Osteoporose-Patientin des Dresdner Uniklinikums überquert zu Fuß die Alpen

Ilona Theiss hat es geschafft: Die Osteoporose-Patientin überquerte im
August die Alpen zu Fuß, legte in sieben Etappen über 126 Kilometer zurück
und ging dabei 3.570 Meter bergauf, 4.750 Meter bergab. Möglich wurde dies
nicht nur durch den eisernen Willen der Hallenserin, sondern auch die
Behandlung am Universitätsklinikum Dresden. Mediziner um Knochenspezialist
Prof. Lorenz C. Hofbauer setzen das erste biotechnologisch hergestellte
Osteoporose-Medikament Denosumab ein. "Dank des Wirkstoffs sinken mögliche
Nebenwirkungen auf ein Minimum“, sagt der Spezialist, der anlässlich des
Welt-Osteoporose-Tags am 20. Oktober für eine frühzeitige Diagnostik der
Knochenerkrankung wirbt.
"Das war ein Herzenswunsch. Ich bin dankbar, dass ich mir den erfüllen
konnte“, sagt die 72-Jährige Ilona Theiss über ihre erfolgreiche Alpen-
Tour. Ermöglicht hat ihr dieser Erfolg nicht nur der eiserne Wille,
sondern auch die Behandlung ihrer Krankheit am Universitätsklinikum Carl
Gustav Carus Dresden. Auch bei der Hallenserin setzen Mediziner um
Knochenspezialist Prof. Lorenz C. Hofbauer das erste biotechnologisch
hergestellte Osteoporose-Medikament Denosumab ein. Nur zwei Mal pro Jahr
müssen die Patienten dafür ins Dresdner Uniklinikum kommen. Dort wird
ihnen der innovative Wirkstoff unter die Haut injiziert.
Bei der Osteoporose greift der körpereigene Entzündungsstoff „Rankl“ die
Knochen an. Die werden dünner und porös und somit anfälliger für Brüche.
„Alle sieben Jahre wird das Knochengerüst des Menschen komplett erneuert“,
sagt Prof. Lorenz C. Hofbauer. Das entzündungsvermittelnde Protein Rankl
regt dabei die Knochenfresszellen im Körper an, andere Knochen-aufbauende
Zellen erneuern den Knochen – eine Erneuerung in Zeitlupe. „Das ist wie
eine Sanierung bei laufendem Betrieb“, erklärt der Mediziner. Bei
Osteoporose-Patienten kommt es zu einer Überfunktion des Rankl, was die
Knochen zerstört, ohne dass sie genauso schnell wiederhergestellt werden.
Das Medikament Denosumab schaltet die Wirksamkeit von Rankl für sechs
Monate aus. Der Knochenabbau geht um 80 bis 90 Prozent zurück, komplett
ausgeschaltet wird er nicht. Der Vorteil: Mussten die Patienten bisher
täglich beziehungsweise wöchentlich Tabletten schlucken, wird nun nur zwei
Mal pro Jahr der Wirkstoff gespritzt. Gerade die Osteoporosetabletten sind
mitunter schwer verträglich und verursachen Bauchschmerzen. 40 Prozent der
Patienten beenden deshalb schon nach einem Jahr die Einnahme.
„Osteoporose ist eine chronische Krankheit, die nicht heilbar ist. Eine
dauerhafte Therapie ist notwendig“, sagt Prof. Hofbauer. Zum Welt-
Osteoporose-Tag am 20. Oktober wirbt der Mediziner am Uniklinikum Dresden
für eine frühzeitige Diagnostik. Rückenschmerzen, das Schrumpfen der
Körpergröße um wenige Zentimeter sowie eine familiäre Vorbelastung können
Indizien sein, die für eine Messung der Knochendichte sprechen.
„Betroffene sollten nicht warten, bis das erste Mal der Knochen bricht“,
sagt er. Immerhin erkrankt jede zweite Frau und jeder fünfte Mann im Laufe
des Lebens an Osteoporose. Unbehandelt treten mit zunehmendem Alter
Knochenbrüche auf, die durchaus schwerwiegende Folgen haben können. So
erleiden 120.000 Menschen in Deutschland pro Jahr einen
Oberschenkelhalsbruch. Nur ein Drittel von ihnen lebt danach wieder so wie
vorher, ein weiteres Drittel ist dauerhaft pflegebedürftig und ein Drittel
stirbt infolge der Verletzung. Die Anzahl der Knochenbrüche bei Frauen
über 65 Jahren ist höher als die Zahl der Erkrankungen an Brustkrebs,
einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt zusammen.
„Osteoporose ist heute eine der am besten behandelbaren
Alterskrankheiten“, sagt Prof. Lorenz C. Hofbauer. Seit 2010 ist der
Wirkstoff Denosumab auf dem deutschen Markt zur Therapie von Osteoporose
zugelassen. „Aus sozio-ökonomischen Gründen wäre ein vermehrter Einsatz
sinnvoll“, sagt er. Zudem sei es auch wichtig, dass sich Unfallchirurgen,
Orthopäden und Hausärzte besser über Verdachtsfälle und den Einsatz sowie
die Wirksamkeit von Denosumab austauschen. Eine derartige Zusammenarbeit
wurde kürzlich mit der Orthopädie und Unfallchirurgie der Uniklinik
etabliert. Am Beispiel von Denosumab ist erkennbar, wie die Forschung die
moderne Medizin verändert. Die Mediziner um Prof. Hofbauer forschen weiter
an verbesserten Behandlungsmöglichkeiten verschiedener
Knochenerkrankungen. Die Forschung von heute ist die Basis für neue
Medikamente von morgen. Um der Erkrankung vorzubeugen, empfiehlt der
Mediziner ein solides, aktives Leben. Wandern, Tanzen und Treppensteigen
ist besonders förderlich, vor allem mit ausgewogener Ernährung und
ausreichend Vitamin D.
