
für junge Patienten: Tierische und mechanische Herzklappen haben eine sehr
begrenzte Haltbarkeit und sind mit einer lebenslangen blutverdünnenden
Medikation verbunden. „Jede Nachoperation am offenen Herzen birgt für den
Patienten ein hohes Risiko und verringert die Lebenserwartung. Dass diese
Therapieoptionen gerade jungen Patienten wenig Hoffnung auf ein langes und
vor allem komplikationsfreies Leben schenken, liegt auf der Hand“, erklärt
Prof. Dr. med. Samir Sarikouch, Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax-,
Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover
(MHH). In den klinischen Studien ESPOIR und ARISE wurde der Einsatz
zellfreier Spenderherzklappen getestet. Diese speziell aufbereiteten
Herzklappen werden über ein besonderes Verfahren von Spenderzellen
gereinigt. Die Ergebnisse beider Studien sind vielversprechend. Das
Transplantat wird nach wenigen Monaten patienteneigen. Die
Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion geht gen Null. Frauen können
dank der zellfreien Herzklappe Kinder bekommen, da hierbei keine
Medikamenteneinnahme erforderlich ist. Das Besondere für Kinder mit einem
Herzklappenfehler ist, dass die zellfreien Spenderherzklappen sogar
mitwachsen und Nachoperationen dadurch erspart bleiben.
Gewebespende nach Herz-Kreislauf-Stillstand wichtige Alternative zur
Organspende
Herzklappen stammten bisher überwiegend aus der Organspende. 233
Organspender spendeten im vergangenen Jahr ihr Gewebe wie die
Augenhornhaut, Sehnen, Bänder, Knochen oder Haut. 84 von ihnen spendeten
dabei auch ihre Herzklappen, da ihr Herz nicht mehr für eine
Organtransplantation in Frage kam. „Aufgrund der begrenzten Zahl an
Organspendern sind wir heute stärker denn je auf die Spende dieser Gewebe
von Herz-Kreislauf-Verstorbenen angewiesen“, betont DGFG-Geschäftsführer
Martin Börgel. Eine Gewebespende kann auch noch nach Herz-Kreislauf-
Stillstand durchgeführt werden, denn Gewebe werden im Unterschied zu
Organen nicht durchblutet. Die Hirntoddiagnostik spielt daher keine Rolle.
Das Zeitfenster einer solchen Herzklappenspende bei Herz-Kreislauf-
Verstorbenen ist jedoch begrenzt. „36 Stunden nach Todeseintritt müssen
die Herzklappen entnommen worden sein“, erklärt Börgel. „In dieser Zeit
erfolgt die komplette Spenderdiagnostik, die Aufklärung der Angehörigen
und im Falle einer Zustimmung die entsprechende logistische und personelle
Organisation sowohl der Entnahme als auch des späteren Versands der Spende
in die Gewebebank.“ Erfahren Angehörige von dieser Möglichkeit der
Gewebespende zum ersten Mal und wissen nicht um den Willen des
Verstorbenen Bescheid, möchten sie in dieser recht kurzen Bedenkzeit oft
keine Entscheidung treffen. „Das Wissen um die Gewebespende schenkt uns
Zeit für die Organisation der Entnahme und schafft Klarheit für die
Angehörigen“, sagt Börgel.
Gewebespende in Leipzig – Transplantation in Hannover
Der Film zeigt, wie Gewebespende im Netzwerk der DGFG funktioniert:
Koordinatorin Christine Riege vom Standort am Universitätsklinikum Leipzig
ist eine von insgesamt 46 Koordinatorinnen und Koordinatoren, die
bundesweit für die Gewebespende im Einsatz sind. Im Film erklärt sie den
Ablauf und die Voraussetzungen einer Spende kardiovaskulärer Gewebe.
Ebenfalls im Film zu sehen ist Koordinator Matthias Polzin vom Standort am
Universitätsklinikum Dresden. Im Falle einer Spende führen sie in der
Region Ost unter Verantwortung eines Arztes der DGFG und zusammen mit
einem Arzt der jeweiligen Klinik die Entnahme der kardiovaskulären Gewebe
durch. Die DGFG verfügt über eine bundesweite Erlaubnis zur Entnahme
dieser Gewebe über ein sogenanntes Mobiles Team. Die Verteilung der Gewebe
übernimmt anschließend die zentrale Vermittlungsstelle der DGFG in
Hannover. So können Transplantationszentren aus ganz Deutschland, wie z.
B. die MHH, ihre Patienten dort für ein Herzklappentransplantat anmelden
und auf die Warteliste setzen.
Zur DGFG
Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997
die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Auf der
Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse
der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt
das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine
zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Allein 2017
konnte die DGFG über 4.700 Gewebepräparate zur Transplantation vermitteln.
Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG
beziehen. Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule
Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-
Klinikum Neubrandenburg. Aufklärungsfilme zur Augenhornhaut- und
Gelenkspende sind bereits erschienen und zu sehen im YouTube-Channel der
DGFG.
