Herzrhythmusstörungen besser behandeln – klinische Forschung im Kompetenznetz Vorhofflimmern

Aus Anlass der Herzwochen informiert das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.
(AFNET) über Herzrhythmusstörungen und deren Behandlung. Das AFNET führt
große klinische Studien durch, um verbesserte Behandlungsansätze für
Herzrhythmusstörungen zu überprüfen. Betroffene können an Studien des
AFNET teilnehmen.
Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern,
Tendenz steigend. Hauptsächlich ältere Menschen sind von dieser tückischen
Herzrhythmusstörung betroffen. Vorhofflimmern ist zwar nicht unmittelbar
lebensbedrohlich, kann aber zu schweren Komplikationen führen,
beispielsweise zum Schlaganfall. Um solche Folgekrankheiten zu verhindern,
ist es wichtig, Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Die Behandlungsmethoden sind vielfältig und werden ständig weiter
entwickelt. Trotz der beachtlichen Fortschritte in den vergangenen Jahren,
sterben aber immer noch viele Menschen an den Folgen von Vorhofflimmern.
Das AFNET hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Behandlung von
Herzerkrankungen, insbesondere von Vorhofflimmern, durch unabhängige
klinische Forschung zu verbessern. Es führt deshalb deutschlandweite und
internationale Studien durch, in denen spezielle Fragestellungen, die sich
aus der Behandlungspraxis ergeben haben, untersucht werden. „Bei den AFNET
Studien handelt es sich um sogenannte wissenschaftsinitiierte Studien, die
allein dem Erkenntnisgewinn dienen und nicht von kommerziellen Interessen
getrieben sind. Solche Studien sind für die Versorgungspraxis unabdingbar.
Patienten profitieren davon, dass etablierte Behandlungskonzepte in
wissenschaftsinitiierten Studien kontinuierlich überprüft und verbessert
werden.“ erklärt AFNET Vorstandsmitglied Prof. Andreas Götte.
Da beim Vorhofflimmern im Herzen Blutgerinnsel entstehen können, geht die
Rhythmusstörung mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle einher. Um das
Schlaganfallrisiko zu senken, benötigen die meisten Betroffenen
gerinnungshemmende Medikamente. Mehrere aktuelle Studien des AFNET zielen
darauf ab, die gerinnungshemmende Therapie zu optimieren. Zwei Beispiele
für spezielle Patientengruppen sind die Studien NOAH – AFNET 6 und AXADIA
– AFNET 8.
NOAH – AFNET 6 Studie
Aus bisherigen Studien ist bekannt, dass bereits Frühformen von
Vorhofflimmern, sogenannte atriale Hochfrequenzepisoden, das Risiko, einen
Schlaganfall zu erleiden, erhöhen können. Durch die Einnahme von
gerinnungshemmenden Medikamenten kann dieses Risiko gesenkt werden. Diese
Medikamente erhöhen allerdings als Nebenwirkung die Gefahr von Blutungen.
Bisher ist unklar, ob die Einnahme von Blutgerinnungshemmern vorteilhaft
oder nachteilig für die Patienten mit atrialen Hochfrequenzepisoden ist.
Das Ziel der NOAH – AFNET 6 Studie ist es, dies herauszufinden.
Die Studienteilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip in zwei Testgruppen
eingeteilt. Die eine Gruppe erhält den Wirkstoff Edoxaban und die andere
Gruppe erhält zum Vergleich Placebo oder Aspirin. Ein Placebo ist eine
Tablette ohne Wirkstoff. Die Patienten erfahren nicht, zu welcher
Testgruppe sie gehören. Edoxaban ist ein in Deutschland zugelassenes
Medikament zur Blutgerinnungshemmung. Für die Behandlung von Patienten mit
atrialen Hochfrequenzepisoden ist es allerdings noch nicht zugelassen.
Die Studie wurde 2016 gestartet und läuft in 16 europäischen Ländern. Über
700 Patienten wurden bereits eingeschlossen. Teilnehmen können Menschen,
die über 65 Jahre alt sind, einen Herzschrittmacher oder Defibrillator
haben, und bei denen mit Hilfe dieses implantierten Gerätes atriale
Hochfrequenzepisoden festgestellt wurden.
AXADIA – AFNET 8 Studie
Ein besonders hohes Risiko für Schlaganfälle und für Hirnblutungen haben
Menschen, die an chronischem Nierenversagen und zugleich an Vorhofflimmern
leiden. Sie brauchen dringend eine gerinnungshemmende Therapie zur
Vorbeugung vor Schlaganfällen, was aber besonders schwierig ist, da
gerinnungshemmende Medikamente immer auch das Blutungsrisiko erhöhen. Bis
jetzt gibt es für diese Patienten, die auf Hämodialyse angewiesen sind,
keine durch Studien untermauerte Empfehlung für die gerinnungshemmende
Therapie. Deshalb wird die AXADIA – AFNET 8 Studie durchgeführt.
Die Studienteilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei
Gruppen zugeordnet, in der sie entweder Apixaban oder Phenprocoumon
(Marcumar) erhalten. Apixaban ist in Deutschland seit einigen Jahren für
die Gerinnungshemmung bei Vorhofflimmerpatienten zugelassen. Aber ob es
auch für nierenkranke Patienten vorteilhaft ist, ist bisher unklar.
Die Studie läuft seit 2017 in Deutschland und hat bis jetzt etwa 50
Patienten eingeschlossen. Teilnehmen können dialyseabhängige Patienten mit
chronischem Nierenversagen bei gleichzeitigem Vorhofflimmern.
Vorteile der Studienteilnahme
Wenn Patienten die Einschlusskriterien für NOAH – AFNET 6 oder AXADIA –
AFNET 8 erfüllen, können sie nach Prüfung durch einen Studienarzt in die
Studien eingeschlossen werden. Prof. Götte erklärt, welche Vorteile
Studienteilnehmer genießen: „ Patienten, die an einer klinischen Studie
teilnehmen, profitieren direkt von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen
und erhalten eine besonders intensive Betreuung durch anerkannte
Spezialisten. Dabei leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Erforschung
von Vorhofflimmern und helfen mit, die Therapie zu verbessern.“
Patienten, die an einer Studienteilnahme interessiert sind, können sich an
die AFNET Geschäftsstelle wenden und erhalten dort genauere Informationen.
Kontakt: <info@kompetenznetz-vorhofflim
Weitere Informationen über Vorhofflimmern
Patienteninformation: Vorhofflimmern – Herz aus dem Takt
Broschüre, 56 Seiten, Bestellung oder Download unter https://www
.kompetenznetz-vorhofflimmern.
vorhofflimmern-herz-aus-dem-ta
Erklär-Videos zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie von
Vorhofflimmern
Experte: Prof. Andreas Götte, Paderborn, Mitglied im Wissenschaftlichen
Beirat der Deutschen Herzstiftung und im Vorstand des Kompetenznetzes
Vorhofflimmern e.V. (AFNET)
• Wenn das Herz stolpert: Was ist Vorhofflimmern? Was sind die
Beschwerden? https://www.youtube.com/watch?
• Wie wird Vorhofflimmern festgestellt? Diagnose
https://www.youtube.com/watch?
• Wie kann ich Vorhofflimmern erkennen? Selbstmessung
https://www.youtube.com/watch?
• Die Ursachen von Vorhofflimmern – Was kann der Patient selbst tun?
https://www.youtube.com/watch?
• Die moderne Therapie des Vorhofflimmerns
https://www.youtube.com/watch?
• Vorhofflimmern: Was kann der Patient selbst tun?
https://www.youtube.com/watch?
• Therapie von Vorhofflimmern: Ablation
https://www.youtube.com/watch?
Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres
Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen
deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die
Behandlung und Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland,
Europa und den USA durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu führt
das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wissenschaftsinitiierte klinische
Studien (investigator initiated trials = IIT) und Register auf nationaler
und internationaler Ebene durch. Der Verein ist aus dem vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten
Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015 werden
einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen Zentrum für
Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) gefördert. Zu den geförderten Projekten
zählt unter anderem die NOAH – AFNET 6 Studie.
https://www.kompetenznetz-vorh
Herzwochen
Die Herzwochen sind eine Aufklärungskampagne zu Herz-Kreislauf-
Erkrankungen, die die Deutsche Herzstiftung jedes Jahr im November
bundesweit durchführt. Das Thema in diesem Jahr ist Vorhofflimmern. Im
Rahmen der Herzwochen finden an zahlreichen Orten
Informationsveranstaltungen für Betroffene statt. An einigen der
Veranstaltungen ist das Kompetenznetz Vorhofflimmern als Partner
beteiligt.
Hier finden Sie eine Auswahl von Veranstaltungen der Kliniken, die im
AFNET Mitglied sind: https://www.kompetenznetz-vorh
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