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Orthopäden und Unfallchirurgen diskutieren neue Ansätze im Kampf gegen infizierte Implantate

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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
23. bis 26. Oktober 2018, Messegelände Süd, Berlin

Wenn sich Keime auf Implantaten wie etwa Kunstgelenken, Metallplatten,
Schrauben oder Nägeln ansiedeln, drohen dem Patienten erhebliche
Unannehmlichkeiten wie Schmerzen, mehrfache Operationen und häufig ein
schlechteres Behandlungsergebnis. Orthopäden und Unfallchirurgen haben
diese sogenannten „implantatassoziierten Infektionen“ als Schwerpunktthema
auf die Agenda des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie
(DKOU) 2018 gesetzt. Dort werden unter anderem neue Ansätze zur Vorbeugung
und Behandlung dieser Komplikation diskutiert.

Wundinfektionen nach einer Operation gehören zu den gefürchtetsten
Komplikationen in allen chirurgischen Fächern. Auf Implantaten bilden
Bakterien eine dünne Schleimschicht – den sogenannten Biofilm –, die sie
vor Angriffen des Immunsystems oder Antibiotika schützt. Die operierte
Körperstelle schwillt an, schmerzt und kann unter Umständen nicht mehr
bewegt werden. Ohne Behandlung droht eine Blutvergiftung. „Patienten, die
nach einer Operation starke Schmerzen im Wundbereich oder Fieber haben,
müssen deshalb so schnell wie möglich untersucht und behandelt werden“,
sagt Professor Dr. med. Joachim Windolf, einer der Kongresspräsidenten des
DKOU 2018.

Meist sind dann mehrere Operationen notwendig, bei denen der Chirurg das
Implantat entfernen und die Eingriffsstelle von Keimen befreien muss. Bei
den besonders schwerwiegenden Formen der bakteriellen Entzündung des
Knochens (Osteomyelitis) ist ein interdisziplinärer Therapieansatz
erforderlich. „Der Operateur sollte dazu einen Infektiologen,
Mikrobiologen und ggf. einen plastischen Chirurgen mit in die Behandlung
einbeziehen“, sagt Windolf. Dies empfiehlt auch die aktuelle Leitlinie der
Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) (1). Für den Patienten
sind Infektionen eine enorme Belastung. „Deshalb versuchen wir, das Risiko
einer solchen so gering wie möglich zu halten“, betont Windolf. Folgende
Maßnahmen werden ergriffen: das Vorab-Screening auf multiresistente
Erreger (z. B. MRSA), strenge Hygiene nicht nur im OP, sondern im gesamten
Krankenhaus sowie möglichst gewebeschonende Operationstechniken.

Um das Auftreten implantatassoziierter Infektionen zu verhindern, werden
verschiedene Präventionsmaßnahmen wie antimikrobiell beschichtetes
Fadenmaterial, oder spezieller, antibiotikahaltiger Knochenzement für die
Verankerung von Kunstgelenken angewendet. Studien zeigen, dass dieser das
Infektionsrisiko deutlich verringert, vor allem bei den besonders
risikoreichen Korrektur- oder Wechseloperationen (2). Für Platten und
Nägel, die bei offenen und somit stark infektionsgefährdeten
Knochenbrüchen eingesetzt werden, gibt es Beschichtungen, die die
Ansiedlung von Keimen verhindern sollen. In Laborversuchen wird zudem die
gezielte Anwendung von Viren, welche sich auf die Zerstörung von Bakterien
spezialisiert haben (sog. Bakteriophagen) untersucht. Diese sind in der
Lage, in den bakteriellen Biofilm auf einem infizierten Implantat
einzudringen und diesen zu zerstören. „Wenn dieser Ansatz sich in
klinischen Studien als wirksam erweist, könnte man Mikroorganismen quasi
mit ihren eigenen Waffen schlagen“, sagt Windolf.

17 Sitzungen und mehr als 100 Vorträge auf dem DKOU 2018 sind dem Thema
„implantatassoziierte Infektionen“ gewidmet.


Quellen:

(1)      Tiemann A et al. (2017) S2k-Leitlinie „Akute und chronische
exogene Osteomyelitis langer Röhrenknochen des Erwachsenen“
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-033l_S2k_Osteomyelitis_2018-01_1.pdf
(2)     Wang J, Zhu C, Cheng T et al (2013) A systematic review and meta-
analysis of antibiotic-impregnated bone cement use in primary total hip or
knee arthroplasty. PLoS ONE 8(12):e82745